Diese Hausarbeit ist ein Versuch, die unterschiedlichen Funktionen des Wächters herauszuarbeiten und diese, anhand von Forschungsliteratur und Belegen in verschiedenen Tageliedern verschiedener Autoren, zu bestätigen. Die zu untersuchende Forschungsfrage bezieht sich dabei explizit auf die Frage nach der Funktion des Wächters in verschiedenen Tageliedern. Diese werden im Hauptteil der Arbeit definiert und durch Beispiele aus unterschiedlichen Tageliedern weiter erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Funktion des Wächters
3. Fazit und Ausblick
4. Literaturhinweise
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die vielfältigen Rollen und Funktionen der Wächterfigur im mittelhochdeutschen Tagelied. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie der Wächter als Bindeglied zwischen verschiedenen Handlungsräumen agiert und welche Bedeutung ihm in der sozialen und poetologischen Struktur der Gattung zukommt.
- Die Wächterfigur als aktiver Weckrufer und militärische Wache.
- Der Wächter als Vermittler und Bote zwischen der höfischen Öffentlichkeit und der privaten Sphäre der Liebenden.
- Die symbolische Funktion des Wächters als Katalysator der Liebesvereinigung und als Grenzfigur.
- Die intertextuelle Bedeutung des Wächters in Werken verschiedener Autoren wie Wolfram von Eschenbach.
Auszug aus dem Buch
Funktion des Wächters
Der Wächter ist, in seiner Hauptfunktion, für das Wecken zweier Liebender zuständig, welche illegitim eine gemeinsame Nacht verbringen. Dies stellt jedoch eine große Gefahr für das Paar dar, da dies nicht der sozialen Norm der höfischen Etikette entspricht und als große Sünde den Velust des Ansehens oder sogar des Lebens Lebens für die Geliebten bedeuten kann. Aufgrund dessen weckt der Wächter das Paar, um den Geliebten, welcher in den meisten Fällen als Ritter (rîter) definiert wird, eine rechtzeitige Flucht zu ermöglichen und das gemeinsame Liebesspiel vor der Öffentlichkeit am Hofe zu verheimlichen. In Wolfram von Eschenbachs Tagelied von der zinnen wird diese Funktion durch die Verse „hüete dîn, wache, süezer gast!“ (Str. 2, V. 15) deutlich.
Uwe Ruberg beschreibt das Wecken als „letzte Handlung des nächtlichen Wächters“. Dies impliziert, dass es auch für den Tag einen Wächter gibt, der auf der Zinne steht und der Wächter somit nicht nur für den Weckruf zuständig ist, sondern auch eine tatsächliche Funktion als Wache innehält. Ein Beleg dieser Theorie, die aus dem Wächter eine militärische Figur macht, findet sich wiederum auch im Tagelied „von der zinnen“, in welchem der Wächter von der Zinne herabsteigt, um dadurch seinen Dienst zu beenden und seine Position so für den ‚Tageswächter’ freizugeben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Wächterfigur im mittelalterlichen Tagelied ein und formuliert die Forschungsfrage hinsichtlich ihrer Funktion als Vermittler.
2. Funktion des Wächters: Dieses Kapitel analysiert die verschiedenen Rollen des Wächters, wie den Weckruf, die militärische Aufgabe und die Position als Vertrauensperson oder Bote.
3. Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die ambivalenten Funktionen des Wächters zusammen und regt zu weiteren literaturwissenschaftlichen Untersuchungen unterschiedlicher Wächtertypen an.
4. Literaturhinweise: Das Verzeichnis listet die verwendete Primär- und Sekundärliteratur zur weiteren Vertiefung des Themas auf.
Schlüsselwörter
Tagelied, Wächterfigur, Mittelalter, mittelhochdeutsche Literatur, Wolfram von Eschenbach, Höfische Liebe, Trennung, Minne, Sprecherinstanz, Zinne, Weckruf, Poetologie, Intertextualität, soziale Norm, höfische Etikette.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse der Wächterfigur im mittelhochdeutschen Tagelied und untersucht deren diverse Funktionen innerhalb der literarischen Gattung.
Welche Themenfelder stehen dabei im Fokus?
Zentral sind die Aspekte der Trennung der Liebenden, die Funktion des Wächters als Vermittler zwischen den Sphären sowie seine Rolle als Schutzinstanz des ritterlichen Ansehens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die spezifischen Funktionen des Wächters anhand verschiedener Tagelieder (insbesondere von Wolfram von Eschenbach) herauszuarbeiten und die Ambivalenz seiner Figur aufzuzeigen.
Welche methodischen Ansätze werden verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Interpretation und Analyse von Primärtexten unter Einbeziehung relevanter Forschungsliteratur angewandt.
Welche Inhalte werden im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Funktionsbestimmung des Wächters, angefangen bei seiner Rolle als Wache und Sänger bis hin zu seiner Funktion als Vertrauensperson und Katalysator.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Wächterfigur, Tagelied, höfische Etikette, Trennungsmotivik und poetologische Funktion.
Inwiefern beeinflusst das Motiv des „urloup“ die Handlungsweise des Wächters?
Das Motiv des urloup markiert den Zwang zur Trennung und zwingt den Wächter dazu, als Zeitgeber und Mahner aufzutreten, was ihn in eine ambivalente Position zwischen den Liebenden und der sozialen Außenwelt bringt.
Wird die Wächterfigur in allen Tageliedern gleich dargestellt?
Nein, die Arbeit zeigt auf, dass der Wächter je nach Autor unterschiedlich definiert wird – von einer sehr aktiven, dialogstarken Figur bis hin zu einer passiv wahrgenommenen Instanz.
- Citar trabajo
- Melanie Pongratz (Autor), 2017, Welche Funktion erfüllt der Wächter im mittelhochdeutschen Tagelied?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454904