Der Informationsdienstleister Bloomberg berichtete am 23. März 2018: „ING Groep NV abandoned a plan to boost CEO Ralph Hamers’s pay after fierce criticism from Dutch leaders including Prime Minister Mark Rutte and Finance Minister Wopke Hoekstra.“ Mit der hier thematisierten Entscheidung wird sowohl das öffentliche als auch das politische Interesse bezüglich der Entlohnung des Managements von Kapitalmarktgesellschaften deutlich. Dieses Interesse ist ebenfalls auf Deutschland übertragbar, womit gesetzliche Vorgaben und Richtlinien wie der Deutsche Corporate Governance Kodex (DCGK) u. a. für Politik, Unternehmen und Anleger an Bedeutung gewinnen. Zudem steigt für institutionelle Investoren die Relevanz der Themenfelder Corporate Governance und Nachhaltigkeit stetig, wodurch neben der Höhe der Managergehälter auch die Vergütungssysteme in den Fokus der Anlageentscheidung rücken.
Die vorliegende Studienarbeit beschäftigt sich daher mit folgender Forschungsfrage: Wie wirken sich die Empfehlungen und Anregungen des DCGK auf die Vergütungssysteme für das Management von DAX- und MDAX-Gesellschaften aus? Die Kernkonzepte der Fragestellung sind der DCGK, die Ausgestaltung der Vergütungssysteme, die Personengruppe Management sowie die Eingrenzung auf Gesellschaften, die in den beiden deutschen Aktienindizes DAX (Deutscher Aktienindex) und MDAX (Mid-Cap-DAX) geführt werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Erklärungsansätze zur Vergütung des Managements
2.1 Prinzipal-Agent-Theorie
2.2 Optimal Contracting und Managerial Power Approach
2.3 Corporate Governance und Managementvergütung
3 Managementvergütung und Deutscher Corporate Governance Kodex
3.1 Zuteilungs- und Auszahlungskriterien der Managementvergütung
3.2 Entwicklung und Grundlagen des DCGK
3.3 Managementvergütung im DCGK und bisherige Forschung
4 Datenanalyse zur Auswirkung des Deutschen Corporate Governance Kodex auf die Managementvergütung
4.1 Datenbeschreibung, Ablauf der Datenanalyse und Datenüberblick
4.2 Zentrale Ergebnisse der Datenanalyse
4.3 Bewertung der zentralen Ergebnisse zur Beantwortung der Forschungsfrage und Ausblick auf weitere Forschungsaktivitäten
5 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie sich die Empfehlungen und Anregungen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) konkret auf die Ausgestaltung von Vergütungssystemen für das Management in DAX- und MDAX-Unternehmen auswirken. Dabei liegt der Fokus auf der Identifikation von Trends hinsichtlich Transparenz, Leistungsbemessung und Vergütungsstrukturen im Zeitraum von 2013 bis 2017.
- Analyse der theoretischen Grundlagen der Managementvergütung (Prinzipal-Agent-Theorie)
- Untersuchung der regulatorischen Anforderungen des DCGK
- Empirische Datenanalyse der Vergütung von Vorstandsvorsitzenden
- Bewertung der Transparenz und Einhaltung von Kodex-Empfehlungen
- Vergleich zwischen DAX- und MDAX-Konzernen
Auszug aus dem Buch
2.1 Prinzipal-Agent-Theorie
Die Prinzipal-Agent-Theorie zählt neben der Transaktionskostentheorie und der Verfügungsrechtstheorie zu den bekanntesten Theorien der Neuen Institutionenökonomik. Zentrale Grundannahmen der Prinzipal-Agent-Theorie und der Neuen Institutionenökonomik sind, dass sich die Handlungen von Institutionen aus der Summe der Handlungen der einzelnen Mitglieder ergeben, dass begrenzte Fähigkeiten der Informationswahrnehmung und -verarbeitung zu einer beschränkten Rationalität führen und dass eine individuelle Nutzenmaximierung vorliegt.
Nach der Prinzipal-Agent-Theorie delegiert der Prinzipal (Auftraggeber) Entscheidungskompetenzen an den Agenten (Auftragnehmer), um sich dessen Handlungsfähigkeiten u. a. in Form von Spezialisierungsvorteilen zunutze zu machen. Dabei wird davon ausgegangen, dass zwischen dem Agenten und dem Prinzipal unterschiedliche Informations-, Interessen- und Risikoverteilungen sowie unvollständige Verträge vorliegen. In Verbindung mit dem Ziel der persönlichen Nutzenmaximierung treten vor diesem Hintergrund sogenannte Agency-Kosten auf.
In der Literatur wird zwischen vier Formen der Informationsasymmetrie differenziert. Von diesen sind für eine Untersuchung zum Thema Vergütung die Ausprägungen ‚Hidden Information‘ und ‚Hidden Action‘ von Bedeutung. Erstere bezeichnet die Ausnutzung eines (aufgrund von Fach- oder Prozesswissen bzw. Wissen über die Wirkung von Umwelteinflüssen bestehenden) Informationsvorteils durch den Agenten bei der Entscheidungsfindung. Hidden Action beschreibt den Sachverhalt, dass der Prinzipal aufgrund der Wirkung von externen Einflüssen nur die Ergebnisse, aber nicht die Handlungen des Agenten beurteilen kann und charakterisiert damit ein zentrales Problemfeld für die Bemessung der leistungsabhängigen Vergütungskomponente von Managern.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung motiviert die Relevanz der Managementvergütung durch aktuelle Medienberichte und definiert die Forschungsfrage sowie den Untersuchungsrahmen (DAX und MDAX).
2 Theoretische Erklärungsansätze zur Vergütung des Managements: Dieses Kapitel erläutert die ökonomischen Grundlagen, insbesondere die Prinzipal-Agent-Theorie und den Managerial Power Approach, um das Spannungsfeld zwischen Eigentümern und Managern zu begründen.
3 Managementvergütung und Deutscher Corporate Governance Kodex: Es werden die Instrumente der Vergütung (Zuteilungs- und Auszahlungskriterien) sowie die historische Entwicklung und die Zielsetzung des DCGK systematisch dargestellt.
4 Datenanalyse zur Auswirkung des Deutschen Corporate Governance Kodex auf die Managementvergütung: Das Kernstück der Arbeit bildet die empirische Untersuchung, in der die Einhaltung der Kodex-Empfehlungen anhand erhobener Datenpunkte bei DAX- und MDAX-Unternehmen analysiert und bewertet wird.
5 Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die eine zunehmende Transparenz und Einhaltung der DCGK-Vorgaben über den Untersuchungszeitraum bestätigt.
Schlüsselwörter
Managementvergütung, Deutscher Corporate Governance Kodex, DCGK, Prinzipal-Agent-Theorie, Vorstandsvergütung, Agency-Kosten, Corporate Governance, DAX, MDAX, variable Vergütung, Transparenz, Vergütungsbericht, Vergütungssysteme, Aufsichtsrat, Aktienbasierte Vergütung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, inwieweit deutsche börsennotierte Unternehmen aus DAX und MDAX die Empfehlungen des Deutschen Corporate Governance Kodex (DCGK) bei der Gestaltung ihrer Vorstandsvergütung umsetzen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Studie?
Die zentralen Felder umfassen die theoretischen Agency-Konzepte, die regulatorischen Rahmenbedingungen des DCGK sowie die empirische Analyse von Vergütungsstrukturen, Transparenzanforderungen und Leistungsindikatoren.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Wie wirken sich die Empfehlungen und Anregungen des DCGK auf die Vergütungssysteme für das Management von DAX- und MDAX-Gesellschaften aus?
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es wurde eine empirische Datenanalyse durchgeführt, die auf einer eigenen Datenerhebung aus Geschäfts- und Lageberichten von 80 Unternehmen im Zeitraum von 2013 bis 2017 basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen, die regulatorische Analyse des DCGK und die detaillierte Auswertung der erhobenen Unternehmensdaten zu Vergütungsbestandteilen und Transparenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wesentliche Begriffe sind Managementvergütung, DCGK, Prinzipal-Agent-Theorie, Agency-Kosten, Vorstandsvergütung, Transparenz und Corporate Governance.
Warum wurden speziell DAX- und MDAX-Unternehmen untersucht?
Diese Indizes repräsentieren die größten und bedeutendsten börsennotierten Gesellschaften in Deutschland, für die der DCGK aufgrund ihrer Marktkapitalisierung und öffentlichen Aufmerksamkeit eine zentrale Rolle spielt.
Welche wesentliche Erkenntnis ergibt sich aus der Datenanalyse für das Jahr 2017?
Die Analyse zeigt eine steigende Tendenz zur Einhaltung der Kodex-Empfehlungen, insbesondere bei der Transparenz der Vorstandsvergütung, wobei DAX-Unternehmen hierbei eine Vorreiterrolle einnehmen.
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- Christian Koch (Author), 2018, Auswirkungen des Deutschen Corporate Governance Kodex auf die Managementvergütung in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454890