Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publish your texts - enjoy our full service for authors
Go to shop › Theology - Systematic Theology

Die unsichtbare Kirche. Chance oder Risiko für den Protestantismus

Title: Die unsichtbare Kirche. Chance oder Risiko für den  Protestantismus

Seminar Paper , 2017 , 19 Pages , Grade: 2

Autor:in: Mag.rer.soc.oec., MTh Dietmar Böhmer (Author)

Theology - Systematic Theology
Excerpt & Details   Look inside the ebook
Summary Excerpt Details

Die beiden großen Kirchen in Österreich, die Katholische und die Evangelische, weisen seit Jahren rückläufige Mitgliederzahlen auf. Seit ihrem Höchststand im Jahr 1971 hat die Evangelische Kirche ca. 31,9% und die Katholische etwa 20,4% ihrer Mitglieder verloren . Dies könnte ein Zeichen für die geringere Kirchenverbundenheit der Protestanten sein. In meiner beruflichen Tätigkeit als Kirchenbeitragsreferent beim Kirchenbeitragsverband Steiermark-Süd höre ich immer wieder dieselbe Aussage der Kirchenmitglieder, die ihre Mitgliedschaft aus vielerlei Gründen beenden: „Ich brauche keine Kirche für meinen Glauben“.

Ist das wirklich so? Oder werden hier die „zwo Kirchen“, also sichtbare und unsichtbare Kirche, wie sie Luther ausformulierte, missverstanden? Ähnlich wie die Freiheitsschrift vormals von den Bauern. Oder kann gerade das, also die „zwo Kirchen“, der Lösungsansatz in der heutigen Zeit und in der oft stark ausgeprägten Diasporasituation des österreichischen Protestantismus sein?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Kirche

2.1. Katholische Sicht

2.2. Lutherische Sicht

3. Die „zwo Kirchen“ und der Corpus permixtum

4. Unsichtbare Kirche

5. Konfessionelle Unterschiede

6. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob das von Martin Luther geprägte Konzept der „zwo Kirchen“ – die Unterscheidung zwischen einer sichtbaren Institution und einer unsichtbaren Gemeinschaft der Gläubigen – in einer zunehmend säkularen Gesellschaft eine tragfähige Perspektive für den Protestantismus darstellt. Angesichts sinkender Mitgliederzahlen hinterfragt der Autor, ob die unsichtbare Kirche als Entlastung oder als Chance zur Neuausrichtung kirchlichen Selbstverständnisses dienen kann.

  • Kirchenbegriff in katholischer und lutherischer Tradition
  • Die lutherische Lehre von der „sichtbaren“ und „unsichtbaren“ Kirche
  • Die Rolle des Wortes Gottes als Konstitutionsfaktor der Kirche
  • Theologische Abgrenzung zwischen den Konfessionen
  • Bedeutung der unsichtbaren Kirche für die heutige Diasporasituation

Auszug aus dem Buch

4. Unsichtbare Kirche

Für Luther folgt die unsichtbare Kirche als eine logische Konsequenz daraus, zumal auch „Alle Christen inn der welt betten alßo ‚Ich glaub ynn den heyligen geyst, Ein heylige Christlich kirche, gemeinschafft der heyligen’. Ist der artikell war ßo folgett darauß, das die hey-lige Christrliche kirch niemant sehen kann noch fulen, mag auch nit sagen ‚siech, hie odder da ist sie’. Dann was man glaubt, das sihet odder pfindert man nit, Wie Sact Paulus Ebr 11[,1] leret.“ Demnach ist die Wahrheit der Kirche „verborgen, unsichtbar und geistlich“. Dadurch setzt Luther die innere Kirche mit der wahren Kirche gleich. Die historische Gestalt der Kirche wiederum ist nur ein „leibliches, sichtbares, äußerliches Zeichen“ der echten Gemeinschaft Christi.

Der Beginn der Unterscheidung Luthers von sichtbarer und unsichtbarer Kirche lässt sich exemplarisch an vier frühlutherischen Werken festmachen:

Im Kommentar zum 109. Psalm bezeichnet er das Volk als „inwendig und verborgen“, das Reich Christi als „geistlich“ in dem der Christus „verborgentlich regiert“. Im lateinischen Sermon von der Kraft der Exkommunikation aus 1518 unterscheidet Luther die „interna et spiritualis“ [innerliche geistliche] Gemeinschaft der Gläubigen von der Gestalt als Sakramentsgemeinschaft, die eine „externa et corporalis“ [äußerliche und leibliche] darstellt. „Sichtbar“ ist somit für Luther nicht auf die Institution der Kirche beschränkt, sondern bereits davor, auf kultische Vergemeinschaftung gemünzt. Alles also, was Menschen aus kultischen Gründen tun, sieht er als sichtbare Zeichen an und ordnet solche Handlungen dementsprechend der sichtbaren Kirche zu.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Mitgliederschwund der Kirchen in Österreich und fragt, ob das lutherische Konzept der „zwo Kirchen“ heute ein hilfreicher Lösungsansatz sein kann.

2. Kirche: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der katholischen Sicht, die die Kirche als hierarchisches, sichtbares Ursakrament versteht, und der lutherischen Sicht, die das Wort Gottes als konstitutiv für die Gemeinschaft der Glaubenden betont.

3. Die „zwo Kirchen“ und der Corpus permixtum: Luther begründet die Unterscheidung zwischen der inneren Gemeinschaft der Gläubigen und der äußeren, leiblichen Versammlung, wobei in letzterer auch Ungläubige und Heuchler präsent sein können.

4. Unsichtbare Kirche: Dieses Kapitel erläutert die Konsequenz der Unsichtbarkeit der Kirche, die für Luther eine logische Folge des Glaubens an das nicht sichtbare Wort Gottes darstellt.

5. Konfessionelle Unterschiede: Es wird die zentrale Differenz zwischen Katholizismus (sakramentale Repräsentation) und Protestantismus (Unmittelbarkeit des Einzelnen zu Christus) herausgearbeitet.

6. Resümee: Der Autor kommt zu dem Schluss, dass für den Glauben keine Institution nötig ist, für ein „rechtes“ Glauben jedoch eine Gemeinschaft erforderlich bleibt, wobei der Protestantismus von der Freiheit der unsichtbaren Kirche profitiert.

Schlüsselwörter

Martin Luther, Unsichtbare Kirche, Sichtbare Kirche, Protestantismus, Katholizismus, Corpus permixtum, Ekklesiologie, Wort Gottes, Sakramente, Glaube, Reformatorische Theologie, Kirchenmitgliedschaft, Diaspora, Heilsinstitution, Gemeinschaft der Heiligen.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das lutherische Konzept der Unterscheidung zwischen einer sichtbaren und einer unsichtbaren Kirche und bewertet dessen Relevanz für den heutigen Protestantismus in Österreich.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Themen sind das kirchliche Selbstverständnis, die Ekklesiologie der Reformation, der Vergleich mit der katholischen Kirchenauffassung sowie die Bedeutung der unsichtbaren Kirche für die moderne säkulare Gesellschaft.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist herauszuarbeiten, ob die lutherische Unterscheidung der „zwo Kirchen“ als konstruktiver Lösungsansatz dienen kann, um dem Rückgang der Kirchenbindung entgegenzuwirken oder eine neue Perspektive auf den Glauben zu eröffnen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theologiegeschichtliche Analyse, indem sie zentrale Texte Martin Luthers und komplementäre Forschungsliteratur auswertet, um die ekklesiologischen Begriffe systematisch gegenüberzustellen.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil analysiert den Kirchenbegriff, die Differenzierung zwischen äußerer und innerer Kirche, die Bedeutung des Corpus permixtum und die unterschiedliche Gewichtung von Institution und Geist bei Katholiken und Protestanten.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind unter anderem Martin Luther, unsichtbare Kirche, sichtbare Kirche, Ekklesiologie, Wort Gottes und konfessionelle Unterschiede.

Warum ist für Luther die Unsichtbarkeit der Kirche eine Stärke?

Für Luther liegt die Stärke darin, dass die Kirche als „Gemeinschaft der Heiligen“ durch den Geist Gottes gewirkt wird und somit der menschlichen Unzulänglichkeit oder einem Scheitern der Institution entzogen bleibt.

Welches Fazit zieht der Autor in Bezug auf die Institution Kirche?

Der Autor schlussfolgert, dass die sichtbare Kirche zwar für die Weitergabe von Traditionen und die praktische Begleitung der Gläubigen notwendig bleibt, ihr Wert jedoch aus der unsichtbaren, geistlichen Dimension erwächst.

Excerpt out of 19 pages  - scroll top

Details

Title
Die unsichtbare Kirche. Chance oder Risiko für den Protestantismus
College
University of Vienna  (Institut für Systematische Theologie und Religionswissenschaft, Evangelisch-Theologische Fakultät)
Course
Martin Luther im Widerstreit der Konfessionen
Grade
2
Author
Mag.rer.soc.oec., MTh Dietmar Böhmer (Author)
Publication Year
2017
Pages
19
Catalog Number
V455049
ISBN (eBook)
9783668861152
ISBN (Book)
9783668861169
Language
German
Tags
Martin Luther Kirche evangelisch lutherisch protestantisch katholisch zwo Kirchen corpus permixtum unsichtbare Kirche sichtbare Kirche Kirchenverständnis Österreich Diaspora
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Mag.rer.soc.oec., MTh Dietmar Böhmer (Author), 2017, Die unsichtbare Kirche. Chance oder Risiko für den Protestantismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455049
Look inside the ebook
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
  • Depending on your browser, you might see this message in place of the failed image.
Excerpt from  19  pages
Grin logo
  • Grin.com
  • Shipping
  • Contact
  • Privacy
  • Terms
  • Imprint