Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Muslime im literarischen Werk von Miguel Cervantes dargestellt werden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf seinem Roman "Don Quijote de la Mancha".
Muslime spielten eine sehr große Rolle in der Geschichte Spaniens. Jahrhundertelang hielten sie die Oberhand über die Iberische Halbinsel und hinterließen deutliche Spuren. In vielen Städten Spaniens befinden sich heute noch unzählige eindrucksvolle Bauten, die aus den Jahren der muslimischen Herrschaft stammen. Des Weiteren ist der Einfluss der arabischen Sprache auf die spanische Sprache wiederzufinden. Besonders hervorzuheben sind die zahlreichen Arabismen, die dort enthalten sind.
Die Auseinandersetzung mit der Präsenz der Muslime in Spanien und deren Herrschaft wurden besonders in der spanischen Literatur wiedergespiegelt. Ob in Romanen, Gedichten oder in anderen literarischen Gattungen, die Rolle der Muslime wurde sehr oft beschrieben. Selbst im wohl bekanntesten Roman der spanischen Literatur, dem "Don Quijote" des spanischen Nationaldichters Miguel de Cervantes Saavedra, sind viele muslimische Figuren wiederzufinden. Im Folgenden wird in dieser Arbeit untersucht, inwiefern die Darstellung der Muslime in Cervantes' Werk auf eine alte schiitische Lehre, die "taqiyya", zurückzuführen ist. Zu Beginn wird die Eroberung Spaniens kurz erläutert und dessen Rückeroberung dargestellt, in der Muslime eine große Rolle spielten. Im Anschluss folgen Definitionen für die Begriffe "moriscos" und "taqiyya", die in der späteren Analyse eine zentrale Rolle spielen. Vor der eigentlichen Analyse wird der Inhalt des Werkes zusammengefasst. Abschließend werden die Ergebnisse angeführt und ein möglicher Ausblick skizziert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die islamische Welt in Spanien
2.1 Muslime erobern Spanien
2.2 Die Reconquista
2.2.1 Von mudéjares zu moriscos
3. Die taqiyya
4. Don Quijote von Miguel de Cervantes
4.1 Informationen zum Roman
4.2 Inhalt
5. Der muslimische Lügner im Werk von
5.1 Cide Hamete Benengeli
5.2 Die Verstellung des Chronisten Benengeli
6. Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Darstellung muslimischer Figuren im Roman „Don Quijote“ von Miguel de Cervantes im Kontext der islamischen Lehre der taqiyya. Es soll analysiert werden, inwiefern die Figur des fiktiven Chronisten Cide Hamete Benengeli als morisco angelegt ist und ob Cervantes ihm aufgrund des taqiyya-Prinzips, welches Muslimen in Notsituationen die religiöse Verstellung erlaubt, bewusst die Rolle eines unzuverlässigen bzw. lügenden Erzählers zuschreibt.
- Historischer Hintergrund der Muslime in Spanien und der Reconquista
- Definition und religiöse Rechtfertigung der taqiyya-Lehre
- Analyse der Erzählerfigur Cide Hamete Benengeli als morisco
- Die literarische Konstruktion von Glaubwürdigkeit und Verstellung im Roman
Auszug aus dem Buch
5.2 Die Verstellung des Chronisten Benengeli
Wer war also nun Cide Hamete Benengeli?
Im Roman wird er nicht nur beschrieben als „autor moderno“ und „historiador arábigo“ (Cervantes 1973: II, 457), sondern auch als „filósofo mahomético“ (ebd.: 412), „católico cristiano siendo él moro“ (ebd.: 27, 229) und sogar als „lügnerischen Hund“ wird er dargestellt (Neumahr 2015: 250).
[Don Quijote] desconsolóle pensar que su autor era moro, según aquel nombre de Cide, y de los moros no se podía esperar verdad alguna, porque todos son embelecadores, falsarios y quimeristas. (Cervantes 1973: II, 646)
Don Quijote scheint wohl wenig erfreut zu sein, als er erfährt, dass seine Taten von einem Mauren geschrieben werden. Ebenso wird die Unzuverlässigkeit des Verfassers des Skripts im ersten Teil erläutert:
Si a [la historia] se le puede poner alguna objeción cerca de su verdad, no podrá ser otra sino haber sido su autor arábigo, siendo muy propio de los de aquella nación ser mentirosos. (Cervantes 1973: I, 110)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Bedeutung der Muslime in Spanien ein und erläutert die Forschungsfrage bezüglich der Verbindung zwischen der Darstellung der Muslime in „Don Quijote“ und der schiitischen Lehre der taqiyya.
2. Die islamische Welt in Spanien: Dieses Kapitel gibt einen geschichtlichen Überblick über die Eroberung Spaniens, die Zeit von Al-Andalus und den Prozess der Reconquista, der zur Zwangskonvertierung der Muslime führte.
3. Die taqiyya: Hier wird der Begriff taqiyya als islamische Lehre definiert, die es Muslimen in bedrohlichen Situationen gestattet, ihren Glauben nach außen zu verleugnen, während sie im Herzen ihrer Religion treu bleiben.
4. Don Quijote von Miguel de Cervantes: Dieses Kapitel präsentiert grundlegende Informationen zum Roman und fasst dessen Inhalt zusammen, wobei auch die Rolle der Erzählerfigur Don Quijotes beleuchtet wird.
5. Der muslimische Lügner im Werk von: Dieses Kapitel analysiert die Figur des Cide Hamete Benengeli und untersucht, wie dessen Darstellung als maurischer Chronist und morisco mit dem Prinzip der taqiyya und der Zuschreibung von Unzuverlässigkeit korrespondiert.
6. Zusammenfassung und Ausblick: Diese Zusammenfassung resümiert die gewonnenen Erkenntnisse über die Verflechtung von Cervantes' Werk mit dem Prinzip der religiösen Verstellung und skizziert potenzielle weitere Forschungsansätze.
Schlüsselwörter
Don Quijote, Miguel de Cervantes, taqiyya, moriscos, Muslime, Spanien, Reconquista, Cide Hamete Benengeli, Literaturanalyse, Religionsgeschichte, Verstellung, maurische Geschichte, Al-Andalus, literarische Analyse, Identität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, ob die Darstellung von Muslimen und insbesondere des Erzählers Cide Hamete Benengeli im Roman „Don Quijote“ durch das islamische Konzept der taqiyya, der religiösen Verstellung, geprägt ist.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die Geschichte der Muslime in Spanien während der Reconquista, die religiöse Lehre der taqiyya und die literarische Analyse der Erzählstruktur in Cervantes' Hauptwerk.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, inwiefern die Darstellung muslimischer Figuren im Roman auf die taqiyya-Lehre zurückzuführen ist und wie dies die Charakterisierung des Chronisten Benengeli beeinflusst.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Kontexte mit textanalytischen Beobachtungen zur Figur des Chronisten und dessen literarischer Rahmung verknüpft.
Was wird im Hauptteil des Werkes thematisiert?
Der Hauptteil behandelt die historische Entwicklung von mudéjares zu moriscos, die Definition der taqiyya sowie die spezifische Untersuchung von Cide Hamete Benengeli als einem morisco, der sich der Kunst der Verstellung bedient.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich diese Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Don Quijote, taqiyya, moriscos, maurische Geschichte, Literaturanalyse und religiöse Identität charakterisieren.
Warum wird der Erzähler Cide Hamete Benengeli im Roman als Lügner bezeichnet?
Dies resultiert aus der historischen Zuschreibung gegenüber Mauren, ihre eigene Wahrheit nicht zu sagen, sowie aus seiner spezifischen Identität als morisco, die im Roman mit Misstrauen und dem Verdacht auf Verstellung belegt wird.
Welche Bedeutung hat das Jahr 1504 im Kontext der taqiyya für die moriscos?
In diesem Jahr wurde eine fatwa erlassen, die den moriscos im Königreich Granada explizit erlaubte, ihren Glauben unter den gegebenen Bedingungen der Unterdrückung zu verheimlichen, um zu überleben.
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- Anonym (Author), 2016, Zur Darstellung von Muslimen in "Don Quijote de la Mancha" von Miguel Cervantes, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454158