Mercè Rodoreda gehört zu den bedeutendsten Autorinnen der katalanischen Nachkriegsliteratur. Unmittelbar vor der endgültigen Machtergreifung Francos und den damit einhergehenden rechtlichen Verboten der Ehefrauen, z.B dass sie 30 Jahre lang nicht berufstätig sein durften, musste sie ihren Beruf als Schriftstellerin schlagartig beenden. Noch bevor die Zeit des Franco- Regimes zu erblühen beginnt, geht sie ins Exil. Während der Franco Zeit residiert sie in Frankreich und in der Schweiz. Rodoreda besaß eine schwierige und komplexe Persönlichkeit, doch viele der wenigen, angenehmen Aspekte ihres Charakters und Verhaltens werden durch familiäre Umstände und die katastrophalen Auswirkungen des Bürgerkriegs erklärt. Sie schrieb in Katalanisch, eine verbotene Sprache im faschistischen Spanien Francos. Ihr im Jahre 1962 veröffentlichter Roman „Auf der Plaça del Diamant“ gehört zu den Klassikern über den spanischen Bürgerkrieg und wurde in über 20 Sprachen übersetzt. Die Leser dieses Romans werden zum kritischen Nachdenken über zeitgenössische Probleme angeregt, die für sie schon längst in Vergessenheit geraten sind. Der spanische Bürgerkrieg stellt eines der grausamsten Ereignisse des 20. Jahrhunderts dar, den die Spanier mit tödlichen, sowie materiellen Verlusten und traumatischen Folgen erleiden mussten.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Hauptteil
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Auswirkungen des Spanischen Bürgerkriegs auf das Frauenbild anhand des Romans "Auf der Plaça del Diamant" von Mercè Rodoreda, wobei die Protagonistin Natalia als Symbol für die Unterdrückung und spätere Emanzipation der Frau in einer patriarchalen Gesellschaft analysiert wird.
- Die Darstellung der weiblichen Identität und Rolle in der spanischen Nachkriegszeit.
- Die symbolische Bedeutung von Schweigen und Sprache als Ausdrucksmittel unter patriarchaler Herrschaft.
- Die Analyse der Lebensphasen der Protagonistin in Bezug auf gesellschaftliche Umbrüche.
- Der Einfluss von Kriegstraumata auf die individuelle Psyche und das Frauenbild.
- Die Gegenüberstellung von traditionellen und emanzipatorischen Frauenbildern in der Literatur.
Auszug aus dem Buch
Die Gewalt die Quimet gegen Natalia ausübt
Die Gewalt die Quimet gegen Natalia ausübt, wird von der Protagonistin in drei spezifischen Körperteilen lokalisiert: Er schlägt sie auf ihr Knie, schüttelt ihren Kopf und kneift ihren Arm. Der Schlag auf ihr Knie, ein Teil der unteren Gliedmaßen, die zum Gehen benutzt werden, drückt symbolisch den Wunsch aus, die Schritte zu begrenzen, den Kreis der Beziehungen zu reduzieren und sie im häuslichen Raum außerhalb der Orte zu halten, wo Entscheidungen getroffen werden, wo Gesetzte erlassen und beurteilt werden. Sie am Nacken zu packen und ihren Kopf zu schütteln, ist eine Form der Verhinderung ihrer Kopfbewegungen, die ihr helfen sich für das zu entscheiden, was sie sehen möchte. Das hilft ihr, ihren Horizont zu erweitern und sie daran zu hindern, zu denken und zu erkennen. Das Kneifen am Arm ist eine Form Natalias Handeln zu reduzieren und ihre zu verbieten mit Freiheit zu agieren. Um den Gemeinheit und den Egoismus der Männer tu verstärken, erzählt die Protagonistin, wie sie einmal eine Vase bezahlen musste, die sie zerbrochen hatte: „[…] en casa de mis señores, rompí un vaso y me lo hicieron pagar como nuevo aunque estaba ya un poco resquebrajado[…] y no le dije que había roto un vaso y que mo lo habían descontado“.
Hier wird deutlich, dass Nàtalia ihrem Ehemann nichts von dem Vorfall erzählt, denn so würde er sie wieder als “dumme Frau“ bezeichnen. Während des Essens, warnte Quimet Natalia: „hoy haremos un niño. Y me hacía ver las estrellas“. Trotz der Angst und des psychologischen Widerstands gegen die Sexualakte schweigt Colometa und erträgt alle launenhaften Wünsche ihres Mannes. Obwohl ihre Angst kein bewusster Widerstand gegen die patriarchalische Zurechtweisung ist, zeigt sie in diesem stillen Widerstand die Abneigung, Mutter zu sein. Sowohl das Sexualleben als auch die Geburt ihrer Kinder erwecken den Eindruck eines unerträglichen Schmerzes und Entsetzens.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Es werden die Biografie der Autorin Mercè Rodoreda, die Bedeutung des Romans im historischen Kontext des spanischen Bürgerkriegs sowie die Rolle der Protagonistin Natalia eingeführt.
Hauptteil: Das Kapitel analysiert die verschiedenen Lebensphasen Natalias, ihre Unterdrückung durch den Ehemann Quimet, die Symbolik der Tauben und den späteren Weg zur Emanzipation durch eine zweite Ehe.
Fazit: Die Arbeit resümiert, dass Natalia als Metapher für die unterdrückten Frauen unter dem Franco-Regime fungiert und der Roman die Notwendigkeit von Gleichberechtigung und Selbstbestimmung unterstreicht.
Schlüsselwörter
Spanischer Bürgerkrieg, Mercè Rodoreda, Natalia, Colometa, Frauenbild, Emanzipation, Patriarchat, Unterdrückung, Schweigen, Identität, Geschlechterrollen, Nachkriegszeit, Katalanische Literatur, Rebellion, Trauma.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der literarischen Aufarbeitung des spanischen Bürgerkriegs und der damit verbundenen Unterdrückung der Frau im Roman "Auf der Plaça del Diamant" von Mercè Rodoreda.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den Schwerpunkten zählen die Geschlechterrollen im Spanien der 1930er bis 1950er Jahre, die Auswirkungen patriarchaler Strukturen auf das Leben einer Ehefrau sowie die Symbolik von Sprache und Schweigen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie sich die Protagonistin Natalia von einer fremdbestimmten, zum Schweigen verdammten Frau zu einer selbstbestimmten Persönlichkeit entwickelt und welche Rolle der historische Kontext dabei spielt.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse, die den Roman in seinen historischen und soziopolitischen Kontext einbettet und zentrale Textstellen zur Stützung der Argumentation heranzieht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in drei Lebensphasen der Protagonistin, untersucht ihre Ehe mit Quimet, ihre Isolation und ihre symbolische Rebellion gegen die häusliche Tyrannei.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte sind Spanischer Bürgerkrieg, Frauenbild, Emanzipation, Patriarchat, Identität und das Werk von Mercè Rodoreda.
Warum spielt das Schweigen der Protagonistin eine so wichtige Rolle?
Das Schweigen ist ein zentrales Motiv, das sowohl die Unterordnung und den Verlust der eigenen Identität unter Quimets Herrschaft als auch einen schmerzhaften, passiven Widerstand gegen die patriarchale Gesellschaft versinnbildlicht.
Welche symbolische Bedeutung haben die Tauben im Roman?
Die Tauben symbolisieren die Gefangenschaft und das "Käfigleben" Natalias; ihre spätere Tötung stellt einen Akt der Rebellion und einen ersten Schritt in Richtung persönlicher Freiheit dar.
Wie unterscheidet sich die zweite Ehe von der ersten?
Während die Ehe mit Quimet durch Unterdrückung, Gewalt und Fremdbestimmung geprägt war, bietet der zweite Ehemann Antoni Natalia Raum für Entfaltung, Akzeptanz und Mitspracherecht.
- Citar trabajo
- Esra Deveci (Autor), 2018, Der Spanische Bürgerkrieg und seine Auswirkung auf das Frauenbild im Roman von Mercè Rodoreda "Auf der Plaça del Diamant", Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454870