Auf Grund der bevorstehenden Abschlussarbeit mit dem Titel „Leben und lernen am Bauernhof“ Einbindung einer sozialpädagogischen Wohngruppe für Jugendliche und junge Erwachsene in einen biologisch geführten landwirtschaftlichen Betrieb, befasst sich diese Seminararbeit, mit für die oben genannte Arbeit, relevanten Themenbereichen der Ethik. Den ethischen Gedanken für die gesamte Arbeit liegt das Zitat „Der neue Mensch“ von Erich Fromm (1976) zu Grunde „Sich eins zu fühlen mit allem Lebendigen und daher das Ziel aufzugeben, die Natur zu erobern, zu unterwerfen, sie auszubeuten, zu vergewaltigen und zu zerstören und statt dessen zu versuchen, sie zu verstehen und mit ihr zu kooperieren.“ (Fromm, E. 1976)
Da genau diese Aussage die Basis für das Leben im allgemeinen, und das Leben im speziellen für das Konzept, bilden soll, werden die Themen wie Menschenrecht, Menschenwürde, der Natur- und Tierschutz so wie die artgerechte Tierhaltung von Seiten der Ethik, und der Gesetzte und der Miteinbeziehung der Geschichte betrachtet.
Im laufe der Evolution entwickelt sich der Mensch vom Instinkt getrieben natürlichem Wesen zu einem Kulturwesen, in der die Kultur beinahe die Natur ersetzt, und somit eine Entfremdung der Natur geschieht. Je nach Kultur, Religion und Zeit werden Natur vorzugsweise Tiere verehrt bzw. vergöttert, als Opfer den Göttern angeboten, oder sind des Menschen Untertan.
Zwischen dem 6. und 5. Jh. v. Chr entstanden Religionen, in denen es strikt Verboten war lebende Wesen zu töten oder zu schädigen wie es z.B. beim Buddhismus der Fall ist. Im Gegensatz dazu ein Zitat von Augustinus (354 – 430 n. Chr.) „Der Mensch allein hat Vernunft, er allein ist mit einer unsterblichen Seele ausgestattet – steht in einer fast engelgleichen Position zwischen Gott und Tier (der Mann übrigens über der Frau).“ welcher zu seiner Zeit die christlichen Werte vertrat, die hie und da noch in diesem Sinne gelebt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Hof (Kurzfassung)
3. Leitbild
4. Gesetze - Richtlinien – Tierhaltung
4.1 Gesetze
4.2 Tierhaltung
4.3 Richtlinien zur Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere
5. Ethik in der Mensch Tierbeziehung
5.1 Die Mensch-Nutztier-Beziehung und der Fortschritt
5.2 Ethik und Moral gegenüber dem Tier
6. Umgang mit dem Klientel
6.1 Junge Erwachsene
6.2 Kinder und Jugendliche
7. Das Team und der Umgang untereinander
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ethischen Grundlagen und gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Einbindung einer sozialpädagogischen Wohngruppe in einen landwirtschaftlichen Betrieb, mit dem Ziel, eine humane und respektvolle Beziehung zwischen Mensch, Tier und Natur zu fördern.
- Ethische Reflexion der Mensch-Tier-Beziehung
- Rechtliche Grundlagen der Tierhaltung und des Tierschutzes
- Sozialpädagogische Arbeit mit jungen Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen
- Empowerment und Inklusion in einem landwirtschaftlichen Integrationskontext
- Bedeutung multiprofessioneller Teamstrukturen für ethische Entscheidungsprozesse
Auszug aus dem Buch
5.2 Ethik und Moral gegenüber dem Tier
Die artgerechte Tierhaltung richtet sich nach den Bedürfnissen der Tiere, in Nahrungsaufnahme Ruhe-, Komfort- und Sozialverhalten, und soll den Beitrag leisten, die Gewinnung von Lebensmitteln tierischer Herkunft ethisch und moralisch vertreten zu können.
„Im erweiterten Sinn kann man artgemäße Tierhaltung auch als Kulturauftrag verstehen. Denn die Kultur einer Gesellschaft zeigt sich auch und gerade im Umgang mit der Natur, insbesondere mit der empfindenden Natur: den Tieren.“(Geßl, 2003, S.2, http://www.freiland.or.at)
Um ein Tier artgerecht halten und in der tiergestützten Intervention einsetzen zu können, ist neben dem theoretischem Wissen und der praktischen Erfahrungen im Umgang mit Tieren die Grundhaltung dem Mitlebewesen gegenüber entscheidend. Da sich Tiere nicht der selben analogen Sprache bedienen wie wir Menschen gehört es zu den Pflichten über die Sprache der verschieden Tiere bescheid zu wissen, dieses sensibel zu beobachten um empathisch darauf reagieren zu können. Es obliegt den Haltern abzuschätzen, welches Tier zu welcher Zeit und für welche Aufgaben mit welchen Klienten und Klientinnen eingesetzt werden kann.
„...es verlangt letztlich eine Ethik der Ehrfurcht vor dem Leben, die sowohl das eigene Leben als auch das Leben der anderen Spezies achtet und erst im Zusammenleben Erfüllung findet.“(Olbrich & Wohlfahrt, 2014, S.8)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung verortet das Thema im Kontext einer sozialpädagogischen Wohngruppe am Bauernhof und begründet die Relevanz ethischer Fragestellungen anhand von Erich Fromms Lebensphilosophie.
2. Hof (Kurzfassung): Es wird das Konzept eines Integrationshofes vorgestellt, der durch die Einbindung unterschiedlicher Berufsgruppen und KlientInnen Inklusion und soziale Teilhabe ermöglicht.
3. Leitbild: Das Kapitel definiert die ethische Grundhaltung des Hofes, die auf Inklusion, Partizipation und dem Empowerment-Gedanken gegenüber BewohnerInnen und MitarbeiterInnen basiert.
4. Gesetze - Richtlinien – Tierhaltung: Hier werden die rechtlichen Rahmenbedingungen der Tierhaltung sowie Tierschutzgesetze kritisch diskutiert, um die Balance zwischen Nutztierhaltung und ethischer Verantwortung aufzuzeigen.
5. Ethik in der Mensch Tierbeziehung: Dieses Kapitel thematisiert den historischen Wandel der Mensch-Tier-Beziehung durch Technologisierung und betont die Notwendigkeit einer ethischen Grundhaltung in der tiergestützten Intervention.
6. Umgang mit dem Klientel: Das Kapitel beleuchtet die spezifischen pädagogischen Ansätze in der Betreuung von jungen Erwachsenen sowie Kindern und Jugendlichen unter Berücksichtigung von Menschenrechten und Elternarbeit.
7. Das Team und der Umgang untereinander: Es wird die Bedeutung multiprofessioneller Teamarbeit hervorgehoben, wobei insbesondere klare Rollenstrukturen und eine positive Streitkultur als Basis für ethisch fundierte Entscheidungen dienen.
8. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass trotz der ethischen Komplexität ein stärkerer Einbezug der Natur und Tiere in den sozialpädagogischen Alltag notwendig und erstrebenswert ist.
Schlüsselwörter
Ethik, Moral, Tierschutz, Nutztierhaltung, Inklusion, Empowerment, Sozialpädagogik, tiergestützte Intervention, Mensch-Tier-Beziehung, Landwirtschaft, Menschenwürde, Integration, multiprofessionelles Team, Kindeswohl, Lebenswelt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den ethischen und moralischen Aspekten der Mensch-Tier-Beziehung im Kontext einer sozialpädagogischen Wohngruppe, die auf einem landwirtschaftlichen Betrieb integriert ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind Tierschutz und artgerechte Tierhaltung, inklusive Pädagogik, die ethische Reflexion im professionellen Handeln sowie die Rolle der Natur bei der Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie ein respektvoller Umgang mit Tieren und Natur in den sozialpädagogischen Alltag integriert werden kann, um Lern- und Entwicklungsprozesse der BewohnerInnen zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturrecherche und der Analyse von Gesetzen, Richtlinien und ethischen Grundsatztexten, um das Konzept des Integrationshofes theoretisch zu stützen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in rechtliche Rahmenbedingungen der Tierhaltung, die philosophische Reflexion der Mensch-Tier-Beziehung, die pädagogische Arbeit mit verschiedenen Klientengruppen und die Bedeutung von Teamstrukturen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Inklusion, ethische Verantwortung, Tierschutz, Empowerment, tiergestützte Pädagogik und multiprofessionelle Teamdynamik.
Warum ist das Teamkonzept für den Hof so wichtig?
Ein multiprofessionelles Team ermöglicht es, unterschiedliche Perspektiven in die Entscheidungsfindung einzubringen, was moralische Fehlentscheidungen minimiert und die Qualität der pädagogischen Arbeit erhöht.
Wie unterscheidet sich die Betreuung von Kindern und jungen Erwachsenen?
Während bei jungen Erwachsenen die Verselbstständigung und Alltagskompetenz im Fokus stehen, spielt bei Kindern und Jugendlichen die Elternarbeit sowie der Schutz des Kindeswohls im institutionellen Kontext eine zentralere Rolle.
Welchen Stellenwert hat die Natur in dieser pädagogischen Konzeption?
Die Natur und der Umgang mit Tieren dienen als Lernfeld für die BewohnerInnen, um sich von der technisierten Lebenswelt zu distanzieren und eine tiefere Verbindung zu lebendigen Wesen aufzubauen.
Was schlägt der Autor für die Zukunft vor?
Der Autor fordert mehr Einrichtungen, die Natur und Tiere in den Lebensalltag integrieren, da dies die persönliche Entwicklung der KlientInnen nachhaltig unterstützen kann.
- Quote paper
- Christian Haas (Author), 2015, Ethik und Moral im Umgang mit Mitlebewesen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453060