Die vorliegende Arbeit untersucht, mit welcher Strategie deutsche Krankenhäuser die MRSA-Rate effektiv reduzieren könnten. Als Alexander Flemming in Jahr 1928 das Penicillin entdeckte und damit in die Geschichte der Medizin einging, hätte niemand damit gerechnet, dass Bakterien eine Resistenz gegen Antibiotika entwickeln können. Heutzutage ist bekannt, dass es den Bakterien gelungen ist, was die Wissenschaft vor eine große Herausforderung stellt. Einer dieser resistenten Keime ist der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA).
Doch ist die Gefahr von MRSA tatsächlich unterschätzt worden? Fakt ist, dass die Anzahl der MRSA-Infektionen nach wie vor zu hoch ist. In fast allen medizinischen Einrichtungen der Welt ist MRSA vorzufinden. Dabei sind Staphylococcen nicht die einzigen Keime, die sich so schwer bekämpfen lassen. Es werden zwar immer wieder neue Wirkstoffe eingeführt, gleichzeitig treten aber genauso schnell wieder Resistenzen auf, wodurch ein ständiger Wettlauf mit den krankmachenden Keimen existiert. Außerdem haben sich die Strukturen in deutschen Kliniken ebenfalls verändert. Der herrschende Personalmangel, die hohe Anzahl an belegten Betten und der ständige Arbeitsdruck machen es fast unmöglich, alle Präventionsmaßnahmen angemessen durchzuführen.
Bei einem Vergleich der Prävalenzen im inner- und außereuropäischen Ausland wird beobachtet, dass die Werte zum Teil sehr stark differieren. In den Niederlanden wird sogar eine Prävalenz von 0,3% angegeben, in den USA hingegen ein Wert von 30%. Dementsprechend ist es interessant zu hinterfragen, wie es in den Niederlanden gelingen konnte, die MRSA-Keime so gut unter Kontrolle zu halten. Schließlich führen sie uns vor, dass eine MRSA-Prävalenz von unter 1% keine Unmöglichkeit ist. Die vorliegende Arbeit möchte aufzeigen, welche Problematiken es hinsichtlich MRSA in deutschen Kliniken gibt und wie diese durch ein geregeltes MRSA-Management bekämpft werden können. Hierzu wird ein Konzept, auf Basis eines Ländervergleichs mit den Niederlanden, entwickelt. Der Vergleich mit den Niederlanden soll analysieren, welche entscheidenden Unterschiede bestehen und ob diese für Deutschland übernommen werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau und methodisches Vorgehen
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus
2.1.1 Definition
2.1.2 Übertragung
2.1.3 Risikofaktoren
2.1.4 MRSA Prävalenz
2.1.5 Wirtschaftliche Bedeutung
2.2 Das deutsche und das niederländische Gesundheitssystem
2.2.1 Grundstrukturen
2.2.2 Finanzierung
2.2.3 Gesetzliche Rahmenbedingungen zu MRSA
2.2.4 Vergleich
3 Das MRSA Management Konzept
3.1 Surveillance
3.2 Organisatorische Voraussetzungen
3.3 Personelle Ressourcen
3.4 Interdisziplinäre Kommunikation
3.5 Hygienevorschriften
3.6 MRSA Screening
3.7 Barrierepflege
3.8 Dekolonisierung
3.9 Information und Weiterbehandlung
3.10 Strenge Antibiotika Gabe
3.11 Kontrollinstanzen
4 Schlussfolgerung
4.1 Fazit
4.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Bachelorarbeit ist die Entwicklung eines Konzepts für ein effektives MRSA-Management in deutschen Krankenhäusern durch einen Vergleich mit den niederländischen Strategien. Es soll untersucht werden, ob und wie Deutschland die erfolgreiche niederländische "Search and Destroy"-Strategie sowie andere Organisationsformen zur Reduktion von MRSA-Raten übernehmen kann.
- Analyse der Verbreitung und Problematik von MRSA in deutschen Kliniken
- Vergleichende Untersuchung der Gesundheitssysteme und Finanzierungsstrukturen (Deutschland vs. Niederlande)
- Bewertung von Management-Strategien wie Surveillance, Screening und Antibiotic Stewardship
- Untersuchung der Bedeutung von Personalschlüsseln und Organisationsstrukturen für die Infektionsprävention
- Evaluierung von Maßnahmen zur Verbesserung der Compliance und Hygiene
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Definition
MRSA zählt zu den häufigsten nosokomialen Infektionen in Europa.12 Der Begriff nosokomial bezeichnet eine Infektion, welche im Zuge eines Aufenthaltes oder einer Behandlung in einem Krankenhaus aufgetreten ist.13 Das Erscheinungsbild sowie die Merkmale der MRSA Bakterien finden sich in anderen Staphylococcen wieder.14 Hierbei handelt es sich um kugelförmige Zellen mit einem Durchmesser zwischen 0,8–1,2μm. Sie sind grampositiv, zeigen keine aktive Eigenbewegung und sind in weintraubenähnlichen Haufen angeordnet.
Ihre gefährlichste Eigenschaft ist ihre Resistenz gegen die gesamte Klasse der Beta-Laktam Antibiotika, welche weltweit zu den wichtigsten Antibiotika gehört.15 Diese Eigenschaft lässt sich ganz einfach begründen. Während man Jahrzehnte lang die Staphyloccocen geradezu mit Antibiotika zugeschüttet hatte, konnten Resistenzen immer mehr zunehmen. Die Beta Laktam-Resistenz beruht auf der Bildung eines veränderten Penicillin-Bindungs-Proteins. Dieses Enzym bewirkte die Spaltung und Inaktivierung der Beta-Lactame, wodurch die Entwicklung der Penizillinase-festen Penizilline, wie z.B. das Oxacillin und das Methicillin, gefördert werden.16 Dem aktuellen Forschungsstand zu Folge ist es dem Bakterium gelungen sich durch mindestens drei verschiedene Mechanismen, vor dem Methicillin zu schützen.17 Diese Entwicklung verdeutlicht die Schwierigkeit der Bekämpfung von MRSA Bakterien, denn die resultierende Resistenz schränkt die medizinischen Möglichkeiten auf ein kleines Sortiment noch wirkungsvoller Antibiotika ein. Damit sind die Möglichkeiten für die antibiotische Therapie einer MRSA Infektion sehr eingeschränkt. Es gibt heutzutage nur noch wenige wirksame Antibiotika, welche sehr teuer und oft nebenwirkungsreich sind.18
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Hinführung zum Thema MRSA, Darstellung der Problemstellung bezüglich Resistenzbildung und hoher Infektionsraten in Kliniken sowie Erläuterung der Zielsetzung und Methodik.
2 Theoretische Grundlagen: Detaillierte Definition von MRSA, Erläuterung von Übertragungswegen und Risikofaktoren sowie ein Vergleich der Gesundheitssysteme zwischen Deutschland und den Niederlanden.
3 Das MRSA Management Konzept: Zentrale Strategieentwicklung mit Kapiteln zu Surveillance, Organisation, Personal, Kommunikation, Hygienevorschriften, Screening, Barrierepflege, Dekolonisierung und Antibiotic Stewardship.
4 Schlussfolgerung: Zusammenfassendes Fazit der Autorin hinsichtlich der Übertragbarkeit niederländischer Strategien auf deutsche Kliniken sowie ein Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
MRSA, Krankenhaushygiene, nosokomiale Infektionen, Antibiotikaresistenz, Niederlande, Deutschland, Infektionsprävention, Screening, Surveillance, Antibiotic Stewardship, Klinikmanagement, Gesundheitssystem, Patientensicherheit, Sanierungsstrategie, Infektionsschutzgesetz
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung einer effektiven Sanierungsstrategie für MRSA in deutschen Krankenhäusern unter Berücksichtigung eines Vergleichs mit dem niederländischen Gesundheitssystem.
Welches sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf der Analyse der MRSA-Problematik, dem Vergleich der deutschen und niederländischen Versorgungsstrukturen sowie der Erarbeitung von Management-Konzepten für Kliniken.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie deutsche Kliniken die MRSA-Rate durch ein geregeltes Management senken können und welche Aspekte der niederländischen "Search and Destroy"-Strategie als Vorbild dienen könnten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einem strukturierten Leitfadeninterview mit einem Experten aus der Klinikhygiene, um die theoretischen Aspekte durch praktische Erfahrungen zu ergänzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden konkrete Management-Konzepte entwickelt, darunter Surveillance-Systeme, Anforderungen an Personal und Organisation, Hygienevorschriften, Screening-Verfahren, Barrierepflege sowie Strategien zur Antibiotikagabe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
MRSA, Krankenhaushygiene, Infektionsprävention, Antibiotikaresistenz, Vergleich Deutschland-Niederlande, Screening, Surveillance.
Was sind die Hauptunterschiede im MRSA-Management zwischen den beiden Ländern?
Niederlande verfolgen eine seit 30 Jahren etablierte "Search and Destroy"-Strategie mit früher Isolierung, verfügen über ein Primärarztsystem mit weniger Bettenauslastung und haben eine strengere gesetzliche Vorgabe für Mikrobiologen vor Ort.
Wie bewertet die Autorin die Übertragbarkeit der niederländischen Strategie?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass eine 1:1 Übertragung aufgrund der unterschiedlichen Gesundheitsstrukturen und ökonomischen Faktoren nicht rentabel oder sinnvoll ist, dennoch gibt es Ansätze zur Optimierung in Deutschland.
Welche Rolle spielt der Personalschlüssel bei der MRSA-Prävention?
Ein besserer Personalschlüssel ist ein entscheidender Faktor, da er Zeit für die korrekte Durchführung von Hygienemaßnahmen wie die Händedesinfektion bietet, während in Deutschland oft Personalmangel die Compliance erschwert.
Wie wichtig ist das Antibiotic Stewardship für das Konzept?
Es ist ein zentraler Baustein, da der rationale Einsatz von Antibiotika durch interdisziplinäre Teams (Ärzte, Apotheker, Mikrobiologen) das Risiko der Resistenzbildung minimiert.
- Arbeit zitieren
- Anastasia Schneider (Autor:in), 2018, Zur Entwicklung einer MRSA-Sanierungsstrategie für deutsche Krankenhäuser, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453498