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Die Rolle der Ludmilla in Schnitzlers "Professor Bernhardi"

Title: Die Rolle der Ludmilla in Schnitzlers "Professor Bernhardi"

Essay , 2018 , 8 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Peter Schulz (Author)

German Studies - Modern German Literature
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Summary Excerpt Details

Das auf der Bühne sichtbare Figureninventar des 1912 in Berlin uraufgeführten und von Arthur Schnitzler selbst als Komödie bezeichneten Theaterstücks "Professor Bernhardi" setzt sich aus 22 männlichen und einer weiblichen Figur zusammen: Die Krankenschwester Ludmilla informiert ohne das Wissen und die Zustimmung Professor Bernhardis eine sterbende Patientin über die Anwesenheit des Pfarrers. Obwohl Ludmilla nur während des ersten Aktes überhaupt auf der Bühne erscheint, hat ihr Handeln weitreichende Folgen für den Protagonisten. Schließlich wird er von der Leitung und dem Betrieb eines Krankenhauses, des von ihm gegründeten Elisabethinums, ausgeschlossen und in einem Gerichtsverfahren zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Eidbrüchig belastet Ludmilla Bernhardi in diesem Verfahren zunächst, zeigt sich dessen aber (nach seiner vollzogenen Strafe) an und trägt zu seiner Rehabilitation bei. So zusammengefasst, scheint Schwester Ludmillas Handeln wesentlich für das Schicksal der Figur Professor Bernhardi zu sein.

Im Rahmen dieses Essays sollen die Darstellungsverfahren, durch die die Figur im Stück präsentiert wird, nach den von Manfred Pfister und Franziska Schößler dargelegten Kriterien der Figurenkonzeption und -charakterisierung analysiert werden. Unter Berücksichtigung dieser Analyse ist dann die Relevanz Ludmillas für das Drama Professor Bernhardi zu diskutieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung: Professor Bernhardi und Schwester Ludmilla

2. Die Darstellung der Schwester Ludmilla im Drama

2.1. Charakterisierungsverfahren

2.2. Figurenkonzeption

3. Fazit: Die Relevanz der Ludmilla

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Figur der Krankenschwester Ludmilla in Arthur Schnitzlers Drama "Professor Bernhardi" hinsichtlich ihrer Darstellungsverfahren und ihrer dramaturgischen Relevanz. Ziel ist es, durch eine Analyse der Charakterisierungsverfahren und der Figurenkonzeption aufzuzeigen, wie Ludmilla trotz ihres begrenzten Auftretens das Schicksal des Protagonisten maßgeblich beeinflusst.

  • Analyse von Charakterisierungsverfahren nach Manfred Pfister und Franziska Schößler
  • Untersuchung der Figurenkonzeption als typenhafte Stellvertreterfigur
  • Rolle der Krankenschwester Ludmilla im Kontext von Autoritätsstrukturen
  • Einfluss von Ludmillas Handeln auf den Protagonisten Professor Bernhardi
  • Reflexion über Schnitzlers Typologie der Geistesverfassung

Auszug aus dem Buch

2.1. Charakterisierungsverfahren

Mit Hilfe implizit-figuraler Verfahren im ersten Akt, also ihrem requisitenhaften Verhalten und ihrer Annahme gegebener Abläufe im Betrieb des Krankenhauses erscheint Ludmilla als eher passive Figur, deren Vermögen, selbst auf besondere Ereignisse zu reagieren dahingehend beschränkt bleibt, als dass sie das von ihr (als so von ihr wahrgenommene) erwartete Handlungsrepertoire erfüllt und ihrer Funktion als Schwester in einem christlichen Staat gerecht wird. Dessen ist sich auch Bernhardi bewusst, der im fünften Akt erwägt ihr ein Gutachten auszustellen, „daß sie schwer hysterisch und unzurechnungsfähig ist.“ um sie vor einer Verurteilung wegen ihrer Falschaussage zu bewahren.

Einen wesentlichen Anteil an Ludmillas Charakterisierung hat ihre Eingebundenheit in die Handlung des Dramas und ihr Verhalten, insbesondere im Vergleich zu den anderen Figuren und dem Protagonisten. Schwester Ludmilla ist nur während des ersten Aktes auf der Bühne präsent und wirkt dort eher wie ein Teil der Kulisse als ein Teil der handelnden Figuren. Sie erscheint für die Zuschauer zwar als erstes auf der Bühne, spricht aber erst als Hochroitzpointner in die Szene tritt und das Wort an sie richtet. Sie schweigt wieder als nach und nach die anderen Figuren ihre Auftritte haben. Lediglich Bernhardis Überzieher hängt sie an den Haken, legt ihm dann und wann ein Blatt zur Unterschrift vor und kündigt an, den Pfarrer zu holen. Außer an diesem Punkt ergreift Ludmilla zu keiner Zeit selbst das Wort, sondern reagiert nur auf Ansprache durch die anderen Figuren. Bemerkenswert an ihrer Ankündigung ist, dass sie sie lediglich an den Medizinkandidaten Hochroitzpointner wendet und das Ganze von Bernhardi unbemerkt bleibt. Zusätzlich relativiert Hochroitzpointner noch:

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Professor Bernhardi und Schwester Ludmilla: Diese Einleitung führt in das Figureninventar des Dramas ein und legt dar, wie die Handlung von Schwester Ludmilla den weiteren Verlauf des Schicksals von Professor Bernhardi prägt.

2. Die Darstellung der Schwester Ludmilla im Drama: Dieses Kapitel analysiert die methodische Herangehensweise an die Figur Ludmilla, wobei der Fokus auf implizit-figuralen Verfahren und ihrem Verhalten im Interaktionskontext liegt.

2.1. Charakterisierungsverfahren: Es wird untersucht, wie Ludmilla durch ihr passives Verhalten und die Wahrnehmung durch andere Figuren als hysterische, aber systemkonforme Akteurin charakterisiert wird.

2.2. Figurenkonzeption: Hier wird Ludmilla als typenhafte, eindimensionale Stellvertreterfigur eingeordnet, die in starre gesellschaftliche und hierarchische Strukturen eingebunden ist.

3. Fazit: Die Relevanz der Ludmilla: Das Fazit stellt Ludmilla als entscheidende, wenngleich fremdbestimmte Figur dar, deren obrigkeitshöriges Handeln die Tragödie Bernhardis in einer antisemitischen Gesellschaft mit auslöst.

Schlüsselwörter

Professor Bernhardi, Arthur Schnitzler, Schwester Ludmilla, Dramenanalyse, Charakterisierungsverfahren, Figurenkonzeption, Stellvertreterfigur, Obrigkeitshörigkeit, implizit-figurale Verfahren, Handlungsrepertoire, Bernhardi, Medizinkandidat, Hochroitzpointner, Antisemitismus, Dramentheorie

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Figur der Krankenschwester Ludmilla in Arthur Schnitzlers Theaterstück "Professor Bernhardi" und untersucht ihre Bedeutung für den Plot.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Charakterisierungsverfahren im Drama, die Konzeption der Figur als "Typ" sowie ihre Rolle innerhalb der hierarchischen Strukturen des Krankenhauses.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage dieser Arbeit?

Ziel ist es, die Darstellungsverfahren der Figur zu analysieren und zu diskutieren, warum die scheinbar untergeordnete Figur der Ludmilla eine solch hohe Relevanz für den Leidensweg des Protagonisten besitzt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf die Ansätze der Dramenanalyse nach Manfred Pfister und Franziska Schößler, um Charakterisierung und Figurenkonzeption methodisch zu erfassen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Charakterisierungsverfahren (implizit-figural) und die Einordnung Ludmillas als typenhafte Stellvertreterfigur in der Moderne.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie "Professor Bernhardi", "Figurenkonzeption", "Obrigkeitshörigkeit" und "Dramenanalyse" beschreiben.

Wie lässt sich Ludmillas Verhalten im Stück zusammenfassen?

Ludmilla erscheint als passive, fremdbestimmte Person, die sich stets der gerade geltenden Autorität unterwirft, was schließlich in einer problematischen Falschaussage vor Gericht mündet.

Warum wird Ludmilla im Kontext des "Panopticons" erwähnt?

Der Autor verweist auf Foucaults Panopticon, um zu verdeutlichen, welche Macht die vermeintlich einfache Ludmilla durch ihre unhinterfragte Obrigkeitshörigkeit und das System der Überwachung ausübt.

Welche Rolle spielt der Charakter Hochroitzpointner für Ludmilla?

Hochroitzpointner fungiert als Bezugsfigur und opportunistischer Gegenspieler Bernhardis, der Ludmillas Handlungen beeinflusst und sie durch seine Protektion in einer Abhängigkeit hält.

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Details

Title
Die Rolle der Ludmilla in Schnitzlers "Professor Bernhardi"
College
Ernst Moritz Arndt University of Greifswald  (Institut für Deutsche Philologie)
Grade
1,0
Author
Peter Schulz (Author)
Publication Year
2018
Pages
8
Catalog Number
V454125
ISBN (eBook)
9783668863910
ISBN (Book)
9783668863927
Language
German
Tags
Dramenanalyse Schnitzler Frauen Foucault Medizin Ludmilla
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Peter Schulz (Author), 2018, Die Rolle der Ludmilla in Schnitzlers "Professor Bernhardi", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454125
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