Die Entstehungsgeschichte der Europäischen Währungsunion


Hausarbeit, 2005
14 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die wirtschaftlichen Motive zur Gründung der Europäischen Währungsunion

2 Der Weg zur Europäischen Währungsunion
2.1. Bretton-Woods-System
2.2. Werner-Plan
2.3. Währungsschlange
2.4. Das Europäische Währungssystem
2.5. Delors-Bericht

3 Der Vertrag von Maastricht als Grundlage zur EWU
3.1. Der Vertragsabschluß und die Einführung des Euro
3.2. Die Konvergenzkriterien
3.3. Die Länderauswahl

4 Heutiger Stand der EWU

Zusammenfassung

Quellenverzeichnis

Einleitung

Der 1. Januar 1999 war ein historischer Tag für die Europäische Union: es begann die dritte Stufe der Vollendung der Wirtschafts- und Währungsunion mit der Einführung der einheitlichen Währung – dem Euro. Dieses große Vorhaben war vor allem auf den Schutz des Gemeinsamen Marktes vor währungspolitischen Störungen gerichtet. Für die Stabilität der gemeinsamen Währung sorgt jetzt die Europäische Zentralbank.

Mit der Schaffung der EWU ist ein wesentliches Ziel des Integrationsprozesses in Europa erreicht worden, nämlich die Errichtung eines Gemeinsamen Marktes und einer Wirtschafts- und Währungsunion. Doch die Erreichung dieses Zieles war ein langer Prozess und hat über vierzig Jahre gedauert.

Das Ziel dieser Arbeit ist es, die Entstehung der Europäischen Währungsunion darzu-legen und die früheren Versuche der Errichtung einer Währungsunion zu analysieren.

Im ersten Teil werden die wirtschaftlichen Gründe zur Errichtung der EWU genannt. Es wird das Problem der Wechselkursrisiken und Transaktionskosten sowie Preistranspa-renz behandelt. Außerdem wird die neue Positionierung Europas in der Weltwirtschaft betrachtet.

Teil 2 wird den verschiedenen Konzepten zur Errichtung einer Währungsunion ge-widmet: vom Bretton-Woods System über den Werner-Plan und Währungsschlange zum Europäischen Währungssystem und Delors-Bericht.

Der dritte Teil behandelt den Abschluss des Vertrags von Maastricht und umfasst die in diesem Vertrag verankerten Voraussetzungen zum Eintritt in die Europäische Währungsunion, die als Konvergenzkriterien bekannt sind.

Über den heutigen Stand der Europäischen Währungsunion wird im abschließenden vierten Teil dieser Arbeit berichtet.

1 Die wirtschaftlichen Motive zur Gründung der Europäischen Währungsunion

Eine Währungsunion besteht aus mindestens zwei Ländern mit einer gemeinsamen Geld- und Währungspolitik. Dabei macht nur eine Institution die gemeinsame Geld-politik für das gesamte Gebiet der Währungsunion, und es gibt nur noch eine Währung bzw. mehrere Währungen, deren Wechselkurse unwiderruflich fixiert werden.[1] Die Teilnahme eine einer Währungsunion hat eine Wohlstandssteigerung in den betroffenen Ländern zum Ziel, die durch Senkung der Transaktions- und Infor-mationskosten sowie durch Stimulierung des Außenhandels und der Investitionen erreicht kann.[2] Bei der Gründung der Europäischen Währungsunion haben explizit folgende Motive eine entscheidende Rolle gespielt:

- Beseitigung der Wechselkursrisiken: in der Vergangenheit kam es innerhalb der Gemeinschaft häufig zu Wechselkursschwankungen, die hohe volkswirtschaftliche Kosten verursachten: bei der Aufwertung einer Währung verteuerten sich folglich die inländischen Produkte , was den Export wesentlich beeinträchtigte[3] Auf dem Gebiet des grenzüberschreitenden Handels führte das zu langen Verhandlungs-phasen, da für Anbieter und Abnehmer Unsicherheit über den in ihrer Währung im Endeffekt zustande gekommenen Preis bestand. Das Währungsrisiko war aber oft für kurzfristige Anleger erwünscht, denn das ermöglichte die Erzielung eines Speku-lationsgewinns. Für die langfristigen Anleger war das dagegen ein erhebliches Hindernis;[4]
- Verringerung der Transaktionskosten: fremdwährungsbedingte Gebühren für Auslandsüberweisungen, Reisezahlungen etc. verursachten deutlich höhere Informations-, Dispositions- und Verrechnungskosten als Zahlungen ohne Währungstausch. Laut Berechnungen der EG-Kommission von 1990 betrugen die Transaktionskosten 0,4% des akkumulierten BIP der damaligen 12er-Gemeinschaft;[5]
- Verbesserung der Preistransparenz: mit der Einführung einer einheitlichen Währung können die Preise europaweit direkt verglichen werden. Dies bedeutet einen stärkeren Wettbewerb zwischen den Unternehmen. Dadurch können, zusam-men mit dem Wegfall der Transaktionskosten, auch Preise für einige Produkte sinken. Der Verbraucher bekommt die Möglichkeit günstiger einzukaufen und dadurch mehr zu sparen. Durch die verbesserte Markttransparenz können die Unternehmen ihre Preise besser kalkulieren und so wettbewerbsfähiger werden;[6]
- Bessere Positionierung Europas in der Weltwirtschaft: die Gründung der Euro-päischen Währungsunion bedeutet einen einheitlichen Wirtschafts- und Währungs-raum für mehr als 370 Mio Menschen, gemessen an der Wirtschaftskraft sollte dieser sogar vor den USA liegen.[7] Auf dem Gebiet des weltweiten Rohstoffhandels würde dies die Möglichkeit der Zahlung in eigener Währung bedeuten, und folglich die Reduzierung der Abhängigkeit vom US-Dollar;[8]
- Langfristiges Nutzen: die Vollendung des Binnenmarkts durch die Einführung von Euro sollte auch zum verschärften Wettbewerb auf dem Kapitalmarkt und folglich zum niedrigeren Zinsniveau führen. Dies bedeutete eine Erhöhung der Investitions-bereitschaft der Unternehmen. Langfristig sollte das mehr Raum für Wachstum und mehr Beschäftigung schaffen.[9]

2 Der Weg zur Europäischen Währungsunion

2.1. Bretton-Woods-System

Die marktwirtschaftliche Ordnung in Europa funktionierte von 1945 bis 1969, d.h. vor dem ersten Plan einer Wirtschafts- und Währungsunion in Europa, nach dem weltweit angewandten Bretton-Woods-System und stellte schon damals eine Art „Währungs-union“ dar.[10] Das Währungs-Abkommen sah für seine Mitglieder eine Begrenzung der Schwankungsmarge gegenüber dem US-Dollar von maximal 1 Prozent vor. Durch die Bindung des US-Dollars an den Goldpreis war auch die reale Stabilität des Systems weitgehend gesichert: die am Abkommen beteiligten Zentralbanken konnten bei der amerikanischen Zentralbank bis 1968 gegen 35 US-Dollar eine Unze Gold eintauschen.[11] Der dabei erzielte Integrationsstand wurde jedoch im Jahre 1969 durch eine plötzliche Abwertung des französischen Franc um 11% bei einer gleichzeitigen Aufwertung der D-Mark um fast 10% gefährdet.[12] Zu diesem Zeitpunkt war der gegenseitige Warenaustausch in Europa auf ein Zehntel der Wirtschaftsleistung angewachsen und solche Auf- und Abwertungen bedeuteten erhebliche negative Auswirkungen auf den Wirtschaftskreislauf innerhalb der EG.[13]

[...]


[1] Vgl. Mundschenk, S.; Schwarzer, D.; Collingon, S. (1999): Die Währungsunion – Chance für Europa: Handbuch zur Europäischen Währungsunion. – Bonn: Friedrich-Ebert-Stiftung, S.20.

[2] Vgl. Willms, M. (1998): Die Europäische Währungsunion im Lichte der Theorie optimaler Währungsräume. In: Francke, H.-H.; Ketzel, E.; Kotz, H.-H. (Hrsg.): Europäische Währungsunion: Von der Konzeption zur Gestaltung. – Bonn: Duncker & Humblot, S. 42.

[3] Vgl. Reupke, M. (2000): Die Wirtschafts- und Währungsunion: Die Bedeutung für die Europäische Union unter politischer und internationales Berücksichtigung. – Oldenburg: BIS, S. 36.

[4] Vgl. Poser, A. M. von (1998): Europäische Währungsunion: der Weg zum Euro-Kapitalmarkt. 3., vollst. überarb. Aufl. – Stuttgart: Dt.Sparkassenver., S. 22 f.

[5] Vgl. Poser, A. M. von (1998), a.a.O., S. 23 f.

[6] Vgl. Reupke, M. (2000), a.a.O., S. 38; Poser, A. M. von (1998), a.a.O., S.25.

[7] Vgl. Reupke, M. (2000), a.a.O., S. 39.

[8] Vgl. Poser, A. M. von (1998), a.a.O., S. 26 f.

[9] Vgl. Reupke, M. (2000), a.a.O., S. 38 f; Mundschenk, S.; Schwarzer, D.; Collingon, S. (1999), a.a.O., S. 14.

[10] Vgl. Poser, A. M. von (1998), a.a.O., S. 41.

[11] Vgl. Poser, A. M. von (1998), a.a.O.

[12] Vgl. Butschek, S. (1996): Die Europäische Währungsintegration: Der lange Weg zur Währungsunion. – Wien: Institut für Finanzwissenschaft und Steuerrecht, S. 3.

[13] Vgl. Poser, A. M. von (1998), a.a.O., S. 43.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die Entstehungsgeschichte der Europäischen Währungsunion
Hochschule
Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (ehem. Hochschule für Wirtschaft und Politik)
Veranstaltung
VWL: Geld und Kredit
Note
2,0
Autor
Jahr
2005
Seiten
14
Katalognummer
V45470
ISBN (eBook)
9783638428699
Dateigröße
507 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Entstehungsgeschichte, Europäischen, Währungsunion, Geld, Kredit
Arbeit zitieren
Karina Boldyreva (Autor), 2005, Die Entstehungsgeschichte der Europäischen Währungsunion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45470

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