Der Umgang mit Fachsprache im Mathematikunterricht. Eine Beobachtungsanalyse


Studienarbeit, 2018
19 Seiten, Note: 1.7
Anonym

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung
2. Die Vielfalt der Sprachen
2.1 Alltags-, Bildungs- und Fachsprache
2.1.1 Alltagssprache
2.1.2 Bildungssprache
2.1.3 Fachsprache
2.2 Überblickstabelle der Sprachen
2.3 Beispiel

3. Konflikt zwischen Alltags-, und Fachsprache

4. Beobachtungsstudie
4.1 Beobachtung 7.Klasse
4.2 Beobachtung: 9. Klasse

5. Fazit

6. Literatur

7. Anhang

1. Einleitung

Schüler aus der 11. Klasse beschreibt seinen Mathematikunterricht:

Mathematik ist wie Fernsehen in einer anderen Sprache. Ich sehe was abläuft, verstehe aber nicht, worum es geht “ (Niederdrenk-Felger 2000: S.4)

Was passiert im Mathematikunterricht? Dieses Beispiel verdeutlicht ein Problem, vor dem viele Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht stehen. Die Sprachenvielfalt ist ein großer Bestandteil dieses Faches. Mathematik stellt hohe sprachliche Anforderungen an die Schülerinnen und Schüler: Lernende sollen viele Sprachen verstehen, sprechen und schreiben können und dies sollte ihnen auch bewusst sein. Nicht nur Schülerinnen und Schüler mit einem Migrationshintergrund, die dementsprechend mit mehreren Sprachen aufgewachsen sind, haben Schwierigkeiten im Mathematikunterricht voran zu kommen, sondern auch all die anderen Schülerinnen und Schüler. Denn es geht um den Umgang mit der Alltags-, Bildungs-, und Fachsprache in dem vermeintlich spracharmen Fach. Dies stellt viele Probleme für Schülerinnen und Schüler dar. Wann wird die Fachsprache von ihnen, aber auch von der Lehrkraft verwendet? Wie sieht es in einem richtigen Mathematikunterricht aus? Mit Hilfe dieser Fragen wurde im Rahmen des Praxissemester für das Studienprojekt der Fokus auf die Fachsprache der Schülerinnen und Schüler im Mathematikunterricht gestellt.

Zu Beginn dieses Studienprojekts wird die Theorie zu diesem Thema kurz angeschnitten. Im weiteren Verlauf werden Unterrichtsbeobachtungen mit der Beobachtungsfrage: „ Wann wird die Fachsprache von Schülerinnen und Schüler verwendet “ aufgeführt. In den folgenden Beobachtungsbögen wurden Notizen von der Praxissemesterstudentin gemacht. Abschließend werden die Ergebnisse formuliert und ein mögliches Fazit gezogen. Zu beachten ist, dass die Unterrichtsbeobachtungen in fünf Klassen durchgeführt wurden. In diesem Projekt werden zwei von ihnen aufgeführt, die sich stark herauskristallisiert haben.

2. Die Vielfalt der Sprachen

Bevor man sich mit den Beobachtungen der Praxissemesterstudentin befasst, ist es wichtig, sich vorher deutlich zu machen, was überhaupt mit Alltags-, Bildungs- und natürlich Fachsprache Bezug auf das Fach Mathematik gemeint ist in.

2.1 Alltags-, Bildungs- und Fachsprache

2.1.1 Alltagssprache

Nicht nur im Schulumfeld, mit Freunden oder zu Hause wird die Alltagssprache benutzt, sondern auch in allen Unterrichtsfächern. Um überhaupt am Unterricht teilnehmen zu können, müssen Schülerinnen und Schüler über ein bestimmtes sprachliches Können verfügen. Sie müssen die Unterrichtssprache und die Lehrkraft und ihre Mitschülerinnen und Mitschüler verstehen. Somit auch im Fach Mathematik kann die Alltagssprache nicht übersehen werden. Schülerinnen und Schüler sind mit dieser Sprache stark vertraut im Gegensatz zur Bildungs- oder Fachsprache.

Jeder Fachunterricht baut auf der Alltagssprache auf, deshalb ist die Entwicklung allgemeiner sprachlicher Kompetenzen – produktiv wie rezeptiv, mündlich wie schriftlich – Voraussetzung für die Entwicklung von fachsprachlichen Kompetenzen und damit für einen erfolgreichen Unterricht. “ (Fenkart: 2010, S.2).

Nach Fenkert wird deutlich, dass die Alltagssprache der Grundbaustein aller anderen Sprachen ist.

2.1.2 Bildungssprache

Die Bildungssprache ist fächerübergreifend und somit nicht fachspezifisch. Oft ist es schwierig zu unterscheiden, ob es sich um die Bildungs- oder Fachsprache handelt. Sie ist im Mathematikunterricht das dritte Lernmedium neben der Alltagssprache und Fachsprache (Gogolin 2009). Mit Bildungssprache werden die Lernenden sowohl in Texten (Textaufgaben, Tageszeitungen, etc.) als auch durch die Sprache der Lehrkraft konfrontiert. Daraus schließt man, dass die Sprache der Lehrkraft eine sehr wichtige Rolle für einen guten Unterricht spielt. Die Bildungsstandards für die Grundschule verlangen, dass Schülerinnen und Schüler lernen, in angemessener Weise über mathematische Inhalte zu kommunizieren und zu argumentieren. Die Schülerinnen und Schüler sollen die Fähigkeit des Modellierens erwerben und Problemlösungen formulieren können (KMK 2004). Diese sogenannten prozessbezogenen Kompetenzen, die zusammen mit den inhaltsbezogenen Kompetenzen die mathematischen Kompetenzen darstellen, verlangen ein hohes Maß an bildungssprachlichen Kompetenzen. Im Fach Mathematik kommen häufig Wörter vor, die keine Fachwörter im eigentlichen Sinn sind. Es sind Ausdrücke, die der Bildungssprache zugeordnet werden (z.B. vermehren, vermindern, Preis, Entfernung, Leergewicht). Die Begriffe und die damit verbundenen Konzepte müssen im Unterricht thematisiert werden, denn sie sind für Kinder in ihrem alltagssprachlichen Kontext vollkommen ungebräuchlich (Ebd.).

2.1.3 Fachsprache

Die offensichtliche sprachliche Herausforderung im Mathematikunterricht bildet die Fachsprache mit ihren eigenen Begriffen, spezifischen Satzstrukturen und spezifischen Textsorten (Definitionen, Merksätze, etc.) (Maier/Schweiger 1999: S.20ff). Betrachtet man dies im linguistischen Sinne ist die Fachsprache keine völlig neue Sprache, weil sie auf der Alltagsprache aufbaut. Sie bildet aber ein eigenes Sprachregister, damit meinen linguistische Wissenschaftler „ funktionsspezifische Sprech- und Schreibweisen, die eigene, für den jeweiligen Kommunikationszweck optimierte, Bedeutungen generieren lassen “ (Gibbons 2010: S.25). Zahlen, Formeln, Abkürzungen verlangen ein hohes Maß an Abstraktionsvermögen. Eine zentrale Aufgabe des Mathematikunterrichts besteht in dem Aufbau der mit der mathematischen Sprache verbundenen Konzepte. Das gelingt nur, wenn diese abstrakten Konzepte mit anderen Ebenen und Formen von Sprache beschrieben werden können. Hier sind bildungs- und fachsprachliche Kompetenzen und zum Teil auch allgemeinsprachlichen Kompetenzen unabdingbar. Konzepte können nur ausgebildet werden, wenn die mathematische Sprache in reale Situationen „übersetzt“ werden kann (vgl. Fenkert 2010: 22ff).

In der nachfolgenden Tabelle werden die drei Sprachen kurz zusammenfassend gegenübergestellt in Bezug auf unterschiedliche Konzepte in der Kommunikation (Tabelle aus www.schulportal-thueringen.de):

2.2 Überblickstabelle der Sprachen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1 aus www.schulportal-thueringen.de

Anhand dieser Tabelle erkennt man, dass die Alltagssprache stark in der Kommunikation von der Bildungssprache und Fachsprache abgrenzt. Jedoch haben wir zuvor erläutert, dass die Alltagssprache der Grundbaustein eines Mathematikunterrichts ist, denn wie sollen Schülerinnen und Schüler anfangen zu kommunizieren? Sukzessiv wird die Fachsprache erlernt.

2.3 Beispiel

Nach dem alle drei Sprachen definiert und erläutert worden sind, wird eine Aussage in der Alltags-, Bildungs-, und Fachsprache formuliert.

In der Alltagssprache:

„Gestern war Schlussverkauf und ich war in meinem Lieblings-Klamottenladen einkaufen. Bei der Hose habe ich zehn Euro Prozente bekommen. Und weil ich direkt bezahlt habe, hat der Verkäufer den bereits gesenkten Preis nochmal um drei Prozent reduziert. Dann habe ich 77,50 Euro bezahlt“ (Veränderte Aussage aus: Sprachsensibler Mathematikunterricht in der Sekundarstufe).

In der Bildungssprache:

Im Schlussverkauf wurde auf die UVP einer Hose 10€ Rabatt gegeben und wegen Barzahlung wurden auf den neuen Preis 3% Skonto nachgelassen. So betrug der Verkaufspreis schließlich 77,50€.

In der Fachsprache:

Wird der Grundwert um 10€ und um weitere 3% vermindert, liegt der Prozentwert bei 77,50€.

Vergleicht man die Aussagen mit der Tabelle 1, erkennt man deutlich, dass die Aspekte der Tabelle auf dieses Beispiel zutreffen. Betrachtet man die Aussage der Fachsprache sieht man, dass aus einer über drei-Zeilen-Aussage nur noch eine Zeile übrig geblieben ist, in der zwei Fachbegriffe enthalten sind. Kennt die Schülerin oder der Schüler nicht die Begriffe Grundwert und Prozentwert, so wird es ihr/ihm schwer fallen, die Aussage verstehen zu können.

Wenn Schülerinnen und Schüler die Begriffe kennenlernen, müssen diese zunächst in der Alltags-, oder auch Bildungssprache übersetzt werden. Man kann die Fachbegriffe in der Fachsprache wie eine Art neues Vokabular ansehen. Auffällig ist jedoch, dass vieles von dem Vokabular schon in der Alltagssprache existiert, jedoch eine andere Bedeutung hat.

3. Konflikt zwischen Alltags-, und Fachsprache

Für den Prozess des Mathematisierens muss die mathematische Fachsprache beherrscht werden. Dazu gehören Fachbegriffe (z.B. Addition, Diagramm, subtrahieren, Stellentafel, gerade Zahl, orthogonal, etc.). Das Erlernen von Fachbegriffen ist immer mit der Bildung mentaler Modelle verbunden. Das Verstehen dieser fachsprachlichen Bezeichnungen wird oft dadurch erschwert, dass viele Begriffe aus der Alltagssprache entlehnt sind und im mathematischen Kontext andere oder abgewandelte Bedeutungen haben.

Diese Mehrdeutigkeiten werden am Beispiel des Begriffes Seite erklärt:

Im Gegensatz zur mathematischen Definition wird dieser Begriff umgangssprachlich mehrfach verwendet: Eine „Buchseite“ ist mathematisch betrachtet eine Fläche. Eine „Internetseite“ ist eine virtuelle Fläche. „Auf der anderen Seite“ bedeutet gegenüber oder abstrakt hingegen. „Zeig dich von deiner besten Seite“ bedeutet: Mach einen guten Eindruck. Scheinbar bekannte Wörter werden somit nicht verstanden, wenn die fachsprachsprachliche Bedeutung nicht im Kontext vermittelt wird (vgl ebd.)

So sieht man, dass oft selbe Wörter in der Fachsprache eine andere Bedeutung haben als in der Alltagssprache. Dies ist nicht jeder Schülerin oder jedem Schüler bewusst. Das Abgrenzen der Bedeutungen fällt ihnen schwer. Dies stellt somit auch ein Problem im Lernerfolg dar. Werden die mathematischen Begriffe anders gedeutet, so wird die bestimmte Aufgabenstellung oder auch der mathematische Aufgabentext nicht für die Schülerin oder dem Schüler verständlich.

4. Beobachtungsstudie

Während des Praxissemesters, hat die Praxissemesterstudentin sich mit dem Thema Fachsprache im Mathematikunterricht an einem Gymnasium befasst. Es wurde in mehreren Klassen die Benutzung der Fachsprache der Schülerinnen und Schüler überprüft. Anhand eines Beobachtungsbogens wurde notiert wann und in welcher Situation Fachsprache verwendet worden ist. Zugegebenermaßen war oft der Unterschied zwischen Bildungs-, und Fachsprache nicht immer sehr deutlich. In diesem Bericht, werden zwei Beobachtungsdurchgänge beschrieben und erläutert.

[...]

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Der Umgang mit Fachsprache im Mathematikunterricht. Eine Beobachtungsanalyse
Note
1.7
Jahr
2018
Seiten
19
Katalognummer
V454162
ISBN (eBook)
9783668876521
ISBN (Buch)
9783668876538
Sprache
Deutsch
Schlagworte
umgang, fachsprache, mathematikunterricht, eine, beobachtungsanalyse
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Anonym, 2018, Der Umgang mit Fachsprache im Mathematikunterricht. Eine Beobachtungsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454162

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