Pflegerische Versorgung in stationären Einrichtungen. Wie lässt sich die demographische Alterung meistern?


Fachbuch, 2019
80 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Zusammenfassung (Abstract)

1 Einleitung und Public Health Relevanz
1.1 Forschungsstand in der Literatur
1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung der Arbeit

2 Methodik

3 Demographische Alterung
3.1 Pflegebedürftigkeit
3.2 Fachkräftemangel in stationären Einrichtungen
3.3 Zwischenresümee

4 Zunahme und Veränderung des Pflegebedarfs
4.1 Personalgewinnung und -bindung
4.2 Verminderung der Versorgungsqualität

5 Maßnahmen zur Optimierung der pflegerischen Versorgung
5.1 Employer Branding
5.2 Digitalisierung der Pflege

6 Diskussion der Ergebnisse

7 Handlungsempfehlungen

8 Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Altersaufbau der Bevölkerung, Deutschland 1910 bis 2060 (In Prozent der Gesamtbevölkerung)

Abbildung 2: Pflegebedürftige Personen von 1999-2060 in Deutschland

Abbildung 3: Gesundheitspersonal nach Altersgruppen 2016

Abbildung 4: Zukunftserwartungen für die Pflege (n=3885)

Abbildung 5: Patientensicherheit durch Pflegepersonalkontakt pro Schicht (in %)

Abbildung 6: Qualitätsdreieck der Arbeitgeberpositionierung

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: Pflegebedürftige in Pflegeheimen

Zusammenfassung (Abstract)

Fragestellung: In dieser Arbeit geht es um die Herausforderungen für Krankenhäuser und Pflegeheime durch die demographische Alterung und Lösungsansätze, die die Zukunft der Pflege verbessern sollen.

Zielsetzung: Ziel ist es die Auswirkungen der alternden Gesellschaft auf den Pflegesektor darzustellen, Herausforderungen zu identifizieren und Maßnahmen vorzustellen, die es stationären Einrichtungen auch in Zukunft ermöglichen, wettbewerbsfähig zu bleiben und die pflegerische Versorgung aufrecht zu erhalten.

Inhalt der Arbeit: Die Menschen in Deutschland werden zunehmend älter, denn die Lebenserwartung steigt. Gleichzeitig nimmt jedoch auch die Pflegebedürftigkeit und die Anzahl altersassoziierter Erkrankungen zu. Das stellt die stationären Einrichtungen vor große Herausforderungen, denn der Fachkräftemangel nimmt stetig zu. Gleichzeitig sind die vorhandenen Pflegekräfte überlastet und unzufrieden. Sie wechseln den Beruf oder scheiden frühzeitig krankheitsbedingt aus. Maßnahmen wie das Employer Branding oder die Digitalisierung sollen neue Ansätze schaffen, um diese Probleme zu bekämpfen.

Ergebnisse: Die Zunahme der alten Bevölkerung und die gleichzeitige sinkende junge Bevölkerung führen zu einer erhöhten Nachfrage nach Gesundheitsleistungen. Es fehlt jedoch an Fachkräften, die diesen wachsenden Pflegebedarf auffangen. Prognosen zufolge wird es zu einem Versorgungsdefizit kommen, so dass zukünftig nicht genug Pflegepersonal zur Verfügung steht, um die Anzahl Pflegebedürftiger zu versorgen. Gleichzeitig sind die aktuellen Belastungen in dem Pflegeberuf so hoch, dass ein Kreislauf aus fehlendem Nachwuchs und dem Verlust der bestehenden Pflegekräfte entsteht. Ohne geeignete Maßnahmen zur Personalgewinnung und -bindung wird der Pflegebedarf in naher Zukunft nicht mehr zu bewältigen sein.

Schlussfolgerung: Die stationären Einrichtungen müssen sich aktiv mit den neuen Anforderungen an die Pflege auseinandersetzen. Dazu muss vor allem in die Mitarbeitergewinnung und -bindung investiert werden, sowie die Attraktivität des Pflegeberufs gesteigert werden.

Zur besseren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit auf geschlechtsspezifische Formulierungen verzichtet. Sämtliche personenbezogenen Bezeichnungen sind geschlechtsneutral zu verstehen.

1 Einleitung und Public Health Relevanz

Die Menschen in Deutschland werden immer älter, wodurch sich nun eine „Gesellschaft des langen Lebens“ entwickelt (Robert Koch-Institut 2015a, S. 437). Die Pflege steht aufgrund der demographischen Alterung vor großen Herausforderungen. In Deutschland lebten im Jahr 2016 82,5 Millionen Menschen (Statistisches Bundesamt, 2018). Jede(r) fünfte Deutsche war 65 Jahre und älter (21%). Im Jahr 2060 wird voraussichtlich jeder dritte Mensch 65 Jahre und älter sein (33%). Die Zahl der über 80-Jährigen stieg von 1999 bis 2013 von 2,9 Millionen auf 4,4 Millionen an (Statistisches Bundesamt, 2015b). Mit erhöhtem Alter erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für altersassoziierte Erkrankungen und die Abnahme der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit. Folglich kommt es zu Einschränkungen bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben. Daraus resultiert im Alter häufig eine Hilfs- und Pflegebedürftigkeit und eine Einschränkung des selbstbestimmten Lebens (Robert Koch-Institut, 2015b). Mit zunehmendem Alter steigt auch der Pflegebedarf an, dieser liegt bei den 65- bis 69-Jährigen bei 3%, bei den 80-84-Jährigen bereits bei 21% und bei den über 90- Jährigen bei 64% (DIP, 2017). Aktuell gibt es 3,3 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, 2030 werden es bereits 4,1 Millionen sein (Bundesministerium für Gesundheit, 2018).

Im Jahr 2015 wurden 708.000 (33%) der Pflegebedürftigen über 65 Jahre in Pflegeheimen versorgt. Mit dem Alter steigt auch die Wahrscheinlichkeit, auf einen Pflegeheimplatz angewiesen zu sein. Bei den 65- bis 69-Jährigen mussten 22% der Pflegebedürftigen in Pflegeheimen versorgt werden, bei den über 90-Jährigen waren es schon 46% (Statistisches Bundesamt, 2015b). Nicht selten kommt es im Alter zudem zu einer Vielzahl von Erkrankungen zur gleichen Zeit, was dazu führt, dass ältere Menschen durchschnittlich häufiger und länger im Krankenhaus verbleiben als jüngere (Statistisches Bundesamt, 2010). 2014 war daher fast jeder zweite Krankenhauspatient 65 Jahre oder älter (Statistisches Bundesamt, 2016a). Zusätzlich wird die Belegschaft in stationären Einrichtungen1 immer älter, qualifizierter Nachwuchs fehlt, und immer mehr ältere Menschen müssen pflegerisch versorgt werden (Statistisches Bundesamt, 2015b). Folglich ist die Arbeitsbelastung in der Pflege hoch und die Ausfälle können kaum noch kompensiert werden (Bräutigam, Dahlbeck, Enste, Evans, Hilbert, 2010). Der Bedarf an Pflegekräften nimmt durch die demographische Alterung somit stetig zu. 2016 waren ca. 2 Millionen Menschen in stationären oder teilstationären Einrichtungen beschäftigt. 2025 könnte der Bedarf an Pflegepersonal bereits 27% höher liegen als 2005. Das heißt 2025 würden rund 200.000 Pflegekräfte fehlen (Bundesministerium für Gesundheit, 2018). Schon heute besteht ein Mangel an qualifizierten Fachkräften, und den vorhandenen Pflegekräften fehlt die Zeit für fachgerechte und zuwendungsorientierte Pflege und Betreuung. Der Pflegesektor stößt bereits jetzt an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit. Damit entsteht eine große Herausforderung, den wachsenden Bedarf an informellen und professionellen Helfern zu decken. Zusätzlich wird die Personalgewinnung und -bindung für stationäre Einrichtungen immer schwieriger, die Pflegekräfte leiden zunehmend unter den physischen und psychischen Belastungen ihres Berufs und sind unzufrieden mit der Gesamtsituation der Pflege. Das kann zu gravierenden Folgen für die pflegerische Versorgungsqualität führen (DIP, 2017).

Die demographische Entwicklung bringt die Gesellschaft und auch die stationären Einrichtungen somit in große Schwierigkeiten. Treibender Faktor dafür ist die Altersentwicklung in Deutschland aber auch die Zunahme der Einpersonenhaushalte, die erhöhte Erwerbstätigkeit von Frauen und die im Alter zunehmende Anzahl schwerwiegender Erkrankungen. Es droht ein Versorgungsnotstand, der in 20 bis 30 Jahren dazu führen kann, dass heute 40- bis 50-Jährige nicht mehr die Versorgung erhalten, die sie benötigen (Bertelsmann Stiftung, 2012). Das Gesundheitssystem wird in seiner jetzigen Verfassung nicht mehr zukunftsfähig sein (WifOR Wirtschaftsforschung, 2010). Nachfolgend wird nun der Forschungsstand in der Literatur zu den Herausforderungen für die stationären Einrichtungen der Pflege ausgeführt.

1.1 Forschungsstand in der Literatur

Das Thema „Herausforderungen für die Pflege“ wird in der Literatur sehr einheitlich betrachtet. Vor allem die demographische Alterung und ihre Auswirkungen auf die Gesellschaft und ihre Gesundheit sind ein zentraler Forschungsschwerpunkt. Bereits 2009 befasste sich das Robert Koch-Institut mit dem Thema „Gesundheit und Krankheit im Alter“ und beschäftigte sich mit der Veränderung der Altersstruktur und der Alterung der Bevölkerung in Deutschland, sowie den daraus resultierenden Auswirkungen auf die Gesundheit (Böhm, Tesch-Römer, Ziese, 2009). 2015 erforschte das Robert Koch-Institut zudem welche Auswirkungen der demographische Wandel auf die Gesundheit hat (Robert Koch-Institut, 2015a) und wie gesund ältere Menschen wirklich sind (Robert Koch-Institut, 2015b). Zur gleichen Zeit widmete sich auch das Statistische Bundesamt dem Thema „Generation 65+“ und kam wie das Robert Koch-Institut zu der Einschätzung, dass die steigende Pflegebedürftigkeit in Zukunft ein Problem darstellen wird (Statistisches Bundesamt, 2015b). 2016 erweiterte das Statistische Bundesamt seine Erkenntnisse mit der Zusammenfassung „Ältere Menschen in Deutschland und der EU“, in der eine weitere Zunahme der Hochbetagten, der Lebenserwartung und der Pflegebedürftigkeit thematisiert wurde (Statistisches Bundesamt, 2016a). Unterstützend dazu gibt das Statistisches Bundesamt jedes Jahr die Pflegestatistik mit aktuellen Zahlen bekannt. Die Publikationen des Robert Koch-Instituts und des Statistischen Bundesamts gehören zur Grundliteratur, wenn es um die demographische Alterung geht.

Weitere Erkenntnisse gibt es zu dem Bereich des Fachkräftemangels. Hierzu wurden 2015 von der Hochschule Hannover einige Daten zu der Unterbesetzung und zu dem Personalmehrbedarf in Krankenhäusern zusammengetragen, die aufzeigen, dass in Deutschland Stellen abgebaut wurden und dies heute zu erhöhten Arbeitsbelastungen und Fachkräftemangel führt (Simon, 2015). Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch die Darstellung von Afentakis und Maier 2010, die die Projektionen des Pflegebedarfs bis 2025 aufweist (Afentakis und Maier, 2010). Die Aussagen stehen zudem im Einklang mit jenen von Hämel und Schaeffer 2012, die feststellen, dass die professionelle Pflege aufgrund aktueller Entwicklungen immer wichtiger wird und nicht genügend Fachkräfte zur Verfügung stehen, um diese zu übernehmen (Hämel und Schaeffer, 2012). Unterstützend dazu verfasste die Bertelsmann Stiftung 2013 den Themenreport „Pflege 2030“, der auf die zu erwartende Entwicklung in der Pflege eingeht und die Bedeutung des Themas „Wachsende Bevölkerung und Pflegebedarf“ hervorhebt (Bertelsmann Stiftung, 2012).

Zusätzlich gibt es einige Studien, die im Bereich der Herausforderungen für die Pflege durchgeführt wurden. Dazu zunächst die Studie des Forschungsinstituts Betriebliche Bildung aus dem Jahr 2009, welches das Älterwerden in der Krankenhauspflege untersucht hat. Dabei wurden vor allem die Belastungen des Pflegepersonals betrachtet, sowie das Problem der zunehmenden Versorgung älterer Patienten (Freiling, 2009). Im gleichen Jahr erforschte die BGW das „Älter werden im Pflegeberuf“ und gab nach einer Analyse der grundsätzlichen Probleme erste Anreize und Empfehlungen zur Erhaltung der Mitarbeiter in dem Beruf bis zur Rente (BGW, 2014). 2010 erschien die Studie der WifOR Wirtschaftsforschung zu dem Thema „Fachkräftemangel bis 2030“, die sich auf öffentlich zugängliche Daten bezieht und ebenfalls drastische Engpässe in der Personalbesetzung im ambulanten und stationären Bereich darstellt (WifOR Wirtschaftsforschung, 2010). Zusätzlich wurden mithilfe der internationalen RN4Cast Studie 2011 die Arbeitsbelastungen für das Personal in der Pflege erfasst und vor allem das Burnoutrisiko als dramatisch eingestuft (Aiken et al., 2011). Zu dem selben Ergebnis, einer sehr hohen Arbeitsbelastung in der Pflege, kam 2015 auch der Pickert Report (Stahl und Nadj-Kittler, 2015). Zur Bekämpfung dieser Herausforderungen wurden auch Erkenntnisse zu Handlungsempfehlungen und Maßnahmen zusammengetragen. Dazu wurde 2011 das Gutachten für das Bundesministerium für Familie zum Thema „Familienfreundliche Arbeitszeiten“ erstellt, in dem es vor allem um die Senkung der Arbeitsbelastungen durch Planungssicherheit geht (IZA, 2011). Das BMWi erstellte 2012 zusätzlich eine Studie, die sich mit den Chancen zur Gewinnung von Fachkräften beschäftigte. Darin werden Möglichkeiten wie die Erhöhung des Arbeitsvolumens, Umschulungen oder Lohnelastizität thematisiert (BMWi, 2012). Unterstützend dazu referierten Benedix und Medjedovic 2014 zu den Gestaltungsoptionen für die Pflege aus Sicht der Beschäftigten (Benedix und Medjedovic, 2014). Insgesamt sind die Sichtweisen, dass die Pflege mit hohen Belastungen und Problemen in der Personalgewinnung einhergeht, in allen Publikationen erkennbar.

Die Digitalisierung der Pflege ist ein sehr neues Thema und ist daher noch nicht umfassend erforscht. Es gibt kaum Studien zu den Auswirkungen neuer Technologien auf die Pflege, ebenso wenig wie es Erfahrungsberichte gibt. 2015 veröffentlichte die BAuA einen Bericht zu dem Thema „Intelligente Technik in der beruflichen Pflege“ in dem es um die Chancen und Risiken einer Pflege 4.0 geht (BAuA, 2015). 2017 erschien die Studie im Auftrag der Hans-Böckler-Stiftung, die sich damit beschäftigte, ob mehr Technik auch zu besserer Arbeit im Krankenhaus führt. Dazu wurde eine Befragung deutscher Krankenhäuser durchgeführt. Es stellte sich heraus, dass die Mitarbeiter zwar an Technologisierung interessiert sind, sie jedoch am Häufigsten nur zur Datenbeschaffung genutzt wird. So sind einige Techniken weit verbreitet, während andere Neuerungen gar nicht umgesetzt werden. Aufgrund der geringen Repräsentativität und der kleinen Stichprobe konnten zudem keine gesicherten Erkenntnisse zum Thema Digitalisierung geliefert werden. Eine ähnliche Einschätzung ergibt sich aus der Studie des DIP 2017 zu dem Thema ePflege in Bezug auf IKT. Es stellte sich heraus, dass die IKT in der Pflege auf wenig Akzeptanz und Wissen stoßen (DIP, 2017). Unterstützend dazu erschien der Forschungsbericht der BGW zu dem Thema „Pflege 4.0“, der die einzelnen Wirkungen und Verbreitungen neuer Technologien durch eine Befragung analysierte. Auch hier stellte sich heraus, dass die Studienlage aktuell noch unbefriedigend ist und die Entwicklung neuer Techniken gehemmt wird. Mitarbeiter sind zudem mit dem Umgang neuer Techniken überfordert (BGW, 2017).

Bei dem Employer Branding ist es ähnlich. Es gibt wenig abgesicherte Erkenntnisse über die Wirkung, da das Thema zwar eine große Popularität erfährt, dies jedoch in der Forschung noch nicht umgesetzt wurde. So sind es eher Grundliteraturen wie von Sponheuer 2010 und Kanning 2017, die das Thema Employer Branding näher erläutern sollen. Erkenntnisse aus umgesetzten Projekten findet man jedoch nicht. Im nun folgenden Kapitel wird das Vorgehen in dieser Arbeit und ihre Zielsetzung erläutert.

1.2 Vorgehensweise und Zielsetzung der Arbeit

Das Hauptziel der Bachelorarbeit ist es, die aktuelle Situation der demographischen Alterung in Deutschland darzustellen und die daraus entstehenden Herausforderungen, für den Pflegebereich in Krankenhäusern und Pflegeheimen aufzuführen. Dadurch sollen vor allem Ausmaß und Ursachen des Fachkräftemangels analysiert und Handlungsmöglichkeiten für bessere Bedingungen in dem Pflegeberuf abgeleitet werden. Es soll verdeutlicht werden, vor welchen Problemen der Pflegesektor aktuell steht und wie wichtig es ist, Lösungen für den aktuellen Versorgungsnotstand zu finden bzw. einzuführen. Die aufgeführten Lösungsansätze sollen Möglichkeiten aufzeigen, sich als „idealer“ Arbeitgeber zu präsentieren und sich von anderen Unternehmen abzugrenzen, um so einen Vorteil in der Personalgewinnung und -bindung zu haben.

Zu Beginn der Arbeit wurde bereits kurz in das Thema eingeleitet und die Public Health Relevanz erläutert. Unter 2. erfolgt eine kurze Beschreibung der Methodik bevor in dem 3. Kapitel die Darstellung des theoretischen Hintergrunds zu dem Bereich der demographischen Alterung erfolgt. Dazu wird der Begriff „demographische Alterung“ definiert und es erfolgt die Aufführung statistischer Daten zu dem Bevölkerungsstand und der Bevölkerungsvorausberechnung in Deutschland, sowie u.a. zur aktuellen Alterung der Menschen und der Lebenserwartung. Unter 3.1. wird die Pflegebedürftigkeit näher erläutert und statistische Daten dazu aufgeführt. Zur Untermauerung dieses Punktes werden unter 3.1.1. die altersassoziierten Erkrankungen näher erläutert. Dazu werden hauptsächlich Parkinson, Demenz und Herz-Kreislauf-Erkrankungen betrachtet. Die Erkrankungen werden definiert und ihre Verbreitung in Deutschland festgehalten. Danach wird unter 3.1.2. der Begriff der Multimorbidität im Alter definiert und die Merkmale aufgeführt. Mit 3.2. erfolgt eine ausführliche Darstellung des aktuellen Fachkräftemangels in stationären Einrichtungen. Mit dem dritten Kapitel sollen zunächst die Begrifflichkeiten definiert werden, sowie aufgezeigt werden, welche Probleme durch die demographische Alterung entstehen und welche Faktoren in den Pflegebereich einfließen.

Nach der Darstellung des theoretischen Hintergrunds zu dem Thema werden unter 4. die Herausforderungen für die stationären Einrichtungen beschrieben. Dabei wird die Einleitung in dieses Kapitel mit der Zunahme und der Veränderung des Pflegebedarfs begonnen, da dies eine grundsätzliche und wichtige Herausforderung ist vor der stationäre Einrichtungen stehen. Untermauert wird dieser Punkt mit dem Problem der Personalgewinnung und -bindung. Dieses stellt eine zentrale Herausforderung dar, um den wachsenden Pflegebedarf zu decken. Unter 4.1.1. und 4.1.2. werden die Probleme erläutert, die dazu führen, dass die Personalgewinnung und -bindung im Pflegebereich erschwert ist. Anschließend erfolgt unter 5. die Aufführung möglicher Maßnahmen, um die aufgezeigten Probleme zu minimieren. Hierzu werden mehrere Möglichkeiten in Betracht gezogen und als Hauptbeispiele das Employer Branding und die Digitalisierung der Pflege aufgeführt. Mit dem 6. Punkt wird die Diskussion der Ergebnisse eingeleitet. Hierzu werden die gewonnenen Erkenntnisse zunächst zusammengefasst und anschließend entsprechende Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen (7.) daraus abgeleitet. Zuletzt erfolgt die Verfassung des Fazits und des Ausblicks.

Zur Übersichtlichkeit wurde in einigen Kapiteln mit Unterüberschriften gearbeitet, die in kursiv dargestellt werden. Nun erfolgt die Darstellung des methodischen Vorgehens.

2 Methodik

Zur Beantwortung der Fragestellung wurde die Vorgehensweise der reinen Literaturarbeit gewählt. Daten, Zahlen und Fakten zur demographischen Alterung und der Bevölkerungsentwicklung in Deutschland liefern u.a. das Statistische Bundesamt und das Robert Koch-Institut. Für die durchgeführte Literaturrecherche wurden Bücher und die Datenbanken Google Scholar, PubMed, der Bibliothekskatalog der Universität Bielefeld und Livivo gesichtet. Die zentralen Suchbegriffe für die Recherche waren „Herausforderungen für das Gesundheitswesen“, “Fachkräftemangel“, “Personalgewinnung“, “Pflege 4.0“, „Employer Branding“, „Digitalisierung der Pflege“, „Probleme der pflegerischen Versorgung“, „Pflegebedürftigkeit“, „altersassoziierte Erkrankungen“, „demographische Alterung“, „Belastungen des Pflegepersonals“, „Multimorbidität“ und „Optimierung der pflegerischen Versorgung“. Die Begriffe wurden in unterschiedlichen Kombinationen und durch Einsatz boolescher Operatoren wie AND, OR und NEAR verwendet. Bei der Recherche wurden ausschließlich deutsch- und englischsprachige Publikationen berücksichtigt. Um inhaltlich in das Thema einzusteigen, wurden die Abstracts und Einleitungen der gefunden Texte gelesen. Die als relevant identifizierten Quellen wurden als Gesamttext gelesen. Im nächsten Schritt wurden die Literaturverzeichnisse der Texte durchgesehen, um so weitere wichtige Quellen zu identifizieren. Diese Methode wurde gewählt, um ein breites Spektrum an Publikationen zusammenzutragen, die in diese Arbeit miteinfließen.

3 Demographische Alterung

Der demographische Wandel bezeichnet die Veränderungen der Bevölkerungsstruktur und der Bevölkerungszahl. Die demographische Alterung hingegen ist ein langwieriger, langsam verlaufender Prozess, bei dem es zu einer sinkenden Anzahl junger Menschen bei gleichzeitig steigender Anzahl älterer Menschen kommt (Nowossadeck, 2013a),(Robert Koch-Institut, 2015a). Es lassen sich drei Arten der Alterung unterscheiden. Dazu zählen das biologische Alter der Zellen, das abnutzungs- und krankheitsbedingte Alter der Organe und des Körpers sowie das rechnerisch ermittelte Durchschnittsalter eines Menschen bzw. die Lebenserwartung (Birg und Flöthmann, 2002). Innerhalb der Lebensphase „Alter“ lassen sich drei Altersgruppen unterscheiden. Zu den „Jungen Alten“ zählen Personen zwischen 60 bis 70 Jahren. Zu der Gruppe der „Alten“ gehören Personen im Alter von 70 bis 85 Jahren. Die häufige Gruppierung der „Hochbetagten oder Hochaltrigen“ wird ab 80 bis 85 Jahren verwendet (Thieme, 2008). Die demographische Alterung hängt im Wesentlichen von drei Determinanten ab. Dazu zählt die Mortalität, darunter fallen die Lebenserwartung und die Sterblichkeit eines Menschen. Dafür wird auf die Periodensterbetafeln zurückgegriffen, die seit 1971 erstellt werden. Aus ihnen gehen die Lebenserwartung bei Geburt, also die Zeitspanne von der Geburt bis zum Tod eines Menschen, sowie die ferne Lebenserwartung (die noch zu erwartenden Lebensjahre für bereits ältere Menschen) hervor. Als zweites die Fertilität, dieses bezeichnet die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau. Das heißt die Anzahl der Kinder, die eine Frau im Laufe ihres Lebens zur Welt bringt. Als dritter und letzter Faktor wird die Differenz aus den Zu- und Fortzügen, der sogenannte Wanderungssaldo genannt (Sporket, 2011).

Lebenserwartung und Sterblichkeit

Mithilfe der Lebenserwartung kann das Sterbegeschehen einer Bevölkerung in einer bestimmten Region für einen bestimmten Zeitraum gemessen werden. Die Lebenserwartung gibt an, wie lange ein Mensch in einem bestimmten Alter noch zu leben hätte (Böhm et al., 2009). Die Lebenserwartung in Deutschland nimmt stetig zu, während ein Rückgang der Sterblichkeit zu beobachten ist. Grund dafür sind vor allem die bessere medizinische Versorgung, eine ausgewogene Ernährung, die wachsenden Hygienestandards, verbesserte Arbeits- und Wohnbedingungen sowie der steigende materielle Wohlstand (Statistisches Bundesamt, 2015a). Die Lebenserwartung neugeborener Jungen betrug in Deutschland 2014/2016 78,3 Jahre und bei den Mädchen 83,2 Jahre (Statistisches Bundesamt, 2018). Seit dem 19. Jahrhundert hat sich die Lebenserwartung von Neugeborenen mehr als verdoppelt. Ebenso ist die fernere Lebenserwartung gestiegen. Ein 1871/1881 60-jähriger Mann hatte im Durchschnitt noch 12,1 Jahre zu leben. 2012/2014 lag die ferne Lebenserwartung für einen 60-Jährigen bereits bei 21,5 Jahren. Noch deutlicher wird es bei der Lebenserwartung der Frau. 1871/1881 lag die ferne Lebenserwartung einer 60-jährigen Frau bei 12,7 Jahren, 2012/2014 bei durchschnittlichen 25,2 Jahren (Statistisches Bundesamt, 2016a). Das zeigt, immer mehr Menschen werden immer älter und die Sterblichkeit geht zurück. Im Jahr 2016 starben 911.000 Menschen. Im Vergleich zu 2015 ist die Anzahl um 1,5 % gesunken (Statistisches Bundesamt, 2016c). Zukunftsprognosen sprechen 2060 von einer Lebenserwartung von 89,2 bis 91,2 Jahren bei Frauen (+6-8 Jahre) und 85 bis 87,7 Jahren bei Männern (+ 7-9 Jahre) (Pompe, 2012).

Geburtenentwicklung

Die zusammengefasste Geburtenziffer betrug 2016 in Deutschland 1,59 Kinder je Frau (Statistisches Bundesamt, 2016b). Sie umfasst dabei alle altersspezifischen Geburtenziffern für Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahre für ein Kalenderjahr und gibt an, wie viele Kinder je Frau geboren würden, wenn jede Frau das Geburtenverhalten der 15 bis 49-Jährigen im jeweiligen Kalenderjahr aufweisen würde. Durchschnittlich bekommen die Frauen in Deutschland zwei Kinder (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016). 2016 wurden 792.131 Kinder geboren. Das ist eine Steigerung von 7% zum Jahr 2015 (Statistisches Bundesamt, 2016b). Trotz der steigenden Geburtenanzahl kann die Zahl der Neugeborenen die Elterngeneration nur zu zwei Dritteln ersetzen. Denn die Zahl potenzieller Mütter nimmt kontinuierlich ab. In den 1980er Jahren lebten noch 17,1 Millionen Frauen im gebärfähigen Alter in Deutschland, 2014 waren es bereits 3 Millionen weniger. Selbst bei gleichbleibend hohem Geburtenniveau wird die Zahl der Neugeborenen langfristig abnehmen. Zusätzlich verschiebt sich die Geburt des ersten Kindes in ein immer höheres Lebensalter der Frauen. Mütter bekommen ihr erstes Kind heute durchschnittlich 6,5 Jahre später als im Jahr 1970. Ebenfalls von Bedeutung ist die wachsende Anzahl kinderloser Frauen. In Deutschland sind 19,9% der Frauen kinderlos. Die steigende Kinderlosigkeit ist ein zunehmender Einflussfaktor für die Entwicklung des Geburtenniveaus (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016). Mit Blick auf den vorherigen Abschnitt wird deutlich, dass trotz einer steigenden Geburtenzahl und einer sinkenden Sterblichkeit aktuell mehr Menschen in Deutschland sterben als geboren werden. Auch zukünftig wird eine wachsende Geburtenzahl bei einer sinkenden Sterblichkeit nicht automatisch dazu führen, die demo­graphische Alterung zu stoppen. Das sich über Jahrzehnte entwickelte Ungleichgewicht innerhalb der Altersstrukturen bleibt weiter bestehen (Statistisches Bundesamt, 2016c).

Wanderungsverhalten

Neben der Geburtenentwicklung und der Sterblichkeit spielt auch das Wanderungsverhalten eine Rolle für die demographische Alterung. Ca. 80% der Wanderungen werden von ausländischen Staatsangehörigen vollzogen (Statistisches Bundesamt, 2015a). Häufigste Gründe für Wanderungen sind Erwerbsmigration, Familiennachzug oder der Zuzug von Asylbewerbern (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016). 2016 gab es insgesamt 1.865.000 Zuzüge und 1.365.000 Fortzüge in Deutschland. Das sind 272.000 Zuzüge (13%) weniger und 368.000 Fortzüge mehr (37%) als im Jahr 2015. Daraus ergibt sich ein Wanderungssaldo von 500.000. Die Zahl der Fortzüge deutscher Staatsbürger stieg von 146.000 auf 281.000 Personen im Jahr 2016 an. Daraus ergibt sich ein durch Wanderungen bedingter Verlust deutscher Staatsbürger von 135.000 Personen (Statistisches Bundesamt, 2016d). Die Abwanderung deutscher Staatsbürger ist jedoch häufig nur vorrübergehend aufgrund eines Arbeitsverhältnisses oder eines Studiums. Zwei Drittel kehren innerhalb von sieben Jahren nach Deutschland zurück (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016).

Veränderung der Altersstruktur

In dem Altersaufbau einer Bevölkerung spiegeln sich diese drei Entwicklungen der Geburten, der Sterblichkeit bzw. der Lebenserwartung und des Wanderungsverhaltens wieder. Gleichzeitig ist der Altersaufbau der Bevölkerung entscheidend für die zukünftige Bevölkerungsentwicklung, denn dieser stellt ihre Ausgangsbasis dar. Jahrhundertelang gab es in Deutschland die klassische Alterspyramide. In den letzten 100 Jahren hat sich die Altersstruktur jedoch deutlich verändert. In Abbildung 1 lässt sich für das Jahr 1910 noch diese klassische Alterspyramide erkennen. Lediglich die Geburtenzahlen waren dort bereits rückläufig. Aber auch 1910 herrschte keine ideale Altersverteilung, weil eine hohe Sterblichkeit der Bevölkerung erkennbar ist. Zusätzlich lässt sich bereits der Anfang der demographischen Alterung in Deutschland erkennen. Bereits im Jahr 1950 zeigt sich ein deutlich schmaler werdender Bereich der jungen Bevölkerung, sowie große Verluste durch den Krieg. Im Jahr 2014 zeigt sich eine weitere Abnahme der jungen Bevölkerung und eine sehr stark besetzte Generation der sogenannten „Babyboomer-Jahrgänge“ (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016). Babyboomer sind die Menschen, die in den Jahren 1959 bis 1968 geboren wurden. Diese Jahre gelten als geburtenstärkste Jahrgänge (Menning, Nowossadeck, Maretzke, 2010). Bis 2060 wird sich der Trend der immer älter werdenden Gesellschaft weiter fortsetzen. Die Alterspyramide wird sich wie in Abbildung 1 zu erkennen, nach aktuellen Erkenntnissen fast umgekehrt haben. Während immer mehr Menschen ein hohes Lebensalter erreichen, wird die Anzahl junger Menschen weiter abnehmen. (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016). Diesen Anstieg des Anteils älterer Menschen an der Bevölkerung wird auch als „Alterung von oben“ bezeichnet (Böhm et al., 2009).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Altersaufbau der Bevölkerung, Deutschland 1910 bis 2060

(In Prozent der Gesamtbevölkerung)

Abnahme der Erwerbstätigenquote

Die veränderten Altersstrukturen der Bevölkerung in Deutschland bzw. die demographische Alterung haben auch Auswirkungen auf die Erwerbstätigenquote. Bei der Erwerbstätigenquote wird „die Zahl der Erwerbstätigen in Bezug zur Gesamtzahl

der Bevölkerung im gleichen Alter und Geschlecht“ (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016, S. 21) gesetzt. Die Bevölkerung im Erwerbsalter ist von der demographischen Alterung stark betroffen. Als Erwerbsalter werden hierbei die Jahre von 20 bis 64 Jahren bezeichnet. 2013 zählten 49,2 Millionen Menschen zu dieser Altersgruppe. 2030 werden es nur noch 44 bis 45 Millionen sein und bis 2060 wird die Zahl auf ca. 38 Millionen Menschen sinken. Bis 2060 wird die erwerbsfähige Altersgruppe der 20- bis 29- Jährigen um 3 Millionen abnehmen. Bei den 30- bis 49- Jährigen werden es 5 Millionen Personen und bei den 50- bis 64- Jährigen 4 bis 5 Millionen weniger sein. Aktuell wird die Gruppe der Erwerbstätigen noch von den Babyboomern, die zwischen 40 und 60 Jahre alt sind, dominiert. In den kommenden Jahren wird diese Gruppe jedoch aus dem Erwerbsalter ausscheiden. Somit werden der Bevölkerung im Erwerbsalter immer mehr Senioren gegenüberstehen. Auf 100 Personen im erwerbsfähigen Alter entfielen 2013 34 Personen, die über 65 Jahre waren. Im Jahr 2060 werden es bereits 65 Personen sein (Statistisches Bundesamt, 2015a).

Alterung der Bevölkerung in Deutschland

Im Jahr 2013 bestand die Bevölkerung zu 18 % aus Kindern und jungen Menschen unter 20 Jahren, zu 61 % aus 20- bis unter 65- Jährigen und zu 21% aus 65-Jährigen und Älteren. Bereits im Jahr 2060 wird sich die Verteilung gravierend verändern. Dann wird jeder Dritte (33%) das 65. Lebensjahr erreicht haben und es werden doppelt so viele 70-Jährige leben, wie Kinder geboren werden. Der Anteil der unter 20-Jährigen wird auf 16 % absinken, der Anteil der 20-bis 65-Jährigen auf 51 bis 52 %. Vor allem die Zahl der älteren Menschen wird weiter steigen. 2013 lebten 4,4 Millionen Menschen im Alter von 80 Jahren in Deutschland (5,4 % der Bevölkerung). 2030 werden es bereits 6,5 Millionen und 2060 9 Millionen Hochbetagte sein. Das heißt, jeder achte Mensch wird 2060 80 Jahre und älter sein (13% der Bevölkerung). Es zeigt sich, dass unsere Gesellschaft zunehmend von einer immer älter werdenden Bevölkerung geprägt wird (Statistisches Bundesamt, 2015a).

Einen großen Anteil daran haben die Babyboomer Jahrgänge, die aktuell die am stärksten besetzte Altersgruppe bilden. 2025 werden sie das Rentenalter erreicht haben. Gleichzeitig haben diese geburtenstarken Jahrgänge selbst weniger Kinder zur Welt gebracht, so dass die nachfolgenden Jahrgänge deutlich schwächer besetzt sind (Statistisches Bundesamt, 2016a). Das bedeutet ein Großteil der Bevölkerung ist durch das zunehmende Lebensalter auch der Wahrscheinlichkeit für bestimmte Krankheiten und Funktionseinschränkungen ausgesetzt. Das Zusammentreffen von biologischem Altern und der demographischen Alterung führt daher dazu, dass altersassoziierte Erkrankungen zunehmen und die pflegerische Versorgung in stationären Einrichtungen vor neuen Herausforderungen steht (Robert Koch-Institut, 2015d). Im nachfolgenden Abschnitt wird daher zunächst auf die Pflegebedürftigkeit in Deutschland eingegangen und anschließend auf den Anstieg der altersassoziierten Erkrankungen.

3.1 Pflegebedürftigkeit

Laut SGB XI gelten Personen als pflegebedürftig, die durch körperliche, kognitive oder psychische Beeinträchtigungen nicht in der Lage sind, regelmäßig wiederkehrende Verrichtungen des täglichen Lebens ohne fremde Hilfe durchzuführen. Die Beeinträchtigung muss für mindestens sechs Monate bestehen (§ 14 Abs. 1 SGB XI). In Deutschland galten 1999 ca. 2 Millionen Menschen als pflegebedürftig, 2015 stieg die Zahl auf ca. 2,9 Millionen pflegebedürftige Menschen an (Statistisches Bundesamt, 2017b). Aktuell sind es bereits 3,3 Millionen Pflegebedürftige in Deutschland, das sind ca. 4 % der Gesamtbevölkerung (Bundesministerium für Gesundheit, 2018).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Pflegebedürftige Personen von 1999-2060 in Deutschland

42 % der Pflegebedürftigen wiesen zusätzlich eine stark eingeschränkte Alltagskompetenz auf. 83 % der Pflegebedürftigen waren 65 Jahre oder älter, 37 % 85 Jahre oder älter (Statistisches Bundesamt, 2017b). Mit jedem weiteren Lebensjahr steigt das Risiko, pflegebedürftig zu werden um 20 bis 25 % an (van den Bussche et al., 2014). Während bei den 70- bis 75-Jährigen 5 % (jeder Zwanzigste) pflegebedürftig waren, waren es bei den über 90-Jährigen bereits 66 %. Frauen ab dem 85. Lebensjahr weisen zudem eine stärkere Pflegequote (44 %) auf als Männer des gleichen Alters (31 %). Frauen sind demnach deutlich häufiger von Pflegebedürftigkeit betroffen als Männer. Zusätzlich wächst ihr Pflegebedarf im Alter schneller an (Statistisches Bundesamt, 2017b). 71% der Pflegebedürftigen 2013 wurden zuhause und 29 % (764.000 Personen) vollstationär in Pflegeheimen versorgt. Mit zunehmendem Alter gewinnt die stationäre Pflege an Bedeutung. So wurden 22 % der 65- bis 69-Jährigen stationär in Pflegeheimen versorgt, bei den über 90-Jährigen waren es bereits doppelt so viele (Statistisches Bundesamt, 2016a). Vorausberechnungen zufolge wird die Zahl der Pflegebedürftigen weiter ansteigen. Für das Jahr 2030 wird mit einem Zuwachs von 800.000 Pflegebedürftigen gerechnet. 2060 werden es dann bereits 4,7 Millionen pflegebedürftige Menschen in Deutschland sein (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016).

Mit zunehmendem Alter steigt auch der Anteil der Personen, die sich gesundheitlich eingeschränkt fühlen. 18 % der 65- bis 69- Jährigen fühlten sich 2013 krank oder waren unfallverletzt. Bei den 70- bis 75- Jährigen stieg die Zahl auf 21 % und in der Altersgruppe ab 75 Jahre waren es bereits 28 % (Statistisches Bundesamt, 2015a). Die Wahrscheinlichkeit im Laufe des Lebens, pflegebedürftig zu werden beträgt bundesweit durchschnittlich 56,7 % bei Männern und 74,2 % bei Frauen (Rothgang, Kalwitzki, Müller, Runte, Unger, 2015). Personen aus niedrigen sozialen Schichten haben zudem ein höheres Risiko im Alter pflegebedürftig zu werden als solche aus besser gestellten Verhältnissen (Unger, Giersiepen, Windzio, 2015). Relevant ist zudem auch die Pflegedauer. Laut dem Barmer Pflegereport 2015 waren im Jahr 2013 ca. 22 % der verstorbenen Männer und 41 % der verstorbenen Frauen über zwei Jahre lang pflegebedürftig. Anhand gezielter Berechnungen mithilfe aller im Jahr 2013 erfassten Pflegebedürftigen wurde die Pflegebedürftigkeitsdauer bei 40 bis 51 % der pflegebedürftigen Männer und bei 55 bis 65 % der pflegebedürftigen Frauen auf mindestens 2 Jahre geschätzt. Im Durchschnitt dauert die Pflegebedürftigkeit, wenn sie nach dem 60. Lebensjahr eintritt, bei Frauen 4,9 Jahre und bei Männern 3,6 Jahre. Tritt die Pflegebedürftigkeit früher ein ist die Pflegebedürftigkeitsdauer deutlich höher. Werden alle Altersklassen miteinbezogen, liegt die Pflegebedürftigkeitsdauer für Männer bei ca. 7 Jahren und bei Frauen bei 6,4 Jahren (Rothgang et al., 2015). Da die Pflegebedürftigkeit ein allgemeines Lebensrisiko ist und die Mehrheit der Bevölkerung im Laufe ihres Lebens betrifft, sollte ihr eine entsprechende Aufmerksamkeit entgegen gebracht werden (Zok, 2011). Neben der Zunahme der älteren Bevölkerung ist es vor allem der Gesundheitszustand, der darüber entscheidet, ob und ich welchem Alter Jemand pflegebedürftig wird (Nowossadeck, 2013b). Daher wird im nun nachfolgenden Abschnitt die steigende Anzahl altersassoziierter Erkrankungen thematisiert.

3.1.1 Steigende Anzahl altersassoziierter Erkrankungen

Im vorangehenden Kapitel wurde ausführlich auf die Pflegebedürftigkeit eingegangen. Diese ist nicht selten die Folge bestimmter Erkrankungen, die die Mobilität einschränken oder zu kognitiven Veränderungen führen (Böhm et al., 2009). Zu den häufigsten altersassoziierten Erkrankungen gehören Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie der Herzinfarkt, Hypertonie oder der Schlaganfall, kognitive Erkrankungen wie Demenz und Morbus Parkinson, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus Typ II, Muskel- und Skeletterkrankungen wie Arthrose und Krebserkrankungen (Robert Koch-Institut, 2015a). Hinzu kommen im Alter vermehrt auftretende Gesundheitsprobleme wie eine eingeschränkte Seh- und Hörfähigkeit, Inkontinenz und Stürze (Robert Koch-Institut, 2015b). Nicht selten führen altersassoziierte Erkrankungen zu vermehrten Krankenhausaufenthalten und einer starken Einschränkung der Lebensqualität (van den Bussche et al., 2011).

Die Lebensjahre, die in Gesundheit verbracht werden nehmen zu und trotzdem steigt mit dem Älterwerden das Risiko, gesundheitlich beeinträchtigt zu sein. Die steigende Zahl älterer Menschen hat auch Einfluss auf die Häufigkeit chronischer und altersassoziierten Erkrankungen (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung, 2016). In fortgeschrittenem Alter ist somit ein Anstieg der Gesundheitsprobleme zu erkennen, sowohl in der Anzahl als auch in der Komplexität der Erkrankungen. Die Erkrankungen älterer Menschen sind häufig irreversibel und erhöhen das Risiko, nicht mehr selbständig für die Lebensführung sorgen zu können sowie an Mobilität zu verlieren (Böhm et al., 2009). In dessen Folge kommt es zu einer gesteigerten Pflegebedürftigkeit, zu einem zunehmendem Pflegebedarf und einer veränderten Bedarf an Gesundheitsleistungen (SVR, 2009). Das Risiko pflegebedürftig zu werden, ist bei einigen Erkrankungen besonders hoch. Hierzu zählen Demenzerkrankte mit einem 10-fach erhöhten, Schlaganfallpatienten mit einem 4,5-fach erhöhten und Personen mit Herzinsuffizienz mit einem 1,7-fach erhöhten Risiko (van den Bussche et al., 2014). Nachfolgend werden nun zum genaueren Verständnis die wichtigsten, häufig zur Pflegebedürftigkeit führenden, altersassoziierten Erkrankungen näher erläutert.

Demenz

Der Begriff Demenz stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „ohne Verstand“. Bei Demenzerkrankten kommt es zu Veränderungen im Gehirn, die dazu führen, dass die Orientierung, Sprache, Lernfähigkeit sowie die Gehirnleistungen zunehmend eingeschränkt werden (Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung, 2011). Die häufigste Form der Demenz ist Morbus Alzheimer. Dabei kommt es zu dem Abbau von Gehirnmasse durch das Verklumpen bestimmter Synapsen in den Nervenzellen. Bei der vaskulären Demenz hingegen kommt es zu einem Mangel an Sauerstoff und verstopften Blutgefäßen im Gehirn, wodurch bestimmte Hirnzellen absterben. Demenz ist ein schleichender Prozess und verläuft individuell verschieden (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen, o.D.). Weltweit leiden 46,8 Millionen Menschen an Demenz2. Alle drei Sekunden kommt eine demenzkranke Person hinzu (ADI, 2015).

In Deutschland leben 1,6 Millionen Demenzkranke. Bis 2050 wird die Zahl auf 3 Millionen Demenzkranke angestiegen sein. Eine wesentliche Rolle spielt dabei das Alter. Zwei Drittel der Erkrankten sind 80 Jahre oder älter. Jedes Jahr gibt es 300.000 neuerkrankte Personen. Die Inzidenzrate steigt im Altersverlauf stark an und liegt bei den 65- bis 69-Jährigen bei ca. 0,5 % und bei den 90-Jährigen und Älteren bereits bei 10 % pro Jahr (Bickel, 2010). Aufgrund der demographischen Alterung gibt es mehr Neuerkrankte als Sterbefälle an Demenz. Daher wird die Zahl der Demenzkranken weiter ansteigen (Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V., 2014). Es zeigt sich, dass sich die Kosten, die durch Demenz verursacht werden, im Krankheitsverlauf mehr als verdoppeln. Der größte Kostenanteil entfällt dabei auf die Pflege Demenzkranker (Quentin, Riedel-Heller, Luppa, Rudolph, König, 2010). Demenz gilt als eine der wesentlichen Ursachen für Pflegebedürftigkeit im Alter und führt im weiteren Krankheitsverlauf nicht selten zu einem Umzug in ein Pflegeheim. Durchschnittlich weisen zwei von drei Bewohnern in Pflegeheimen eine Demenz auf (DIP, 2018). Auch unter den Krankenhauspatienten in Deutschland weist jeder fünfte ältere Mensch eine dementielle Veränderung auf (Pinkert und Holle, 2012). Das zeigt, wie wichtig die zukünftige Planung der Pflegemöglichkeiten ist (Luppa et al., 2010). Die Versorgung der an Demenz erkrankten Personen stellt die Gesellschaft schon heute vor große Herausforderungen (Robert Koch-Institut, 2015b).

Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist nach Demenz die zweithäufigste neurodegenerative Erkrankung. Sie verläuft schleichend und betrifft Regionen des zentralen und peripheren Nervensystems. Die typischen Symptome sind Bewegungsarmut bzw. Bewegungslosigkeit, Zittern, und Muskelstarre. Die Prävalenz der Erkrankung liegt bei mehr als 1 % der Gesamtbevölkerung. Mit dem Alter steigt das Risiko an Parkinson zu erkranken. Bei den über 80-Jährigen liegt die Prävalenz bereits bei 5 % der Gesamtbevölkerung (Pan-Montojo und Reichmann, 2015). Das Risiko im Laufe des Lebens an Parkinson zu erkranken liegt bei Frauen bei 1,3 % und bei Männern bei 2 % (Lill und Klein, 2017). Männer sind häufiger betroffen als Frauen. Pro Jahr kommen 16 bis 19 neue Fälle pro 100.000 Einwohner dazu (Pan-Montojo und Reichmann, 2015). Die im Alter zunehmend ansteigende Prävalenz wird zu einer wachsenden finanziellen und sozialen Belastung führen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Todesursachen im Erwachsenenalter. Darunter vor allem der Myokardinfarkt, die koronare Herzkrankheit (KHK) und der Schlaganfall (Härle und Elsässer, 2014). Die KHK ist eine chronische Erkrankung des Herzens bei der es zu einer Verengung der Herzkrankgefäße kommt. Folglich kommt es zu einer Mangeldurchblutung des Herzmuskelgewebes und anschließend zu einer Herzinsuffizienz, einem Myokardinfarkt oder Herzrhythmusstörungen. Diese Folgeerkrankungen zeichnen sich durch eine hohe Sterblichkeit und eine Beeinträchtigung des Gesundheitszustandes aus (Robert Koch-Institut, 2015c). Bei einem Schlaganfall kommt es zu plötzlich auftauchenden Durchblutungsstörungen und in dessen Folge zu Lähmungen, Störungen der Sinne, der Sprache und des Bewusstseins (Böhm et al., 2009).

In Europa stirbt jeder sechste Mann und jede siebte Frau an den Folgen eines Myokardinfarktes (Steg et al., 2012). In Deutschland können 40 % aller Todesfälle auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen zurückgeführt werden. Männer erkranken zudem häufiger an Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Frauen. Laut der GEDA Studie 2014/2015 bestand bei 3,7% der Frauen und 6 % der Männer innerhalb der letzten 12 Monate eine KHK. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ebenfalls an. Die Prävalenz liegt bei unter 45-Jährigen bei unter 1 %, bei Frauen und Männern ab 75 Jahre liegt die Prävalenz bereits bei 16 bzw. 24 % (Robert Koch-Institut, 2017). Ca. 85 % der Schlaganfälle treten bei Personen ab 60 Jahren auf (Böhm et al., 2009). Das Risiko nach einem Myokardinfarkt oder Schlaganfall dauerhaft auf Pflege angewiesen und in der Lebensqualität eingeschränkt zu sein, ist hoch (Robert Koch-Institut, 2006). Zu den Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen Hypertonie, Diabetes mellitus, Adipositas, sowie individuelle Verhaltensweisen wie Rauchen, ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung. Diese Faktoren sind aus Public Health Sicht besonders relevant, da sie beeinflussbar sind (Gößwald, Schienkiewitz, Nowossadeck, Busch, 2013).

Die Hypertonie (Bluthochdruck) gehört dabei zu den wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Sie entsteht durch das Zusammenwirken unterschiedlicher Faktoren wie, Erbanlagen, Alter, Geschlecht und ungesunde Ernäh­rung. Begünstigt wird die Hypertonie durch Übergewicht, hohen Alkoholkonsum, Bewegungsmangel und Stress. Hypertonie ist in der Bevölkerung weit verbreitet. Ca. jeder zweite Erwachsene (44% der Frauen und 51 % der Männer zwischen 18 bis 79 Jahren) ist davon betroffen (Janhsen, Strube, Starker, 2008). Im Alter kommt es zu einer steigenden Hypertonieprävalenz. So weist in der Altersgruppe der über 65-Jährigen über die Hälfte der Personen eine Hypertonie auf. Laut der DEGS 1-Studie 2008 bis 2011 wiesen innerhalb von 12 Monaten 5 % der Frauen und 10 % der Männer in der Altersgruppe der 18- bis 44-Jährigen eine Hypertonie auf. Bereits ab 45 Jahren steigt die Prävalenz auf 30 % der Frauen und 34 % der Männer an. In der Altersgruppe der 70- bis 79-Jährigen zeigte sich bei 74,7 % der Frauen und 73,6 % der Männer eine Hypertonie (Robert Koch-Institut, 2014). Ein weiterer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist der erst im Alter auftretende Diabetes mellitus Typ II. Hierbei handelt es sich um eine chronische Stoffwechselerkrankung, bei der es zu einer Störung der Blutzuckerregulierung kommt. Unbehandelt oder schlecht eingestellt führt Diabetes zu Schädigungen der Nerven und Blutgefäße und kann dadurch Herzinfarkte oder Schlaganfälle begünstigen (Chen, Magliano, Zimmet, 2011). Die Entstehung eines Diabetes mellitus Typ II wird durch die selben Faktoren wie eine Hypertonie begünstigt. Die Prävalenz liegt bei 50-Jährigen bei weniger als 5 %, bei den 60- bis 69-Jährigen bereits bei 13,8 % und bei den 70- bis 79-Jährigen bei ca. 22 % (Robert Koch-Institut, 2016).

Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen die höchsten Kosten für das Gesundheitssystem. 2015 waren es 46,4 Milliarden Euro. Das sind ca. 13,7 % der gesamten Krankheitskosten. Die Demenzerkrankung, die bereits im Kapitel zuvor behandelt wurde, tritt an zweiter Stelle auf. Auf die Gruppe der psychischen Störungen entfielen 44,4 Milliarden Euro (13,1 % der gesamten Krankheitskosten) (Statistisches Bundesamt, 2017a). Herz-Kreislauf-Erkrankungen zählen zu den häufigsten Erkrankungen im Alter. Sie verursachen hohe Kosten für das Gesundheitssystem und weisen eine hohe Sterblichkeit und das Risiko für Pflegebedürftigkeit auf. Aktuelle Studien zu dem Thema Herz-Kreislauf-Erkrankungen stellen eine wichtige Grundlage zur Abschätzung der zukünftigen Krankheitslast und des Versorgungsbedarfs in Deutschland dar (Gößwald, Schienkiewitz, Nowossadeck, Busch, 2013).

Nicht selten kommt es im Alter zu einer Kombination mehrere chronischer Erkrankungen oder Gesundheitsprobleme, was eine Multimorbidität zur Folge hat. Der Aspekt der Multimorbidität wird im nun folgenden Kapitel näher erläutert.

3.1.2 Zunahme der Multimorbidität im Alter

Durch die Verschiebung der Altersstruktur zu einer vermehrt älteren Gesellschaft und den Anstieg des Krankheitsrisikos durch die zunehmende Lebenserwartung ergibt sich, dass die Anzahl der chronischen Erkrankungen, der immer älter werdenden Bevölkerung, stetig wächst (Nowossadeck, 2012). Der Fachausdruck „Multimorbidität“ bezeichnet in diesem Zusammenhang das gleichzeitige Auftreten von zwei oder mehr Erkrankungen bei einer Person (Dodel, 2014). Davon abzugrenzen ist die Komorbidität, welche als Vorgängerkonzept der Multimorbidität bereits im Jahr 1970 definiert wurde. Bei der Komorbidität gibt es eine Haupterkrankung, die sich klar von den anderen Erkrankungen abgrenzen lässt, und der das Hauptinteresse gilt (Feinstein, 1970). 1976 wurde das Konzept der Multimorbidität erstmals von einem Allgemeinmediziner in einer Zeitschrift veröffentlicht. Erst in den 1990er Jahren entwickelte sich aus dem anfänglichen Konzept eine umfassende Definition (Le Reste et al., 2013). Multimorbidität ist mehr als das Auftreten mehrerer chronischer Erkrankungen und ist häufig mit Inkontinenz, Immobilität, Sturzgefahr und Schmerzen verbunden (Dodel, 2014). Zusätzlich treten Begleiterscheinungen wie Appetitlosigkeit, Erschöpfung oder Schlafstörungen auf. Nicht selten treten sie in Wechselwirkung mit altersphysiologischen Einschränkungen wie verringertes Gleichgewicht, abnehmende Muskelmasse sowie Seh- und Hörschwierigkeiten auf (Scheidt-Nave, Richter, Fuchs, Kuhlmey, 2010). Die Wahrscheinlichkeit einer Multimorbidität nimmt mit steigendem Alter zu. Die Prävalenz steigt bei Personen ab 65 Jahren an, variiert im nationalen und internationalen Vergleich jedoch stark (Dodel, 2014).

[...]


1 Unter stationären Einrichtungen werden in dieser Arbeit Krankenhäuser und Pflegeheime verstanden.

2 In der Literatur beziehen sich die statistischen Daten immer allgemein auf alle Demenzformen.

Ende der Leseprobe aus 80 Seiten

Details

Titel
Pflegerische Versorgung in stationären Einrichtungen. Wie lässt sich die demographische Alterung meistern?
Autor
Jahr
2019
Seiten
80
Katalognummer
V453185
ISBN (eBook)
9783956877810
ISBN (Buch)
9783956877827
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Überalterung, Pflegebedürftigkeit, Pflegeberufe, Mitarbeiterbindung, Gesundheitssystem
Arbeit zitieren
Daniela Kaminski (Autor), 2019, Pflegerische Versorgung in stationären Einrichtungen. Wie lässt sich die demographische Alterung meistern?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453185

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