Wenn man in Europa oder im Orient den Begriff „Yeziden“ hört und zumindest eine grobe Vorstellung von dieser Religion hat, dauert es nicht lange, bis man das Wort „Teufelsanbeter“ damit in Verbindung bringt. Doch gibt es Belege für eine Verehrung des Teufels in dieser Religion oder ist diese Kritik seitens der muslimischen Bevölkerung nur ein Vorurteil? Diese Frage soll in der vorliegenden Arbeit diskutiert werden unter Berücksichtigung von Belegen für beide Meinungen.
Zunächst wird ein kurzer Überblick über das Yezidentum mit seinen gesellschaftlichen Strukturen gegeben, sowie die Probleme des Verständnisses dieser mündlich überlieferten Religion erläutert. Danach wird näher auf die wichtigsten religiösen Inhalte eingegangen mit Schwerpunkt auf Taus-i Melek, dem obersten Engel der Yeziden, und seinem Verhältnis zu Gott. Es folgt eine Darstellung von islamischen Mythen, die das Bild der Teufelsanbetung geprägt haben. Schließlich wird die daraus resultierende Konsequenz der zahlreichen Verfolgungen durch die islamische Bevölkerung beleuchtet, sowie die Auswanderung und Bewahrung des Yezidentums durch Abschottung in der Diaspora, der neuen Heimat der Yeziden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Yeziden- ein knapper Überblick
3 Grundlegende religiöse Inhalte
3.1 Vergleich des Taus-i Melek mit dem „gefallenen Engel“
3.2 Verfolgung, Abschottung und Emigration
4 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Das Hauptziel dieser Arbeit ist es, zu untersuchen, wie der Vorwurf der „Teufelsanbetung“ gegenüber den Yeziden seitens der muslimischen Bevölkerung entstanden ist, und zu analysieren, ob dieser auf tatsächlichen religiösen Praktiken basiert oder ein Resultat von Missverständnissen und Vorurteilen darstellt.
- Strukturelle und soziale Organisation des Yezidentums
- Religiöse Bedeutung von Taus-i Melek im Vergleich zum islamischen Iblis-Mythos
- Die Rolle von Mythen und mündlicher Überlieferung bei der Entstehung von Vorurteilen
- Folgen von Verfolgung und Diskriminierung für die yezidische Identität
- Strategien der Abschottung als Schutzmaßnahme der Gemeinschaft
Auszug aus dem Buch
3.1 Vergleich des Taus-i Melek mit dem „gefallenen Engel“
Woher kommt also diese Fehl-Intepretation des Taus-i Melek als Teufel, bzw. gefallener Engel? Laut einer islamischen Mythologie, versteckte sich Iblis, der gefallene Erzengel, also der Teufel selbst, zwischen den Füßen einer Schlange, um ins Paradies zu gelangen und Adam und Eva zu verführen (OTHMAN 2004: 59), nachdem er aus dem Himmel verbannt worden war. Er hatte sich geweigert Adam anzubeten, da dieser aus Lehm und Schlamm, er selbst aber aus Feuer geschaffen war (OTHMAN 2004: 60). Auch bei den Yeziden finden sich ähnliche Mythen. Demnach wollte Gott Taus-i Melek, hier gleichzusetzen mit Iblis, prüfen. Dieser Bestand die Prüfung, da er nur Gott alleine anerkannte und anbetete, sodass Gott ihn zum Herren aller Engel erhob. Diese Idee entlehnte sich hauptsächlich dem Sufismus, aber auch in Europa entstand während der Romantik eine Strömung zur Rechtfertigung des Teufels (OTHMAN 2004: 64), bis hin zu seiner Betrachtung als Erlöser in der Dichtung des 19. Jahrhunderts.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik des Begriffs „Teufelsanbeter“ ein und skizziert die Forschungsfrage nach den Ursprüngen dieses Vorurteils.
2 Die Yeziden- ein knapper Überblick: Dieses Kapitel erläutert die gesellschaftliche Struktur, die Bedeutung der mündlichen Überlieferung und die Kastenordnung der Yeziden als Schutz vor Verfolgung.
3 Grundlegende religiöse Inhalte: Hier werden die zentralen Glaubensgrundsätze, insbesondere das Gottesbild und die Stellung von Taus-i Melek, detailliert dargestellt.
3.1 Vergleich des Taus-i Melek mit dem „gefallenen Engel“: Dieser Abschnitt analysiert die missverständliche Gleichsetzung des yezidischen Engels Pfau mit dem islamischen Teufelsbild anhand mythologischer Narrative.
3.2 Verfolgung, Abschottung und Emigration: Das Kapitel beschreibt die historische Diskriminierung der Yeziden und wie diese zur notwendigen Abschottung und späteren Emigrationsbewegungen führte.
4 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass die „Teufelsanbetung“ ein unbegründetes Vorurteil ist, das auf einem Mangel an Wissen über die spezifische yezidische Theologie beruht.
Schlüsselwörter
Yeziden, Taus-i Melek, Teufelsanbeter, Islam, Mythologie, Religion, Minderheit, Diskriminierung, Abschottung, Emigration, Kurmanji, Lalesh, Engel Pfau, Monotheismus, Vorurteile.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Hintergründe des Vorwurfs, dass Yeziden „Teufelsanbeter“ seien, und analysiert die Spannungsfelder zwischen yezidischer Religion und islamischer Wahrnehmung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen umfassen die yezidische Identität, die Rolle von Taus-i Melek, religiöse Missverständnisse sowie die Auswirkungen von Verfolgung auf die Glaubensgemeinschaft.
Welches Ziel verfolgt die Autorin mit dieser Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Fehlinterpretation der Yeziden als Teufelsanbeter kritisch zu hinterfragen und anhand theologischer sowie historischer Belege zu widerlegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse, bei der religiöse Mythen, Überlieferungen und wissenschaftliche Sekundärliteratur herangezogen werden.
Welche inhaltlichen Schwerpunkte setzt der Hauptteil?
Der Hauptteil behandelt die gesellschaftliche Struktur, das Verständnis von Taus-i Melek als Stellvertreter Gottes und die historische Entwicklung der Diskriminierung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Begriffe wie „Yezidentum“, „Taus-i Melek“, „Fehlinterpretation“, „Minderheit“ und „Religion“ stehen im Mittelpunkt der Analyse.
Wie unterscheidet sich die yezidische Sichtweise auf Taus-i Melek von der islamischen Deutung von Iblis?
Während die islamische Mythologie Iblis als gefallenen und abgelehnten Teufel sieht, betrachten Yeziden Taus-i Melek als höchsten Engel, der eine Prüfung Gottes bestand und als dessen Stellvertreter fungiert.
Welchen Einfluss hat die Abschottung auf das Bild der Yeziden in der Außenwelt?
Die notwendige Abschottung der Yeziden zum Schutz ihrer Gemeinschaft wurde von Außenstehenden oft als Geheimkult missverstanden, was zur Stigmatisierung und zur Aufrechterhaltung falscher Vorurteile beigetragen hat.
- Citar trabajo
- Lidia Tyurina (Autor), 2012, Sind die Yeziden Teufelsanbeter? Wahrheit und Vorurteil in der islamischen Kritik an den Yeziden, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454926