Die öffentliche Debatte im Bereich Wohlfahrt und soziale Dienste dreht sich häufig darum, welchen Teil jeweils der Staat, der Markt oder der gemeinnützige Sektor übernehmen sollen. Nicht selten wird dabei vergessen, inwieweit die drei Sektoren miteinander verflochten sind. Stattdessen dienen Vorurteile und Stereotypen als vereinfachte Erklärungsversuche. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Untersuchung der Verknüpfungen und Beziehungen zwischen dem ersten Sektor, dem Staat, und dem dritten Sektor, dem Nonprofit-Sektor.
Diese Zusammenarbeit soll anhand eines Fallbeispiels der Beziehung zwischen dem Schweizer Staat und der Lungenliga bei der Tuberkulosebekämpfung veranschaulicht werden. Dafür werden drei Theorien von Gidron et alii, Coston und Brinkerhoff erörtert, die ihrerseits unterschiedliche Prioritäten setzen. Dabei wird das Fazit gezogen, dass sich die Theorie von Jennifer Coston die genauste Kategorisierung des Fallbeispiels zulässt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definitionen
2.1 NPO
2.2 Abgrenzung zu NGO
2.3 Der dritte Sektor
3. Modelle für die Zusammenarbeit zwischen Staat und NPOs
3.1 Gidron, Kramer und Salamon
3.2 Coston
3.3 Brinkerhoff
4. Zusammenarbeit in der Praxis
4.1 Zusammenarbeit in der Schweiz
4.2 Lungenliga
4.3 Beispiel: Leistungsvertrag Tuberkulose
5. Diskussion
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die Zusammenarbeit zwischen staatlichen Institutionen und Nonprofit-Organisationen (NPOs) in der Schweiz. Ziel ist es, durch die Anwendung soziologischer Modelle zu analysieren, inwieweit diese theoretischen Ansätze die konkrete Kooperation zwischen dem Schweizer Staat und der Lungenliga bei der Tuberkulosebekämpfung erklären können.
- Theoretische Grundlagen des Nonprofit-Sektors und Abgrenzung zu NGOs
- Analyse soziologischer Kooperationsmodelle (Gidron et al., Coston, Brinkerhoff)
- Strukturen der staatlichen NPO-Zusammenarbeit im schweizerischen Kontext
- Fallstudie: Tuberkulosebekämpfung durch die Lungenliga
- Kritische Diskussion der theoretischen Erklärungsgehalte für die Praxis
Auszug aus dem Buch
3.1 Gidron, Kramer und Salamon
Im Fokus des Modells von Gidron, Kramer und Salamon liegt das Verhältnis zwischen Regierung und dem freiwilligen Sektor im modernen Wohlfahrtsstaat (Dollery et al. 2002: 159). Dabei behaupten sie, dass die sozialwissenschaftliche Forschung lange von der Ansicht über ein angeblich kompetitives Verhältnis zwischen dem Staat und NPOs dominiert wurde. Die Wahl habe dabei jeweils nur zwischen staatlicher Dominanz oder der Dominanz des dritten Sektors bestanden. Diese Ansicht sei vor allem durch die ökonomische Sicht des Nullsummenspiels geprägt gewesen – des einen Gewinn ist des anderen Verlust. Nach dieser Auffassung geschah die Ausweitung des Wohlfahrtsstaates in den vergangenen fünfzig Jahren weitgehend auf Kosten des freiwilligen Sektors. Dieser Ansicht treten sie deutlich entgegen. Tatsächlich werde keiner der beiden Sektoren vom anderen dominiert, sondern die Unterscheidung entstehe lediglich bezüglich des Ausmasses der Zusammenarbeit (Dollory et al. 2002, 9).
Ausgehend von Gidron, Kramer und Salamon können vier Modelle von sozialen Wohlfahrtsstaaten unterschieden werden. Es wird stets zwischen der Autorisierung und Finanzierung sowie der tatsächlichen Ausführung unterschieden. Hierbei liegt die Verantwortung für die erste Aufgabe eher beim Staates, während die zweite Aufgabe von NPOs oder privatwirtschaftlichen Unternehmen übernommen wird (Salamon/Anheier 1998):
1. Das government-dominant model, beschreibt ein Modell, in dem der Staat die höchste Rolle bei öffentlichen Versorgungsdiensten übernimmt (Salamon/Anheier 1998). Steuereinnahmen garantieren dabei die notwendige Finanzierung und die Beamten erbringen die Dienstleistungen. Diese Art ist in hohem Masse repräsentativ für den modernen Wohlfahrtsstaat (Dollery et al. 2002, 15).
2. Das third sector-dominant model, indem solche Aufgaben hauptsächlich von Nonprofits übernommen werden (Salamon/Anheier 1998). Dieses Modell ist typischerweise vorherrschend, wenn aus ideologischen oder sektiererischen Gründen erhebliche Opposition für die Beteiligung der Regierung besteht (Dollery et al., 15).
3. Sowohl das dual model, wie auch das collaborative model fallen zwischen die beiden Extreme, bei denen sich die Finanzierung und die Ausführung auf den Staat und die NPOs verteilen (Salamon/Anheier 1998).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in das Forschungsfeld und Darstellung der Relevanz von Staat/Nonprofit-Beziehungen anhand der Lungenliga.
2. Definitionen: Begriffliche Klärung von Nonprofit-Organisationen, Abgrenzung zu NGOs und Definition des dritten Sektors.
3. Modelle für die Zusammenarbeit zwischen Staat und NPOs: Vorstellung theoretischer Frameworks zur Erklärung von Kooperationen, insbesondere durch Gidron et al., Coston und Brinkerhoff.
4. Zusammenarbeit in der Praxis: Analyse der spezifischen Situation in der Schweiz und Detailbetrachtung der Lungenliga im Kontext der Tuberkulosebekämpfung.
5. Diskussion: Anwendung und kritische Bewertung der zuvor vorgestellten theoretischen Modelle auf den konkreten Fall der Lungenliga.
6. Fazit: Zusammenfassende Beantwortung der Forschungsfrage und Einordnung der theoretischen Erklärungsmodelle.
Schlüsselwörter
Nonprofit-Organisation, NPO, Dritter Sektor, Staat, Zusammenarbeit, Tuberkulosebekämpfung, Lungenliga, Wohlfahrtsstaat, Leistungsvertrag, Subsidiaritätsprinzip, Partneschaftsmodell, Nonprofit-Governance, Schweiz, Ressourcen, Regierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht, wie staatliche Akteure und Nonprofit-Organisationen (NPOs) in der Schweiz zusammenarbeiten und ob existierende soziologische Modelle diese Interaktionen zutreffend beschreiben können.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Schwerpunkte liegen auf der begrifflichen Definition von NPOs, der Vorstellung verschiedener Kooperationsmodelle, der Schweizer Praxis der Leistungsvereinbarungen und einer tiefgehenden Fallstudie zur Tuberkulosebekämpfung.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, inwieweit sich soziologische Modelle zur Erklärung von Staat/Nonprofit-Beziehungen eignen, um die konkrete Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Staat und der Lungenliga bei der Tuberkulosebekämpfung zu beschreiben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewendet?
Es handelt sich um eine theoretisch fundierte Analyse, die bestehende Modelle (Gidron et al., Coston, Brinkerhoff) mit empirischen Hintergrundinformationen und einem konkreten Fallbeispiel verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Kooperationsmodelle, eine Beschreibung der institutionellen Zusammenarbeit in der Schweiz sowie die spezifische Analyse der Lungenliga als ausführende Organisation.
Durch welche Begriffe lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Nonprofit-Governance, Leistungsvertrag, Staat/Nonprofit-Partnerschaft, Tuberkulosebekämpfung und Sektoren-Kooperation beschreiben.
Warum wurde die Lungenliga als Fallbeispiel gewählt?
Die Lungenliga dient als prominentes Beispiel für eine NPO, die über Leistungsverträge eng in staatliche Programme zur Gesundheitsprävention und Tuberkulosebekämpfung in der Schweiz eingebunden ist.
Welche theoretische Schlussfolgerung zieht der Autor?
Der Autor kommt zu dem Ergebnis, dass die Modelle von Jennifer Coston und Jennifer Brinkerhoff die Praxis der Lungenliga am besten abbilden, wobei die "Partnership" nach Brinkerhoff als besonders passend hervorgehoben wird.
- Arbeit zitieren
- Angela Gubser (Autor:in), 2016, Die Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Staat und Nonprofit-Organisationen am Beispiel der Bekämpfung von Tuberkulose, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454866