Gibt es noch Freiheit und Unabhängigkeit in der Google Gesellschaft? Wie die Informationswirtschaft die idealistischen Hoffnungen John P. Barlows vernichtet oder verwirklicht


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

18 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1 John P. Barlows Idee eines unabhängigen Cyberspace

2 Google und der Weg zur digitalen Weltmacht
2.1 Entstehung und Entwicklungsgeschichte
2.2 Heutige Stellung als globale Wirtschaftsmacht

3 Wissensgesellschaft als Suchmaschinengesellschaft
3.1 Informations- und Wissensgesellschaft
3.2 Google-Gesellschaft

4 Freiheits-Potential in der Google-Gesellschaft
4.1 Informationsorganisation
4.2 Weitere Dienste und Projekte Googles

5 Gefahren-Potential in der Google-Gesellschaft
5.1 Überwachung und Profiling
5.2 Ökonomische Auswirkungen
5.3 „Manipulation“ der Nutzer

6 Google und Barlows Freiheitsideale

7 Fazit

8 Literaturverzeichnis

Einleitung

Die Begriffe Information und Internet gehen miteinander Hand in Hand. Seit der Erfindung des WorldWideWeb Ende der 1990er Jahre hat sich die ursprüngliche Idee des Internets – papierfreie Speicherung, Verwaltung und Vernetzung von Information – mit der heutigen Omnipräsenz des Mediums zu einer unbegrenzten Informationsflut entwickelt.1Das Ausmaß dieser Entwicklung beschreibt Microsoft-Gründer Bill Gates 2010 in einer metaphorischen Aussage: „Das Internet ist wie eine Welle: Entweder man lernt, auf ihr zu schwimmen, oder man geht unter.“2

Mit dem Ziel diese Welle aus Informationen zu bändigen und sie für alle zugänglich zu machen, entstand 1998 das Unternehmen Google. Heute stellt der Name ein Synonym zu „Suchmaschine“ dar und steht diesbezüglich außer Konkurrenz. Da die Gesellschaft im digitalen Zeitalter oft als Informations- oder Wissensgesellschaft bezeichnet wird und Google diese Informationen als Hauptanbieter zugänglich macht, fällt in diesem Zusammenhang auch oft der Begriff „Google-Gesellschaft“.3

Google befindet sich heute in einem ambivalenten Spannungsverhältnis. Das Unternehmen hat es mit dem aktuell dritthöchsten Marktwert der Welt (Stand: Mai 2018)4weit gebracht. Die zwei Informatikstudenten Sergey Brin und Larry Page entwickelten vor zwanzig Jahren einen Algorithmus, welcher die damaligen Idealvorstellungen des Mysteriums „Internet“ verwirklichte. So findet der Nutzer Antworten auf fast jede Frage und hierarchisiert nach seinem persönlichen Bedürfnis. Mit dem Aufkauf verschiedener Plattformen und der ständigen Entwicklung neuer Dienste kommt an Google kein Internetnutzer mehr vorbei.

Damit gibt also niemanden,derGoogle nicht kennt; auf der anderen Seite gibt es dafür auch niemanden,denGoogle nicht kennt. Die Wirtschaftsgröße hat ihren Erfolg heutzutage einzig und allein den Daten zu verdanken, die sie über Ihre Nutzer gewinnen. Das bringt einen moralischen Zwiespalt mit sich. „Don’t be evil“, lautete die Unternehmensphilosophie, wie sie in ihrem Verhaltenskodex, der sogenannte Code of Conduct, festgehalten war – zumindest bis April 2018, denn da sind die Worte „Don’t be evil“ plötzlich aus dem Code of Conduct verschwunden.5. Im Widerspruch zu dieser Aussage steht nämlich die latente Überwachung, die jeden Google-, und damit auch z.B. Youtube- oder Chrome-Nutzer betrifft. Bis zu einem gewissen Grad mag der Nutzer sich dieser bewusst sein sowie Google sich auch öffentlich zu ihr bekennt; immer wieder kommt es jedoch auch zu Skandalen rund um den Datenschutz und die Privatsphäre. Zudem weiß der Internetkonzern auch individuelle Verhaltensmuster zu analysieren und zu seinen Gunsten nutzbar zu machen, sodass man auch von einer Manipulation des Nutzers spricht.6

Der idealistische Vordenker John Perry Barlow setzte Anfang der 1990er Jahre große Hoffnungen in das anbrechende digitale Zeitalter. In seiner Unabhängigkeitserklärung von 1996 zeigt er auf, welches freiheitliche Potential das Cyberspace der Gesellschaft bringt. Google als dominierender Internetkonzern ist an dem heutigen Entwicklungsstand maßgeblich beteiligt. Die Frage, die sich angesichts der Ambivalenz des Unternehmens stellt, lässt sich an die metaphorische Darstellung Gates‘ anlehnen: Ist Google eine Schwimmhilfe, die einen Zugang zu dem gesamten Informationsozean verschafft und damit Freiheits- und Unabhängigkeitsideale Barlows verwirklicht? Oder zieht die Firma seine Nutzer in einen Datenstrudel, aus dem nicht mehr so schnell heraus zu kommen ist, was Gefahren und Abhängigkeitspotential birgt? Diese beiden Seiten gilt es im Folgenden analytisch zu untersuchen, jeweils bezugnehmend zu Barlows Aspekten der Unabhängigkeitserklärung.

1 John P. Barlows Idee eines unabhängigen Cyberspace

Die Erfindung des Internets als unbekannte, digitale Welt löste nicht sofort eine Welle der Begeisterung aus. Der idealistische Vordenker John Perry Barlow versuchte die Angst vor dem neuartigen Medium jedoch zu relativieren, indem er Hoffnungen und Potentiale in seiner 1996 veröffentlichten Unabhängigkeitserklärung über das Cyberspace verbreitete.

Bereits im Zuge der Hippie-Bewegung setzte er sich für die freie Entfaltung der Individuen ein und übertrug diese Anforderungen nun auf das Netz. Den Auslöser dafür gab der 1996 unter Clinton erlassene „Telecommunication Act“, welcher den Wettbewerb unter Internet-Anbietern steigern wollte sowie die Marktmacht einzelner Anbieter verstärken sollte. Barlow fürchtete den Missbrauch des Gesetzes und die eingeschränkte Freiheit der Nutzer durch dieses. Mit der Unabhängigkeitserklärung forderte er deshalb die Verteidigung vor den Sicherheitsdiensten und staatlicher Kontrollen. So hatte er 1990 bereits die Electronic Frontier Foundation (EFF) gegründet, die sich als einer der ersten Organisationen für die Grundrechte im digitalen Zeitalter einsetzte und bis heute besteht. Die Bereiche, welche es der EFF zufolge zu stärken gilt, sind dabei unter anderem die Privatsphäre-Regelungen und freie Meinungsäußerung.7

Die Kernforderung in Barlows‘ Dokument ist die Freiheit von Information. Das Cyberspace, das den virtuellen Raum des Internets beschreibt, ist ihm zufolge ein, von Natur aus, freier und unabhängiger Ort, der sich von der industriellen Welt abgrenzt. Im Gegensatz zu den „müden Giganten aus Fleisch und Stahl“ existiert hier überhaupt kein Körper oder Materie und damit auch kein Eigentum oder physische Gewalt. Das Cyberspace ist die „neuen Heimat des Geistes“ ohne Regierung, Gesetze und Regeln – außer der goldenen Regel, die für ein friedliches Miteinander sorgt. Das Netz lebt von Kollektivität und Relationalität. Dabei regelt sich die Gesellschaft eigenständig „aus der Ethik, dem aufgeklärten Selbstinteresse und dem Gemeinschaftswohl“. Dank Gleichberechtigung unter den Individuen gibt es keine Vorurteile oder Bevorzugungen. Jeder hat die gleichen Zugangschancen und die Möglichkeit sich individuell zu entfalten. Jeder darf zudem seine Meinung frei äußern und muss sich nicht der gesellschaftlichen Konformität unterordnen. Dabei ist alles was der menschliche Geist im Internet erschafft, frei für jeden zugänglich und darf „kostenfrei unendlich reproduziert und distribuiert werden“.8

Inwiefern sich diese Freiheits- und Unabhängigkeits-Ideale vom Internet in den letzten 20 Jahren bewahrheitet haben und ob Google als netzbeherrschendes Unternehmen diese Anforderungen erfüllt oder vernichtet, wird im Folgenden weiter erörtert.

2 Google und der Weg zur digitalen Weltmacht

Die Entwicklung von Google ist einzigartig. In einem Tempo, wie es nur im digitalen Zeitalter möglich ist, hat das Unternehmen den Suchmaschinen-Markt revolutioniert und sich gleichzeitig zu einer globalen Marktgröße hochgearbeitet. Das lässt sich vor allem auf die Ideologie des Unternehmens zurückführen, wie Eric Schmidts, Executive Chief Officer von 2001-2011, einst sagte: „Wenn Sie etwas erreichen wollen, reicht es nicht zu wachsen. Sie müssen skalieren. Dies ist eine neue Art des Wachstums: rasant und global.“9

2.1 Entstehung und Entwicklungsgeschichte

Google gilt heute als die beliebteste Suchmaschine, die älteste ist sie jedoch nicht. Erste automatisierte Suchverfahren im Bereich der computergestützten Informationsbeschaffung (Information Retrieval) in Datenbanken entstanden bereits in den 1950er Jahren; erste kommerzielle Systeme zur Volltext-Informationsbeschaffung in den 1970er Jahren. Die Grundlage für maschinelle Suchanfragen war damit schon früh geschaffen. Das Internet im heutigen Sinne allerdings noch nicht. Zwar existierte bereits sein Vorläufer, das sogenannte APRANET, jedoch war dieses noch nicht für den Privatnutzer verfügbar. Das APRANET war eine Erfindung des US-amerikanischen Militärs aus den 1960er Jahren, um eine sichere und dezentrale Kommunikation untereinander zu ermöglichen. Erst 1983 entwickelte sich daraus das Internet, welches für die breite Masse zugänglich war, womit die Menge an verfügbaren Informationen rapide stieg. Damit kamen die ersten Internet-Suchmaschinen ins Spiel. Zunächst mit simplen Indexierungsfunktionen von Dateien, später auch mit inhaltsbezogener Suchfunktion.10

Die Google-Gründer Sergey Brin und Larry Page trafen sich 1996 an der Stanford Universität in Kalifornien. Nachdem die allumfassende Suchmaschine noch nicht erfunden war, stellten sich die beiden Informatik-Doktoranden der Herausforderung, einen Algorithmus zu entwickeln, der es mit der gesamten Informationsmenge des WorldWideWeb aufnehmen konnte. Sie kritisierten, dass andere Suchmaschinen weder den Informationsgehalt filterten, noch die Qualität für den Nutzer bestimmen konnten.11So sollte mit Google nicht nur die gesuchte Information gefunden, sondern auch mithilfe von Links die Wichtigkeit der einzelnen Webseiten ermittelt werden. 1998 wurde Google Inc. offiziell registriert, womit sich das Arbeitsumfeld von Wohnheimzimmern in das erste Garagenbüro und anschließend in den heutigenGoogleplexverlagerte. „Die unablässige Suche nach besseren Antworten“ gilt bis heute als Motivation des Unternehmens.12

2.2 Heutige Stellung als globale Wirtschaftsmacht

Das Geschäftsmodell Googles folgte anfangs nicht dem Ziel der Monetarisierung; die Gründer fokussierten sich ausschließlich auf die zunehmende Verbesserung des Algorithmus.13Aufgrund ihrer technischen Dominanz, des Page-Rank-Prinzips und des schlichten Designs erlangten sie schnell Popularität bei den Internetnutzern.14Bereits zwei Jahre nach der Gründung beantwortete Google 100 Millionen Suchanfragen pro Tag und etablierte sich neben den älteren Firmen Microsoft und Yahoo als eine der drei größten Suchmaschinen. Damit begann auch die Wettbewerbs-Orientierung des Unternehmens und 2000 begann Google mit dem Einsatz von Werbemitteln.AdWordsermöglichte werbetreibenden Firmen selbst Anzeigen über Google zu erstellen.152004, als Google an die Börse ging, hieß es, 95 Prozent der Einnahmen mache allein die Werbung aus.16Um ihre Kunden auf dem wachsenden Internet-Markt halten zu können, erweiterte die Firma ihr Angebot und stellte Dienste zur Kommunikation, Textverarbeitung und Dateiverwaltung zur Verfügung. 2006 kaufte Google die große Video-Plattform Youtube und wurde im selben Jahr zum wertvollsten Medienunternehmen der Welt erklärt.17Heute hält sich Alphabet, Googles Aktiengesellschaft, nach Apple und Amazon auf Platz drei der weltweit teuersten Unternehmen.18

„Neben [Apple] und Amazon gehört Google [aber] nicht nur zu den bekanntesten und erfolgreichsten Kindern der New Economy, sondern besitzt von allen […] auch die meiste Ausstrahlungskraft.“19So ist Google heute die erste Wahl als Filtermedium für die Informationen aus dem Netz. Die Suchmaschine dominiert das Information Retrieval und schafft eine ganz neue massenmediale Ordnung.20

Ihre Vormachtstellung verdankt die Firma inzwischen aber weder ihrem dominierenden Algorithmus bezüglich der Volltextsuche und der damit einhergehenden Nutzerbeliebtheit, noch der heißbegehrten Werbeplätze als ehemalige Haupteinnahmequelle. Der größte Reichtum, den Google heute vorzuweisen hat, ist ihre umfassende Datenmenge, die sie über ihre Nutzer ansammeln. Durch das breite Angebot an Webdiensten, die beinahe alle großen Bereiche im Netz tangieren, ist Google so gut wie unumgänglich. Auch wer die Google-Dienste nicht nutzt, wird von dem Giganten erfasst. So läuft das TrackingtoolGoogle Analyticsim Verborgenen auf geschätzt jeder zweiten Website und speichert nutzerbezogenen Daten. Mit dem Wachstum und der Verbreitung des mobilen Internetzugangs, durch Smartphones etc., kann man heutzutage von einer Omnipräsenz des Unternehmens sprechen.21

3 Wissensgesellschaft als Suchmaschinengesellschaft

„Our defenses against information glut have broken down; our information immune system is inoperable. We don't know how to filter it out; we don't know how to reduce it; we don't know to use it.“22Als Neil Postman diese Aussage 1990 bei einem Treffen der German Informatics Society traf, war die Informationsflut noch weit entfernt von dem heutigen Ausmaß. Mit dem Einzug der Digitalisierung und damit einhergehenden Informationsmassen, liefern Suchmaschinen aber gleichzeitig neue Möglichkeiten des Filterns und Reduzierens. Ob unser Informations-Immunsystem damit geheilt ist bleibt zu klären.

3.1 Informations- und Wissensgesellschaft

Die Unterscheidung von Information und Wissen lässt sich relativ leicht definieren: Während „Wissen […] – für das jeweilige Individuum – als vorhanden, als ‚gewusst‘ gelten kann, [werden] Informationen dagegen akut benötigt und […] dementsprechend beschafft.“23Wissen setzt also immer Information voraus, wohingegen Wissen nicht automatisch durch das Vorhandensein von Information gegeben ist. Da also die Zunahme der Informationen im Internet nicht gleichzeitig die Zunahme des Wissens bedeutet, wäre die Bezeichnung Informationsgesellschaft hinsichtlich sozialer Auswirkungen vermutlich zutreffender; jedoch hat sich der Ausdruck Wissensgesellschaft längst im medialen Sprachgebrauch etabliert. Er setzt den Bürger in einen autonomen, sozialpolitischen Kontext und ist damit positiver konnotiert.24

Der gesellschaftliche Wandel begründet sich in verschiedenen Entwicklungen: Die Dichte der Multimedia-Dienste und Informationstechnologien nimmt stetig zu und schafft ein globales Netz aus Informationsquellen, mit der Möglichkeit des internationalen und flexiblen Informationsaustauschs.25Die Digitalisierung „löst die Information von ihrer physischen Gebundenheit.“26Damit wächst nicht nur die wirtschaftliche Bedeutung des Informationssektors, sondern auch die Abhängigkeit der Gesellschaft von den Netzwerkmedien. ändert sich: Prozesse ihrer Entwicklung sind zunehmend von den Netzwerkmedien dominiert.27Ebenso hat sich das Wissen im 21. Jahrhundert den neuen Gegebenheiten qualitativ angepasst: „Digital prozessiertes Wissen ist die dominierende soziale Ressource […] [und] bestimmt die Entwicklung der Gesellschaft und die Partizipationschancen ihrer Mitglieder.“28

Diese Entwicklungen fordern neue Formen der Organisation und Kriterien, die dem digitalen Zeitgeist entsprechen. Die Suchmaschine Google dient in diesem Kontext als präferiertes Medium der Wissensverteilung, das den wachsenden Ansprüchen der Gesellschaft standhalten kann.29

3.2 Google-Gesellschaft

Wie sehr Google sich als Bestandteil in unserem alltäglichen Leben gefestigt hat, zeigt sich auch daran, dass die Bezeichnung „googeln“ sich nicht nur im mündlichen Sprachgebrauch durchgesetzt hat, sondern seit 2004 auch offiziell im Duden verankert ist.30Das Verb beschreibt die „zielgerichtete Nutzung des Internets als Informationsquelle“ und steht zudem als Synonym für „recherchieren“. Damit soll nicht nur die Möglichkeit des Suchens ausgedrückt werden, sondern vor allem die Möglichkeit des Findens.31

Dieser Zustand wirkt sich auf das gesamte Nutzungsverhalten des Internets aus: Sogenanntes „surfen“, „flanieren“ oder „sich treiben lassen“ wurde ersetzt durch zielstrebiges Suchen. Man geht nicht mehr ins Internet mit der Einstellung „Mal schauen was es so gibt“, sondern mit dem Vorsatz etwas zu finden. Die Internet-Suchmaschine – als Ursache oder aber Ergebnis dieses Verhaltens – stellt dabei die Schnittstelle zwischen dem Menschen und der gesuchten Information dar. Google, die beliebteste Suchmaschine, ist damit die erste Anlaufstelle im Netz und wird oft z.B. schon als Startseite des verwendeten Browsers eingestellt.32

Der romantisierten Darstellung der ehemaligen Google-Repräsentantin Rachel Whetstone zufolge sei die Suchmaschine ein „Ermöglichungswerkzeug“, das in der heutigen Gesellschaft neue Privilegien schaffe: „Während früher nur Reiche und Gebildete diesen Zugang hatten, [können] heute alle Internetnutzer die Informationsvielfalt nutzen.“33Google-Mitarbeiter Amit Singhal geht noch einen Schritt weiter und spricht von „IR for the Mass“ (dt.: Informationsbeschaffung für die Masse), angelehnt an die Ikonografie der russischen Revolution. Dass die Informationen von Google jedoch nicht objektiv bewertet und gelistet werden, sondern verschiedenen Sortier- und Selektionskriterien unterliegen, wird in dieser Darstellung außer Acht gelassen.34

Der komfortable Informationszugang bringt aber auch eine gewisse Bequemlichkeit der Menschen mit sich. Nicht nur, dass kaum einer auf alternative Suchmaschinen zurückgreift und Ergebnisse miteinander vergleicht; oft wird über das gesamte WorldWideWeb gar nicht mehr hinausgedacht. Der unerschöpfliche Informationspool im Internet führt zu der fälschlichen Annahme, dass alles auf der Welt vorhandene Wissen auch im Internet vorhanden ist. Wenn etwas also nicht via Google zu finden ist, existiert es auch nicht. Ergebnisse auf der zweiten Seite der Trefferliste oder gar noch weiter hinten sind schon gar nicht mehr relevant. Im Zuge dieser Gleichsetzung von Wissen und Information mit den Ergebnissen Googles kann man von einem Wandel der „Wissens- Gesellschaft“ zur „Google-Gesellschaft“ sprechen.35

4 Freiheits-Potential in der Google-Gesellschaft

Der Bekanntheitsgrad Googles führt womöglich dazu, dass die Internetnutzer diese als Standard-Suchmaschine gar nicht mehr hinterfragen. Gehalten hat sich die Beliebtheit Googles jedoch vor allem dank ihrer technischen Intelligenz und des kontinuierlichen Fortschritts. Niemand muss die Dienste Googles nutzen, aber sie machen das digitale Leben doch um einiges einfacher.

4.1 Informationsorganisation

Früher hätte man für die Antworten auf die Frage wer der 27. US-Bundespräsident war, und wie man am besten auf eine vegetarische Ernährung umstellt, zwei komplett verschiedene Abteilungen der Bibliothek aufsuchen müssen. Heutzutage kann man jede beliebige Frage ganz einfach in das kleine weiße Suchfeld von Google eintippen. Das spart nicht nur sehr viel Zeit, sondern liefert auch mehr als eine mögliche Antwort pro Frage.

Dadurch dass Google auf fast jede Suche entsprechende Ergebnisse parat hat, kann man sich vorstellen wie viele Informationen im Netz kursieren. Damit stehen Suchmaschinen vor einer neuen Herausforderung. Anders als in Zeiten vor dem Internet oder gar vor dem Buchdruck gilt es nicht mehr als Problem, überhaupt eine Antwort zu finden, sondern darum, die beste und individuell brauchbarste Antwort zu ermitteln. Die Menge an Informationen im Internet weltweit zu organisieren und für jeden zugänglich und nutzbar zu machen haben sich Sergey Brin und Larry Page damals zum Ziel gesetzt. So änderten sie, bevor ihr Unternehmen bekannt wurde, den ursprünglichen Namen „BackRub“ zu „Google“ – abgeleitet von dem mathematischen Begriff

[...]


1Vgl. Danker und Schwabe 2017, S. 12.

2Vgl. Seele 2016.

3Vgl. Buchtitel Lehmann und Schetsche 2007: „Die Google-Gesellschaft“.

4Vgl. Statista 2018

5Vgl. Pakalski 2018.

6Vgl. Novak und Fricke 2015.

7Vgl. Thumfart 2011.

8Vgl. Barlow 1996.

9Eagle et al. 2015, S. 84.

10Vgl. Röhle 2010, S. 17.

11Vgl. Eagle et al. 2015, S. 77.

12Vgl. Google Inc. o.J.c

13Vgl. Röhle 2010, S. 19.

14Vgl. Lehmann und Schetsche 2007, S. 191.

15Vgl. Röhle 2010, S. 19.

16Vgl. Lehmann und Schetsche 2007, S. 194.

17Vgl. Röhle 2010, S. 22.

18Vgl. Statista 2018.

19Lehmann und Schetsche 2007, S. 18.

20Vgl. Röhle 2010, S. 27f.

21Vgl. Konradin Medien GmbH 2015.

22Postman 1990.

23Lehmann und Schetsche 2007, S. 34.

24Vgl. ebd., S. 34f.

25Vgl. ebd., S. 37; 171.

26Ebd., S. 20.

27Vgl. ebd., S. 20.

28Ebd., S. 18.

29Vgl. ebd, S. 173.

30Vgl. Dudenredaktion o.J.

31Vgl. Lehmann und Schetsche 2007, S. 30.

32Vgl. Lehmann und Schetsche 2007, S. 20.

33Beiler und Zenker 2006, S. 13.

34Vgl. Röhle 2010, S. 26f.

35Vgl. Lehmann und Schetsche 2007, S. 21.

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gibt es noch Freiheit und Unabhängigkeit in der Google Gesellschaft? Wie die Informationswirtschaft die idealistischen Hoffnungen John P. Barlows vernichtet oder verwirklicht
Hochschule
Universität Regensburg
Note
1,7
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V454146
ISBN (eBook)
9783668872189
ISBN (Buch)
9783668872196
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Google, Unabhängigkeitserklärung des Cyberspace, Informationswirtschaft, Suchmaschinengesellschaft
Arbeit zitieren
Paula Rendel (Autor), 2018, Gibt es noch Freiheit und Unabhängigkeit in der Google Gesellschaft? Wie die Informationswirtschaft die idealistischen Hoffnungen John P. Barlows vernichtet oder verwirklicht, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454146

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