Die Abdankung Kaiser Diokletians im Spiegel zeitgenössischer Quellen. Einblicke in die spätantike Geschichtsschreibung


Hausarbeit, 2012
11 Seiten, Note: 2,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Vergleich der historischen Autoren
2.1 Aurelius Victor
2.2 Eutrop.
2.3 Orosius
2.4 Zosimos

3 Zusammenfassung des Vergleichs

4 Fazit

5 Quellen-und Literaturverzeichnis

1 Einleitung

Im Jahr 284 n.Chr. erhoben Offiziere Diokletian zum Kaiser des römischen Reiches. Diokletians größtes und wichtigstes Anliegen war es, sich vor Usurpatoren zu schützen und seine Herrschaft zu festigen. Zur Verwirklichung dieser Ziele führte er eine Mehrkaiserherrschaft ein.

285 n.Chr. beförderte Diokletian Maximianus zum Caesar und kurze Zeit später zum Augustus, einem gleichberechtigten Mitkaiser. Um neue kriegerische Aufgaben und das Bedürfnis nach Kaisernähe zu erfüllen, erweiterte Diokletian die Zweizahl der Kaiser, zu einer Viererherrschaft, der Tetrarchie.1 Er erhob Galerius und Constantius zu untergeordneten Mitkaisern, den Caesares, die jeweils von einem der Augusti adoptiert wurden. Dadurch waren sie zugleich designierte Nachfolger.2

Für beiden Augusti wurde eine Abstammung von Jupiter und Hercules konstruiert, so dass sie „gottgezeugt“ waren. Die Augusti hatten ebenfalls Götter hervorgebracht, ihre zu Söhnen adoptierten Caesaren.3 „Damit war eine sakral abgesicherte, staatsrechtliche Abgrenzung der kaiserlichen Herrschaft gegenüber dem Zugriff von Familienmitgliedern geschaffen, eine ideologische Zentralisierung der kaiserlichen Gewalt, auch eine Exklusivität der vier Herrscher im Hinblick auf eine ganz besondere Beziehung zu jenen Göttern“.4

Als Diokletian zusammen mit Maximianus 305 n.Chr. sein Amt aufgab, erhoben sie die bisherigen Caesaren Galerius und Constantius zu Ausgusti und beriefen zwei neue Caesaren. Constantius erhielt Severus, Galerius Maximinus als unterstellten Caesares.

Diese Hausarbeit befasst sich mit dem Abdankung Diokletians und wird die Ansichten von vier spätantiken Geschichtsschreibern und Historikern zu diesem Vorgang analysieren, sowie Gründe für deren Bewertungen liefern. Dabei handelt es sich um Aurelius Victor, Eutrop, Orosius und Zosimos. Hierbei soll der Schwerpunkt vor allem darauf liegen, wie die Autoren die Abdankung beurteilen und welche Gründe sie anführen. Im abschließenden Teil werden die Sichtweisen der vier Autoren zusammengetragen und miteinander verglichen.

2 Vergleich der historischen Autoren

Die Abdankung Diokletians und Maximianus und der damit verbundene Aufstieg der Caesares zu Ausgusti, sowie die Ernennung von zwei neuen Caesares, bilden den Übergang von der ersten zur zweiten Tetrarchie.

Die freiwillige Abdankung Diokletians und der damit verbundene Verzicht auf Macht sind einmalig im tetrarchischen System. Sogar als seine Nachfolger ihn auf der Kaiserkonferenz in Carnuntum 308 baten, wieder zu regieren, blieb er standhaft in seinem Entschluss.5

Schon bei der Ernennung Constantius zum Caesar am 01. März 293 erwartete Diokletians, dass die Caesares nach zehn Jahren selbst in den Rang der Augusti aufsteigen und diese beerben.6

2.1 Aurelius Victor

Aurelius Victor wurde um 320 geboren und stammte aus einer nordafrikanischen Provinz des römischen Reiches. Trotz bäuerlicher und ärmlicher Herkunft erhielt er eine sehr gute Ausbildung. Er verdankte seine spätere Karriere den Studien, die ihn 337 n.Chr. nach Rom führten, wo er vermutlich zu einem Juristen ausgebildet wurde.7 Er war Heide, weshalb er vom nicht-christlichen Kaiser Julian gefördert wurde.8 Als Julian starb, verlor Aurelius Victor 365 sein Amt als Statthalter der Provinz Pannonia Secunda. 389 n.Chr. wurde er von Kaiser Theodosius I. zum Stadtpräfekten von Rom ernannt.9

Aurelius Victor verfasste 360/361 n.Chr. das Werk „Historiae abbreviatae“, welches ebenfalls als „Liber de Caesaribus“ oder „Caesares“ bekannt ist. Es ist die einzige erhaltene Schrift von ihm. Darin kritisierte er die Zustände der späten Kaiserzeit von Augustus 337 n.Chr. bis Constantius II. 361 n.Chr. und stellte die verschiedenen Kaiser vor. Besonders zu beachten ist, dass er die beschriebenen Persönlichkeiten vor allem nach ihrem Bildungsstand beurteilte. Außerdem zeigte er seine Ablehnung gegenüber einer militärischen Übermacht und lässt die Rolle des Christentums und der Kirche unberücksichtigt. Sein Werk schrieb er in einem klassizistischen, sehr anspruchsvollen Latein.

Fälschlicherweise wird des Öfteren angenommen, auch die „Origo Gentis Romanae, OGR“ und die „De viris illustribus, DVI“ seien von Aurelius Victor verfasst worden. Daher werden beide Werke als Pseudo-Aurelius Victor bezeichnet. Dies ist jedoch nicht richtig, da die OGR lediglich zusammen mit einer Sammlung der DVI und Aurelius Victors „Historiae abbreviatae“ überliefert wurde.10

Aurelius Victor berichtet, Diokletian habe sich wie einen Gott verehren und ebenso behandeln lassen.11 So gab er sich nach seiner Machtergreifung den Beinamen Iovius und stellt sich damit als Nachkomme eines Gottes dar.12 Die besondere Stellung Diokletians innerhalb des tetrarchischen Systems, „nach dessen Willen alles geschah“, kann sich Aurelius Victor nicht erklären.13 Ein möglicher Grund könnten die Regelungen innerer Angelegenheiten sein, die durch möglichst gerechte Vorschriften das Streben nach guten Sitten steigerten.14 Weiterhin war es ein Anliegen, den ältesten Kulten in „größter Reinheit Pflege angedeihen“ zu lassen.15

Aurelius Victor ist der Auffassung, dass Diokletian es vermied, Probleme offen anzusprechen, da dies „die Ruhe der Teilhaberschaft stören könnte.“ Dies mag ein zusätzlicher Grund für seine Abdankung gewesen sein. Aurelius Victors lobt Diokletian, da es „von einem herausragenden Charakter zeugt, wenn man seinen Ehrgeiz hinten anstellt und wieder ins gewöhnliche Dasein hinabsteigt.“ Weiterhin erfuhr Diokletian, als „Erforscher des Bevorstehenden“, dass „schicksalsverhängte innere Niederlagen und ein gleichzeitiges „Krachen des römischen Reiches“ drohten. Nachdem er Maximianus ebenfalls zu einem Rücktritt überreden konnte, trat Diokletian nach seinem zwanzigjährigen Herrschaftsjubiläum zurück.16

2.2 Eutrop

Über das Leben des Historikers Eutrop ist nur wenig überliefert. Er lebte um die Mitte des 4. Jahrhunderts und wird als „Gelehrter mit römischer Zunge“ bezeichnet. Neben seinem Hauptwerk, Breviarium ab urbe condita, verfasste Eutrop „auch anderes“, ohne das dies näher beschrieben wird. Nikephoras Gregoras überliefert, dass Eutrop Heide war. Unter Kaiser Valens war er mit dem Amt des „magister memoriae“ betraut und entsprach dem „Sekretariat ders Kaisers“.17

Aus der Widmung des Breviariums geht hervor, dass Eutrop es im Auftrag des Kaiser Valens verfasst hat, da dieser sich über die Historie des römischen Reiches informieren wollte.18

Das Breviarium ab urbe condita geht von der Stadtgründung durch Romulus bis zum Regierungsantritt Valens und umfasst somit 1118 Jahre römischer Geschichte. Verteilt auf zehn Bücher werden darin fast ausschließlich die römischen Kriege aufgeführt.19

Eutrop beschreibt Diokletian als von schlauer Art, als scharfsinnigen und feinsinnigen Geist. Diese Charakterisierung würde erklären, dass Diokletian im fortschreitenden Alter die Lenkung der Staatsangelegenheiten abgegeben möchte, da er sich selbst dafür nicht mehr hinreichend befähigt sieht. Diokletian befiehlt Maximianus ebenfalls, sich ins Privatleben zurückzuziehen, was dieser nur widerwillig befolgt. Am 01. Mai 305 treten die beiden Caesares zurück und Diokletian lebte fortan in seiner Villa bei Salonae. Zwei Jahre zuvor gab es einen prunkvollen Triumphzug in Rom, um die Caesares zu verabschieden.20

Nach seinem Rückzug ins Privatleben war Diokletian ein hochangesehener Mann, da er als Einziger seit Gründung des römischen Reiches von seinem hohen Amt abtrat und aus freien Stücken wieder den Stand eines Bürgers annahm. So wurde er auch zu den Vergöttlichten gezählt, obwohl er als Privatmann starb.21

2.3 Orosius

Paulus Orosius war ein spätantiker Historiker und christlicher Theologe, der aus Braga stammte.22 Als Christ nimmt er unter den erwähnten Geschichtsschreibern eine Sonderstellung ein.23

Seine Schriften verfasste Orosius in einem sehr persönlichen Stil, indem er auf sein eigenes Schicksal eingeht und sich mit Spanien, Rom und den Christen identifiziert.24

Orosius Hauptwerk sind die 416-417/8 geschriebenen sieben Bände „Historiae adversum paganos“, die „Geschichte gegen die Heiden“. Veranlasst wurde er von Augustin, um dessen Werk „De civitate Dei“ mit historischen Argumenten zu unterstützen und durch einen Geschichtsüberblick zu ergänzen.25 Die „Historiae“ gelten als erste geschlossene, christliche Weltgeschichte.26

Die von Orosius verwendeten Quellen gibt er sinngemäß wieder. Wie jeder Autor eines historischen Werkes versucht er objektiv vorzugehen. Betrachtet man aber die Intention seines Werkes, so spricht sie gegen eine allzu objektive Haltung. Die Quellenfrage ist zudem heftig umstritten.27

Orosius schildert, dass Diokletian im zweiten Jahr der Christenverfolgung die gemeinsame Amtsniederlegung befiehlt, während sein Mitregent Maximianus sich dagegen sträubt. Die Regelung des tetrarchischen Systems sah eine Einsetzung von Jüngeren vor. Galerius und Constantius stiegen in den Rang der Augusti auf, danach benannte Galerius zwei neue Caesares. Maximinus und Severus.28

[...]


1 Vgl. Bellen: Grundzüge, S. 247.

2 Vgl. Demandt: Geschichte, S. 30f.

3 Vgl. Kolb: Praesens Deus, S. 30f.

4 Vgl. ebd., S .31.

5 Vgl. Demandt: Diokletian, S. 8.

6 Vgl. Bellen: Grundzüge, S. 248.

7 Vgl. Demandt: Geschichte, S. 328.

8 Vgl. ebd., S. 397.

9 Vgl. ebd., S. 328.

10 Vgl. Sehlmeyer: Origo Gentis Romanae, S. 15.

11 Vgl. Kolb: Praesens Deus, S. 29.

12 Vgl. ebd., S. 30.

13 Vgl. Aur. Vict., Caes. 39,36.

14 Vgl. ebd., 39,44f.

15 Vgl. ebd., 39,44f.

16 Vgl. ebd., 39,46 – 39,48.

17 Vgl. Müller: Eutropii, S. 1-3.

18 Vgl. ebd., S. 3.

19 Vgl. ebd., S. 5.

20 Vgl. Eutr. IX 26-27.

21 Vgl. ebd., IX 28.

22 Vgl. Goetz: Geschichtstheologie, S. 9.

23 Vgl. Demandt, Geschichte, S. 11.

24 Vgl. Goetz: Geschichtstheologie, S. 15.

25 Vgl. ebd., S. 11.

26 Vgl. ebd., S. 12.

27 Vgl. ebd., S. 25.

28 Vgl. Oros. VII 25,14f.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Die Abdankung Kaiser Diokletians im Spiegel zeitgenössischer Quellen. Einblicke in die spätantike Geschichtsschreibung
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,3
Autor
Jahr
2012
Seiten
11
Katalognummer
V455237
ISBN (eBook)
9783668883895
ISBN (Buch)
9783668883901
Sprache
Deutsch
Schlagworte
abdankung, kaiser, diokletians, spiegel, quellen, einblicke, geschichtsschreibung
Arbeit zitieren
Clemens Wandke (Autor), 2012, Die Abdankung Kaiser Diokletians im Spiegel zeitgenössischer Quellen. Einblicke in die spätantike Geschichtsschreibung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455237

Kommentare

  • Noch keine Kommentare.
Im eBook lesen
Titel: Die Abdankung Kaiser Diokletians im Spiegel zeitgenössischer Quellen. Einblicke in die spätantike Geschichtsschreibung


Ihre Arbeit hochladen

Ihre Hausarbeit / Abschlussarbeit:

- Publikation als eBook und Buch
- Hohes Honorar auf die Verkäufe
- Für Sie komplett kostenlos – mit ISBN
- Es dauert nur 5 Minuten
- Jede Arbeit findet Leser

Kostenlos Autor werden