Quentin Tarantino - Rudeness im Film

Analyse und Anwendung anhand eines Drehbuchausschnittes aus "True Romance"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2004
18 Seiten, Note: 1,4

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Lakoffs Klassifizierung: Von sprachlicher Höflichkeit zur Rudeness

3 Was ist sprachliche Unhöflichkeit oder Rudeness ?
3.1 Motivated und unmotivated rudeness
3.2 Regulation of affect
3.3 Der face- Begriff
3.4 Strategic rudeness

4 Tarantino - Rudeness im Film: Anwendung und Analyse anhand eines Drehbuchauszugs aus True Romance

5 Zusammenschau

6 Referenzen

1 Einleitung

Die Veränderung der Blickrichtung der Linguistik und die zunehmende Bedeutung der Pragmatik implizierten gleichzeitig, dass nun nicht mehr nur die Form einer Äußerung im Zentrum des Interesses liegen sollte, sondern vor allem auch deren Bedeutung.

Mit diesem Wandel galt die Aufmerksamkeit auch der Gestalterrolle der Sprache im Prozess zwischenmenschlicher Beziehungen, einer bisher vernachlässigten Funktion. Dies lag vor allem daran, dass Sprache bis dahin hauptsächlich hinsichtlich ihrer Wirkungsweise im effektiven Informationsaustausch untersucht worden war. Mit anderen Worten stand demnach der informative Charakter von Sprache im Mittelpunkt der Linguistik.

Es bildete sich das Bewusstsein dafür, dass sprachliche Beziehungsgestaltung maßgeblich durch das Phänomen Höflichkeit beeinflusst und auch gesteuert wird. Auf dieses Phänomen möchte ich zu Beginn kurz zu sprechen kommen, da es die Grundlage für die Thematik rudeness darstellt. Natürlich umfasst seine Komplexität nicht nur eine rein sprachliche Dimension, sondern äußert sich maßgeblich und vor allem in allgemein menschlichem Verhalten. Allerdings sollen im Rahmen dieser Arbeit außersprachliche Formen von Höflichkeit oder Unhöflichkeit weitgehend außer Acht gelassen werden, auch wenn diese in der Analyse der Tarantino - Filme durchaus eine interessante Angelegenheit darstellen könnten. Im Mittelpunkt sollen dahingehend hauptsächlich die Dialoge der verschiedenen Charaktere stehen, um eben den sprachlichen Aspekt hervorzuheben und genauer zu beleuchten.

Was bedeutet die sprachliche Dimension der Höflichkeit?

In der Linguistik gibt es verschiedene Definitionen für den Begriff sprachlicher Höflichkeit; die meisten heben die zwischenmenschliche Beziehung hinsichtlich der Erhaltung des sozialen Gleichgewichts, Freundlichkeit sowie dieVermeidung von Konflikten, als maßgebendes Ziel hervor.

So gibt es zwei fundamentale Aufgaben der Höflichkeit: Zum einen die positive Gestaltung zwischenmenschlicher Beziehungen, zum anderen die Verminderung negativer Einflussfaktoren auf eben dieses Beziehungsgefüge.

Über den beziehungsbildenden Aspekt sagt Leech:

„The CP [cooperation principle enables one participant in a conversation to communicate on the assumption that the other participant is being cooperative […]. It could be argued, however, that the PP [politeness principle] has a higher regulative role than this: to maintain the social equilibrium and the friendly relations which enable us to assume that our interlocutors are being cooperative in the first place.” (Leech 1983 S.82)

Damit ergibt sich, dass in der zwischenmenschlichen Kommunikation das cooperative principle eine maßgebliche Rolle darstellt. Nur im Vertrauen darauf, dass das Gegenüber wirklich kommunikativ kooperiert macht es für einen Sprecher Sinn, höflich zu agieren und anderen dementsprechend entgegen zu treten. Die Einhaltung des Prinzips dient also zur direkten Erhaltung und Förderung des kommunikativen Gleichgewichts. Die Wahrung des cooperative principle ist innerhalb eines Gesprächs jedoch kaum bemerkbar, erst wenn gewisse Höflichkeitsmerkmale dort fehlen, fällt eben deren Nichtvorhandensein auf. Das liegt darin begründet, dass eben viele Höflichkeitsformen gesellschaftlich normiert sind und daher als selbstverständlich angesehen werden. Auf der anderen Seite ist es jedoch so, dass die Nichterfüllung bestimmter Höflichkeitskonventionen - und damit die Sprengung eben jener Normen - dem Betrachter leicht ein Dorn im Auge werden können. Hierin liegt auch eine Grundursache für die Entstehung menschlicher Konflikte.

Dieser Aspekt betont die somit die tragende Funktion der Höflichkeit, wenn es darum geht Konflikten aus dem Weg zu gehen, bzw. diese gar nicht erst entstehen zu lassen.

2 Lakoffs Klassifizierung: Von sprachlicher Höflichkeit zur Rudeness

„Politeness can be defined as a means of minimizing the risk of confrontation in discourse.” (Lakoff 1989 S.102)

So erfasst Lakoff sprachlich kurz und prägnant das Phänomen Höflichkeit.

Er diversifiziert es weiter und geht letzten Endes von einer dreiteiligen Klassifizierung aus. Die erste Klasse bezeichnet Lakoff als polite behaviour. Dies meint höfliches Verhalten in Situationen in welchen es nicht unbedingt erwartet, dennoch aber angewendet wird, um Freundlichkeit und Wertschätzung gegenüber dem Adressaten auszudrücken. Nehmen wir eine typische Alltagssituation als Beispiel. Nach Beendigung einer Busfahrt steigt man an der Fahrertür aus und wünscht dem Fahrer eine schönen Tag und das obwohl man ihn gar nicht näher kennt. Mit Sicherheit würde dieser nicht etwa unfreundlich darauf reagieren, wenn man auf die Verabschiedung verzichtete, denn er erwartet dies nicht unbedingt. Sie zeigt jedoch die eigene Wertschätzung ihm gegenüber.

Die zweite Klasse ist das so genannte non-polite behaviour. Hier ist die Rede von unhöflichem Verhalten in Situationen, in denen höfliches Verhalten auch nicht erwartet wird. Dies wäre beispielsweise in folgender Situation denkbar. Ein Sprecher A beschimpft einen Hörer B auf rüde Art und Weise, woraufhin dieser unhöflich reagiert. Ein solches reaktiv defensives Verhalten von B, das auch als logical rudeness[1] bezeichnet werden kann ist in der genannten Situation nachvollziehbar und lässt sich daher von der dritten und letzten Klasse unterscheiden. Hier geht es um die eigentliche rudeness, d.h. grobes Verhalten in Situationen, in welchen man dem Höflichkeitsanspruch nicht gerecht wird, obwohl selbiger eigentlich verlangt ist.

„Rudeness, by contrast, is constituted by deviation from whatever counts as politic in a given social context, is inherently confrontational and disruptive to social equilibrium.” (Kasper 208)

Erstere zwei Verhaltensweisen können als diplomatisch angesehen werden, d.h. sie beziehen sich auf gesellschaftlich sanktionierte Normen der Interaktion. Rudeness hingegen konstituiert sich gerade in einer eklatanten Abweichung von der Art Normen, welche in einem gesellschaftlichen Kontext als diplomatisch angesehen werden könnten und setzt sich bewusst von diesen ab. Um es anders auszudrücken: Sie ist nicht unmittelbar sozialverträglich. Wie aber lässt sich der Begriff der rudeness noch genauer differenzieren und wo treffen wir in unseren Gesellschaften auf das Phänomen?

3 Was ist sprachliche Unhöflichkeit oder rudeness ?

3.1 Motivated und unmotivated rudeness

Da man Höflichkeit, wie aus dem vorherigen Abschnitt ersichtlich, subkategorisieren kann, liegt es nahe auch rudeness noch etwas genauer abzugrenzen.

„I propose distinguishing motivated and unmotivated rudeness.” (Kasper 1990 S.208)

Hiermit werden zwei erste Unterkategorien aufgeführt. Wobei Kasper, wenn sie von einer unmotivated rudeness spricht davon ausgeht, dass durch entsprechendes Verhalten gesellschaftliche Normen, die man als diplomatisch bezeichnen könnte aus Unwissenheit ignoriert werden. Die Konventionen werden in diesem Fall ohne ein Motiv, also nicht volitiv, gebrochen.

Nach Thomas[2] kommt es zu dieser Art pragmatischem Versagen oder auch zu anderen Formen scheiternder kommunikativer Sprechakte durch mangelnde Kenntnis des Sprechers, (bzw. des Hörers) über kulturelle Normen und deren linguistische Enkodierung.

Gerade bei der Untersuchung von Kindersprache lassen sich Verhaltensweisen veranschaulichen, welche bei Erwachsenen als sehr rude angesehen würden. So wies man nach, dass Vorschulkinder weniger Höflichkeitsroutinen wie please oder thank you aufweisen.[3]

[...]


[1] Suber, Peter 2002 S. 1 (09.Oktober 2004)

[2] Kasper, Gabriele 1990 S. 209

[3] Kasper, Gabriele 1990 S.208 - 209

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Quentin Tarantino - Rudeness im Film
Untertitel
Analyse und Anwendung anhand eines Drehbuchausschnittes aus "True Romance"
Hochschule
Bayerische Julius-Maximilians-Universität Würzburg
Veranstaltung
Hauptseminar-Höflichkeit
Note
1,4
Autor
Jahr
2004
Seiten
18
Katalognummer
V45410
ISBN (eBook)
9783638428231
ISBN (Buch)
9783638843447
Dateigröße
581 KB
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Die Arbeit beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit dem Thema Rudeness im Film.
Schlagworte
Quentin, Tarantino, Rudeness, Film, Hauptseminar-Höflichkeit
Arbeit zitieren
Niklas Jung (Autor), 2004, Quentin Tarantino - Rudeness im Film, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45410

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel:  Quentin Tarantino - Rudeness im Film


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden