Die heutige Situation alter Menschen in Japan ist eine sehr facettenreiche Thematik, der eine große gesellschaftliche Umwälzung zugrunde liegt. Eine Ursache für die Umstrukturierung ist der demographische Wandel, von dem Japan besonders betroffen ist. Eine sinkende Sterbe- und Geburtenrate tragen maßgeblich dazu bei, dass die Menschen stetig älter werden und nicht mehr so viele junge Menschen da sind, um die Altersverteilung im Gleichgewicht zu halten.
Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Wert des Alters. Um die Wertigkeit des Alters greifen zu können, stellen Staat und Familie die Akteure dar, die für den Zeitraum von 1945 bis heute näher untersucht werden. Dabei werden die zeitlichen Abschnitte von 1945 bis 1970 und von 1970 bis heute gesondert betrachtet. Es soll herausgestellt werden, ob sich der Wert des Alters in Bezug auf diese beiden Akteure verändert hat und in welchem Kontext Staat und Familie bei dieser Thematik stehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Demographischer Wandel
3. Älter werden in Japan zwischen 1945 und 1970
3.1 Historische Wurzeln des Wohlfahrtstaates
3.2 Verlagerung der Verantwortung durch den Staat
3.3 Die Rolle der Familie
4. Älter werden in Japan seit 1970
4.1 Die Distanzierung der Familien von der Pflege
4.2 Die Verantwortung des Staates
4.3 Die Pflegeversicherung
5. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht den gesellschaftlichen und politischen Wertewandel im Umgang mit dem Altern in Japan im Zeitraum von 1945 bis heute. Dabei wird analysiert, wie sich die Verantwortung für die Pflege alter Menschen zwischen dem Staat und der Familie verschoben hat und ob sich dies als Wertewandel in Bezug auf das Alter deuten lässt.
- Historische Entwicklung des japanischen Wohlfahrtssystems nach 1945.
- Einfluss demographischer Veränderungen auf die Familienstruktur.
- Vergleich der staatlichen und familiären Verantwortung über zwei Zeitabschnitte.
- Analyse der Einführung der japanischen Pflegeversicherung als Wendepunkt.
- Vergleichende Betrachtung der Rolle der Frau bei der häuslichen Pflege.
Auszug aus dem Buch
3.1 Historische Wurzeln des Wohlfahrtstaates
Die Geschichte der Wohlfahrt für alte Menschen in Japan beginnt mit der Meiji-Restauration im Jahr 1868. Japan beendete zu diesem Zeitpunkt eine 200 Jahre andauernde Zeit stark eingeschränkter Kontakte zum Westen. Ein Zentralstaat bildete sich heraus. Einen Grundstein legten die neuen politischen Führer, indem sie die Standesgesellschaft abschafften und den bushi ihre Vorrechte entzogen. Mit Blick auf den Westen wurde klar, dass ein starker Staat eine Staatsreligion in seinem Rücken benötigte. Der Buddhismus wurde hierfür aufgrund mehrerer Faktoren ausgeschlossen. Zum Einen wegen der engen Verknüpfung zum vergangenen Tokugawa-Shôgunat und den damit verbundenen Tempelregistrierungen, zum Anderen konnten die verschiedenen buddhistischen Schulen nicht als eine Einheit zusammengefasst werden, da eher Unterschiede akzentuiert wurden. Die buddhistischen Mönche wurden zeitweise scharf verfolgt und in eine defensive Haltung zurückgedrängt (SHIMADA / TAGSOLD 2006: 75).
Daraus resultierend wurden die Weichen für den Shintôismus als Staatskult gelegt. Dieser wurde auf die Person des Tennô konzentriert und mit neokonfuzianischen Werten gespickt, die die Stellung des Tennô noch weiter hervorhoben. Das zu einem Zentralstaat umgeformte Japan erwählte das Motto „reicher Staat – starke Armee“ (SHIMADA / TAGSOLD 2006: 76).
Aufgrund dieser Umstrukturierung des japanischen Staates wurden zwei Akteure, die für eine frühzeitige Herausbildung eines Wohlfahrtssektors von Nöten gewesen wären, zurückgedrängt. Zum einen die bereits erwähnten buddhistischen Tempel, die aufgrund ihrer misslichen Lage im Staat keine Wohlfahrtsinstitutionen herausbilden konnten, wie es bei den deutschen Kirchen der Fall gewesen war, und zum anderen die Kommunen, die kaum lokale Wohlfahrtsstrukturen entwickeln konnten, da sie zu sehr vom zentralisierten Staat abhängig waren. Demnach lag die Etablierung sozialer Systeme und Einrichtungen nach der Meiji-Restauration in den Händen des Staates. Beginnend bei den Staatsdienern wurden im Laufe der Jahre mehrere Gesetze im Bereich des Wohlfahrtssektors erlassen (SHIMADA / TAGSOLD 2006: 76).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des demographischen Wandels in Japan ein und definiert die Fragestellung zur Verantwortungsverschiebung zwischen Staat und Familie.
2. Demographischer Wandel: Das Kapitel beschreibt die durch sinkende Geburtenraten und steigende Lebenserwartung hervorgerufene Alterung der japanischen Gesellschaft.
3. Älter werden in Japan zwischen 1945 und 1970: Hier wird der historische Kontext der Wohlfahrtspolitik beleuchtet, in dem die Familie traditionell als Hauptverantwortliche für die Altenpflege galt.
3.1 Historische Wurzeln des Wohlfahrtstaates: Dieses Kapitel erläutert die Entstehung des japanischen Wohlfahrtsverständnisses nach der Meiji-Restauration und die Rolle des Tennô.
3.2 Verlagerung der Verantwortung durch den Staat: Es wird analysiert, wie nach 1945 neue Gesetze die Basis für ein demokratisches Wohlfahrtsverständnis legten.
3.3 Die Rolle der Familie: Dieser Teil befasst sich mit dem konfuzianischen Ideal der Großfamilie (le) und dessen Bedeutung für die häusliche Pflege.
4. Älter werden in Japan seit 1970: Das Kapitel behandelt den Wendepunkt der Wohlfahrtspolitik und das zunehmende Engagement des Staates angesichts der gesellschaftlichen Veränderungen.
4.1 Die Distanzierung der Familien von der Pflege: Es wird aufgezeigt, warum das traditionelle Pflegekonzept aufgrund sozialer und demographischer Faktoren unter Druck geriet.
4.2 Die Verantwortung des Staates: Dieses Kapitel untersucht die politischen Reaktionen auf die wachsende Belastung der Familien und die Reformen der 1980er Jahre.
4.3 Die Pflegeversicherung: Hier wird die im Jahr 2000 eingeführte Pflegeversicherung als institutionelle Antwort auf den Pflegebedarf dargestellt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Wertverschiebungen in Bezug auf das Alter zwischen Staat und Familie zusammen und belegt den Wandel im betrachteten Zeitraum.
6. Literaturverzeichnis: Dies ist das Verzeichnis der verwendeten Quellen und wissenschaftlichen Publikationen.
Schlüsselwörter
Japan, Altenpflege, Demographischer Wandel, Wohlfahrtsstaat, Familie, le-System, Wertewandel, Pflegeversicherung, Sozialpolitik, Alterung, Pflegebedürftigkeit, 1945, 1970, Generationenvertrag, Meiji-Restauration.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie sich die Verantwortung für die Pflege alter Menschen in Japan zwischen dem Staat und der Familie im Zeitraum von 1945 bis heute verändert hat.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Zentrale Themen sind der demographische Wandel, die historische Entwicklung der japanischen Wohlfahrtspolitik, die soziologische Bedeutung des Familienkonzepts (le) sowie die Einführung institutioneller Pflegeformen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob ein messbarer Wertewandel in Bezug auf das Alter stattgefunden hat und wie die Dynamik zwischen staatlicher Vorsorge und familiärer Pflegepflicht verlaufen ist.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer historischen und soziologischen Analyse unter Einbeziehung von Gesetzeshistorien, demographischen Daten und Fachliteratur zur japanischen Gesellschaft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert untersucht?
Der Hauptteil gliedert sich in zwei zeitliche Epochen (1945-1970 und ab 1970), in denen jeweils die staatliche Politik und die familiäre Situation im Vergleich beleuchtet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind Demographischer Wandel, le-System, japanischer Wohlfahrtsstaat, Pflegeversicherung und die Veränderung der traditionellen Familienstruktur.
Welchen Einfluss hatte das le-System auf die Altenpflege in Japan?
Das le-System basierte auf konfuzianischen Werten, bei denen die Familie – insbesondere die Schwiegertöchter – die primäre Verantwortung für die Pflege der Älteren trug, was lange Zeit als kulturelle Norm galt.
Warum wird das Jahr 1973 als Wendepunkt in der Wohlfahrtspolitik markiert?
Das Jahr 1973 wird als „Wohlfahrtsgründungsjahr“ deklariert, da die Regierung unter Tanaka Kakuei den Ausbau sozialer Sicherungssysteme massiv forcierte.
Wie unterscheidet sich die japanische Pflegeversicherung von einem rein privaten System?
Die japanische Pflegeversicherung ist eine Pflichtversicherung, die regional verwaltet wird und Sachleistungen für Pflegebedürftige ab 65 Jahren vorsieht, um die Familien zu entlasten.
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- Leyntje Bousselhem (Autor), 2011, Älter werden in Japan. Die Verantwortung für die Pflege als Spielball zwischen Staat und Familie, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453164