In der heutigen Arbeitswelt ist Zusammenarbeit unter Kollegen von der Ausnahme eher zum Normalfall geworden. Dies zeigt sich auch zunehmend für die Institution Schule, in der deutschlandweit nach einer Statistik der Universität Tübingen an die 753.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen arbeiten. Demgegenüber ist das Bild von einem Lehrer als Einzelkämpfer ebenso in den Köpfen der Gesellschaft, wie der Stereotyp über eine angeblich mangelnde Einsatzfreude und Motivation von Lehrkräften. In deren Berufstätigkeit wird insbesondere aufgrund von Modernisierungsanforderungen an Schulen, zunehmend Kooperation und Reflexivität verlangt, die über eine Einzelkämpferrolle hinausgehen. Teamarbeit unter Lehrerinnen und Lehrern stellt somit ein Kriterium dar, das für eine gute Schulqualität und als eine Bedingung für deren Entwicklung steht).
Demnach kommt der kollegialen Kooperation von Lehrkräften eine zentrale zu und wird in der schulpädagogischen Forschung explizit betont, indem etwa die Kooperation, Kollegialität, Koordination und Kohäsion von Lehrkräften einer Schule und deren Kohärenz des Handelns als wichtige Merkmale der Schulqualität in nationalen und internationalen Studien ausgewiesen werden. Lehrerkooperation wird zudem als wichtige Bedingung für die Bereitschaft und Umsetzung von Innovationen im Kollegium einer Schule gesehen und ist somit einer der Hauptträger für eine gemeinsame Schulkultur. Weiterhin fungiert Lehrerkooperation als Voraussetzung für eine gelingende Schul- und Unterrichtsentwicklung und beinhaltet daher eine vielfältige Bedeutungszuschreibung, die sich empirisch in qualitativen und quantitativen Untersuchungen mit den individuellen und strukturellen Bedingungen, sowie den Wirkungen und Prozessen kollegialer Zusammenarbeit von Lehrern befasst.
Insbesondere im Diskurs um Unterrichts- und Schulentwicklung ist Lehrerkooperation im vergangenen Jahrzehnt zu einem zentralen Topos avanciert. Darin wird eine positive Wirkung vermutet, die sich auf strukturierte Ziel- und Aufgabenbezogene Zusammenarbeit von Lehrkräften, sowohl auf Schulebene, als auch auf individueller Lehrkraftebene, bezieht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Begriffsbestimmungen
2.1 Kooperation
2.2 Lehrerkooperation
3 Wozu dient Kooperation?
3.1 Was ist Schulentwicklung?
3.2 Lehrerkooperation als eine zentrale Anforderung der Schulentwicklung
3.3 Lehrerkooperation als Schutzschild gegen Belastung und Burnout
3.4 Lehrerkooperation als wichtige Variable von Schuleffektivität
3.5 Teamentwicklung und Kooperation als zentrales Thema der Schulentwicklung
4 Grunddaten zum Ausmaß an Lehrerkooperation
4.1 Kooperationsaktivitäten von Lehrkräften in Deutschland
5 Voraussetzungen für eine gelingende Kooperation zur Schulentwicklung
6 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung von Lehrerkooperation als essenzielle Voraussetzung für eine erfolgreiche Schulentwicklung. Dabei wird insbesondere analysiert, inwiefern die Zusammenarbeit im Kollegium zur Professionalisierung, zur Entlastung der Lehrkräfte sowie zur Steigerung der Schulqualität beiträgt und welche Bedingungen eine solche Kooperation begünstigen.
- Grundlagen und Definitionen der Begriffe Kooperation und Lehrerkooperation
- Nutzen von Kooperation für Schulentwicklung und Schuleffektivität
- Lehrerkooperation als Schutzfaktor gegen berufliche Belastung und Burnout
- Empirische Daten zum tatsächlichen Kooperationsverhalten an deutschen Schulen
- Strukturelle, inhaltliche und persönliche Voraussetzungen für gelingende Teamarbeit
Auszug aus dem Buch
1 Einführung
In der heutigen Arbeitswelt ist Zusammenarbeit unter Kollegen von der Ausnahme eher zum Normalfall geworden. Dies zeigt sich auch zunehmend für die Institution Schule, in der deutschlandweit nach einer Statistik der Universität Tübingen an die 753.000 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen arbeiten. Demgegenüber ist das Bild von einem Lehrer als Einzelkämpfer ebenso in den Köpfen der Gesellschaft, wie der Stereotyp über eine angeblich mangelnde Einsatzfreude und Motivation von Lehrkräften. In deren Berufstätigkeit wird insbesondere aufgrund von Modernisierungsanforderungen an Schulen, zunehmend Kooperation und Reflexivität verlangt, die über eine Einzelkämpferrolle hinausgehen. Teamarbeit unter Lehrerinnen und Lehrern stellt somit ein Kriterium dar, das für eine gute Schulqualität und als eine Bedingung für deren Entwicklung steht (vgl. Moegling/ Hadeler/ Hund-Göschel 2016).
Demnach kommt der kollegialen Kooperation von Lehrkräften eine zentrale zu und wird in der schulpädagogischen Forschung explizit betont, indem etwa die Kooperation, Kollegialität, Koordination und Kohäsion von Lehrkräften einer Schule und deren Kohärenz des Handelns als wichtige Merkmale der Schulqualität in nationalen und internationalen Studien ausgewiesen werden. Lehrerkooperation wird zudem als wichtige Bedingung für die Bereitschaft und Umsetzung von Innovationen im Kollegium einer Schule gesehen und ist somit einer der Hauptträger für eine gemeinsame Schulkultur. Weiterhin fungiert Lehrerkooperation als Voraussetzung für eine gelingende Schul- und Unterrichtsentwicklung und beinhaltet daher eine vielfältige Bedeutungszuschreibung, die sich empirisch in qualitativen und quantitativen Untersuchungen mit den individuellen und strukturellen Bedingungen, sowie den Wirkungen und Prozessen kollegialer Zusammenarbeit von Lehrern befasst.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Das Kapitel führt in die Problematik des Lehrerberufs ein, der sich vom "Einzelkämpfer" hin zu einer kooperativen Rolle im Rahmen moderner Schulentwicklung wandeln muss.
2 Begriffsbestimmungen: Hier werden die theoretischen Grundlagen für die Begriffe Kooperation und Lehrerkooperation dargelegt und voneinander sowie von bloßer Kommunikation abgegrenzt.
3 Wozu dient Kooperation?: Dieses Kapitel beleuchtet den Nutzen von Zusammenarbeit, insbesondere hinsichtlich Schulentwicklung, Burnout-Prävention, Schuleffektivität und Teamentwicklung.
4 Grunddaten zum Ausmaß an Lehrerkooperation: Anhand der TALIS-Studie wird das tatsächliche Kooperationsverhalten von Lehrkräften in Deutschland kritisch analysiert und quantitativ ausgewertet.
5 Voraussetzungen für eine gelingende Kooperation zur Schulentwicklung: Der Autor kategorisiert die Bedingungen für erfolgreiche Kooperation in organisatorisch-strukturelle, sachlich-inhaltliche und persönliche Ebenen.
6 Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Relevanz der Lehrerkooperation zusammen und bekräftigt, dass diese trotz der Herausforderungen den richtigen Weg zur Schulverbesserung darstellt.
Schlüsselwörter
Lehrerkooperation, Schulentwicklung, Kollegialität, Schulqualität, Teamarbeit, Schuleffektivität, Burnout-Prävention, Unterrichtsentwicklung, Professionalisierung, Organisationsentwicklung, TALIS-Studie, Kooperationsformen, Lehrkräfte
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit und den Vorteilen der Zusammenarbeit von Lehrkräften an Schulen, um den komplexen Anforderungen an eine moderne Schulentwicklung gerecht zu werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Definition von Lehrerkooperation, ihren Nutzen für das Schulklima und die Schülerleistung sowie die Bedingungen, die eine gelingende Kooperation im Schulalltag ermöglichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen der Kooperation unter Lehrkräften aufzuzeigen, zu erläutern, welche Ausprägungen diese annehmen kann, und die Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung an Schulen zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Fundierung durch Literaturanalyse und bezieht sich zur empirischen Untermauerung auf Befunde der TALIS-Studie der OECD.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert, wozu Kooperation dient (z.B. als Schutzschild gegen Burnout), quantifiziert das Ausmaß der Kooperation in Deutschland und erläutert die verschiedenen Ebenen (persönlich, strukturell, inhaltlich), die für eine erfolgreiche Zusammenarbeit entscheidend sind.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Lehrerkooperation, Schulentwicklung, Teamarbeit, Schuleffektivität, Kollegialität und Professionalisierung.
Warum wird trotz des Nutzens oft noch als "Einzelkämpfer" unterrichtet?
Die Arbeit stellt fest, dass Schulen organisationsstrukturelle Besonderheiten aufweisen, die einen autonomen Handlungsvollzug begünstigen, was die Kooperation faktisch erschwert.
Welche Rolle spielt die Schulkultur bei der Lehrerkooperation?
Eine ausgeprägte Kooperation innerhalb des Kollegiums gilt als zentrales Merkmal einer entwickelten Schulkultur und ist eine wichtige Bedingung für die Bereitschaft zur Umsetzung von Innovationen.
Welche persönlichen Kompetenzen sind für eine gute Kooperation laut der Arbeit notwendig?
Besonders betont werden Kompromissfähigkeit, Selbstreflexion, Gelassenheit, Empathie und Konfliktfähigkeit seitens der beteiligten Lehrkräfte.
Was bedeutet "Lehrerkooperation" im Sinne der Unterrichtsebene laut Gräsel et al.?
Der Ansatz differenziert zwischen Austausch, arbeitsteiliger Kooperation und Kokonstruktion, wobei der Fokus auf der direkten Zusammenarbeit der Lehrkräfte im Unterricht liegt.
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- Janine Bergmeir (Author), 2016, Lehrerkooperation als Voraussetzung für Schulentwicklung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453348