Diese Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, welchen Einfluss altarabische, das heißt vorislamische Glaubensvorstellungen auf die Entstehung des Islam hatten und welche Elemente übernommen, abgeändert oder verboten wurden.
Neben den großen monotheistischen Religionen Judentum und Christentum hatten insbesondere die einheimischen polytheistischen Glaubensvorstellungen der arabischen Halbinsel auf die Entstehung des Islam eine entscheidende Rolle. Die islamische Überlieferung vermittelt uns Kenntnisse über diese Religion, was jedoch nicht unproblematisch ist, da es sich um Kulte handelt, welche ein Fremdbild im monotheistischen Islam darstellen. Auch einige wenige archäologischen Zeugnisse und der Vergleich mit anderen polytheistischen semitischen Religionen lässt auf den altarabischen Glauben Rückschlüsse ziehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung
2 Vorislamische Glaubensvorstellungen und Kultstätten
2.1 Altarabische Gottheiten
2.2 Verehrung der Ǧinn
2.3 Der Gestirnkult
3 Das Hanifentum und die Anfänge des Monotheismus
4 Die Entstehung des Islam und sein Verhältnis zum Polytheismus
5 Die Geisterwesen im Koran: der Umgang des Islam mit vorislamischen Kulten
6 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss altarabischer, vorislamischer Glaubensvorstellungen auf die Entstehung des Islam, wobei analysiert wird, welche Elemente in die neue Religion übernommen, modifiziert oder explizit verboten wurden.
- Analyse der vorislamischen Kultpraktiken (Gottheiten, Ǧinn, Gestirnkult)
- Untersuchung der Bedeutung des Hanifentums als monotheistische Vorstufe
- Darstellung des Verhältnisses des frühen Islams zum Polytheismus
- Deutung der Dämonisierung vorislamischer Geistwesen im Koran
Auszug aus dem Buch
2.2 Verehrung der Ǧinn
Auch Geisterwesen, Ǧinn, konnten vereinzelt den Status einer Gottheit erlangen (HÖFNER 1970: 358). Keineswegs stammen sämtliche altarabische Gottheiten von ihnen ab, wie früher oft angenommen (HÖFNER 1970: 368). Der Glaube an diese Naturgeister existierte bereits in der vorislamischen Zeit. Ǧinn können als unsichtbare Wesen verschiedene Gestalten wie die von Tieren, manchmal Menschen oder Mischwesen annehmen. Dem Menschen sind sie entweder feindlich oder freundlich gesinnt, an sich sind sie weder gut noch böse. Feindlich gesinnt verursachen sie Krankheiten, entführen Menschen, erschrecken und belästigen und rufen Besessenheit hervor. Durch Opfer werden sie versöhnt, sollte man sie gestört haben und durch Abwehrmaßnahmen schützt man sich vor ihnen, wie etwa durch Amulette und Anrufungen.
Dieser Geisterkult war im Gegensatz zum öffentlichen Götterkult privat. Besonders Wahrsager standen mit den Ǧinn in Verbindung. Vor dem Aufkommen des Islam übermittelten sie den Wahrsagern Geheimnisse aus dem Himmel, seit dem Islam können sie nicht mehr in den Himmel eindringen (HÖFNER 1970: 367-368). Sie waren die Vermittler für jedes übernatürliche Wissen und können in vorislamischer Zeit als „Offenbarungsvermittler“ bezeichnet werden (WAARDENBURG 2002: 28).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung: Hinführung zum Thema und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich des Einflusses vorislamischer Riten auf den entstehenden Islam.
2 Vorislamische Glaubensvorstellungen und Kultstätten: Analyse der polytheistischen Strukturen, der Rolle lokaler Gottheiten sowie der praktischen Kulthandlungen an heiligen Orten.
2.1 Altarabische Gottheiten: Differenzierte Betrachtung der Gottheiten und ihrer Bedeutung im Stammeskontext und in der Ka ̔ba.
2.2 Verehrung der Ǧinn: Untersuchung der Naturgeister, ihrer spirituellen Rolle in der vorislamischen Zeit und der späteren Wandlung ihrer Wahrnehmung.
2.3 Der Gestirnkult: Analyse der Verehrung von Himmelskörpern und deren religiöse Bedeutung vor der Islamisierung.
3 Das Hanifentum und die Anfänge des Monotheismus: Darstellung der monotheistischen Strömungen, die als vorbereitender Faktor für das Aufkommen des Islam fungierten.
4 Die Entstehung des Islam und sein Verhältnis zum Polytheismus: Untersuchung des islamischen Monotheismus (Tauhīd) und der Abgrenzung zur polytheistischen Praxis.
5 Die Geisterwesen im Koran: der Umgang des Islam mit vorislamischen Kulten: Analyse der koranischen Neuinterpretation und Dämonisierung vormals verehrter Geistwesen.
6 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Erkenntnisse über die Transformation vorislamischer Traditionen in den Islam.
Schlüsselwörter
Altarabischer Glaube, Islam, Polytheismus, Monotheismus, Ǧinn, Ka ̔ba, Hanifentum, Vorislamische Zeit, Kultstätten, Koran, Stammesreligion, Religion Abrahams, Götzendienst, Dämonisierung, Religionsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit analysiert, wie die vorislamischen Glaubensvorstellungen und Kultpraktiken auf der arabischen Halbinsel die Entstehung des Islams beeinflusst haben.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen der vorislamische Polytheismus, der Kult um Ǧinn und Gestirne, das Hanifentum als monotheistischer Vorläufer sowie die spätere Umdeutung dieser Elemente im Koran.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es soll geklärt werden, welche vorislamischen Elemente in den Islam übernommen, wie sie modifiziert wurden und welche der damaligen Kulte der Islam explizit ablehnte oder dämonisierte.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Autorin nutzt eine literaturgestützte Analyse der islamischen Überlieferungen und religionswissenschaftlicher Fachliteratur, um die historische Kontinuität und Brüche zwischen der vorislamischen Zeit und dem Islam aufzuzeigen.
Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Beschreibung der vorislamischen Kultstätten, der Götterverehrung, der Rolle des Hanifentums und die Analyse des koranischen Umgangs mit den Ǧinn.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit beschreiben?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Altarabischer Glaube, Monotheismus, Polytheismus, Ǧinn und Kultstätten charakterisiert.
Welche Rolle spielten die Quraiš bei der Verbreitung des Islam?
Als Stamm, der die Kontrolle über die Ka ̔ba innehatte, verfügten die Quraiš über wirtschaftliche und politische Macht, welche die Verbreitung des Islams unter der Führung von Mohammed erleichterte.
Warum wurde das Hanifentum als wichtige Vorstufe zum Islam identifiziert?
Das Hanifentum stellte eine monotheistische Strömung dar, die sich auf Abraham berief und somit eine ideologische Anknüpfungsmöglichkeit für die Lehre Mohammeds bot.
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- Lidia Tyurina (Autor), 2016, Der Einfluss des altarabischen Glaubens auf die Entstehung des Islam, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/454933