Short Food Supply Chains als alternative Nahrungsmittelsysteme. Räumliche Analyse der regionalen Nahrungsmittelproduktion in Österreich


Masterarbeit, 2017

124 Seiten, Note: 1


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkurzungsverzeichnis

Notationsverzeichnis

1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Arbeit

2 Das moderne Nahrungsmittelsystem
2.1 Einfuhrende Definitionen zu modernen Nahrungsmittelsystemen
2.1.1 Definition Supply Chain und Supply Chain Management
2.1.2 Food Supply Chain
2.2 Moderne Nahrungsmittelsysteme und das 3-Saulen Modell
2.2.1 Theoretische Grundlagen
2.2.1.1 Nachhaltigkeit
2.2.1.2 Biokapazitat und der okologische FuBabdruck
2.2.1.3 Das 3-Saulen Modell
2.2.2 Moderne Nahrungsmittelsysteme unter dem Aspekt des 3-Saulen Modells
2.2.2.1 Moderne Nahrungsmittelsysteme und die okonomische Dimension
2.2.2.2 Moderne Nahrungsmittelsysteme und die okologische Dimension
2.2.2.3 Moderne Nahrungsmittelsysteme und die soziale Dimension

3 Alternative Nahrungsmittelsysteme: Vertiefende Betrachtung, Beispiele aus der Praxis und der Nachhaltigkeitsaspekt
3.1 Entstehung von alternativen Nahrungsmittelnetzwerken
3.2 Begriffsdefinition und Eigenschaften
3.3 Konventionalisierung
3.4 Biologische Landwirtschaft
3.4.1 Definition und rechtliche Rahmenbedingungen
3.4.2 Abgrenzung zur konventionellen Landwirtschaft
3.4.3 Entstehungsgeschichte
3.4.4 Verbande und Dachverbande
3.4.5 Best Practice in der okologischen Landwirtschaft
3.5 Short F ood Supply Chains
3.5.1 Definition und Abgrenzung zu Food Supply Chain
3.5.1.1 Einteilung nach Kategorien und Dimensionen
3.5.1.2 Eigenschaften und Marktauftritt
3.5.2 Entstehung und Enwicklung von Short Food Supply Chains
3.6 Biologische SFSCs unter Berucksichtigung des 3-Saulen Modells
3.6.1 Auswirkungen auf die wirtschaftliche Dimension
3.6.1.1 Wirtschaftliche Auswirkungen der biologischen Landwirtschaft
3.6.1.2 Wirtschaftliche Auswirkungen von Short Food Supply Chains
3.6.2 Auswirkungen auf die soziale Dimension
3.6.2.1 Soziale Auswirkungen der biologischen Landwirtschaft
3.6.2.2 Soziale Auswirkungen von Short Food Supply Chains
3.6.3 Auswirkungen auf die okologische Dimension
3.6.3.1 Okologische Auswirkungen der biologischen Landwirtschaft
3.6.3.2 Okologische Auswirkungen von Short Food Supply Chains
3.6.4 Diskussion

4 Empirische Untersuchung: Raumliche Analyse der regionalen Nahrungsmittelproduktion in Osterreich
4.1 Einleitung
4.2 Theoretische Grundlagen zur geographischen Analyse lokaler Nahrungsmittelsysteme
4.3 Methodische Vorgehensweise
4.3.1 Forschungsgegenstand
4.3.2 Datenauswahl
4.4 Ergebnisse der Untersuchung
4.4.1 IFR„
4.4.2 IFRr
4.4.3 PIFRI

5 Zusammenfassung und Resumee

Literaturverzeichnis

Gender Erklarung

Aus Grunden der besseren Lesbarkeit wird in dieser Diplomarbeit die Sprachform des generischen Maskulinums angewendet. Es wird an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass die ausschlieBliche Verwendung der mannlichen Form geschlechtsunabhangig verstanden werden soll.

Vorwort

Bereits wahrend des Studiums haben mich wirtschaftliche und technologische Entwicklungen und wie sich diese auf die Umwelt und die Gesellschaft auswirken, besonders beschaftigt und interessiert.

Die Idee fur das Thema ist mir wahrend dem Schreiben einer Seminararbeit gekommen. Die Seminararbeit setzte sich mit der Problematik und den Ursachen fur Abfalle in der Nahrungsmittelversorgungskette auseinander. Fur die Produktion von Lebensmitteln werden zum einen Ressourcen verbraucht, zum anderen werden dadurch negative Effekte, wie beispielsweise Treibhausgase produziert. Werden die Nahrungsmittel weggeworfen oder verderben diese, sind auch die Ressourcen und negativen Effekte umsonst bzw. „ohne Zweck“ entstanden.

Wahrend der Seminararbeit wurden mir folgende zwei Dinge klar. Zum einen handelt es sich bei Nahrungsmittel um verderbliche Waren. Aus diesem Grund ist eine Vermeidung von Lebensmittelabfallen nur bedingt moglich. Zum anderen erfullt die Uberproduktion bzw. Uberversorgung von Nahrungsmitteln aufgrund der Nahrungsmittelsicherheit auch seine Zwecke.

Auch in der Natur, findet eine konstante „Uberproduktion“ statt, ohne jedoch negative Effekte zu haben. Wenn man also, die Produktion und den Vertrieb, so gestalten kann, dass negative Effekte reduziert werden, wurden auch Nahrungsmittelabfalle einen minimalen negativen Effekt ausuben.

Aus diesem Grund, habe ich mich in der Masterarbeit mit alternativen Nahrungsmittelsystemen beschaftigt. Im konkreten habe ich die biologische Landwirtschaft, aufgrund ihrer umweltfreundlichen Produktionstechniken und die Direktvermarktung aufgrund ihrer sozialen Auswirkungen gewahlt. Langfristiges Denken und Nachhaltigkeit zwischen Mensch, Umwelt und Wirtschaft werden in einer global vernetzten Welt immer wichtiger.

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Schematische Darstellung einer Supply Chain in einem Supply Chain Netzwerk 5

Abb. 2: Konzeptuelles Modell einer Nahrungsmittellieferkette 8

Abb. 3: Schematische Darstellung des 3-Saulen Modells 15

Abb. 4: Realpreisentwicklung der Nicht-Energie-Warengruppen 1900-2007 16

Abb. 5: Getreideproduktion und Anbauflache weltweit, 1961-2014 17

Abb. 6: Fleischproduktion weltweit in den Jahren 1961 bis 2016 (in Millionen Tonnen) 18

Abb. 7: Veranderung der Rohstoffpreise in den USA; 1966 bis 2002 20

Abb. 8: Methodischer Zusammenhang zwischen IFR und PFRI 71

Abb. 9: Kartographische Darstellung des IFR„y- auf Ebene der pol. Bezirke Osterreichs 85

Abb. 10: Kartographische Darstellung des IFRry auf Ebene der pol. Bezirke Osterreichs 92

Abb. 11: Kartographische Darstellung des PIFRI auf Ebene der pol. Bezirke Osterreichs 97

Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Unterschiede konventionelle und biologische Landwirtschaft 39

Tab. 2: Ergebnisse des IFR„ und zugehorige Indikatoren fur die pol. Bezirke in Osterreich .. 83

Tab. 3: Durchschnittsergebnisse der Indikatoren und des IFR„y auf Bundeslandebene 86

Tab. 4: Ergebnisse des IFRry und zugehorige Indikatoren fur die pol. Bezirke in Osterreich .. 90

Tab. 5: Durchschnittsergebnisse der Indikatoren und des IFRry- auf Bundeslandebene 92

Tab. 6: Ergebnisse des PIFRI und zugehorige Indikatoren fur die pol. Bezirke in Osterreich 96

Abkurzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Notationsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1 Einleitung

1.1 Problemstellung

Globale Nahrungsmittelsysteme werden heutzutage nicht mehr als nachhaltig angesehen. Intensive Landwirtschaftsmethoden und industrielle Nahrungsmittelproduktion fuhren zu hohen Umweltkosten (Giampietri et al. 2016, S. 618). Das Nahrungsmittelsystem hat sich in den letzten Jahrzehnten, insbesondere seit dem 2. Weltkrieg von einer traditionellen Landwirtschaftsform zu einer industriell-chemischen Landwirtschaft entwickelt (Scrinis 2007, S. 113). Am Ende des 20. Jahrhunderts hat dieses System seine Grenzen erreicht (Renting et al. 2003, S. 396-397). Veranderungen in Nahrungsmittelsystemen ziehen immer gesellschaftliche Veranderungen nach sich. Durch die Globalisierung wachst der okonomische Druck auf landwirtschaftliche Produzenten (IAASTDa 2009, S. 44-45). Moderne Distributionsmethoden verhindern den direkten Kontakt zwischen Produzenten und Konsumenten (Giampietri et al. 2016, S. 618). Als Reaktion auf die Mangel des modernen bzw. konventionellen Nahrungsmittelsystems sind alternative Nahrungsmittelsysteme entstanden (Venn et al. 2006, S. 248). Aktuell sind im Besonderen zwei Formen von alternativen Nahrungsmittelsystemen bei Konsumenten und in der Offentlichkeit von hoher Bedeutung. Diese sind die biologische Landwirtschaft und Short Food Supply Chains (dt.: Direktvermarktung). Ob alternative Nahrungsmittelsysteme nachhaltiger sind und die „Schwachen“ des konventionellen Systems ausgleichen konnen ist Gegenstand der vorliegenden Forschungsarbeit. Konventionelle Nahrungsmittelsysteme und ihre Auswirkungen haben zur Veranderung der sozialen Struktur in den landlichen Regionen Europas gefuhrt. Die hohe Produktions- und Effizienzsteigerung hatte einen nachteiligen Effekt auf die wirtschaftliche und soziale Vitalitat vieler landlicher Gemeinden (IAASTDb 2009, S. 102-103). Short Food Supply Chains finden zunehmende Aufmerksamkeit in der Politik (Schmid et al. 2014, S. 1248). Von politischer Seite aus betrachtet sind die Schwachen und Grenzen des konventionellen Systems erkannt worden (Berti und Mulligan 2016, S. 4). Die EU sieht Short Food Supply Chains als Werkzeuge zur wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung und zur Belebung von landlichen Regionen an (Giampietri et al. 2016, S. 619). Das Wachstum der biologischen Landwirtschaft der letzten Jahrzehnte ist auch zum Teil auf die Unterstutzung der EU zuruckzufuhren (Canfora 2016, S. 404). Offentliche Forderung muss sorgfaltig geplant werden. Quantitative Daten zu Nahrungsmittelsystemen sind rar. Indem landliche Entwicklungspolitik durch objektive Analysen gestutzt wird, konnen die politischen Entscheidungen unterstutzt werden (Benedek und Balazs 2016, S. 608-609). Short Food Supply Chains haben einen geographischen Bezugspunkt. Daher bietet sich die raumliche und geographische Analyse zur Gewinnung quantitativer Daten an. Zur Messung von regionalen Nahrungsmittelaktivitaten kann der „Index of Food Relocalization“ oder eine Abwandlung, der „Policy Intervention for Food Relocalization Index“ verwendet werden.

Im ersten Teil der Arbeit werden konventionelle und alternative Nahrungsmittelsysteme unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachtet. Als Modell der Nachhaltigkeit wird das 3- Saulen Modell, welches wirtschaftliche, soziale und okologische Aspekte berucksichtigt, gewahlt. Dieser Teil der Arbeit dient dazu, Probleme und Schwachen des konventionellen Systems aufzuzeigen und die Entstehung alternativer Systeme zu erklaren. Der empirische Teil der Arbeit fokussiert sich auf die Anwendung des Policy Intervention of Food Relocalization Index auf Osterreich.

Die Planung und Forderung von Short Food Supply Chains sind sowohl auf nationaler Ebene, als auch in der EU von groBer Bedeutung. Grunde hierfur liegen in wirtschaftlichen, sozialen und okologischen Uberlegungen. Quantitative Daten konnen die Planung und Entwicklung von Short Food Supply Chains unterstutzen. Dazu wird im empirischen Teil der Masterarbeit der Policy Intervention of Food Relocalization Index (PIFRI) auf Ebene der politischen Bezirke fur den Raum Osterreich berechnet. Der Index soll eine Einschatzung uber den Entwicklungsstand und das -potential der regionalen Nahrungsmittelproduktion in Osterreich ermoglichen. Der PIFRI basiert auf dem Food Relocalization Index. Im direkten Vergleich konzentriert sich der PIFRI auf die Produktionsseite des Nahrungsmittelsystems und berucksichtigt auch das zukunftige Potential fur die Entwicklung von regionalen Nahrungsmittelsystemen sowie die biophysischen Grenzen der Gebiete. Mithilfe des PIFRI kann besser eingeschatzt werden, in welchen Gebieten politische MaBnahmen am effizientesten und schnellsten zu Ergebnissen fuhren.

Der Arbeit liegen folgende Forschungsfragen zugrunde:

1. Welche Auswirkungen hat das moderne Nahrungsmittelsystem unter Berucksichtigung des 3-Saulen Modells auf die wirtschaftliche, soziale und okologische Nachhaltigkeit?
2. Welche Auswirkungen haben alternative Nahrungsmittelsysteme (biologische Landwirtschaft und Short Food Supply Chains) unter Berucksichtigung des 3-Saulen Modells auf die wirtschaftliche, soziale und okologische Nachhaltigkeit?
3. Kann der Policy Intervention of Food Relocalization Index an den osterreichischen Kontext angepasst werden? Welche Anpassungen sind dazu notig?
4. Konnen durch die Anwendung des PIFRI in Osterreich auf Ebene der politischen Bezirke empirische Daten gewonnen werden und wie sind die Ergebnisse zu interpretieren?

1.2 Gang der Arbeit

Kapitel 2 beschaftigt sich mit den theoretischen Grundlagen und dem konventionellen bzw. modernen Nahrungsmittelsystem. Dazu werden in Kapitel 2.1 wesentliche Begriffe, die Struktur eines Nahrungsmittelsystems und dessen Akteure und Besonderheiten, erlautert. Kapitel 2.3 behandelt moderne Nahrungsmittelsysteme unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit. Dazu wird das Konzept des 3-Saulen Modells (engl. Triple Bottom Line) vorgestellt. Das Konzept beruht auf den drei Dimensionen Wirtschaft, Okologie und Soziales. Ein wesentlicher Teil dieses Abschnitts bildet eine Analyse der Entwicklungen und Veranderungen im Nahrungsmittelsystem und wie sich Industrialisierung, Mechanisierung und Produktivitatssteigerung auf die Dimensionen des 3-Saulen Modells ausgewirkt haben.

In Kapitel 3 werden alternative Nahrungsmittelnetzwerke („alternative food networks“, AFN) behandelt. Es gibt keine einheitliche Definition zu AFN. Sie stellen einen Kontrast bzw. ein Komplementarsystem zu konventionellen Nahrungsmittelsystemen dar und konnen vielfaltige Formen annehmen. Zu Beginn des Abschnitts, in Kapitel 3.1 bis 3.3 werden theoretische Grundlagen, Eigenschaften und Entwicklungen von AFN, thematisiert. Im Folgenden werden zwei Formen von AFN, die aus wirtschaftlichen, okologischen, sozialen und politischen Grunden derzeit von groBer Bedeutung sind, naher betrachtet. Es handelt sich dabei um die biologische Landwirtschaft und Short Food Supply Chains („kurze Versorgungskette“ bzw. „Direktvermarktung“). Beide Formen begunstigen die Entwicklung und Entstehung der anderen Form im selben geographischen Gebiet. Kapitel 3.4 und 3.5 behandeln die biologische Landwirtschaft und Short Food Supply Chains im Detail. Das Ziel dieser Kapitel ist es in erster Linie theoretische Inhalte aufzuarbeiten und die Eigenschaften, Entstehung und Entwicklung sowie das Zusammenwirken dieser beiden Formen von AFN darzustellen. In Kapitel 3.6 werden beide Formen aus dem Gesichtspunkt des 3-Saulen Modells anhand ihrer wirtschaftlichen, sozialen und okologischen Auswirkungen betrachtet. Am Ende des dritten Kapitels werden wesentliche Inhalte des theoretischen Teils zusammengefasst und die wissenschaftliche und politische Relevanz, mit Fokus auf Short Food Supply Chains, herausgearbeitet. Dieser Teil bildet die Brucke zum empirischen Teil der Arbeit.

Kapitel 4 untersucht den Status und das Entwicklungspotential von regionalen Nahrungsmittelsystemen in Osterreich auf geographischer Ebene. Basis des empirischen Teils bildet der Policy Intervention of Food Relocalization Index (PIFRI). Der Index stellt den Status und das Entwicklungspotential regionaler Nahrungsmittelproduktion geographisch dar. In Kapitel 4.2 wird der theoretische Hintergrund des PIFRI aufgearbeitet. In Kapitel 4.3 werden der PIFRI, seine praktische Anwendung sowie jene Anpassungen dargestellt, die fur den osterreichischen Kontext vorgenommen werden. Des Weiteren wird in diesem Kapitel die Vorgehensweise fur die Analyse in Osterreich skizziert. In Kapitel 4.4 werden die Ergebnisse prasentiert, mit anschlieBender Analyse und Diskussion. AbschlieBend werden in Kapitel 5 wichtige Themen und Erkenntnisse der Arbeit zusammengefasst und mogliche zukunftige Forschungsfelder dargelegt.

2 Das moderne Nahrungsmittelsystem

2.1 Einfuhrende Definitionen zu modernen Nahrungsmittelsystemen

2.1.1 Definition Supply Chain und Supply Chain Management

Eine Supply Chain kann als eine Gruppe (Netzwerk) von Organisationen angesehen werden, die uber vor- und nachgelagerte Aktivitaten an der Wertschopfungserstellung in Form von Produkten und Dienstleistungen fur einen Endkunden beteiligt ist (Christopher 1998, S. 15). Zu Akteuren einer Supply Chain zahlen Produzenten, Lieferanten, Transporteure, Lagerhauser, GroBhandler, Einzelhandler, Vermittler, Dienstleister und schlussendlich der Konsument selbst (Felea und Albastroiu 2013, S. 75). Die an der Supply Chain beteiligten Unternehmen treten auf mehreren Ebenen miteinander in Verbindung. Zu diesen Ebenen gehoren Prozesse, Entscheidungen, Material-, sowie Geld- und Informationsflusse (FAO 2007, S. 7). Die Integration der Aktivitaten und Prozesse unter den Mitgliedern der Supply Chain wird als Supply Chain Management bezeichnet (Felea und Albastroiu 2013, S. 78). Dies beinhaltet vor allem die Planung, Organisation, Implementierung, Motivierung und Controlling aller Aktivitaten, die im Warenverkehr zwischen Erstproduzenten und Konsumenten involviert sind (Felea und Albastroiu 2013, S. 81). Food Supply Chain Management sollte als ganzheitlicher Prozess, von der Primarproduktion der Nahrungsmittel, ihrer Verarbeitung bis hin zum Handel und der Verteilung zum Kunden, verstanden werden. Das Ziel besteht darin, diesen ganzheitlichen Prozess in Bezug auf die Effizienz und Kundenzufriedenheit zu analysieren und zu optimieren (Fraunhofer 2017, URL).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 1: Schematische Darstellung einer Supply Chain in einem Supply Chain Netzwerk Quelle: FAO 2007, S. 7.

Die dunkelgrauen Elemente in Abbildung 1 zeigen eine schematische Darstellung einer Supply Chain im Kontext eines gesamten Supply Chain Netzwerkes. Jedes Unternehmen gehort zumindest einer Supply Chain an und steht in wechselseitigen Beziehungen zu vor- und nachgelagerten Unternehmen. Supply Chains sind in der Regel Teil eines weitaus komplexeren Netzkwerkes an Unternehmen. Die einzelnen Akteure beeinflussen die Leistung des gesamten Netzwerkes (FAO 2007, S. 15). In einem Supply Chain Netzwerk arbeiten unterschiedliche Unternehmen aus strategischen Grunden zusammen, wahrend Sie ihre Autonomie und Identitat behalten. Durch die Komplexitat in SC Netzwerken, kommt es vor, dass Unternehmen in manchen Situationen als Partner zusammenarbeiten, wahrend auf anderer Ebene dieselben Unternehmen als Konkurrenten interagieren (FAO 2007, S. 15).

2.1.2 Food Supply Chain

In der Nahrungsmittelindustrie existiert eine Vielzahl an Produkten und Unternehmen die auf unterschiedlichsten Markten tatig sind. Eine Food Supply Chain besteht aus drei Hauptstufen: dem landwirtschaftlichen Sektor, der Verarbeitungsindustrie und dem Distributionssektor (GroB- und Einzelhandel). Rohprodukte durchlaufen in unterschiedlichem MaBe eine Reihe von Veranderungen bevor sie zum Verkauf angeboten werden (Bukeviciut et. al. 2009, S. 4).

Primarproduzenten

Primarproduzenten erzeugen Rohprodukte von Nahrungsmitteln (Getreide, Gemuse, Fleisch, Molkereiprodukte) und vertreiben diese hauptsachlich an den Verarbeitungssektor (Bukeviciut et. al. 2009, S. 4). Im landwirtschaftlichen Sektor konnen die BetriebsgroBen von kleinen Familienbetrieben bis zu sehr groBen Unternehmen und Gesellschaften reichen. Jedes Land benotigt einen starken landwirtschaftlichen Sektor da er sowohl fur die Nahrungsmittelverfugbarkeit als auch fur die Wirtschaft essenziell ist. Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die landwirtschaftliche Betriebe mit Rohmaterialen (Samen, Maschinen, Pestizide, Dunger) beliefern. Nahrungsmittelproduzenten haben vermehrt mit Problemen zu kampfen, die ihre landwirtschaftlichen und finanziellen Ertrage reduzieren. Dazu zahlen, Land- und Wasserknappheit, Bodendegeneration und ein erhohter Preisdruck im Nahrungsmittelsektor (Dani 2015, S. 3-4).

Verarbeitungssektor

Die Verarbeitungsindustrie transformiert die Rohmaterialien der Produzenten in Produkte fur Konsumenten (Dani 2015, S. 3). Dieser Industriesektor ist sehr heterogen und umfasst diverse Aktivitaten der Weiterverarbeitung und Veredlung der Rohprodukte (Mahlen, Trocknung, Schlachtung). Die Rohmaterialien werden in mehreren Stufen verarbeitet, verpackt und an die nachste Stufe weitergeliefert (Bukeviciut et. al. 2009, S. 4). Im Verarbeitungssektor findet die hochste Wertsteigerung bzw. „Value-Added“ der Produkte statt. In vielen Fallen wird durch Konservierung und Veredelung die Haltbarkeit der Produkte verlangert (FAO 2007, S. 16).

Die Verarbeitungsindustrie arbeitet eng mit dem Distributionssektor zusammen. Um langfristig wettbewerbsfahig zu bleiben spielen Innovation, Technologieeinsatz und neue Distributionskanale eine wichtige Rolle fur Unternehmen in diesem Sektor (Dani, 2015, S. 4). Um neue Produkte zu entwickeln, fuhrt der Verarbeitungssektor auch Markt- und Produktforschungstatigkeiten durch (Bukeviciut et. al. 2009, S. 4).

Distributionssektor

Diese Stufe umfasst GroB- und Einzelhandler. GroBhandler kaufen Roh- bzw. Fertigprodukte und verkaufen diese an den Einzelhandel oder an Gastronomiebetriebe. GroBhandler kaufen groBe Mengen und nutzen die Infrastruktur von Lagerhausern und Verteilungszentren um auf den Bedarf der nachgelagerten Sektoren zu reagieren. Sie nehmen innerhalb der Supply Chain eine wichtige Rolle ein, denn sie uberbrucken Abweichungen von Angebot und Nachfrage. Besonders in Zeiten des globalen Welthandels mit Nahrungsmitteln konnen sie ihr landerspezifisches Know-How und ihre fachliche Expertise uber rechtliche

Rahmenbedingungen des jeweiligen Landes einbringen (Dani 2015, S.4). Einzelhandler verkaufen die Nahrungsmittel an Endkonsumenten. Auch im Einzelhandel gibt es unterschiedliche BetriebsgroBen von kleinen regionalen Laden bis hin zu riesigen Hypermarkten welche eine groBe Anzahl von Artikeln verkaufen. Auf der Marktebene des Einzelhandels herrscht ein hoher Wettbewerbsdruck. Einerseits konkurrieren Einzelhandler um Endkunden, andererseits konkurrieren Hersteller um Regalflachen im Einzelhandel um ihre Produkte moglichst gut zu platzieren (Dani 2015, S.5).

In einer Food Supply Chain gibt es jedoch eine Reihe von Nebenakteuren. Nachfolgende Abbildung soll einen Uberblick der gesamten Wertschopfungskette von Nahrungsmitteln geben.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 2: Konzeptuelles Modell einer Nahrungsmittellieferkette Quelle: IOM und NRC 2015, S. 33.

Abbildung 2 zeigt eine Food Supply Chain. Neben den bereits beschriebenen Hauptakteuren haben sich im Lauf der Zeit eine Reihe von Nebenindustrien entwickelt. Input-Lieferanten beliefern Landwirte mit Betriebsmitteln wie Maschinen, Saatgut oder Dunger. Erstabnehmer (First-Line Handlers) sammeln und aggregieren die Rohstoffe der Landwirte. Oft werden in diesem Sektor auch erste VerarbeitungsmaBnahmen durchgefuhrt (waschen, schneiden). Abfallprodukte dieses Sektors werden haufig industriell oder als Tiernahrung genutzt. Andere Nebenindustrien sind Logistikdienstleister, die die Lagerung und den Transport der Nahrungsmittel ubernehmen. Auf Ebene des Einzelhandels gibt es noch mehrere Akteure, die die Nahrungsmittel an den Konsumenten verkaufen. Dazu zahlen Nahrungsmittelbanken, Nahrungsmitteleinrichtungen und der Gastronomiebereich (IOM und NRC 2015, S. 32-34). In der Praxis ist eine Food Supply Chain bzw. ein Netzwerk weitaus komplexer. Aufgrund der hohen Produktvielfalt gibt es eine Vielfalt unterschiedlicher Ausgangsprodukte, VerarbeitungsmaBnahmen und Dienstleistungen. Dementsprechend gibt es eine Vielzahl und Vielfalt unterschiedlicher Akteure mit unterschiedlichen Aufgabengebieten.

Besonderheiten von Food Supply Chains

Nahrungsmittel und die Nahrungsmittelproduktion zeichnen sich durch spezielle Eigenschaften aus. Eine wesentliche Eigenschaft von Lebensmitteln liegt in der beschrankten Haltbarkeit der Waren. Diese hat Einfluss auf die Gestaltung und Prozesse der gesamte Supply Chain (Donselaar et al. 2006, S. 464-465). Zeit spielt in der Nahrungsmittelproduktion eine wichtige Rolle. Um moglichst viel Abfall zu vermeiden, muss gewahrleistet sein, dass die Ware in perfektem Zustand beim Endkonsumenten ankommt (Kaipia et al. 2013, S. 263). Auch die Produktion von Nahrungsmitteln nimmt in der Regel langere Zeitperioden in Anspruch. Aufgrund der langen Reife- und Produktionszeiten und der saisonalen Einschrankungen kann auf Nachfrageanderungen weniger flexibel reagiert werden. Des Weiteren gilt zu beachten, dass die Qualitat und Quantitat in der landwirtschaftlichen Produktion von Lebensmitteln gewissen Schwankungen unterliegt. Man kann vorab nicht genau bestimmen, wie gut die Ernte von Feldfruchten oder Aufzucht von Vieh ausfallen wird (FAO 2007, S. 30). Wetterextreme konnen immer wieder zu ErnteeinbuBen fuhren, wie das Fruhjahr 2016 in Ostosterreich gezeigt hat (Kurier 2016, URL). Bei Nahrungsmitteln handelt es sich um sensible Produkte. Dies bedeutet, dass externe Einflusse wie Temperaturschwankungen und Mikroorganismen die Qualitat und Sicherheit der Nahrungsmittel negativ beeinflussen konnen (FAO 2011, S. 11). Diese Besonderheiten in der Nahrungsmittelproduktion und den Produkten mussen bei der Gestaltung von Prozessen in einer Food Supply Chain berucksichtigt werden. Aufgrund der Unsicherheiten in der Produktion von Lebensmitteln wird dem Planungsprozess und Informationsaustausch (z.B. Qualitatseigenschaften) eine wesentliche Bedeutung zugeschrieben. Auch mussen die Prozesse in der Weiterverarbeitung von Lebensmitteln flexibel sein, um auf Anderungen in der Qualitat und Quantitat der Rohprodukte reagieren zu konnen (FAO 2007, S. 30). Die Produkte mussen uber die gesamte Supply Chain vor Beschadigung durch externe Faktoren geschutzt werden, wodurch eine adaquate Lagerung (Kuhlung) und Verpackung notwendig ist (FAO 2011, S. 11). Wichtige Aspekte des Food Supply Chain Management, die sie von anderen Supply Chains unterscheiden sind die Nahrungsmittelsicherheit, die Nahrungsmittelqualitat und die Ruckverfolgbarkeit der Nahrungsmittel. In der Nahrungsmittelindustrie muss eine Reihe von gesetzlichen Regulationen und spezifischen Standards eingehalten werden (Fraunhofer 2017, URL). Ein weiterer wichtiger Aspekt in Food Supply Chains ist die Lebensmittelsicherheit und Lebensmittelkontrolle (Fraunhofer 2017, URL). Darunter versteht man, dass Lebensmittel fur den Verzehr sicher sind und gesundheitsschadliche bzw. fur den Verzehr untaugliche Lebensmittel nicht an den

Konsumenten verkauft werden. Auf EU-Ebene wird die Lebensmittelsicherheit durch die Verordnung (EG) Nr. 178/2002 geregelt (WKO 2017, URL). Um potentielle Gefahren der Lebensmittelsicherheit zu erkennen, muss die Ruckverfolgbarkeit von Lebensmitteln gewahrleistet sein. Dazu mussen die Lebensmittel mit Mitteln einer Sendungsverfolgung ausgestattet sein (FAO 2007, S. 30). Die Ruckverfolgbarkeit muss durch alle Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsstufen garantiert sein. Ein weiteres wichtiges Prinzip das rechtlich durch die Verordnung (EG) Nr. 178/2002 geregelt ist, ist das Vorsorgeprinzip. Wenn ein Risiko festgestellt wird aber die wissenschaftlichen Daten noch keine ausreichende Bewertung des Risikos zulassen konnen auf der Grundlage des Vorsorgeprinzips zur Sicherung des Gesundheitsschutzes vorlaufige RisikomaBnahmen getroffen werden (WKO 2017, URL). Ein wesentlicher Teil der Arbeit befasst sich mit der Theorie und Nachhaltigkeit unterschiedlicher Nahrungsmittelsysteme. In dieser Arbeit wird unter dem Begriff konventionelle Food Supply Chain, das „moderne“ Lebensmittelsystem verstanden. Attribute dieses Systems sind der globale Handel mit Lebensmitteln und liberalisierte Markte (Watts et al. 2005, S. 23).

2.2 Moderne Nahrungsmittelsysteme und das 3-Saulen Modell

2.2.1 Theoretische Grundlagen

2.2.1.1 Nachhaltigkeit

Der Begriff Nachhaltigkeit wurde erstmals 1713 von Hans Carl Carlowitz in seinem Werk „Silvicultura oeconomica“ erwahnt. In seinem Werk beschreibt er forstwirtschaftliche Handlungsempfehlungen fur die Waldwirtschaft. Da Holz eine gewisse Zeitspanne benotigt um genutzt werden zu konnen, sollte damit der langfristige Ertrag der Holzwirtschaft sichergestellt sein. GemaB seinem Werk soll nur jeweils so viel Holz geschlagen werden als in derselben Zeit wieder aufgeforstet werden kann. (Grober 2013, S. 49). Im Jahr 1972 veroffentlichte der Club of Rome mit dem Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ eine Studie uber die Entwicklung der Okonomie, Okologie und Gesellschaft. Bis dahin ging man in den Wirtschaftsmodellen von einem kontinuierlichen Wachstum der Wirtschaft aus (Hauff und Kleine 2005, S. 4). Der Bericht schlussfolgert, dass die absolute Wachstumsgrenze auf der Erde innerhalb der nachsten einhundert Jahre erreicht wird, wenn die gegenwartigen Entwicklungen in Bezug auf Bevolkerungswachstum, Industrialisierung, Umweltverschmutzung, Nahrungsmittelproduktion und Abbau von naturlichen Rohstoffen beibehalten werden (Heck 1987, S. 17). Die Ergebnisse des Berichtes fuhrten zu offentlichen Reaktionen, mit teils kontroversen Standpunkten. So formulierten Vertreter der neoklassischen Okonomie, dass das Ziel nachhaltigen Wachstums alleinig darauf ausgerichtet sein sollte, naturliche Ressourcen durch technischen Fortschritt effizienter einzusetzen (Hauff und Kleine 2005, S. 4).Bereits Mitte der 80er Jahre werden die Vereinbarkeit von Okologie, Okonomie und sozialen Aspekten bei technologischen Entwicklungen und deren Auswirkungen gefordert (Dierkes 1985, S. 41-42). Aus dem Bericht der Brundtland- Kommission von 1987 stammt die heute am weitesten verbreitete Definition zum Begriff der nachhaltigen Entwicklung: „Sustainable development is development which meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs“ (Brundtland-Bericht 1987, S. 41). Demnach ist eine Entwicklung nachhaltig, wenn sie die Bedurfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne dabei das Potential zur Bedurfnisbefriedigung zukunftiger Generationen zu schmalern.

Damit eine Gesellschaft nachhaltig ist, mussen drei Kriterien erfullt sein:

- die Nutzung erneuerbarer Ressourcen darf deren Regenerationsfahigkeit nicht ubersteigen
- die Nutzung nicht-erneuerbarer Ressourcen darf nicht in dem AusmaB erfolgen, als dass diese nicht rechtzeitig durch nachhaltige erneuerbare Ersatzstoffe ersetzt werden konnen
- die Verschmutzung durch Emissionen darf die Kompensationsfahigkeit der Umwelt nicht uberschreiten (Alhaddi 2015, S. 7).

Nach der Weltkonferenz von 1992 (UN Generalversammlung) hat man im Kontext der Nachhaltigkeit weitgehend drei Dimensionen verstanden. Dazu zahlen die okologische, soziale und okonomische Dimension (Hauff und Kleine 2005, S. 4). Obwohl die okonomischen Indikatoren in der Praxis haufig im Vordergrund stehen, wird wirtschaftlicher Erfolg ohne die Einbindung der Interessen anderer Stakeholder langfristig nicht moglich sein (Onyali 2014, S. 195-196).

2.2.1.2 Biokapazitat und der okologische Fufiabdruck

Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen der Leistungsfahigkeit der Nahrungsmittelproduktion und dem „gesundheitlichen“ Zustand des Okosystems, in welchem dieses integriert ist. Funktionierende Okosysteme steigern und erweitern die Widerstandsfahigkeit der landwirtschaftlichen Produktivitat. Zu den Faktoren, welche fur Ertrage im landwirtschaftlichen Bereich entscheidend sind, zahlen Bodenfruchtbarkeit, Wasserverfugbarkeit, Klima- und Wetterbedingungen, Insekten fur die Bestaubung und Pflanzen- bzw. Tierkrankheiten (IAASTDa 2009, S. 34). Unter Biokapazitat versteht man die Fahigkeit von Flachen, fur den Menschen biologisch nutzbringendes Material zu produzieren und von ihm produzierten Abfall aufzunehmen. Bioproduktive Flachen sind Land- und Wasserflachen, wenn sie durch die Produktion von Biomasse fur den Menschen nutzbar sind (Plattform Footprint Deutschland 2017, URL). Die MaBeinheit „Global Hektar“ spiegelt die Biokapazitat und den okologischen FuBabdruck wider. Fur die Berechnung dienen bioproduktive Flachen (in Hektar ausgedruckt), ein Produktivitatsfaktor und der Erntefaktor. Der Produktivitatsfaktor gibt die Produktivitat unterschiedlicher bioproduktiver Flachen (Ackerland, Weideland) an. Der Erntefaktor berucksichtigt regionale Unterschiede der Produktivitat. Ein Hektar Ackerland in Deutschland ist aufgrund klimatischer Bedingungen ertragreicher, als ein Hektar Ackerland in den Savannenregionen Afrikas (Plattform Footprint Deutschland 2017, URL). Der Bedarf an bioaktiver Flache ist abhangig von der Population, dem Konsum pro Person und der Ressourcen- und Abfallintensitat. (Plattform Footprint Deutschland 2017, URL). Um das Thema aus einem erweiterten Kontext zu betrachten soll an dieser Stelle die aktuelle Lage unseres Planeten dargestellt werden und welchen Einfluss die Landwirtschaft und unsere Nahrungsmittelsysteme auf die Biokapazitat der Erde haben. Wie bereits erwahnt, sind gesunde Okosysteme wesentlich fur die Produktion von Lebensmitteln. Produktions- und Wirtschaftsweisen die einen negativen Einfluss auf diese Okosysteme haben, konnen langfristig dazu fuhren, dass die Biokapazitat des Planeten abnimmt.

Im Jahr 2007 betrug der Bedarf an bioaktiver Flache der gesamten Menschheit rund 18 Milliarden Globale Hektar. Mit der damaligen Population von 6,7 Milliarden Menschen ergibt sich ein durchschnittlicher okologischer FuBabdruck von 2,7 Globale Hektar pro Mensch (Ewing 2010, S. 18). Die Erde verfugt jedoch „nur“ uber 11,9 Milliarden Globale Hektar, bzw. 1,8 Globale Hektar pro Mensch. Daraus ergibt sich, dass der Bedarf an bioproduktiven Flachen das Angebot um ca. 50% ubersteigt. Dies bedeutet, dass die aktuelle Lebens- und Wirtschaftsweise durch die Begrenzung des Planeten, biologisch nutzbringendes Material und produzierten Abfall aufzunehmen, langfristig nicht gewahrleistet ist. Die Uberschreitung der Biokapazitat hat zur Folge, dass naturliche Okosysteme beeintrachtigt werden und die Verfugbarkeit naturlicher Ressourcen abnimmt, da sie sich nicht im selben AusmaB regenerieren konnen, als sie abgebaut werden (Ewing 2010, S. 18). Der Bedarf und das Angebot an Biokapazitat unterscheiden sich stark in jeweiligen Regionen und Landern. Viele Lander verbrauchen mehr Biokapazitat als ihnen regional zur Verfugung steht. So steuert Asien aufgrund der hohen Bevolkerungsanzahl den hochsten FuBabdruck aller Regionen bei. Gemessen am pro Kopf FuBabdruck, liegt diese Region jedoch unter dem Durchschnitt. Nordamerika, Europa und die Arabischen Emirate uberschreiten ihren regionalen FuBabdruck.

Um ihren Bedarf an Ressourcen und Abfallkompensation zu decken, greifen diese Regionen auf die Biokapazitat anderer Regionen zuruck (Ewing 2010, S. 39). Sowohl die Konsumgewohnheiten der Bevolkerung in einigen Regionen der Welt, als auch die Produktionsweise von Gutern und Produkten haben einen erheblichen Einfluss auf die Umweltbelastung.

2.2.1.3 Das 3-Saulen Modell

1994 wurde von John Elkington fur das Konzept der drei Nachhaltigkeitsdimensionen der Begriff Triple-Bottom-Line (deutsch: 3-Saulen Modell) eingefuhrt. Das 3-Saulen Modell soll die Bewertung fur die Nachhaltigkeit von zukunftigen Entwicklungen ermoglichen. Bei diesem Bewertungsverfahren werden zur Entscheidungsfindung, neben den traditionellen wirtschaftlichen Kennzahlen, auch soziale und okologische Komponenten hinzugezogen. Unternehmen, Non-Profit-Organisationen sowie Regierungsparteien zeigen mittlerweile groBes Interesse am Konzept der Triple-Bottom-Line (Slaper und Hall 2011, S. 4). Das 3- Saulen Modell ermoglicht es, Organisationsaktivitaten hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit zu beurteilen (Savitz und Weber 2006, S. 8) und gibt Auskunft uber die wirtschaftlichen, okologischen und sozialen Ergebnisse der Geschaftstatigkeit (Willers 2016, S. 7). Ein wesentlicher Punkt im 3-Saulen Modell ist der Stakeholder-Ansatz. Um nachhaltig zu wirtschaften muss eine Organisation nicht nur die Interessen der Anteilseigner berucksichtigen, sondern auch jene anderer Interessensgruppen (Mitarbeiter, Tierschutzorganisationen, Kunden) (Bahadur und Waqqas 2013, S. 94).

Die okonomische Dimension beschreibt im Grunde die Fahigkeit des Unternehmens wirtschaftlich leistungsfahig zu sein und zu bleiben. Das Unternehmen sollte in der Lage sein, Potentiale zu nutzen und sie in Wettbewerbsvorteile umzusetzen (Willers 2016, S. 7). In der nachhaltigen Unternehmensfuhrung kann die okonomische Dimension als langfristige Rentabilitat, Wirtschaftlichkeit bzw. Wettbewerbsfahigkeit verstanden werden. (Buerke 2016, S. 47). Der okonomische Gewinn im 3-Saulen Modell kann jedoch nicht mit dem Gewinn der Unternehmensrechnung gleichgesetzt werden. Unter Gewinn wird nicht nur der interne Unternehmensgewinn, sondern auch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Organisation auf die okonomische Umwelt verstanden. Demnach mussen neben dem innerbetrieblichen Profit auch die positiven externen Effekte der Unternehmenstatigkeit beachtet werden (Onyali 2014, S. 197). Im Rahmen des 3-Saulen Modells tragt die Okonomie zur Nachhaltigkeit bei indem sie die Versorgung zukunftiger Generationen sicherstellt (Alhaddi 2015, S. 8).

Die okologische Dimension zielt auf die Schonung der Umwelt sowie den Erhalt der naturlichen Ressourcen ab (Buerke 2016, S. 47). Die Belastung der Umwelt durch Unternehmensaktivitaten soll systematisch verringert werden. Des Weiteren wird eine Wirtschaftsweise gefordert, welche nur so viel an naturlichen Ressourcen beansprucht, als sich durch die naturliche Regenerationsfahigkeit kompensieren konnen (Willers 2016, S. 7). Praktiken, welche die Okologie stark schadigen, wie beispielsweise die Uberfischung der Meere, sollten von Unternehmen gemaB des 3-Saulen Modells nicht angewendet werden. Oft wird argumentiert, dass umweltfreundliche Praktiken eine zusatzliche finanzielle Belastung fur Unternehmen darstellen. Langzeitstudien zeigen, dass diese Behauptungen nicht haltbar sind. In manchen Fallen fuhren umweltfreundliche Verfahrensweisen langfristig zu hoherem Profit (Onyali 2014, S. 197).

In der sozialen Dimension werden die Beziehungen zu allen Interessensgruppen (Mitarbeitern, Lieferanten, Kunden, etc.) berucksichtigt und beschreiben die soziale Vertraglichkeit der Unternehmensaktivitaten (Willers 2016, S. 7). Ihr liegt das Leitprinzip der sozialen Gerechtigkeit zugrunde (Buerke 2016, S. 47). Eine Quantifizierung dieser Dimension ist oft schwierig und subjektiv (Onyali 2014, s. 197). In diesen Teilbereich fallen faire und forderliche Unternehmenspraktiken in Bezug auf Beschaftigung, Humankapital und Gemeinschaft. Beispiele hierfur sind faire Entlohnung und Gesundheitsfursorge (Alhaddi 2015, S. 8). In der Literatur finden sich unterschiedliche Darstellungsformen des 3-Saulen Modells. Hier wird das Kreismodell zugrunde gelegt.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 3: Schematische Darstellung des 3-Saulen Modells Quelle: in Anlehnung an Kashem und Hafiz 2006, S. 2.

Die Dimensionen und deren einzelne Elemente beeinflussen sich gegenseitig und erzeugen ein komplexes Spannungsfeld. Die Wechselwirkungen zwischen den Elementen konnen harmonisch, neutral oder konfligierend sein (Hauff und Kleine 2005, S. 11). Eine harmonische Beziehung ist durch wechselseitige Verstarkung gekennzeichnet, wahrend konfligierende Beziehungen sich gegenseitig ausschlieBen bzw. behindern (Hauff und Kleine 2005, S. 18). Das 3-Saulen Modell fuhrt dazu, das Unternehmen sich mit Sozial- und Umweltaspekten beschaftigen mussen und so in der Lage sind, ihr Wirken als Ganzes zu begreifen (Onyali 2014, S. 196).

2.2.2 Moderne Nahrungsmittelsysteme unter dem Aspekt des 3-Saulen Modells

In diesem Unterkapitel werden die wirtschaftlichen, sozialen und okologischen Auswirkungen moderner Nahrungsmittelsysteme behandelt. Unter dem Begriff Nahrungsmittelsystem wird in diesem Kontext ein weit verzweigtes, komplexes landwirtschaftliches Produktionssystem verstanden, welches alle Beteiligten des vertikalen Nahrungsmittelsystems (vom Rohstofflieferanten bis zum Endverbraucher) einschlieBt (Springer Gabler Verlag 2017, URL). Moderne landwirtschaftliche Methoden werden unter dem Begriff konventionelle Landwirtschaft zusammengefasst. Dazu zahlen die GroBflachenwirtschaft mit Monokulturen, dichte Fruchtfolgen, Einsatz von Chemikalien zur Ertragssteigerung und Schadlingsbekampfung (Springer Gabler Verlag 2017, URL).

2.2.2.1 Moderne Nahrungsmittelsysteme und die okonomische Dimension

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die traditionelle Landwirtschaft von einer industriell- chemischen Landwirtschaft abgelost. (Scrinis 2007, S. 113). Dieses System sollte auf einfache und gunstige Weise eine groBe Anzahl von Menschen ernahren (IUFN 2017, URL).

Konsumenten der Nachkriegszeit hatten das Bedurfnis nach leistbaren und fur den Verzehr, sicheren Lebensmitteln. In den letzten 40 Jahren hat sich der Anteil fur Ausgaben fur essentielle Guter (Nahrungsmittel, Kleidung, Energie) halbiert. Ein ahnlicher Trend lasst sich in allen OECD Landern nachweisen (IAASTDb 2009, S. 61). Nahrungsmittelsysteme werden von einer Reihe von industriellen, technologischen, wirtschaftlichen, sozialen und politischen Faktoren beeinflusst. Diese Faktoren wirken sich auf die Nahrungsmittelsicherheit und - verfugbarkeit aus (Dani 2015, S. 8-9).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 4: Realpreisentwicklung der Nicht-Energie-Warengruppen 1900-2007 Quelle: The World Bank 2009,

Abbildung 4 zeigt die Veranderungen der Realpreise der Warengruppen Agrarprodukte und Metall im Zeitraum zwischen 1900 und 2007. Wie aus der Abbildung ersichtlich ist, konnen Nahrungsmittelpreise stark auf politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Veranderungen reagieren. Grundsatzlich lasst sich ein abnehmender Trend der Realpreise in beiden Warengruppen feststellen. Auffallend sind die vier Preisspitzen, die sich auf globale Ereignisse wie Kriege, Energie- und Finanzkrisen zuruckfuhren lassen.

Wesentliche wirtschaftliche Entwicklungen wie Produktivitatssteigerung, Mechanisierung und Marktkonzentration und deren Auswirkungen sollen im nachsten Kapitel aufgearbeitet werden.

Produktivitatssteigerung

Die Produktivitatssteigerung in der Landwirtschaft ist zu einem groBen Teil auf den verstarkten Einsatz von Inputfaktoren wie Dunger und Pestiziden, den vermehrten Technologieeinsatz (Tilman et al. 2002, 671), sowie hohere Arbeitsqualitat und verstarkten Kapitaleinsatz zuruckzufuhren (IOM und NRC 2015, S. 168).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 5: Getreideproduktion und Anbauflache weltweit, 1961-2014 Quelle: eigene Darstellung, Daten von FAO (2017)

Abbildung 5 zeigt die Veranderung der Produktionsmengen von Getreide (Weizen, Reis, Hafer, Hirse, Sorghum, Mais, Roggen und Gerste) und der dafur genutzten landwirtschaftlichen Flachen zwischen 1961 und 2014. Wie aus der Abbildung entnommen werden kann, konnte der Getreideertrag um mehr als das 3-fache gesteigert werden und dies bei nahezu gleichbleibender Anbauflache. Dies weist auf eine Effizienzsteigerung in den landwirtschaftlichen Methoden hin. Die hoheren Ertrage sind vor allem das Resultat verbesserter Bewasserung und des Einsatzes von Dungemitteln und Pestiziden.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 6: Fleischproduktion weltweit in den Jahren 1961 bis 2016 (in Millionen Tonnen)

Quelle: in Anlehnung an Statista GmbH 2017, URL.

Abbildung 6 zeigt die Entwicklung der Fleischproduktion zwischen den Jahren 1961 und 2016 (2016 stellt eine Prognose dar). Aus der Abbildung ist ersichtlich, dass sich die Fleischproduktion in diesem Zeitraum mehr als vervierfacht hat. Grunde hierfur sind intensivere landwirtschaftliche Zuchtungsmethoden. Vor allem in den USA hat sich die Fleischproduktion zu einer industriellen Massentierhaltung entwickelt. Mehrere Tausend Rinder, Schweine oder Huhner werden in einer einzigen Einrichtung gehalten. Diese Betriebe sind aufgrund ihrer GroBe durch Produktionseffizienz wettbewerbsfahiger als kleinere Betriebe. Fleisch ist ein sehr ressourcenintensives Lebensmittel. Im Schnitt wird fur die Produktion von 1 kg Fleisch zwischen 3 und 10 kg Getreide benotigt (Tilman et al. 2002, S. 674). Wie bereits erwahnt lassen sich Effizienzsteigerungen im Anbau von Getreide auf verstarkten Dunge- und Pestizideinsatz sowie verbesserte Bewasserungsmethoden zuruckfuhren. Der Einsatz von Methoden zur Effizienzsteigerungen haben in den letzten 50 Jahren stark zugenommen (IAASTDa 2009, S. 7). Die daraus resultierenden hohen Ernteertrage ermoglichte die Ernahrung einer standig wachsenden Weltbevolkerung (Tilman et al. 2002, S. 673). Die Nutzung von Dungemitteln zur Produktivitatssteigerung hat jedoch auch ihre Grenzen. Es konnte nachgewiesen werden, dass die Effizienz des Dungemittels Nitrogen (Stickstoff) mit jeder zusatzlichen Mengeneinheit abnimmt. Boden konnen nur eine bestimmte Menge von Dungemitteln aufnehmen ehe sie gesattigt sind. Der Nutzen durch verstarkten Dungemitteleinsatz ist demnach begrenzt (Tilman et al. 2002, S. 673). Betriebe der konventionellen Landwirtschaft zeichnen sich durch eine betriebliche und kaufmannische Fuhrung aus. Der globale Handel mit Lebensmitteln und der starkere Wettbewerb erfordern eine kapitalintensive, auf Kostenreduktion und Wachstum ausgerichtete Lebensmittelproduktion. Um die Effizienz zu steigern mussen intensive und spezialisierte Formen der Landwirtschaft angewendet werden (Scrinis 2007, S. 113-114). Die Marktverhaltnisse erfordern von den Unternehmen Spezialisierung, Innovation und Nutzung von Skaleneffekten (Gerber 2007, S.1). Der Wettbewerbsdruck innerhalb des Nahrungsmittelsystems fuhrt zur Kommerzialisierung der Landwirtschaft. Dies hat zur Folge, dass sich die DurchschnittsgroBe landwirtschaftlicher Betriebe erhoht, um auf diese Weise die Produktivitat zu steigern. Auch der Einsatz von Betriebsmitteln wie Dunger und Pestizide wird immer wichtiger. Ohne Effizienzsteigerung konnen die Landwirte am Markt nicht uberleben. Die Anderung von der traditionellen hin zur industriellen Landwirtschaft hat Auswirkungen auf das soziale Gefuge und die Stabilitat landlicher Gemeinden (Tisdell 1999, S. 13-14). In Europa lasst sich der Trend erkennen, dass die absolute Anzahl der Landwirtschaften abnimmt, die durchschnittliche flachenmaBige GroBe jedoch zunimmt. In Deutschland hat in den letzten 50 Jahren die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe die groBer als zwei Hektar sind von uber eine Million auf ca. 400 Tausend abgenommen. Fur kleinere Betriebe war der Ruckgang noch groBer. Im gleichen Zeitraum nahm die gesamte landwirtschaftliche Flache nur um 1,2 Millionen Hektar, von 12,8 Mio. auf 11,4 Mio. ab (IAASTDb 2009, S. 29). Mit der Industrialisierung der Landwirtschaft verschwinden zunehmend kleinere Familienbetriebe (GRACE 2017, URL). Die Strukturveranderungen und Veranderungen der Arbeitsmethoden durch Technologieeinsatz haben dazu gefuhrt, dass in der Landwirtschaft weniger Arbeitskrafte benotigt werden (IAASTDb 2009, S. 29). Der Ruckgang der Beschaftigungszahlen hatte einen direkten Einfluss auf Gemeinden. Gemeindedienstleistungen wie Schulen, medizinische Einrichtungen und Transportdienstleistungen konnen nicht mehr auf wirtschaftliche Weise ausgefuhrt werden (IAASTDb 2009, S. 97-98). In Frankreich haben sich die Beschaftigungszahlen im Zeitraum zwischen 1977 bis 1997 von 8% auf 4% der erwerbstatigen Bevolkerung halbiert. Der Beschaftigungsruckgang durch die Produktivitatssteigerung und vermehrten Technologieeinsatz ist in Landern Sudeuropas starker ausgepragt, da traditionelle Landwirtschaftsmethoden dieser Regionen eine hohere Arbeitsintensitat aufweisen (IAASTDb 2009, S. 29). Der Einsatz von Technologie hatte auch Einfluss auf die Verarbeitung und Distribution der Lebensmittel. Sie hat dazu gefuhrt, dass die Produktion anonym und billig ist und die Produkte mehrfach verarbeitet und verpackt zum Konsumenten gelangen. An dieser Stelle mochte ich etwas vorgreifen, denn diese Loslosung bzw. Entkoppelung von Produzent, Konsument und Produkt ist ein wesentlicher Faktor fur die Entstehung alternativer Nahrungsmittelsysteme. Denn sie hat einen Markt fur Lebensmittel mit hoherer Qualitat entstehen lassen. (IAASTDb 2009, S. 93). Durch hohere Ertrage in der Landwirtschaft kommt es zu einem Angebotsuberschuss. Dies fuhrt dazu, dass die Angebotspreise fur Rohprodukte fallen. Nachfolgende Abbildung zeigt die Veranderung der Realstoffpreise fur die Rohstoffe Baumwolle, Mais, Weizen, Rindfleisch und Milch in den USA im Zeitraum 1966 bis 2002.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb. 7: Veranderung der Rohstoffpreise in den USA; 1966 bis 2002 Quelle: in Anlehnung an IAASTDb 2009,

Aus Abbildung 13 ist ein kontinuierlicher Trend sinkender Rohstoffpreise der letzten Jahrzehnte ersichtlich. Um wettbewerbsfahig zu bleiben, mussen Landwirte entweder standig in die neusten und besten technologischen Entwicklungen investieren oder einen Nischenmarkt finden (IAASTDb 2009, S. 92).

Um den Preisverfall fur die Rohprodukte abzuschwachen, wird der landwirtschaftliche Sektor der Industrienationen (vor allem Europa und USA) durch finanzielle Hilfen von politischer Seite gestutzt. Niedrige Lebensmittelpreise haben jedoch weltweite Auswirkungen. Nicht geschutzte Markte haben die volle Wirkung sinkender Nahrungsmittelpreise zu spuren bekommen (IAASTDb 2009, S. 93). Konsumenten armerer Regionen profitieren von niedrigen Lebensmittelpreisen. Langfristig schwachen billige Nahrungsmittelimporte die

Entwicklung einer eigenstandigen Landwirtschaft in diesen Regionen und konnen zu verminderten Investitionen in diesen Sektor fuhren. Die Volatilitat der Importpreise kann zu unerwarteten und nicht leistbaren Handelsdefiziten fuhren (IAASTDb 2009, S. 93). Exportsubventionen sind stets ein wichtiges Thema bei Verhandlungen von internationalen Handelsabkommen. Die Auswirkungen von Handelsliberalisierung auf die Nachhaltigkeit und das okonomische Wohlergehen ist Thema zahlreicher Studien. Die Ergebnisse hangen oft von der Auswahl der Daten und Messverfahren ab. Die gesamtwirtschaftlichen Vorteile, die durch freien Handel und Auslandsinvestitionen gemacht werden, wirken sich nicht auf alle Lander und alle sozio-okonomischen Gruppen positiv aus. In vielen Fallen konnen die Auswirkungen der Liberalisierung auf soziale und okologische Bereiche negativ sein, besonders wenn die staatlichen SchutzmaBnahmen unzureichend wirksam sind (IAASTDb 2009, S. 98-99). Ein gutes Beispiel, dass sich Handelsliberalisierung in Kombination mit Marktdynamik und dem Verhalten der Marktteilnehmer auch negativ auf groBe Teile von Bevolkerungskrisen auswirkt, zeigt die Tortilla-Krise in Mexiko aus dem Jahr 2007 (WeltN24 GmbH 2017, URL). Der Einfluss von freiem Handel auf Entwicklungs- und Schwellenlander kann nicht pauschal mit positiv bzw. negativ beurteilt werden, sondern hangt von den jeweiligen sozio- okonomischen Strukturen und politischen Bedingungen ab (IAASTDb 2009, S. 99).

Marktkonzentration

Die Spezialisierungen in der Food Supply Chain in Nordamerika und Europa haben dazu gefuhrt, dass sich die Marktstruktur von Input- und Outputgutern verandert hat (IAASTDb 2009, S. 34). Durch die Entwicklung neuer Technologien haben sich auch neue Industrien entwickelt (Johannsen und Armitage 2010, S. 45). Die Branche der Inputguter stellt Produkte und Dienstleistungen fur den Landwirtschafts- und Verarbeitungssektor bereit (Scrinis 2007, S. 114). Unternehmen dieser Branche sind in der Regel global agierende Konzerne, die eine starke Position innerhalb der Supply Chain innehaben (Dani 2015, S. 3). Sie konnen auf nationalen und internationalen Ebenen agieren und haben in vielen Bereichen des Inputmarktes eine Oligopolstellung eingenommen (Scrinis 2007, S. 116). Ein GroBteil der Markt- und Entscheidungsmacht liegt bei diesen transnationalen Konzernen. Ein Vorteil dieser Entwicklung ist die hohe Effizienzsteigerung am Markt. Jedoch fuhrt dies auch zu einer starkeren Marktausgrenzung von Landwirten und negativen Auswirkungen auf regionaler Ebene (IAASTDb 2009, S. 34). Durch die internationale Beschaffung von Betriebsmitteln (Dunger, Maschinen) profitiert die Region, in der der Betrieb angesiedelt ist wenig von dessen Wirtschaftstatigkeit (GRACE 2017, URL). Im Jahr 2007 haben in den USA nur vier Unternehmen rund ein Drittel des Marktes fur Saatgut kontrolliert. Fur Landwirte bedeutet dies, dass sie weniger Optionen fur den Kauf von Saatgut haben und gegebenenfalls hohere Preise akzeptieren mussen (GRACE 2017, URL). In nahezu allen Stufen des Nahrungsmittelsystems lasst sich ein Trend zur horizontalen Integration beobachten. Dies fuhrt zu einer Verringerung des Wettbewerbs am Markt und zu einer Schwachung der Verhandlungsposition von Landwirten sowohl gegenuber Abnehmern als auch auf Zulieferern. In Europa hat ein Unternehmen der Dungemittelbranche einen Marktanteil von 25% (IAASTDb 2009, S. 34). Durch die beschrankte Anzahl von Zulieferern und Abnehmern sehen sich Landwirte einem erhohten Preisdruck ausgesetzt (Scrinis 2007, S. 116). Auch die vertikale Integration, in der Unternehmen als Zulieferer und Abnehmer auftreten, hat in der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg zugenommen (IAASTDa 2009, S. 36). Die gleichzeitige Kontrolle von mehreren Stufen einer Food Supply Chain durch einen einzelnen bzw. eine Gruppe von Konzernen kann die Wettbewerbsfahigkeit von Landwirten reduzieren (IAASTDa 2009, S. 226). Ein weiteres Problem bei hoher Markkonzentration ist die abnehmende Transparenz (IOM und NRC 2015, S. 173).

Im Einzelhandelssektor gibt es einen starken Trend in Richtung groBer Einzelhandelsketten. Italien galt fur lange Zeit als einziges europaisches Land, in dem keine hohe Marktkonzentration im Einzelhandelssektor zu finden war. Mit dem Unternehmen „Coop Italien“ und einem Marktanteil von 12,5% lasst sich auch hier ein Trend Richtung Marktkonzentration beobachten. Die international Ausrichtung erlaubt es Einzelhandlern unterschiedliche Distributionskanale nationalubergreifend fur die Beschaffung zu nutzen (Dani 2015, S. 5). Einzelhandler konnen durch ihre Marktposition auch Ertrage auf Lieferantenseite generieren. Um das Produkt moglichst gut in den Regalen platzieren zu konnen, werden von den Herstellerunternehmen Rabatte und Diskonte gewahrt. Durch diese Methoden kann ein groBer Einzelhandler bis zu 10% seines Einkommens auf Lieferantenseite erzeugen. Auch durch die Bildung von Einkaufsgemeinschaften mehrerer Einzelhandler kann die Kaufkraft gesteigert und der Preisdruck auf Lieferantenseite erhoht werden (IAASTDb 2009, S. 61-62). Viele Landwirte verkaufen ihre Waren direkt an den Verarbeitungs- oder Einzelhandelssektor und arbeiten auf Basis von Kontrakten. Um der Dominanz der Konzerne zu begegnen und ihre Kauf- und Verkaufskraft zu erhohen schlieBen sich Landwirte haufig zu Genossenschaften zusammen. In einigen Landern Nordeuropas kommen Molkereigenossenschaften groBe Bedeutung zu, da sie einen hohen Marktanteil haben. Viele Landwirte versuchen auch durch Nebenaktivitaten wie Direktvermarktung, Agrotourismus und Freizeitaktivitaten ihr Einkommen zu stabilisieren (IAASTDb 2009, S. 94-97).

Im Agrarsektor wird mittlerweile ein betrachtlicher Anteil der Einnahmen durch Patente erzielt. Durch die Patentierung einer neuen Sorte kann das Unternehmen die Regeln fur deren Verwendung und die Hohe des Preises festlegen. Die Auswirkungen von gentechnisch modifizierten Organismen auf die Gesundheit sind aufgrund fehlender Langzeitstudien noch wenig erforscht. Studien, welche die wirtschaftlichen Vorteile der Landwirtschaft von gentechnisch modifizierten Organismen untersuchen, kommen zu gemischten Ergebnissen (GRACE 2017, URL).

Wie bereits erwahnt, sind Handelsliberalisierung und Globalisierungsbestrebungen nicht immer fur alle Lander und Personengruppen von Vorteil. Im Zuge der Globalisierung muss besonders die Lebensmittelqualitat und -sicherheit Beachtung finden (Berghofer et al. 2016, S. 18). Fruher waren Staaten bestrebt, die Lebensmittelsicherheit fur ihre Bevolkerung durch Selbstversorgung zu erreichen. Im Globalisierungszeitalter herrscht der Standpunkt vor, dass sich die Lander auf jene Produkte spezialisieren sollen, die sie am besten herstellen konnen um andere Lander mitzuversorgen. Durch diese Arbeitsteilung sind sehr groBe Effizienzsteigerungen moglich. Jedoch darf nicht vergessen werden, dass dadurch auch negative Effekte, wie Monokulturen, Abnahme der Sortenvielfalt landwirtschaftlicher Rohprodukte und steigende Transportaufkommen, entstehen konnen (Berghofer et al. 2016, S. 18).

2.2.2.2 Moderne Nahrungsmittelsysteme und die okologische Dimension

Den groBten Einfluss auf die Umwelt hat der Produktionssektor. Dies liegt darin begrundet, da er direkt mit dem biologischen Okosystem zusammenhangt. Andere Food Supply Chain Tatigkeiten spielen naturlich auch eine Rolle, nehmen aber im Vergleich einen eher geringeren Stellenwert ein. In diesem Kapitel wird die aktuelle okologische Situation skizziert und die zugrundeliegenden landwirtschaftliche Faktoren, die auf die Umwelt einen Einfluss haben, behandelt.

Status naturlicher Ressourcen

Naturliche Ressourcen bilden die Basis fur die Produktion von Lebensmitteln. Eine Vielzahl an naturlichen Okosystemen ermoglicht der Menschheit das Uberleben. Wie gut diese Okosysteme funktionieren, hangt von verfugbaren naturlichen Ressourcen wie Land, Wasser oder Luft ab. Naturliche Ressourcen konnen definiert werden als „Produktionsfaktoren, die von der Natur bereitgestellt werden“. Dies beinhaltet Land, welches fur die Agrarwirtschaft genutzt werden kann, Minerallagerstatten, Wasser und die Artenvielfalt selbst. Moderne Produktionsmethoden, intensive Landwirtschaft und der steigende Bedarf an Nahrungsmitteln lassen die Produktionskapazitaten des Planeten an seine Grenzen gelangen (IAASTDa 2009, S. 35-36). Landwirtschaftliche Aktivitaten fuhren zu einer Veranderung naturlicher Okosysteme. Dies betrifft jede Form der Landwirtschaft, von der industriellen Landwirtschaft bis hin zu traditionellen und biologischen Methoden. Abholzung ist der erste Schritt zur agrarischen Nutzung von Boden. Dies fuhrt zu einer Reduzierung der lokalen Artenvielfalt. Weitere Einflusse betreffen die Bodendegradation durch biologische und chemische Veranderungen, sowie die Veranderungen in der Wasserqualitat und -menge (IAASTDa 2009, S. 10). Die Nachfrage nach Lebensmitteln wird wegen des Bevolkerungswachstums weiter ansteigen. Um die Nachfrage zu befriedigen wird die Lebensmittelproduktion ebenfalls ansteigen. Da naturliche Ressourcen nicht unbegrenzt zur Verfugung stehen, wachst die gesellschaftliche und politische Besorgnis, ob die Produktionskapazitat der Umwelt, die Produktionssteigerung und Intensivierung vertragen kann (IAASTDa 2009, S. 35).

Infolge wird die aktuelle Lage der naturlichen Ressourcen dargestellt:

- 33% der landwirtschaftlichen Boden sind mittel bis stark degradiert. o 61% der kommerziellen Fischpopulationen sind leergefischt und 29% werden auf nicht nachhaltige Weise befischt.
- 20% der weltweiten Grundwasserdepots sind ubelastet (auch in wichtigen Produktionsregionen wie dem oberen Ganges oder Kalifornien). o 60% des Verlustes an Artenvielfalt kann auf die Nahrungsmittelproduktion zuruckgefuhrt werden. Okosysteme und Okodienstleistungen, welche die Nahrungsmittelproduktion unterstutzen sind haufig hohem Druck ausgesetzt. o Nur 15-20% der eingesetzten Nitrogen- und Phosphatdunger werden von den Anbaupflanzen aufgenommen. Der Rest gelangt in die Umwelt und in naturliche Okosysteme. - Nahrungsmittelsysteme verursachen ca. 24% der weltweiten Treibhausgase (UNEP 2016, S. 14-15).

Umweltauswirkungen konventioneller landwirtschaftlicher Methoden

Konventionelle Landwirtschaftsmethoden sind effizient und erlauben die Generierung hoher Ernteertrage, umfassen jedoch den Nachteil, einen starken Einfluss auf die Umwelt zu haben (Johannson und Armitage 2010, S. 45). Es gibt regionale Unterschiede, wie stark sich die Landwirtschaft auf die Umwelt auswirkt. In manchen Regionen konnen Bodendegradation und Verlust der Artenvielfalt das Hauptproblem darstellen, wahrend in anderen Regionen vor allem die Beeintrachtigung der Wasser- und Luftqualitat eine Rolle spielt. Obwohl es

Bestrebungen gibt, die Auswirkungen der konventionellen Landwirtschaft auf die Umwelt zu beschranken, kommt es immer wieder zu Zielkonflikten, beispielsweise wenn es darum geht, die Ernteertrage durch verstarkten Dungereinsatz zu steigern und es dadurch beispielsweise zur Wasserverschmutzung kommt (UNEP 2016, S. 22). Eine Vielzahl von Umweltproblemen durch die Landwirtschaft, sind auf unausgeglichene und nicht geschlossene Stoffkreislaufe zuruckzufuhren (Sequi 1999, S. 224). Extern zugefuhrte Nahrstoffe und Agro-chemische Stoffe konnen uber die Luft- und Wasserkreislaufe von landwirtschaftlichen Flachen in die angrenzende Umwelt transportiert werden (Ward et al. 2007, S. 2). Dort konnen sie die Wasser- und Bodenqualitat sowie die Biodiversitat verandern und zur Eutrophierung fuhren. Rund 61% der Nitrate und 40% der Phosphate, die in englischen Gewassern zu finden sind, stammen aus der Landwirtschaft (Johansson 2010, S. 50). Einige Pestizide und Herbizide sind endokrine Disruptoren. Dies bedeutet, sie konnen von Organismen aufgenommen werden und haben einen storenden Einfluss auf den Hormonhaushalt. In der Viehzucht werden Mittel gegen Bakterien, Viren und Protozonen eingesetzt. Man konnte nachweisen, dass diese Stoffe uber die Exkremente der Tiere in die Umwelt gelangen. Auch wachstumsfordernde Mittel wie z.B. 17-B Estradiol finden in der Viehzucht einen Einsatz. Studien konnten aufzeigen, dass dieser Stoff durch tierische Abfalle in Oberflachen- und Grundwasser gelangt und die Konzentration ausreichend ist, den Hormonhaushalt von Fischen zu beeintrachtigen (Gerber 2007, S. 10-11). In etwa 10% der Flusswasser- und in 1% der Grundwasserproben werden die Grenzwerte fur Pestizide uberschritten. Dies stellt eine gesundheitliche Gefahrdung fur Menschen und Tiere dar (Ward et al. 2007, S. 3). Ausreichender Zugang zu sicherem Wasser ist essentiell fur die Landwirtschaft. Jedoch ist die ubermaBige Abzweigung von Wasser, besonders in Regionen in denen Wassermangel herrscht, eine Bedrohung fur die Menschen und die Umwelt. Wasserknappheit wird in manchen Regionen immer mehr zum Problem, da Acker nur unzureichend bewassert werden konnen (IAASTDa 2009, S. 24). Weltweit ist die Landwirtschaft fur rund 70% des SuBwasserverbrauchs verantwortlich, gefolgt von Industrie (23%) und privaten Haushalten (8%) (WWF 2017, URL). Die Nachfrage nach Wasser steigt doppelt so schnell wie das Bevolkerungswachstum. Ein betrachtlicher Anteil des Wassers zur Bewasserung verdampft, bevor es von den Pflanzen aufgenommen werden kann (IAASTDa 2009, S. 39). Ineffizienzen in der Wassernutzung sind auf undichte Bewasserungssysteme und verschwenderische Ausbringungsmethoden zuruckzufuhren. Auch der Anbau von Pflanzen, die ungeeignet fur die regionalen klimatischen Bedingungen sind, wirkt sich nachteilig auf den Wasserverbrauch aus. Um in der Region uberleben zu konnen, mussen sie meist verstarkt bewassert werden (WWF 2017, URL). Auch die Qualitat des Wassers hat in allen Regionen der Welt abgenommen. Ursachlich hierfur sind intensive Landwirtschaft und andere industrielle Entwicklungen (IAASTDa 2009, S. 39). Besonders die Viehhaltung ist fur die Verschlechterung der Wasserqualitat verantwortlich. Verbesserte AbfallbeseitigungsmaBnahmen konnten die Wasserqualitat erheblich steigern (IAASTDa 2009, S. 24).

Durch BodenbearbeitungsmaBnahmen wie beispielsweise Pflugen wird der Boden gelockert, unterschiedliche Bodenschichten durchmischt, Nahrstoffe freigesetzt und die mikrobielle Aktivitat verstarkt. Dies hat zum Ziel das Pflanzenwachstum zu fordern und Ernteertrage zu steigern. Ein Nachteil ist jedoch, dass das gelockerte Erdreich durch Wind und Regen erodieren kann (WWF 2017, URL). Der Verlust organischen Materials hat zur Folge, dass die Fruchtbarkeit und Produktivitat der Boden im Zeitverlauf abnimmt. Landwirte setzen verstarkte BodenbearbeitungsmaBnahmen, Dunger- und Pestizidzusatze ein um die verlorene Produktivitat zu kompensieren. Langfristig gesehen hat dies aber einen verstarkenden Effekt auf die Bodenerosion und -degradierung (Johannsen und Armitage 2010, S. 47-48). Der verstarkte Einsatz von externen Betriebsmitteln und Arbeitsleistung erhoht zudem die Produktionskosten (Tilman 2002, S. 674). Abgetragene Erde kann zur Versandung von Wasserflachen fuhren und erhoht die Gefahr von Uberflutungen (WWF 2017, URL). Ohne aktive Interventionen konnen sich in vielen Regionen die Boden nicht mehr selbststandig regenerieren (IAASTDa 2009, S. 39-40).

Die Rodung von Wald ist in den meisten Fallen der erste Schritt bei der Umwandlung von naturbelassenen Gebieten in landwirtschaftlich nutzbare Flachen. Besonders in Entwicklungslandern ist ein drastischer Anstieg der kultivierten Flachen zu verzeichnen. Damit einher geht der Verlust eines GroBteils der ursprunglichen Biodiversitat (WWF 2017, URL). Ein funktionierendes Okosystem ist essentiell fur eine produktive Landwirtschaft. Die Landwirtschaft profitiert von Okosystemdienstleistungen wie beispielsweise der Bestaubung durch Bienen. Des Weiteren stellt die Natur nutzliche Ausgangsstoffe zur Verfugung wie genetisches Material fur neue Zuchtungen oder Chemikalien fur die Entwicklung von Medikamenten (IAASTDa 2009, S.40-41). Durch den Anbau von Monokulturen und die Beschrankung auf wenige Pflanzensorten sind ca. 75% der genetischen Artenvielfalt von landwirtschaftlichen Nutzpflanzen im letzten Jahrhundert verloren gegangen. Die eingeschrankte genetische Vielfalt verringert die Moglichkeit sich auf verandernde Umweltfaktoren anzupassen. Dies stellt auch eine Bedrohung der Nahrungsmittelsicherheit dar (WWF 2017, URL). Die beabsichtigte oder unbeabsichtigte Einfuhr von invasiven Spezies kann okologische Katastrophen auslosen (IAASTDa 2009, S. 40).

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Ende der Leseprobe aus 124 Seiten

Details

Titel
Short Food Supply Chains als alternative Nahrungsmittelsysteme. Räumliche Analyse der regionalen Nahrungsmittelproduktion in Österreich
Hochschule
Alpen-Adria-Universität Klagenfurt
Note
1
Autor
Jahr
2017
Seiten
124
Katalognummer
V454076
ISBN (eBook)
9783668861459
ISBN (Buch)
9783668861466
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Short Food Supply Chain, Direktvermarktung, biologische Landwirtschaft, räumliche Analyse, Food Index, regionale Lebensmittel, Nachhaltigkeit, Nahrungsmittelproduktion, räumliche Entwicklung, Wirtschaft, ländlicher Raum, Agrarstrukturerhebung, Verordnung (EU) Nr. 1305/2013, Förderung der ländlichen Entwicklung, europäischer Landwirtschaftsfonds, Entwicklung ländlicher Raum, ELER, Produktionsmethoden, Entwicklung biologische Landwirtschaft, Entwicklung Direktvermarktung, Status biologische Landwirtschaft, Status Short Food Supply Chain, Entwicklungsstatus biologische Landwirtschaft, Entwicklungsstatus Nachhaltigkeit, Entwicklungsstatus nachhaltige Nahrungsmittelsysteme
Arbeit zitieren
Mario Götzner (Autor), 2017, Short Food Supply Chains als alternative Nahrungsmittelsysteme. Räumliche Analyse der regionalen Nahrungsmittelproduktion in Österreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454076

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