Es gibt zahlreiche Investmentstrategien, mit deren Hilfe Anleger versuchen, eine risikoadjustierte Überrendite auf dem Kapitalmarkt zu erwirtschaften. Eine der populärsten Strategien ist das sogenannte Value Investing. Diese Strategie beruft sich auf eine der bekanntesten existierenden Kapitalmarktanomalie: der Wertanomalie (englisch value anomaly).
Die Grundlage für das Value Investing ist die Fundamentalwertanalyse. Hierbei wird versucht durch eine systematische Untersuchung der betriebswirtschaftlichen Daten, den intrinsischen Wert eines Unternehmens zu bestimmen. Der Aktienwert eines Unternehmens, der sich durch das Zusammentreffen von An-gebot und Nachfrage an der Börse bildet, kann von diesem intrinsischen Wert abweichen. Beim Value Investing wird gezielt in unterbewertete Unternehmen investiert, mit der Annahme, dass sich der Aktienkurs auf längere Sicht wieder dem intrinsischen Wert angleichen wird.
In der Praxis stellt sich jedoch die Frage, wie diese sogenannten Value Unternehmen identifiziert werden können. Theoretisch ist es einerseits möglich, eine umfassende Reihe von Kennzahlen und Prognosen anhand der Jahresabschlüsse zu erstellen und dadurch Rückschlüsse auf den intrinsischen Wert zu erhalten. Diese Vorgehensweise wird als reine Value Strategie bezeichnet. Oftmals scheitert eine umfassende Fundamentalwertanalyse allerdings an der Komplexität und dem Zeitaufwand, den ein Investor hierfür betreiben müsste.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Ziel und Aufbau
2 Portfoliotheoretische Grundlagen
2.1 Kapitalmarkteffizienz
2.1.1 Implikationen der Kapitalmarkteffizienz
2.1.2 Beurteilung der Kapitalmarkteffizienz
2.2 Kapitalmarktorientierte Performance- und Risikokennzahlen
2.2.1 Portfoliotheorie
2.2.2 Capital Asset Pricing Modell
2.2.3 Sharpe Ratio
2.2.4 Treynor Ratio
3 Value Investing
3.1 Reine Value Strategie
3.2 Quantitative Value Strategie
3.2.1 Dividendenstrategie
3.2.2 Kurs-Gewinn-Verhältnis-Strategien
3.2.3 Kurs-Buchwert-Verhältnis-Strategien
4 Piotroski Fundamentalwert Score
4.1 Erkenntnisse der wissenschaftlichen Arbeit
4.2 Kennzahlen des Piotroski Fundamentalwert Scores
4.2.1 Profitabilität
4.2.2 Finanzielle Performance
4.2.3 Operative Effizienz
4.2.4 Zusammengesetzter Fundamentalwert Score
4.3 Forschungsaufbau
4.4 Datensatz
4.5 Performancemessung
5 Empirische Ergebnisse
5.1 Ergebnisse der Forschungsarbeit
5.1.1 Ergebnisse von 2014 bis 2016
5.1.2 Ergebnisse von 2015 bis 2017
5.1.3 Ergebnisse von 2016 bis 2018
5.1.4 Gesamtbetrachtung von 2014 bis 2018
5.2 Auswertung weiterer Forschungsarbeiten
6 Kritisches Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Anwendbarkeit und Profitabilität des Piotroski Fundamentalwert Scores (F-Score) zur Identifikation unterbewerteter Unternehmen am deutschen Aktienmarkt (HDAX). Ziel ist es, ein praktikables Modell für Privatinvestoren zu entwickeln, das eine risikoadjustierte Überrendite durch die Kombination qualitativer Fundamentaldaten mit quantitativen Value-Strategien ermöglicht.
- Analyse von Kapitalmarkteffizienz und Anlagestrategien
- Theoretische Fundierung des Value Investings und des F-Scores
- Empirische Untersuchung der Performance des F-Scores im HDAX (2014–2018)
- Vergleich und Bewertung durch Risikokennzahlen (Sharpe Ratio, Treynor Ratio, Maximum Drawdown)
- Kritische Beurteilung der Strategie für private Anleger
Auszug aus dem Buch
3.2.1 Dividendenstrategie
Für den Anleger verkörpert die Dividendenrendite (DR) einen wesentlichen Teil der Aktienrendite. Die Dividende und der Kapitalzuwachs bestimmen hauptsächlich die Rendite einer Aktie. Daher kann die DR eingesetzt werden, um die Attraktivität einer Aktie zu bestimmen und hieraus eine Strategie abzuleiten. Mathematisch kann die DR folgendermaßen berechnet werden:
Die DR gibt den prozentualen Anteil der gesamten Ausschüttung eines Unternehmens von dessen aktuellen Aktienkurs an. Je höher die Kennzahl ausfällt, desto positiver ist das Unternehmen zu bewerten. Unternehmen deren Aktienkurs relativ gering ist, haben im Verhältnis zu Unternehmen die an der Börse hochbewertet sind eine hohe DR. Somit kann die DR ein Indiz für unterbewertete Unternehmen darstellen. Problematisch sind Unternehmen, welche keine Dividende ausschütten. Diese Unternehmen bildet die Kennzahl unzureichend ab, da sie in diesem Fall eine DR von null ausweisen würden. Inwieweit die DR eine erfolgreiche Vergleichskennzahl für die Praxis darstellen kann, wird durch die folgenden Studien exemplarisch eruiert.
Bereits 1979 identifizierten Litzenberger und Ramaswamy Belege für eine positive Korrelation zwischen Dividenden- und Kursrenditen. Gemäß ihren Erkenntnissen bedeutet eine hohe Dividende auch eine höhere Kursrendite.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in das Value Investing ein, definiert die Problemstellung der Identifikation unterbewerteter Aktien und skizziert das Ziel der Arbeit, den Piotroski F-Score für den deutschen Markt zu prüfen.
2 Portfoliotheoretische Grundlagen: Hier werden zentrale Konzepte wie die Kapitalmarkteffizienz sowie die moderne Portfoliotheorie und Performancemessung (CAPM, Sharpe Ratio) als theoretisches Fundament für die Untersuchung dargelegt.
3 Value Investing: Dieses Kapitel unterscheidet zwischen reinen und quantitativen Value-Strategien und analysiert klassische Kennzahlen wie Dividendenrendite sowie Kurs-Gewinn- und Kurs-Buchwert-Verhältnisse.
4 Piotroski Fundamentalwert Score: Dieser Abschnitt erläutert die Funktionsweise des F-Scores, definiert die neun zugrunde liegenden Kennzahlen zur Unternehmensqualität und beschreibt das methodische Vorgehen für den deutschen Aktienmarkt.
5 Empirische Ergebnisse: Hier erfolgt die detaillierte Auswertung der Portfolioperformance im HDAX über verschiedene Zeiträume sowie eine ergänzende Analyse bestehender Forschungsarbeiten zur Validierung.
6 Kritisches Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen, bewertet die Grenzen der Strategie für Privatinvestoren und gibt einen Ausblick auf die Weiterentwicklung von Scoring-Modellen.
Schlüsselwörter
Value Investing, Piotroski F-Score, Fundamentalanalyse, Kapitalmarkteffizienz, HDAX, Sharpe Ratio, Treynor Ratio, Performanceanalyse, Aktienstrategien, Dividendenrendite, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Risikomanagement, quantitative Anlagestrategien, Backtesting.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die in den USA erfolgreiche Value-Strategie des Piotroski F-Scores auf den deutschen Aktienmarkt übertragen werden kann, um eine risikoadjustierte Überrendite zu erzielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Felder sind die Kapitalmarkttheorie, die Anwendung quantitativer Value-Kennzahlen (KGV, KBV, Dividendenrendite) und die detaillierte Auswertung von Bilanzkennzahlen zur Beurteilung der Unternehmensqualität.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Hauptfrage lautet, ob Privatinvestoren mit dem Piotroski F-Score auf Basis des HDAX eine Outperformance gegenüber dem Gesamtmarkt erreichen können, auch nach Berücksichtigung von Risiken.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine empirische Untersuchung durchgeführt, bei der Portfolios nach dem F-Score-Verfahren gebildet und deren Performance über verschiedene Zeiträume mittels Kennzahlen wie der Sharpe Ratio und dem Maximum Drawdown analysiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil umfasst die theoretischen Grundlagen des Investierens, die detaillierte Definition des F-Scores mit seinen neun Kennzahlen sowie die praktische Durchführung des Backtestings für den Zeitraum von 2014 bis 2018.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird primär durch Begriffe wie Value Investing, Piotroski F-Score, Fundamentalanalyse, risikoadjustierte Rendite und Performanceanalyse charakterisiert.
Warum wurde der HDAX als Benchmark gewählt?
Der HDAX enthält mit 110 Unternehmen eine für Privatanleger handhabbare Menge an liquiden Titeln, die im Prime Standard notiert sind und somit eine solide Datenbasis bieten.
Wie geht die Strategie mit der "Qualität" eines Unternehmens um?
Der F-Score ergänzt quantitative Kennzahlen um neun qualitative binäre Signale aus den Jahresabschlüssen, die Profitabilität, finanzielle Verschuldung und operative Effizienz bewerten.
Gibt es Unterschiede in der Performance zwischen 3-F-Score und 5-F-Score Portfolios?
Ja, die Arbeit vergleicht Portfoliogrößen von drei und fünf Unternehmen und analysiert für diese jeweils individuelle Rendite-Risiko-Profile und die Eignung zur Überperformance.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Fabian Büchele (Autor:in), 2018, Value Investing anhand des Piotroski Fundamentalwert Scores, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454054