Kindliche Traumatisierung und Traumapädagogik für Kinder und Jugendliche. Heilt die Zeit wirklich alle Wunden?


Fachbuch, 2019
96 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Trauma
2.1 Trauma- Klassifikation
2.2 Zwischenfazit

3 Neurobiologische Prozesse
3.1 Funktionen der Hirnareale
3.2 Bedeutung von Hormonen und Neurotransmittern
3.3 Traumaverarbeitung
3.4 Neurobiologische Bewältigungsstrategien
3.5 Zwischenfazit

4 Formen kindlicher Traumatisierungen
4.1 Vernachlässigung
4.2 Kindesmisshandlung
4.3 Sexuelle Gewalt
4.4 weitere Formen kindlicher Traumatisierungen
4.5 Zwischenfazit

5 Folgen traumatischer Ereignisse
5.1 Traumafolgestörungen
5.2 Risiko- und Schutzfaktoren
5.3 Folgen eines traumatischen Ereignisses auf Kinder
5.4 Spätfolgen einer unverarbeiteten kindlichen Traumatisierung
5.5 Zwischenfazit

6 Entwicklung unter traumatischen Bedingungen
6.1 Traumakompensatorische Muster
6.2 Zwischenfazit

7 Unterstützungsmöglichkeiten
7.1 Institutionen und Hilfsformen
7.2 Zwischenfazit

8 Notwendigkeiten professioneller Traumapädagogik
8.1 Grundkompetenzen und Haltungen für professionelles Handeln
8.2 Zentrale Aspekte traumapädagogischer Interventionen
8.3 Bindungsorientierung
8.4 Zwischenfazit

9 Konzepte der Traumapädagogik
9.1 Konzept des sicheren Ortes
9.2 Pädagogik der Selbstbemächtigung
9.3 Traumapädagogische Gruppenarbeit
9.4 Weitere traumapädagogische Konzepte
9.5 Zwischenfazit

10 Traumatherapie vs. Traumapädagogik
10.1 Abgrenzungen
10.2 Zwischenfazit

11 Herausforderungen und Grenzen für pädagogische Fachkräfte
11.1 Selbstfürsorge
11.2 Zwischenfazit

12 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Strukturen des menschlichen Gehirns

Abbildung 2: Traumatische Zange

Abbildung 3: Rahmenmodell der Ätiologie von Traumafolgen

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

meine mutter – das monster im schafspelz
Auf samtig weichen pfoten getarnt mit einem schafspelz
so kommt sie angegrochen
und flüstert mit leiser zischender stimme in mein ohr:
halt bloß den mund du kleiner toor,
keiner wird die glauben schenken und wie du weißt
ist es mir ein leichtest
dir die arme zu verrenken
und wenn du dann schreist vor schmerz
werd ich dir mit einigen schlägen
das schreien schon austreiben
und denk gar nicht erst daran,
dir die augen zu reiben
für jede tränne werd ich dich strafen
bist du zerbrichst und nicht mehr in der lage bist
noch einmal weg zu laufen
Drum sei schön still, weil wirklich keiner deine schreie hören will!
Auf samtig weichen pfoten getarnt mit einem schaffspelz
so kommt sie angegrochen…

(Weber, o. J.)

Dieses Gedicht eines Mädchens zeigt, wie grausam und erschütternd traumatisierende Erfahrungen sein können und verursacht – ohne jegliches selbst erlebt zu haben – eine Gänsehaut. Welche tiefgreifenden Wunden traumatische Erfahrungen hinterlassen können ist kaum vorstellbar und kann vermutlich durch einen Krankenhausbesuch nicht geheilt werden. Besonders in der derzeitigen Gesellschaft werden Kinder durch ihre teils auffälligen Verhaltensweisen schnell kategorisiert. Der Umgang mit diesen Verhaltensweisen führt schnell zu Überforderung, vor allem für Menschen und Institutionen aus dem näheren Umfeld des Kindes. Nicht selten werden traumatische Erlebnisse als Grund für das kindliche Verhalten nicht erkannt oder fehlinterpretiert, was inadäquate Beratungs- und Hilfsangebote zur Folge hat. Krüger schreibt:

„Erst leidet das Kind, dann das nahe Umfeld. Später wird ein seelisch schwer beschädigter Mensch, der keine Chance auf Heilung erhalten hat, auch eine Belastung für die Gesellschaft, z.B. durch psychische und körperliche Krankheit.“

(Krüger 2008, S. 13).

Es ist in diesem Zusammenhang augenscheinlich, dass traumatische Erfahrungen erhebliche Spuren im Leben eines Kindes hinterlassen und dies nachhaltige Folgen für die weitere kindliche Entwicklung nach sich zieht. Unabdinglich sind daher adäquate Hilfsangebote, welche das Kind bei der Bewältigung seiner traumatischen Erfahrungen unterstützen. Die Domäne der Traumaverarbeitung wird zumeist der Psychotherapie zugesprochen, welche die Aufarbeitung dessen unterstützt, impliziert jedoch nicht, wie betroffene Kinder im Alltag mit ihren Erfahrungen umgehen. Diese Aufgabe hat sich die Traumapädagogik zu Nutze gemacht.

Die vorliegende Arbeit fokussiert sich auf die Disziplin der Traumapädagogik und konzentriert sich auf die Fragestellung, was sie leisten kann um Kinder bei ihrer Verarbeitung von traumatischen Erfahrungen zu unterstützen. Das Ziel dieser Arbeit ist daher eine fundierte Vermittlung von traumaspezifischem Fachwissen, was die Grundvoraussetzung einer gelingenden traumapädagogischen Arbeit voraussetzt. Um konkrete Handlungsweisen aufzuzeigen, werden Konzepte der Traumapädagogik dargestellt und damit verbundene Angebote und Rahmenbedingungen vermittelt. Der Fokus liegt dabei auf einwirkende Traumata innerhalb des kindlichen Nahbereichs und bezieht sich auf die frühe Kindheit, welche die Altersspanne von 0-6 Jahren einschließt. Die Auswahl dieser Altersspanne wird dadurch begründet, dass die Neuroplastizität und hirnorganische Veränderungen in diesen Lebensjahren am höchsten und korrigierende Erfahrungen in diesem Alter am erfolgreichsten sind (vgl. Leuzinger-Bohleber 2009, S. 27). Hauptaugenmerk dieser Arbeit liegt daher auf der Beleuchtung der kindlichen Bedarfe in Bezug auf die Traumaverarbeitung und das Aufzeigen von Hilfsangeboten und Möglichkeiten im traumapädagogischen Kontext. Abschließend wird folgende Frage eine Antwort finden: „ Was kann die Traumapädagogik leisten um traumatisierten Kindern bei der Bewältigung ihrer traumatischen Erlebnisse zu unterstützen ?“

Damit betroffenen Kindern adäquate und professionelle Begleitung, Unterstützung und Hilfe zukommen kann, ist eine fachspezifische Auseinandersetzung mit der Thematik unabdinglich – daher werden Anfangs Begrifflichkeiten genau beleuchtet und Definitionen herangezogen, welche den Begriff „Trauma“ erklären. Weiterführend wird die Vielfalt der Trauma-Arten aufgezeigt und klassifiziert.

Im darauffolgenden Teil werden die neurobiologische Prozesse und damit verbundene Bewältigungsstrategien genau beleuchtet. Dies ist nicht nur für die daran ansetzende Traumapädagogik elementar – es ist ebenso von Bedeutung, um ein Verständnis für kindliche Verhaltensweisen zu entwickeln.

Da sich die Arbeit auf Traumatisierungen im kindlichen Nahbereich bezieht werden im vierten Kapitel die Formen von kindlichen Traumatisierungen beschrieben. Vernachlässigung, Kindesmisshandlung, sexuelle Gewalt und weitere Formen kommen zur Sprache. Da Erkenntnisse der Psychotraumatologie in die traumapädagogische Arbeit einfließen ist ein vorhandenes Grundlagenwissen fundamental.

Das fünfte Kapitel verdeutlicht die Gefahr von Traumafolgestörungen, sofern dem Kind nach einer traumatischen Erfahrung keine angemessenen Unterstützungsangebote zur Verfügung stehen. Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über die möglichen Arten von Traumafolgestörungen und beleuchtet zudem die Folgen traumatischer Erfahrungen für das Kind. Innerhalb dieses Abschnitts sollen zudem die Risiko- und Schutzfaktoren, welche zur Entwicklung einer Traumafolgestörung beitragen, aufgezeigt und letztendlich mögliche Spätfolgen als Resultat einer unverarbeiteten kindlichen Traumatisierung erläutert werden.

Das sechste Kapitel zeigt auf, wie die Entwicklung eines Kindes unter traumatischen Bedingungen verläuft und inwiefern Kinder versuchen, ihre traumatischen Erfahrungen zu kompensieren.

Überleitend zur Thematik Traumapädagogik werden im siebten Abschnitt überblicksartig Hilfs- und Unterstützungsmöglichkeiten aufgezeigt welche im Falle einer Traumatisierung greifen.

Der Schwerpunkt dieser Arbeit ist in den Kapiteln Acht und Neun verortet. Hierbei wird geklärt, inwieweit Traumapädagogik hilfreich ist, welche Grundkompetenzen und Haltungen in traumapädagogischen Settings notwendig sind und welche zentralen Rahmenbedingungen Einfluss nehmen. Zudem werden die vorherrschenden Konzepte der Traumapädagogik und die damit verbundenen Angebote detailliert vorgestellt.

Kapitel Zehn ermöglicht eine Abgrenzung zur Traumatherapie und geht ebenso auf die Wichtigkeit der Kooperation und Vernetzung der jeweiligen Disziplinen ein. Bevor die Arbeit zum Abschluss kommt wird die sekundäre Traumatisierung thematisiert, welche besonders auf die Fürsorge der Fachpersonen eingeht und ein weiteres Kernkonzept einbezieht.

2 Trauma

Der Begriff „Trauma“ findet seinen Ursprung im Griechischen und bedeutet übersetzt „Verletzung“ oder „Wunde“. Die Bezeichnung dessen, wie oder wo jemand verletzt wird, wird dabei nicht konkretisiert. In der Medizin wird der Begriff für die Bezeichnung eines Schlags, Unfalls oder einer körperlichen Verwundung verwendet. Um den Unterschied hervorgerufener seelischer Verletzungen zu verdeutlichen, dient der Begriff „Psychotrauma“ und wird im heutigen Sprachgebrauch eher durch die Bezeichnung „Trauma“ ersetzt (vgl. Hantke / Görges 2012, S. 53). Traumata werden auch als Ereignisse bezeichnet, welche sich durch Plötzlichkeit, Ausweglosigkeit und Heftigkeit auszeichnen (vgl. Pausch/ Matten 2018, S. 4). Fischer und Riedesser definieren ein Trauma als

„ein vitales Diskrepanzerlebnis zwischen bedrohlichen Situationsfaktoren und den individuellen Bewältigungsmöglichkeiten, das mit Gefühlen von Hilflosigkeit und schutzloser Preisgabe einhergeht und so eine dauerhafte Erschütterung von Selbst- und Weltverständnis bewirkt“

(Fischer / Riedesser 2009, S. 395).

Deutlich wird dabei die Wechselwirkung zwischen dem belastenden Ereignis und den vorliegenden, jedoch aber meist in der Situation inadäquaten, Bewältigungsmöglichkeiten der/-s Betroffenen (vgl. Grünbacher 2013, S. 19). Dem gegenüber wird Trauma im ICD-10 als „ ein belastendes Ereignis oder eine Situation außergewöhnlicher Bedrohung oder katastrophenartigem Ausmaßes (kurz oder langhaltend), die bei fast jedem eine tiefe Verzweiflung hervorrufen würde “ (Dilling et al. 2000, S. 169) verstanden und stellt dabei das Ereignis an sich in den Fokus (vgl. ebd.). Die Begriffsbestimmung des DSM-IV-TR hingegen weist durch die Definition „ein Ereignis oder Ereignisse, die eine Konfrontation mit tatsächlichem oder drohendem Tod oder ernsthafter Verletzung oder Gefahr für eigene oder fremde körperliche Unversehrtheit beinhalten “ auf die objektiven Ereigniskonstellationen hin und setzt anschließend mit „ die Reaktion der Person umfasste intensive Furcht, Hilfslosigkeit oder Entsetzen “ fort um subjektive Erlebniskonstellationen einzubeziehen (vgl. American Psychiatric Association 2000, zit. n. Maercker, S. 14f.)

Eine Definition des psychischen Traumas gestaltet sich deshalb als schwierig, da bei Traumatisierungen sowohl subjektive Bewertungsdimensionen als auch objektive Situationsfaktoren ineinander übergehen. Auch wie beeinflussend das Trauma auf die betroffene Person wirkt, ist dabei von der Interpretation und Bewertung des Erlebten abhängig (vgl. Wöller 2003b, S. 22 f.). Trotz differenzierten Auffassungen bezüglich der Verwendung des Trauma-Begriffes herrscht in der Literatur Einigkeit dahingehend, dass ein Trauma nicht aus einem Ereignis heraus entsteht und nicht lediglich die Betrachtung dessen von Bedeutung ist – viel aufschlussreicher sind Faktoren wie das Alter oder Verarbeitungsmöglichkeiten der betroffenen Personen, da Menschen auf belastende Ereignisse unterschiedlich reagieren (vgl. Hantke / Görges 2012, S. 54). Das Gefüge aus psychischer Disposition, dem realen Ereignis und weiteren Einflussfaktoren wie Schutz- und Risikofaktoren beeinflusst die Entstehung einer Traumatisierung, die Intensität und dessen Folgen (vgl. Hausmann 2006, S. 31 / S. 41). Zudem führen traumatische Ereignisse nicht selten zu einer maßgeblichen Beeinträchtigung des Selbst- und des Weltbildes, auch die weitere Lebensgestaltung kann dadurch nachhaltig beeinträchtigt werden (vgl. Grabe / Mahler / Becker 2013, S. 146). Streeck-Fischer beschreibt ein Trauma als

„kein objektives Ereignis, dessen Wirkungen für alle Menschen gleich sind, sondern eine Erfahrung, die aufgrund der persönlichen Interpretation des Opfers und seines Entwicklungsstandes sowie seiner konstitutionellen Voraussetzungen überwältigend ist“

(Streeck-Fischer 2011, S.121).

2.1 Trauma- Klassifikation

Die differenzierten traumatischen Ereignisse lassen sich in verschiedene Aspekte kategorisieren. Etabliert hat sich dabei die Typisierung von Kindheitstraumatisierungen nach Terr (1995) in die Traumatypen I und II (vgl. Fischer / Riedesser 2009, S. 288).

Es werden je nach Dauer des Ereignisses zwei Typen von Traumatisierungen unterschieden:

Typ I (Monotraumatisierung) bezeichnet ein einzelnes, plötzliches, überraschendes und von kurzer Dauer geprägtes Ereignis mit eindeutigem Beginn und Ende. Darunter zählen beispielsweise Naturkatastrophen, Vergewaltigungen, kriminelle / körperliche Gewalt, Überfälle, Unfälle oder technische Katastrophen (vgl. Garbe 2015, S. 29).

Typ II (Komplextraumatisierung) hingegen entsteht durch sich wiederholende, mehrmalige oder auch andauernde traumatische Ereignisse. Zudem kommt es vor, dass Menschen mit Komplextraumatisierungen eine Vielzahl traumatischer Erfahrungen, auch unterschiedlichster Art, durchleben. Im Unterschied zum Typ I gibt es keinen definierten Anfang und kein klares Ende. Beispiele für Komplextraumatisierungen sind körperliche und seelische Misshandlungen, sexueller Missbrauch, Vernachlässigung, häufiger Wechsel der Beziehungspersonen und der damit verbundenen Lebensmittelpunkte sowie Leben mit misshandelnden Eltern und gelten als traumatisierende Entwicklungsbedingungen in der Kindheit (vgl. ebd., S. 30f.). Die Folgen von Komplextraumatisierungen sind häufig weitreichender und tiefgehender als die der Monotraumatisierungen. Die weitere Entwicklung des Kindes kann nachhaltig beeinträchtigt werden, wenn eine Typ II- Traumatisierung erfolgt (vgl. Hausmann 2006, S. 43).

Weiterhin lässt sich unterscheiden in Man-made-disaster (interpersonelle Traumata) und Natural-disaster (Akzidentielle Traumata) und spricht traumatische Situationstypen an. Traumatisierungen menschlicher Ursache, welche absichtlich und willentlich hervorgerufen werden wie Vergewaltigung, Mobbing, Raub, Missbrauch, Mord oder Entführung zählen dabei zur Kategorie der Man-made-disaster, während Naturkatastrophen oder Unfälle zu den Natural-disaster gezählt werden (vgl. Pausch / Matten 2018, S. 5).

2.2 Zwischenfazit

Die Vielfalt der Definitionen von „Traumata“ macht bewusst, dass keine einheitliche Betrachtungsweise bezüglich der Thematik herrscht und die Schwierigkeit darin besteht, subjektive und objektive Faktoren in die Definition mit einzubeziehen. Die Klassifikation von Traumata führt zu einer differenzierten Betrachtungsweise und beschreibt ebenso unterschiedliche Auswirkungen auf die betroffene Person.

Warum besonders im Kleinkindalter traumatische Erfahrungen besonders nachhaltige Folgen nach sich ziehen können, welche Auswirkungen Traumata mit sich bringen und welche neurobiologischen Bewältigungsstrategien vorherrschen, soll der nächste Abschnitt klären.

3 Neurobiologische Prozesse

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Strukturen des menschlichen Gehirns (Streeck-Fischer 2014, S. 215)

Das Nervensystem des Menschen besteht aus zwei Großhirnhälften, dem Hirnstamm, dem Kleinhirn, dem Rückenmark sowie aus zahlreichen Nerven. Nervenzellen bilden neuronale Netzwerke und sind über Synapsen untereinander im Gehirn verbunden. Diese bestehen aus Dendriten, dem Soma, dem Axon und dem Zellkörper. Während der Dendrit einen Impuls erhält, leitet das Axon den entsprechenden Impuls an den jeweiligen Muskel, das Organ oder an ein anderes Neuron weiter. Die chemische Beschaffenheit des Transmitters bestimmt, ob es zu einer Weiterleitung oder zur Hemmung der Erregung kommt. Durch komplexe Verschaltungen entstehen neuronale Schaltkreise, welche sich im Laufe des Lebens verändern können. Zudem ist die Bildung von neuen Nervenzellen möglich. Bezeichnet wird dies als Neuroplastizität (vgl. Sendera / Sendera 2013, S. 191). Die drei Hauptareale des Gehirns (Stammhirn, Zwischenhirn, Großhirn) haben sich phylogenetisch 1 zu unterschiedlichen Zeiten entwickelt und besitzen mannigfaltige Funktionen, welche die vielfältigen Bereiche des menschlichen Lebens steuern (vgl. Seven 2015, S. 33).

3.1 Funktionen der Hirnareale

Als ältester Bestandteil des Gehirns dient das Stammhirn (Medulla oblongata) der automatischen Reflexregulierung (vgl. Garbe 2015, S. 71) und der Regulierung lebenserhaltender Funktionen wie Atmung, Nahrungsaufnahme, Herzschlag, die Schlaf- und Wachphasen und den Fortpflanzungstrieb. Weiterhin ist das Stammhirn für die Reizübertragung und für das Erregungsniveau verantwortlich, steuert Instinkte und ist für fast alle Aufgaben des übrigen Gehirns von signifikanter Bedeutung. Spezielle Botenstoffe wie Serotonin, Noradrenalin und Dopamin werden im Stamm produziert und können steuernd auf weitere Teile des Gehirns einwirken (vgl. Seven 2015, S. 33). Freigesetzte Neurotransmitter, welche sich an der Synapse befinden, können sich erregend oder hemmend auswirken – im Falle eines entstehenden Ungleichgewichts kann dies zu neuropsychologischen Erkrankungen wie Depressionen, Schizophrenie, Epilepsie, Parkinson oder Aufmerksamkeitsstörungen führen (vgl. Klatte 2007, S. 118). Eine weitere Aufgabe des Stammhirns ist, reflexiv auf Gefahrenmeldung des limbischen Systems zu reagieren (vgl. Garbe 2015, S. 72). Das Stammhirn hat den Menschen auch für Situationen extremer und tödlicher Bedrohung soweit ausgerüstet, dass der Körper bei Stressüberflutung mit automatischen und unwillkürlichen Reflexen reagiert – mit „Fight or Flight“ (vgl. Huber 2012, S. 41).

Auf dem Großhirn aufsitzend befindet sich das Zwischenhirn. Der zum Zwischenhirn gehörende Hippocampus ist für das Langzeitgedächtnis verantwortlich und das „Archiv“ des Gedächtnisses (vgl. Huber 2012, S. 46). Das Zwischenhirn steuert somit nicht nur emotionale Funktionen wie Sympathie und/oder Antipathie, sondern auch soziale Hierarchien und Verhaltensweisen wie Provokation, Unsicherheit oder Schüchternheit (vgl. Seven 2015, S. 34). Das Limbische System, welches sich als Funktionseinheit im mittleren Teil des Gehirns befindet, dient der Wahrnehmung und Verarbeitung von Gefühlen wie Freude, Vergnügen, Hass, Wut, Zorn, Panik oder Angst (vgl. Upledger 2003, S. 140). Als eine Art Schaltstelle ist das System auch für die Differenzierung von traumatischen und nichttraumatischen Informationen sowie deren Weiterleitung verantwortlich. Zusammen mit weiteren Teilen des Gehirns ist es außerdem an der Affektregulierung beteiligt. Eine zusätzliche Aufgabe des Limbischen Systems ist es, die Stresshormonachse zu aktivieren und die dafür notwendigen Stresshormone wie Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol sowie Endorphine, Serotonin, Oxytocin und Dopamin auszuschütten (vgl. Garbe 2015, S. 73). Als endogene Botenstoffe sind diese Neurotransmitter für die Weiterleitung von Informationen von einer zur anderen Nervenzelle über die Schaltstelle (Synapse) verantwortlich (vgl. Sendera / Sendera 2013, S. 191) und dienen der Erregungsübertragung (vgl. Klatte 2007, S. 118). Außerdem ist es für die Regulation maßgeblicher Aufgaben wie Wohlbefinden, Antrieb, Sexualität, Wachstum oder Stoffwechsel im Körper verantwortlich und stehen in Zusammenhang mit traumatischen Stressreaktionen und deren Bewältigung (vgl. Garbe 2015, S. 73). Die Amygdala (Mandelkern) ist ein Teil des limbischen Systems und für die Entstehung von Angst und Furcht von zentraler Bedeutung. Es kommt zur Bewertung aller Signale aus den Wahrnehmungsbereichen des Gehirns und kann bei Bedrohung sekundenschnell reagieren (vgl. Myschker 2009, S. 98). Bedrohliche Reize werden durch die Amygdala mit Angst verknüpft und gespeichert - umso häufiger diese Verknüpfung also stattfindet, umso sensibler erfolgt die Reaktion durch die Amygdala auf den Reiz. Das kann bewirken, dass die gleiche Reaktion auf den eigentlich ungefährlichen, aber ähnlichen Reiz erfolgt, sobald dieser als Bedrohung wahrgenommen wird. Folge dessen ist, dass auf ähnliche Situationen, die eigentlich ungefährlich sind, eine emotionale und somatische Reaktion folgen kann und diese sich in Panik, Ohnmacht oder Übelkeit äußert. Somit ist die Amygdala wesentlich an der Überlebenssicherung des Menschen beteiligt (vgl. Garbe 2015, S. 78). Das Amygdala-System arbeitet entwicklungsgeschichtlich als Erstes: es steht bereits rudimentär seit der Geburt zur Verfügung. Funktionstüchtig wird das Hippocampus-System hingegen erst ab einem Alter von zwei bis drei Jahren.

Somit wird deutlich: wirkt Stress bereits sehr früh auf Kinder ein, wird dies hauptsächlich im Amygdala-System gespeichert. Erst später entwickelt sich das biographische Gedächtnis und damit die Fähigkeit, gezielt auf das Erlernte in Stresssituationen Bezug nehmen zu können. Wenn Kinder bereits in sehr frühem Alter unter Dauerstress aufwachsen, kann es zudem zu einer Unterentwicklung des Hippocampus-Systems kommen – da sich das Gehirn auf die Reaktion der Amygdala verlässt und es sich diese Reaktion zur Gewohnheit machen kann (vgl. Huber 2012, S. 50). Die Amygdala spielt bei der Bewältigung von Bedrohung und Gefahr eine maßgebliche Rolle – wird ein Reiz als ungefährlich wahrgenommen, erfolgt die Weiterleitung über den langen Verarbeitungsweg (vgl. Garbe 2015, S. 79). Dieser geht vom Thalamus über die sensorischen Teile der Großhirnrinde und bewirkt eine Differenzierung des Reizes. Sie ermöglicht das bewusste Entscheiden, Reflektieren und Abwägen von Wahrnehmungen. Bei einem kurzen Verarbeitungsweg geht der Reiz direkt vom Thalamus in die Amygdala. Eine Differenzierung erfolgt nicht, damit bei drohender Lebensgefahr sofort reagiert werden kann (vgl. Hausmann 2006, S. 50). Wahrnehmungen, welche als gefährlich eingestuft werden, werden unverzüglich weitergeleitet um überlebenssichernde Reflexe wie Flucht, Totstellen oder Verteidigung auszulösen. Durch die Beteiligung des Thalamus an somatischen Regulierungen wie Hunger, Körpertemperatur und Schlaf wird die Prägnanz der Verbindung von Stress und psychosomatischen Reaktionen deutlich (vgl. Garbe 2015, S. 80).

3.2 Bedeutung von Hormonen und Neurotransmittern

Die Botenstoffe Adrenalin und Noradrenalin, welche zum Noradronergen System gehören, werden dann ausgeschüttet, wenn eine Gefahrensituation überstanden werden muss oder eine neue Situation eintritt. Durch Neurotransmitter wird der Körper in Alarm- und Aktionsbereitschaft versetzt. Zudem dienen diese Botenstoffe der Überlebenssicherung – der Körper reagiert in Stresssituationen mit erhöhtem Puls und steigendem Blutdruck sowie schnellerem Herzschlag um die Wachsamkeit und die damit verbundene Handlungsbereitschaft zu erhöhen (vgl. ebd.). Weiterhin wird in Gefahrensituationen vermehrt der Botenstoff Cortisol ( Glucocorticoide) ausgeschüttet um den Körper auf Bewältigung vorhandener Gefahren vorzubereiten. Das Kommunikationssystem bestehend aus dem Hypothalamus, der Hypophyse und der Nebennierenrinde, auch als Stressachse bezeichnet, kann durch psychische Belastungen beeinflusst werden. Der Hypothalamus setzt aufgrund der Belastung ein Corticotropin-Releasing-Hormon frei, welches die Hirnanhangdrüse stimuliert, das Hormon Adrenocorticotropin daraufhin freigesetzt und in die Blutbahn abgegeben wird. Dieser Botenstoff gelangt dann zur Nebennierenrinde, welcher letztendlich Cortisol ausschüttet (vgl. Grabe / Spitzer 2017, S. 9). Die verminderte Ausschüttung des Hormons sorgt für Erschöpfung und Beruhigung, wenn die Erregung nach einem Bewältigungsversuch oder einer Gefahrenmeldung wieder abnimmt und die Erholungsphase eintritt. Endorphine sind Opioide, welche sich an den Synapsen des autonomen Nervensystems und überwiegend im Rückenmark befinden. Dadurch, dass Schmerz aufgrund der Ausschüttung von Endorphinen weniger fühlbar wird, kann es die Erträglichkeit nicht aushaltbarer Situationen fördern (vgl. ebd.). Serotonin wirkt auf nahezu alle Gehirnfunktionen beeinflussend. Dazu zählt die Temperaturregulation, die Regulierung der Wahrnehmung, des Schlafes, der Empfindung und Verarbeitung von Schmerz, der Sensorik oder auch des Appetits. Da sich Serotonin positiv auf die Stimmungslage auswirken kann, wird es auch als „Glückshormon“ bezeichnet (vgl. Sendera / Sendera 2013, S. 192). Das System für Selbstwirksamkeitserfahrungen stellt das Dopaminerge System dar (vgl. Garbe 2015, S. 74). Dopamin wird für zahlreiche lebensnotwendige Regulations- und Steuerungsvorgänge benötigt, reguliert den Hormonhaushalt und die Durchblutung der Bauchorgane (vgl. Grawe 2004, S. 291). Durch angenehme Reize kommt es zur Ausschüttung des Botenstoffs, welcher dann in den Zellkern eindringt und neue Nervenverschaltungen herstellt. Dadurch entsteht eine verstärkende Wirkung, welche den Menschen in eine positive Erwartungshaltung versetzt (vgl. Garbe 2015, S. 74). Ein weiterer Botenstoff, welcher maßgeblich zur Beruhigung und Stressreduzierung beiträgt ist Oxytocin – dieser wird ausgeschüttet, wenn die Geburt eingeleitet wird und ist dann erhöht, wenn es zu angenehmen Körperkontakt kommt. Auch beim Stillen und damit verbundener Entspannung wird Oxytocin durch die Mutter ausgeschüttet und trägt zur Entwicklung der Bindung zwischen Mutter und Kind bei (vgl. Puca / Schüler 2017, S. 236). Durch die Ausschüttung erfolgt eine Herabsetzung des Cortisolspiegels und wirkt dadurch Beruhigend und Stressmildernd (vgl. Garbe 2015, S. 74). Botenstoffe und Stresshormone können den Organismus nachhaltig beeinflussen. Unter Dauerstress kann der Stresshormonhaushalt kontinuierlich verändert werden, woraufhin dieser anhaltend erhöht bleibt und bei Belastungen schneller anspringt. Außerdem wird durch konstanten Stress der Serotonin- und Oxytocinspiegel gesenkt, was eine verringerte Produktion dieser Beruhigungs- und Bindungshormone nach sich zieht. Durch die dauerhaft erhöhte Ausschüttung von Dopamin, Adrenalin und Noradrenalin wird die Stresshormonachse in einen Zustand von ständiger Überregungsbereitschaft gebracht, welches die betroffene Person in ein Level konstanter Erregung versetzt. Auf Bedrohung reagiert der Körper dann mit einer Steigerung des bereits erhöhten Erregungslevels, stressmindernde Neurotransmitter werden ausgeschaltet. Ausgelöst durch Extremstresserfahrungen kann es darauffolgend zu einem hormonell bedingtem, unkontrollierten durchbrechen des Aggressionspotenziales kommen (vgl. Garbe 2015, S. 75). Stresshormonsysteme (z.B. das Noradronerge System) werden dann aktiviert, sobald Sinneseindrücke im limbischen System eintreffen und sie das Potenzial extremer Gefahren oder Bedrohungen aufweisen. Der Körper befindet sich in Übererregung um auf die Bedrohung angemessen reagieren zu können. Dauert die Extremstresssituation an, kommt es zu einer permanenten Hormonausschüttung und Aktivierung der zuständigen Botenstoffsysteme. Bereits aufgebaute Hirnnervennetzwerke und –verschaltungen können aufgrund der konstanten Sekretion von Hormonen wie Cortisol destabilisiert werden, was beispielsweise Störungen der Wachstumsprozesse von Hirnnerven nach sich zieht. Bei konstanter Belastung kann es zudem zum Absterben von Nervenfasern oder zu Volumenminderungen des Hippocampus kommen (vgl. Krüger 2008, S. 35 f.). Daraus folgt, dass ein vermindertes Gehirnvolumen Beeinträchtigungen der Gehirnentwicklung impliziert (vgl. Landolt 2012, S. 95) und wird mit einer erschwerten emotionalen Regulierung assoziiert (vgl. Wissmann / Jacoby /Heim 2015, S. 42). Chronischer Stress induziert weiterhin eine dauerhafte Schwächung des Immunsystems, hervorgerufen durch die konstante Ausschüttung von Glucocorticoiden (vgl. Reisyan 2013, S. 163). Zudem kann eine vorübergehende Dysfunktionalität des Hippocampus-Systems durch Extremstress hervorgerufen werden (vgl. Huber 2012, S. 49) und im Falle eines chronisch erhöhten Stressniveaus zum Absterben der im Hippocampus-liegenden Neuronen kommen, was zu einer nachhaltigen Schädigung des Gehirns führt (vgl. Reisyan 2013, S. 162). Eine Dysfunktionalität des Hippocampus-Systems kann unter anderem mit Dissoziationen, Intrusionen oder Amnesien2 in Verbindung gebracht werden (vgl. Wessa / Flor 2002, S. 32).

Somit erzeugen Formen kindlicher Traumatisierung wie Vernachlässigung und Missbrauch eine ineffiziente rechte Hirnhälfte, welche zentraler Bestandteil der Dissoziationen, Überlebensfunktionen und Affektregulationen sind (vgl. Schore 2009, S. 191). Der übermäßige Hormonüberschuss kann zudem auch die Gedächtnisfunktionen nach traumatischen Erfahrungen verändern – durch die Verstärkung der Gedächtnisspuren3, welche in der traumatischen Situation festgelegt werden, kann dies zu schnellen wiederkehrenden Erinnerungen an das Erlebte durch die betroffene Person führen (vgl. Krüger 2008, S. 36). Die Fähigkeiten zu entwickeln, eigene Affekte zu kontrollieren und sich selbst zu regulieren, stellen außerdem in den ersten 24 Lebensmonaten eines Kindes einen hohen Stellenwert dar. Ist traumabedingt eine intakte neuronale Ausstattung, ein förderndes Milieu und die Bindung an Bezugspersonen nicht vorhanden, können die zur Entwicklung nötigen Nervennetze nicht angemessen ausreifen. Dauerstress bewirkt also biochemische Veränderungen im Gehirn, wodurch eine Entwicklungsunreife und damit verbundene strukturelle Defekte des Gehirns entstehen können (vgl. Peichl 2007, S. 42).

3.3 Traumaverarbeitung

Die Systeme des Hippocampus und der Amygdala arbeiten zu Beginn einer traumatischen Situation nebeneinander – sobald die Situation länger andauert, steigt die Aktivität der Amygdala aufgrund der Bedrohung und andauernden Einwirkung der Stressreize auf den Organismus. Es kommt zu einer Ausschüttung von Hormonen wie Cortisol oder Noradrenalin, was die Gedächtnisbildung im Hippocampus behindert und sich hemmend auf bestimmte Hirnareale auswirkt. Dem Gehirn ist es ab diesem Zeitpunkt nicht mehr möglich, aufgenommene Reize zu integrieren – es kommt zu einer Fragmentierung von Gedächtnisinhalten und Sinneseindrücken. Diese Erinnerungsfragmente werden sensorisch gespeichert und sind oftmals mit extremen Affekten verbunden – beispielsweise kann ein bestimmter intensiver Geruch Ekel auslösen. Eine willentliche und bewusste Erinnerung an das Ereignis ist nahezu unmöglich, jedoch können sich Erinnerungsfragmente unkontrollierbar und häufig ausgelöst durch Trigger-Reize ins Bewusstsein aufdrängen. Traumatischer Stress sorgt dafür, dass die physiologische Übererregung nach der Akutphase anhält. Es kommt zu Schlafstörungen, Zittern oder Unruhe und kann sich über mehrere Tage, teilweise sogar dauerhaft, fortsetzen. Der anhaltend erhöhte Nordadrenalinspiegel und die massive Ausschüttung von Cortisol sorgen dafür, dass die Notfallreaktion anhält, obwohl die Gefahr vorüber ist. Wird durch die betroffene Person zu einem späteren Zeitpunkt ein Trigger wahrgenommen, welcher mit dem traumatischen Ereignis assoziiert wird, kann ein „Flashback“ und damit das Wiedererleben der Situation ausgelöst werden. Selbst neutrale Reize können dann ein Wiedererinnern hervorrufen. Betroffene reagieren, aufgrund der Verschiebung der Hirnaktivität, stärker und schneller auf Schreckreize. Zudem können nicht bedrohliche Reize als sehr intensiv wahrgenommen werden, was zu einer Überregung führen kann. Folge dessen ist, dass eine adäquate Gefahreneinschätzung aufgrund der unzuverlässigen Reizreaktion durch die betroffene Person kaum noch möglich ist. Dies führt wiederrum dazu, dass eine Einschätzung der Bedrohlichkeit von bestimmten Situationen nicht mehr zuverlässig erfolgen kann, wodurch Gefühle von Hilflosigkeit und Kontrollverlust entstehen können, welche erneut Alarmreaktionen auslösen (vgl. Gräbener 2013, S. 31-34).

Während eines traumatischen Ereignisses kann der menschliche Organismus lediglich auf überlebenssichernde, genetische und bereits festgelegte Notprogramme zurückgreifen. Das Aktivieren und Auslösen dieser Notfallprogramme kann jedoch zu langfristigen und nachhaltigen Folgen der neuronalen Hirnstruktur führen (vgl. Scherwath / Friedrich 2012, S. 18).

Besonders im Kindesalter können Traumata aufgrund der unausgereiften Persönlichkeits- und neuronalen Struktur weitreichende Folgen nach sich ziehen. Die instabile Vernetzung kindlicher Hirnstrukturen kann dazu führen, dass traumabedingte Strukturen die Basis der weiteren Persönlichkeits-, Gehirn- und Identitätsentwicklung darstellen (vgl. Beckrath-Wilking 2012, S. 67). Das Gehirn entwickelt sich erfahrungsabhängig neuroplastisch und ist keine “genetisch determinierte Maschine“. Die Neuroplastizität, welche besonders in der Kindheit stark ausgeprägt ist (vgl. Piefke / Markowitsch 2009, S. 13), ermöglicht die Weiterentwicklung und Potenzialentfaltung eines Menschen, kann jedoch auch das Risiko langfristiger Schäden, welche durch negativ beeinflussende Faktoren hervorgerufen werden können, bergen. Hüter (vgl. Hüter 2004, zit. n. Scherwath / Friedrich 2012, S. 21) spricht davon, dass stabilste Netze im menschlichen Gehirn dann entstehen, wenn etwas mit starken Emotionen verbunden ist, häufig wiederholt und bereits in frühem Alter erlebt wird. Diese Netze steuern und beeinflussen das Handeln, Denken und Fühlen nachhaltig. Besonders traumatische Erfahrungen sind mit starken Gefühlen verbunden und stellen damit die Vorrausetzung dar, sich im Gehirn festzusetzen und tiefe neuronale Spuren zu hinterlassen (vgl. Scherwath / Friedrich 2012, S. 22).

3.4 Neurobiologische Bewältigungsstrategien

Ein traumatisches Ereignis zeichnet sich dadurch aus, dass die üblichen, bisher erworbenen psychischen Verarbeitungsmöglichkeiten gänzlich übertroffen werden. Um die Situation bewältigen zu können, muss das Gehirn seine neurophysiologische Balance verändern – es kommt zu erhöhtem Herzschlag und Muskeltonus sowie zu erhöhter Atemfrequenz. Durch die Amygdala wird das Kampf-Flucht-System ausgelöst (vgl. ebd., S. 19). Ein aktiviertes System bewirkt hochgradige Aufmerksamkeit sowie eine maximale Anspannung der Muskeln und eine damit verbundene sofortige Reaktionsbereitschaft (vgl. Sachsse 2012, S. 66). „Fight or Flight“ ist ein angeborenes Reaktionsmuster aus der Frühgeschichte und bedeutet, innerhalb weniger Millisekunden entweder gegen den Stressor anzukämpfen (fight) oder davor zu fliehen (flight). Wenn jedoch weder fight noch flight zur Bewältigung des Stressors führt kommt es zum “Freeze und Fragment“. Die Lähmungsreaktion, welche als “Freeze “ bezeichnet wird, ermöglicht dem Organismus, sich innerlich von der Situation zu distanzieren. Die extreme Ausschüttung von Endorphinen verursacht ein „geistiges Wegtreten“, während Noradrenalin die übliche integrative Wahrnehmung blockiert und einen „Tunnelblick“ herstellt.

Der Mensch befindet sich somit in einer „traumatischen Zange“. Huber bezeichnet diesen Vorgang auch als „nichts anderes als eine Entfremdung an das Geschehen“. Kommt der Körper nach Ende der bedrohlichen Situation zur Ruhe und löst sich das Gehirn wieder aus dem Alarmzustand kann es zum Fragmentieren des Erlebnisses kommen. Das bedeutet, dass körperliche und emotionale Reaktionen anschließend in einem Traumagedächtnis abgespeichert werden, mit der Besonderheit, dass für die betroffene Person ein Gesamtzusammenhang nicht mehr erkennbar und eine komplexe Erinnerung an das Geschehen unmöglich ist (vgl. Huber 2012, S. 43).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 2: Traumatische Zange (Huber 2012, S. 39)

Besonders bei Kleinstkindern besteht ein hohes Risiko in den Zustand einer traumatischen Zange zu geraten, da es sich in Notsituationen nicht aus eigener Kraft herausholen kann und auf das Bindungsangebot angewiesen ist (vgl. Scherwath / Friedrich 2012, S. 37). Dies verdeutlicht Besser anhand der Aussage, dass der Mensch dann in eine traumatische Zange geraten kann, wenn die ihm/ihr zur Verfügung stehenden Handlungsoptionen zur Auflösung der Situation nicht ausreichen oder keine Bindungsperson rettend zur Verfügung steht. Überlebensprogramme wie Flight, Fight, Freeze und Fragment werden dann aktiviert und können bis zur Dissoziation führen (vgl. Korittko 2011, S. 135).

Zu den Bewältigungsmöglichkeiten zählt die Dissoziation und versteht „den teilweisen oder völligen Verlust der integrativen Funktionen des Bewusstseins, des Gedächtnisses, der personalen Identität sowie der Selbstwahrnehmung und der Wahrnehmung der Umwelt“ (Kapfhammer 2006, S. 345). In dem Zustand der Dissoziation kann das Gehirn automatisiert Wahrnehmungen differenzieren und nimmt relevante Wahrnehmungen in den Fokus, während Unwesentliches ausgeblendet wird (vgl. Gräbener 2013, S. 35). In traumatischen Situationen tritt sie häufig reflexartig und ohne bewusste Steuerung auf. Das Erlebnis wird überwindbar, indem es distanziert und in einzelnen Fragmenten, frei von Emotionen und Schmerzempfinden, wahrgenommen wird (vgl. Garbe 2015, S. 117).

Derealisation als Form der Dissoziation meint das „wegdrücken“ bestimmter Aspekte des Ereignisses. Zur chronischen Derealisation kann es kommen, wenn die Erinnerung an „weggedrückte“ Ereignisfragmente durch das Gehirn nicht herbeigeführt werden kann (vgl. Huber 2012, S. 60). Weiterhin ist es möglich, die zuvor gewohnte Umgebung als fremd oder unwirklich wahrzunehmen oder ein gestörtes Zeitempfinden zu entwickeln (vgl. Gräbener 2013, S. 36). Neben der Derealisation gilt die dissoziative Amnesie als weitere Form der Dissoziation. Diese beschreibt Erinnerungslücken, welche zumeist nach einem traumatischen Ereignis auftreten und nicht mit üblichem Vergessen in Verbindung gebracht werden können – fundamentale Verhaltensmuster wie Sprechen, Lesen oder die Ausübung gewisser Tätigkeiten bleiben bestehen (vgl. Butcher / Mineka / Hooley 2009, S. 359). Nicht selten ist die Derealisation an die Depersonalisation gekoppelt – wobei sich die betroffene Person selbst als fremd oder unwirklich wahrnimmt (vgl. Huber 2010, S. 44) und der eigene Körper nicht mehr vollständig gespürt wird. Zudem kann das Gefühl entstehen, neben sich zu stehen und zum Beobachter des Ereignisses zu werden (vgl. Gräbener 2013, S. 36).

Fugue (lat., Flucht) beschreibt als besondere Form der Dissoziation die Flucht des Opfers vom Ort des traumatischen Geschehens an einen anderen Ort ohne sich daran erinnern zu können (vgl. Huber 2012, S. 62). Als intensivste Form gilt die dissoziative Identitätsstörung – wobei sich die Gesamtpersönlichkeit in weitere, multiple Persönlichkeiten spalten kann. Verursacht durch mehrmalige Traumati­sierungen entstehen in der Persönlichkeit dann sogenannte „Risse“, welche die Teilung der Persönlichkeit in Teilautonomien verursachen kann (vgl. ebd., S. 64 f.).

Es wird deutlich, dass sich traumatische Erfahrungen maßgeblich auf Gedächtnisprozesse auswirken und Störungen hervorrufen können (vgl. Priebe / Schmahl / Stiglmayr 2013, S. 76f.). Bereits alltägliche Dinge wie Geräusche, Gerüche, Farben oder Formen können Trigger für dissoziatives Verhalten sein (vgl. Reddemann / Dehner-Rau 2006, S. 59). Umso häufiger die Dissoziation angewendet wird, desto intensiver verselbstständigt sie sich und kann aufgrund ihrer Unkontrollierbarkeit für die betroffene Person zu nachhaltigen psychischen Schäden führen (vgl. Weinberg 2013, S. 33). Es sollte beachtet werden, dass Kinder im Kleinkindalter noch nicht über die Kampf- und Fluchtreaktionen verfügen können, was das Risiko von Dissoziationen erhöht. Eckers betont dabei, dass Kleinstkinder eher mit Bewusstseinsspaltungen auf Bedrohungen reagieren und sich traumaspezifische Symptome ab dem achten Lebensjahr konkreter verdeutlichen (vgl. Eckers, D., o. J.).

Neben den bereits genannten Bewältigungsstrategien erwähnt Garbe unter anderem die defensive Reaktivität. Besonders bei mehrfach einwirkenden Traumatisierungen lernt das Kind während seiner Entwicklung, sich erneut darauf einzustellen und demnach Bewältigungsstrategien zu entwickeln, welche das Überleben sichern. Die Situation kann dann für das Kind besser bewältigt werden, wenn es in einen dissoziativen Zustand gerät. Verläuft die Strategie zielführend, wird sie wiederkehrend angewandt und neuronal gespeichert (vgl. Garbe 2015, S. 107f.). Um sich aus traumabezogenen Affekten wieder befreien zu können, verwenden Betroffene häufig die Methode der Selbstverletzung. Das Nutzen von Gegenreizen wie Ritzen, Brennen, Schneiden oder Stechen (vgl. Hausmann 2006, S. 63) kann die Unterbrechung der Dissoziation, durch den daraufhin eintretenden Zustand der Entspannung, bewirken (vgl. Garbe 2015, S. 109).

3.5 Zwischenfazit

Durch die Komplexität dieses Themas im Hinblick auf physiologische Prozesse werden nachhaltige und langfristige Einflüsse traumatischer Erfahrungen sichtbar. Es wird deutlich, welch prägnante Auswirkungen frühkindliche Traumatisierungen für die Entwicklung des kindlichen Gehirns nach sich ziehen und den Hirnentwicklungsprozess maßgeblich beeinträchtigen können. Das Ungleichgewicht des Stresshaushaltes bewirkt eine ständige Übererregung und ein erhöhtes Aggressionspotenzial – bedeutend um Verhaltensweisen und Reaktionen von Kindern verstehen zu können.

Welche Formen von Traumatisierungen in der Kindheit vorherrschend sind und welche Auswirkungen sie nach sich ziehen, soll der nächste Abschnitt verdeutlichen.

4 Formen kindlicher Traumatisierungen

In der Literatur sind zumeist die Bereiche der Vernachlässigung, Kindesmisshandlung (physische und psychische Misshandlung) und der sexuellen Gewalt als Formen kindlicher Traumatisierungen zu verzeichnen. Neben diesen Bereichen sind auch Formen wie die traumatische Trennung, häufige Bindungsabbrüche, Bindungs- und Beziehungstraumatisierungen sowie psychisch kranke Eltern zu finden. Deutlich wird, dass jede einzelne Form ihre eigene Charakteristik aufweist und sie häufig in Kombination auftreten (vgl. Garbe 2015, S. 41). Während Kinder rechtlich überwiegend als „Objekte“ erwachsener Personen betrachtet wurden, führte ein immenser Perspektivwechsel in den letzten 30 Jahren dazu, dass Kinder nun als Träger ihrer eigenen Rechte angesehen werden. Laut dem statistischen Bundesamt geht aus der Kinder- und Jugendhilfestatistik Teil 1 hervor, dass im Jahr 2016 5.929 Fälle von Vernachlässigung, 2.006 Fälle körperlicher Misshandlung, 2.170 Fälle psychischer Misshandlung und 278 Fälle sexueller Gewalt an Kindern von 0-7 Jahren in Deutschland verzeichnet wurden (vgl. Statistisches Bundesamt 2016, S. 7). Trotz Initiativen durch die Bundesregierung wie bereits genannte rechtliche Änderungen, die Einführung des Kinderschutzgesetzes im Jahr 2012 und des Aktionsplans, sowie durch die Installation weiterer Präventionsmaßnahmen und der Sensibilisierung der Öffentlichkeit über Medien ist das Thema der Kindeswohlgefährdung nach wie vor präsent (vgl. Weltgesundheitsorganisation Regionalbüro für Europa 2013, S.7f.).

4.1 Vernachlässigung

Liegt eine andauernde oder wiederholte Schädigung und Beeinträchtigung der Entwicklung des Kindes durch die sorgeverpflichteten und –berechtigten Personen vor, wird von einer Vernachlässigung gesprochen. Dies kann durch mangelhafte gesundheitliche Fürsorge und Ernährung, unzureichender Kleidung und Pflege, geringe oder fehlende Beaufsichtigung und Zuwendung, sowie durch nicht ausreichende Förderung und Anregung emotionaler, geistiger, sozialer und motorischer Fähigkeiten hervorgerufen werden (vgl. Deegener 2005, S. 37). Emotionale und körperliche Zuwendung werden nicht selten verwehrt, Signale des Kindes werden nicht beachtet. Häufig kann es auch zu einer falschen Wahrnehmung der kindlichen Bedürfnisse mit einer darauffolgenden inadäquaten Reaktion durch die Bezugsperson kommen (bspw. als Konsequenz auf hungriges Weinen folgt Einsperren). Durch die Missachtung der elementaren Bedürfnisse des Kindes kann es zu einer Beeinflussung der emotionalen, sozialen, kognitiven und körperlichen Entwick­lung kommen (vgl. Weiß 2008, S. 23). Kinder, welche einer Vernachlässigung ausgesetzt sind, verfügen außerdem über eine eingeschränkte Impulskontrolle sowie über geringere Kreativität und Flexibilität (vgl. Streeck-Fischer 2014, S. 106). Erfolgt Vernachlässigung aufgrund mangelndem Wissen oder fehlender Einsicht, so wird von passiver Vernachlässigung gesprochen. Liegt jedoch eine wissentliche Verweigerung (bspw. von Schutz oder Nahrung) vor, so handelt es sich um aktive Vernachlässigung (vgl. Deegener 2005, S. 37). Weiterhin wird zwischen emotionaler und körperlicher Vernachlässigung unterschieden. Emotionale Vernachlässigung führt häufig zu einer Vulnerabilität des Kindes durch die Entwicklungsbeeinträchtigung personaler Schutzfaktoren und hat zur Folge, dass Kinder seltener in der Lage sind, Krisen und Herausforderung ausreichend bewältigen zu können. Emotionale Vernachlässigung umfasst nicht nur die fehlende Rücksicht auf die Entwicklungsbedürfnisse des Kindes, sondern auch Störungen der Eltern Kind-Bindung und –Interaktion (vgl. Herrmann, et. al 2016, S. 224). Körperlich vernachlässigte Kinder wirken häufig ungepflegt, verschmutzt oder sind nicht ausreichend gekleidet. Zudem kann ein reduzierter Allgemeinzustand, psychosozialer Minderwuchs4 oder Anzeichen von Gedeihstörungen Hinweis körperlicher Vernachlässigung sein. Zudem können Begleitstörungen beim Kind wie Behinderungen, Intelligenzminderungen oder Entwicklungsverzögerungen auftreten (vgl. Blanz et. al 2006, S. 302). Laut dem statistischen Bundesamt waren im Jahr 2016 3.111 Jungen und 2.818 Mädchen von Vernachlässigung betroffen – zudem gilt es als häufigste Form der Kindesmisshandlung (vgl. Statistisches Bundesamt 2016, S. 7).

4.2 Kindesmisshandlung

Kindesmisshandlung wird nach Blum-Maurice definiert als eine

„nicht zufällige, gewaltsame psychische und/oder physische Beeinträchtigung oder Vernachlässigung des Kindes durch Eltern/Erziehungsberechtigte oder Dritte, die das Kind schädigt, verletzt, in seiner Entwicklung hemmt oder zu Tode bringt“

Unter körperlicher Misshandlung wird unter anderem folgendes gefasst: Ohrfeigen, von der Treppe stoßen, Peitschen, Schleudern gegen die Wand, Verbrennen mit Zigaretten oder heißem Wasser, Schütteln eines Kleinkindes, Einklemmen in Türen, auf den Ofen setzen, eigenen Urin trinken oder Kot essen lassen, mit Nadeln pieksen, Vergiften oder Würgen, zum Essen zwingen, schubsen oder Schlagen mit Gegenständen (vgl. Deegener 2005, S. 37). Durch die Änderung des § 1631 BGB im Jahr 2000 wurde das Recht auf gewaltfreie Erziehung gesetzlich verankert (vgl. Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. 2016, S. 10). Neben der körperlichen Vernachlässigung kann auch eine seelische Misshandlung, bzw. eine emotionale Kindesmisshandlung vorliegen - dabei werden alle Handlungen und/oder Unterlassungen eingeschlossen, welche durch die Sorgeberechtigten ausgeführt werden und ein Kind über einen längeren Zeitraum ängstigen, ein Gefühl der Wertlosigkeit vermitteln oder es überfordern. Annährungsversuche seitens des Kindes werden verbal, durch Ignorieren oder durch Handlungen zurückgewiesen. Kinder können häusliche Gewalt miterleben, Erpressungen und Drohungen; können bloßgestellt, beschimpft und mit Liebesentzug bestraft werden; erleben Erniedrigung, werden eingesperrt und von Gleichaltrigen isoliert und bedroht. Im Gegensatz dazu kann es auch zu einer Überfürsorge und einem damit verbundenen „Erdrücken“ des Kindes kommen – Kinder werden dabei blockiert sich frei zu entfalten, fühlen sich daraufhin sehr unsicher, ängstlich und abhängig, was zu einem Entwicklungsstillstand führt. Nicht selten kann es auch zu körperlicher und psychischer Überforderung aufgrund inadäquater Rollenzuweisungen kommen (vgl. ebd., S. 38).

4.3 Sexuelle Gewalt

Durch sexuelle Gewalt wird die Sexualität des Kindes auf altersunangemessene Weise beeinflusst (vgl. Weiß 2008, S. 31) und schließt jede sexuelle Handlung ein, welche

„an oder vor einem Kind entweder gegen den Willen des Kindes vorgenommen wird oder der das Kind auf Grund seiner körperlichen, emotionalen, geistigen oder sprachlichen Unterlegenheit nicht wissentlich zustimmen kann bzw. bei der es deswegen auch nicht in der Lage ist, sich hinreichend zu wehren und verweigern zu können“

[...]


1 Phylogenese bezeichnet sowohl die stammesgeschichtliche Entwicklung der Gesamtheit aller Lebewesen als auch bestimmter Verwandtschaftsgruppen auf allen Ebenen der biologischen Systematik (vgl. Spektrum der Wissenschaft Verlagsgesellschaft mbH, 2001).

2 inhaltlich oder zeitlich begrenzte Gedächtnislücke (Stangl, 2018b)

3 „(...) durch physiologische Reize verursachte, dauerhafte strukturelle Veränderungen im Gehirn. (...) Gehen, Lesen, Sehen, also alle alltäglichen Leistungen, die der Mensch nach der Geburt erlernt, sind in Engrammen gespeichert, d.h., alle Reizeinwirkungen hinterlassen eine physiologische Spur im Gehirn“ (Stangl, 2018c).

4 „Der psychosoziale Minderwuchs ist eine seltene Deprivationsstörung, deren Ursachen im Zusammenhang mit psychischer bzw. sozialer Vernachlässigung oder Misshandlung gesehen werden“ (Nationales Zentrum für Frühe Hilfen, 2018).

Ende der Leseprobe aus 96 Seiten

Details

Titel
Kindliche Traumatisierung und Traumapädagogik für Kinder und Jugendliche. Heilt die Zeit wirklich alle Wunden?
Autor
Jahr
2019
Seiten
96
Katalognummer
V453240
ISBN (eBook)
9783960955528
ISBN (Buch)
9783960955535
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Trauma, Traumafolgestörungen, ADHS, Posttraumatische Belastungsstörung, Traumatherapie, Kinder und Jugendliche
Arbeit zitieren
Carolin Hellmuth (Autor), 2019, Kindliche Traumatisierung und Traumapädagogik für Kinder und Jugendliche. Heilt die Zeit wirklich alle Wunden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453240

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