In einem demokratischen Rechtsstaat ist es von größter Bedeutung, dass die staatlichen Organe neutral gegenüber allen Mitgliedern der Gesellschaft auftreten, um beispielsweise Chancengleichheit und Entfaltungsfreiheit zu gewährleisten. Werden Individuen jedoch aufgrund einer Zugehörigkeit zu einer bestimmten Gruppe benachteiligt, spricht man von Diskriminierung, welche eine Erscheinungsform sozialer Ungleichheit darstellt. Vor allem wenn die Diskriminierung von staatlichen Organen ausgeht ist dies problematisch, da zwischen Individuum und Staat eine bedeutende Machtasymmetrie vorliegt. Besonders deutlich wird dies am Beispiel der Polizei, welche immer wieder im Mittelpunkt von Debatten rund um das Phänomen der Diskriminierung, oft in Bezug auf Fremdenfeindlichkeit, steht.
Was jedoch vieler aufgedeckter und gut dokumentierter Beispiele unzureichend untersucht ist: handelt es sich hierbei um bedauernswerte Einzelfälle oder ein systemimmanentes Problem der Polizei? Auch darüber, inwieweit Diskriminierungstendenzen unter Polizeibeamten verbreitet sind, gibt es nur wenig reliable Erkenntnisse. Untersuchungsgegenstand des vorliegenden Essays ist deshalb, welche Theorien es über Diskriminierung innerhalb der deutschen Polizei gibt und wie stark dieses Phänomen innerhalb dieser Institution und bei seinen Angehörigen ausgeprägt ist. Das Thema ist zum einen relevant, da die Polizei und Migranten eine wichtige Gruppe innerhalb der Sozialstruktur darstellen. Des Weiteren ist die Polizei als Vertreter der Exekutive eine Stütze des Rechtsstaats und ist außerdem zur Neutralität gegenüber allen Menschen verpflichtet. Zum anderen gilt Diskriminierung als Erscheinungsform sozialer Ungleichheit und ist in diesem Forschungsbereich von besonderem Interesse. Sollten in diesem Bereich Missstände vorhanden sein, ist eine Analyse der Situation, sowie Lösungen zur Besserung, dringend notwendig.
Zu diesem Zweck werde ich zunächst ein zunächst erläutern, was unter Diskriminierung zu verstehen ist. Darauffolgend schließt sich eine kurze Darlegung der verschiedenen Theorien über Diskriminierung von Migranten, sowie im spezifischen Fremdenfeindlichkeit, bei der Polizei an. Danach gebe ich einen Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu diesem Thema, indem ich die Ergebnisse einiger relevanter Studien zusammentrage, bevor ich mit einer Konklusion der Ergebnisse und einer prägnanten Bewertung der Situation endige.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition von Diskriminierung und theoretischer Überbau
3. Theorien über Diskriminierung in der Polizei
4. Empirische Befunde
5. Konklusion
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen der Diskriminierung innerhalb der deutschen Polizei, um zu ergründen, ob es sich dabei um vereinzelte Fehltritte oder ein systemimmanentes Problem handelt, und analysiert hierfür bestehende theoretische Ansätze sowie den aktuellen Forschungsstand.
- Theoretische Fundierung von Diskriminierung und sozialer Ungleichheit
- Diskriminierungstheorien im Kontext polizeilicher Strukturen
- Empirische Erkenntnisse zu fremdenfeindlichen Tendenzen in der Polizei
- Die Rolle der Stressbelastung und sekundäre Viktimisierung
- Institutionelle Hindernisse und die Herausforderung des gesellschaftlichen Abbilds
Auszug aus dem Buch
Theorien über Diskriminierung in der Polizei
Weshalb es innerhalb der Polizei zu diskriminierendem Verhalten kommt beziehungsweise es dementsprechende Strukturen gibt, kann mit verschiedenen Theorien erklärt werden. An dieser Stelle soll erstens auf die Theorien sozialer Schließung sowie unterschiedlicher Ressourcenverteilung eingegangen werden. Vergleicht man die Anzahl der Migranten hinsichtlich der Neuanstellungen und ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung, stellt man fest, dass sie in allen Bundesländern bei der Polizei unterrepräsentiert sind. In Nordrhein-Westfalen beispielsweise hat rund jeder vierte Einwohner einen Migrationshintergrund. Jedoch verfügte nur jeder ca. achte Bewerber und nur 8,9% der Neuangestellten der Landespolizei über einen Migrationshintergrund (Mediendienst 2017). Doch weshalb sind Migranten so selten im Polizeidienst vertreten? Hier können Theorien sozialer Schließung einen potentiellen Erklärungsansatz liefern. Diese besagen, dass anderen Gruppen der Zugang zu Opportunitäten und Ressourcen verwehrt bzw. erschwert wird, da dadurch die Renditen der eigenen Gruppe, welche bereits Zugang und Kontrolle über die Opportunitäten und Ressourcen besitzt, steigt (Haupt 2012: 733-734).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Rolle der Polizei als neutrale Exekutive in einer Demokratie und stellt die Forschungsfrage nach der Systematik von Diskriminierungstendenzen.
2. Definition von Diskriminierung und theoretischer Überbau: Dieses Kapitel definiert Diskriminierung als Form sozialer Ungleichheit und verdeutlicht die Problematik asymmetrischer Machtverhältnisse.
3. Theorien über Diskriminierung in der Polizei: Hier werden verschiedene Erklärungsmodelle wie soziale Schließung, die Theorie der schwarzen Schafe und die Spiegelbildthese diskutiert.
4. Empirische Befunde: Dieses Kapitel fasst aktuelle Studien zusammen, die auf Stressbelastung, sekundäre Viktimisierung und institutionelle Abwehrhaltungen hinweisen.
5. Konklusion: Die Konklusion fasst die Ergebnisse zusammen, betont den Forschungsbedarf und schlägt einen Ausblick auf internationale Vergleiche vor.
Schlüsselwörter
Diskriminierung, Polizei, Fremdenfeindlichkeit, soziale Ungleichheit, Migranten, Machtasymmetrie, institutioneller Rassismus, Spiegelbildthese, sekundäre Viktimisierung, Racial Profiling, Stressbelastung, Rechtsstaat, Polizeigewalt, soziale Schließung, Diversität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Vorhandensein und die Ursachen von Diskriminierung innerhalb der deutschen Polizei.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Erklärungsansätzen, empirischen Forschungsergebnissen zu fremdenfeindlichen Tendenzen und der systemimmanenten Problematik innerhalb der Behörde.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es zu analysieren, ob diskriminierendes Verhalten bei der Polizei individuelle Einzelfälle darstellt oder strukturell begründet ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die existierende soziologische Theorien und empirische Studien zum Thema zusammenführt und kritisch bewertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Definitionen, die Erläuterung polizeispezifischer Theorien und die Auswertung empirischer Studien zur Diskriminierung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie Diskriminierung, Polizei, Fremdenfeindlichkeit, soziale Schließung und sekundäre Viktimisierung bilden den Kern der Untersuchung.
Warum hält sich die Polizei bei diesem Thema oft bedeckt?
Die Autorin führt an, dass die Polizei einen drohenden Imageschaden fürchtet und der Aufwand zur Aufarbeitung diskriminierender Strukturen als zu hoch wahrgenommen wird.
Was besagt die Spiegelbildthese in diesem Kontext?
Die These geht davon aus, dass die Polizei ein Abbild der Gesellschaft ist und daher gesellschaftliche Vorurteile und diskriminierende Tendenzen zwangsläufig auch in die Institution getragen werden.
Welche Rolle spielt die Stressbelastung für die Beamten?
Studien deuten darauf hin, dass hohe Stressbelastungen als Ventil für Gewalt genutzt werden können, wobei Minderheiten oft als „sichere“ Opfer ohne Beschwerdemacht ausgewählt werden.
- Quote paper
- Jacob Städtler (Author), 2018, Diskriminierung in Deutschland durch staatliche Institutionen am Beispiel der Polizei, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453813