Standort ist nicht gleich Standort. Neben der Immobilienbranche gilt auch in der Unternehmensansiedlung immer mehr das Mantra ‚Lage, Lage, Lage‘. Die Themen Standort, Standortsuche und Standortwahl sind von ausgesprochen großer Bedeutung für Unternehmen. Dies gilt nicht nur für die Automobilindustrie, sondern nahezu branchenübergreifend.
Standortentscheidungen haben zumeist einen langfristigen, kostenintensiven und ähnlich der Rechtsformenwahl konstituierenden Charakter für ein Unternehmen; sie sind durchweg nur sehr schwer und nur unter einem hohen Ressourcenaufwand revidierbar, wodurch sie somit die Rahmenbedingungen für viele Folgeentscheidungen setzen. Aufgrund der schwierigen Revidierbarkeit der Standortentscheidung und der fortschreitenden Globalisierung mit augenscheinlich nahezu grenzenlosen Auswahlmöglichkeiten bezüglich des Wirtschaftsstandortes, ist es für Unternehmen üblich, jeden in Frage kommenden Wirtschaftsstandort einer äußerst detaillierten Prüfung zu unterziehen. Ausgangspunkt ist somit die zunehmend wachsende Internationalisierung der Wirtschaft.
Seit Tesla Inc. im November 2016 verkündete, einen Standort in Europa für die Errichtung einer Gigafactory nach US-amerikanischen Vorbild zu suchen, entstand ein regelrechter Bewerberansturm und unzählige Wirtschaftsstandorte in ganz Europa haben ihre positiven Gegebenheiten und Vorzüge präsentiert. Der Standortsuchprozess, in dem die Öffentlichkeit zu einem sehr frühen Stadium involviert wurde, war eröffnet.
Vorliegende Arbeit hat das Ziel, zum einen die Transition der komplexen Prozesse der internationalen Standortsuche sowie seiner Determinanten aufzuzeigen und zum anderen den sich daraus ergebenden Wettbewerb der Wirtschaftsstandorte im Standortsuchprozess zu beleuchten. Der Wettbewerb ist insbesondere Resultat fortschreitender unternehmerischer Internationalisierungsbestrebungen und Globalisierungstendenzen. Im Zuge der vorliegenden Arbeit werden mit Hilfe traditioneller und aktueller Standorttheorien in Verbindung mit den Standortfaktoren wesentliche Entscheidungskriterien eines international agierenden Unternehmens eruiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Problemstellung: Internationale Standortsuche und Standortentscheidungsprozess
1.2 Zielsetzung und Forschungsfragen
1.3 Vorgehensweise
2. Theoretische Ansätze zur Standortwahl von Unternehmen
2.1 Traditionelle Standortlehre
2.2 Standorttheorie von Porter
2.3 Standortfaktoren
2.3.1 Harte und weiche Standortfaktoren
2.3.2 Bedeutung der Standortfaktoren
3. Die internationale Standortsuche vor dem Hintergrund der voranschreitenden Globalisierung
3.1 Internationalisierung der Wirtschaft und ihre Auswirkungen
3.2 Die internationale Standortplanung, Standortwahl und Standortentscheidung
4. Die öffentliche Standortsuche von Tesla Inc.
4.1 Methodisches Vorgehen
4.2 Hintergrund: Das Unternehmen Tesla Inc. und die Gigafactoy 1
4.3 Gründe für ein neues Werk in Europa
4.4 Die Vorgehensweise von Tesla Inc. und die Reaktionen der Bewerberstandorte
4.5 Die Bewerberstandorte
4.6 Zwischenergebnis: Erkenntnisse aus der Standortsuche von Tesla Inc.
5. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel von klassischen, diskreten Standortsuchprozessen hin zu einer neuen Form der öffentlichen Standortsuche. Am Beispiel von Tesla Inc. wird analysiert, wie Unternehmen durch eine öffentliche Ausschreibung den Standortwettbewerb nutzen, um Informationen zu erhalten, Kosten zu senken und die mediale Aufmerksamkeit zu ihrem Vorteil einzusetzen.
- Transformation internationaler Standortsuchprozesse
- Analyse der Rolle von Standortfaktoren im globalen Wettbewerb
- Die ungewöhnliche öffentliche Suchstrategie von Tesla Inc. in Europa
- Reaktionen und Bewerbungsverhalten europäischer Wirtschaftsstandorte
- Gegenüberstellung von klassischer Standortberatung und öffentlicher Akquise
Auszug aus dem Buch
4.4 Die Vorgehensweise von Tesla Inc. und die Reaktionen der Bewerberstandorte
Der theoretische Rahmen der Untersuchung aus Kapitel 2 sowie die Ausführungen zu Tesla Inc. aus Kapitel 4 zeigen eindeutig, dass Standortentscheidungen eine sehr hohe strategische Bedeutung haben. Ihr sollte auch durch eine angemessene und systematische Entscheidungsvorbereitung Rechnung getragen werden, was jedoch nicht immer der Fall ist. In der Praxis bleiben vielfach Chancen ungenutzt und Risiken werden falsch bewertet (Kinkel 2003: 2-7). Aus diesem Grund wird die Vorgehensweise der Suche von Tesla Inc. nach einem geeigneten Standort für eine Gigafactory in Europa mit einer eher ungewöhnlichen Methode durchgeführt.
Anstatt bei den jeweiligen Wirtschaftsförderungsgesellschaften der einzelnen Länder und Regionen gezielt anzufragen und sich eingehend über den potenziellen Standort zu informieren oder aber – wie in Kapitel 3.2 vorgestellt und bei anderen international tätigen Unternehmen üblich – Site Selection Consultants mit der Standortsuche zu betrauen und den Suchprozess somit an einen externen Dienstleister zu vergeben, wandte sich das Unternehmen Tesla Inc. direkt und gezielt an die Öffentlichkeit. Dazu ließ es in einer Pressemitteilung im November 2016 verlauten, einen Standort für die Errichtung einer Gigafactory II auf dem europäischen Kontinent zu suchen. Anstelle sich also einer der bisher in der Branche üblichen Vorgehensweise zu bedienen, wählte das US-Unternehmen damit eine gänzlich andere Handhabung seiner Expansions- beziehungsweise Standortsuchstrategie. Auch in diesem Fall scheint sich Elon Musk über den Einsatz innovativer Maßnahmen euphorisch zu zeigen – wie so oft in der Vergangenheit, wenn es im Rahmen des Produktionsprozesses um den Einsatz innovativer Technologien ging (Weddeling 2018: 1).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema Standortwahl als strategische Unternehmensentscheidung und Vorstellung der Problemstellung am Beispiel von Tesla.
2. Theoretische Ansätze zur Standortwahl von Unternehmen: Erläuterung klassischer Standortlehren, moderner Cluster-Theorien und der Differenzierung in harte und weiche Standortfaktoren.
3. Die internationale Standortsuche vor dem Hintergrund der voranschreitenden Globalisierung: Darstellung des Einflusses der Globalisierung auf Unternehmensentscheidungen und der Professionalisierung der Standortsuche.
4. Die öffentliche Standortsuche von Tesla Inc.: Empirische Untersuchung der innovativen Suchmethode von Tesla, der Beweggründe und der Reaktionen der betroffenen Standorte.
5. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfragen und kritische Reflexion des beobachteten Wandels hin zu mehr Öffentlichkeit in Standortsuchverfahren.
Schlüsselwörter
Standortsuche, Standortwahl, Tesla Inc., Gigafactory, Standortfaktoren, Globalisierung, Standortwettbewerb, Wirtschaftsförderung, Standortmanagement, Investitionsentscheidung, Standortplanung, Cluster-Konzept, Unternehmensansiedlung, Standortmarketing, Wettbewerbsvorteile
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Wandel in der internationalen Standortsuche, insbesondere den Übergang von diskreten Suchprozessen hin zu einer öffentlich medienwirksamen Kommunikation durch global agierende Unternehmen wie Tesla Inc.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Standorttheorie, die Bedeutung von harten und weichen Standortfaktoren, die Internationalisierungsstrategien von Unternehmen sowie die Dynamik des europäischen Standortwettbewerbs.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Transformation komplexer Standortsuchprozesse aufzuzeigen und den daraus resultierenden Wettbewerb zwischen Wirtschaftsstandorten in Europa zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit kombiniert eine Literaturanalyse zu Standorttheorien mit einem empirischen Teil, der Experteninterviews mit verschiedenen Akteuren der Wirtschaftsförderung und Unternehmensberatung beinhaltet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit den Hintergründen der Tesla-Ansiedlung, den theoretischen Grundlagen der Standortsuche und einer umfassenden Analyse der europäischen Bewerberstandorte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Standortwahl, Tesla, Gigafactory, Standortwettbewerb, harte und weiche Standortfaktoren.
Warum weicht Tesla von der klassischen Vorgehensweise ab?
Tesla nutzt die öffentliche Aufmerksamkeit, um den Informationshorizont zu erweitern, Kosten für die aufwendige Recherche durch externe Berater zu sparen und potenziellen Standorten einen Anreiz zum aktiven Werben zu geben.
Wie reagieren europäische Standorte auf Teslas Vorgehen?
Die Standorte reagieren oft mit "kuriosem" Erstaunen, da die Methode unüblich ist, sehen jedoch gleichzeitig die Chance zur medialen Profilierung und zur aktiven Bewerbung ihrer Standortvorteile.
Welche Rolle spielen Fördermittel bei der Tesla-Standortwahl?
Fördermittel und steuerliche Anreize sind von zentraler Bedeutung, wobei die EU-Regulierungen jedoch strikte Grenzen für einzelbetriebliche Förderungen setzen, was Tesla vor Herausforderungen bei der Standortwahl stellt.
- Quote paper
- Holger Eknem (Author), 2018, Standortsuche als Wettbewerb. Der Wandel des Standortsuchprozesses am Beispiel der Standortsuche von Tesla in Europa, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453825