Gibt es ein "Bilderverbot" im Islam?

Eine kunstgeschichtliche Untersuchung


Hausarbeit, 2014
18 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die Beurteilung von Bildern in den Heiligen Schriften 4

3 Beispiele für figürliche Kunst im Islam

4 Umgang mit Bildern heute

5 Fazit

6 Literaturverzeichnis

7 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Uns allen sind christliche Darstellungen von Heiligen und Jesus vertraut, beim Betreten einer Kirche sieht man allerseits Gemälde und Plastiken mit Heiligendarstellungen und auch in der europäischen Malerei begegnen uns zahlreiche Gemälde mit Darstellungen von Szenen aus Jesus‘ Leben. Das Christentum ist eng mit einem Bilderkult verknüpft, Bilder und Plastiken sind Objekte der Verehrung im Gottesdienst und der Religiosität im Alltag; auf Kreuzen, die als Anhänger getragen werden, findet man häufig kleine Darstellungen von Jesus. Im Christentum hat Gott sich als Mensch offenbart und nicht nur durch sein Wort der Offenbarung. Wenn wir uns dem Islam zuwenden, vor allem dem gottesdienstlichen Bereich, sehen wir die Abwesenheit jeglicher menschlicher Darstellungen. Man findet weder Heiligenbilder, noch Darstellungen des Propheten Muhammad (Schmitz 2009: 112). Es scheint eine Art „Bilderverbot“ im Islam zu geben, doch welche Darstellungen genau sind davon betroffen? Es geht vorrangig um das Abbilden von Menschen und Tieren, in der Regel nicht betroffen sind die Darstellungen von Pflanzen und unbelebten Gegenständen (Naef 2007: 11). Das Verbot erkennt man vor allem im gottesdienstlichen Raum. Der islamische Gottesdienst hat kein gegenständliches Ritual, der Koran dient als einziger heiliger Gegenstand, das von Gott verkündete Wort steht im Mittelpunkt. Oft ist der Koran selbst auch nicht mehr erforderlich, da das Wort der Offenbarung auswendig rezitiert wird. Nicht nur im sakralen Bereich werden gegenständliche Darstellungen, wie auch plastische Darstellungen von Heiligen vermieden, sondern auch außerhalb des Gottesdienstes vermeidet man Darstellungen vom Propheten und von Gott. Stattdessen bedient man sich zahlreich der Kalligraphie (Abb.1), der Kunst der Schriftzeichen, um abstrakt auf das Gemeinte hinzuweisen, wie z.B. mit Schriftzeichen der Namen Muhammad, der Kalifen und Allah (Schmitz 2009: 112). Abb.1 ist ein Beispiel für eine lange Kalligraphie-Tafel mit Versen aus dem Koran aus dem 19.-20. Jahrhundert, Kasan. Es ist eine Aquarellzeichnung auf Papier mit einer zentralen Kalligraphie in der Tuluth-Schrift in weiß auf blauem Hintergrund, umgeben von Tafeln mit kufischer Schrift auf gelbem Grund und grünen Kreisen mit den Namen der vier Kalifen, des weiteren mit vier Kartuschen in den Ecken innerhalb der Umrahmung mit Sprichwörtern aus dem Arabischen. Das zentrale Element ist gekrönt von einem hemisphärischen Bogen mit verschiedenfarbigen Blütenblättern und einem Vers aus dem Koran, durch Kuppeln mit grünen Fahnen flankiert und an jeder Seite mit je zwei Kartuschen, die nach unten führen. Der Rahmen ist mit Blumen- und Pflanzenmustern innerhalb der kleinen Tafeln verziert.

In meiner Arbeit möchte ich auf vorislamische Tendenzen eines möglichen „Bilderverbots“ sowie auf die Quellen aus islamischer Zeit eingehen und Belege aus dem Koran und aus den Hadithen pro und contra des Verbots aufführen. Weiterhin beschreibe ich die Kriterien für die Zulassung und für die Missbilligung von Kunstwerken in ihrer Umgebung und führe philosophische Überlegungen islamischer Geistlicher zu diesem Thema auf. Als Gegenbeispiel eines strikt durchgeführten „Bilderverbotes“ nehme ich die persische Miniaturmalerei und führe auch einige typisch islamischen, nicht figürlichen Kunstrichtungen auf, welche sich im Laufe der Jahrhunderte entwickelten. Abschließend komme ich zum Umgang der islamischen Gesellschaft mit Bildern und den neuen Medien wie Photographien, in der Moderne und beschreibe die Funktionen von Bildern und „Bilderverbot“ heute. In dieser Arbeit möchte ich die Unterschiede der islamischen Auffassung von Darstellungen und ihren Funktionen zur christlich-westlichen Sicht aufzeigen und im Fazit eine Stellung zu der Frage, ob es ein „Bilderverbot“ im Islam gibt, beziehen.

2 Die Beurteilung von Bildern in den Heiligen Schriften

Es stellt sich die Frage, welchen Hintergrund das „Bilderverbot“ im Islam hat, also welche Quellen als seine Begründung herangezogen werden können. Als möglichen Ursprung des Verbotes kann man die Entstehungszeit des Islam betrachten, da dieser zu der Zeit Muhammads Botschaft eine streng monotheistische Lehre in eine „heidnische“ Umgebung brachte. Jeder Kult des vorislamischen Arabien, in dem Gottheiten oft in der Anbetung von kleinen Statuen und einfachen Steinen verehrt wurden, wurde bekämpft. Dieser Kampf gegen Götzenanbetung und gegen Polytheismus äußert sich in dem folgenden Koranvers, der am häufigsten für das „Bilderverbot“ zitiert wird: „Ihr Gläubigen! Wein, das Losspiel, Opfersteine und Lospfeile sind (ein wahrer) Greuel und des Satans Werk. Meidet es!“ (Sure 5, 90). Unter Opfersteinen werden hier die Objekte der Anbetung, die „Götzenbilder“, verstanden. Im Koran findet sich kein konkreter Bezug zu Bildern. Das arabische Wort sûra, das „Bild“ bedeutet taucht in einem anderen Kontext nur ein einziges Mal im Koran auf, nämlich bei der Erschaffung des Menschen von Gott. Das Wort ist eine Ableitung aus der Wurzel sawwara, das „etwas auf diese oder jene Art machen, bilden (Naef 2007: 12), ihm eine Form geben, schaffen“ bedeutet (Naef 2007: 32). Im Koran (Sure 34, 13) gibt es sogar eine Geschichte, dass dienstbare Geister, die Ğinn, für Salomo einst Bildwerke geschaffen haben. Dies wird in keinster Weise missbilligt. Daher kann man annehmen, dass Mohammed selbst nie ein „Bilderverbot“ verkündet hat (Paret 1981: 249). Erst gegen Ende des 8. Jahrhunderts setzte sich das „Bilderverbot“ in Form einer bilderfeindlichen Haltung durch (Paret 1981: 213). Die Abwesenheit eines deutlichen Verbotes könnte man auch damit begründen, dass es zu der damaligen Zeit praktisch keinen Bilderkult in Arabien gab, das heißt Bilder wurden nicht als Kultgegenstände betrachtet (Naef 2007: 32). Da der Koran als Quelle zu einem „Bilderverbot“ ausscheidet, kommt als Quelle die Überlieferungsliteratur (Paret 1981: 214), die Hadithe in Frage, welche die gesammelten Überlieferungen der Worte und Taten des Propheten (Naef 2007: 11), bei den Schiiten anders als bei den Sunniten auch die Worte der Imame enthält und wichtige theologische und gesetzliche Regelungen des Islam beinhaltet (Naef 2007: 13). Diese trugen stark zur Formung von Denk- und Handlungsweisen in der islamischen Gesellschaft bei, wurden nach der zunächst mündlichen Überlieferung aber manchmal erst lange Zeit nach Muhammad schriftlich fixiert (Naef 2007: 14) und zwar etwa in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts (Paret 1981: 214). Sie können daher nicht als eine verlässliche historische Quelle zum Arabien zur Zeit Muhammads dienen (Naef 2007: 14), obwohl sie für die Gläubigen ausschließlich vom Propheten stammen (Naef 2007: 29). Obwohl sie wesentlich umfangreicher als der Koran ist (Naef 2007: 14), widmet sich kein Kapitel ausschließlich dem „Bilderverbot“, es taucht lediglich in den Texten zum Gebet oder zur Kleidung auf. Vier große Themen, die sich um Darstellungen drehen, sind erkennbar. Das erste Argument gegen bildliche Darstellungen ist, dass Bilder unrein sind und somit unvereinbar mit der Ausübung des Gebets: „Die Engel betreten kein Haus, in dem sich ein Hund oder eine bildliche Darstellung befindet.“ Das als unrein betrachtete Tier sowie Bilder „beschmutzen“ den Ort des Gebets, sie werden Götzenbildern gleichgestellt. In einem anderen Hadith entfernt der Prophet Bilder (Naef 2007: 15), weil er befürchtet, vom Gebet abgelenkt werden zu können oder diese werden abgedeckt, wenn sie sich in der Gebetsrichtung qibla befinden. Hier erkennt man die Furcht vor einer Rückkehr der Götzenverehrung. Der zweite Punkt ist, dass der Ort, an dem das Bild platziert ist oder sein Trägermedium darüber entscheidet, ob es erlaubt ist. Aufgehangen werden Bilder missbilligt, liegen sie jedoch auf dem Boden, z.B. in Form eines Kissens, sind sie tolerierbar, weil das Gebet nicht an so einen Gegenstand gerichtet sein kann. Auch etwas worauf man tritt, wie Teppiche können erlaubt sein, weil sie erniedrigt werden, indem man auf sie tritt (Naef 2007: 17). Sie sollten nicht höher gelegen sein, als der aufrecht stehende Mensch (Ibrić 2006: 61). Das dritte Argument lautet, dass alle, die Bilder herstellen, im Jenseits verdammt sein werden, da Gott die Maler dazu zwingen wird, ihre Geschöpfe zum Leben zu erwecken, diese es aber nicht können werden, da nur Gott selbst Schöpfungsmacht besitzt (Naef 2007: 18). Am Tag der Auferstehung heisst es in einer Hadithe (Buhārī, Libās 89,2) als Aufforderung an diejenigen, die Bilder gemalt haben: „Macht lebendig, was ihr erschaffen habt!“ In einer Hadithe (Buhārī, Libās 90,2) heisst es außerdem: „Wer ist frevelhafter als diejenigen, die sich daran machen, (etwas) zu erschaffen, so wie ich das tue! Sie sollen doch (auch nur) ein Korn erschaffen, oder ein Stäubchen (wenn sie es können)!“ (Paret 1981: 220-221). Diese Vorstellung hängt mit dem mehrdeutigen Wort musawwir zusammen, das auch wie seine Wurzel sawwara eng mit der göttlichen Schöpfung verbunden ist, es bedeutet gleichzeitig „Gestalter“ und „Schöpfer“ Der Maler vollbringt somit etwas, das nur Gott vorbehalten ist (Naef 2007: 19). Es wird nicht zwischen „bilden“ und „gestalten“ und „nachbilden“ und „nachgestalten“ unterschieden (Paret 1981: 241). Laut islamischen Geistlichen ist Gott die Form der Welt und nur er bestimmt diese. Nur durch die Aufdeckung des Wesens der Form gelangt man zur Wahrheit, zum Ursprung des Seins. Daher ist es unmöglich die Welt abzubilden, weil man ihr wahres Wesen nicht kennt. Die Welt selbst ist das Kunstwerk, eine Naturnachahmung ist sinnlos. Stattdessen sollte man die Welt auffassen und Erkenntnisse aus ihr gewinnen. Ein islamischer Künstler sollte das Wesen des Objekts auffassen und die Schönheit aus ihm herausziehen. So erreicht man Glück, da man den Ursprung, den Sinn und die Aufgabe des Objekts erkannt hat. Dies führt folglich zur Erkenntnis Gottes, da man dadurch eines seiner Zeichen erkannt hat (Ibrić 2006: 41-42). Der vierte und letzte Punkt beschreibt die Richtlinien für das Malen eines Bildes: nur Bilder, die kein menschliches oder tierisches Leben nachahmen sind zugelassen (Naef 2007: 19), welche also nicht das Lebensodem rūh in sich haben (Ibrić 2006: 60). Allgemein kann man sagen, dass in den sunnitischen und schiitischen Hadithen Malerei gleichermaßen verurteilt werden, jedoch sind zwei Tendenzen erkennbar. Die eine verbietet jede Herstellung von Bildern, die andere erlaubt sie unter einigen Umständen, wie die Darstellungen von nicht-menschlichen und nicht-tierischen Figuren wie Pflanzen und unbeseelten Gegenständen (Abb 2,3). Die Abbildungen 2 und 3 sind treffende Beispiele für die Verzierung von heiligen Schriften des Islam mit vielfarbigen Blumenmotiven ohne die Verwendung figürlicher Darstellungen. In Abbildung 2 ist ein kunstvoll gestalteter Umschlag eines Korans aus dem 18. Jahrhundert, Nordindien zu sehen, in Abbildung 3 eine bebilderte Seite aus dem Koran aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, auch Nordindien. Menschen und Tiere können sogar auch abgebildet werden, wenn sie so verstümmelt dargestellt werden, dass sie nicht mehr lebensfähig sind, indem z.B. Köpfe abgetrennt, ausradiert (Abb.4) oder mit einem schwarzen Strich vom Körper getrennt werden. So wird ihnen symbolisch das Leben genommen (Naef 2007: 21-22). Abbildung 4 stellt vermutlich ein Beispiel für die nachträgliche Ausradierung der Gesichter von Personen dar, da es in der Miniaturmalerei üblich war, Gesichter darzustellen. Zu sehen ist ein Prinz mit seinem Pagen. Das Bild stammt von Mir Sayyid ‘Ali aus dem Jahr 1553. Zu diesem Thema hieß es von einem Juristen aus dem 11. Jahrhundert, dass Lebewesen mit abgetrenntem Kopf wie Bäume wären und was Bäumen gleiche, wie Schrift und Ornament wäre (Paret 1981: 242). Die mögliche Begründung, wieso lebende Wesen nicht abgebildet werden dürfen, wäre die dass diese als Götzen aufgefasst werden könnten, im Gegensatz zu Darstellungen von Pflanzen und anderen Gegenständen. Obwohl es auch heilige Bäume gegeben hatte, die angebetet wurden, war dies jedoch nur unmittelbar und nie mittels eines Bildes. Tiere und Menschen, im Bild als Symbol repräsentiert, könnten jedoch auch so angebetet werden. Ein weiterer Punkt wäre, dass Pflanzen ortsgebunden sind und sich leicht in ihrer Form aufzeichnen lassen. Die freie Beweglichkeit von Menschen und Tieren lässt sich graphisch nicht abbilden und stellt somit eine unmögliche Aufgabe dar. Es verlangt nach einer Fähigkeit, die der Künstler dem Lebewesen nicht zu geben vermag, nämlich die Verleihung eines Lebensodem (Paret 1981: 220-221). Der Verbot von Abbildungen von Tieren könnte auch den Grund haben, dass im Koran (Sure 3,49 und 5,110) von einem Wunder berichtet wird, das Jesus vollbracht hatte. Er habe aus Lehm vogelähnliche Wesen gemacht und Leben in sie hineingeblasen. Diese wurden mit Gottes Erlaubnis zu echten Vögeln. Es war also etwas, was nur ein Gottesgesandter vollbringen konnte (Paret 1981: 241). Folglich lehnte die Mehrheit der Gelehrten Bilder ab, wenn auch durchaus Abweichungen davon vorkamen, da ihre Meinung nicht ausschließlich galt. Das Thema stand aber selbst nie im Mittelpunkt, sondern immer in Beziehung zu anderen Themen wie der Kleidung, des Benehmens (Naef 2007: 25) und des Gebets. Dies könnte erklären, warum Muslime die Bilder der Christen vor allem in früheren Epochen oft unbeschädigt ließen (Naef 2007: 26). Es sind also die Hadithe, die eine strengere Position zu Bildern haben und nicht der Koran, in dem man keine explizite Verurteilung von Bildern findet (Naef 2007: 29).

3 Beispiele für figürliche Kunst im Islam

Die persische Miniaturmalerei ist an dieser Stelle als ein Bespiel zu nennen, dass das „Bilderverbot“ bei weitem nicht allgemeingültig und unantastbar war. Es gibt Hinweise, dass es bereits vor der Mongolischen Invasion 1220 und 1258 eine Miniaturkunst gab, die auf die sassanidische Kultur zurückzuführen ist, davon sind jedoch keine Spuren erhalten geblieben. Figürliche Malereien auf Keramikgegenständen, Metallobjekten und Wänden sind allerdings bis auf das 9. Jahrhundert zurückzudatieren. Nachdem die mongolischen Il-Khane (1256-1335) sesshaft wurden und den Islam annahmen, entstand eine Kultur die islamische und fernöstliche Einflüsse mischte und die Miniaturmalerei erlebte ihre erste Blüte. Zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstanden die ersten illustrierten Exemplare des Buchs der Könige, des Schâname (Abb.5). Auf dieser Abbildung ist eine Szene aus dem Schâname zu sehen, in dem Rostams Pferd Rakhsh einen Löwen tötet, während Rostam schläft (WIKIPEDIA 2013: http://de.wikipedia.org/wiki/Rostam_(Schāhnāme). Man erkennt die Darstellung von einem mit dem Löwen kämpfenden Pferd im Vordergrund. Der Löwe beißt dem Pferd in das linke Bein, dieses scheint dem Löwen in den Nacken beißen zu wollen. Den Mittelpunkt des Bildes bildet ein großer Baum direkt hinter dem Löwen. Die Krone des Baumes biegt sich leicht nach rechts und vermittelt den Eindruck, wie ein Schutz über den auf einer Decke schlafenden Rustam gelehnt zu sein. Die Szene findet in einer reichlich bewaldeten Umgebung statt, im obersten Drittel des Bildes sieht man einen goldenfarbigen Himmel mit einzelnen blauen Wolken. Im Vordergrund rechts und an einigen Stellen im Bild finden sich noch einige Kästchen mit persischer Schrift, in denen die Geschichte von Rustam erzählt wird. Insgesamt wirkt das Bild sehr dynamisch, farbenfroh und detailliert. Der Dichter Ferdousî vollendete 1010 dieses Epos, das sich aus schriftlichen und mündlichen Überlieferungen aus vorislamischer Zeit speiste. Möglicherweise wollten die Mongolen damit ihre Verwurzelung im Iran demonstrieren oder es könnte eine Übertragung von Darstellungen sein, die bereits auf Keramik existierten. Die ersten Bebilderungen des Epos finden sich nämlich auf iranischen Schalen aus dem 12.- 13. Jahrhundert. Zur selben Zeit entstanden auch illustrierte Erzählungen aus dem Leben des Propheten (NAEF 2007: 48-49). In den meisten Fällen kann man die persische Malerei jedoch als typisierte Kunst bezeichnen, in Kontrast zu einer individualisierten Kunst. Es werden also Typen dargestellt wie der König, der Krieger, der Händler. Portraits traten erst seit dem 16. Jahrhundert auf (NAEF 2007: 57). Die osmanische Kunst stammte von der persischen ab. Die ersten illustrierten Manuskripte könnten bereits vom Beginn des 15. Jahrhunderts stammen (NAEF 2007: 59). Daher findet man auch hier Darstellungen von Muhammad, die Szenen aus seinem Leben zeigen (Abb.6,7,8). In Abbildung 6 ist der Prophet betend vor der Kaaba dargestellt. Links sieht man die Kaaba und rechts davon den Propheten auf den Knien sitzend, seine Hände sind betend zum Gebet erhoben, sein Gesicht ist verhüllt und über seinem Kopf sieht man eine Art Heiligenschein. Das Bild ist wie die folgenden zwei eine skizzenartige Bebilderung des Lebens von Muhammad und stammt aus dem 16. Jahrhundert. Das folgende Bild, Abbildung 7, stellt eine Offenbarung Gottes durch den Erzengels Gabriel dar. Muhammad, geblendet von Gottes Licht, sah überall das Gesicht von Gabriel. Im Vordergrund sieht man einige Büsche, groß im Mittelgrund und etwas rechts die verhüllte stehende Figur von Muhammad in einer Feuersäule, die Handflächen zeigen nach außen. Im Hintergrund sind hinter einigen Wolken zahlreich die unverhüllten Gesichter von Gabriel zu erkenne, ihren Blick auf den Propheten gerichtet.

[...]

Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gibt es ein "Bilderverbot" im Islam?
Untertitel
Eine kunstgeschichtliche Untersuchung
Hochschule
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn
Note
1,0
Autor
Jahr
2014
Seiten
18
Katalognummer
V454928
ISBN (eBook)
9783668880931
ISBN (Buch)
9783668880948
Sprache
Deutsch
Schlagworte
gibt, bilderverbot, islam, eine, untersuchung
Arbeit zitieren
Lidia Tyurina (Autor), 2014, Gibt es ein "Bilderverbot" im Islam?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454928

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