WhatsApp und die Sozialnatur des Menschen. "Was ist da los? Du hast es doch gelesen, warum antwortest Du nicht?!"


Masterarbeit, 2018

308 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Relevanz

2. Theoretische Grundlagen zu WhatsApp
2.1 WhatsApp als Forschungsgegenstand
2.2 Definition: Was ist WhatsApp?
2.3 Funktionen von WhatsApp
2.4 Onlinezeitstempel und Lesebestätigung von WhatsApp
2.5 Kontextprobleme durch WhatsApp
2.6 Instant Messenger versus Chat
2.7 Nutzungsmotive von WhatsApp

3. Mediatisierung und Permanently Online, Permanently Connected
3.1 Permanently Online
3.2 Permanently Connected
3.3 Medien-Multitasking

4. Die Sozialnatur des Menschen
4.1 Computervermittelte Kommunikation
4.1.1 Hyperpersonal Model
4.1.2 Modell des sozialen Einflusses
4.2SozialpsychologischeAspektecomputervermittelterKommunikation
4.3SozialeNormenundsozialeKontrolle
4.4 Fear of missing out
4.5 Ableitung der Forschungsfragen

5. Methodisches Vorgehen und Forschungsdesign
5.1 Wahl der empirischen Methode
5.2 Auswahl und Rekrutierung der Befragten
5.3 Fragebogenkonzeption und Operationalisierung
5.4 Pretest
5.5 Datenerhebung, Befragungsdurchführung und Transkription
5.6 Datenauswertung: Qualitative Inhaltsanalyse nach Mayring

6. Darstellun gund Interpretation der Ergebnisse
6.1AllgemeineErgebnissezurWhatsApp-Nutzung
6.2Forschungsfrage1
6.2.1 Beschreibung der Ergebnisse zu Forschungsfrage 1a
6.2.2 Interpretation der Ergebnisse zu Forschungsfrage 1a .
6.2.3 Beschreibung der Ergebnisse zu Forschungsfrage 1b
6.2.4 Interpretation der Ergebnisse zu Forschungsfrage 1b .
6.3Forschungsfrage2
6.3.1 Beschreibung der Ergebnisse zu Forschungsfrage 2a
6.3.2 Interpretation der Ergebnisse zu Forschungsfrage 2a .
6.3.3 Beschreibung der Ergebnisse zu Forschungsfrage 2b
6.3.4 Interpretation der Ergebnisse zu Forschungsfrage 2b .
6.4Forschungsfrage3
6.4.1 Beschreibung der Ergebnisse zur Forschungsfrage 3a
6.4.2 Interpretation der Ergebnisse zu Forschungsfrage 3a .
6.4.3 Beschreibung der Ergebnisse zu Forschungsfrage 3b
6.4.4 Interpretation der Ergebnisse zu Forschungsfrage 3b .
6.5 Forschungsfrage 4
6.5.1 Beschreibung der Ergebnisse zu Forschungsfrage 4a
6.5.2 Interpretation der Ergebnisse zu Forschungsfrage 4a .
6.5.3 Beschreibung der Ergebnisse zu Forschungsfrage 4b
6.5.4 Interpretation der Ergebnisse zu Forschungsfrage 4b .
6.6 Forschungsfrage 5
6.6.1 Beschreibung der Ergebnisse zu Forschungsfrage 5 .
6.6.2 Interpretation der Ergebnisse zu Forschungsfrage 5
6.7 weitere Ergebnisse
6.8 Auswertung hinsichtlich der übergeordneten Forschungsfrage
6.8.1 Beschreibung der Ergebnisse zur übergeordneten Forschungsfrage
6.8.2 Interpretation der Ergebnisse zur übergeordneten Forschungsfrage

7. Fazit und Ausblick

Literaturverzeichnis

Anhangsverzeichnis

Abstract

Obwohl die Nutzung des Instant-Messenger-Dienstes WhatsApp nachweislich bei einem Großteil der Smartphone-Besitzer alltäglich geworden ist, fand die zwischenmenschliche Komponente in der Kommunikation bisher in der Forschung noch wenig Berücksichtigung.

Zu den grundlegenden Funktionen der App gehört die schnelle, einfache und kostenlose Kommunikation mit Freunden und Familie. Aber aufgrund von Features wie beispielsweise der Lesebestätigung oder der zuletzt-online-Anzeige in Form des Onlinezeitstempels kommt es immer wieder zu Interpretationsproblemen auf Seiten der Gesprächspartner. An diesem Punkt setzt die vorliegende Masterarbeit an und untersucht, ob sich die Sozialnatur des Menschen in der WhatsApp-Kommunikation bemerkbar macht. Dabei steht unter anderem im Vordergrund, welche Arten von Gefühlen, beispielsweise Ängste, Sorgen oder aber auch ein Dazugehörigkeitsgefühl ausgelöst werden. Darüber hinaus wird erforscht, welche Handlungen aus den Bedeutungszuschreibungen des Onlinezeitstempels und der Lesebestätigung resultieren können und ob die Nutzer sich dessen überhaupt bewusst sind.

Dazu wurden insgesamt elf qualitative Leitfadeninterviews mit Digital Natives und Digital Immigrants durchgeführt, welche alle WhatsApp in der täglichen Kommunikation nutzen. In den Interviews wurde sowohl auf die Einzelchatkommunikation als auch auf Gruppenchats eingegangen.

Als zentrale Ergebnisse zeigte sich unter anderem, dass sich diese Applikation mittlerweile in allen Altersklassen im Alltag integriert hat und ein Verzicht schwer vorstellbar ist. In den Interviews wurde deutlich, dass die Sozialnatur des Menschen und das Bedürfnis nach Mit-Sein und Zugehörigkeit sich in der WhatsApp- Kommunikation tatsächlich wiederfindet. Die blauen Haken der Lesebestätigung rufen einen Antwort- und Reaktionsdruck hervor, das Ausbleiben einer erwarteten Antwort führt zum Eindruck einer geringen Wertschätzung und zu Enttäuschung.

1. Einleitung und Relevanz

Durch die Einführung von Instant-Messenger-Apps und der großflächigen Verbreitung von Smartphones hat sich auch das Kommunikationsverhalten der Menschen gewandelt. Wurden früher Absprachen noch per Telefon getroffen, reicht heutzutage eine kurze, schnelle Nachricht via WhatsApp aus. Dadurch ist die Kommunikation nicht nur flexibler, sondern auch unabhängig von Ort und Zeit geworden.

Obwohl sich der Instant-Messenger-Dienst immer größerer Beliebtheit erfreut und mittlerweile weit verbreitet ist, scheinen in der Forschung noch nicht alle sozialpsychologischen und kommunikationswissenschaftlichen Aspekte beleuchtet worden zu sein. Durch Funktionen wie beispielsweise die Lesebestätigung oder den Onlinezeitstempel könnten unter anderem Erwartungshaltungen, Ängste, Druck und Stress bei den Nutzern hervorgerufen werden.

Genau an dieser Stelle der Instant-Messanging-Kommunikation soll diese Master- Arbeit ansetzen: Welche genauen Auswirkungen haben solche Funktionen auf das Kommunikationsverhalten? Welche weiteren Handlungen können daraus resultieren? Welche positiven oder negativen Gefühle können durch die Nutzung entstehen? Die Kernfrage dabei lautet: Wirkt sich die Sozialnatur des Menschen in der WhatsApp- Kommunikation aus?

Um diese Fragen beantworten zu können, soll die vorliegende Arbeit zunächst die theoretischen Grundlagen zu WhatsApp darlegen, die Funktionen der App detailliert erläutern. Anschließend soll der bisherige wissenschaftliche Diskurs aufgegriffen, daran angeknüpft und neue Facetten im Bereich der Sozialnatur des Menschen in Zusammenhang mit der WhatsApp-Kommunikation erarbeiten werden.

Ziel sollte es dabei nicht sein, abschließende Aussagen tätigen zu können, sondern Ansatzpunkte zu identifizieren, die einen Einfluss der Sozialnatur auf die WhatsApp- Kommunikation nahe legen.

Dementsprechend wurde als Methode ein exploratives, qualitatives Forschungsdesign ausgewählt, welches ein Bewusstsein für das Thema zu schaffen versucht und anschließend als Grundlage für eventuelle anschließende quantitative Forschungen dienen kann.

2. Theoretische Grundlagen zu WhatsApp

In der heutigen Zeit finden immer mehr kommunikative Handlungen mit Hilfe von internetgestützten Medien und den daraus resultierenden Kommunikationsformen via Email, Chat, Facebook oder aber auch WhatsApp statt. Allein in Deutschland nutzen im Jahr 2018 bereits 57 Millionen Menschen ein Smartphone.1 Was einst ein simples Handy zum Telefonieren und Schreiben von SMS war, hat sich mittlerweile zu einem smarten Alltagsorganisator gewandelt, mit dessen Funktionen Handlungen und Kommunikation immer weiter voranschreiten. Auch WhatsApp hat einen erstaunlichen Siegeszug auf dem Markt hingelegt und ist mittlerweile aus den Top 3 Platzierungen der App-Stores kaum noch wegzudenken. In Deutschland ist auf 91% aller Smartphones diese App installiert. 2 Diese beeindruckenden Zahlen sollen aufzeigen, welchen großen Anteil WhatsApp gegenwärtig in der täglichen Kommunikation hat.

In diesem Zusammenhang werden im ersten Teil dieser Arbeit die theoretischen Grundlagen erläutert. Dabei stehen die Funktionsmöglichkeiten von WhatsApp und der dazugehörige Onlinezeitstempel sowie die Lesebestätigung im Fokus.

2.1 WhatsApp als Forschungsgegenstand

Genauso wie es im Web 2.0 der Fall war und immer noch ist, verändert sich auch die mobile Kommunikation immer mehr. Was mit der kostenpflichtigen, auf 160 Zeichen beschränkten SMS begann, hat sich mittlerweile zur quasi-synchronen, onlinebasierten, kostenfreien Unterhaltung, beispielsweise via WhatsApp, entwickelt. Bei dieser Art der Kommunikation kann von einer multimedialen Kommunikation gesprochen werden, die den Alltag des einzelnen durchdrungen hat und die alltäglichen Gewohnheiten stark betrifft.3 Gerade deshalb ist es wichtig, dass sich die Kommunikationsforschung diesem Phänomen annimmt und es weiter untersucht. Bisher standen in der Forschung primär linguistische Untersuchungen im Vordergrund. Die erste Arbeit, die einen Vergleich zwischen SMS und WhatsApp vornahm, und die daraus resultierenden Veränderungen in der Kommunikation und im Alltag verdeutlichte, war der Aufsatz von Dürscheid/Frick aus dem Jahr 2014. Betrachtung der multimedialen Möglichkeiten, S.83. Weitere Forschungen setzten sich mit der Paarkommunikation durch WhatsApp auseinander.4

2.2 Definition: Was ist WhatsApp?

Betrachtet man die rasante Entwicklung von WhatsApp in den vergangenen Jahren, so wird deutlich, dass sich die Forschung näher mit diesem Thema beschäftigen sollte. Immerhin vermeldete die Financial Times Deutschland bereits im April 2012, dass die Applikation zu den meistverkauften Apps in über 100 Ländern zählt.5 Heute sehen die Zahlen deutlich anders aus. Allein in Deutschland nutzten im Jahr 2017 fast 70 Prozent der Internetnutzer WhatsApp. Das macht rund 37 Millionen WhatsApp-Nutzer in Deutschland.6 Weltweit verzeichnet WhatsApp eine Milliarde aktive Nutzer pro Tag, die im Schnitt jeweils 55 Nachrichten am Tag versenden – somit ergibt sich ein Nachrichtenvolumen von stolzen 55 Milliarden täglich. Davon enthält offenbar jede zehnte Mitteilung Bildmaterial7.

Doch was genau ist WhatsApp? Es handelt sich dabei um einen mobilen Instant- Messaging-Dienst, der über den Datentarif des Mobilfunkvertrags auf das mobile Internet zugreift und darüber Nachrichten von Smartphone zu Smartphone austauschen kann. Daher ist dieser Dienst quasi kostenlos, für das Versenden der einzelnen Nachrichten fallen keine Gebühren an, lediglich die Installationskosten von derzeit 0,89 Euro sowie eine jährliche Nutzungsgebühr von ebenfalls 0,89 Euro. Neben Textnachrichten können aber auch Bilder, Videos, Audiodateien, Dokumente oder Standorte verschickt werden. Solche Nachrichten können an eine einzelne Person geschickt werden, es besteht aber auch die Möglichkeit, einen Gruppenchat mit bis zum 256 Personen zu starten. Auch Telefonie und Videotelefonie gehören zum Repertoire der App.

Der Grund für den Erfolg von WhatsApp liegt wohl darin, dass die Applikation völlig werbefrei und auch sehr einfach und intuitiv zu bedienen ist. Sicherlich spielt auch der Nachahmungs-Effekt eine Rolle, denn auf umso mehr Smartphones die App installiert und genutzt wird, desto attraktiver wird, sie auch selbst zu nutzen.8

Gegründet wurde das Unternehmen WhatsApp Inc. im Jahr 2009 als Startup in Kalifornien von den beiden ehemaligen Yahoo-Mitarbeitern Jan Koum und Brian Acton. Nach den beiden Entwicklern handelt es sich bei WhatsApp um ein plattformübergreifendes Programm, das den kostenlosen Austausch von Nachrichten zwischen Smartphones unterschiedlicher Hersteller erlaubt. Dies zeigt auch der Name der App, der sich auf ein Sprachspiel zurückführen lässt: WhatsApp ist vom englischen „What’s up?“ (auf Deutsch: „Wie geht’s?“) hergeleitet und soll andeuten, dass die Applikation für den Nachrichtenaustausch konzipiert wurde.9

Laut eigener Homepage besitzen über eine Milliarde Menschen in über 180 Ländern dieser Welt die App, um „jederzeit und überall mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben“.10 Ihre Mission, die mittlerweile zweifelsfrei als erfolgreich angesehen werden kann, lag bei der Gründung darin, den Nutzern eine Alternative zur kostenpflichtigen SMS zu bieten.

Des Weiteren wirbt das Unternehmen damit, dass die Nachrichten und Anrufe mit einer Ende-zu-Ende-Verschlüsselung gesichert sind, somit können keine Dritten mitlesen oder -hören. Im Jahre 2014 kaufte Facebook den Instant-Messenger- Konkurrenten für insgesamt 19 Milliarden US-Dollar auf.11 Nichtsdestotrotz wird durch beide Unternehmen kommuniziert, dass WhatsApp weiterhin als eigenständiges Produkt auf dem Markt vertreten sein wird.

Zusammengefasst lässt sich also WhatsApp als eine mobile Instant-Messaging Applikation charakterisieren, die es den Nutzern erlaubt, unabhängig von Ort und Zeit mit einem Chatpartner direkt zu kommunizieren.

2.3 Funktionen von WhatsApp

Um ein besseres Verständnis der Funktionsweise von WhatsApp erlangen zu können, sollen zunächst die zentralen Funktionen von WhatsApp erläutert werden. Wie schon in der Definition erwähnt, ist die Kernfunktion das Senden und Empfangen von Nachrichten über eine Internetverbindung. Diese kann durch das

Datenpaket des Mobilfunkbetreibers oder durch WLAN erfolgen. Demnach ist der Versand von Nachrichten bei WhatsApp kostenlos, es fallen keine Gebühren wie bei der klassischen SMS an.

Eine beliebte Funktion ist der Gruppen-Chat. Es besteht die Möglichkeit, mit bis zu 256 Gruppenmitgliedern Nachrichten, Fotos, etc. auszutauschen. 12 Gerade bei Sportvereinen oder Freunden sind WhatsApp-Gruppen sehr beliebt.

Eine relativ neue Funktion bietet WhatsApp seit dem Jahr 2017 seinen Nutzern an, nämlich die Sprach- und Videoanrufe. Diese funktionieren technisch gesehen ebenfalls über das Internet und sind demnach, abhängig vom jeweils genutzten Datentarif, per se auch kostenfrei. Dadurch ist es möglich, sich mit Freunden oder Familienmitgliedern von Angesicht zu Angesicht zu unterhalten und das weltweit, ohne auf einen dezidierten Videoclient wie Skype oder FaceTime ausweichen zu müssen.

Ebenfalls als eine neuere Funktion bietet WhatsApp die Möglichkeit, auch abseits des Smartphones über das Web (also über einen Internet-Browser eines Stand-PCs) oder per Desktop-Version mit seinen Kontakten zu kommunizieren. Dabei werden die Chats mit dem Computer synchronisiert, sodass auch eine bequeme Nutzung am PC möglich ist.

Aufgrund herrschender Kritik an der Sicherheit bzgl. des Datenschutzes und der drohenden Konkurrenz alternativer Instant-Messenger, die diese Funktion schon anboten, führte WhatsApp im April 2016 die Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ein.13 Somit können die Nachrichten nur von den Personen gelesen werden, für die sie auch bestimmt sind. Dritte haben keine Chance, auf den Chat zuzugreifen.

Eine weitere und äußerst beliebte Funktion ist das Versenden und Empfangen von Bild- und Videodateien. Insgesamt werden täglich ca. fünf Milliarden Bilder weltweit verschickt. Entweder greift man dabei auf die bereits auf dem Smartphone befindlichen Bilder zurück oder fotografiert bzw. filmt direkt in der App und verschickt das Festgehaltene. WhatsApp sendet Fotos und Videos laut eigener Aussage schnell, selbst bei einer langsamen Internetverbindung.

Im Oktober 2017 erweiterte das Unternehmen seine Funktionen um die Übermittlung des Live-Standortes. Damit können Nutzer ihren eigenen Standort in Echtzeit für eine selbst festgelegte Dauer teilen. Entweder kann dieser in einem Gruppenchat oder mit einem bestimmten Kontakt im Einzel-Chat geteilt werden. Der Smartphone- Besitzer muss dafür allerdings der App erlauben, auf den Standort zugreifen zu dürfen. Sobald die vorher festgelegte Dauer des Live-Standort-Teilens abgelaufen ist oder manuell beendet wurde, wird der Standort nicht mehr geteilt. Die Teilnehmer des Chats, in dem der Live-Standort geteilt wurde, sehen jedoch weiterhin den ursprünglichen Standort.

Eine weitere Funktion der App stellt die Übermittlung von Sprachnachrichten dar. Dabei kann mit einem einfachen Tippen des Fingers eine Sprachnachricht mit einer maximalen Länge von 15 Minuten aufgenommen und versendet werden. Diese Funktion ist sehr beliebt, wenn etwas ausführlich erläutert werden oder es sehr schnell gehen muss.

Ebenso ist es möglich, mit WhatsApp Dokumente und Dateien auszutauschen. PDFs, Dokumente, Tabellen, Präsentationen mit einer maximalen Dateigröße von 100MB können verschickt werden. Somit werden Umwege via E-Mail oder File-Sharing- Apps überflüssig.

Ebenfalls zu Beginn des letzten Jahres wurde die Funktion des WhatsApp-Status hinzugefügt. Ähnlich wie bei Instagram oder Facebook können Nutzer Bilder oder Videos in ihren Status setzen, der dann anderen für wenige Sekunden sichtbar ist. Die einzelnen Bilder oder Videos werden automatisch hintereinander abgespielt. Nach 24 Stunden werden alle Dateien automatisch wieder gelöscht. Wird ein Status erstellt, sehen dies alle Kontakte in der Übersicht von WhatsApp.14

Die letzte Funktion wurde im März diesen Jahres eingeführt: Nutzer können gesendete Nachrichten, die bereits schon gelesen wurden, nachträglich löschen. Im Chatfenster erscheint dann für alle Beteiligten die Mitteilung „Nachricht wurde gelöscht“.15

2.4 Onlinezeitstempel und Lesebestätigung von WhatsApp

Damit die Kommunikation über WhatsApp einfacher nachvollziehbar und intuitiver gelingt, bietet die App einen sogenannten Onlinezeitstempel16. Dieser setzt sich aus den Komponenten „online“ und „zuletzt online“ zusammen. Unter ersterem versteht man, dass der Kontakt zum aktuellen Zeitpunkt gerade online ist, also die Applikation geöffnet hat. Daraus lässt sich aber nicht schließen, in welchem Chatfenster er gerade aktiv ist oder ob und mit wem er kommuniziert. „Zuletzt Online“ ist immer mit einer Datums- und Uhrzeitanzeige verbunden. So kann nachvollzogen werden, wann der Kontakt das letzte Mal online – also in der Anwendung aktiv – war. Allerdings können hier ebenfalls keine Rückschlüsse auf einen bestimmten Chat oder auf das Lesen einer Nachricht geschlossen werden.

Eine weitere Anzeige ist die „schreibt...“-Anzeige. Erscheint diese, dann tippt der Kontakt gerade in Echtzeit eine Nachricht im spezifischen Chatfenster mit dem Nutzer ein. Diese Anzeige ist ebenfalls in der Kontaktlistenübersicht erkennbar. So kann nachvollzogen werden, dass der Chatpartner gerade eine Nachricht verfasst und diese jeden Moment auf dem eigenen Smartphone eintreffen müsste.

Ein weiteres Feature ist die Lesebestätigung bei WhatsApp. Seit Anfang November 2014 ist diese aktiv und löste einen Sturm der Entrüstung aus. Diese Funktion wurde stillschweigend als Standardeinstellung eingeführt, ohne sich die Zustimmung der Nutzer einzuholen oder diese darauf aufmerksam zu machen.17 Eine Woche nach der Einführung verkündete das Unternehmen, dass die Funktion mit dem nächsten Update wieder manuell abstellbar sei.

Doch was bedeuten die Häkchen bei WhatsApp und die damit verbundene Lesebestätigung genau? Wie bereits erläutert, ist WhatsApp ein internetbasierter Dienst, der den Nachrichtenaustausch über einen Server abwickelt. Wird eine Nachricht von Smartphone A verschickt, landet diese Nachricht zunächst auf einem WhatsApp-Server. Erfolgt diese Datenübermittlung, beispielsweise aufgrund einer fehlenden Netzverbindung, nicht, erscheint beim Sender ein Uhrensymbol an der Nachricht. Dies bedeutet, dass die Nachricht sich noch in der Datenübertragung befindet und noch nicht am Server angekommen ist. Wird die Nachricht erfolgreich übermittelt, wird aus dem Uhrensymbol ein graues Häkchen, somit weiß der Besitzer von Smartphone A, dass die Nachricht am Server angekommen ist. Zwei graue Häkchen bedeuten, dass die Nachricht erfolgreich an das Smartphone B geschickt und empfangen wurde. Hierbei handelt es sich somit um eine Zustellbestätigung – noch nicht um eine Lesebestätigung. Färben sich die Häkchen an der Nachricht allerdings blau, so zeigen diese an, dass die Nachricht vom Nutzer von Smartphone B tatsächlich gelesen wurde, inklusive Datums- und Uhrzeitangabe. Dadurch kann der Sender nachverfolgen, ob und wann seine Nachricht gelesen wurde.

Solche Lesebestätigungen sind allerdings nicht neu und erst recht keine Erfindung der Instant-Messenger-Dienste. Ihren Ursprung haben sie in der Briefkommunikation (Einschreiben), später waren sie auch in Emails wiederzufinden. Mittlerweile haben fast alle Messenger-Dienste wie iMessage oder Facebook die Lesebestätigung integriert.18

Es lässt sich zusammenfassen, dass nur die „schreibt...“-Anzeige und die beiden blauen Häkchen sich auf einen bestimmten Chat beziehen. Allerdings ist an dieser Stelle zu erwähnen, dass es dennoch Möglichkeiten gibt, diese Anzeigen zu umgehen bzw. zu manipulieren. Durch die Einstellungen der Push-Nachrichten besteht die Möglichkeit, dass eine neue eintreffende Nachricht als Push-Meldung auf dem Smartphone-Sperrbildschirm erscheint. Dabei ist erkenntlich, von wem die Nachricht ist, außerdem lassen sich die ersten drei Zeilen der Nachricht in dieser Vorschau lesen. Beim Absender färben sich die Häkchen allerdings nicht blau, da die Anwendung ja nicht geöffnet wurde. Demnach erhält er keine Lesebestätigung, obwohl der Empfänger die Nachricht gelesen bzw. „angelesen“ hat, wenn sie länger als drei Zeilen lang ist. Auch der „zuletzt Online“-Status wird dabei nicht aktualisiert.

Wie bereits erwähnt, ermöglichte WhatsApp es, die Lesebestätigung sowie die „zuletzt online“-Anzeige zu deaktivieren. In diesem Fall ist nur noch ersichtlich, wenn ein Kontakt im Moment online ist und ob er gerade am Schreiben einer Nachricht („schreibt...“) ist. Zu beachten ist, dass man selbst dann auch nicht mehr erkennt, wann eine Person das letzte Mal online war. Ebenfalls ist nicht ersichtlich, ob eine Nachricht gelesen wurde oder nicht. Eine Ausnahme gibt es dabei allerdings, nämlich die Gruppenchats. Auch wenn die Lesebestätigung deaktiviert wurde, ist sie dennoch für die einzelnen Gruppenchat-Mitglieder im Chat weiterhin erkennbar. Es kann also nachvollzogen werden, wann Nachrichten von einzelnen Mitgliedern gelesen wurden.

In der Forschung der Mensch-Computer-Interaktion werden Lesebestätigung und Onlinezeitstempel als awareness cues bezeichnet. Bei diesen Hinweisen handelt es sich um Informationen, die auf der Benutzeroberfläche einer Kommunikationsanwendung ersichtlich sind.19 Umso mehr solcher Informationen ersichtlich sind, desto mehr Kontext lässt sich für den Chatpartner daraus erschließen.

„Ein solches Mehr an Kontextinformationen soll den mentalen Vergegenwärtigungsprozess eines physisch nicht anwesenden Anderen unterstützen und dadurch die Kommunikation im Chat und (m)IM- Anwendungen vereinfachen“, beschreiben Mai und Wilhelm in ihrer Forschungsarbeit zum Thema Statusanzeigen dieses Phänomen 20. Dadurch ist anzunehmen, dass die Interpretation des Onlinezeitstempels und der Lesebestätigung einen immensen Einfluss auf die Kommunikation und auf die daraus resultierenden Handlungen haben können.

Auch in der Vergangenheit gab es schon bei älteren Messenger-Diensten, wie beispielsweise dem MSN-Messenger, Interpretationsprobleme. So verfügte dieser über Anzeigen wie „online“, „verfügbar“, „beschäftigt“, „abwesend“. Diese Angaben ließen allerdings keinen Rückschluss auf die tatsächliche Verfügbarkeit des Chatkontakts zu, da diese Angaben nicht zwingend aktuell sein mussten. Demnach könnte eine Antwort-Erwartung entstehen, ähnlich wie bei der WhatsApp- Lesebestätigung. Die „Raum-Zeit-Distanz in der digitalen Kommunikation“ könnte demnach in Frage gestellt werden21, da eine Erwartungshaltung entstehen kann. Daher ist es möglich, dass WhatsApp nicht immer zu einer gelungenen Kommunikation beitragen kann, sondern auch Missverständnisse und falsche Erwartungen geschürt werden können.

2.5 Kontextprobleme durch WhatsApp

Durch den Onlinezeitstempel und die Sende- und Lesebestätigungen können bestimmte Kontextprobleme auftreten. Diese lassen sich in die Bereiche Medienkompetenz, Erreichbarkeitsprobleme und in subjektive Interpretation unterteilen. Betrachtet man den Bereich der Medienkompetenz, so zeigt sich, dass neben der technischen auch eine soziale Kompetenz benötigt wird, um in WhatsApp richtig und gezielt kommunizieren zu können. Es bedarf dieser Kompetenz, weil

„die App alle individuellen Voraussetzungen bündelt, die notwendig sind, um die komplexen Wechselwirkungen zwischen Sozialem und Technischem zu verstehen.“ 22

Wenn der Chatpartner also den Onlinezeitstempel nicht korrekt deuten kann, können die Informationen, die der Zeitstempel beinhaltet, nicht korrekt verwertet werden. Durch die technischen Gegebenheiten bei WhatsApp findet eine internetbasierte Kommunikation statt, demnach werden Nachrichten in Form von Sprechblasen in Echtzeit an den jeweiligen Chatpartner übermittelt. Allerdings hat dies nichts mit dem Gesprächsverlauf und dem entsprechenden Kontext zu tun. Daher stellte Krotz fest, dass es zu Kontextproblemen kommen kann, „weil bei der interpersonalen Computerkommunikation weniger kommunikative Kontexte als bei direkter Kommunikation verfügbar sind, an denen sich eine Teilnehmerin oder ein Teilnehmer orientieren können, wenn sie etwas über den anderen wissen möchten, bzw. wenn sie eine Aussage verstehen wollen.“23 Überträgt man Krotz‘ Aussage auf die Chatkommunikation, kann das bedeuten, dass sich bei einem klassischen Chat via (Stand-) PC die beiden Parteien zwar in derselben Situation befinden – nämlich vor einen Computer – dies aber noch nichts über ihre Tätigkeiten aussagt. So kann der eine Kommunikationspartner nur chatten, während der andere parallel dazu noch mehrere Nebentätigkeiten am PC ausführt.24

Bei der Kommunikation mit einem Instant Messenger wie WhatsApp ist die situative Position bei den Chatpartnern ebenfalls nicht immer die gleiche. Der eine könnte jede Menge Zeit zum Schreiben haben und zu Hause sein, während der andere gerade auf der Arbeit ist und dementsprechend wenig Zeit und Aufmerksamkeit zum Kommunizieren hat. Je weniger Zeit und Achtsamkeit die Chattenden für die Unterhaltung via Smartphone aufbringen können, desto eher entstehen Kontextprobleme, da auch durch die zeitverzögerten Antworten keine synchrone Kommunikation erfolgen kann.

Damit in Zusammenhang steht auch das Erreichbarkeitsproblem. Zwar tragen die Menschen heutzutage fast immer und überall ihr mobiles Endgerät mit sich herum und durch die gute Netzabdeckung und viele WLAN-Spots sind sie in der Regel auch gut zu erreichen, doch die „ständige Erreichbarkeit“25 sagt nichts darüber aus, ob eine Person im Moment auch gerade Zeit hat, um beispielsweise zu chatten.26 In der Literatur findet man zu diesem Thema die Aussagen von Szostek & Eggen, die darauf hinweisen, dass genau dieses Problem durch den Onlinezeitstempel in Instant Messengern gelöst wird. Dadurch, dass die Leute sehen, wann ein Anderer zuletzt online war, können daraus entsprechend zukünftige Handlungen hinsichtlich der Kommunikation abgeleitet werden.27

Wie bereits erläutert, ist der Onlinezeitstempel bei WhatsApp jedoch nicht aussagekräftig genug, um Rückschlüsse auf die Verfügbarkeit einzelner Personen zu schließen. Selbst wenn eine Person gerade „online“ ist – also sichtlich für Dritte in der App aktiv – heißt das noch lange nicht, dass sie auch tatsächlich Zeit zum Chatten hat, denn „Having your mobile phone turned on need not imply you welcome being generally available!“ 28

Somit können sich Kontextprobleme entwickeln, weil gegebenenfalls eine Erwartungshaltung von einem Chatpartner entsteht, da dieser sieht, dass der Andere gerade online ist, aber dennoch nicht antwortet. WhatsApp kann demnach nicht nur helfen, soziale Beziehungen zu pflegen oder zu binden, auch das Gegenteil kann eintreten und Enttäuschungen, Ängste und sozialer Druck können entstehen,29 wenn beispielsweise ein leerer Akku, technische Probleme oder schlechter Empfang dazu führen, dass eine Nachricht unbeantwortet bleibt.

Ein weiterer Grund für aufkommende Kontextprobleme könnte in der subjektiven Interpretation des Onlinezeitstempels liegen. Je nachdem, ob und wie Rückschlüsse aufgrund dieses Zeitstempels gezogen werden, kann eine Interpretation sich als schwierig erweisen. Sind die technischen Bedeutungen klar, so lässt sich lediglich feststellen, dass eine Person gerade online ist, dass eine Person eine Nachricht gelesen hat, etc. Es lassen sich theoretisch nur Rückschlüsse auf die Nutzung der App ziehen, nicht auf die Personen. Erst durch die individuelle Deutung dieser Informationen, entstehen Kontextinformationen, die dann entsprechend interpretiert werden. Bleibt eine anhand der Lesebetätigung nachweislich gelesene Nachricht unbeantwortet, kann dies entweder aus Ignoranz, Zeitmangel, Versehen oder technischen Problemen, etc. erfolgen. Auch kann die Lesebestätigung beispielsweise bedeuten, dass der Bildschirm des Smartphones zum Zeitpunkt des Nachrichteneingangs zwar entsperrt war, der Nutzer dieses aber gar nicht im Auge hatte – eine als gelesen markierte Nachricht wäre in diesem Beispiel tatsächlich ungelesen. Aufgrund der Interpretationszuschreibung einer Person zu den genannten Kontextinformationen, die wie beispielhaft aufgeführt allerdings nicht der Wirklichkeit entsprechen müssen, können also Kontextprobleme entstehen. Oftmals wird in diesem Zusammenhang eine Personenvertauschung vorgenommen. Dies bedeutet, dass man sich in die Lage der anderen Person hineinversetzt und sich fragt, warum man selbst beispielsweise nicht antworten kann oder warum man gelegentlich keine Zeit hat, zu kommunizieren. Schütz nennt diesen Vorgang das „Fremdverstehen des Anderen“ und meint damit, „die Deutung der Bewußtseinsabläufe des Alter Ego“.30

Je nachdem, ob und wie die Interpretation des Onlinezeitstempels und der Lesebestätigung erfolgt, lassen sich unterschiedlichste Rückschlüsse ziehen. Manche Menschen werden beispielsweise diesem Zeitstempel keinerlei Bedeutung oder Beachtung schenken, während andere ihre Handlungen danach ausrichten. Sieht jemand zum Beispiel am frühen Morgen, dass eine Person zuletzt am Abend zuvor online war, wird er diese nicht anrufen oder anschreiben, um denjenigen nicht zu wecken. Es lässt sich also festhalten, dass Kontextprobleme durch die individuelle Interpretation entstehen können, nichtsdestotrotz spielt aber auch das technische Wissen über den Echtzeitstatus eine große Rolle.31

Im Jahr 2012 gab es eine Studie an der Universität Hongkong, die sich mit den Interpretationen des WhatsApp-Onlinezeitstempels auseinandersetzte. In den Ergebnissen ist zu lesen, dass bei vielen Nutzern Frustrationen und Enttäuschungen durch nicht beantwortete Nachrichten hervorgerufen wurden und sogar aggressives Verhalten dadurch entstand. 32 Church und Oliveira (2013) kamen zu einem ähnlichen Ergebnis, nämlich dass die Interpretation auch zu Frustrationen führen kann.33 Bei den beiden Studien ist allerdings zu beachten, dass es damals noch nicht die Lesebestätigung gab und nur der Onlinezeitstempel untersucht wurde.

Ebenfalls in diesem Zusammenhang untersuchten Wyss und Hug im Jahr 2016 WhatsApp-Chats und die damit verbundene Turnkoordination bei räumlich-visueller Begrenzung. Dabei erläutern sie das Mühlenprinzip nach Beißwenger im Zusammenhang mit der Applikation. Was zuerst abgeschickt wird, erscheint zuerst beim Empfänger auf dem Display, bzw. was zuerst vom Server übermittelt wird. Dabei kann es zu Verzerrungen kommen und die Nachrichten werden in einer falschen Reihenfolge dargestellt, was wiederum den Empfänger verwirren und so zu Kontextproblemen führen kann. Dabei entsteht laut den beiden Autoren ein Zugzwang. Dieser „ergibt sich in erster Linie durch die Tatsache der Kommunikation, in der die Personen stehen und durch die eine vernünftige und höfliche Gesprächsbeteiligung erwartet wird.“34 Diese Tatsache würde durch die geringe Bildschirmgröße noch verstärkt werden: Wenn man sich auf eine spezifische Nachricht beziehen möchte, muss schnell geantwortet werden, da ansonsten die darauffolgenden eintreffenden Nachrichten dies erschweren und die ursprüngliche Nachricht aus dem Bildschirm verdrängen.

All die aufgezeigten Gegebenheiten können dazu führen, dass Kontextprobleme entstehen, die wiederum Konsequenzen hinsichtlich der Kommunikation und Handlung mit sich ziehen können. Viele der beschriebenen Charakteristika der Kommunikation mit einem Instant Messenger finden sich auch im klassischen Chat wieder. Neben den Gemeinsamkeiten gibt es jedoch auch Unterschiede, die im folgenden Abschnitt dargestellt werden sollen.

2.6 Instant Messenger versus Chat

In der Literatur wurde sich bisher wenig mit dem Instant Messenger auseinandergesetzt, sodass eine einheitlich, allumfassende Definition bisher noch aussteht. Der wörtlichen Übersetzung nach, versteht man unter einem Instant Messenger eine Plattform, die eine sofortige Nachrichtenübermittlung ermöglicht. Bezieht man diese Übersetzung auf WhatsApp, zeigt sich, dass dies genau zutrifft, weil das Senden und Empfangen von Nachrichten in der Regel in Echtzeit geschieht. Szostek und Eggen haben Instant Messenger als „near-synchronous communication tools that facilitate one-to-one communication between a person and their „buddy list“ by supporting an exchange of short textual messages“ 35 definiert.

Grundsätzlich handelt es sich bei der Kommunikation via Instant Messenger um eine computervermittelte, dialogisch synchrone Kommunikationsform.36 Bei dieser Art der Kommunikation handelt es sich in der Regel um private, meistens zwischen zwei Leuten stattfindende virtuelle Gespräche. Da die Nachrichten an einen bestimmten Empfänger geschickt werden, kann man also von einer interpersonalen Kommunikationsform sprechen. Zu den ersten Diensten solcher Art gehören beispielsweise ICQ, AOL oder der MSN-Messenger.37

Mittlerweile werden Instant Messenger aufgrund ihrer technischen Gegebenheiten und des Kostenaspekts als Nachfolger der klassischen SMS angesehen, denn diese verzeichnet in den letzten Jahren einen drastischen Rückgang. So wurden im letzten Jahr nur noch 10,4 Milliarden Kurznachrichten in Deutschland verschickt.38

Ein weiteres Kennzeichen für Instant Messenger ist die Auslegung auf mobile Kommunikation. Die meisten Messenger sind onlinebasiert und auch per App auf jedem Smartphone verfügbar, dadurch steht der mobilen Kommunikation – unabhängig von Ort und Zeit – nichts mehr im Weg. Auch der klassische Chat besteht aus einer synchronen, adressatengerichteten, schriftlichen Kommunikation. Allerdings muss man den Chatpartner im Gegensatz zum Instant Messenger nicht zwangsläufig persönlich kennen39, sondern man kann fremde Leute in Chaträumen anschreiben und mit ihnen ein Gespräch beginnen. Somit kann man anonym oder unter einem Pseudonym eine Unterhaltung führen.40

Ein weiterer zu beachtender Punkt ist, dass die meisten klassischen Chats am (Stand-)PC oder Laptop und mit einer Tastatur getätigt werden und nicht über ein mobiles Endgerät.

2.7 Nutzungsmotive von WhatsApp

Eine österreichische Studie zu den Nutzungsmotiven wurde im Jahr 2017 durchgeführt. Hierbei wurden Personen zwischen 14 und 70 Jahren (n=990) befragt, aus welchen Gründen sie WhatsApp nutzen. Dabei gab eine deutliche Mehrheit von 77% an, den Messenger als Kontaktmittel zu Familie, Freunde und Bekannten zu nutzen. Dies ist laut den Erfindern der App auch das Hauptargument, den Instant Messenger zu nutzen. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten teilte mit, dass das Versenden von Fotos (58%) als Nutzungsmotiv dient, 55% nutzen WhatsApp zum Chatten und zum Unterhalten. Die ersten drei Plätze decken sich also mit den Hauptfunktionen der App. Interessant hinsichtlich der vorliegenden Arbeit ist die Tatsache, dass es für immerhin 27% der Befragten – und damit das am viertmeisten angegebene Nutzungsmotiv – ist, „bei Gesprächen mitreden zu können“. Hier deutet sich schon die Sozialnatur des Menschen und das Bedürfnis, dabei sein zu wollen, an, auf welche im späteren Teil noch detaillierter eingegangen wird. Lediglich zehn Prozent nutzen die App, um Diskussionen zu verfolgen, ohne aber selbst mitzudiskutieren.41

3. Mediatisierung und Permanently Online, Permanently Connected

Viele der Veränderungen im Alltag haben etwas mit dem Wandel der Medien, mit Digitalisierung, mit dem Zusammenwachsen von Computer, Telekommunikation und klassischen Medien, mit den immer neuen medialen Angeboten wie WhatsApp zu tun, die wir erleben.

Daher hat die Kommunikationswissenschaft in den letzten Jahren ein zentrales Thema bewegt: die Mediatisierung. Zwar ist dieses Phänomen schon seit Jahrzehnten bekannt, richtig erforscht wurde es aber erst seit den 1990er Jahren durch das Aufkommen des Computers und des Internets. 42 Mediatisierung stellt ein umfassendes Konzept dar, welches sich auf verschiedene Bereiche der Kommunikationswissenschaft anwenden lässt. Im Rahmen der vorliegenden Arbeit steht die Medialisierung des kommunikativen Handelns im Vordergrund. Dabei handelt es sich um einen Theorieansatz, der sich mit der zunehmenden Durchdringung des Alltags durch verschiedene Medienkommunikationsformen auseinandersetzt. Begründer dieser Theorie war 2001 Friedrich Krotz, der den Metaprozess der Mediatisierung als situative, räumliche, zeitliche und somit auch als soziale und kulturelle Entgrenzung von Medienkommunikation skizzierte.43 Neue Medien, wie beispielweise das Internet und die damit neu aufkommenden Kommunikationsformen wie Chat, Instant Messenger wie WhatsApp oder die generelle mobile Onlinekommunikation, verändern laut Krotz die zwischenmenschliche Kommunikation und bieten „immer häufiger relevante Orientierungsleistungen für das Leben in der Gesellschaft“ 44. Das Phänomen Mediatisierung findet auf allen Ebenen der Gesellschaft statt.

Betrachtet man die Makroebene, zeigt sich, dass sich die Gesellschaft und die Kultur durch die Mediendurchdringung wandeln. Technische Veränderungen, wie beispielsweise das Einführen von neuen Kommunikationsformen, zeichnen die Mediatisierung auf der Mesoebene und schließlich auch auf der Mikroebene aus. Die daraus resultierenden Veränderungen im sozialen und kommunikativen Handeln der Menschen ist in dieser Arbeit besonders von Bedeutung. Krotz geht in diesem Zusammenhang davon aus, dass nicht die Medien der aktive Teil der Veränderung sind, sondern die Menschen, da diese immer mehr Medien in ihren Alltag miteinbeziehen und so immer weitere Nutzungsmöglichkeiten entstehen.45 So ist das Handy zum Smartphone geworden, mit welchem man nicht mehr nur primär telefoniert, sondern es für vielseitige Zwecke nutzt. Durch diese mobile Mediatisierung des Alltags ergeben sich diverse Möglichkeiten, Funktionen und Gratifikationen für den Nutzer.

An erster Stelle ist natürlich die erleichterte Alltagsorganisation zu nennen. Gerade durch WhatsApp und die damit verbundene Echtzeitübertragung von Nachrichten lassen sich unter anderem Informationen beschaffen, Gruppengespräche führen oder sich über Ländergrenzen hinweg unterhalten – und das alles mobil und kurzfristig. Der Begriff „microcoordination“ fasst all dies zusammen: Durch das Smartphone können Verabredungen getroffen, geändert, oder verschoben werden. 46 Dadurch müssen Absprachen nicht weit im Voraus geplant werden, sondern können kurzfristig via Instant Messenger erfolgen. Im Rahmen eines Forschungsprojekts der Universität Mannheim fanden Knop et al. heraus, dass gerade bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen die Kommunikation durch WhatsApp eine wichtige Rolle spielt. Dabei würde es primär gar nicht um den Austausch von Sachinformationen gehen, sondern „lediglich um das Gefühl von stetiger Verbundenheit und wechselseitiger Zugehörigkeit oder die Verringerung von Gefühlen wie Einsamkeit“. 47

Ebenfalls fanden die Autoren heraus, dass dieses Gefühl unabhängig von der Nutzung besteht. Allein das Wissen, jederzeit mit seinen Freunden in Kontakt treten zu können, kann dieses Dazugehörigkeitsgefühl auslösen. Des Weiteren bevorzugen viele die Kommunikation via Smartphone, da sie sich freier und offener äußern können, mutiger sind, Kontakt zu anderen Personen aufzunehmen und sie eine Kontrollmöglichkeit des Gesprächsverlaufs haben. Dadurch, dass eine Antwort nicht unmittelbar erfolgen muss, kann genau überlegt und reflektiert, und dann entsprechend eine passende Antwort formuliert werden.

Nichtsdestotrotz gibt es nicht nur positive Merkmale der Mediatisierung, sondern auch negative, die dann in Unwohlsein, Stress und Druck ausarten können. Nachrichten zu unpassenden Zeitpunkten, wie beispielsweise beim Autofahren oder auf der Arbeit und das damit verbundene Nicht-Antworten-Können, lösen gegebenenfalls negative Emotionen, Druck und Stress auf den Empfänger aus. Gerade in Gruppenchats entsteht dieses Gefühl relativ häufig, da es nicht die Möglichkeit gibt, die Lesebestätigung auszuschalten. Damit verbunden ist auch der Eindruck, ständig erreichbar sein zu müssen.48 Dies kann zu einem „Zwang“ der ständigen Erreichbarkeit führen49 und es kann ein Gefühl, „over-connected“50 zu sein, hervorrufen. Ein Auslöser dieses Gefühls ist das ständige Mitführen des Smartphones und das stetigen Aktualisieren der Nachrichten. Das ist auch ein Grund dafür, warum mobile Endgeräte von vielen Nutzern nie vollständig ausgeschaltet werden. Die Reaktionen auf das Empfinden von Ausgrenzung (beispielsweise die Nicht-Aufnahme in eine WhatsApp-Gruppe oder das Nicht-Antworten trotz Lesebestätigung) beinhalten psychischen Schmerz und emotionalen Stress. Sie können sogar Depressionen hervorrufen.51 Abrams und Kollegen fanden in diesem Zusammenhang heraus, dass solche Ausgrenzerfahrungen bei den Betroffenen negative Effekte auf das Selbstbewusstsein haben und das Grundbedürfnis nach Zugehörigkeit unbefriedigt bleibt.52

So lässt sich festhalten, dass Medien im Alltag einen immer höheren Stellenwert einnehmen und gerade für die sozialen Beziehungen eine große Rolle spielen. In den Prozess des kommunikativen Handelns der Mediatisierung lässt sich auch das Phänomen Permanently Online – Permanently Connected (POPC) einordnen. POPC beschreibt die Erwartung, ständig und überall erreichbar und miteinander verbunden zu sein. Dadurch ändert sich das sozialen Leben und es finden dementsprechend auch Veränderungen im sozialen und kommunikativen Handeln der Mediennutzer statt.53 Durch die Tatsache, dass immer mehr Menschen Kommunikationsmittel wie beispielsweise WhatsApp nutzen, wird die eigentliche Mediennutzung immer interaktionaler und bestimmt das soziale Leben, was wiederum das Phänomen POPC noch verstärkt. Dies zeigt sich auch in der zurückliegenden ARD/ZDF-Onlinestudie, aus der hervorgeht, dass jungen Menschen soziale Netzwerke und Instant Messenger wichtiger sind, als traditionelle Massenmedien wie Fernsehen, Radio oder Zeitungen. 54 Das Internet wird zunehmend für den Austausch und zur Kommunikation genutzt. Bei Teenagern und jungen Erwachsenen ist diese Tatsache besonders ausgeprägt zu beobachten, aber auch bei den restlichen Alterskohorten ist ein Anstieg zu beobachten. Diese Art der Online-Kommunikation kann unabhängig von Ort oder Zeit genutzt werden, was sie wiederum für die Nutzer so attraktiv macht, denn sie findet „anytime, anyplace, und anyhow“ 55 statt. Daraus lässt sich schließen, dass die alltägliche Kommunikation immer mehr mit der Online- Kommunikation durchzogen wird. Immer öfter werden Handlungen via Instant Messenger organisiert und umgesetzt, wodurch sich das Leben immer weiter mediatisiert.56 In diesen Prozess der Mediatisierung lässt sich auch das Phänomen POPC Permanently Online – Permanently Connected einordnen.

POPC rückt die andauernde Verbindung und ununterbrochene Kommunikation mit anderen in den Fokus der Mediennutzung.57 Das Smartphone bildet den Schlüssel zum Eintritt in die mediatisierte Gesellschaft und sorgt dafür, dass fortwährende Kommunikation und der damit verbundene Anschluss an die Peer-Group gegeben sind. Da POPC sehr komplex ist, werden beide Bestandteile im Folgenden jeweils einzeln erläutert.

3.1 Permanently Online

Permanently Online beschreibt die zeitlich ausgedehnte Nutzung von Online- Inhalten, wie beispielsweise das Anschauen von Serien auf Streaming-Diensten, das Lesen von Nachrichten auf Webseiten oder das Online-Shopping. Dabei ist zu beachten, dass es sich nicht um eine einzelne, ausschließliche Nutzung des Mediums handelt, sondern meistens um eine simultane zu anderen Tätigkeiten.58 Das Internet offeriert den Nutzern immer mehr Angebote und Aktivitäten, sodass, gerade durch die Möglichkeit der mobilen Nutzung, das Internet immer häufiger und gleichzeitig auch über einen längeren Zeitpunkt pro Tag genutzt wird.59 Dies belegt auch der Fakt, dass im Jahr 2016 erstmals mehr Internetnutzer über das Smartphone online gingen, als über andere Geräte wie zum Beispiel einen Laptop.

Dabei setzt sich die Nutzung häufig aus vielen kurzen Nutzungszeiträumen zusammen, sodass durchschnittlich 88 Mal am Tag das Smartphone entsperrt wird. Die geringste Zeitspanne wird mit dem Telefonieren genutzt und im Gegensatz dazu wird die meiste Zeit für die mobile Internetnutzung aufgewendet.60 Auffällig ist, dass keine spezifischen Tätigkeiten ausgeübt werden, sondern häufig der Sinn der Nutzung darin liegt, einfach nur online zu sein.61 Die Zahlen belegen, dass die Nutzungshäufigkeit des Internets ansteigt: So wurden im Jahr 2016 durchschnittlich 128 Minuten pro Tag im Internet verbracht, während es im darauffolgenden Jahr 149 Minuten waren.62

3.2 Permanently Connected

Permanently Connected beschreibt die Teilhabe an sozialen Interaktionen über das Internet, wie beispielsweise die Nutzung von Instant Messengern wie WhatsApp. Hierbei geht es auf der einen Seite um den häufigen und ausgedehnten Gebrauch von elektronischen Medien zur Kommunikation und auf der anderen Seite wird mit Permanently Connected nach Vorderer et al. ein Verhalten von permanenter kommunikativer Wachsamkeit beschrieben. 63 Ebenfalls wird der Zugang zum Internet und die damit verbundene Möglichkeit zur Online-Kommunikation als Voraussetzung für situatives Wohlbefinden deklariert. Neben den bereits erwähnten negativen Gefühlen beim Nicht-Connected-Sein, fühlen sich die Menschen immer weniger alleine, da die Möglichkeit zum Kontakt mit Freunden und Familien unabhängig von Ort, Zeit und Situation gegeben ist.

Durch die technischen Möglichkeiten ändert sich auch die Kommunikation an sich. Klassische Face-to-Face-Gespräche wandeln sich immer mehr zu Konversationen, die per Messengern wie WhatsApp geführt werden. Diese sind meistens nie abgeschlossene Gespräche, sondern verlaufen im Dauerzustand ohne Abgrenzung, was wiederum dem Phänomen Permanently Connected entspricht. Ein weiterer PC- Effekt ist, dass größere Distanzen zwischen Familienmitgliedern, Partnern und Freunden immer weniger als Hürde hinsichtlich der Kommunikation gesehen werden, da es gerade durch das mobile Internet und Instant Messenger ein Kinderspiel ist, Fotos und Videos zu versenden und somit Dritte problemlos am eigenen Leben teilnehmen lassen.64 Gleichzeitig resultiert aus dieser Permanently Connected-Situation auch eine gewisse Erwartungshaltung, denn sind Menschen per se nicht via Smartphone erreichbar, kann dies zu Problemen in der Beziehung zu anderen führen. 65 Die Aussage „Wer kein Smartphone besitzt, verschließt sich partiell der Gesellschaft“ 66 ist heutzutage – gerade bei Jugendlichen – zu einem Leitsatz geworden. Viele gesellschaftlich relevanten Situationen und die damit verbundene Kommunikation laufen über das Smartphone ab. Demnach ermöglicht das Smartphone, Teil der Gesellschaft zu sein und an ihr teilzunehmen. Die Technologie ermöglicht es uns demnach, einfacher und schneller mit Anderen in Kontakt treten zu können. Gleichzeitig entsteht daraus auch eine Erwartungshaltung. Damit im Zusammenhang stehen auch die Gründe, warum Menschen ständig verbunden sein wollen. Nach Vorderer sind die Ursachen für Permanently Connected vielfältig, allerdings sind Ängste häufig ein zentraler Grund.67 Diese Annahme wird dadurch gestützt, dass der Mensch per se gerne am gesellschaftlichen Leben teilnehmen möchte. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird detaillierter auf diese Ängste eingegangen.

Vorderer und Kollegen haben sich intensiv mit dem POPC-Thema auseinandergesetzt und herausgefunden, dass gerade Jugendliche von diesem Phänomen besonders betroffen sind. Ein Grund liegt auf der Hand, da diese Personengruppe am häufigsten das Smartphone im Alltag benutzt. Eine Studie zeigt, dass in Deutschland 95% der 14 bis 29-jährigen im Besitz eines Smartphones sind.68 Diese mobilen Endgeräte erlauben es, ständig durch das mobile Internet via Messengern, Apps, oder Social Media-Plattformen mit Anderen verbunden zu sein. Walsh, White und Young zeigten bei einer Untersuchung mit Jugendlichen, dass jüngere Smartphone-Nutzer positive Assoziationen mit ihrem Gerät verbinden. Sie fühlen sich geliebt und wertgeschätzt, wenn auf dem Smartphone eine Nachricht eingeht und sie mit Freunden dadurch verbunden sind. Auf der anderen Seite fühlen sich aber auch vernachlässigt und ausgegrenzt, wenn eben keine Nachrichten erhalten werden.69 Als Erklärung dafür könnte die Tatsache dienen, dass gerade diese junge Nutzergruppe (wie beispielsweise die Generation Y, oder auch Millennials genannt) mit dem Internet und den damit verbundenen neuen Medien aufgewachsen ist und sozialisiert wurde. Dazu gehören die Menschen, die zwischen 1980 und 2000 geboren wurden. Diese Alterskohorte zeichnet sich durch ihren technikaffinen Lebensstil aus. Sie sind es gewohnt, sich über digitale Kommunikationsformen auszutauschen und erlangen dadurch soziale Verbundenheit. Ein ebenfalls häufig verwendeter Ausdruck für diese Generation ist der Begriff „Digital Natives“, welcher auch in der späteren methodischen Umsetzung verwendet wird.

Ältere Menschen, die mit dem Internet und den Smartphones erst im Erwachsenenalter vertraut gemacht wurden, werden „Digital Immigrants“ genannt. Genau hier kann der Grund für die ständige Verbundenheit via Smartphone bei jüngeren Menschen liegen. Sie kennen es nicht anders, als ständig durch die technischen Gegebenheiten vernetzt zu sein.

Ein Alternative stellt die Einteilung der Nutzer in verschiedene „Mediengenerationen“ dar. Dabei werden die Generationen nicht nach Jahrgängen eingeteilt, sondern hinsichtlich ihrer inhaltlichen und technischen Medienerfahrungen. Das kann zum Beispiel ein bestimmtes Fernsehformat wie „Deutschland sucht den Superstar sein“, oder aber ein bestimmtes Dateiformat wie mp3. Somit können in eine Mediengeneration die verschiedensten Altersklassen fallen, je nachdem welches Medienerlebnis man betrachtet.70

Derzeit gibt es drei verschiedene Mediengenerationen. Als erstes ist die massenmediale Mediengeneration zu nennen. Diese ist mit den klassischen Massenmedien, wie beispielsweise dem TV, aufgewachsen und erst im fortgeschrittenen Alter mit den neuen digitalen Medien konfrontiert worden.

Unter der sekundären digitalen Mediengeneration versteht man die Menschen, die ebenfalls mit den Massenmedien aufgewachsen sind, allerdings sich die neuen digitalen Medien im Laufe des Lebens umfassend angeeignet haben.

Die digitale Mediengeneration umfasst die Menschen, die nach der Etablierung der digitalen Medien aufgewachsen sind und somit den Umgang mit diesen Medien von klein auf gewohnt sind. Gerade in den letzten beiden genannten Gruppen gibt es sehr viele junge Menschen, für die das Internet ein großer Teil des Alltags geworden ist und die somit sehr stark von POPC betroffen sind. Es werden die verschiedensten digitalen Medienangebote genutzt, häufig findet die Kommunikation über Instant- Messenger-Dienste statt, wodurch sich die ständige kommunikative Vernetzung immer weiter intensiviert.71

Da in der vorliegenden Arbeit der Messenger-Dienst WhatsApp im Vordergrund steht, soll das PC-Verhalten anhand solcher Messenger verdeutlicht werden. Bereits in vorangegangen Studien, beispielsweise von Oliveira 2013, konnte belegt werden, dass WhatsApp für die meisten Befragten den Vorteil der schnellen und kostengünstigen Kommunikation bietet.

Solimann und Salem konnten im Jahr 2014 nachweisen, dass die einfache und unkomplizierte Kommunikation der Hauptgrund für die Nutzung von Instant Messengern ist. WhatsApp ist ein „all-in-one communication tool“, mit dessen unterschiedlichen Funktionen die Organisation des Alltags erleichtert wird.72 Eine Umfrage unter Internetnutzern in Deutschland zur Nutzung von WhatsApp im Jahr 2017 zeigte, dass zum Zeitpunkt der Erhebung 98 Prozent der 14- bis 19-jährigen Befragten, den Instant-Messaging-Dienst WhatsApp nutzten. In der Gruppe der 40- 49-Jährigen sind es 70% und in der älteren Kohorte (60 Jahre und älter) sind es immerhin noch 52% und damit fast jeder zweite.73

Qualitative Studien bieten darüber hinaus einen genaueren Einblick in die Art und Weise des PC-Verhaltens am Beispiel von Instant Messengern. Es werden vormerklich Beziehungen jeglicher Art per Messenger gepflegt und Treffen organisiert. Für diesen Zweck werden gerne Gruppen erstellt. Diese Gruppen können entweder für ein bestimmtes Event, beispielsweise für eine Grillparty, sein oder längerfristig angelegt werden, wenn es sich zum Beispiel um eine Fußballmannschafts-Gruppe handelt.

Besonders zu betrachten ist die Nutzungshäufigkeiten von Messenger-Diensten, da diese die Kerndimension des PC-Verhaltens darstellt. Instant Messenger werden den ganzen Tag über genutzt. Laut Vorderer et al. gab bei einer Studierendenbefragung die Hälfte an, ihr Smartphone und auch Messenger-Dienste mehrere Male pro Stunde zu nutzen. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Nutzer beispielsweise alleine zu Hause oder etwa im Zug, in Gesellschaft bei Freunden oder im Bett ist. Ebenfalls wichtig bei der Erläuterung des Phänomens POPC hinsichtlich Instant Messengern sind die Reaktivität sowie das Monitoring. Wie bereits erwähnt, kann das Empfangen von Nachrichten positive Gefühle beim Nutzer hervorrufen, ebenso umgekehrt negative Empfindungen, wenn eine Nachricht ignoriert wird.74 Diese Tatsachen zeigen, welche enorme Bedeutung die Reaktivität für die einzelnen Kommunikationsteilnehmer besitzen kann. Dementsprechend können eine Erwartungshaltung und damit zusammenhängend auch eine als angemessen empfundene Zeitspanne für eine Antwort entstehen.75 Das ständige „Checken“ des Smartphones, das Mitführen von Power-Banks gegen einen leeren Akku oder die Angst vor der Drosselung der mobilen Daten zeigt die ständige Bereitschaft, Online und verbunden zu sein. Vorderer zeigte, dass es egal ist, ob der Kommunikationspartner gerade anderen Tätigkeiten nachgeht oder ob es eine räumliche Distanz zu überbrücken gilt. Durch die technischen Entwicklungen wie WhatsApp, sind die Nutzer noch stärker den Erwartungen der Kontaktpersonen ausgesetzt. Dieses Verhalten ist nicht mehr ausschließlich durch das Antwortverhalten auf Nachrichten beobachtbar, sondern auch durch die eingeführte Lesebestätigung. Dadurch ist die Reaktivität wahrscheinlich noch stärker, da mehr Druck ausgeübt wird. Die Reaktivität bildet einen Teil der Online-Vigilanz-Skala, die für das POPC-Phänomen entwickelt wurde.76

Eng verbunden mit der Reaktivität auf Nachrichten ist die permanente Beobachtung des eigenen Smartphones – das Monitoring. Eine Studie zeigte in diesem Zusammenhang, dass die ursprüngliche Tätigkeit im Durchschnitt alle 18 Minuten unterbrochen wird, um zu kontrollieren, ob neue Nachrichten auf dem Smartphone eingegangen sind. 77 Dieses Checken des Smartphones ist teilweise schon zur Gewohnheit geworden, sodass diese Prozesse unterbewusst ablaufen. Die stark gewachsene Erwartung an die ständige Erreichbarkeit hat den sozialen Alltag stark verändert. Der Blick aufs Handy ist in vielen sozialen Situationen beobachtbar, beispielsweise in Cafés, und scheint kein unhöfliches Verhalten mehr darzustellen.

Im Gegenteil, es wird anscheinend von vielen Kommunikationspartnern sogar vorausgesetzt.78

3.3 Medien-Multitasking

Unter Medien-Multitasking versteht man ein spezifisches Nutzungsmuster im Zusammenhang mit Medien. Dabei lassen sich zunächst zwei Unterscheidungen festmachen: Zum einen ist das allumfassende Multitasking (overall multitasking) zu nennen, welches das Nutzen eines Mediums beschreibt, während parallel dazu nicht- mediale Tätigkeiten ausgeführt werden, wie beispielsweise etwas zu essen.

Zum anderen ist das Medien-Multitasking zu nennen, hierbei werden zwei oder aber auch mehrere Medien gleichzeitig genutzt, wie beispielsweise Musik zu hören und am Computer zu arbeiten. Dabei wird im wissenschaftlichen Diskurs allerdings zwischen einer Haupt- und einer Nebentätigkeit unterschieden.79

Wallis hat im Jahr 2010 Medien-Multitasking in drei Arten klassifiziert: In der ersten Ausprägung werden Medien während einer sozialen Interaktion genutzt. Die zweite Art beschreibt die Nutzung von zwei oder mehreren Medien gleichzeitig. Als dritte Art wird der Gebrauch von einem Medium definiert, mit dem verschiedene mediale Tätigkeiten ausgeführt werden. Zum Beispiel das Schreiben einer Hausarbeit am Laptop, während im Hintergrund noch Musik läuft und ein Chat-Programm geöffnet ist.80

Nach Best und Breunig wird der englische Begriff media multitasking mit „paralleler Mediennutzung“ übersetzt und als Gegenpart zur exklusiven Mediennutzung verstanden. Hier wird unter paralleler Mediennutzung das gleichzeitige Nutzen verschiedener Mediengeräte verstanden, aber auch das gleichzeitige Ausführen von medialen und nicht-medialen Tätigkeiten.81 Jede Art von Multitasking erfordert eine Teilung der Aufmerksamkeit auf zwei oder mehrere Tätigkeiten.82 Gerade durch WhatsApp und Echtzeitübertragung von Nachrichten sind immer mehr Nutzer davon betroffen. Studien belegen einen hauptsächlich negativen Effekt auf das alltägliche soziale und schulische bzw. berufliche Leben.

Um den Einfluss des Multitaskings auf die geistige Leistungsfähigkeit zu untersuchen, führten Wissenschaftler der Universität Stanford 2009 eine Reihe von kognitiven Tests mit Versuchspersonen durch. Das Experiment zeigte, dass Menschen, die häufig mehrere Medien zugleich benutzen, Probleme bei der Kontrolle ihres Geistes aufweisen und irrelevante Reize aus der Umgebung nicht hinwegfiltern können.83

4. Die Sozialnatur des Menschen

Um auf die Sozialnatur des Menschen eingehen zu können, muss sich zunächst aus sozial- und kommunikationspsychologischer Sicht theoretisch mit der computervermittelnden Kommunikation und deren Eigenschaften auseinandergesetzt werden. In der wissenschaftlichen Literatur lassen sich zwei Modelle identifizieren, die auch auf Instant Messenger ganz- oder teilweise übertragbar sind. Anschließend kann die Sozialnatur des Menschen hinsichtlich sozialpsychologischer Aspekte vorgestellt werden.84

4.1 Computervermittelte Kommunikation

Bevor auf die computervermittelte Kommunikation im Speziellen eingegangen wird, ist eine grundsätzliche Definition von Kommunikation angebracht. Darunter versteht man erst einmal nur die Informationsübertragung zwischen Menschen, die mit Hilfe von Sprache, Zeichen, Mimik sowie Gestik funktionieren kann. 85 Unter computervermittelte Kommunikation (CvK) versteht man per Definition, der „zwischen zwei oder mehr Personen stattfindende, interaktive Prozess des Erstellens, Austauschens und Empfangens von Informationen mithilfe von Computern.“86 An dieser Stelle soll erwähnt werden, dass für die vorliegende Arbeit „Computer“ sich im Sinne der vorangegangenen Definition nicht auf den PC beschränkt, sondern auch auf andere Formen der elektronischen Kommunikation, wie Instant Messenger, anwenden lässt.

Demnach ist die CvK eine Form der technisch vermittelten interpersonalen Kommunikation, wie beispielsweise durch WhatsApp-Chats und steht somit der klassischen technisch unvermittelten Face-to-Face-Kommunikation gegenüber. Bei letzterer ist es von Nöten, dass sich die Gesprächsteilnehmer gegenseitig wahrnehmen, sehen und hören können und dementsprechend müssen sie auch am selben Ort sein (ausgenommen ist Video-Telefonie). Diese Tatsache ist bei der computervermittelnden Kommunikation eben nicht der Fall, eine Kopräsenz ist nicht notwendig. Wenn zwischenmenschliche Kommunikation computervermittelt abläuft, heißt dies nicht, dass die ansonsten von Angesicht zu Angesicht ausgetauschten Nachrichten nur über einen anderen Kommunikationsweg übertragen werden. Denn gerade durch CvK können neue Kommunikationsformen entstehen, sodass Themen und Inhalte auf eine völlig andere Art und Weise verarbeitet und kommuniziert werden können.87 Daher wird im Folgenden insbesondere auf zwei charakteristische Modelle der computervermittelnden Kommunikation eingegangen.

4.1.1 Hyperpersonal Model

Das 1996 von Joseph Walther entwickelte Hyperpersonal-Modell (HPM) beschäftigt sich mit verschiedenen Aspekten der computervermittelten Kommunikation, die sich durch das Fehlen der körperlichen Präsenz auszeichnen. Diese Theorie bezieht sich auf die vier traditionellen Kommunikationsprozesse – Empfänger, Sender, Kanal und Feedback in virtuellen Umgebungen. Im Folgenden werden die einzelnen Bausteine des HPM erläutert, um später die Anwendbarkeit auf WhatsApp-Kommunikation zu prüfen.

Bei der Betrachtung des Senders und der damit verbundenen selektiven Selbstdarstellung geht das Modell grundsätzlich davon aus, dass computervermittelte Kommunikation ohne jegliche physische Präsenz der beteiligten Kommunikatoren stattfindet. Darüber hinaus muss die Kommunikation nicht zur selben Zeit stattfinden. Somit können sich die Gesprächspartner gegenseitig nicht wahrnehmen, sie sehen und hören sich nicht. Dem Sender entsteht so die Möglichkeit, sich selbst in einer beliebigen Art und Weise darzustellen, da das Gegenüber diese Tatsachen nicht überprüfen kann. Es besteht somit die Option, sich selbst oder Gegebenheiten positiver darzustellen, ein in einer vergleichbaren Gesprächssituation wahrscheinliches Erröten oder Blickausweichen in einer Face-to-Face- Kommunikation ist nicht wahrnehmbar.

Der nächste Bestandteil dieses Modells ist der Empfänger und die Idealisierung der Botschaft. Nicht nur das eigene Bild kann durch die computervermittelte Kommunikation idealisiert werden, auch die Interpretation der empfangenen Nachrichten kann variieren. Oftmals wird das Bild des Gegenübers durch erhaltene Informationen und die daraus resultierenden Interpretationen ergänzt. Es handelt sich hierbei quasi um ein Zwischen-den-Zeilen-lesen, bei dem die Teilnehmer unter Umständen übertriebene, idealisierte Bilder ihrer Chatpartner aufbauen. Dies resultiert aus der Tatsache, dass die Kommunikatoren in der CvK im Prinzip blind miteinander kommunizieren. Es liegt also im Ermessen des Empfängers, wie die Informationen verarbeitet und welche Schlüsse aus dem Inhalt und Kontext der Botschaft gezogen werden. Daraus entsteht dann die positivere soziale Bewertung des Anderen. Soziale Orientierung führt im CvK-Kontext zu einem übersteigerten Eindruck an Gemeinsamkeit.

Walther geht hinsichtlich des Kommunikationskanals davon aus, dass durch die asynchrone computervermittelte Kommunikation es ebenfalls möglich ist, gezielter beziehungsweise überlegter die eigenen Aussagen zu formulieren, auch ein nachträgliches Editieren ist möglich. In einem realen Gespräch bleibt dafür meistens keine Zeit, da eine zu lange Unterbrechung der Konversation eher als störend empfunden wird.

Als letzte Modell-Komponente ist das Feedback zu nennen. Durch das Hyperpersonal-Modell wird die selektive Selbstdarstellung durch das erhaltene Feedback des Gesprächspartners immer mehr verstärkt. 88 Schließlich erhält der Absender nur Feedback auf seine ausgewählten, gesendeten Nachrichten und nicht auf andere gezeigte Reaktionen. Denn wenn in der betriebenen Kommunikation ein positiver Eindruck vom Chatpartner entsteht und die Kommunikationspartner sich daraufhin positiv zueinander verhalten, wird eine selbsterfüllende Prophezeiung in Gang gesetzt. Diese führt dazu, dass die Kommunikation im weiteren Verlauf immer intimer und beziehungsintensiver werden kann.89

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass bei diesem Modell der Empfänger und der Sender sich gegenseitig idealisieren und der Sender eine Art selektive Selbstdarstellung betreibt. Darüber hinaus wird beim Hyperpersonal-Modell davon ausgegangen, dass die Teilnehmer sich unter Umständen näher zueinander hingezogen und intimer in der Gesprächssituation fühlen, als bei einer realen Face- to-Face-Kommunikation.

Bezieht man die einzelnen Modell-Komponenten auf die WhatsApp- Kommunikation, so zeigt sich hinsichtlich des Senders, dass diese Konzeptualisierung auch auf die Chats des Instant Messengers übertragen lassen. Lediglich der Part mit der asynchronen Kommunikation ist bedingt vergleichbar. Zwar werden die Nachrichten, wie bereits erläutert, in Echtzeit übertragen und somit wäre eine quasi synchrone Kommunikation möglich, allerdings sagt dies nichts über die tatsächliche Verfügbarkeit des Chatpartners aus. Prinzipiell kennen sich die Gesprächspartner, da es erforderlich ist, die Mobilfunknummer des anderen zu besitzen. Es können zwar Nachrichten im Sinne des Modells idealisiert werden, dadurch, dass der Gegenüber allerdings bekannt ist, und bereits ein physisches Bild vorhanden ist, kann dieser Bestandteil des Modells weniger auf die computervermittelte Kommunikation mit WhatsApp übertragen werden. Dabei ist auch die Tatsache zu beachten, dass auch Bild-, Video- und Audiodateien übertragbar sind und nicht nur Text. Zusammenfassend lässt sich demnach festhalten, dass dieses Modell hinsichtlich der WhatsApp-Kommunikation sicherlich Erweiterungen bedarf und diese in weiteren kommunikationswissenschaftlichen Forschungen erbracht werden sollten.

4.1.2 Modell des sozialen Einflusses

Das Modell des sozialen Einflusses soll eine weitere theoretische Grundlage für die computervermittelte Kommunikation darstellen und dabei gleichzeitig den Bezug zur Sozialnatur des Menschen herstellen. Dieses Modell liegt der Medienselektion zugrunde, in dem es dem Einfluss der sozialen Kontexte Beachtung schenkt. Die Entscheidung für ein bestimmtes Medium liegt dem Modell nach nicht nur auf den individuellen Nutzungserfahrungen, sondern wird besonders durch die Empfehlungen, Meinungen und das Verhalten anderer bestimmt. Folglich besteht das Modell aus den Komponenten personale Determinante und soziale Determinante. Die Meinungen des sozialen Umfeldes und die Nutzungsintensität führen zu einer Art Empfehlung, welcher der potentielle Nutzer folgt.90 Anhand eines Beispiels soll dieses Modell auf WhatsApp übertragen werden. Steht in einem Uni-Seminar eine Gruppensemesterarbeit mit fünf Mitgliedern an und davon möchten vier die Gruppenorganisation über WhatsApp regulieren, kann es sein, dass der soziale Einfluss so groß ist, dass das fünfte Mitglied sich auch WhatsApp zulegt.

Die Selektionsentscheidungen in der computervermittelten Kommunikation sind von sozialen, situativen und der personalen Determinanten abhängig. Oftmals spielt die Verfügbarkeit des Mediums eine wichtige Rolle im Selektionsprozess und auch die gegebene Situation.

So bietet es sich an, einen Instant Messenger wie WhatsApp beispielsweise bei einer Urlaubsreise im Ausland zu nutzen, da das Versenden der Nachrichten an sich kostenlos ist und ein großer Freundeskreis erreicht werden kann. Die personalen Determinanten, wie beispielsweise die Medienkompetenz, spielen im Anschluss an die – stärker sozial beeinflusste – Medienauswahl wiederrum eine größere Rolle im Hinblick auf die Nutzungsintensität. Hier hat die persönliche Erfahrung mit dem jeweiligen Medium letztlich doch den entscheidenden Einfluss darauf, wie ausgeprägt die Mediennutzung beim einzelnen Individuum stattfindet. Der wichtigste Aspekt dieses Modells in Bezug auf die in dieser Arbeit untersuchte Fragestellung ist die Feststellung, dass es für das Individuum eine entscheidende Rolle spielt, welche Kommunikationswege von seinem sozialen Umfeld genutzt werden: Die Sozialnatur des Menschen beeinflusst also auch die Medienselektion in einer signifikanten Art und Weise.

4.2 Sozialpsychologische Aspekte computervermittelter Kommunikation

Wie bereits beschrieben, gibt es in der computervermittelten Kommunikation erhebliche Unterschiede zu Gesprächen, die Face-to-Face stattfinden. So sind für die nonverbale Kommunikation beispielsweise Gestik und Mimik entscheidend, welche bei der CvK wegfallen. Durch mittlerweile 2666 Emojis91 können in der digitalen Version des Gesprächs die fehlenden körperlichen Zeichen ein Stück weit kompensiert werden. Laut der Gesellschaft für deutsche Sprache e. V. sind Emojis ein Ideogramm, welches für die computervermittelte Kommunikation über Emails und SMS entwickelt wurde, um Emotionen, aber auch allgemeine Zustände und Tätigkeiten darzustellen und auszudrücken.92

Ein weiteres sozialpsychologisches Merkmal in der cvK ist die niedrigere Hemmschwelle, die in der computergestützten Unterhaltung zu finden ist.

[...]


1 vgl. Statista (2018): Anzahl der Smartphone-Nutzer in Deutschland.

2 vgl. Ahrens, Katja (2014): WhatsApp Kommunikation 2.0 Kommunikation 2.0. Eine qualitative Betrachtung der multimedialen Möglichkeiten, S.81.

3 vgl. Ahrens, Katja (2014): WhatsApp Kommunikation 2.0 Kommunikation 2.0. Eine qualitative

4 vgl. Mai, Lisa und Wilhelm, Judith (2016): „Ich weiß, wann du online warst, Schatz“. Die Bedeutung der WhatsApp-Statusanzeigen für die Paarkommunikation in Nah- und Fernbeziehungen.

5 vgl. Dürscheid, Christan & Karina Frick (2014). »Keyboard-to-Screen-Kommunikation gestern und heute: SMS und WhatsApp im Vergleich, S. 32.

6 vgl. Buggisch, Christian (2017): Social Media und Messenger – Nutzerzahlen in Deutschland 2017.

7 vgl. Hardt, Sebastian (2017): WhatsApp in Zahlen: 55.000.000.000 Nachrichten - pro Tag.

8 vgl. Dürscheid, Christan & Karina Frick (2014). »Keyboard-to-Screen-Kommunikation gestern und heute: SMS und WhatsApp im Vergleich, S. 162.

9 vgl. Dürscheid, Christan & Karina Frick (2014). »Keyboard-to-Screen-Kommunikation gestern und heute: SMS und WhatsApp im Vergleich, S. 178.

10 vgl. WhatsApp (2018): https://www.whatsapp.com/about/.

11 vgl. Lindner, Roland (2014): Facebook kauft WhatsApp – Mark Zuckerbergs Mega-Deal.

12 vgl. WhatsApp (2018): https://www.whatsapp.com/features/?l=de.

13 vgl. Spiegel Online (2016): WhatsApp verschlüsselt Kommunikation vollständig.

14 vgl. WhatsApp (2018): https://www.whatsapp.com/features/?l=de.

15 vgl. WhatsApp (2018): https://faq.whatsapp.com/de/android/26000068/.

16 zur Anschauung ist in Anhang 1 eine Übersicht über die Darstellung der WhatsApp-Funktionen in der App zu finden.

17 vgl. Gerlitz, Carolin (2015): WhatsApp und Snapchat, S. 43.

18 vgl. Gerlitz, Carolin (2015): WhatsApp und Snapchat, S. 45.

19 vgl. Mai, Lisa und Wilhelm, Judith (2016): „Ich weiß, wann du online warst, Schatz“. Die Bedeutung der WhatsApp-Statusanzeigen für die Paarkommunikation in Nah- und Fernbeziehungen, S. 21.

20 vgl. Mai, Lisa und Wilhelm, Judith (2016): "Ich weiß, wann du online warst, Schatz.": Die Bedeutung der WhatsApp WhatsApp-Statusanzeigen für die Paarkommunikation in Nah- und Fernbeziehungen, S. 14.

21 vgl. Gerlitz, Carolin (2015): WhatsApp und Snapchat, S. 48.

22 Mai, Lisa und Wilhelm, Judith (2016): "Ich weiß, wann du online warst, Schatz.": Die Bedeutung der WhatsApp WhatsApp-Statusanzeigen für die Paarkommunikation in Nah- und Fernbeziehungen, S. 21.

23 Krotz, Friedrich (2001): Die Mediatisierung des kommunikativen Handelns, S. 19.

24 Ausführlich dazu im Unterkapitel 3.3 Media-Multitasking.

25 Ausführlich dazu im Kapitel 3 Permanently Online, Permanently Connected.

26 Krotz, Friedrich (2001): Die Mediatisierung des kommunikativen Handelns, S. 94.

27 vgl. Szótstek, A. und Eggen, B. (2009): ‘I know that you know’ – Ascertaining mutual awareness of recipient’s availability status in Instant Messaging applications, S. 185.

28 Baron, Naomi S. (2008): Adjusting the volume: Technology and multitasking in discourse control, S. 178.

29 Ausführlich dazu in den folgenden Kapiteln 3 und 4.

30 Schütz, Alfred (2004): Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt: Eine Einleitung in die verstehende Soziologie, S. 239.

31 vgl. Keppler, Angela (2013): Reichweiten alltäglicher Gespräche. Über den kommunikativen Gebrauch alter und neuer Medien, S. 89.

32 vgl. Lin, S. (2012): Instant messaging on interpersonal relationship: How it brings intimacy and negative feelings?.

33 vgl. Church, Karen und de Oliveira, Rodrigo (2013): What’s up with WhatsApp? Comparing Mobile Instant Messaging Behaviors with Traditional SMS.

34 vgl. Wyss, Eva und Hug, Barbara (2016): WhatsApp-Chats. Neue Formen der Turnkoordination bei räumlich-visueller Begrenzung, S. 259-274.

35 vgl. Szótstek, A. und Eggen, B. (2009): ‘I know that you know’ – Ascertaining mutual awareness of recipient’s availability status in Instant Messaging applications, S. 183.

36 vgl. Jänich, Isabell (2014): Die Darstellung von Affektivität in Instant Messaging-Dialogen, S. 39.

37 vgl. Kessler, Florence (2008): Instant Messaging. Eine neue interpersonale Kommunikationsform, S. 8-12.

38 vgl. Statista (2018): Anzahl der versendeten SMS in Deutschland von 2000 bis 2017 (in Milliarden).

39 Bei WA ist es notwendig, die Mobilfunknummer des Anderen zu kennen, um mit ihm in Kontakt zu treten.

40 vgl. Dürscheid, Christa (2003): Medienkommunikation im Kontinuum von Mündlichkeit und Schriftlichkeit. Theoretische und empirische Probleme, S. 42.

41 vgl. Statista (2018): Wofür nutzen Sie WhatsApp?.

42 vgl. Krotz, Friedrich (2017): Mediatisierung: Ein Forschungskonzept, S.14.

43 vgl. Krotz, Friedrich (2001): Die Mediatisierung kommunikativen Handelns. Der Wandel von Alltag und sozialen Beziehungen, Kultur und Gesellschaft durch die Medien. S. 19.

44 Krotz, Friedrich (2001): Die Mediatisierung kommunikativen Handelns. Der Wandel von Alltag und sozialen Beziehungen, Kultur und Gesellschaft durch die Medien. S. 17.

45 vgl. Krotz, Friedrich (2001): Die Mediatisierung kommunikativen Handelns. Der Wandel von Alltag und sozialen Beziehungen, Kultur und Gesellschaft durch die Medien. S. 21.

46 vgl. Ling, Richard (2004): The mobile connection. The cell phone’s impact on society, S. 136.

47 Knop, Karin /Hefner, Dorothée /Schmitt, Stefanie /Vorderer, Peter (2015): Mediatisierung mobil. Handy- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen. S. 27.

48 vgl. Walsh, S. /White, K. / Young, R. (2009): The phone connection: A qualitative exploration of how belongingness and social identification relate to mobile phone use amongst Australian youth., S. 231.

49 vgl. Döring, Nicola (2008): Mobilkommunikation: Psychologische Nutzungs- und Wirkungsdimensionen, S. 228.

50 Walsh, S. /White, K. /Young, R. (2008): Over-connected? A qualitative exploration of the relationship between Australian youth and their mobile phones. S. 83.

51 vgl. Knop, K./ Hefner, D. / Schmitt, S. / Vorderer, P. (2015): Mediatisierung mobil. Handy- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen. S. 32.

52 vgl. Abrams, D. / Weick, M. / Thomas, D. / Colbe, H. / Franklin, K. (2011): Online ostracism affects children differently from adolescents and adults. S.110-117.

53 vgl. Vorderer, Peter (2015): Der mediatisierte Lebenswandel, S. 263.

54 vgl. Frees, B. / Koch, W. (2016): Dynamische Entwicklung bei mobiler Internetnutzung sowie Audios und Videos. Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2016. S. 423.

55 Müller-Lietzkow, J. /Ganguin, S. /Hoblitz, A. (2014): Jenseits rationaler Entscheidungen: Smartphones als Schlüssel einer mediatisierten Gesellschaft. S. 291.

56 vgl. Vorderer, Peter (2015): Der mediatisierte Lebenswandel. S. 260.

57 vgl. Vorderer, P. / Krömer, N. / Schneider, F. (2016): Permanently online – Permanently connected. Explorations into university students’ use of social media and mobile smart devices. S. 698.

58 vgl. Vorderer, Peter (2015): Der mediatisierte Lebenswandel. S. 257.

59 vgl. Frees, B. / Koch, W. (2016): Dynamische Entwicklung bei mobiler Internetnutzung sowie Audios und Videos. Ergebnisse der ARD/ZDF-Onlinestudie 2016. S. 435.

60 vgl. Markowetz, Alexander (2015): Digitaler Burnout. Warum unsere Smartphone-Nutzung gefährlich ist, S. 89.

61 vgl. Vorderer, Peter (2015): Der mediatisierte Lebenswandel. S. 261.

62 vgl. ARD/ZDF Onlinestudie (2017): Onlinenutzung: http://www.ard-zdf- onlinestudie.de/onlinenutzung/nutzungsdauer/taegliche-nutzung/.

63 vgl. Vorderer, P. / Krömer, N. / Schneider, F. (2016): Permanently online – Permanently connected. Explorations into university students’ use of social media and mobile smart devices. S. 695.

64 vgl. Vorderer, Peter (2015): Der mediatisierte Lebenswandel. S. 262 f..

65 vgl. Bayer, Joseph / Campell, Scott / Ling, Richard (2015): The Structural Transformation of Mobile Communication: Implications for Self and Society, S. 176.

66 Müller-Lietzkow, J. /Ganguin, S. /Hoblitz, A. (2014): Jenseits rationaler Entscheidungen: Smartphones als Schlüssel einer mediatisierten Gesellschaft. S. 284.

67 vgl. Vorderer, P. / Krömer, N. / Schneider, F. (2016): Permanently online – Permanently connected. Explorations into university students’ use of social media and mobile smart devices. S. 696.

68 vgl. Statista (2018): Anteil der Smartphone-Nutzer in Deutschland nach Altersgruppe im Jahr 2017.

69 vgl. Walsh, S. / White, K. / McD Young, R. (2010): Needing to connect. The effect of self and others on young people's involvement with their mobile phones, S. 196.

70 vgl. Hepp, A. /Berg, M. / Roitsch, C. (2014): Mediengeneration, kommunikative Vernetzung und Vergemeinschaftung, S. 26-27.

71 vgl. Hepp, A. /Berg, M. / Roitsch, C. (2014): Mediengeneration, kommunikative Vernetzung und Vergemeinschaftung, S. 28.

72 vgl. O'Hara, K. P./ Massimi, M. / Harper, R. /Rubens, S. / Morris, J. (2014): Everyday dwelling with WhatsApp. S. 1139.

73 vgl. Statista (2018): Anteil der befragten Internetnutzer, die WhatsApp nutzen, nach Altersgruppen in Deutschland im Jahr 2017.

74 vgl. Church, Karen und de Oliveira, Rodrigo (2013): What’s up with WhatsApp? Comparing Mobile Instant Messaging Behaviors with Traditional SMS, S. 358.

75 vgl. Quader, Wiebke (2014): Komparative Analyse von Vorwurfsaktivitäten in deutschen und chinesischen SMS-Nachrichten, S. 85.

76 vgl. Reinecke, L. / Klimmt, C. /Meier, A. / Reich, S. /Hefner, D. /Knop-Hülß, K. et al. (2017): Permanently Online and Permanently Connected: Development and Validation of the Online Vigilance Scale, S. 38.

77 vgl. Markowetz, Alexander (2015): Digitaler Burnout. Warum unsere Smartphone-Nutzung gefährlich ist. S. 13.

78 vgl. Vorderer, Peter (2015): Der mediatisierte Lebenswandel. S. 275.

79 vgl. Foehr, Ulla G. (2006): Media multitasking among american youth: Prevalence, Predictors and Pairings, S.9.

80 vgl. Wallis, C. (2010). The impacts of media multitasking on children's learning and development.

81 vgl. Best, Stefanie und Breunig, Christian (2011): Parallele und exklusive Mediennutzung. S. 17.

82 vgl. Knop, K./ Hefner, D. / Schmitt, S. / Vorderer, P. (2015): Mediatisierung mobil. Handy- und Internetnutzung von Kindern und Jugendlichen. S. 28.

83 vgl. Ophir E. / Nass C. /Wagner, A. (2009): Cognitive control in media multitaskers. S. 585.

84 Ebenfalls wäre es in diesem Zusammenhang denkbar, weitere Medienwirkungstheorien, wie beispielsweise den Uses- und Gratifications-Ansatz mit einzubeziehen, würde aber den Umfang der Masterarbeit übersteigen.

85 vgl. Six, Ulrike. et al (2007): Kommunikationspsychologie und Medienpsychologie, S. 24.

86 Trepte, Sabine / Reinecke, Leonard (2013): Medienpsychologie, S. 158.

87 Döring, Nicola (2013): Modelle der Computervermittelten Kommunikation, S. 425.

88 vgl. Trepte, Sabine / Reinecke, Leonard (2013): Medienpsychologie, S. 158 ff.

89 vgl. Döring, Nicola (2013): Modelle der computervermittelten Kommunikation, S. 424 – 427.

90 vgl. Hartmann, Tilo (2003): Computervermittelte Kommunikation, S. 673 – 677.

91 vgl. Unicode Emoji (2018): https://unicode.org/reports/tr51/.

92 vgl. Gesellschaft für deutsche Sprache e.V. (2017): Was sind Emojis?.

Ende der Leseprobe aus 308 Seiten

Details

Titel
WhatsApp und die Sozialnatur des Menschen. "Was ist da los? Du hast es doch gelesen, warum antwortest Du nicht?!"
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz  (Publizistik)
Note
1,3
Autor
Jahr
2018
Seiten
308
Katalognummer
V455010
ISBN (eBook)
9783668884472
ISBN (Buch)
9783668884489
Sprache
Deutsch
Anmerkungen
Inklusive 218 Seiten Anhang
Schlagworte
WhatsApp, Sozialnatur, Kommunikation, Social Media, digitale Kommunikation, Medienpsychologie
Arbeit zitieren
Sarah Lechner (Autor), 2018, WhatsApp und die Sozialnatur des Menschen. "Was ist da los? Du hast es doch gelesen, warum antwortest Du nicht?!", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455010

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