Zur Darstellung von Muslimen in "Don Quijote de la Mancha" von Miguel Cervantes

Ein kulturwissenschaftlicher Blick auf Mauren im spanischen Siglo de Oro


Hausarbeit, 2016

19 Seiten, Note: 1.3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

1. Einleitung

2. Die islamische Welt in Spanien
2.1 Muslime erobern Spanien
2.2 Die Reconquista
2.2.1 Von mudéjares zu moriscos

3. Die taqiyya

4. Don Quijote von Miguel de Cervantes
4.1 Informationen zum Roman
4.2 Inhalt

5. Der muslimische Lügner im Werk von
5.1 Cide Hamete Benengeli
5.2 Die Verstellung des Chronisten Benengeli

6. Zusammenfassung und Ausblick

Literaturverzeichnis

Abstract

El trabajo presente trata de la representación de los musulmanes en la novela “El ingenioso hidalgo Don Quijote de la Mancha”, que fue escrito por Miguel de Cervantes Saavedra, en relación de la taqiyya. Durante muchos siglos los musulmanes jugaban un papel muy importante en la historia de España. Estuvieron presentes en España casi 800 a ños e influyeron en la cultura y también en la literatura española. Durante la conquista de la Península íberica a tráves de los moros, los otros religiosos que no eran musulmanes todavía podían practicar su fe que fue un contraste con la reconquista donde todos los habitantes tenían que convertirse a cristianismo. A causa de la conversión forzada los musulmanes que todavía debían vivir aquí tenían que esconder su fe islámica. Esta actitud se refiere a la taqiyya, una doctrina chiíta. El objetivo de este trabajo es demostrar una relación posible entre la taqiyya y los musulmanes en la novela “Don Quijote”. En el transcurso de este trabajo se puede ver que la taqiyya podría ser una razón por qué se describe los moros como mentirosos y engañados en esta novela.

1. Einleitung

Muslime spielten eine sehr große Rolle in der Geschichte Spaniens. Jahrhunderte lang hielten sie die Oberhand über die iberische Halbinsel und hinterließen deutliche Spuren. In vielen Städten Spaniens befinden sich heute noch unzählige eindrucksvolle Bauten, die aus den Jahren der muslimischen Herrschaft stammen. Sei es die Alhambra in Granada, der Alcázar in Sevilla oder die ehemalige Moschee La Mezquita de Córdoba, die dem maurischen Stil der islamischen Kunst entsprechen. Des Weiteren ist der Einfluss der arabischen Sprache auf die spanische Sprache wiederzufinden. Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen Arabismen, die dort enthalten sind.

Die islamische Welt hatte eine große Bedeutung in der spanischen Geschichte. Die Auseinandersetzung mit der Präsenz der Muslime in Spanien und dessen Herrschaft wurden besonders in der spanischen Literatur wiedergespiegelt. Ob in Romanen, Gedichten oder in anderen literarischen Gattungen, die Rolle der Muslime wurde sehr oft beschrieben. Selbst im wohl bekanntesten Roman in der spanischen Literatur „ Don Quijote “ vom spanischen Nationaldichter Miguel de Cervantes Saavedra sind viele muslimische Figuren wiederzufinden. Im Rahmen des Proseminars „ Juden und Muslime in der spanischen Literatur vor 1700 “ wird in dieser Arbeit untersucht, inwiefern die Darstellung der Muslime in Cervantes Werk auf eine alte schiitische Lehre, der taqiyya, zurückzuführen ist.

Zu Beginn wird die Eroberung Spaniens kurz erläutert und dessen Rückeroberung dargestellt, in der Muslime eine große Rolle spielten. Im Anschluss folgen Definitionen für die Begriffe moriscos und taqiyya, die in der späteren Analyse in der Darstellung der Muslime in Cervantes Werk eine zentrale Rolle spielen. Vor der eigentlichen Analyse wird der Inhalt des Werkes zusammengefasst. Abschließend werden die Ergebnisse angeführt und ein möglicher Ausblick skizziert.

2. Die islamische Welt in Spanien

Die spanische Geschichte ist geprägt von der arabischen Inversion. Mehrere Jahrhunderte lang herrschten Muslime über die iberische Halbinsel, verbreiteten den Islam und überbrachten die arabische Wissenschaft. Eine Zeit in der Christen, Juden und Muslime zusammentrafen.

Dieses Kapitel befasst sich mit der Eroberung und mit der darauffolgenden Rückeroberung der damaligen Westgoten. Kurz und knapp findet hier ein kleiner Exkurs in die Geschichte Spaniens statt, der wichtig für die spätere Analyse von der Darstellung der Muslime in „ Don Quijote“ sein wird.

2.1 Muslime erobern Spanien

Der Beginn der islamischen Herrschaft in der iberischen Halbinsel fand im Jahr 711 statt. Tariq ibn Ziyad, ein berberisch- muslimischer Feldherr, überquerte mit seinen Truppen die Meerenge von Gibraltar und drang in das damalige Reich der Westgoten vor (Bossong 2007: 15). Am 19. Juli forderte er am Fluss Guadalete in der Nähe von Cádiz den westgotischen König Roderich (sp. Rodrigo) zum Entscheidungskampf heraus: Roderich wurde geschlagen und die Muslime (auch in dem Zusammenhang Mauren genannt) eroberten Spanien ohne nennenswerten Widerstand (ebd.: 15 ff). Al-Andalus, so wurde das neu eroberte islamisierte Land, die iberische Halbinsel, benannt, welche innerhalb von wenigen Jahren die ganze Halbinsel, bis auf die nördlichen Regionen (Neuschäfer 2011: 6), umfasste. Auf der nächsten Seite befindet sich eine Karte, auf der die Region Al-Andalus gekennzeichnet ist.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Die iberische Halbinsel vom 8. bis Mitte 11. Jh. (Campi/Sabaté 1998: 11)

Die Bevölkerung in Al-Andalus konnte in sechs Bevölkerungsgruppen eingeteilt werden (Marklowski 2006: 9). Die ersten beiden Gruppen bildeten die Araber, von denen ein Teil in Spanien geboren wurde und der andere Teil nach Spanien ausgewandert ist. Die Berber bildeten eine weitere Gruppe, die überwiegend aus Afrika in den Süden der iberischen Halbinsel übersiedelte. Des Weiteren gab es viele Einheimische, die den Islam freiwillig annahmen. Diese wurden muladíes (dt.: angenommene Kinder) genannt und repräsentierten demzufolge eine eigene Gruppe (Neuschäfer 2011: 7). Ein weiterer Bevökerungsanteil stellte die Musta´ribun, auch mozárabes (dt.: Arabisierte), dar, die christliche Einwohner bezeichnete, die unter muslimischer Herrschaft lebten und sich in ihrer äußeren Lebensform den Strukturen der arabischen Gesellschaft anpassten (ebd.: 7). Zu einer weiteren Bevölkerungsgruppe zählten die Juden.

Das damalige Al-Andalus brachte drei Weltreligionen zusammen: Muslime, Christen und Juden lebten gemeinsam in der damaligen Zeit als Nachbarn. Unter der muslimischen Herrschaft war das Praktizieren einer christlichen oder jüdischen Glaubensrichtung erlaubt (Bossong 2007: 21).

Durch den letzten Umayyaden1 wurde 756 ein unabhängiges Emirat in Córdoba errichtet, das im 10. Jh. (929) zu einem Kalifat wurde, mit Abd ar- Rahmān als Kalifen (Clot 2004: 37). Aufgrund von Bürgerkriegen zerfiel jedoch das Kalifat in einzelne Kleinstaaten, die man Taifas nannte und die unabhängig voneinander waren (Horenburg 1996: 37).

Nach dem Untergang des Kalifats verloren die Mauren durch zahlreiche Kämpfe mehr und mehr an Boden. In Spanien schrumpfte das muslimische Reich, die Christen eroberten nach und nach jeden Kleinstaat zurück bis nur noch Granada als einziges Emirat bis 1429 bestehen blieb (Bossong 2007: 51).

2.2 Die Reconquista

Die Reconquista beschreibt die Zeit, in der die Christen die durch die Mauren besetzte iberische Halbinsel zurückerobert hatten. Es handelt sich bei der Bezeichnung um einen Rückeroberungsprozess, der Hunderte von Jahren in Anspruch nahm. Die Macht der Muslime in Spanien war so stark, dass die Wiedergewinnung des Landes über sieben Jahrhunderte andauerte (Lomax 1980: 44). Im Norden Spaniens jedoch, der nicht in Besitz islamischer Hand war, wie in Kapitel 2.1 schon erwähnt, formte sich eine Rebellion gegen die islamischen Herrscher, die schon kurz nach der Eroberung stattfand und bis 1492 anhielt. Im Jahr 718 wurde das Königreich Asturien mit der Hauptstadt Oviedo errichtet, das als Ausgangspunkt für den Widerstand gegen die Muslime darstellte. Die ersten Erfolge der Reconquista Spaniens wurden im Jahre 722 datiert, als Asturer unter Führung von Pelayo maurische Truppen in Covadonga in Asturien besiegten (Neuschäfer 2011: 8). Außerhalb Asturiens begannen sich weitere christliche Reiche zu bilden - teils durch Teilung, teils durch Vereinigung -, die sich mehr und mehr nach Süden ausdehnten (Horenburg 1996, 40). Als den christlichen Herrschern im Norden Spaniens auffiel, dass das islamische Gebiet durch Unstimmigkeiten unter den Muslimen geschwächt war, sahen sie ihre Chance gekommen und intensivierten ihre Rückeroberungsversuche (Clot 2004: 233). Der König von Kastilien-León, Alfonso VI., eroberte im Jahr 1085 Toledo (Horenburg 1996: 40 f.). Dies erwies sich als eine große Niederlage für die Muslime, auf die ein Jahrhundert später eine noch gewaltigere Niederlage folgte. Am 12. Juni 1212 mussten sich die Almohaden2 durch das kastilische Heer unter der Herrschaft von Alfonso VIII. in der Schlacht von Las Navas de Tolosa geschlagen geben (Clot 2004: 235 f.) Die Muslime mussten seither immer mehr Gebiete abtreten. 1236 ging ihnen Córdoba, 1238 Valencia, 1246 Jaén und 1248 auch Sevilla verloren. Schließlich blieb ihnen vom 13. bis zum 15. Jahrhundert nur noch Granada an der Südküste Spaniens zurück (Bossong 2007: 51). Die letzte Phase des Prozesses der Rückeroberung fand mit der Vereinigung der beiden größten christlichen Königreiche auf der iberischen Halbinsel Kastilien und Aragón durch die Ehe im Jahr 1469 von Isabella I. von Kastilien und Ferdinand II. von Aragón statt (ebd.: 56). Nachdem die Reconquista lange Zeit stagnierte, fühlten sich die spanischen Rückeroberer stark genug, auch die letzte islamisierte Region auf spanischem Boden zu erkämpfen, der Vasallenstaat Granada. Nach Jahren des Krieges musste sich das islamische Granada letztlich zu Beginn des Jahres 1492 ergeben und die Reconquista wurde damit für abgeschlossen erklärt (Lomax 1980: 261 f.).

2.2.1 Von mudéjares zu moriscos

Nachdem Granada zu Fall gebracht worden ist, änderten sich die Machtverhältnisse gewaltig. Es gab keinen muslimischen Staat auf spanischem Boden mehr, jedoch gab es immer noch einen großen Bevölkerungsanteil der muslimisch geprägt war. Die Einwohner Spaniens, die nach der christlichen Rückeroberung ihren muslimischen Glauben beibehielten, nannte man mudéjares (Bossong 2007: 59). Zunächst wurde versucht, die Koexistenz der Religionen ganz nach islamischem Vorbild aufrechtzuerhalten. So wurde den Muslimen die freie Ausübung ihres Glaubens nach dem Fall Granadas vertraglich zugesichert, jedoch in der Praxis nicht umgesetzt (Clot 2004: 260). Unter dem Befehl von Isabella I. und Ferdinand II. wurde die Zwangsbekehrung der muslimischen Bevölkerung eingeführt, denn die Anzahl der Muslime in der iberischen Halbinsel war zu hoch und musste beseitigt werden (Bosson 2007: 59 f.). Zudem sollte die arabische Sprache als Umgangssprache verboten werden (Clot 2004: 262). Als die Muslime sich dem widersetzten, wurden Unzählige von ihnen getötet und die Moscheen in Brand gesetzt. Das spanisch christliche Reich reagierte auf den Widerstand der Muslime mit einer Frist, nach der sie entweder den christlichen Glauben annehmen oder das Land verlassen sollten, während ihr Eigentum an die Kirche fallen sollte (ebd.: 263).

Man versuchte, die Muslime Granadas zu bekehren, und als sie sich dagegen auflehnten und besiegt wurden (1500), konnten sie zwischen Taufe und Verbannung wählen. Die meisten entschieden sich für die Taufe, und Kastilien stand nun da mit vielleicht einer halben Million getaufter Muslime – haßerfüllt, unversöhnlich und gefährlich (Lomax 1980,:265).

Zwar wurde den Muslimen die Wahl zwischen Taufe oder Auswanderung gegeben, doch konnten die Muslime erst gegen Bezahlung das Land verlassen (Bossong 2007: 62). Faktisch hatten sie nur die Wahl zwischen Taufe und Tod. So fanden dementsprechend zahllose Zwangstaufen statt. Die zwangsbekehrten mudéjares wurden alle zu moriscos: Muslime, die gezwungen waren das Christentum anzunehmen (ebd.: 59).

Der Großteil der moriscos jedoch praktizierte heimlich den Islam weiter (ebd.: 59). Überwiegend existierten Scheinchristen. Es war die einzige Möglichkeit den Islam in dieser Zeit in Spanien weiter beizubehalten und noch am Leben zu bleiben.

Laut Meinung islamischer Gelehrter konnte dieses Verhalten aus religiöser Sicht mit folgender Aussage gerechtfertigt werden.

Nach islamischer Rechtsauffassung ist es Muslimen ausdrücklich erlaubt, sich aus Gründen den der Opportunität zu verstellen, solange sie nur im Herzen ihrem Glauben treu bleiben (ebd.: 60).

Die obere Aussage bezieht sich auf die sogenannte taqiyya, die im folgenden Kapitel genauer beschrieben und erläutert wird.

[...]


1 Eine Dynastie von Kalifen, die von 661 bis 750 Oberhäupter des sunnitischen Islams waren (Marklowski 2006: 11)

2 Eine muslimische Berber-Dynastie, die 1147 bis 1269 über den Maghreb und Al-Andalus Herrschte (Marklowski 2006: 11)

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Details

Titel
Zur Darstellung von Muslimen in "Don Quijote de la Mancha" von Miguel Cervantes
Untertitel
Ein kulturwissenschaftlicher Blick auf Mauren im spanischen Siglo de Oro
Hochschule
Ruhr-Universität Bochum
Note
1.3
Jahr
2016
Seiten
19
Katalognummer
V454158
ISBN (eBook)
9783668880818
ISBN (Buch)
9783668880825
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, muslimen, quijote, mancha, miguel, cervantes, blick, mauren, siglo
Arbeit zitieren
Anonym, 2016, Zur Darstellung von Muslimen in "Don Quijote de la Mancha" von Miguel Cervantes, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454158

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