Jeder Mensch möchte seine Gedanken und Gefühle ausdrücken und sie einer anderen Person mitteilen. Das beste Mittel, um dies zu tun, ist die Sprache. Sprache erreicht, egal ob gesprochen oder geschrieben, durch die verschiedensten Medien eine Vielzahl von Personen aus den unterschiedlichsten Gebieten innerhalb eines Landes, aus den unterschiedlichsten sozialen Schichten und aus allen Altersstufen. Kein Mensch kann einen Tag erleben, in dem er nicht mit Sprache konfrontiert wird oder sich mit einem geschriebenen oder gesprochenen Wort auseinandersetzen muss. Somit ist es klar, dass sich innerhalb einer Sprache ein allgemeiner Konsens entwickelt, was die Bildung von Wörtern anbelangt. Eine Gesellschaft muss kontinuierlich ihren Wortschatz erweitern, weil sie immerzu neuen Ereignissen, politischen und gesellschaftlichen Veränderungen und den Geschehnissen und Entwicklungen auf der ganzen Welt gegenübergestellt wird. Gerade in der Gegenwartssprache des Deutschen ist die Wortbildung und ihre Produktivität sehr hoch, doch nicht alle Wortbildungen können in Wörterbüchern erfasst werden; knapp ein Drittel der Wortbildungen in Zeitungsartikeln ist nicht in einem Wörterbuch zu finden. Neue Wortbildungen entstehen also häufig und schnell, da sie den Zeitgeist und aktuelle Veränderungen aufgreifen und einfangen müssen.
Sprachwissenschaftlich gesehen hat eine Gesellschaft verschiedene Möglichkeiten der Wortbildung, wie zum Beispiel Komposition oder Derivation von Wörtern. Welche dieser Methoden wird allerdings am häufigsten genutzt und wieso? Diese Frage soll im Folgenden anhand des „Wort des Jahres“ von 2000 bis 2016 untersucht werden. Ermittelt wird das „Wort des Jahres“ von der Gesellschaft für deutsche Sprache e. V., die seit 1977 jährlich zehn Wörter aus den Medien und aus eingesandten Vorschlägen auswählt, welche „die öffentliche Diskussion dominiert und ein Jahr wesentlich geprägt haben.
Die Wahl des „Wort des Jahres“ durch die Jury der GfdS ist allerdings keine Empfehlung und stellt auch in keiner Form eine Wertung der Wörter dar. Somit eignen sich die Wörter des Jahres sehr gut, um zu analysieren, welche Methode zur Wortbildung signifikanter und populärer Wörter von der Gesellschaft genutzt wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Referierender Teil
2.1 Kategorien der Wortbildung
2.2 Komposition
2.3 Sonderformen und Eigenheiten von Komposita
2.4 Die Derivation
2.5 Andere
2.6 Ursachen der Wortbildung
3. Analytischer Teil
4. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht, welche Wortbildungsmethoden zur Erschaffung signifikanter und populärer Begriffe in der deutschen Gesellschaft verwendet werden. Im Fokus steht dabei die Forschungsfrage, ob Nomen-Nomen-Komposita die am häufigsten genutzte Methode sind, indem die offiziellen "Wörter des Jahres" der Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) aus dem Zeitraum 2000 bis 2016 einer sprachwissenschaftlichen Analyse unterzogen werden.
- Grundlagen der deutschen Wortbildungslehre (Komposition, Derivation, Kurzwortbildung)
- Soziolinguistische Ursachen für die Entstehung von Neologismen
- Analyse der "Wörter des Jahres" 2000-2016 auf ihre morphologische Struktur
- Überprüfung der These zur Dominanz von Nomen-Nomen-Komposita
- Vergleich von Wortneubildungen mit sprachökonomischen Faktoren
Auszug aus dem Buch
2.2 Die Komposition
Die wohl am häufigsten vorkommende Form der Wortbildung ist die Komposition. Bei der Komposition entsteht aus zwei oder mehreren bereits im Sprachgebrauch vorhandenen Wörtern ein neues Wort (Donalies 2005, S. 51).
Die Reihenfolge der zusammengesetzten Wörter ist sehr wichtig, da sich sonst die Bedeutung und die grammatikalischen Eingenschaften verändern können. Bei Determinativkomposita wird das Determinatum näher durch das Determinans bestimmt (Elsen 2011, S. 61):
Das Nomen-Nomen-Kompositum Blumentopf besteht aus Blumen (Determinans) und Topf (Determinatum). Das Determinatum Topf wird also durch das Determinans Blumen näher bestimmt, denn es ist ein Topf für Blumen und kein Kochtopf, welcher wiederum ein Topf zum Kochen ist (Verb-Nomen-Kompositum). Wenn man nun die Wörter vertauscht, werden auch Determinans und Determinatum vertauscht, also bestimmt bei dem Wort Topfblume der Topf die Blume näher und nicht andersherum. Die Blume ist also eine Blume, die in einem Topf wächst und nicht in den Garten gepflanzt wird. Allgemein kann man sagen, dass in der Deutschen Sprache das rechte Glied vom linken Glied des Kompositums semantisch näher bestimmt wird. Bei Determinativkomposita mit drei oder mehr Silben unterscheidet man zwischen links- und rechtsverzweigten Komposita. Hierbei wird die Struktur der Wortbildung betrachtet, um zu sehen, wie das Kompositum verzweigt ist (Donalies 2005, S. 53 f).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hier wird die Relevanz der Wortbildung für eine sich wandelnde Gesellschaft dargelegt und die Methodik der Analyse der GfdS-Wörter des Jahres eingeführt.
2. Referierender Teil: Dieser theoretische Abschnitt definiert linguistische Kategorien wie Komposition, Derivation und Kurzwortbildung und beleuchtet die soziolinguistischen Ursachen für neue Wortschöpfungen.
3. Analytischer Teil: Die ausgewählten "Wörter des Jahres" der Jahre 2000 bis 2016 werden hinsichtlich ihrer morphologischen Zusammensetzung und ihres Entstehungskontextes detailliert untersucht.
4. Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengefasst, wobei sich bestätigt, dass Nomen-Nomen-Komposita aufgrund ihrer Einfachheit und Effizienz die prägende Wortbildungsmethode darstellen.
Schlüsselwörter
Wortbildung, Morphologie, Komposition, Nomen-Nomen-Komposita, Derivation, Wort des Jahres, GfdS, Sprachökonomie, Neologismen, Determinativkomposita, Kopulativkomposita, Phraseologismen, Sprachwandel, Linguistik, Kontamination.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit den Methoden der Wortbildung in der deutschen Sprache, insbesondere mit der Frage, wie neue, gesellschaftlich relevante Wörter entstehen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Der Fokus liegt auf der morphologischen Analyse, der Unterscheidung von Kompositionsarten und der Rolle von Neologismen im Spiegel aktueller gesellschaftlicher Ereignisse.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu verifizieren, ob Nomen-Nomen-Komposita die populärste Form der Wortneubildung sind, indem reale Beispiele aus den Jahren 2000 bis 2016 analysiert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine linguistische Korpusanalyse durchgeführt, bei der die "Wörter des Jahres" der GfdS als Stichprobe für die Untersuchung ihrer Wortbildungsmethodik dienen.
Was wird im analytischen Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Begriffe wie "Schwarzgeldaffäre", "Fanmeile" oder "Klimakatastrophe" morphologisch in ihre Bestandteile zerlegt und ihr sprachlicher Ursprung kontextualisiert.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Zentrale Begriffe sind Wortbildung, Morphologie, Komposition, Sprachökonomie und Neologismen.
Warum wird "Das alte Europa" oder "Der 11. September" nicht als Kompositum gewertet?
Da es sich hierbei um Phraseologismen bzw. Wortgruppen handelt, die eine feste Fügung mit spezieller idiomatische Bedeutung aufweisen, fallen sie nicht unter die Kategorie der morphologischen Komposita.
Wie unterscheidet sich die "Fanmeile" von einem "Public Viewing" in der Wortbildung?
"Fanmeile" ist ein klassisches Nomen-Nomen-Kompositum des Deutschen, während "Public Viewing" ein englisches Lehnwort ist, dessen Bedeutung im Deutschen vom ursprünglichen englischen Gebrauch abweicht.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2016, Schwarzgeldaffäre, Klimakatastrophe und Wutbürger. Nomen-Nomen Komposita als Spiegel der Gesellschaft?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453300