Quantitative und Qualitative Forschungsmethoden. Ergänzung oder Gegensatz?


Hausarbeit, 2018

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Tabellenverzeichnis

1. Einführung in das Thema

2 . Merkmale quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden
2.1 Quantitative Forschung
2.2 Qualitative Forschung

3. Unterschiede quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden

4. Fazit Ausblick

III. Literaturverzeichnis

Genderhinweis:

Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird in dieser Hausarbeit die gewohnte männliche Sprachform verwendet. Dies impliziert jedoch keine Benachteiligung des weiblichen Geschlechts, sondern soll im Sinne der sprachlichen Vereinfachung als geschlechtsneutral zu verstehen sein.

II. Tabellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1. Einführung in das Thema

Jeder Natur-, Geistes-, Sozial- und auch Ingenieurwissenschaftler wird sich zu Beginn einer For- schungs- und Entwicklungsarbeit für eine geeignete Forschungsmethode entscheiden müssen. Eine tragende Rolle spielt diese Entscheidung besonders in den Sozialwissenschaften (Albert 1962, S. 143). Aber warum ist diese Entscheidung in den Sozialwissenschaften so wichtig? Ist es z. B. wichtig gut vorbereitete und strukturierte Fragebögen, die für eine quantitative Befragung verwendet werden, zu nutzen? Mit dem Ergebnis, keine tiefgründigen, sondern eher starre und möglicherweise auch erwartete Antworten zu erhalten. Oder ist es für das Forschungsziel wichtiger über die qualitative Befragung mit geeigneten Gesprächspartnern sehr viel tiefer in das Thema einzusteigen? Möchte der Forscher mit dem quantitativen Ansatz eher in die Breite gehen oder wie in dem qualitativen Ansatz tiefergehende Erkenntnisse, Meinungen oder ggf. auch Stimmungen für die Forschungsarbeit nutzen? Dementsprechend stehen die empirischen Forschungsmethoden der Sozialwissenschaften im Fokus der vorliegenden Arbeit.

Ebenso wie beim Hausbau, wo eine gediegene Planung und ein durchdachter Bauplan entschei- dend für das Gelingen des gesamten Bauprojektes sind, spielt auch in empirischen Forschungs- projekten die Planungsphase eine Schlüsselrolle. Die Planung der Untersuchung markiert den wichtigsten Abschnitt empirischer Arbeiten. Denn von der sorgfältigen und präzisen Planung hängt es ab, welche Aussagekraft die Ergebnisse haben und welcher wissenschaftliche Wert der Studie zukommt (Bortz Döring 2006, S. 738). Das innerhalb der geplanten Bauzeit und im Rahmen der prognostizierten Baukosten fertig gestellte, mangelfreie und bezugsfähige Haus setzt eine ebenso gewissenhafte und strukturierte Planungsphase voraus wie das Erreichen eines definierten For- schungsziels. Die festgeschriebene Forschungsdauer und der budgetierte Forschungsetat sind weitere wichtige Faktoren für eine projektbezogene präzise Planungsphase eines Forschungspro- jektes und letztendlich entscheidend für die Auswahl der Forschungsmethode, z. B. in den Sozial- wissenschaften. „Sozialwissenschaftliche Forschungsmethoden sind alle Verfahren, mit denen sich Informationen über soziale Sachverhalte in einer zuverlässigen und gültigen Weise erheben und verarbeiten lassen.“ (Schirmer 2009, S. 21). In der sozialwissenschaftlichen Forschungstradi- tion wird zwischen der quantitativen und der qualitativen Forschung unterschieden. Qualitative Forschung ist „empirische Forschung, die mit besonderen Datenerhebungsverfahren in erster Linie qualitative Daten erzeugt und interpretativ verarbeitet, um dadurch neue Effekte zu entdecken (Exploration) und (seltener) auch Hypothesen zu prüfen (Explanation). Inhaltlich ist es ein beson- deres Anliegen der qualitativen Forschung, soziale Phänomene aus der Sicht der Akteure zu re- konstruieren (...).“ (Bortz Döring 2006, S. 738). Quantitative Forschung hingegen ist „empirische Forschung, die mit besonderen Datenerhebungsverfahren quantitative Daten erzeugt und statis- tisch verarbeitet, um dadurch neue Effekte zu entdecken (Exploration), Populationen zu beschrei- ben und Hypothesen zu prüfen (Explanation) (…).“ (Bortz Döring 2006, S. 738). Somit ist die quantitative Forschung eher objektiv und faktenorientiert, die qualitative Forschung hingegen wird eher als interpretativ, d. h. als kooperativ und subjektiv interpretiert.

In dieser Hausarbeit stehen aber nicht nur die Charakterisierung und die Methodik der quantitati- ven und qualitativen Forschungsmethoden im Fokus des Interesses, sondern die bereits im Titel gestellte Forschungsfrage, ob sich die beiden Verfahren zur Erreichung eines Forschungsergeb- nisses ergänzen können oder im unvereinbaren Gegensatz zueinander stehen.

Im zweiten Kapitel werden die beiden Forschungsmethoden inhaltlich vorgestellt, um in Kapitel drei die Unterschiede sowie Gemeinsamkeiten gegenüberzustellen und anhand von Beispielen die Verwendung in der empirischen Sozialforschung zu erläutern. Weitere Kriterien bei der Betrach- tung der quantitativen und der qualitativen Methoden sind die Voraussetzungen, die Strategie der Durchführung sowie die Vor- und Nachteile bei der Anwendung der einzelnen Methoden. Im ab- schließenden vierten Kapitel, wird im Fazit und im Ausblick die Forschungsfrage beantwortet und begründet. Außerdem wird die Aussage des nachfolgenden Zitats im Verlauf dieser Hausarbeit untersucht, interpretiert und möglicherweise bestätigt.

„Qualitative und quantitative Forschungsmethoden können im Rahmen eines Forschungsdesigns oder Forschungsprojekts kombiniert werden. Das nennt man Mixed Methodologies. Die Methoden werden dabei parallel oder sukzessive eingesetzt und die Resultate aufeinander bezogen. Die Ergebnisse der Methodentypen können sich dann gegenseitig validieren oder einander ergänzen“ (Hug Poscheschnik 2010, S. 90).

2. Merkmale quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden

2.1 Quantitative Forschung

Quantitative Forschung ist „empirische Forschung, die mit besonderen Datenerhebungsverfahren quantitative Daten erzeugt und statistisch verarbeitet, um dadurch neue Effekte zu entdecken (Ex- ploration), Populationen zu beschreiben und Hypothesen zu prüfen (Explanation)“ (Bortz Döring 2006, S. 738).

Dieses Zitat wird der Autor entzerren bzw. in seine Eigenschaften auflösen. Er wird in diesem Ka- pitel erklären, was bei der quantitativen Forschung geschieht und warum sie überhaupt eingesetzt wird. Bevor der Ablauf der quantitativen Forschung dargestellt sowie die Vor- und Nachteile aufge- zählt und begründet werden, werden in einem weiteren Abschnitt die Merkmale bzw. die sechs Grundprinzipien der quantitativen Forschung aufgezählt und beschrieben. Bei der quantitativen Methode werden einzelne Merkmale erfasst. Im Vordergrund der quantitativen Forschung stehen Fakten, die gezählt, gemessen und gewogen werden. Diese können im Rahmen von Experimen- ten oder auch in Form von Umfragen oder Studien ermittelt werden. Die Ergebnisse der quantitati- ven Daten sind strukturiert, haben statistische Aussagekraft und stützen oder wiederlegen die Schlussfolgerungen aus den ermittelten Forschungsergebnissen. Beispiele für quantitative Fragen, z. B. Fragen zur Kundenzufriedenheit, könnten sein: „Seit wann bzw. wie lange sind Sie schon Kunde bei dem Bezahlsender Sky1, welche der nachfolgend genannten Produktpakete haben Sie gebucht?“ oder „Können Sie sich vorstellen weitere, nachfolgend genannte Pakete bei Sky zu bu- chen?“. Die Antworten zu den genannten Fragen sind dabei vorgegeben und werden nur ange- kreuzt. Quantitative Methoden bauen auf systemorientierten oder standardisierten Messungen von Sachverhalten auf. Sie werden bei Untersuchungen mit großen Fallzahlen, z.B. bei Umfragen der Wählerzufriedenheit vor Landtags.- oder Bundestagswahlen und bei Stichproben wie am Beispiel der beschriebenen Kundenzufriedenheit genutzt. Der hohe Anspruch auf Repräsentation wird auf- grund objektiver Messungen und Zählungen durch statistische Instrumente festgestellt und für z. B. Produktoptimierungen ausgewertet und den entsprechenden Organisationen zur Verfügung gestellt.

Bevor der Ablauf der quantitativen Forschung beschrieben wird, werden die Grundprinzipien der quantitativen Forschung erläutert. Zunächst wird die Qualifizierung betrachtet. Sie bedeutet, dass qualifizierte Merkmale in Zahlen und damit in messbare Größen umgewandelt werden (Schirmer 2009, S. 66ff.). Dann wird die aufgestellte Hypothese überprüft, die vor der Durchführung der quantitativen Forschung formuliert wird. Die Hypothese „ist eine theoretisch begründete Aussage über einen empirischen Sachverhalt“ (Schirmer 2009, S. 68). Es folgt die Standardisierung. Hier werden die Voraussetzungen geschaffen, dass aufgrund von Messungen, Erhebungen und den Auswertungen die Vergleichbarkeit der Ergebnisse bzw. der Erhebungen gewährleistet wird.

Die Objektivität als weiteres Grundprinzip fordert die Nachprüfbarkeit der Forschungsergebnisse ein. Als Reliabilität wird die Zuverlässigkeit der Ergebnisse bezeichnet, diese Ergebnisse müssen auch nach einer Wiederholung der Untersuchung gelten. Das letzte und zielführendste Grundprin- zip ist die Validität. Hier sollte sehr deutlich herausgestellt werden, dass die Forschungsergebnisse die Forschungsfrage bedingungslos beantworten.

Der Aufbau und der Ablauf einer quantitativen Forschungsmethode am Beispiel einer standardi- sierten Befragung kann folgendermaßen dargestellt werden. Nachdem die Fragestellung bzw. die Formulierung der Hypothesen erfolgt ist, müssen sämtliche verfügbaren Informationen des For- schungsgegenstandes beschafft werden. Dann stellt sich die Frage nach der Auswahl des Verfah- rens und somit der Konstruktion der sogenannten Erhebungsinstrumente, wie z. B. der schriftli- chen Befragung, das Beobachtungsschema oder auch des quantitativen Interviewleitfadens. In einem Pretest oder auch Vortest wird vor der Durchführung der Untersuchung versucht die Quali- tät des Erhebungsinstrumentes, wie z. B. den Fragebögen, zu verbessern. Dazu werden vor der Erhebung die Fragebögen mithilfe von Probanden getestet. Gegebenenfalls können dann noch Verbesserungen vorgenommen werden, die das Risiko einer misslungenen Studie reduzieren. Die Fragebögen werden dann nach endgültiger Freigabe an die Teilnehmer, einer vorab ausgesuchten Gruppe, verteilt. Mit Rückgabe sämtlicher Fragebögen beginnt die Dateneingabe. Nach vollständi- ger Vorlage der relevanten Daten aus den Fragebögen findet die quantitative und statistische Auswertung statt. Aus den vorliegenden statistischen Daten werden die Ergebnisse verglichen und vorab auf ihre Tauglichkeit getestet, interpretiert und abschließend in der Ergebnispräsentation bzw. in der Berichtserstellung veröffentlicht. Mit standardisierten Methoden wird eine möglichst große Personenanzahl befragt, die Antworten aus vorgegebenen Möglichkeiten auswählen (Schaf- fer, 2009, S. 59).

In dem nächsten Absatz werden die wissenschaftlichen und auch die wirtschaftlichen Vor- und Nachteile der quantitativen Forschung ausgeführt. Die Vorteile quantitativer Methoden liegen ne- ben den exakt quantifizierbaren Ergebnissen auch in der Ermittlung von möglichen statistischen Zusammenhängen. Wichtige repräsentative Ergebnisse werden z. B. aufgrund hoher Teilnehmer- zahlen erreicht, deren Erhebung im Vergleich zu den zeitintensiveren qualitativen Methoden gerin- gere Kosten und Vorteile im Zeitaufwand bedeuten können. Die objektiven und vergleichbaren Ergebnisse aus der quantitativen Forschungsmethode am Beispiel der Fragebögen runden die Vorteile dieser Methode ab.

Die Nachteile der quantitativen Forschungsmethode liegen in der Standardisierung und somit in der fehlenden Flexibilität der Untersuchung. Vorab definierte Fragen lassen kein individuelles Ein- gehen auf die Testperson bzw. Testpersonen zu. Ursachen zur Kundenunzufriedenheit oder die Abfrage möglicher Verbesserungsvorschläge können in einem standardisierten Fragebogen nicht erfasst werden. Hier müsste bei der Erstellung des Fragenkataloges über die Integration offener Fragen nachgedacht werden.

2.2 Qualitative Forschung

Qualitative Forschung ist die Erhebung nicht standardisierter Daten und deren Analyse mit speziel- len, nicht statistischen Verfahren (Bohnsack 2008, S. 13ff: Flick 2011, S. 12ff.).

In diesem Kapitel steht im Fokus zu erklären, was bei der qualitativen Forschung geschieht und warum diese Forschungsmethoden überhaupt eingesetzt werden. Bevor der exemplarische Ablauf einer qualitativen Forschung beschrieben wird, werden die fünf Grundprinzipien erläutert. Zunächst ist festzuhalten, dass qualitative Forschung ausschließlich nicht standardisierte Daten untersucht und die statistischen Verfahren ebenso wenig Anwendung in dieser Methode finden. Je komplexer die Zusammenhänge, je tiefer die zu gewinnenden Erkenntnisse und je weniger grundlegendes Vorwissen vorhanden ist, desto alternativloser ist die Forschung gemäß der qualitativen Methode. Bei der Anwendung der qualitativen Forschung sind nachfolgend genannte und beschriebene Prinzipien zu beachten. Zunächst ist das Prinzip der Gegenstandsangemessenheit zu nennen, was so viel bedeutet, dass die Forschungsfrage und deren äußeren Gegebenheiten zwingend an die Forschungsmethode und deren Datenanalyse angepasst werden müssen. Das Prinzip der Of- fenheit muss im Sinne der vielen neuen Erkenntnisse zwingend über den gesamten Forschungs- verlauf gewährleistet sein. Die Kommunikation und Interaktion während der Datenerhebung als Prinzip der Kommunikation schafft während der Datengewinnung eine Fülle an Informationen. Weiter geht es mit dem Prinzip der Prozesshaftigkeit, was bedeutet, dass zwischen der qualitati- ven Forschung, dem Forschungsfeld und der Theorie eine andauernde verbindende Beziehung besteht, auf die stetig verwiesen werden muss. Als letztes Prinzip ist noch das Prinzip der Reflexi- vität zu nennen. Dieses Prinzip steht für die wechselseitige Einflussnahme der Forschungsfrage und des Forschungsgegenstandes.

Der Ablauf der qualitativen Forschung startet mit der Prüfung zur Auswahl der geeigneten For- schungsmethode. Der Forschende muss sich schon zu Beginn der Forschung für eine entspre- chende Forschungsmethode entscheiden. Das kann u. a. die Gruppendiskussion, wie die Diskus- sion innerhalb eines Entwicklungsteams über zukunftsweisende Antriebsvarianten eines Mittel- klasse-Autos, oder die teilnehmende Beobachtung z. B. wie die produktive Belegschaft eines Au- tomobilkonzerns mit der Situation umgehen wird, wenn komplette Fertigungsstraßen neu konzi- piert werden, oder das Interview sein, in dem z. B. einzelne ausgesuchte Produktionsmitarbeiter nach ihren beruflichen Wünschen bzw. Perspektiven gefragt werden. Nach der Auswahl einer der vorgenannten Methoden werden die Personen ausgewählt, die der Forscher interviewen oder be- obachten möchte. Bei der Auswahl der Personen ist entscheidend, dass der Personenkreis grund- sätzlich etwas Qualifiziertes zu dem Forschungsthema beitragen kann oder er von möglichen Auswirkungen betroffen ist. Nachdem der Personenkreis feststeht, beginnt die Datenerhebung durch Interviews, Gruppendiskussionen oder interne Beobachtungen. Mit der Unterstützung proto- kolierter Aufzeichnungen z. B. als Ton und Videoaufnahmen werden Berichte verfasst. Die gewon- nenen Aussagen und Daten werden anschließend analysiert, interpretiert und in einem Abschluss bericht mit der wissenschaftlichen Auswertung des Forschungsziels veröffentlicht. Zu den Techni- ken, die die Qualität des qualitativen Forschens ausmachen, gehören: schreiben und beschreiben, notieren und protokollieren, memorieren, transkribieren, darstellen und präsentieren (Schirmer 2009, S.84).

Die Vorteile der qualitativen Methoden liegen nachweislich in der flexiblen Anwendung und das sich der Gegenstand der Untersuchung der Methode anpasst und nicht die Methode dem Untersu- chungsgegenstand. Neue, bisher unbekannte Sachverhalte können durch das transparente Vor- gehen aufgedeckt werden. Durch die offene Fragestellung werden die Teilnehmer in die Lage ver- setzt unvoreingenommen zu antworten. Nur wenn die erhobenen Daten den richtigen Personen mit zielorientierten Fragen gestellt werden, lassen sich hieraus zielführende Resultate ableiten und auswerten (Witt, 2001, S.4). Es besteht jedoch auch die Möglichkeit der sozial angepassten Ant- wort, dass der Teilnehmer praktisch jenes wiedergibt, von dem er denkt, dass es erwartet wird, bzw. nicht „aneckt“. Der Teilnehmer bestimmt den Kern seiner Aussagen und sortiert dadurch die persönliche Wertstellung der angesprochenen Themen. Der Teilnehmer wie auch der Interviewer haben durch die persönliche Interaktion die Möglichkeit Fragen und die dazu gehörigen Antworten zu hinterfragen, um mögliche Missverständnisse zu vermeiden. Der Informationsgehalt einer offe- nen Befragung ist tiefgründiger und die Antworten im Ergebnis persönlicher als ein z. B. mit vorbe- reiteten Fragen geführtes Interview.

Es gibt allerdings auch einige Nachteile der qualitativen Methode. Lässt der Interviewer zu viel Raum, kann vom Thema abgewichen werden. Wird das Interview zu eng geführt, gehen unter Umständen interessante und relevante Informationen verloren. Die Qualifikation der Interviewer bzw. der Beobachter sollte daher aufgrund der hohen Anforderungen, beispielsweise durch die hohe Qualität der zu verwertenden Daten, extrem gut und insbesondere dem Forschungsziel ent- sprechend ausgebildet sein. Die Auswertung erfolgt über die Beschreibung der Daten deskriptiver Verfahren, oder der Prüfung auf Zusammenhänge und Unterschiede analytischer Verfahren. Diese beiden Formen der Datenauswertung sind relativ komplex. In der Summe der doch sehr aufwendi- gen Datenerhebung ist die qualitative Methode in den meisten Fällen sehr zeit- und kostenintensiv.

3. Unterschiede quantitativer und qualitativer Forschungsmethoden

Die Unterschiede zwischen der qualitativen und der quantitativen Forschung liegen vor allem in der Art des Datenmaterials und wie dieses gewonnen wird, d. h. qualitative Forschung nutzt auch qualitative Forschungsmethoden und hat demnach einen anderen Forschungsgegenstand als Grundlage und greift auf ein anderes Wissenschaftsverständnis zurück (Stigler Reicher, 2012, S.96). Quantitative Forschung und qualitative Forschung können jedoch nicht immer klar voneinan- der getrennt werden und stehen oft auch nicht in Gegensatz zueinander. Es kann z. B. sein, dass in Interviews qualitative Daten erhoben wurden, diese sich jedoch dann als quantitative Daten zei- gen und dann auch numerisch ausgewertet werden können, bspw. durch das Zählen von gleichen Wörtern oder Aussagen (Mayring, 2002, S. 149f.).

Q uantitative Methoden Qualitative Methode

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle1: Unterschiede zwischen der qualitativen - und der quantitativen For schung . Quelle : Eigene Darstellun

Mit der abgebildeten Tabelle 1 werden die Unterschiede der quantitativen und qualitativen For- schung gegenübergestellt. Hierbei ist festzustellen, dass beide Methoden je nach Forschungsauf- gabe und -ziel unterschiedliche Ergebnisse liefern. Allerdings können auch standardisierte Daten in eine qualitative Forschung mit einfließen. Das passiert z. B. bei Fallstudien, bei denen mehrere Fälle aus unterschiedlicher Perspektive betrachtet werden oder bei Mixed Methods, einer Kombi- nation aus einzelnen quantitativen und qualitativen Forschungsmethoden (Bacher Horwarth 2011, S. 4). Es wird deutlich, dass eine Vermischung oder eine punktuelle Ergänzung der Metho- den untereinander zu weiteren nützlichen Antworten und Anregungen bezogen auf das For- schungsziel führen kann. Als Beispiel wird die in Kapitel 2.1 vorgestellte quantitative Forschungs- frage herangezogen. Kunden des Bezahlfernsehsenders Sky werden mithilfe eines standardisier- ten Fragenkatalogs für statistische Erhebungen, z. B. welche Programme wie lange täglich ge- schaut werden, befragt. Eine hohe Anzahl an Teilnehmern garantiert nach der Analyse der statisti- schen Erhebungen eine Tendenz, die für weitere unternehmerische Zielvorgaben wichtig sein kann. Damit darüber hinaus auch Stimmungen, Trends oder neue Ideen abgefragt werden, könn- ten zu den standardisierten Fragen ergänzend auch offene Fragen an die Teilnehmer gestellt wer- den. Das könnten offene Fragen zu Programmwünschen, inhaltlich veränderbare Filmpakete und andere sein. Damit kann sich ein erheblicher Mehrwert als Ergebnis einer Forschungsfrage bzw. dem Forschungsziel einstellen.

4. Fazit und Ausblick – Ergänzung oder Gegensatz?

Ob es tatsächlich einen ergänzenden Mehrwert bei der Durchführung einer qualitativen oder bei der Durchführung einer quantitativen Forschungsmethode gibt oder ob sich die beiden Methoden eher im Wege stehen, müssen der Forscher bzw. das Forschungsteam für sich und im Sinne des Forschungsziels entscheiden. Die als oberflächliche, also in die Breite forschenden quantitative Methode, wie auch die in die Tiefe forschende qualitative Methode haben je nach Einsatz ihre grundsätzliche Berechtigung. Wichtig ist die eigene Überzeugung die richtige Methode ausgewählt zu haben und gegebenenfalls die andere Methode als wichtigen zusätzlichen Erkenntnisgewinn zu nutzen. Wurden beide Methoden zuerst als Gegensätze behandelt, wird inzwischen die Ansicht vertreten, dass sich die Methoden ergänzen können. Ein Methodenmix ist daher keine Seltenheit (Keddi Stich 2008, S. 4; Witt 2001, Abs. 4 und 5). Qualitative Daten können z. B. nachträglich quantifiziert werden und so vorformulierten Kategorien zugeordnet werden. Des Weiteren können im Rahmen einer Fragestellung beide Methoden angewandt werden (Triangulation) (Witt 2001, Abs. 4 und 5). Bei der Triangulation wird, um eindeutige, umfassende und valide Ergebnisse zu erlangen, der Forschungsgegenstand von unterschiedlichen Standpunkten aus untersucht. Durch die Triangulation sollte ein prinzipieller Erkenntniszuwachs möglich sein, dass also beispielsweise Erkenntnisse auf unterschiedlichen Ebenen gewonnen werden, die damit weiter reichen, als dies mit einem Zugang möglich wäre (Flick 2011, S. 12). In Fazit möchte ich herausstellen, dass insbe- sondere bei komplexen Forschungszielen, die Ergänzung der beiden empirischen Forschungsme- thoden die umfassenderen Ergebnisse liefert. Ich betrachte die Triangulation, die Denzin so tref- fend beschrieben hat, als die plausibelste und glaubwürdigste Forschungsstrategie.

Denzin unterscheidet grundsätzlich vier Arten der Triangulation: Datentriangulation, Forschertrian- gulation Theorietriangulation und Methodentriangulation (Denzin 1970, S. 300ff.). Durch die Trian- gulation von Datenquellen (Datentriangulation) könnte der theoretische Gewinn der untersuchten Fragestellung auch bei Verwendung derselben Forschungsmethoden deutlich gesteigert werden. (Denzin 1970, S.310; Flick 2011, S.13). Bei der Forschertriangulation werden die unterschiedlichs- ten Forscher in demselben Forschungsprozess eingesetzt. Dies soll jedoch nicht als organisatori- sche Aufgabe im Sinne von systematischer Arbeitsteilung verstanden werden, sondern es soll ge- zielt der Einfluss von verschiedenen Personen, die am Forschungsprozess beteiligt sind, auf die Ergebnisse und den Forschungsgegenstand selbst aufgedeckt und möglichst stark minimiert wer- den. Dadurch soll eine höhere Reliabilität bezüglich der Beobachtungen erzielt werden (Denzin 1970, S.303; Flick 2011, S.14). Bei der Theorietriangulation werden zu Beginn des Forschungs- prozesses hauptsächlich die möglichen Perspektiven eingenommen. Zu diversen Phänomenen gibt es unterschiedliche, teilweise konträre, Theorien und die Befürworter einer jeden Theorie wür- den mit denselben Daten versuchen können, ihre jeweilig bevorzugten Theorien zu bestätigen. Gelingt die Triangulation von Theorien, so kann dies nach Denzin unter anderem dazu führen, dass alternative Erklärungen von bestimmten Phänomenen schwerer zu ignorieren sind (Denzin 1970, S.306; Flick 2011, S.15). Die letztgenannte Triangulation, die Methodentriangulation, kommt der Fragestellung aus dieser Hausarbeit am nächsten und wird im Folgenden genauer erklärt wer- den. Denzin unterteilt die Methodentriangulation in weitere zwei Ausprägungen. Er betrachtet die Triangulation innerhalb einer Methode als „within-method“ und die Triangulation zwischen ver- schiedenen Methoden als „between-method“. Methodentriangulation nach der „within-method“ liegt beispielsweise vor, wenn innerhalb einen Fragebogens mit zwei unterschiedlichen Skalen dassel- be Phänomen untersucht werden soll. Bei der „between-method“ werden verschieden Methoden kombiniert um: „die Begrenztheit der Einzelmethoden durch ihre Kombination zu überwinden“ (Flick 2011, S.15). Die Anwendung der sogenannten Mixed Methods – auch als Mehr- Methodenansatz bezeichnet – ist häufig auch von dem Forschungsziel, der Größe des For- schungsteams, der Forschungsdauer und des Forschungsetats abhängig. Dabei kann eine Kom- bination aus qualitativer und quantitativer Forschung die Schwächen beider Forschungsmethoden eliminieren (Schneider 2014, S. 15ff.; Kelle Erzberger 2000, S. 299ff.). Denzin selbst betrachtet die Triangulation in späteren Schriften daher auch eher „als Strategie auf dem Weg zu einem tiefe- ren Verständnis des untersuchten Gegenstandes und damit als Schritt auf dem Weg zu mehr Er- kenntnis und weniger zu Validität und Objektivität in der Interpretation.“ (Flick 2011, S. 20). Aus der Sicht des Autors sind beide empirische Forschungsmethoden, die quantitative wie auch die quali- tative Methode, je nach Aufgabenstellung, Forschungsetat, Dauer und Forschungsziel wichtige und für sich autarke Anwendungen. Die Forschungsmethoden eignen sich nicht dazu in Konkur- renz oder sich gegenseitig im Weg zu stehen. Ganz im Gegenteil, die Gemeinsamkeiten und Er- gänzungen in Form der sogenannten Methodentriangulation führt in den meisten Fällen zu ausge- zeichneten qualitativen und quantitativen Ergebnissen und letztendlich zur optimalen Darstellung der Forschungsziele.

Zum Abschluss dieser Hausarbeit soll ein Zitat die Notwendigkeit der Triangulation verdeutlichen:„(...) wie die Schenkel eines Triangels zusammengeschweißt sind, so sind qualitative und quantita- tive Analyseschritte miteinander zu verbinden, sie sind aufeinander angewiesen, um einen reinen Klang hervorbringen zu können.“ (Mayring 1999, S. 122).

III. Literaturhinweise

Albert, H. (1962): Der moderne Methodenstreit und die Grenzen des Methodenpluralismus. Göttingen, Jahrbuch für Sozialwissenschaft.

Bacher, J. / Horwarth, l. (2011): Einführung in die Qualitative Sozialforschung, Linz, Johannes Kepler Universität Linz.

Bohnsack, R. (2008): Rekonstruktive Sozialforschung. Einführung in qualitative Methoden. 7. Aufl. Pladen Farmington Hills, Verlag Barbara Budrich.

Bortz, J. / Döring, N. (2006): Forschungsmethoden und Evaluation für Human und Sozialwissenschaftler, 4. Aufl. Berlin, Springer.

Denzin, N. K. (1970): The Research Act in Sociology: A Theoretical Introduction to Sociological Methods. Chicago, Aldine.

Flick, U. (2011): Triangulation, VS-Verlag, Wiesbaden.

Hug, T. / Poscheschnik, G. (2010): Empirisch forschen: die Planung und Umsetzung von Projekten im Studium. Konstanz, UVK-Verlagsgesellschaft.

Keddi, B. / Stich, J. (2008): Qualitative Sozialforschung. Erschließung von Wirklichkeit Auswahl der Fälle Instrumente der Erhebung. In: DJI Bulletin 82 Plus, S. 1-4.

Kelle, U. / Erzberger, C. (2000). Qualitative und quantitative Methoden. Kein Gegensatz. In: Flick, U. / Kardoff, E. v. / Steinke, I. (Hrsg.): Qualitative Forschung. Ein Handbuch. S. 299-309. Hamburg, Reinbek.

Mayring, P. (1999): Einführung in die qualitative Sozialforschung. Weinheim, Psych. V. Union.

Mayring, P. (2002): Einführung in die qualitative Sozialforschung. Eine Anleitung zu qualitativen Denken, 5. Aufl. Weinheim / Basel, Beltz.

Schaffer, H. (2009). Empirische Forschung für die soziale Arbeit. Eine Einführung. 2. Aufl. Freiburg Br., Lambertus.

Schneider, A. (2014): Triangulation und Integration von qualitativer und quantitativer Forschung in der Sozialen Arbeit. In: Mührel, E. / Birgmeier, B. (Hrsg.): Perspektiven sozialpädagogischer For- schung. Soziale Arbeit in Theorie und Wissenschaft. S. 15-24. Wiesbaden, Springer Fachmedien.

Schirmer, D. (2009): Empirische Methoden der Sozialforschung: Grundlagen und Techniken. Pa- derborn, Fink.

Stigler, H. / Reicher, H. (2012): Praxishandbuch Empirische Sozialforschung in den Erziehungs- und Bildungswissenschaften, 2. Auflage. Innsbruck, Studien Verlag.

Witt, H. (Februar 2001): Forschungsstrategien bei quantitativer und qualitativer Sozialforschung (36 Absätze). FQS Forum Qualitative Sozialforschung / Forum Qualitative Social Research, 2 (1) Art. 8, Abgerufen am 14. September 2018 von http://www.qualitative- research.net/index.php/fqs/article/view/969/2114.

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Details

Titel
Quantitative und Qualitative Forschungsmethoden. Ergänzung oder Gegensatz?
Hochschule
Internationale Fachhochschule Bad Honnef - Bonn
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
15
Katalognummer
V453892
ISBN (eBook)
9783668890152
ISBN (Buch)
9783668890169
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Quantitative und qualitative Forschungsmethoden
Arbeit zitieren
Ulrich Geyer (Autor:in), 2018, Quantitative und Qualitative Forschungsmethoden. Ergänzung oder Gegensatz?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/453892

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