Bewertung der Mainzer Republik aus Sicht der Bevölkerung


Hausarbeit, 2013
11 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Politische und kulturelle Bedeutung von Mainz im 18.Jh.

3. Französische Besatzungspolitik in Mainz

4. Reaktionen der Bevölkerung

5. Fazit

Quellen- und Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der Nacht zum 21.Oktober 1792 unterzeichnete der Mainzer Kriegsrat aufgrund der feindlichen Übermacht die Kapitulationserklärung und übergab die Stadt nahezu kampflos an die Franzosen. Den Kapitulationsbestimmungen nach wurde den noch in Mainz verbliebenen Politikern, Generälen sowie den deutschen Truppen gewährt, die Stadt zu verlassen. Die Kapitulation und die damit einhergehende Besetzung durch die Franzosen datieren den Beginn der Mainzer Republik.1

Franz Dumont vertritt die Auffassung, dass nicht nur die Verhältnisse des Ancien Régime für die Entstehung der Mainzer Republik verantwortlich waren. Viel mehr haben die Einflüsse der Französischen Revolution auf die Innen- und Außenpolitik der rheinischen Kleinstaaten, das Vordringen des ersten Koalitionskrieges in die Mainzer Region und die Befreiungspolitik der Franzosen die Entwicklung der Mainzer Republik herbeigeführt.2

Die vorliegende Hausarbeit geht nicht näher auf die Ereignisse ein, die für die Gründung der Mainzer Republik verantwortlich sind. Vielmehr sollen die Reaktionen der deutschen Bevölkerung auf die französische Besatzungspolitik in den Mittelpunkt gerückt werden. Hier soll der Frage nachgegangen werden, ob die gesellschaftlichen und politischen Veränderungen von den Mainzer Bürgern als eine aufgebürdete Fremdherrschaft oder als eine Befreiung aus dem vormals herrschenden aufgeklärten Absolutismus verstanden wurden.

Zu Beginn soll zunächst die politische und kulturelle Bedeutung der Stadt Mainz im 18. Jahrhundert geschildert werden. Hierdurch soll im späteren Verlauf der Arbeit deutlicher werden, warum die Bürger ihre jeweilige Meinung über die Besatzung(-spolitik) der Franzosen gebildet haben.

Die Besatzungspolitik der Franzosen steht in Kapitel drei im Zentrum der Betrachtung. Durch die französische Übernahme von Mainz trafen zwei verschiedene Systeme aufeinander, sodass in Paris festgelegt wurde, wie die besetzten Gebiete verwaltet werden sollten.

Anschließend werden die Reaktionen der Mainzer Bevölkerung betrachtet. Standen sie den Maßnahmen der Franzosen kritisch gegenüber oder befürworteten und unterstützten sie die Besatzungspolitik?

Im Fazit werden die zuvor erhaltenen Ergebnisse mit Hinblick auf den Untersuchungsschwerpunkt dieser Arbeit zusammengefasst. Es soll abschließend geklärt werden, ob die Mainzer Bevölkerung die Besatzung der Franzosen und deren Politik als aufgezwungene Fremdherrschaft oder als eine Befreiung aus dem alten System beurteilt haben.

Die Quellenlage über die Mainzer Republik ist überaus umfangreich. In dieser Arbeit wurden besonders Werke von Franz Dumont berücksichtigt, da seine Arbeiten am umfangreichsten und detailliertesten sind. Er berücksichtigt neben Protokollen des Mainzer Jakobinerklubs auch gegenrevolutionäre Quellen, die für das Thema dieser Hausarbeit nötig sind.3

2. Politische und kulturelle Bedeutung von Mainz im 18.Jh.

Im ausgehenden 18. Jahrhundert eine beträchtliche politische und kulturelle Bedeutung. Zwei Bezeichnungen, die diese Stellung der kurfürstlichen Stadt unterstreichen sind „Rheinisches Athen“ und „Nabel der aristokratischen Welt“.4

Mainz erfüllte mehrere Funktionen, wodurch die Stadt eine führende Rolle im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation einnahm. Sie war nicht nur kurfürstliche Residenz- und Hauptstadt, sondern auch Sitz des Erzbischofs, Universitätsstadt und verfügte über eine Befestigungsanlage.5

Zu dieser Zeit lebten 25.000 bis 30.000 Einwohner in Mainz, und die Stadt gehörte zu den großen und vermögenden Reichsstädten. Aus wirtschaftlicher Sicht betrachtet stand Mainz jedoch im Schatten der nahegelegenen Messestadt Frankfurt. Der herrschende Kurfürst, Karl Joseph von Erthtal, investierte viel in Luxus und repräsentative Bauten und Lebensstil. Gleichermaßen förderte er aber auch in seiner Amtszeit den Handel, Handwerk und Gewerbe wie auch Kunst und Wissenschaft. Er verfolgte eine Toleranzpolitik zum Wohle der Juden und Protestanten, wodurch ihnen besonderer Schutz zu Teil wurde.6

Die Gesellschaft war zum größten Teil noch feudal, ständisch und aristokratisch, wobei schon eine gewisse Abschwächung festzustellen war. So waren zwar dreiviertel der Bevölkerung noch unter der Grundherrschaft, doch diese hatte ihren personalen Charakter verloren. Ähnlich verhielt es sich mit den Zünften, welche die erwerbstätige Bevölkerung in den Städten als ihre Mitglieder zählte. Durch staatliche Eingriffe und die neuen Aufstiegsmöglichkeiten für nichtzünftige Berufsgruppen hatten die Zünfte erheblich an Macht eingebüßt.7

Zusammenfassend kann man sagen, dass die gesellschaftliche Zusammensetzung in Mainz der für das 18. Jahrhundert typischen in großen Teilen glich. Darüber hinaus zog Mainz als Residenzstadt Zuwanderer aus allen Schichten an, da sie sich dort ein besseres Einkommen erhofften. Die ansässige Bevölkerung, die besonders an ihrer katholischen Tradition festhielt, machte den Großteil der Bevölkerung aus. Ein verhältnismäßig kleiner Überbau von Ortsfremden war in leitenden Funktionen in der Stadtverwaltung, des Erzstifts, an der Universität oder am Hof beschäftigt. Sie konnten sich jedoch nicht mit der Stadt identifizieren, sodass niemand aus der städtischen Oberschicht die die Belange der Bürger vertrat. Ein sozialer Aufstieg war durch ein Universitätsstudium oder eine Karriere als Geistlicher möglich, die Wahrscheinlichkeit dies zu erreichen war aber gering. So fand sich der Großteil der Mainzer Einwohner mit ihrer vorgegebenen Rolle im Ständesystem ab und erachtete es als gottgegeben.8

3. Französische Besatzungspolitik in Mainz

Die Grundlagen für Frankreichs Besatzungspolitik wurden bereits vor 1792 in den ersten drei Jahren der Revolution festgelegt. Durch den Eroberungsverzicht vom 22.Mai 1790 war es Frankreich verboten, eine militärische Expansion zu betreiben, jedoch durften sie Krieg führen, wenn es der Verteidigung des Vaterlandes zu Gute kam. Von gleicher Bedeutung war das Selbstbestimmungsrecht aller Völker. Darin wurde die Entscheidung über die staatliche Zugehörigkeit und die politisch-soziale Ordnung eines eroberten Terrains in die Hände seiner Bewohner gelegt.9

Eine nicht unwesentliche Rolle der französischen Besatzungspolitik spielte neben dem Pazifismus und der propagierten nationalen Selbstbestimmung die Französische Revolution samt ihrer Errungenschaften, die für allen Völkern zugänglich gemacht werden sollte. Dieser Befreiungsdrang konnte auf zwei unterschiedliche Weisen umgesetzt werden: zum einen mit einer Revolution nach französischem Vorbild und seiner Propaganda in den Nachbarländern. Zum anderen mit militärischen Mitteln, indem sich der Export der revolutionären Ideen in den besetzten Gebieten durchsetzte.10

General Custine ließ in Mainz zunächst eine herkömmliche Besatzungsherrschaft errichten. Bereits bestehende Behörden blieben erhalten, auch wenn sie nun mit „Im Namen der Frankenrepublik“ urkundeten. Auch die Besitz- und Rechtsverhältnisse blieben zunächst unangetastet.11 Die Franzosen legten besonders Wert darauf nicht als Eroberer oder Unterdrücker aufzutreten, sondern sie stellten sich vielmehr als Befreier der vormals rechtlosen Bevölkerung dar.12

Daher erließ General Custine am 23. Oktober 1792 eine Proklamation, die eine Schlüsselrolle für frühe französische Besatzungspolitik im Revolutionszeitalter werden sollte. In dem „Aufruf an das gedrückte Volk deutscher Nation“ wurde den Mainzern eine freie Wahl ihrer zukünftigen Regierung zugesagt. Die Anerkennung des „eigene, ungezwungene Wille“ der Besetzten war die logische Konsequenz des Selbstbestimmungsrechts.13 Weiter heißt es:“Selbst dann, wenn ihr die Sklaverei den Wohltaten vorziehen werdet, mit denen die Freiheit euch winkt, bleibt es euch überlassen zu bestimmen, welcher Despot euch eure Fesseln zurückgeben soll.“14 Custine stellte die Freiheit der politischen Entscheidung über deren Ergebnis.15

Einen Widerspruch, der sich bei näherer Betrachtung als ausgeklügelter Schachzug erweist, stellt die Verbindung von Besatzungsherrschaft und Revolutionierung dar. Auf der einen Seite überließ es Custine der besetzten Bevölkerung, ihre Regierungsform frei zu wählen. Andererseits verfolgte er das Ziel, die Revolution nach Deutschland zu bringen und auch dort die demokratischen Ideologien zu verbreiten.16

[...]


1 Vgl.: Dumont, F. (1993): Die Mainzer Republik von 1792/93). Studien zur Revoltierung in Rheinhessen und der Pfalz. Alzey. S. 58 – 60.

2 Vgl. ebd. S. 39.

3 Vgl. Berkessel, H. (1993): Rund um den Freiheitsbaum: 200 Jahre Mainzer Republik. Mainz. S. 15.

4 Vgl. Hartmann, Jörg: Die Mainzer Republik. Die politische und kulturelle Bedeutung der Stadt Mainz im ausgehenden 18. Jahrhundert. URL: http://www.mainz.de/WGAPublisher/online/html/default/mkuz-5t3hvj.de.html (Aufruf am 19.02.2013).

5 Vgl. ebd.

6 Vgl. ebd.

7 Vgl. Dumont: Die Mainzer Republik. S. 19.

8 Vgl. Rödel, W. G. (o.J.): Gesellschaftliche Gliederung in Mainz in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. In: Peckhaus, D. M. (u.a.) (1993): Die Mainzer Republik. Der Rheinische-deutsche Nationalkonvent. Mainz. S. 71.

9 Vgl. Dumont, F. (o.J.): Befreiung oder Fremdherrschaft? Zur französischen Besatzungspolitik am Rhein im Zeitalter der Revolution. In: Hüttenberger, P. (u.a.) (Hrsg.) (1989): Franzosen und Deutsche am Rhein 1789-1918-1945. Essen. S. 92.

10 Vgl. ebd. S. 92-93.

11 Vgl. ebd. S. 94.

12 Vgl. Hartmann: Mainzer Republik.

13 Vgl. Dumont: Befreiung. S. 94.

14 Vgl. Scheel, H. (1975): Die Mainzer Republik. Berlin. S. 55f.

15 Vgl. Dumont:Die Mainzer Republik. S. 99.

16 Vgl. ebd. S. 66.

Ende der Leseprobe aus 11 Seiten

Details

Titel
Bewertung der Mainzer Republik aus Sicht der Bevölkerung
Hochschule
Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Note
2,7
Autor
Jahr
2013
Seiten
11
Katalognummer
V455240
ISBN (eBook)
9783668860193
ISBN (Buch)
9783668860209
Sprache
Deutsch
Schlagworte
bewertung, mainzer, republik, sicht, bevölkerung
Arbeit zitieren
Clemens Wandke (Autor), 2013, Bewertung der Mainzer Republik aus Sicht der Bevölkerung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455240

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