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Die Altöttinger Wallfahrt zur Zeit der Aufklärung

Titel: Die Altöttinger Wallfahrt zur Zeit der Aufklärung

Hausarbeit , 2018 , 20 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Ralph Manhalter (Autor:in)

Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Beim Betrachten des heutigen praktizierten Katholizismus erscheint das Wallfahrtswesen nicht selten wie ein aus der Zeit gefallenes, vormodernes Relikt. Umso mehr erstaunt es, dass sich eine Vielzahl altbekannter sogenannter Gnadenstätten einer immer noch lebendigen Beliebtheit erfreuen, gar mancherorts von einem Wiedererstarken der Wallfahrten gesprochen werden kann. Mag diese individuelle Entscheidungsfreiheit des Gläubigen heute selbstverständlich erscheinen, so wurde dieses persönliche Bedürfnis im Zeitalter der politischen sowie kirchlichen Aufklärung einer starken Restriktion unterworfen. Jahrhundertelang gelebtem Brauchtum, basierend auf der Vorstellung des Eingebundenseins in die göttliche Weltordnung mit all ihren Erklärungstheorien, galten spätestens ab dem 18. Jahrhundert die Prämissen der Aufklärung, insbesondere die des aufkeimenden Vernunftdiskurses, als normgebender und den Grundcharakter der vorherigen, weitläufig akzeptierten Weltbilder verändernder Leitfaden. Fortan wurden weder Gott noch die Heiligen negiert oder gar „abgeschafft“; vielmehr zielte die von staatlicher, als auch von klerikaler Seite forcierte Volksaufklärung darauf ab, das ausufernde Frömmigkeitswesen in geordnete Bahnen zu lenken und auf diese Weise steuerbarer zu machen. In diesen Kontext fällt die Reduzierung von Feiertagen ebenso wie das schlichte Verbot mancher Bittgänge, welche in den Augen der politischen und geistlichen Führer eher Müßiggänge darstellten. Solch drastische Einschnitte in die intimste Privatsphäre des Einzelnen stießen auf breit angelegten Widerstand in der Bevölkerung. Galt es doch nicht zuletzt, ein mittlerweile fest installiertes Welterklärungssystem zu verteidigen, welches nun unter dem für die breite Masse noch unverständlichen Schlagwort der Vernunft einer Prüfung unterzogen werden sollte.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Der Ort Altötting und das Entstehen der Wallfahrt

3. Die Auswirkungen der Aufklärung

3.1. Orden und Bruderschaften

3.2. Staatliche und kirchliche Eingriffe

3.3 Volkstümliche Frömmigkeit

4. Gegenwärtige Situation und Schlussbemerkungen

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen der traditionellen Volksfrömmigkeit in Altötting und den restriktiven Anforderungen der aufklärerischen Staats- und Kirchenpolitik im 18. und frühen 19. Jahrhundert. Ziel ist es, die Konflikte zwischen obrigkeitsstaatlichem Rationalismus und dem Festhalten der Bevölkerung an gelebten religiösen Traditionen zu analysieren.

  • Historische Entwicklung der Wallfahrt in Altötting
  • Einfluss der Aufklärung auf kirchliche Strukturen und Orden
  • Konflikt zwischen Volksfrömmigkeit und rationalistischer Staatsführung
  • Rolle bayerischer Akteure wie Maximilian Graf von Montgelas
  • Bedeutung von Tradition und Identität in modernen Gesellschaften

Auszug aus dem Buch

Die Auswirkungen der Aufklärung

Nach Jahren stets zunehmender Bedeutung, nicht zuletzt gefördert durch kaiserliche und königliche Besuche, geriet auch Altötting im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts in den Einfluss aufklärerischer Gedanken. In der Folgezeit hatte das Wallfahrtswesen mit einer permanent zunehmenden Durchdringung durch staatliche sowie kirchliche Verordnungen zu kämpfen, die auf eine völlige Neuorientierung des Verständnisses von Religiosität zielten.

Das Wallfahrtswesen wurde in vormoderner Zeit maßgeblich nicht durch den lokal ansässigen Klerus, sondern durch angesiedelte Orden und eigens für diesen Zweck gegründete Bruderschaften, d.h. einer Kooperation kirchlicher Laien dominiert. So entstand 1581 unter Herzog Wilhelm V. mit dem wegweisenden Beinamen „der Fromme“ in München die Erzbruderschaft „Maria zu Alten Ötting“. Den bis zu 6000 Mitgliedern war unter Anderem alle vier Jahre eine Wallfahrt nach Altötting auferlegt, was die Bedeutung des Ortes landesweit steigerte. Unter dem Patronat des Landesherren begann hier eine Entwicklung, die auf eine enge Symbiose zwischen Thron und Altar hinwirkte und auch unter den nachfolgenden Wittelsbachern eine stete Erneuerung und Vertiefung erfuhr.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Diese Einleitung stellt die Forschungsfrage vor und bettet das Thema der Altöttinger Wallfahrt in den historischen Kontext des Spannungsfeldes zwischen Aufklärung und gelebter Frömmigkeit ein.

2. Der Ort Altötting und das Entstehen der Wallfahrt: Dieses Kapitel behandelt die geschichtlichen Ursprünge Altöttings als agilolfingisch-karolingische Pfalz und die Entwicklung des Ortes zum bedeutenden Pilgerziel.

3. Die Auswirkungen der Aufklärung: Das Kapitel analysiert, wie aufklärerische Bestrebungen durch staatliche Eingriffe, das Verbot von Orden und die Unterdrückung von Bräuchen das traditionelle religiöse Leben massiv veränderten.

3.1. Orden und Bruderschaften: Hier wird die Rolle von Orden und Laienorganisationen in der religiösen Betreuung vor und während der Aufklärung dargelegt.

3.2. Staatliche und kirchliche Eingriffe: Dieser Abschnitt beschreibt die konkreten ordnungspolitischen Maßnahmen des Staates gegen wallfahrtsbezogene Riten und das "irrationalistische" Frömmigkeitsverständnis.

3.3 Volkstümliche Frömmigkeit: Das Kapitel widmet sich der Reaktion der Landbevölkerung auf die aufklärerischen Reformen und dem Festhalten an tradierten Glaubensformen.

4. Gegenwärtige Situation und Schlussbemerkungen: Zusammenfassend wird aufgezeigt, dass die Wallfahrt trotz aller Säkularisierungstendenzen überdauerte und bis heute ein metaphysisches Bedürfnis der Menschen erfüllt.

Schlüsselwörter

Altötting, Wallfahrt, Aufklärung, Volksfrömmigkeit, Säkularisierung, Wittelsbacher, Maximilian Graf von Montgelas, Tradition, Katholizismus, Orden, Bruderschaften, Religionsgeschichte, Moderne, Religiöse Identität, Bayern

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit analysiert, wie die Aufklärung im 18. und 19. Jahrhundert versuchte, das Wallfahrtswesen in Altötting durch administrative Reformen und eine rationalistische Kirchenpolitik einzuschränken.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die Säkularisierung geistlicher Güter, das Verhältnis zwischen Staat und Kirche sowie der Widerstand der Landbevölkerung gegen die staatliche Neuordnung der Frömmigkeit.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das Spannungsfeld zwischen der paternalistischen Aufklärung des Staates und dem beharrenden Bedürfnis des Volkes nach traditioneller religiöser Orientierung exemplarisch am Beispiel Altötting aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen, wissenschaftlicher Fachliteratur sowie historischer Berichte zur Wallfahrtsgeschichte basiert.

Was ist der inhaltliche Fokus des Hauptteils?

Der Hauptteil beleuchtet die Rolle von Orden und Bruderschaften, die Eingriffe der Obrigkeit – etwa durch Feiertagsverbote – und die soziologische Reaktion der bäuerlichen Bevölkerung auf diese Veränderungen.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die zentralen Begriffe sind Altötting, Aufklärung, Volksfrömmigkeit, Säkularisierung, Tradition und die Rolle der Wittelsbacher Kurfürsten.

Welche Rolle spielte Maximilian Graf von Montgelas in diesem Kontext?

Montgelas war ein maßgeblicher bayerischer Minister, dessen aufklärerische Reformen die Kirche als staatliches Instrument betrachteten und somit direkt zur Beschneidung volkstümlicher religiöser Riten wie Prozessionen führten.

Wie reagierte die Bevölkerung auf die aufklärerischen Verbote?

Die Landbevölkerung begegnete den Einschränkungen oft mit Unverständnis und Widerstand, da die Wallfahrten für sie nicht nur religiöse, sondern auch zentrale soziale und gemeinschaftsstiftende Höhepunkte darstellten.

Warum konnte die Wallfahrt in Altötting trotz der Aufklärung überleben?

Die Autorin argumentiert, dass das Bedürfnis nach metaphysischer Zugehörigkeit und geistiger Orientierung in den einfachen Bevölkerungsschichten so tief verwurzelt war, dass es sich auch gegen staatlich verordneten Rationalismus behaupten konnte.

Ende der Leseprobe aus 20 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Altöttinger Wallfahrt zur Zeit der Aufklärung
Hochschule
FernUniversität Hagen  (Historisches Institut)
Note
2,0
Autor
Ralph Manhalter (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2018
Seiten
20
Katalognummer
V454699
ISBN (eBook)
9783668875180
ISBN (Buch)
9783668875197
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Christentum Wallfahrt Altötting Bayern
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Ralph Manhalter (Autor:in), 2018, Die Altöttinger Wallfahrt zur Zeit der Aufklärung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454699
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  20  Seiten
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