Die "Krise der Arbeit" und Wege zu ihrer Überwindung


Hausarbeit, 2004
14 Seiten, Note: 1,0

Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1 Fragestellung
1.2 Historische Verortung

2. Die „Krise der Arbeit“ und der Arbeitsgesellschaft
2.1 Der Bedeutungsrahmen der Arbeit für die arbeitenden Subjekte
2.2 Das Postulat vom Ende der Arbeit und der Arbeitsgesellschaft

3. Wege zur Überwindung der Krise
3.1 Arbeitszeitverkürzung und Umverteilung der Arbeit
3.2 Das staatlich garantierte Grundeinkommen

4. Zeit ist Geld! ? – ein Fazit

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

1.1 Fragestellung

Die Frage nach der Arbeit und ihrer Zukunft in unserer Gesellschaft ist nach wie vor eines der brisantesten und auch der aktuellsten Themen der Gegenwart. „Alle reden von der Arbeitslosigkeit“, schrieb Dahrendorf bereits 1982[1] und behält damit auch heute noch recht. Angesichts der hier angesprochenen breiten öffentlichen Debatte stellt sich aber die zunächst trivial erscheinende Frage, was „Arbeit“ eigentlich ist. Wenn man Arbeit mit Gorz[2] als „eine geistige und/oder körperliche Kraftentfaltung, durch die die Menschen sich selbst, ihre Umwelt und ihre gesellschaftlichen Verhältnisse ... gestalten“ versteht, kommt man nicht umhin, der „Arbeit“ auch Tätigkeiten wie beispielsweise das Engagement in politischen oder sportlichen Vereinigungen zuzurechnen. Diese Definition ist aber zu allgemein, um im vorliegenden Zusammenhang weiterzuführen, da sich prinzipiell alle Tätigkeiten als geistige oder körperliche Kraftentfaltung interpretieren lassen. „Arbeit“ soll deshalb vorläufig explizit als „Erwerbsarbeit“ verstanden werden, das heißt als die Arbeit, die in der Hauptsache auf den Erwerb von Geldmitteln ausgerichtet ist. Es wird noch zu entscheiden sein, ob diese Definition ausreichend ist, um den gegenwärtigen Schwierigkeiten angemessen zu begegnen.

In dem Maße, wie zunehmend Neue Technologien zum Einsatz kommen, die ausführenden Arbeitskräfte immer weitergehend durch Maschinen ersetzt werden und die Arbeitslosigkeit steigt, steigt auch das Empfinden einer Krise der Arbeit. Diese zum Teil schon als globale Sinnkrise der industriekapitalistischen Gesellschaften empfundene Krise soll in dieser Arbeit überblicksartig beleuchtet werden. Dabei wird zum einen der Bedeutungshorizont der Arbeit für das gesamte Leben des arbeitenden Subjekts aufgezeigt. Von hier aus soll versucht werden, den Rahmen einer Krise der Arbeit und der Arbeitsgesellschaft abzustecken; wobei explizit gefragt werden soll, ob sich die gegenwärtigen industriekapitalistischen Gesellschaften überhaupt in einer solchen Krise der Arbeit befinden. Zum andern werden einige bisher diskutierte Lösungsansätze für die gegenwärtige Krise skizziert und es wird gefragt, ob sie dieser in adäquater Weise begegnen.

1.2 Historische Verortung

Im vorigen Abschnitt haben sich Formulierungen eingeschlichen, die, grob betrachtet, als Fehler gelten müssen. Da sie aber bewusst so gewählt wurden, seien die Widersprüche hier kurz erläutert und aufgelöst: Die bisher diskutierten Lösungsansätze, die hier dargestellt werden sollen, stammen aus den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts. Die Frage nach ihrer Relevanz für eine Lösung der gegenwärtigen Krise scheint zunächst anachronistisch. Aber obgleich sich die Krise, wie zu zeigen sein wird, kaum verändert, aber deutlich verschärft hat, haben sich die Lösungsversuche in ihren wesentlichen Aspekten kaum verändert, wohl aber erweitert. Zunächst wird versucht, die Dimensionen einer Krise vom individuellen Standpunkt aus zu betrachten. In einem zweiten Schritt soll ihre gesamtgesellschaftliche Weite abgeschätzt werden, bevor zwei unterschiedliche Lösungswege vorgestellt werden.

2. Die „Krise der Arbeit“ und der Arbeitsgesellschaft

2.1 Der Bedeutungsrahmen der Arbeit für die arbeitenden Subjekte

Um das Ausmaß einer „Krise der Arbeit“ feststellen zu können, sollen zunächst die konkreten Arbeitsrealitäten derjenigen betrachtet werden, die scheinbar von dieser „Krise“ nicht betroffen sind: derjenigen nämlich, die Arbeit haben.

Hier interessiert besonders die Frage nach einer übergeordneten Instanz, mit der das Verhältnis zwischen Arbeitsphäre und Privatsphäre des Arbeitenden angemessen erfasst werden kann. Dabei erweist sich die Zeit, ihre Verteilung auf Arbeit und Erholung in der Alltagsrealität des Einzelnen, als nützlicher Indikator zur annähernden Erfassung des Bedeutungsrahmens der Arbeit für das Individuum in post-tayloristischen Arbeitsorganisationen und deregulierten Beschäftigungsverhältnissen der Gegenwart.

In einem Paper der Querschnittsgruppe „Arbeit und Ökologie“ am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung beschreiben Günter Voß die Wandlungen der Anforderungen an den Einzelnen in Bezug auf seine Zeit-Einteilung. „Insbesondere neue flexible Arbeitszeitmodelle sowie neue räumliche Betriebsstrategien (neue Heimarbeit, Mobilarbeit, Satellitenbüros) lassen in verschiedenster Hinsicht die Grenzen zwischen betrieblich basierter `Arbeit` und privatem, heim- und familienbasiertem `Leben` unscharf werden“[3] Hervorhebung: Voß et al.]. Die Autoren sehen einen durch allgemeinen Wertewandel bedingten Trend zur immer stärkeren Forderung nach einer geringeren Trennung zwischen Arbeits- und Privatsphäre. Besonders betont werden die steigenden Anforderungen an den Einzelnen, das Verhältnis aktiv zu gestalten. So ist es bspw. bei den im Zitat genannten Tätigkeiten oft eine komplizierte Leistung, Privatbereich und Erwerbsarbeit räumlich und vor allem zeitlich zu organisieren und zueinander in Beziehung zu setzen. Neue Formen der Lebensführung sind die Folge. Als „strategische Lebensführung“[4] bezeichnen Voß et al. einen systematischen, zweckrational durchorganisierten Alltag, in dem nicht nur die Arbeitszeit sondern in steigendem Maße auch die Freizeit einem Zwang zur effizienten Nutzung unterworfen werden (bspw. die vermehrten Versuche, in möglichst kurzer Zeit möglichst viel Spaß zu haben oder eine möglichst weitgehende Erholung zu erreichen). Damit ergibt sich das Problem der Ökonomisierung nicht nur der Arbeitsphäre sondern auch der Privatsphäre. Die Autoren sprechen von einem Zwang zum „Selbstmanagement“.[5] Zu fragen wäre dann, inwieweit eine Ökonomisierung der interindividuellen Beziehungen auch in der Freizeit eintritt.

Neue Arbeitszeitmodelle versuchen, den gewachsenen Ansprüchen der Mitarbeiter (und der Unternehmen) an flexiblere Arbeitszeiten und geringerer Trennung von Arbeitssphäre und Privatsphäre Rechnung zu tragen. Es bleibt aber zu fragen, ob der Wunsch der Mitarbeiter nach Verwischung der Grenzen zwischen den Lebensbereichen nicht auch einen Versuch darstellt, der wachsenden Vereinnahmung der „ganzen Person“ des Mitarbeiters durch das Unternehmen entgegenzuwirken. Mit der Aufhebung der Trennung ist ja nicht nur ein Eindringen der Arbeitswelt in die Privatsphäre gegeben, sondern auch umgekehrt die Möglichkeit des Eindringens des Privaten in die Arbeitsphäre. Der Tatsache, dass die Mitarbeiter jedoch bei wachsenden Freiheiten in ihrer Arbeitszeitgestaltung eher dahin tendieren, ihre Arbeitszeit auf Kosten ihrer Privat-Zeit, zu verlängern, sollen Arbeitszeitverkürzungen und Umverteilung der Arbeit entgegenwirken. Diese Modelle sollen in Kapitel 3.1 näher betrachtet werden.

[...]


[1] Dahrendorf (1982, S. 25)

[2] Gorz (1998, S. 349)

[3] Voß (1999), S. 14

[4] ebda., S. 16

[5] ebda.

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Die "Krise der Arbeit" und Wege zu ihrer Überwindung
Hochschule
FernUniversität Hagen
Note
1,0
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V45505
ISBN (eBook)
9783638428972
ISBN (Buch)
9783638772877
Dateigröße
472 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Krise, Arbeit, Wege
Arbeit zitieren
Merle Rehberg (Autor), 2004, Die "Krise der Arbeit" und Wege zu ihrer Überwindung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/45505

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