Es gibt m.E. zwei wesentliche Persönlichkeiten, die das Denken und Handeln im deutschsprachigen Raum (und darüber hinaus) wesentlich geprägt haben: Martin Luther und Friedrich Nietzsche. Beide nahmen für ihre Überlegungen den selben Ausgangspunkt und kritisierten die Kirche, kamen aber zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen. Vor allem aber handelte Luther: er „reformierte“ die Kirche und aufbauend auf seinen Überlegungen entstanden neue Kirchen. Nietzsche hingegen blieb immer der reine Kritiker und erklärte Gott gar für tot, kritisierte Religion und Moral, alles nur, um seinen Übermenschen zu kreieren. Nietzsche hatte aber vor allem im 20. Jh. großen Einfluss auf das Denken und – mit Blick auf seinen Übermenschen und die Nazis – einen ebensolchen politischen Einfluss.
Nach einem kurzen Überblick über sein Leben und sein Schaffen wird ein Schlaglicht auf das Menschen- sowie das Gottesbild Nietzsches geworfen werden. Daran werden dann vier m.E. wesentliche Punkte der Christentumskritik verhandelt, bevor ich die Arbeit mit einem Resümee und einer persönlichen Bewertung beschließe.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zu Leben und Werk Friedrich Nietzsches
3. Nietzsches Menschenbild
3.1. Der Übermensch
3.1.1. Tod Gottes
3.1.2. Der Wille zur Macht
3.1.3. Die ewige Wiederkehr
4. Nietzsches Gottesbild
5. Kritikpunkte am Christentum
5.1. Entfremdung von der realen Lebenswelt
5.2. Schwächung des Lebenswillens und Lebensfeindlichkeit
5.3. Christentum ist in der Antike verhaftet und doch ungriechisch
5.4. Kritik an den Alltags-Christen
6. Resümee und persönliche Bewertung
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit befasst sich mit der Religions- und vor allem der Christentumskritik von Friedrich Nietzsche. Das primäre Ziel ist es, Nietzsches Ablehnung christlicher Lehren und Moralvorstellungen im Kontext seines Menschen- und Gottesbildes zu analysieren und deren Auswirkungen auf sein philosophisches Denken kritisch zu hinterfragen.
- Nietzsches Menschenbild und das Konzept des Übermenschen
- Die Bedeutung der Aussage "Gott ist tot"
- Kritik an der christlichen Moral als lebensfeindlich
- Gegenüberstellung von griechischer Antike und Christentum
- Kritik an der Praxis der sogenannten Alltags-Christen
Auszug aus dem Buch
3.1. Der Übermensch
Mit dem Übermenschen versucht Nietzsche etwas Neues entstehen zu lassen. Durch ihn soll dem Leben nach dem Tod Gottes ein neuer Sinn gegeben werden. Demnach ist der Platz der Existenz nur noch in der Welt zu suchen, nicht in überirdischen Hoffnungen. Der Übermensch kann sich als Herrschender, als Vertreter einer Elite oder als Krieger zeigen. Man könnte auch sagen, er kann sich an die Stelle Gottes stellen.
Etwas, das einige Jahre später fürchterliche Ausmaße annahm, war das Herrenmenschenmodell Nietzsches. Darin beschreibt er das schicksalhafte Gegenüber von höheren und niederen Menschen: Einem „Überschuß von Mißratnen, Kranken, Entartenden, Gebrechlichen; notwendig Leidenden“ stehen nur die wenigen „gelungenen Fälle“ gegenüber. Sie stellen die „spärliche Ausnahme“ und eine „zerstörerische[n] Wirkung auf die höheren Menschen“ dar. Und hier kommt gerade dem Christentum eine Sonderrolle zu, denn es ergreift als Religion für Leidende Partei für die Schwachen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt Nietzsche als zentralen Religionskritiker vor und erläutert den methodischen Rahmen der Arbeit, die sich auf die Christentumskritik konzentriert.
2. Zu Leben und Werk Friedrich Nietzsches: Dieses Kapitel skizziert Nietzsches biografischen Werdegang vom Pfarrerssohn zum radikalen Kritiker christlicher Werte.
3. Nietzsches Menschenbild: Das Kapitel analysiert das Ideal des Übermenschen als Gegenentwurf zur religiös geprägten Moral und beleuchtet die damit verbundenen Konzepte.
4. Nietzsches Gottesbild: Hier wird der Aphorismus "Gott ist tot" sowie die Bedeutung der Gottesleugnung für das menschliche Selbstverständnis untersucht.
5. Kritikpunkte am Christentum: Das Kapitel führt zentrale Kritikpunkte auf, insbesondere die Entfremdung von der Lebenswelt, die angebliche Lebensfeindlichkeit und das Verhältnis zur Antike.
6. Resümee und persönliche Bewertung: Den Abschluss bildet eine kritische Reflexion über Nietzsches Einfluss, seine Inkonsequenz bei der Begründung des Atheismus und die gesellschaftlichen Folgen einer weltweiten Abwesenheit von Religion.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Christentumskritik, Religionskritik, Übermensch, Gott ist tot, Wille zur Macht, Sklavenmoral, Herrenmoral, Diesseits, Nihilismus, Moral, Atheismus, Lebensfeindlichkeit, Antike, Ewige Wiederkehr
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die fundamentale Religions- und Christentumskritik des Philosophen Friedrich Nietzsche.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind das Menschenbild (Übermensch), das Gottesbild (Tod Gottes) und die Analyse von Nietzsches Vorwürfen gegen die christliche Moral.
Was ist das primäre Ziel der Seminararbeit?
Ziel ist es, Nietzsches Argumentationsstruktur zu verstehen, wie er sich vom Christentum distanziert und welche Alternativen er für das menschliche Dasein entwirft.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor wählt einen primär textanalytischen Ansatz, indem er Nietzsches Werke (insbesondere die 3-bändige Schlechta-Ausgabe) interpretiert und mit philosophischen Sekundärquellen kontrastiert.
Was wird im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse des Menschenbildes, der Gottesvorstellung und eine detaillierte Auseinandersetzung mit vier spezifischen Kritikpunkten am Christentum.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Übermensch, Gott ist tot, Sklavenmoral, Nihilismus und die Ablehnung des Jenseits zugunsten des Diesseits.
Wie bewertet der Autor Nietzsches Konzept des Übermenschen im Hinblick auf den Nationalsozialismus?
Der Autor merkt kritisch an, dass Nietzsches Ideen vom Übermenschen und der Herrenmoral leider als philosophisches Fundament für die menschenverachtende Ideologie der Nationalsozialisten missbraucht werden konnten.
Warum bezeichnet Nietzsche die Kirchen als "Gräber Gottes"?
Nietzsche sieht die Kirchen als Orte, an denen Gott nur noch formal verwaltet wird, während der lebendige Glaube bereits verloren gegangen ist, weshalb sie für ihn zu Grabmälern werden.
Zu welchem Schluss kommt der Autor hinsichtlich der Religionskritik?
Der Autor schließt, dass Nietzsche zwar eine tiefgründige Kritik äußert, aber keine gesellschaftlich tragfähige Alternative anbieten kann, da Religion als Kitt für das gesellschaftliche Zusammenleben notwendig bleibt.
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- Dietmar Böhmer (Author), 2016, Nietzsches Religions- und vor allem Christentumskritik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455045