Mit der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise und dem Zusammenbruch der US-amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers im Jahr 2008 begann eine Intensivierung der Regulierungsbestrebungen im Finanzsektor. Im Rahmen dieser Arbeit wird eine Betrachtung der Auswirkungen der Regulierung vorgenommen. Angesichts der Vielzahl und Komplexität an regulatorischen Anforderungen beschränkt sich die Betrachtung auf die wesentlichen Inhalte aus den unter Basel III subsumierten Regulierungsinitiativen und deren Auswirkungen. Intention dieser Regulierungsbestrebungen war es, hierbei die Stabilität des Finanzsystems wiederherzustellen und negative Auswirkungen zukünftiger Krisen zu verhindern. Hierdurch kam es zu grundlegendenden Veränderungen des Bankgeschäfts.
Insbesondere den unter Basel III subsumierten Regulierungsinitiativen kommt dabei eine zentrale Bedeutung zu. Das vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht verabschiedete Reformpaket erweitert die bisherigen Rahmenwerke nicht nur um quantitativ und qualitativ verschärfte Eigenkapitalanforderungen, sondern sieht für die Kreditinstitute ebenso die Einführung einer Verschuldungshöchstgrenze vor und beinhaltet zudem auch erstmals Vorgaben im Hinblick auf einzuhaltende Liquiditätsstandards. Innerhalb der Kreditwirtschaft stellt sich die Frage, welche Folgen die Konfrontation mit den regulatorischen Anforderungen für die Zukunft der einzelnen Geschäftsstrategien und -modelle der Banken nach sich zieht.
Zu Anfang werden die begrifflichen Grundlagen gelegt, indem eine Definition der abstrakten Begriffe "Geschäftsstrategie" und "Geschäftsmodell" vorgenommen wird. Danach folgt eine Beschreibung von institutsspezifischen bankbetrieblichen Geschäftsstrategien und -modellen anhand von vier ausgewählten Dimensionen. Im Anschluss wird ein Überblick über die wesentlichen Regulierungsaspekte aus Basel III gegeben, um eine Analyse der Auswirkungen letzterer auf die Geschäftsstrategien und -modelle der Banken vornehmen zu können. Im Rahmen des letzten Kapitels werden die identifizierten Auswirkungen aus der vorgenommenen Analyse zusammengefasst und ein Ausblick in die Zukunft der Bankenregulierung gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffliche Grundlagen
2.1 Bankbetriebliche Geschäftsstrategien und -modelle
2.1.1 Produkte und Dienstleistungen
2.1.2 Kundenzielgruppe
2.1.3 Erlösmodell und Ertragsstruktur
2.1.4 Refinanzierung
3. Überblick über regulatorische Maßnahmen
3.1 Basel III
3.1.1 Eigenkapitalanforderungen
3.1.2 Leverage Ratio
3.1.3 Liquiditätsanforderungen
4. Auswirkungen auf die Kreditinstitute
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen der durch Basel III verschärften regulatorischen Anforderungen auf die Geschäftsstrategien und -modelle von Banken. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie sich Kreditinstitute an die veränderten Rahmenbedingungen anpassen und welche Folgen dies für ihre Produktgestaltung, Zielgruppen und Refinanzierungsstrukturen hat.
- Analyse der bankbetrieblichen Geschäftsstrategien und -modelle
- Überblick über wesentliche regulatorische Maßnahmen aus Basel III
- Untersuchung der Eigenkapital- und Liquiditätsanforderungen
- Analyse der betriebswirtschaftlichen Auswirkungen auf Kreditinstitute
- Bewertung von Anpassungsstrategien in Zeiten von Niedrigzinsen
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Eigenkapitalanforderungen
Die Neuregulierung der Eigenkapitalanforderungen bildet das zentrale Element des Basel III Rahmenwerkes. Mit der Maßnahme wird die Intention verfolgt, die Qualität und Quantität des Eigenkapitals der Banken zu verbessern, um die in der globalen Finanzkrise zu Tage getretenen Defizite in Bezug auf die Verlustabsorptionsfunktion des Eigenkapitals zu reduzieren. Darüber hinaus wird durch strengere Anerkennungsvoraussetzungen eine transparentere und einheitlichere Ermittlung der einzelnen Kapitalbestandteile angestrebt.
Aus aufsichtsrechtlicher Perspektive wird nun eine Aufteilung des Eigenkapital-Begriffs in die Kategorien Hartes Kernkapital, Zusätzliches Kernkapital und Ergänzungskapital vorgenommen. Bisher für die Abdeckung von Marktrisiken zugelassene Drittrangmittel finden dagegen keine Berücksichtigung mehr. Durch die Vorgabe eines Anteils an hartem Kernkapital von 4,5 % der risikogewichteten Aktiva wird eine deutliche Erhöhung der Eigenkapitalquantität angestrebt. Hartes und zusätzliches Kernkapital sollen potenzielle Verluste bei Fortführung des Geschäftsbetriebes auffangen und eine Insolvenz verhindern.
Das Ergänzungskapital erhält in Zukunft eine geringere Bedeutung, da es ausschließlich zur Befriedigung der Gläubigeransprüche im Insolvenzfall herangezogen werden kann. Die wesentlichen Kriterien für die Beurteilung und Zuordnung der Kapitalinstrumente zu einer Kategorie stellen unabhängig von der Rechtsform eines Kreditinstituts die effektive Kapitaleinzahlung, die Dauerhaftigkeit der Kapitalbereitstellung, die Nachrangigkeit und uneingeschränkte Verlustteilnahme sowie die Verhinderung obligatorischer Ausschüttungen dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik nach der Finanzkrise 2008 ein und skizziert die Relevanz der Regulierung durch Basel III für die Geschäftsmodelle von Banken.
2. Begriffliche Grundlagen: In diesem Kapitel werden die Definitionen von Geschäftsstrategien und -modellen sowie deren vier zentrale Dimensionen (Produkte, Kunden, Erlösmodell, Refinanzierung) erläutert.
3. Überblick über regulatorische Maßnahmen: Hier werden die Kernelemente von Basel III, insbesondere die Eigenkapitalanforderungen, die Leverage Ratio und Liquiditätsstandards (LCR, NSFR), dargestellt.
4. Auswirkungen auf die Kreditinstitute: Dieses Kapitel analysiert die konkreten Folgen der Regulierung, wie Kostenbelastungen und Anpassungsdruck auf Geschäftsmodelle und Portfolios der Banken.
5. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass die Regulierung zwar hohe Anforderungen stellt, aber keine fundamentale Abkehr von etablierten Geschäftsmodellen erzwingt, sondern zu notwendigen Anpassungsprozessen führt.
Schlüsselwörter
Basel III, Bankenregulierung, Geschäftsmodell, Eigenkapitalanforderungen, Leverage Ratio, Liquidität, LCR, NSFR, Bankbetriebslehre, Finanzkrise, Kreditgeschäft, Risikomanagement, Geschäftsstrategie, Bankenaufsicht, Bankbilanz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den ökonomischen Konsequenzen, die aus der verschärften Bankenregulierung (insbesondere Basel III) für die strategische Ausrichtung und das operative Geschäft von Banken resultieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Geschäftsmodellen, die regulatorischen Details von Basel III sowie die Auswirkungen dieser Vorgaben auf Bilanzstrukturen und Ertragsmöglichkeiten von Kreditinstituten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?
Ziel ist es zu untersuchen, inwieweit regulatorische Maßnahmen die Geschäftsstrategien von Banken beeinflussen und ob diese gezwungen sind, ihre Geschäftsmodelle fundamental neu auszurichten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Studien (u.a. von KPMG, BIZ und Bundesbank) und einer strukturierten Analyse der Auswirkungen regulatorischer Instrumente auf die Dimensionen des Bankgeschäfts.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Begriffe, einen detaillierten Überblick über die regulatorischen Anforderungen von Basel III und eine anschließende Wirkungsanalyse auf die Kreditwirtschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Basel III, Eigenkapitalanforderungen, Liquiditätskennziffern, Leverage Ratio und Geschäftsmodell-Analyse charakterisiert.
Wie wirkt sich die Leverage Ratio konkret auf Bankgeschäfte aus?
Die Leverage Ratio führt dazu, dass Banken ihre Bilanzsumme stärker kontrollieren müssen, was insbesondere Anreize schafft, risikointensivere, aber renditeträchtigere Geschäfte gegenüber weniger rentablen Bilanzpositionen zu bevorzugen.
Warum müssen Banken ihre Liquiditätsstrukturen anpassen?
Aufgrund der Anforderungen von LCR und NSFR müssen Banken ihre Fristentransformation begrenzen und eine stabilere, längerfristige Refinanzierung sicherstellen, was die Abhängigkeit von kurzfristigen Spareinlagen verringert.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2016, Regulierungsbestrebungen im Finanzsektor, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453068