Der deus ex machina im Literaturvergleich. Euripides' und Mattias Brauns Medea


Hausarbeit, 2015

15 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Forschungsliteratur

3. deus ex machina

4. Medea
4.1 Vorgeschichte der Argonauten
4.2 Euripides’ Medea
4.2.1 Inhalt
4.2.2 Mord und Rettung
4.2.3 Bedeutung des deus ex machina
4.3 Brauns Medea
4.3.1 Bemerkung der inhaltlichen Nähe
4.3.2 Der ‚fehlende’ deus ex machina
4.3.3 Bedeutung der Schlussszene

5. Schlussfolgerungen

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Das Bild der barbarischen Mörderin, die vor der Tötung ihrer Kinder nicht zurückschreckte, wird eine der ersten Assoziationen sein, wenn der Name Medea fällt. Dieses Bild entstand durch den griechischen Tragödiendichter Euripides, der für einen Theaterwettkampf im Jahr 431 v. u. Z., den sogenannten Großen Dionysien, aus der Mutter Medea die Kindsmörderin transformierte. Das Bild der Kindsmörderin blieb über die Jahrhunderte erhalten, doch durchlebte das Theaterstück eine vielschichtige Metamorphose. Eines der markantesten Stellen der euripedeischen Medea ist ein göttlicher Drachenwagen, der Medea vor ihrem irdischen Schicksal rettet. Doch wurde dieses von Euripides erfundene Werkzeug, der deus ex machina, von antiken Mitstreitern kritisiert, da es die wahre Auflösung der Tragödie verhindere.

Dieser Version folgend, schuf Mattias Braun im Jahr 1958 seine eigene Version der Tragödie Medea, die im Rahmen der Luisenburger Festspiele uraufgeführt wurde. Im Gegensatz zu vielen bekannten Metamorphosen der Medea veränderte Braun die inhaltliche Struktur von Euripides Medea nicht sehr stark. Doch verzichtete Braun auf die in der Antike umstrittene göttliche Einmischung in der Schlussszene. Diesbezüglich wird in dieser Hausarbeit die Neugestaltung der Schlussszene bei Braun im Bezug zum deus ex machina bei Euripides untersucht.

Hierzu wird zuallererst der Begriff deus ex machina und Wandlungsprozess erklärt. Im Anschluss folgt eine kurze Einführung zur Vorgeschichte des Medea- Mythos. Folgend werden beide Werke inhaltlich zusammengefasst, wobei der Schwerpunkt auf eine ausführliche Darstellung der jeweiligen Schlussszene gesetzt wird. Die Schlussszene wird durch zu Hilfenahme der aktuellen Forschungsliteratur analysiert und abschließend die eigenen Schlussfolgerungen entwickelt.

2. Forschungsliteratur

Das euripedeische Theaterstück Medea wurde sehr umfangreich rezensiert und gilt als Ursprungswerk, worauf sich die zahlreichen Metamorphosen anderer Literaten wie Hans Henny Jahnn oder Christa Wolf beziehen. Doch liegt zum Themenfeld dieser Hausarbeit eine begrenzte Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten vor. So kann zwar zu Euripides selbst und seinen zahlreichen Theaterstücken auf eine sehr umfangreiche und aktuelle Forschungsliteratur zurückgegriffen werden, aber das Themenfeld deus ex machina wurde bisher nicht ausreichend in der Forschung berücksichtigt.

So liegt eine ältere Forschung aus den 1960er von Andreas Spira und Wieland Schmidt (1963) vor, die sich diesem Themenkomplex näherten. Aber insbesondere Wieland Schmidt berücksichtigte Medea in seiner Arbeit nur in einem geringen Umfang. Dieses Forschungsbild wurde zuletzt von Walter Nicolai1 (1990) zusammengefasst und ergänzt, weshalb Nicolai für diese Arbeit als Hauptwerkzeug zu Euripides berücksichtigt wird. Kurt Roeske2 (2006) wird nicht nur aufgrund der Aktualität verwendet, sondern vielmehr, weil er sich als einziger mit Mattias Brauns Medea auseinandersetzt und dazu seinen Schwerpunkt auf das Schlussstück der Tragödie setzt.

Abschließend kann hier angeführt werden, dass das Themenfeld deus ex machina bei Euripides ausführlicher erforscht wurde, aber zu Brauns Medea von keiner Grundlage die Rede sein kann. Hier gilt es innerhalb der Forschung, dies nachzuholen.

3. deus ex machina

Der lateinische Begriff deus ex machina wurde aus dem Griechischen entlehnt und bedeutet - Gott aus der Maschine. Der deus ex machina zählt zu den Theatercoups, auch Theaterstreich genannt, der dazu dient, von der „ [...] bis dahin konstruierten Handlungskontinuit ä t oder -logik ü berraschend3 abzuweichen. Sie werden eingesetzt, um ausweglose Konfliktsituationen aufzulösen und den Handlungsrahmen abzuschließen.4

Es ist offensichtlich, dass die L ö sungen der Handlungen sich jeweils aus der Handlung selbst ergeben m ü ssen und nicht wie in der „ Medea “ aufgrund eines Eingriffs von au ß en.5

Im 4. Jahrhundert v. u. Z wurde der deus ex machina von Euripides konzipiert und fortwährend in Theaterstücke integriert. Der die Gottheit verkörpernde Theaterdarsteller wurde im antiken Theater durch eine mechanische Bühnenmaschine über den Theaterhimmel auf die Bühne transportiert. Die verkörperten Gottheiten variierten aufgrund des polytheistischen Glaubens der Griechen. Größtenteils wurde der deus ex machina zum Auflösen komplexer und auswegloser Situationen eingesetzt. Doch liegt genau in dieser Funktion der Hauptkritikpunkt. Der deus ex machina wurde von Platon bis in die Dramentheorie des 18. Jahrhunderts umstritten diskutiert, da der Einsatz von sog. Theatercoups, wozu der deus es machina gezählt wird, als eine „ plump nach Effekt ringend(e)6 Veränderung verstanden werde, der die Konfliktsituation nicht auflöse.7

Mit dem 5. Jahrhundert n. u. Z. löste sich der göttliche Bezug auf und wurde trotz Kritik an der Funktion in literarischen Werken integriert. Außerdem wurden fiktionale Figuren wie Hexer und Magier oder menschliche Figuren statt Gottheiten zur Auflösung der Konfliktsituation verwendet. Im zeitlichen Bezug zu Mattias Brauns Medea dient z. B. der königliche Bote in Bertolt Brechts Theaterstück Die Dreigroschenoper aus dem Jahr 1928 n. u. Z als transformierter deus ex machina. Aber somit veränderte sich die Funktion der antiken Vorstellung des deus ex machina nur teilweise. So werden dem Zuschauer die Grenzen des menschlichen Handelns durch den göttlichen Eingriff zwar nicht mehr vorgeführt, blieb aber ein von außen wirkender Konfliktmechanismus im Theater, der Literatur und anderen Medien erhalten.8

4. Medea

4.1 Vorgeschichte der Argonauten

Euripides’ und Brauns Medea knüpfen an die Geschichte der Argonautensage an, die von Jasons Schiffsreise nach Kolchis und der Eroberung des Goldenen Vlies handelt. Medea, Tochter des Königs von Kolchis, verliebt sich in Jason, hilft Jason das Goldene Vlies zu stehlen, tötet ihren Bruder und flieht mit Jason und dessen Begleitern, den Argonauten, über die Donau nach Jolkis. Pelias, Jasons Onkel, verweigert Jason den Herrschaftsanspruch über Jolkis, woraufhin Medea Pelias tötet und beide ins Exil nach Korinth fliehen. Dort angekommen, gebärt Medea Jason zwei Kinder und sie integrieren sich in die korinthische Gesellschaft.9

4.2 Euripides’ Medea

4.2.1 Inhalt

An die Argonautensage anknüpfend, beginnt Euripides’ Medea damit, dass Jason die Protagonistin verlässt und die Tochter des Königs von Korinth, Glauke, heiratet. Medea ist rasend vor Wut und hält Jason ihre Aufopferungen, wie z. B. ihre Heimatlosigkeit durch den Verrat und Brudermord vor. Doch hält Jason dagegen, dass nicht nur er selbst von der Heirat profitiert habe, sondern auch ihre gemeinsamen Kinder, da sie jetzt nicht mehr als Fremde in Korinth angesehen werden.

[...]


1 Nicolai, W.: Euripides’ Dramen mit rettendem Deus ex machina, Heidelberg 1990.

2 Roeske, K.: Die verratene Liebe der Medea. Text, Deutung, Rezeption der Medea des Euripides, Würzburg 2007.

3 Balme, C.: Theatercoup, in: Klaus Weimar u. a. (Hrsg.), Reallexikon der deutschen Literaturwissenschaft. Neubearbeitung des Reallexikons der deutschen Literaturgeschichte . Bd. 3: P-Z. Berlin, New York 1997, S. 625-626.

4 Vgl. Balme 1997, S. 625f.

5 Aristoteles, Poetik, 1454a/b.

6 Vgl. Balme 1997, S. 625f.

7 Vgl. ebd. und Murray, G.: Euripides und seine Zeit, Darmstadt 1957, S. 125f.

8 Vgl. ebd. und Zymner, R./ Fricke, H.: Einübung in die Literaturwissenschaft. Parodieren geht über Studieren, 5. überarbeitete und erweiterte Auflage, Paderborn 2007, S. 198.

9 Vgl. Lütkehaus, L.: Mythos Medea, 2. Auflage, Leipzig 2005, S. 141f.

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Der deus ex machina im Literaturvergleich. Euripides' und Mattias Brauns Medea
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut der Germanistik)
Veranstaltung
Babarenmachen. Kulturkontakte der Gewalt in modernen Adaptionen des Medea-Mythos
Note
1,0
Autor
Jahr
2015
Seiten
15
Katalognummer
V453728
ISBN (eBook)
9783668866867
ISBN (Buch)
9783668866874
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Medea, Euripides, Mattias Braun, Argonautensage, deus ex machina, Drama, Theaterkritik, Literaturvergleich
Arbeit zitieren
Christian Ziesmer (Autor), 2015, Der deus ex machina im Literaturvergleich. Euripides' und Mattias Brauns Medea, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453728

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