"Über Individualität als eins der Elemente der Wohlfahrt". John Stuart Mills "Über die Freiheit"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2018

10 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Hauptteil

Schluss

Literaturverzeichnis

Einleitung

Die nachfolgende Arbeit wird das Werk „Über die Freiheit“ von John Stuart Mill zum Gegenstand haben. Mill beschreibt in diesem einen Freiheitsbegriff, der stark an das Individuum und das Ausleben der persönlichen Freiheit gebunden ist. So trägt auch das Kapitel 3, welches die wesentliche Textgrundlage dieser Arbeit wird, den Titel „Über Individualität als eins der Elemente der Wohlfahrt“.

Mill skizziert in diesem Abschnitt das Zusammenspiel zwischen dem Reproduzieren und Akzeptieren von Lebensplänen anderer Gesellschaftsteilnehmer und dem freien, individuellen Annehmen und Ablehnen dieser zum „Formen“ eines eigenen, subjektiven Lebensplans.1 Es lässt sich ableiten, dass es innerhalb dieses Verhältnisses von „injizierter“ Sozialisation durch äußere Einwirkungen und individueller Freiheit ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen annehmendem, reproduzierenden und frei entfaltetem Moment geben müsste. Nun stellt sich die Frage, ob dieses Verhältnis tatsächlich existiert oder ob es ein utopisches, viel zu harmonisches ist. Weiterführend ergibt sich daraus die Frage, ob das Individuum seine Entscheidungen und seinen Lebensplan tatsächlich frei wählt oder ob es dies lediglich auf Basis der vorher durch das persönliche Umfeld oder die durch Sozialisation an das Individuum herangetragenen Sitten, Normen und Bräuche tut und somit beeinflusst wäre. Mill beschreibt zwar die möglichen Probleme und Schwierigkeiten des Annehmens fremder Lebenspläne, jedoch wird der Aspekt des Beeinflussens der Entscheidungen nicht thematisiert.2 Ob die Einflussnahme des Umfelds das freie Entscheiden des Individuums beeinflusst, wird im Folgenden geprüft. Hierzu werden gewisse Abschnitte aus der Textgrundlage unter dem Hinzuziehen verschiedener Sekundärliteratur beleuchtet.

Hauptteil

„Laut Kant ist der Mensch das einzige Wesen, das in der Lage ist, vernünftig zu handeln. Was heisst das? Der Mensch kann sich selbst Zwecke geben; er kann die Gesetze seines Handelns selbst bestimmen. Alles andere geschieht und alle anderen Lebewesen handeln nach von der Natur gegebenen Gesetzen. Der Mensch als Vernünftiges Wesen gibt sich seine Gesetze selbst und ist somit frei. Er ist das einzige Wesen, dem Freiheit möglich ist und das autonom handeln kann.“3

In diesem Zitat des deutschen Philosophen Detlef Horster wird die herausstellende Freiheit des Menschen gegenüber anderen Lebewesen dargestellt. Diese Freiheit wird durch die selbst auferlegten Gesetze der Gesellschaft geschaffen. Die Einflussnahme der Gesellschaft auf das Individuum beschreibt auch John Stuart Mill: „Niemand leugnet, daß man Menschen in Ihrer Jugend so unterrichten und trainieren sollte, daß sie von den gesicherten Ergebnissen menschlicher Erfahrung Wissen und Nutzen ziehen.“4 Die zuvor in der Einleitung so kritisch betrachtete Einflussnahme durch die Gesellschaft auf das Individuum scheint demnach ein unabdingbares Moment der menschlichen Freiheit zu sein. Auch Horster beschreibt weiterführend, sich auf den kategorischen Imperativ Kants beziehend5, dass die „negative Freiheit“6, welche die Unabhängigkeit zu den Naturgesetzen bedeutet, die Voraussetzung für das Schaffen der „positiven Freiheit“7, welche dem kategorischen Imperativ zugrunde liegt, ist.8 Eben diese positive Freiheit, die durch das Befolgen eigener Gesetze generiert wird, führt zu der individuellen Freiheit.

Geht man einen Schritt weiter und betrachtet lediglich die reine Willensfreiheit des Individuums, unabhängig von der Natur, so könnten die zuletzt genannten Gesetze, welche als Voraussetzung für die persönliche Freiheit galten, wiederum eine Einschränkung der persönlichen Freiheit darstellen. Die Gesetze, Normen und Bräuche sowie die automatisch stattfindende Sozialisation wären eine direkte und indirekte Einflussnahme auf das Wahl- und Entscheidungsverhalten des Individuums. Es würde bedeuten, dass es keine individuelle, unbeeinflusste Willensfreiheit gibt und dass die Entscheidungen des Individuums lediglich auf das Einwirken des Umfeldes zurückzuführen wären. Wider diese These erhebt sich die Argumentation des deutschen Philosophs Ulrich Steinvorth. Absehend von der Tatsache, dass man dem menschlichen Individuum, hätte es keine persönliche Willensfreiheit, auch kein reflektiertes, verantwortungsvolles Handeln und Denken nachsagen könnte9, ist weiterführend das „Argument der Wahrheit“10 zu nennen. Auch Steinvorth bezieht sich während des Skizzierens dieses Arguments für die Willensfreiheit wieder auf Kant. So wäre den Urteilen und Aussagen des Subjekts in keiner Form ein Wahrheitsgehalt zuzuschreiben, wenn diese unter Fremdeinwirkung getroffen würden oder von Fremdbestimmtheit beeinflusst wären.11 Diese Wahrheit, welche einer persönlichen Willensfreiheit zugrunde liegt, kann nur herrschen, wo das Individuum nicht durch eine Fakten- und Tatsachenanalyse, sondern durch logische Einsicht und ohne fremde Beeinflussung zu ihr gekommen ist.12

Verbindet man nun diese Erkenntnisse, und zwar dass die Gesetze und Normen einer Gesellschaft ein unabdingbarer Bestandteil des Entwickelns der persönlichen Freiheit sind und dass die Individuen dieser Gesellschaft dennoch die Fähigkeiten hätten, nach freiem Willen, wenn sie eine gewisse geistige Entwicklung durchlaufen haben, ihre Lebenspläne ohne Beeinflussung zu wählen, könnten sich diese beiden Erkenntnisse ebenso gut gegenläufig verhalten. Unter Berücksichtigung dessen entsteht auch in Mills Argumentation eine Diskrepanz. Wie bereits erwähnt beschreibt er das Unterrichten und Trainieren junger Menschen als essenziell, da diese die gesammelten Erfahrungen für sich nutzen.13 Dennoch bringt er trotzdem auf, dass das menschliche Wesen, „auf der Höhe seiner Fähigkeiten angelangt, Erfahrungen auf die ihm gemäße Art nutzt und auslegt.“14 Es gilt zu bestimmen, in welchem Verhältnis die Sozialisation beziehungsweise die Gesellschaft auf die individuelle Freiheit einwirken. Wie Ulrich Steinvorth hat sich auch der deutsche Philosoph Albert Keller für die Existenz einer unabhängigen (Willens-) Freiheit innerhalb dieses Gefüges ausgesprochen. So beschreibt er die Gemeinschaft als „unerläßlich“15 dafür, dass sich das Individuum als persönlich frei wahrnehmen kann. „Freiheit ist nur auf den anderen hin möglich. Der andere muß mir als freier vorkommen, damit ich ihn als Lebensziel haben kann und damit mein eigenes verwirklichen kann.“16 Hierbei ist anzumerken, dass Keller unter Umständen nicht von der hier behandelten persönlichen Willensfreiheit sprechen könnte, sondern lediglich von einem subjektiven Freiheitsempfinden innerhalb der Gesellschaft oder einer bestimmten Personengruppe. Zwar haben wir bereits festgestellt, dass das Individuum, oder viel mehr die persönliche Freiheit des Individuums in einem unmittelbaren Verhältnis zu ihrem Umfeld steht, wie sich dieses jedoch genau verhält und wo sich die Willensfreiheit von der von Keller angesprochenen Freiheit unterscheidet, soll im Folgenden erörtert werde.

[...]


1 Mill, John Stuart: Über die Freiheit. Anh., Nachw. u. hrsg. v. Manfred Schlenke. Philipp Reclam jun. Stuttgart 1986. S. 80.

2 Ebd. S. 80 f.

3 https://www.jstor.org/stable/23680102?read-now=1refreqid=excelsior%3Aadd557c192683bbe226b0ce0f0bac901seq=1#metadata_info_tab_contents, entnommen am 13.10.2018 um 12:54.

4 Mill, John Stuart: Über die Freiheit. Anh., Nachw. u. hrsg. v. Manfred Schlenke. Philipp Reclam jun. Stuttgart 1986. S. 80.

5 https://www.jstor.org/stable/23680102?read-now=1refreqid=excelsior%3Aadd557c192683bbe226b0ce0f0bac901seq=2#metadata_info_tab_contents, entnommen am 15.10.2018 um 13:26.

6 Ebd., entnommen am 15.10.2018 um 13:33.

7 Ebd., entnommen am 15.10.2018 um 13:35.

8 Ebd., entnommen am 15. 10.2018 um 13:36.

9 https://www.jstor.org/stable/20483730?read-now=1refreqid=excelsior%3Accc92898afbaa5aca5cb593ae2065faaseq=8#metadata_info_tab_contents entnommen am 16.10.2018 um 10:32.

10 Ebd., entnommen am 16.10.2018 um 10:35.

11 Ebd., entnommen am 16.10.2018 um 10:40.

12 https://www.jstor.org/stable/20483730?read-now=1refreqid=excelsior%3Accc92898afbaa5aca5cb593ae2065faaseq=9loggedin=true#metadata_info_tab_contents, entnommen am 16.10.2018 um 10:33.

13 Mill, John Stuart: Über die Freiheit. Anh., Nachw. u. hrsg. v. Manfred Schlenke. Philipp Reclam jun. Stuttgart 1986. S. 80.

14 Mill, John Stuart: Über die Freiheit. Anh., Nachw. u. hrsg. v. Manfred Schlenke. Philipp Reclam jun. Stuttgart 1986. S. 80.

15 Keller, Albert. Philosophie der Freiheit.Graz,Wien,Köln 1994. S. 265.

16 Ebd. S. 265.

Ende der Leseprobe aus 10 Seiten

Details

Titel
"Über Individualität als eins der Elemente der Wohlfahrt". John Stuart Mills "Über die Freiheit"
Hochschule
Christian-Albrechts-Universität Kiel  (Philosophisches Institut)
Veranstaltung
Freiheit
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
10
Katalognummer
V454655
ISBN (eBook)
9783668864092
ISBN (Buch)
9783668864108
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Freiheit, Freedom, Mill, John Stuart, John Stuart Mill, Philosphie, Rousseau
Arbeit zitieren
Karl Huesmann (Autor), 2018, "Über Individualität als eins der Elemente der Wohlfahrt". John Stuart Mills "Über die Freiheit", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454655

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