Früherkennung von Unternehmenskrisen mit Hilfe der Jahresabschlussanalyse

Eine Fallstudie


Masterarbeit, 2017
86 Seiten, Note: 2,0
Konrad Beck (Autor)

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

1. Einleitung

2. Jahresabschlussanalyse
2.1 Grundsätze
2.2 Erfolgswirtschaftliche Analyse
2.2.1 Ergebnisanalyse
2.2.2 Rentabilitätsanalyse
2.3 Finanzwirtschaftliche Analyse
2.3.1 Investitionsanalyse
2.3.2 Finanzierungsanalyse
2.3.3 Liquiditätsanalyse
2.4 Strategische Analyse

3. Vorstellung der German Pellets GmbH
3.1 Informationen über das Unternehmen
3.2 Insolvenzverfahren

4. Jahresabschlussanalyse am Beispiel der German Pellets GmbH
4.1 Aufbereitung des Jahresabschlusses
4.2 Analyse der Ertragskraft
4.2.1 Betriebsergebnis
4.2.2 Eigenkapitalrentabilität
4.2.3 Gesamtkapitalrentabilität
4.2.4 Umsatzrentabilität
4.3 Analyse der finanziellen Stabilität
4.3.1 Anlageintensität
4.3.2 Eigenkapitalquote
4.3.3 Netto-Verschuldungsgrad
4.3.4 Liquiditätsgrade
4.3.5 Deckungsgrade
4.3.6 Dynamischer Verschuldungsgrad

5. Fazit

Literaturverzeichnis

Anhang

Anhang 2

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabellenverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Einleitung

In der heutigen Arbeitswelt haben sich viele wirtschaftlich erfolgreiche Unternehmen etabliert. Der unternehmerische Alltag ist allerdings auch von vielen Misserfolgen geprägt. Im Jahr 2016 wurden alleine in Deutschland ca. 123.800 Insolvenzfälle registriert1. Gerät ein Unternehmen in die Insolvenz, sind nicht nur Führungskräfte und Arbeitnehmer betroffen. Auch Aktionäre, Lieferanten, Kunden und andere Gläubiger können hier auf negative Weise tangiert werden. Hierbei tritt vor allem die Frage in den Vordergrund, ob es Möglichkeiten gibt, derartige Unternehmenskrisen schon frühzeitig zu erkennen. Diese Master-Thesis soll mit Hilfe der Jahresabschlussanalyse eine mögliche Antwort auf eben jene Frage geben.

Die folgenden Ausführungen beschäftigen sich mit verschiedenen Instrumenten der Jahresabschlussanalyse. Sie dienen dazu, Aussagen über die Ertragslage und die finanzielle Stabilität einer Unternehmung zu liefern und darauf aufbauend zukünftige Entwicklungen zu prognostizieren. In einer geeigneten Fallstudie werden diese Instrumente im Hinblick auf ihren Aussagegehalt und ihre Insolvenzprognosefähigkeit praxisnah aufgezeigt, diskutiert und interpretiert.

Die Jahresabschlussanalyse ist ein komplexes Themengebiet und umfasst viele Teilanalysen, welche verschiedene Bereiche des Unternehmens untersuchen. Aus diesem Grund soll unter dem zweiten großen Gliederungspunkt eine detaillierte Aufgliederung der Gesamtthematik erfolgen. Dabei werden zunächst die erfolgswirtschaftliche, die finanzwirtschaftliche und die strategische Analyse als Eckpfeiler der Gesamtanalyse hervorgehoben. Aus diesen drei großen Bereichen werden weiterführend verschiedene Kennzahlen vorgestellt, welche im Hinblick auf die Zielsetzung der Fallstudie ausgewählt wurden. Dabei ist zu bemerken, dass gängige Insolvenzprognoseverfahren wie die Diskriminanzanalyse in dieser Arbeit ausgeklammert werden. Grund dafür ist einerseits die hohe statistische Komplexität dieser Methoden sowie der hohe Aufwand bei der Durchführung, wodurch der Umfang für die Master-Thesis zu groß wäre. Daher stützt sich diese Arbeit auf die Vorstellung einzelner ausgewählter Kennzahlen, um somit eine relativ unkomplizierte und gleichzeitig praxistaugliche Methode der Früherkennung von Unternehmenskrisen mit Hilfe der Jahresabschlussanalyse zu diskutieren. Nach den theoretischen Ausführungen zu den Teilanalysen soll ein geeigneter Übergang zur praktischen Anwendung erfolgen. Dazu wird unter dem dritten großen Gliederungspunkt das Unternehmen vorgestellt, das Gegenstand der Fallstudie ist. Dabei handelt es sich um den German Pellets Konzern, der nach eigenen Angaben größter Produzent und Händler von Holzpellets war und im Februar 2016 Insolvenz anmeldete. Neben der Beleuchtung des Unternehmens, werden hier auch die Umstände der Insolvenz angerissen. Unter dem vierten großen Gliederungspunkt werden schließlich die Konzernabschlüsse der German Pellets GmbH von den Jahren 2011 bis 2014 analysiert und die zuvor theoretisch aufgezeigten Kennzahlen berechnet und interpretiert. Nach dieser ausführlichen Fallstudie schließt die Arbeit mit dem Fazit im fünften großen Gliederungspunkt ab. In diesem letzten Resümee werden die wichtigsten Erkenntnisse, Fakten und Implikationen der Arbeit, insbesondere der Fallstudie, diskutiert.

Das Hauptziel dieser Arbeit besteht darin, zu untersuchen, inwieweit Unternehmenskrisen mit Hilfe der Jahresabschlussanalyse frühzeitig erkannt werden können. Im Rahmen der theoretischen Ausführungen und der vorgenommenen Fallstudie soll diese Frage beantwortet werden. Das Augenmerk liegt hierbei auf einer verhältnismäßig unkomplizierten und praxistauglichen Analyse, welche zielführend für die übergeordnete Fragestellung ist. Somit begründet diese Arbeit, als weiteres Ziel, eine umfangreiche sowie anschauliche und nachvollziehbare wissenschaftliche Abhandlung über die Frühwarnfunktion der Jahresabschlussanalyse im Hinblick auf Unternehmenskrisen darzustellen.

2.Jahresabschlussanalyse

2.1 Grundsätze

Die Jahresabschluss- oder auch Bilanzanalyse bezeichnet die Aufbereitung und Auswertung von relevanten Unternehmensinformationen mittels verschiedener erkenntniszielorientierter Methoden. Dabei bezieht sich die Analyse auf Bilanz, Gewinn und Verlustrechnung, Kapitalflussrechnung, Anhang und Lagebericht des zu bewertenden Unternehmens.

Die Jahresabschlussanalyse lässt sich in drei grundlegende Bereiche einteilen:

-Erfolgswirtschaftliche Analyse
-Finanzwirtschaftliche Analyse
-Strategische Analyse

Bevor diese drei Punkte weitestgehend konkretisiert werden, soll unter diesem Gliederungspunkt ein kurzer Umriss über die Zielgruppen bzw. Adressaten der jeweiligen Analysen erfolgen.

Erfolgswirtschaftliche Analyse:

Die erfolgswirtschaftliche Analyse zielt in erster Linie auf die Ertragslage, die künftige Ertragskraft und die Rentabilität des Unternehmens ab. Diese Informationen sind für Aktionäre, Führungskräfte, Konkurrenz und Gewerkschaften von besonderer Bedeutung. Aktionäre gewinnen Informationen über Dividendenausschüttungs- und Kursentwicklungspotenzial, Gewerkschaften finden hier Anhaltspunkte für Durchsetzungsmöglichkeiten im Rahmen von Lohn- und Gehaltsforderungen und die Konkurrenz kann durch die ermittelten Daten Vergleichsmaßstäbe zur Beurteilung der eigenen Ertragslage entwickeln2.

Finanzwirtschaftliche Analyse:

Die finanzwirtschaftliche Analyse soll Aussagen über die Liquidität, die Bonität sowie die Stabilität und Solidität der Finanzierung des Unternehmens treffen. Personen, die in einem vertraglich fixierten Schuldner-Gläubiger-Verhältnis mit dem Unternehmen stehen, sind der primären Adressatengruppe dieser Analyse zuzuordnen. Als Beispiele können Lieferanten, Kunden, Arbeitnehmer und andere Gläubiger genannt werden. Jeder dieser Personen hat Interesse an Zahlungserfüllung seitens des Schuldners und ist somit vor allem an der finanziellen Stabilität des Unternehmens interessiert.

Strategische Analyse:

Die strategische Analyse versucht das Erfolgspotenzial des Unternehmens einzuschätzen. Viele Faktoren können Aufschluss über dieses Potenzial geben, wie beispielsweise Investitionsaktivitäten, Wachstum, Finanzierungsmöglichkeiten und Risikostreuung. In Bezug auf die Adressaten vereint die strategische Analyse die beiden zuvor dargestellten Interessenkreise, da sowohl finanzielle Stabilität als auch Ertragskraft von dem Erfolgspotenzial abhängig sind.

Grundsätzlich gehen diese drei Grundbausteine der Jahresabschlussanalyse Hand in Hand. Alle drei Erkenntnisziele stehen in so engem Verhältnis zueinander, dass Bilanzanalysen stets ganzheitlich zu betrachten sind3. Liquidität bedingt die stetige Erwirtschaftung von Erträgen und baut das Erfolgspotenzial auf. Im Umkehrschluss sind ein solides Erfolgspotenzial und hinreichende Erträge notwendig, um das finanzielle Gleichgewicht auf lange Sicht zu erhalten.

Trotz dieser enormen Interdependenzen, sollen diese drei Teilanalysen in den folgenden Punkten separat voneinander aufgezeigt und erläutert werden, um das komplexe Thema der Jahresabschlussanalyse besser aufzuschlüsseln und zu diskutieren. Dabei liegt der Schwerpunkt jedoch auf den Analysen, welche zielführend für die Fallstudie dieser Arbeit sind. Da im Rahmen der Fallstudie prognosefähige Instrumente der Jahresabschlussanalyse in Bezug auf mögliche bevorstehende Insolvenzen untersucht werden sollen, beinhalten die nächsten Seiten vor Allem jene Kennzahlen, die sich nach gegenwärtigem Stand der Literatur bereits für diese Aufgabe ausgezeichnet haben.

2.2 Erfolgswirtschaftliche Analyse

Wie bereits erwähnt, steht die erfolgswirtschaftliche Analyse im Sinne der Gewinnung von Informationen zur Beurteilung der Ertragskraft des Unternehmens. Mit anderen Worten wird hier versucht, eine Aussage über den zukünftigen Erfolg des Unternehmens zu treffen. Schlussfolgernd aus dieser Überlegung, richtet sich die Zielsetzung der Analyse auf zukunftsbezogene Informationen. Da es sich bei den zu untersuchenden Informationen (Jahresabschluss) um Daten aus der Vergangenheit handelt, verbleibt im Allgemeinen nur der Schluss von vergangenen auf zukünftige Entwicklungen.

Der Versuch, aus dem Jahresabschluss erkennbare Trends und Fluktuationen zu entschlüsseln, bringt jedoch in aller Regel einige Schwierigkeiten mit sich. Neben den Tatsachen, dass es sich bei dem Zahlenmaterial um vergangene Daten handelt und dass sich in Bilanzen wichtige Ertragstreiber wie Schlüsselarbeiter, Kundenlisten oder selbst geschaffene Marken, also bestimmte immaterielle Vermögenswerte, nicht wiederfinden, gibt es weitere Problemfelder, die für einen externen Analytiker schwer zu umgehen sind. Innerhalb der Erfolgsanalyse muss klar sein, dass der Jahresabschluss in nicht unerheblichem Ausmaß Resultat der von dem betrachteten Unternehmen betriebenen Jahresabschlusspolitik ist. Ursachen dafür finden sich sowohl in der Ausnutzung verschiedener Wahlrechte oder Ermessungsspielräume sowie in der generellen bilanzpolitisch motivierten Gestaltung bestimmter Vorfälle innerhalb des Abschlusses. „In diesem Zusammenhang wird häufig unterstellt, dass die Jahresabschlusspolitik tendenziell um eine „Glättung“ bemüht ist; d.h. bei erfolgreicher Geschäftsentwicklung wird versucht, den Jahresabschluss eher „nach unten“ zu beeinflussen, während in schlechten Geschäftsjahren das Bestreben vorherrscht, das Jahresergebnis optisch trotzdem noch in akzeptablen Grenzen zu halten“4. Weiterhin ist zu beachten, dass die im Jahresabschluss abgebildeten Erträge und Aufwendungen unabhängig davon, ob es sich um prinzipiell wiederkehrende oder singuläre Transaktionen handelt und ob ihre wirtschaftliche Ursache tatsächlich in der abgelaufenen Periode oder eventuell schon in einem früheren Zeitraum liegt, dargestellt sind. Aufgrund der aufgeführten Problematiken begründet sich die Vorgehensweise der erfolgswirtschaftlichen Analyse, welche sich in weitere Bereiche aufgliedern lässt. Für die im Rahmen dieser Arbeit angestrebten Zielsetzungen sind zwei dieser Teilbereiche von entscheidender Bedeutung, weshalb sich folgende grundlegende Aufgliederung ergibt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Aufgliederung Erfolgswirtschaftliche Bilanzanalyse

Selbstverständlich lässt sich die Erfolgsanalyse noch detaillierter aufspalten als hier abgebildet, doch diese zwei wesentlichen Punkte tauchen in der vorherrschenden Literatur immer wieder als flächendeckende Instrumente für sie auf. Damit der Rahmen der Master-Arbeit nicht gesprengt wird, werden die nächsten Unterpunkte eben jene zwei Instrumente genauer beleuchten, ohne auf weitere Verfahrensmöglichkeiten wie die Break-Even-Analyse5 oder das geschätzte Steuerbilanzergebnis6 einzugehen.

2.2.1 Ergebnisanalyse

Das unternehmerische Ergebnis einer Periode scheint bei erster Betrachtung der Gewinn- und Verlustrechnung der Jahresüberschuss bzw. Jahresfehlbetrag zu sein. Im Rahmen der Ergebnisanalyse wäre diese Annahme jedoch viel zu oberflächlich. Sowohl Erträge als auch Umsätze eines Unternehmens können aus verschiedenen Quellen stammen. Es gibt in der Regel die sich eher wiederholenden und regelmäßigen Erfolgskomponenten und die einmaligen bzw. sehr unregelmäßig vorkommenden Erfolgskomponenten. Das Zerlegen der Gesamtergebnisse nach ihren Ursachen in mehrere Teilergebnisse ist der erste Schritt der Ergebnisanalyse, durch den die Struktur der Aufwands- und Ertragsgrößen genauer abgebildet werden kann. Diesen ersten Schritt nennt man auch Ergebnisquellanalyse.

Nun werden die Teilergebnisse im Rahmen der sogenannten Ergebnisspaltung drei grundlegenden Bereichen zugeordnet:

1. Ordentliches Betriebsergebnis:

Das ordentliche Betriebsergebnis umfasst alle regelmäßig anfallenden Erträge und Aufwendungen, welche im Rahmen der gewöhnlichen Betriebstätigkeit entstehen. Es handelt sich hierbei um einen äußerst aussagekräftigen Indikator der Ertragskraft der Unternehmung, da er im Gegensatz zum allgemeinen Jahresüberschuss im Hinblick auf das Analyseziel weitgehend frei von „störenden“ und „verzerrenden“ Einflüssen ist. Beispiele für diese negativen Einflüsse könnten betriebsfremde und außerordentliche Vorgänge sowie bilanzpolitische Maßnahmen sein. Demzufolge wird hier also eine Kennzahl geschaffen, welche die Veränderungen der Ertragskraft und mögliche Fehlentwicklungen deutlich signalisieren und gleichzeitig Kaschierungen offenlegen soll. Anders als der Jahresüberschuss zeigt der ordentliche Betriebserfolg Fehlentwicklungen in der Unternehmung sofort an, was ihn aus bilanzanalytischer Sicht zu einem besonders bedeutsamen Instrument macht7.

2. Finanzergebnis:

Das Finanzergebnis wird auch als ordentliches betriebsfremdes Ergebnis bezeichnet und beinhaltet dementsprechend Erträge und Aufwendungen, die nicht aus der gewöhnlichen Betriebstätigkeit hervorgehen, aber dennoch regelmäßig anfallen. Darunter fallen zum Beispiel Beteiligungserträge und -aufwendungen, Zinserträge und -aufwendungen sowie Erträge und Aufwendungen aus anderen Wertpapieren des Finanzanlagevermögens.

3. Außerordentliches Betriebsergebnis:

Das außerordentliche Betriebsergebnis enthält alle Erträge und Aufwendungen, die einmalig oder sehr unregelmäßig anfallen. In mehreren Bereichen der GuV können sich Positionen befinden, welche als außerordentlich zu qualifizieren sind. Beispielsweise würden dazu mögliche Erträge aus der Auflösung von Rückstellungen oder aus dem Abgang von Anlagevermögen innerhalb des Postens „sonstige betriebliche Erträge“ zählen.

Ein einfaches Schema kann die grundlegende Einteilung dieser drei Ergebnisse noch einmal verdeutlichen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 1: Kriterien der Erfolgsspaltung nach Coenenberg/Haller/Schultze (2014)

Wie in der Tabelle ersichtlich wird, spielen bei der Ergebnisanalyse die Faktoren der Regelmäßigkeit und der Betriebszugehörigkeit die entscheidende Rolle. Innerhalb der später folgenden Fallstudie werden die Berechnungen bezüglich der Ergebnisanalyse genauer aufgezeigt und konkretisiert.

2.2.2 Rentabilitätsanalyse

Bei der Betrachtung der Leistungsfähigkeit eines Unternehmens sind die absoluten Erfolgsgrößen wie der Jahresüberschuss nur bedingt geeignet, da sie keine Aussage darüber erlauben wie effizient die Mittel eingesetzt wurden8. Je geringer der erforderliche Mitteleinsatz für einen bestimmten erwirtschafteten Gewinn ist, desto höher ist dieser einzuschätzen. An diesem Punkt setzt die Rentabilitätsanalyse an, indem die Ergebnisse hier in relativen Zahlen ausgewiesen werden. Da bei einer relativen Betrachtung der Erfolgsindikatoren die Größe des Unternehmens keine Rolle spielt, können somit auch unterschiedlich große Unternehmen auf dieser Grundlage miteinander verglichen werden. Auch ein Vergleich des Unternehmens mit der jeweiligen Branche wird so erleichtert. Aufgrund dieser relativ einfachen Vergleichsmöglichkeit, stellen die Rentabilitäts- bzw. Renditekennzahlen dieser Analyse eine äußerst interessante Informationsquelle für Anteilseigner und Investoren dar. Die drei entscheidenden Kennzahlen bei dieser Betrachtung sind die Eigenkapital-, die Gesamtkapital- und Umsatzrentabilität. Sie sind die am häufigsten verwendeten Kennzahlen innerhalb der Jahresabschlussanalyse; für alle drei Zahlen ist ein möglichst hoher Wert wünschenswert9. Im nun folgenden Abschnitt sollen diese drei Kennzahlen erläutert und ihr Wirkungsverhältnis aufgezeigt werden.

Eigenkapitalrentabilität (EKR):

Die Eigenkapitalrentabilität setzt den Gewinn bzw. den Jahresüberschuss eines Unternehmens mit dem Eigenkapital ins Verhältnis. Im angelsächsischen Raum spricht man von „Return on Equity“ (ROE). Diese Kennzahl ist eine sehr wichtige Informationsquelle für die Eigenkapitalinhaber, da sie die Verzinsung des eingesetzten Kapitals durch seinen Einsatz im Unternehmen zum Ausdruck bringt. „Das eingesetzte Eigenkapital sollte dabei eine gewisse Mindestverzinsung erfahren, die sich aus dem landesüblichen Kapitalmarktzinssatz, einer Risikoprämie und einer Kapitalerhaltungsprämie zusammensetzt, da dann eine Investition in das Unternehmen sinnvoller ist als in eine alternative Anlagemöglichkeit am Kapitalmarkt“10. Schlussfolgernd lässt sich daraus ableiten, dass eine hohe Eigenkapitalrendite die Eigentümer motiviert, ihr Kapital im Unternehmen zu belassen oder sogar noch mehr Geld zu investieren. Im Umkehrschluss würde eine niedrige Rendite sie eher dazu bewegen, das Geld anderweitig zu investieren.

Folgende grundlegende Formel dient zu Berechnung der Eigenkapitalrentabilität:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Kapitalgröße, welche im Nenner steht, sollte in einer Rentabilitätskennzahl stets als Durchschnittswert aus Jahresanfangs- und Endbestand erfasst werden, da andernfalls im Zähler eine dynamische Stromgröße zu einer statischen Bestandsgröße in Beziehung gesetzt wird11. Die Ergebnisgröße im Zähler kann je nach Betrachtungsweise als vor oder nach der Steuer ausgewiesen werden. Für betriebsexterne Betrachter empfiehlt sich die Berechnung vor Steuern (EBT12 ), da auf diese Weise Einflüsse, welche von der Kapitalstruktur (Verhältnis Eigen- und Fremdkapital) und daraus resultierenden unterschiedlichen Steuerbelastungen ausgehen, eliminiert werden und man somit zu brauchbaren Werten für den Zeit- und Branchenvergleich gelangt13.

Gesamtkapitalrentabilität (GKR):

Die Gesamtkapitalrentabilität oder im englischen auch „Return on Assets“ (ROA) genannt, ist aus Sicht aller Kapitalgeber eine sehr bedeutsame Kennzahl und ist zudem für die Beurteilung eines Unternehmens aussagefähiger als die Eigenkapitalrentabilität, da sie die Verzinsung des gesamten im Unternehmen investierten Kapitals angibt14. Die Gesamtkapitalrendite beziffert dementsprechend die relative Fähigkeit eines Unternehmens, mit dem gesamten vorhandenen Kapital Gewinne zu erzielen, ohne dabei eine Unterscheidung des eingesetzten Kapitals zwischen Eigen- und Fremdkapital vorzunehmen. Dieser Grundgedanke drückt sich in der dazugehörigen Formel zur Berechnung der Kennzahl wie folgt aus:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Auch hier wird wie bereits bei der Eigenkapitalrendite als Kapitalgröße im Nenner ein Durchschnittswert erfasst. Im Zähler der Gleichung steht das EBIT (earnings before interest and taxes), das den Gewinn vor Zinsen und Steuern darstellt. Die Steuern werden nicht berücksichtigt, damit die Kapitalstruktur keinen Einfluss auf die Rentabilitätskennzahl ausübt. Die Fremdkapitalzinsen werden ebenfalls nicht vom Gewinn abgezogen, damit man den Betrag betrachten kann, der durch das gesamte zur Verfügung stehende Kapital erwirtschaftet werden konnte. Auch wenn dieses Vorgehen für eine bessere betriebsübergreifende Vergleichbarkeit sorgt, sollte dennoch berücksichtigt werden, dass die Gesamtkapitalrentabilität aufgrund der Addition des Zinsaufwandes und der Steuern zum Jahresergebnis positiv sein kann, obwohl ein Jahresfehlbetrag vorliegt15.

Umsatzrentabilität (UR):

Die Umsatzrentabilität oder im englischen auch „Return on Sales“ (ROS) genannt, zählt neben der Eigenkapital- und Gesamtkapitalrentabilität traditionell zu den gängigsten Ertragskennzahlen und soll eine Aussage darüber liefern, wie viel ein Unternehmen nach Abzug verschiedenster Aufwendungen pro umgesetzte Geldeinheit verdient16. Eine Rendite von 10 % würde bedeuten, dass mit einem Euro 10 Cent erwirtschaftet wurden. Es handelt sich hierbei also um eine Kennzahl, die aussagt, wie erfolgreich die betriebliche Tätigkeit eines Unternehmens bezüglich des Verkaufs der hergestellten Produkte und der betrieblichen Leistung war. Folgende Formel dient zur Berechnung der Umsatzrentabilität:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Bei dieser Betrachtung der Umsatzrendite sollte man jedoch bedenken, dass der Jahresüberschuss im Zähler und die Umsatzerlöser im Nenner in keinem kausalen Zusammenhang zueinanderstehen. Grund dafür ist, dass der Jahresüberschuss ebenso von Beteiligungserträgen, Zinsen, sonstigen betrieblichen Erträgen und Aufwendungen abhängig ist, welche in keinem Zusammenhang mit den Umsatzerlösen stehen. Demzufolge führt diese Art der Berechnung aus bilanzanalytischer Sicht zu einem ungenauen und schwer vergleichbaren Ergebnis17. Aus diesem Grund gibt es auch eine weitere geläufige Methode zur Berechnung der Umsatzrentabilität, welche sich folgendermaßen darstellt:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Wie man an dieser Formel sehen kann, unterscheidet sie sich nur im Zähler gegenüber der bereits aufgezeigten Formel. Als neue Bezugsgröße ist hier das ordentliche Betriebsergebnis zu finden, welches bereits im Rahmen der Ergebnisanalyse beschrieben wurde. Somit werden die aus bilanzanalytischer Sicht zuvor erwähnten möglichen Störfaktoren eliminiert und es entsteht eine Kennzahl, deren Bestandteile in einem kausalen Ursache-Wirkungs-Verhältnis stehen18. Die Umsatzrentabilität auf Basis des ordentlichen Betriebsergebnisses gibt Auskunft darüber, wie effizient ein Unternehmen auf seinen Beschaffungs- und Absatzmärkten wirtschaftet. Daher ist diese Art der Berechnung vor allem für Vergleiche mit Wettbewerbern sowie mit Branchendurchschnitten geeignet, weil sie sich vorwiegend auf Größen bezieht, die für alle Unternehmen innerhalb einer Branche ähnlich sind (z. Bsp. Rohstoffpreise)19.

Die Umsatzrentabilität im Zusammenhang mit der Gesamtkapitalrentabilität:

Die Umsatzrentabilität ist besonders im Verbund mit der Gesamtkapitalrentabilität eine sehr aussagekräftige Kennzahl20. Demzufolge erweist es sich als sinnvoll die Umsatzrendite aus Kompatibilitätsgründen mit der Gesamtkapitalrendite auch in folgender Weise zu definieren:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Durch diese Betrachtungsweise lässt sich der Zusammenhang zwischen der UR und der GKR sehr genau aufzeigen. Beide Kennzahlen sind über den sogenannten Kapitalumschlag miteinander vernetzt. Der Kapitalumschlag gibt Aufschluss darüber, wie häufig das eingesetzte Kapital in Form von Erlösen zurückgeflossen ist. Je schneller dieser Umschlagsprozess abläuft, desto weniger Kapitaleinsatz ist erforderlich. Das heißt, mit einem hohen Kapitalumschlag kann man mit einem verhältnismäßig niedrigen Kapitaleinsatz zu einer entsprechend hohen Rendite und infolge des schnellen Kapitalrückflusses auch zu einer günstigen Liquidität kommen21. Der Kapitalumschlag lässt sich wie folgt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Verbindung zwischen Gesamtkapital- und Umsatzrendite über den Kapitalumschlag kann aufgezeigt werden, indem man die Gesamtkapitalrentabilität mit dem Faktor „Umsatz/Umsatz“ multipliziert. Folgendes Schema soll diesen Sachverhalt darstellen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Tabelle 2: Zusammenhang von Gesamtkapitalrentabilität, Umsatzrentabilität und Kapitalumschlag nach Coenenberg/Haller/Schultze (2014)

Durch dieses Gleichungssystem kann man nun erkennen, dass sich die Gesamtkapitalrentabilität auch aus der Umsatzrentabilität, multipliziert mit dem Kapitalumschlag, ergibt. Die Gesamtkapitalrendite wird in dieser Betrachtungsweise auch als „Return on Investment“ (ROI) bezeichnet22. Anhand des oben aufgeführten Schemas lässt sich erkennen, dass die Entwicklung des ROI nun durch die vorgenommene Aufspaltung genauer untersucht werden kann. Es wird also eher sichtbar, ob mögliche Fehlentwicklungen aus Größen der Bilanz oder der GuV resultieren. Durch weitere Aufgliederung der Umsatzrentabilität und des Kapitalumschlags, lassen sich Zusammenhänge, Abhängigkeiten und einzelne Ergebnistreiber innerhalb der Gesamtkapitalrentabilität leichter identifizieren. Man spricht hier von einem sogenannten Kennzahlensystem23 und in diesem speziellen Fall ist auch oft die Rede von dem „Return-on-Investment-Konzept“24.

Das Kennzahlensystem rund um den ROI soll an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden, da im Rahmen dieser Arbeit in erster Linie einzelne Kennzahlen unabhängig voneinander auf ihre jeweilige Funktion als Frühindikator von Unternehmenskrisen untersucht werden sollen. Alles darüber hinaus würde den Rahmen der Master-Thesis sprengen. Nichtsdestotrotz sollte dieser Ansatz aufgezeigt werden, um wichtige Interdependenzen von bestimmten Kennzahlen aufzudecken und somit die Interpretationsbasis für die spätere Analyse innerhalb der Fallstudie zu vergrößern. Zudem wurde mit den vorgenommenen Ausführungen unterstrichen, inwiefern sich die Rentabilitätsanalyse zur gehaltvollen Beurteilung des Unternehmenserfolgs eignet und dementsprechend ein essentieller Bestandteil der Erfolgs- bzw. der gesamten Jahresabschlussanalyse ist25.

[...]


1 Diese Zahl geht aus einer Presseinformation der Unternehmensgruppe Creditreform hervor.

2 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2014), S. 1021.

3 Vgl. Coennberg/Haller/Schultze (2014), S. 1021.

4 Bitz/Schneeloch/Wittstock (2011), S. 604.

5 Die Break-Even-Analyse oder auch Gewinnschwellenanalyse genannt, beruht auf einer Gegenüberstellung von Kosten und Erlösen in Abhängigkeit von der Beschäftigung. Mittels dieser Analyse soll der sogenannte Break-Even-Punkt ermittelt werden. Dieser Punkt stellt jenen Beschäftigungsgrad dar, jenseits dessen das Unternehmen in die Gewinn- bzw. Verlustzone gerät. Coenenberg, Haller und Schultze (2013) bezeichnen die Break-Even-Analyse als vierten wichtigen Aspekt der erfolgswirtschaftlichen Analyse. Auch bei Küting und Weber (2015) ist sie als Teil der Erfolgsanalyse aufgeführt.

6 Engere Spielräume und Wahlrechte der Steuerbilanz führen dazu, dass der Steuerbilanzgewinn eine weniger verzerrte Erfolgsgröße als der Handelsbilanzgewinn darstellt. Somit ist das Steuerbilanzergebnis für Küting und Weber (2015) ein weiterer interessanter Ansatzpunkt für die Erfolgsanalyse, auch wenn dieser Wert für einen externen Analytiker weniger leicht zugänglich ist und in aller Regel aus der Handelsbilanz hergeleitet werden muss.

7 Vgl. Gräfer/Gerenkamp (2016), S. 29.

8 Vgl. Wöltje (2011), S. 340.

9 Vgl. Schuster/ Rüdt von Collenberg (2015), S. 93.

10 Wöltje (2011), S. 18.

11 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2014), S. 1153.

12 EBT = earnings before taxes.

13 Vgl. Gräfer/Gerenkamp (2016), S. 61.

14 Vgl. Vollmuth (2009), S. 206.

15 Vgl. Küting/Weber (2015), S. 324.

16 Vgl. Bitz/Schneeloch/Wittstock (2011), S. 643.

17 Vgl. Gräfer/Gerenkamp (2016), S. 64.

18 Vgl. Küting/Weber (2015), S. 330.

19 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 354.

20 Vgl. Coenenberg/Haller/Schultze (2014), S. 1163.

21 Vgl. Ossola-Haaring (2006), S. 45.

22 Vgl. Gräfer/Gerenkamp (2016), S. 64.

23 Kennzahlensysteme sind allgemein dadurch gekennzeichnet, dass eine sogenannte Zielkennzahl, wie zum Beispiel der ROI, in mehreren Schritten in eine Vielzahl von Folgekennzahlen zerlegt wird. Somit entsteht eine Hierarchie von auseinander ableitbaren Kennzahlen. Einseitigen Interpretationen der Einzelkennzahl soll so systematisch entgegengewirkt werden, indem ihr Zustandekommen aus der Verknüpfung verschiedener anderer Kennzahlen deutlich gemacht wird. Dieses Vorgehen erfolgt häufig nach dem sogenannten Du Pont Baum bzw. Du Pont Schema.

24 Vgl. Gräfer/Gerenkamp (2016), S. 64.

25 Vgl. Baetge/Kirsch/Thiele (2004), S. 381.

Ende der Leseprobe aus 86 Seiten

Details

Titel
Früherkennung von Unternehmenskrisen mit Hilfe der Jahresabschlussanalyse
Untertitel
Eine Fallstudie
Hochschule
Fachhochschule Erfurt
Note
2,0
Autor
Jahr
2017
Seiten
86
Katalognummer
V454210
ISBN (eBook)
9783668877085
ISBN (Buch)
9783668877092
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Jahresabschlussanalyse, Jahresabschlussprüfung, Erfolgswirtschaftliche Analyse, Finanzwirtschaftliche Analyse, Strategische Analyse, Ergebnisanalyse, Rentabilitätsanalyse, Investitionsanalyse, Finanzierungsanalyse, Liquiditätsanalyse, Betriebsergebnis, Eigenkapitalrentabilität, Gesamtkapitalrentabilität, Umsatzrentabilität, Anlageintensität, Eikenkapitalquote, Netto-Verschuldungsgrad, Verschuldungsgrad, Liquiditätsgrad, Deckungsgrad, Dynamischer Verschuldungsgrad, Cash-Flow, Insolvenz, Unternehmenskrise, German Pellets GmbH
Arbeit zitieren
Konrad Beck (Autor), 2017, Früherkennung von Unternehmenskrisen mit Hilfe der Jahresabschlussanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454210

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