Die Frage, inwiefern die Stadt Kiel versucht dem beschriebenen „Platzflucht-Verhalten“ entgegenzuwirken, soll im Folgenden anhand der Beispiele Rathaus-, Asmus-Bremer- und Europaplatz analytisch untersucht und erörtert werden. Aktuell wird im Gestaltungsrahmen des Stadtbauamtes Kiel über eine Ausbildung der „Platztriangel“, die sich aus diesen Plätzen bildet, sowie über eine Optimierung dieser diskutiert.
„In jüngster Zeit ist eine nervöse Krankheit konstatiert worden: die ,Platzscheu’“, stellte Camillo Sitte bereits 1909 fest. Er beschreibt das Unbehagen, welches manche Menschen beim Betreten und Überqueren großer, leerer Plätze empfinden. Schon zu damaliger Zeit bemängelte er, dass sich das Leben zunehmend in geschlossenen Räumen abspiele und weniger auf der Straße, im öffentlichen Raum und eben auf Stadtplätzen.
Und heute? Den häufig menschenleeren Freiräumen vor Repräsentationsbauten nach zu urteilen hat auch uns die „Platzscheu“ erfasst. Man unterscheidet heutzutage zwischen mehreren Arten von Plätzen, welche für Märkte, zum Parken oder oft lediglich als Vorplätze wichtiger Bauten dienen und somit zur Abkürzung für Fußgänger werden, die von A nach B gelangen, aber sicher nicht auf einem solchen Präsentierteller auch noch verweilen möchten. Eine ständig wechselnde „Bespielung“ gibt es kaum noch. Marktsituationen müssen nicht mehr unmittelbar in den Stadtraum integriert sein, lieber werden diese in den Außenraum verlagert (Citti-Park) und dort dankend angenommen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitende Worte
2. Analyse der Stadtplätze und Erörterung der herausgearbeiteten Schwerpunkte
2.1 Rathausplatz
2.1.1 Raumanalyse
2.1.2 Verschiebung des Schwerpunkts?
2.2 Asmus-Bremer-Platz
2.2.1 Raumanalyse
2.2.2 Maritime Zeichen
2.3 Europaplatz
2.3.1 Raumanalyse
2.3.2 Gefäß der Möglichkeiten oder Einschränkung dieser?
2.3.4 Braucht Kiel also einen solch omnipotenten Platz gar nicht?
2.3.5 In Bewegung bleiben
3. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht städtebauliche Maßnahmen in der Stadt Kiel, wobei der Fokus auf dem Rathausplatz, dem Asmus-Bremer-Platz und dem Europaplatz liegt. Ziel der Analyse ist es, das "Platzflucht-Verhalten" der Passanten zu erforschen und zu erörtern, inwieweit die Gestaltung dieser Orte sowie deren maritime Ausprägung und Nutzungsmöglichkeiten die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum beeinflussen.
- Analyse der städtebaulichen Raumgestaltung und Architektur von Kieler Stadtplätzen.
- Untersuchung von Bewegungsstrukturen und dem Nutzungsverhalten von Passanten.
- Bewertung des maritimen Bezugs und der historischen Entwicklung der Plätze.
- Diskussion über das Spannungsfeld zwischen funktionalem Raum und Aufenthaltsqualität.
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Raumanalyse
Der Platz vor dem alten Rathaus ist in seiner Grundfläche rechteckig angelegt und in Richtung Kleiner Kiel offen. Das Rathaus nimmt die gesamte Kopfseite (Süd-West-Seite) ein. Mit Blick auf die, dem Platz zugewandte, Schauseite des Rathauses liegt rechterhand die Kieler Oper und links das Ahlmannhaus. Diese drei Gebäude umschließen den Rathausplatz an drei Seiten und begrenzen ihn somit räumlich. Ahlmann- und Opernhaus sind nicht direkt an das Rathaus angegliedert, zwischen ihnen befindet sich die Straße Fleethörn. An der Seite des Ahlmannhauses verläuft eine weitere Straße, in die Fleethörn mündend. Zum Kleinen Kiel steigt die Bodenfläche um sechs Stufen an (sehr breit, eher Ebenen) und ist dadurch klar von der Rathausstraße abgegrenzt.
Das Verhältnis von Platzgröße und umliegender Bebauung wirkt ausgewogen. Insgesamt ist der Platz gut überschaubar. Zwar unterscheidet sich das Rathausgebäude in der Größe seines Grundkörpers nicht wesentlich von den anderen Platzanwärtern, dennoch beherrscht es klar den Raum. Durch seine Positionierung und den heraus stechenden Rathausturm wird seine Autorität unterstrichen. Man spricht somit von einem dominierten / orientierten Platz.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitende Worte: Einführung in die historische Problematik der "Platzscheu" und Vorstellung der Forschungsabsicht bezüglich der Kieler "Platztriangel".
2. Analyse der Stadtplätze und Erörterung der herausgearbeiteten Schwerpunkte: Detaillierte Untersuchung der drei ausgewählten Plätze hinsichtlich ihrer architektonischen Gestaltung und funktionalen Nutzung.
2.1 Rathausplatz: Analyse der Raumwirkung und der Dominanz des Rathauses sowie der Nutzung als Repräsentationsfläche.
2.1.1 Raumanalyse: Beschreibung der baulichen Umschließung und der räumlichen Proportionen des Platzes vor dem alten Rathaus.
2.1.2 Verschiebung des Schwerpunkts?: Untersuchung, wie Umgestaltungsmaßnahmen den Fokus der Platznutzung verändert haben.
2.2 Asmus-Bremer-Platz: Betrachtung des kleineren, stärker in den Stadtraum integrierten Platzes und seiner Umbauung.
2.2.1 Raumanalyse: Untersuchung der Raumsituation, der Schattenlage und der baulichen Eingrenzung.
2.2.2 Maritime Zeichen: Diskussion über die Einbindung maritimer Elemente und die symbolische Bedeutung des Bezugs zum Wasser.
2.3 Europaplatz: Analyse der Funktion als Verbindungsraum zwischen Einkaufstraße und Ostseehalle.
2.3.1 Raumanalyse: Untersuchung der heterogenen baulichen Struktur und der problematischen Raumwahrnehmung.
2.3.2 Gefäß der Möglichkeiten oder Einschränkung dieser?: Kritische Hinterfragung der Platzdefinition und der durch die Gestaltung vorgegebenen Nutzungsmöglichkeiten.
2.3.4 Braucht Kiel also einen solch omnipotenten Platz gar nicht?: Reflexion über die Konkurrenz von städtischen Plätzen zu Grünanlagen wie dem Schrevenpark.
2.3.5 In Bewegung bleiben: Analyse der Rolle des Platzes als Transitraum und des Nutzerverhaltens in Bezug auf Beobachtung und Schutz.
3. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Flexibilität und der strukturellen Probleme der Kieler Stadtplätze.
Schlüsselwörter
Stadtplätze, Kiel, Raumstrategien, Stadtplanung, Raumanalyse, Öffentlicher Raum, Städtebau, Aufenthaltsqualität, Platzflucht, Architektur, Maritime Gestaltung, Passanten, Nutzungsverhalten, Städtebauliche Maßnahmen, Kommunikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Bachelor-Thesis untersucht die städtebauliche Qualität und Nutzung der Kieler Plätze Rathausplatz, Asmus-Bremer-Platz und Europaplatz.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der architektonischen Raumanalyse, der Bedeutung maritimer Gestaltungselemente und der Untersuchung des Verhaltens von Passanten im öffentlichen Raum.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist es, zu ergründen, warum die genannten Plätze in Kiel weniger zum Verweilen einladen und wie sich städtebauliche Gestaltung auf das "Platzflucht-Verhalten" auswirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine analytische Untersuchung und Erörterung vor Ort, ergänzt durch städtebauliche Theorie und architektonische Analysen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Raumanalyse jedes einzelnen Platzes, der Hinterfragung ihrer Funktionen und einem Vergleich mit erfolgreichen Erholungsräumen wie dem Schrevenpark.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Stadtplätze, Kiel, Raumanalyse, Städtebau, Öffentlicher Raum und Aufenthaltsqualität.
Was macht den Rathausplatz zu einem "dominierten" Platz?
Die Autorin führt dies auf die Positionierung und Dominanz des Rathausturms sowie die bewusste architektonische Einrahmung zurück, die den Platz als Repräsentationsfläche definiert.
Warum fungiert der Europaplatz primär als Transitraum?
Aufgrund seiner Überladenheit, der fehlenden klaren Raumdefinition und der Ausrichtung auf konsumorientierte Tätigkeiten dient er eher der schnellen Durchquerung als dem Verweilen.
Welche Rolle spielen "maritime Zeichen" in der Stadtgestaltung?
Sie sollen die Verbundenheit der Stadt Kiel mit dem Wasser (Förde, Hafen) betonen und die Unverwechselbarkeit des Stadtbildes nach dem Krieg unterstreichen.
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- Friederike Gloy (Author), 2010, Stadtplätze. Kommunikationspunkte des öffentlichen Lebens, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455114