Schriftlicher Unterrichtsentwurf für eine 9. Klasse. Vorbereitung auf das BOGY-Praktikum


Unterrichtsentwurf, 2017
14 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Analyse der Unterrichtsvoraussetzungen

2. Sachanalyse

3. Didaktische Analyse

4. Kompetenzzielanalyse / Lernzielanalyse

5. Methodisches Vorgehen

6. Verlaufsplan

7. Anhang

8. Literaturverzeichnis

1. Analyse der Unterrichtsvoraussetzungen

Bei dieser 9. Klasse handelt es sich um Schüler des örtlichen Gymnasiums einer Großstadt, die sich im Rahmen des Deutschunterrichts auf das bevorstehende Praktikum für die Berufs- und Studienorientierung vorbereiten. Es befinden sich aktuell 27 Schülerinnen und Schüler in dieser Klasse mit einem Altersdurchschnitt von circa 14 Jahren und einem ausgewogenen Geschlechterverhältnis (13 Schüler und 14 Schülerinnen). Die Klasse weist ein hohes Kompetenzniveau auf, mit reger und produktiver Beteiligung am Unterricht, wobei viel Austausch stattfindet. Aufgrund der großen Unterrichtsbeteiligung, der Diskussionsfreudigkeit der Klasse und dem hohen Interesse an kreativen Lehrmethoden wurde die vorliegende Unterrichtsstunde vorbereitet und geplant. In der vorherigen Stunde wurden die wichtigsten Schritte im Bewerbungsverfahren für das ‚BOGY-Praktikum’ (genaue Erläuterung hierzu unter ‚Sachanalyse’) beleuchtet und besprochen. Der Fokus in dieser Stunde liegt auf dem Bewerbungsgespräch sowie, am Rande, der Gestaltung eines Anschreibens und Lebenslaufes. In der nachfolgenden Stunde werden die Schüler zum einen in Gruppen über persönliche Stärken, Schwächen und Interessen sprechen, um Bereiche abzustecken, die, mit Blick auf die berufliche Zukunft der Schülerinnen und Schüler, von persönlicher und individueller Bedeutung sind und zum anderen die Themen ‚Lebenslauf’ und ‚Anschreiben’ genauer betrachten.

Die Stunde findet am Vormittag in einer Doppelstunde von 09:55-11:25 Uhr im Klassenraum der Klasse statt. Die Stühle und Bänke sind von der vorherigen Stunde noch in Gruppentischen angeordnet, welche für die vorliegende Stunde genutzt werden.

2.Sachanalyse

Im Zeitalter der Globalisierung und der damit immer größer werdenden Möglichkeit, fast jeden Berufsweg potentiell überall auf der Welt einzuschlagen und individuell zu gestalten, nimmt die Berufs- und Studienorientierung für Schülerinnen und Schüler (fortan Schüler) einen immer größeren Stellenwert ein. Hierbei stehen jedoch „richtungsweisende Entscheidungen an, bei denen sie Unterstützung und Vorbereitung benötigen“, um die Schüler zu befähigen, „die Angebote für weitere Bildungswege und mögliche Berufe sowie die Arbeitsmarktsituation analysieren und mir ihren Interessen und Fähigkeiten vergleichen zu können“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, S. 6).

Zu diesem Zweck wurde bereits 1994 die Berufs- und Studienorientierung an den allgemein bildenden Gymnasien in Baden-Württemberg – kurz BOGY – zum Bestandteil des Schulalltages. Durch die Aufnahme in den Bildungsplan ist der BOGY-Prozess seit 2004 sogar verpflichtend eingeführt worden (Landesbildungsserver Baden-Württemberg). Auch im neuen Bildungsplan 2016 zählt die ‚Berufliche Orientierung’ zu einer von sechs Leitperspektiven und bildet so einen wesentlichen Bestandteil der individuellen Förderung, die auf den festgestellten Kompetenzen, Potenzialen und Interessen der Schüler beruht (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg).

Neben der Berufs- und Studienorientierung, die bereits ab Klasse 6 vorgesehen ist, findet in Klasse 10, meist aber in Klasse 9, das einwöchige BOGY-Praktikum statt. Die Schüler sind hierbei in der Verantwortung, sich eigenständig um eine Praktikumsstelle zu bemühen und den Bewerbungsprozess zu durchlaufen. Dabei können sie sich jedoch von der eigenen Schule beraten lassen (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg). Die Vor- und Nachbereitung dieses Praktikums findet in den meisten Fällen in den Fächern ‚Gemeinschaftskunde’ oder ‚Wirtschaft’ statt, kann jedoch auch im Deutschunterricht behandelt werden und ermöglicht so die Verbindung verschiedener Kompetenzbereiche im Deutschunterricht mit lebensnahen und zukunftsorientierten Bezügen, um den Schülern die vielfältigen Möglichkeiten der zielorientierten Gestaltung der eigenen Berufs- und Lebenswege aufzuzeigen (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, S. 6).

3. Didaktische Analyse

Für viele Schüler ist das Bewerbungs- bzw. Vorstellungsgespräch für den von ihnen gewünschten Praktikumsplatz eine große Hürde. In dieser Unterrichtsstunde soll diese Hürde sowie die Angst vor dem Bewerbungsgespräch genommen werden, wobei die Klassensituation einen geschützten Rahmen bildet, in welchem die Schüler noch nicht aktiv bewerbungsrelevante Leistung erbringen müssen, sondern auf eine leichte, heranführende und kreative Art und Weise auf das Bewerbungsgespräch vorbereitet werden. Durch diese Unterrichtseinheit erweitern die Schüler ihr Verständnis der Berufs- und Studienorientierung und können anschließend den Bewerbungsprozess für ihre gewünschte Praktikumsstelle zielgerichteter und fokussierter angehen. Des Weiteren erlangen sie hierbei auch Kompetenzen, welche für die Entscheidungs- und Ausrichtungsphase nach dem Abitur von entscheidender Bedeutung sind und somit Orientierung geben, welche Schritte hierfür von Notwendigkeit sind. Im Fokus der vorliegenden Stunde ist das Bewerbungsgespräch. Am Rande werden die Themen ‚Lebenslauf’ und ‚Anschreiben’ behandelt, welche jedoch in der nachfolgenden Stunde ausführlicher beleuchtet werden. Sofern eine dynamische und engagierte Beteiligung am Unterrichtsgeschehen der Klasse ausbleibt, können potentielle Schwierigkeiten im Unterrichtsablauf aufkommen, da diese Stunde auf aktiver Mitarbeit gegründet ist. Hierbei besitzt die Lehrperson jedoch einen erweiterten Handlungsspielraum und kann im Rahmen ihrer Rolle aktiv auf die einzelnen Schüler zugehen. Da der Bildungsplan die ‚Berufliche Orientierung’ als Leitmotiv fest im Unterrichtsgeschehen verankert, bildet diese Stunde einen Baustein in der gesamtheitlichen Berufs- und Studienorientierung, die bereits ab Klasse 6 stattfindet und so in den normalen Unterrichtsalltag eingebettet wird.

4. Kompetenzzielanalyse / Lernzielanalyse

a) Hauptkompetenz

Das Kompetenzziel der Stunde ergibt sich aus dem Bildungsplan Deutsch aus dem Bereich ‚Sprachgebrauch und Sprachreflexion’ sowie aus dem Bereich des ‚Bildungswert des Faches Deutsch’: „Die Schülerinnen und Schüler können sprachliche Äußerungen mündlich und schriftlich situationsangemessen und adressatengerecht formulieren (Rollendiskussion, Dialog, Bewerbungsschreiben, Lebenslauf, Vorstellungsgespräch, Antrag, sachlicher Brief).“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, S. 45)

„Die Schülerinnen und Schüler gewinnen Schlüsselqualifikationen, die in einer Wissens- und Informationsgesellschaft und für den weiteren Bildungs- und Berufsweg der Schülerinnen und Schüler unverzichtbar sind.“ (Ministerium für Kultus, Jugend und Sport Baden-Württemberg, S. 4)

b) Weitere Lernziele

Die Schülerinnen und Schüler vertiefen ihre Fähigkeiten sich für unbekannte Situationen (z.B. das Bewerbungsgespräch) schnell vorzubereiten und hierfür zielgerichtet einzuarbeiten. Zudem erkennen sie die persönliche Bedeutung dieser Thematik und schließen daraus Parallelen, Zusammenhänge und Schlüsse für ihren eigenen Lebensweg, welche die eigene Berufs- und Studienorientierung erleichtert.

5. Methodisches Vorgehen

Zu Beginn des Unterrichts findet eine kurze Wiederholung der letzten Stunde statt, in der es um die allgemeinen Schritte im Bewerbungsprozess des Praktikums ging, gefolgt von der Hinführung zum Thema der vorliegenden Unterrichtsstunde: dem Bewerbungsgespräch, welches im Rahmen des anstehenden BOGY-Praktikums auf die Schüler zukommen wird. Hierzu leitet die Lehrkraft durch Fragen ein Unterrichtsgespräch, wodurch die Schüler die Möglichkeit haben nochmals über die bereits vergangenen Unterrichtsstunden zu reflektieren. Der Fokus ist durch diese Art des Einstiegs deutlich festgelegt. Im Anschluss folgt die Erarbeitung. Die Schüler werden in Gruppen zu je drei Schülern aufgeteilt und ihnen wird mitgeteilt, dass sie im Rahmen der Unterrichtstunde ein Bewerbungsgespräch, aus Sicht eines Personalers, durchführen werden. In diesen Gruppen sollen sich die Schüler nun Fragen überlegen, welche ein gesprächsführende Personaler einem Bewerber im Rahmen des Bewerbungsgesprächs stellen könnte. Hierzu erhalten sie auch einen fiktiven Lebenslauf (Anhang 1) sowie ein Anschreiben (Anhang 2), die beide miteinbezogen werden sollen, jedoch eine sehr unpassende und überspitzt-falsche Bewerbung darstellen, welche die Schüler im Zuge der Gruppenarbeit selbstständig identifizieren sollen. Deshalb findet auch keine weitere Erläuterung des Bewerbungsgesprächs, des Lebenslaufes oder eine Korrektur desgleichen statt, da die Schüler einen ungefilterten Blick auf die vorliegenden Materialien werfen sollen, der für eine intuitive Fehleranalyse und ein hohes Maß an Authentizität des im weiteren Unterrichtsverlaufs stattfindenden Bewerbungsgespräch sorgt. Anschließend trägt jede Gruppe eine Auswahl an Fragen vor, während der Rest der Klasse Ergebnisse der verschiedenen Gruppen aufmerksam verfolgt und mögliche Rückfragen oder Verständnisfragen stellt. Dieser Schülerpräsentation folgt die Hinführung der Lehrperson auf das ‚gespielte‘ Bewerbungsgespräch. Hierzu wird nochmals der Ablauf erläutert und erklärt; im nächsten Unterrichtsschritt wird ein Praktikumskandidat den Klassenraum betreten und die Klasse wird als Plenum das Bewerbungsgespräch führen. Die Lehrperson verlässt für einen kurzen Moment den Klassenraum, zieht sieht sich eine sehr jugendlich aussehende Jacke an, klopft an der Tür des Klassenraums und tritt ein. In diesem Moment ist die Lehrperson nun in der Rolle des Praktikumskandidaten und führt so das Bewerbungsgespräch in der Rolle eines sehr unvorbereiteten und desinteressierten Kandidaten. Dabei kann die Lehrperson aus ihrer Rolle heraus anleiten und die Schüler in ihrer Rolle als gesprächsführende Personaler ganz bewusst ansprechen, Rückfragen stellen und den Gesprächsfluss erhalten. Nach 15 Minuten beendet die Lehrperson als Bewerber das Gespräch, verlässt den Klassenraum und kehrt als Lehrperson direkt wieder in den Unterricht zurück. In dieser Form des gespielten, fiktiven Bewerbungsgesprächs haben die Schüler eine maßgebende Rolle. Dabei ist die Rollenverteilung ganz entscheidend: da nicht ein Schüler in der Rolle des Bewerbers ist, haben die Schüler als Einheit eine klare Rolle und kein Schüler ist der Gefahr ausgesetzt, bloßgestellt zu werden. Dies ist besonders im Zuge der psychischen Entwicklungsstufe (Adoleszenz Phase) der Schüler einer neunten Klasse mit in Betracht zu ziehen, da dies den Unterrichtsverlauf und das Klassengefüge ansonsten beeinflussen und möglicherweise auch beeinträchtigen könnte. Die daraufhin folgende Auswertung und Ergebnissicherung findet in Form eines Unterrichtsgespräches mit Tafelanschrieb statt. Hierbei wird das Bewerbungsgespräch nochmals zusammengefasst reflektiert, die erfolgten Fehler analysiert und daraus resultierende Verbesserungsvorschläge an der Tafel zusammengetragen. Diese werden von den Schülern parallel im Deutschheft notiert. Danach findet ein Ausblick in Form eines Unterrichtsgesprächs statt, bei welchem die Lehrperson die Bedeutung des Bewerbungsgesprächs im Bewerbungsprozess hervorhebt und dann eine Fragerunde im Plenum anleitet, in der eine Überleitung und ein Bezug auf die kommende Unterrichtseinheit geschaffen wird. Als Transfer wird am Ende der Unterrichtsstunde eine Hausaufgabe aufgegeben. Hierzu sollen sich die Schüler 10 Fragen überlegen, die im Zuge des anstehenden BOGY-Praktikums noch offen oder von Interesse sind. Diese Fragen sollen sie dann mindestens zwei 10.-Klässlern im Laufe der kommenden Woche beispielsweise im Pausengespräch stellen. Die Fragen dienen dann der Grundlage und dem Einstieg der nächsten Unterrichtsstunde. Dadurch können die Schüler reflektieren, welche eigenen Fragen noch offen sind und diese dann auf einer persönlichen Ebene im Rahmen ihres Interesses ansprechen und später zusammenfassend widerspiegeln.

[...]

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Schriftlicher Unterrichtsentwurf für eine 9. Klasse. Vorbereitung auf das BOGY-Praktikum
Hochschule
Universität Mannheim  (Neuere Germanistik)
Veranstaltung
Fachdidaktik
Note
1,3
Autor
Jahr
2017
Seiten
14
Katalognummer
V454911
ISBN (eBook)
9783668880856
ISBN (Buch)
9783668880863
Sprache
Deutsch
Reihe
UNICUM.de – Die Wissensreihe
Schlagworte
Unterrichtsentwurf, 9. Klasse, BOGY Praktikum
Arbeit zitieren
Melanie Pongratz (Autor), 2017, Schriftlicher Unterrichtsentwurf für eine 9. Klasse. Vorbereitung auf das BOGY-Praktikum, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454911

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Schriftlicher Unterrichtsentwurf für eine 9. Klasse. Vorbereitung auf das BOGY-Praktikum


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden