Die Funktion der Träume im Rolandslied


Hausarbeit, 2016
13 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

Einleitung

1. Steinmeyers Traumkategorien

2. Analyse und Vergleich der Träume
2.1 Erster Traum
2.1.1 Kontext und Inhalt
2.1.2 Analyse: Lanzensymbolik, Warnungsfunktion
2.2 Zweiter Traum
2.2.1 Kontext und Inhalt
2.2.2 Analyse: Tierallegorie, Vorausdeutungsfunktion
2.3 Dritter Traum
2.3.1 Kontext und Inhalt
2.3.2 Analyse: Apokalyptische Bilder, Tierallegorie, Vorhersagefunktion

3. Die Funktionen der Träume

4. Fazit

5. Literaturverzeichnis

Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Funktion der Träume im mittelhochdeutschen Epos „Das Rolandslied des Pfaffen Konrad“. Das Rolandslied des Pfaffen Konrad wurde um 1170 verfasst und gehört zu der Gattung der Chanson de geste. Die Chanson de Roland von 1110, dem Bekanntesten der französischen Heldenepen, mag wohl die Vorlage für Konrad gewesen sein. Der Pfaffe Konrad nennt sich selbst den Übersetzer des Rolandliedes, der es vom Französischen in das Deutsche übersetze (V.9080f.).

Das Rolandslied erzählt, wie Kaiser Karl seit einigen Jahren erfolgreiche Kreuzzüge in Spanien führt, um die dortigen Heiden zum Christentum zu bekehren. Nur die Stadt Sarraguz, welche vom heidnischen König Marsilie beherrscht wird, ist noch nicht erobert. Weil Marsilie weiß, dass sein eigenes Heer nicht die geringste Chance gegen das Heer des Kaisers hätte, trickst er ihn mit einer List aus, indem er ihm ein Bekehrungswillen vorspielt. Genelun wird nun auf Vorschlag Rolands, dem Neffen des Kaisers, als Bote zu Marsilie geschickt. Aus einem gemeinsamen Rachewunsch verbünden sich die beiden mit dem Ziel Roland zu töten. Auf Geneluns Vorschlag hin, ernennt Karl Roland zum Statthalter von Spanien. Während die restliche Armee des Kaisers abzieht, greift Genelun mit der Unterstützung des heidnischen Königs das zurückgebliebene Heer von Roland an. Roland stirbt zusammen mit seinem Heer den Märtyrertod. Der Kaiser kehrt mit seinem Heer zurück und es beginnt ein unerbittlicher Kampf zwischen ihm und dem König aller Heiden, Paligan. Dieser stirbt jedoch am Ende und Genelun muss sich als Verräter vor dem Kaiser geschlagen geben. Er und seine Anhänger werden nach einem Prozess in Aachen hingerichtet.

Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den drei Träumen des Kaisers Karl. Dabei sollen die Funktion der Träume hinsichtlich ihres Zweckes und der Intention erörtert werden. Um die Träume des Kaisers genauer einordnen zu können, wird zunächst auf Steinmeyers Traumkategorien und Traumvor-stellungen eingegangen. Im zweiten Punkt werden nacheinander die Träume Karls hinsichtlich des Kontextes und des Inhalts betrachtet, während jeder Traum auch auf verschiedenen Ebenen analysiert wird. Danach wird vor allem ein Blick auf die Reaktionen Karls auf seine Träume geworfen, um ihre Funktion innerhalb des Epos zu klären.

Abschließend werden die Ergebnisse zu der untersuchten Fragestellung zusammen getragen und in einem Fazit beurteilt.

Als Hauptliteratur dient die Übersetzung des Rolandsliedes ins Neuhochdeutsche, die von Dieter Kartschoke vorgenommen wurde und im Jahre 2011 im Reclam Verlag erschien. Eine weitere Literatur ist das sehr aktuelle Werk „Mir troumt hinaht ein troum. Untersuchungen zur Erzählweise von Träumen in mittelhochdeutscher Epik von Benjamin van Well aus dem Jahr 2016.

1. Steinmeyers Traumkategorien

Nach Karl-Joseph Steinmeyer gibt es drei Traumkategorien im Mittelalter: der Traum, der von Gott gesandt und somit wahr ist, der trügerische Traum des Teufels und der auf physiologische Vorgänge basierte Traum. Der erste Traum ist nur ausgewählten Persönlichkeiten vorbehalten, die einen starken Glauben an Gott haben. Kaiser Karl, der christliche Herrscher, ist eindeutig solch eine Persönlichkeit, weswegen die erste Traumkategorie in dieser Arbeit auch relevant ist.1 Karl-Ernst Geith behauptet, dass die Botschaft Gottes im Traum entweder klar und deutlich offenbart oder verschlüsselt ist. Er sieht dabei die allegorische Verschlüsselung der Botschaft als ein Merkmal der mittel-alterlichen Träume.2 Nach Freytag versteht man unter Allegorie „eine Form von Bildlichkeit, die sich in der Regel durch die Koexistenz zweier Bedeutungen oder Bedeutungsebenen auszeichnet“.3 Als Vergleich: Beim Symbol dagegen wird der eigentliche Sinn des zeichenhaft stehenden Gegenstandes durch den symbolischen überlagert.4

2. Analyse und Vergleich der Träume

2.1 Erster Traum

2.1.1 Kontext und Inhalt

Dem ersten Traum (V. 3030-3047) geht die Verbrüderung zwischen dem König Marsilie und Genelun voraus. Mit einer List, durch die Marsilie einen Bekehrungswillen vorspielt und Roland zum Statthalter eingesetzt wird, gelingt es den beiden, dass der Kaiser Karl und sein Heer zurück nach Aachen reisen, während Roland mit seinem Eigenen in Spanien verweilt. Genelun sieht so sein Vorhaben, Roland zu töten, als ermöglicht. Karl beklagt sich daraufhin bei Genelun, dass er ihm Roland, seine rechte Hand und somit seinen Schutz nahm (V. 2973-2977). Der Kaiser betet daraufhin um Rolands Heil.

Nachdem Karl gebetet hatte, träumt er, er wäre mit vielen Fürsten, die ihm folgten, in porta Cesaris (V. 3031) . Er und Genelun halten jeweils das Ende eines scaft (V. 3035), neuhochdeutsch für Lanze, in den Händen. Genelun versucht Karl diese zu entreißen, doch sie zerbricht. Während Karl seine Hälfte noch in der Hand hält, bekommt es Genelun mit der Angst zu tun und wirft seine Hälfte gen Himmel, wo sie sich in Luft auflöst und niemand sie mehr sah. Der Kaiser wacht daraufhin unsamfte (V. 3047) auf.

2.1.2 Analyse: Lanzensymbolik, Warnungsfunktion

Die Forschung ist zu dem Schluss gekommen, dass der scaft der von Genelun zerbrochen wird, eindeutig auf Roland bezogen werden kann. Steinmeyer identifizierte die Lanze als eine „typische Stoß- und Angriffswaffe“ eines mittelalterlichen Ritters. Wie ein solcher wurde auch Roland in dem Epos dargestellt. Doch Steinmeyer bemerkte auch, dass die Lanze zwei Bedeutungen trage. Einmal die Zerstörung von Karls Militärkraft , aber auch den Tod Rolands. Er bezieht die Lanze direkt auf Roland, denn wenn man die Unterredung bei König Marsilie berücksichtigt, bei der Roland und sein Kampfesgeist als die Hauptverantwortlichen für die erfolgreichen Eroberungszüge des Kaisers gesehen werden, spricht Steinmeyer zurecht Roland dieselbe Funktion wie der Lanze zu.5 Geith fügte hier hinzu, das durch den Tod Rolands, die zerbrochene Lanze die Bedeutung der zerbrochenen Macht Karls bekommt.6 Zudem wurde die Lanze schon im 8. Jahrhundert als ein Herrschaftssymbol bezeugt und gilt als Hoheitszeichen im Mittelalter. In mittelalterlichen Traumbüchern gilt das Zerbrechen eines Stabes als ein unheilvolles Omen.7 Steinmeyer assoziiert das zerbrochene Teilstück der Lanze, die Genelun in den Himmel wirft, als Rolands Seele, die in den Himmel aufsteigt. Was der Leser schon weiß, aber im ersten Traum nochmal verdeutlicht oder sogar erneut aufgegriffen wird, ist die Tatsache, dass sich Geneluns Racheabsichten nicht gegen Karl richten.

Eine weitere Auffälligkeit ist Geneluns Angst. Er hat anscheinend nicht die Kraft oder die Macht Karl die Lanze komplett zu entreißen. Geith spricht daher Karl eine gewisse Überlegenheit zu.8 Der Leser erfährt nicht welchen Ausgang diese Geschichte nehmen wird. Aber er weiß sehr wohl, dass der Traum eindeutig auf Geneluns Verrat hindeutet. Denn das Offensichtlichste an diesem Traum ist, dass Genelun in keiner Tierallegorie versteckt ist, wie in den anderen beiden Träumen. Geneluns Auftreten in „propria persona“ scheint für Steinmeyer eine Erleichterung der Identifizierung des Trauminhaltes und Traumsinnes für den Leser zu sein.9 Damit zeigt sich die Funktion des ersten Traumes, nämlich die der Warnung. Nicht nur die konkrete Namensgebung und die Erscheinungsart Geneluns, auch die unmissverständliche Ortsangabe porta Cesaris zeigt dies deutlich. Denn als Karl mit Naimes über die Pyrenäen bei Size geht, erinnert er sich an seinen Traum und weiß was er zu bedeuten hatte.10

[...]


1 Vgl. Steinmeyer, Karl-Joseph: Untersuchungen zur allegorischen Bedeutung der Träume im altfranzösischen Rolandslied, München 1963, S. 11-12.

2 Vgl. Geith, Karl-Ernst: Die Träume im Rolandslied des Pfaffen Konrad und in Strickers Karl in: Träume im Mittelalter. Ikonologische Studien. Hrsg. von Agostino Paravicini Bagliani/Giorgio Stabile, Stuttgart 1989, S. 227 – 240.

3 Vgl. Freytag, Hartmut: Art. Allegorie in: Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen, hg. von Dieter Burdorf, Christoph Fasbender, Burkhard Moennighoff, 3., völlig neu bearb. Aufl., Stuttgart, Weimar 2007, S. 13-14.

4 Vgl. Jeßing, Benedikt: Art.“Symbol“, in: Metzler Lexikon Literatur. Begriffe und Definitionen, hg. von Dieter Burdorf, Christoph Fasbender, Burkhard Moennighoff, 3., völlig neu bearb. Aufl., Stuttgart, Weimar 200, S. 744.

5 Vgl. Steinmeyer 1963, S. 27-28.

6 Vgl. Geith 1989, S. 229.

7 Vgl. Van Well, Benjamin: Mir troumt hinath ein troum. Untersuchungen zur Erzählweise von Träumen in mittelhochdeutscher Epik, Göttingen 2016, S. 119.

8 Vgl. Geith 1989, S. 232.

9 Vgl. Steinmeyer 1963, S. 24.

10 Vgl. Ebd., S. 26.

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Funktion der Träume im Rolandslied
Hochschule
Universität Potsdam  (Institut für Germanistik)
Note
2,0
Autor
Jahr
2016
Seiten
13
Katalognummer
V455110
ISBN (eBook)
9783668860452
ISBN (Buch)
9783668860469
Sprache
Deutsch
Schlagworte
funktion, träume, rolandslied
Arbeit zitieren
Saskia Mewes (Autor), 2016, Die Funktion der Träume im Rolandslied, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455110

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