Wie jede Profession beruht auch die Soziale Arbeit auf Theorien, auf dessen Grundlagen das spätere Handeln als Sozialarbeiter*in gründet. Dabei gibt es gerade in der Sozialen Arbeit diverse Bezugswissenschaften, wie die Psychologie, die Pädagogik oder die Soziologie (um nur einige zu nennen), welche die Soziale Arbeit in ihrem „ interdisziplinären Zusammenspiel“ zu einer anspruchsvollen sozialwissenschaftlichen Disziplin machen.
Das Konzept „Lebensbewältigung“ von Lothar Böhnisch wurde als „Theoriebrille“ für das von mir gewählte Fallbeispiel ausgesucht. Es thematisiert Menschen in kritischen Lebenssituationen, den Hauptadressatenkreis der Sozialen Arbeit. Genauer gesagt, wird der Blick auf die individuellen, biographisch geprägten Ressourcen eines Menschen gelegt, anhand welcher dieser die in verschiedenen Lebensaltern, sozialen Situationen und Kontexten auftretenden, aus dem Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft entstehenden Lebensaufgaben zu bewältigen versucht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Fallbeispiel
3. Analyse des Fallbeispiels
Anhand der vier Dimensionen einer Bewältigungslage
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das theoretische Konzept der „Lebensbewältigung“ nach Lothar Böhnisch und wendet dieses auf ein konkretes Fallbeispiel einer alleinerziehenden Mutter an, um die Anwendbarkeit des Modells für die Soziale Arbeit aufzuzeigen.
- Grundlagen der Theorie der Lebensbewältigung nach Böhnisch
- Die vier Dimensionen: Abhängigkeit, Ausdruck, Aneignung und Anerkennung
- Analyse einer psychosozialen Krisensituation anhand des Konzepts
- Bedeutung der Sozialen Arbeit zur Erweiterung von Handlungsspielräumen
- Wechselwirkungen zwischen individuellem Handeln und gesellschaftlichen Strukturen
Auszug aus dem Buch
3. Analyse des Fallbeispiels
Die vier Dimensionen einer Bewältigungslage entspringen einem sogenannten Brückenkonzept aus Lebenslage und Bewältigungslage. Dabei sind Lebenslage und Bewältigungslage zu unterscheiden. Unter Lebenslage wird die Abbildung gesellschaftlicher Entwicklung in den Lebensverhältnissen verstanden (vgl. Böhnisch/ Schröer, 2012, S.99). „Lebenslagen sind Ausgangsbedingungen menschlichen Handelns ebenso wie sie Produkt dieses Handelns sind“ (Amman, 1994, S.324; zitiert aus Böhnisch/ Schröer, 2012, S.99). Soziale Arbeit kann nur bedingt in ökonomische und rechtliche Bedingungen der Lebenslage („sozialstrukturell“; Böhnisch /Schröer, 2012, S.105) eingreifen, weswegen ein weiterer Schritt zur Intervention in diese notwendig ist. Bewältigungslage beschreibt den sozialpädagogischen, personenbezogenen Zugang zur Lebenslage. Der Fokus liegt hier vermehrt auf dem Subjekt, den Menschen und ihren individuellen Bewältigungsfähigkeiten selbst. Der Befähigung, die Lebenslage zu bewältigen und sich selbst zu verwirklichen.
Dieses Konstrukt ist gekennzeichnet durch vier eng verwobene Dimensionen. Der Dimension des Ausdrucks (Möglichkeit zur Thematisierung von Befindlichkeiten), der Aneignung (von Strategien zur Erweiterung der Handlungsspielräume), der Abhängigkeit (verursacht die Einengung der Bewältigungsoptionen und beeinflusst die Selbstbestimmung) sowie der Anerkennung ( als Chance zur Integration). (vgl. Böhnisch/Schröer, 2012, S.98-99, 105-106). Die vier Dimensionen sowie die Mittel Sprache, Raum, Zeit und Beziehungen ermöglichen der Sozialen Arbeit den Zugang zu den Lebenslagen über das Bewältigungsmodell. Nur wenn Klienten*innen in der Lage sind, ihre Problematiken zu artikulieren und ihre Betroffenheit zu thematisieren, können Lösungen und Unterstützungsmöglichkeiten geboten werden (Dimension Ausdruck).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Relevanz von Theorien für die Soziale Arbeit ein und stellt das Konzept der Lebensbewältigung von Lothar Böhnisch als theoretischen Rahmen für die Analyse vor.
2. Fallbeispiel: Dieses Kapitel präsentiert die Lebenssituation einer 28-jährigen Mutter mit zwei Kindern, die sich in einer schwierigen Trennungsphase befindet und von staatlichen Leistungen abhängig ist.
3. Analyse des Fallbeispiels: Die Autorin untersucht das Fallbeispiel detailliert anhand der vier Dimensionen der Bewältigungslage nach Böhnisch und beleuchtet die Handlungsmöglichkeiten sowie Herausforderungen für die Beteiligten.
4. Fazit: Das Fazit resümiert die Bedeutung des Lebensbewältigungsansatzes als grundlegendes, aktuelles Konzept für die professionelle Praxis der Sozialen Arbeit.
Schlüsselwörter
Lebensbewältigung, Lothar Böhnisch, Soziale Arbeit, Lebenslage, Bewältigungslage, Ausdruck, Aneignung, Abhängigkeit, Anerkennung, Fallanalyse, psychosoziale Beratung, Empowerment, Handlungsfähigkeit, Stigmatisierung, Sozialpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem theoretischen Konzept der „Lebensbewältigung“ nach Lothar Böhnisch und dessen Anwendung auf ein praktisches Fallbeispiel aus der Sozialen Arbeit.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Im Mittelpunkt stehen die vier Dimensionen der Bewältigungslage: Ausdruck, Aneignung, Abhängigkeit und Anerkennung, sowie deren Rolle im Hilfeprozess.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu zeigen, wie der Lebensbewältigungsansatz genutzt werden kann, um die individuelle Handlungsfähigkeit von Menschen in prekären Lebenslagen zu verstehen und zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretisch fundierte Fallanalyse, wobei die Lebensbewältigungstheorie als „Theoriebrille“ für die Interpretation der beobachteten Problemlagen dient.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Falls einer alleinerziehenden Mutter und die systematische Untersuchung der vier Bewältigungsdimensionen in Bezug auf ihre Lebensumstände.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem die „subjektive Handlungsfähigkeit“, das „verwehrte Selbst“, „Milieubildung“ und das „Spannungsfeld von Individuum und Gesellschaft“.
Welche besondere Rolle spielt die Tochter Maike in der Analyse?
Maike dient als Beispiel dafür, wie verhaltensauffällige Symptome (wie bei einer möglichen ADHS) in der Lebensbewältigungsperspektive auch als verdecktes Mittel zur Hilflosigkeitsbewältigung verstanden werden können.
Warum wird im Dokument auf das Gendern geachtet?
Die Autorin verwendet das Gendersternchen, um die Vielfalt geschlechtlicher Identitäten anzuerkennen und sich von der Annahme unveränderlicher biologischer Wahrheiten zu distanzieren.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2016, Lebensbewältigung als Theorie der Sozialen Arbeit. Analyse eines aktuellen Fallbeispiels, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453250