Liquiditätscontrolling und Risikomanagement in Banken

Parametrisierung zur Risikofrüherkennung und Notfallmaßnahmenmodellierung


Bachelor Thesis, 2018
84 Pages, Grade: 2,1

Excerpt

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

Symbolverzeichnis

1 Einleitung

2 Liquiditätsrisiken

2.1 Originäre Liquiditätsrisiken
2.1.1 Refinanzierungsrisiko
2.1.2 Terminrisiko
2.1.3 Abrufrisiko
2.2 Derivative Liquiditätsrisiken
2.2.1 Kreditrisiko
2.2.2 Zinsänderungsrisiko
2.2.3 Marktpreisrisiko
2.2.4 Operationelles Risiko

3 Aufsichtsrechtliche Kennzahlen

3.1 Liquiditätsverordnung (LiqV)
3.1.1 Aufbau und Struktur
3.1.2 Angemessenheit und Grenzen
3.2 Liquidity Coverage Ratio (LCR)
3.2.1 Aufbau und Struktur
3.2.2 Angemessenheit und Grenzen
3.3 Net Stable Funding Ratio (NSFR)
3.2.1 Aufbau und Struktur 26
3.2.2 Angemessenheit und Grenzen

4 Internes Liquiditätscontrolling

4.1 Anforderungen und Aufbau
4.1.1 Liquidiätsablaufbilanz
4.1.2 Notfallmaßnahmen
4.2 Kritik
4.2.1 Problematik der Modellierung der Liquiditätsablaufbilanz
4.2.2 Schwierigkeiten der Erstellung von Notfallmaßnahmen
4.3 Lösungsansätze und Implementierung
4.3.1 Implementierung und Modellierung Liquiditätsablaufbilanz
4.3.2 Implementierung und Parametrisierung Notfallmaßnahmen

5 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

Internetquellen

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1 Derivative und originäre Liquiditätsrisiken

Abb. 2 Kreditrisiko (Bonität und Ausfall)

Abb. 3 Kategorisierung von Zahlungsströmen hinsichtlich zeitlicher und betraglicher Unsicherheit

Abb. 4 Liquiditätsablaufbilanz (Gap-Betrachtung) mit Schwankungsbreite

Abb. 5 Liquiditäts-Assetklassen nach Laufzeiten

Abb. 6 Histogramm Kundengruppen (Beispiel)

Abb. 7 EURIBOR/EONIA (Spread)

Abb. 8 Relativer Einlagenabfluss nach Kritikalität

Abb. 9 Stakeholdergruppen

Tabellenverzeichnis

Tab. 1 Beispielbilanz Terminrisiko (vereinfacht)

Tab. 2 Reagibilität Marktwert (Bilanzstruktur)

Tab. 3 Liquiditätskennzahl (verschiedene Laufzeitbänder)

Abkürzungsverzeichnis

ABS Asset Backed Securities

BIZ Bank für Internationalen Zahlungsausgleich

CRD IV Capital Requirements Directive IV

CRR Capital Requirements Regulation

delVO Delegierte Verordnung

EBA European Banking Authority

EMIR European Market Infrastructure Regulation

EONIA Euro Overnight Index Average

EU Europäische Union

EURIBOR Euro Interbank Offered Rate

EWB Einzelwertberichtigung

EZB Europäische Zentralbank

FLAB Funding-Liquiditätsablaufbilanz

HQLA High Quality Liquid Assets

KI Kreditinstitut

LAB Liquiditätsabflaufbilanz

LAK Liquiditäts-Asset-Klassen

LaR Liquidity at Risk

LLAB Liquidierbarkeits-Liquiditätsablaufbilanz

LVaR Liquidity Value at Risk

LCR Liquidity Coverage Ratio

LiqV Liquiditätsverordnung

MaRisk Mindestanforderungen an das Risikomanagement

NSFR Net Stable Funding Ratio

PIIGS Portugal, ltalien, lrland, Griechenland, Spanien (Abkurzung der in 2010 befindlichen Krisenlander)

Symbolverzeichnis

HQLAi Bestand hochliquide Aktiva

LK Liquiditätskennzahl

ZMi Zahlungsmittel

ZMAi Zahlungsmittelabflüsse in den nächsten 30 Tagen

ZMZi Zahlungsmittelzuflüsse in den nächsten 30 Tagen

ZVi Zahlungsverpflichtungen

1 Einleitung

Das Risikomanagement in Banken zur Identifikation und Steuerung verschiedener Erfolgsdeterminanten gewinnt mit zunehmender Globalisierung und Standardisie- rung, besonders im Wirkungsbereich der Europäischen Union (EU), zunehmend an Bedeutung.1 Mit den seit dem Jahr 2013 gültigen Vorschriften des Basler Aus- schusses der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) zur Regulierung von Banken (Basel III) wird ein stärkerer Fokus auf die Kapitalausstattung und Li- quiditätslage der Banken gelegt.2 Dabei sind das Capital Requirements Directive (CRD IV) und die Capital Requirements Regulation (CRR) die wichtigsten Be- standteile der Regulierungsmaßnahmen des Finanzmarktes. Ziel dieser Regulie- rungen ist es, einen Finanzmarkt zu schaffen, der sowohl durch Minderungen der systematischen Risiken, als auch durch eine Stärkung des Wirtschaftssystems ge- kennzeichnet ist. Darauf aufbauend sollen Vertrauen und Zuverlässigkeit in den Finanzmärkten gesteigert werden, die auch eine Förderung des Wettbewerbs zur Folge hätten und so die Effizienz der Märkte steigern würden.3 Der Fokus dieser Bachelor Thesis wird dabei auf die möglichen Liquiditätsrisiken und die regulatori- schen Kontrollmaßnahmen der Bankenaufsicht gelegt, da diese Risiken wesentli- che Faktoren in der Gesamtstruktur eines Finanzinstituts darstellen. Darüber hin- aus soll die Notwendigkeit eines internen Liquiditätscontrollings näher beleuchtet werden. Während der Subprime-Krise wurde beispielsweise versucht, forderungs- besicherte Wertpapiere (ABS) zu verkaufen, was zu einer Illiquidität am Finanz- markt führte und Banken dazu zwang, Liquiditätslinien zur Verfügung zu stellen, welches außerhalb ihrer Möglichkeiten lag und so zur Insolvenz einiger Geldhäu- ser führte.4 Die Europäische Zentralbank (EZB) und Europäische Aufsichtsbe- hörde, auch European Banking Authority (EBA) genannt, führte als Reaktion auf diese Umstände das Single Rulebooks ein, um eine einheitliche Behandlung der Kreditinstitute innerhalb der EU zu schaffen. Im Zuge dessen wurden auch Kenn- zahlen zur Beurteilung der Liquidität entwickelt, die verschiedene Liquiditätsrisiken beurteilen und somit Steuerungsmöglichkeiten der Aufsichtsbehörden darstellen.

Mit der Einführung dieser „neuen“ Kennzahlen stellt sich jedoch nun die Frage, ob eine Beurteilung der Liquiditätsrisiken mit Hilfe der regulatorischen Kontrollmaß- nahmen adäquat ist. Die aufsichtsrechtlichen Methoden müssen dabei die ver- schiedenen Arten der Liquiditätsrisiken darstellen können und sie sowohl in ihrer Fristigkeit, als auch Signifikanz unterscheiden. Dieses ist mit Einführung der regu- latorischen Kennzahlen nicht immer problemlos möglich, da diese einige Aspekte des Finanzmarktes ausblenden und nicht auf die individuellen Strukturen einiger Kreditinstitute eingehen.5 Zudem ist zu konstatieren, ob die regulatorischen Anord- nungen Auskunft über Maßnahmen zur Risikofrüherkennung, sowie den Umgang in Liquiditätskrisen geben.

Die Forschungsfrage dieser Bachelor-Thesis lautet daher:

In welchem Maße sind die regulatorischen Kontrollmaßnahmen geeignet, die individuellen Liquiditätsrisiken darzustellen und wie kann darüber hinaus ein internes Liquiditätscontrolling erweitert werden, um auch institutsspezifi- sche Risiken erfassen zu können?

Ziel dieser Arbeit ist es somit, die bestehenden Kennzahlensysteme auf ihre Ge- eignetheit zu überprüfen, wobei die Grenzen und Chancen dieser Modelle aufge- zeigt werden sollen. Des Weiteren soll ein Modell zur Kontrolle und Steuerung der Liquiditätsrisiken vorgestellt werden, welches hohe Nähe zur Praxis aufweist und dadurch problemlos implementiert werden kann. Ein weiterer Teil der Arbeit soll Möglichkeiten zur Risikosteuerung in Form von Notfallmaßnahmen ermittelt wer- den.

Der Fokus wird hierbei auf die Sichtweise eines kleinen bis mittelgroßen Kreditin- stituts gelegt, welches sich den Anforderungen der Aufsichtsbehörden stellen muss. Auf die Interessen der EBA und EZB soll darüber hinaus ebenfalls Bezug genommen werden, da diese Institutionen maßgeblich mit der Regulierung des Finanzmarkts eine sukzessive Verbesserung anstreben.6 Tatsächliche Berech- nungen der einzelnen Kennzahlen sollen dabei nicht Gegenstand der vorliegenden Arbeit sein.

Unterteilt wird diese Bachelor Thesis in drei Kernbereiche, die der Beantwortung der Forschungsfrage dienen. Nach den einleitenden Worten erfolgt im darauffol- genden zweiten Kapitel eine Unterteilung der Liquiditätsrisiken in die originären und derivativen Risiken (Abb. 1).

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: http://www.deutsches-institut-bankwirtschaft.de/Wachs Liquiditaetsrisikomanagement

Abbildung 1: Derivative und originäre Liquiditätsrisiken

Im dritten Kapitel wird auf die einzelnen Verfahren zur Steuerung und Messung von Liquiditätsrisiken eingegangen, wobei der Fokus auf den regulatorischen Kennzahlen liegt. Dabei soll die wesentliche Struktur der Kontrollmaßnahmen auf- gezeigt, sowie die Chancen und Grenzen der jeweiligen Kennzahl erläutert wer- den. Die Vorstellung des Liquiditätscontrollingmodells erfolgt im vierten Kapitel, bei dem die Anforderungen an dieses Modell näher betrachtet werden sollen. Diese erörtern hauptsächlich die Risikofrüherkennung und Umgang während einer Kri- senzeit. Des Weiteren sollen auch hier die Chancen und Grenzen näher erläutert werden. Am Ende des Kapitels wird die Implementierung in ein internes Control- lingsystem beschrieben. Die Schlussbetrachtung am Ende der Bachelorthesis fasst die wesentlichen Ergebnisse in Bezug auf die o.g. Forschungsfrage zusam- men.

2 Liquiditätsrisiken

„Das Liquiditätsrisiko wird durch die Institute im Wesentlichen zwischen dem Liqui- ditätsrisiko im engeren Sinne (Zahlungsunfähigkeitsrisiko) als der Gefahr, dass die Bank ihre gegenwärtigen und zukünftigen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr vollständig oder fristgerecht nachkommen kann und dem Refinanzierungsrisiko als die Gefahr, zusätzliche Refinanzierungsmittel nur zu erhöhten Marktzinsen be- schaffen zu können unterschieden.“7 Dieses Risiko ist im Sinne des AT 2.2 der MaRisk wesentlich und betrifft deshalb alle Kreditinstitute, unabhängig ihrer Struk- tur oder Größe.8

2.1 Originäre Liquiditätsrisiken

Bei der Liquiditätsrisikobetrachtung wird zwischen originären und derivativen Risi- ken unterschieden. Originäre Liquiditätsrisiken werden dabei in die Einzelaspekte Refinanzierungs-, Terminrisiko, sowie Abrufrisiko unterteilt und stellen Liquiditäts- risiken dar, die sich auf den Erfolg der Unternehmen auswirken können.9

2.1.1 Refinanzierungsrisiko

Um die Refinanzierungssituation und die darauf aufbauenden Refinanzierungsrisi- ken der Kreditinstitute darstellen zu können, ist eine partikuläre Betrachtungsweise des Refinanzierungsbegriffs notwendig.10 Im Allgemeinen wird die Refinanzierung als Mittelbeschaffung bezeichnet, die insbesondere zur Steigerung des Kreditver- gabepotenzials genutzt wird und aus Fremd- oder Eigenkapital bestehen kann.11Aufgrund ihrer Struktur nehmen Kreditinstitute hierbei eine besondere Stellung ein, da diese hauptsächlich durch Fremdkapital refinanziert sind und unterschiedliche Fristigkeiten zur Bildung der Aktiv-Passiv-Struktur nutzen.12 Somit ist das Eigen- kapital für die Refinanzierungskraft der Banken nur untergeordnet zu betrachten und wird zur Begrenzung der Adress-, Marktpreis- und operationellen Risiken aus

bankaufsichtsrechtlicher Sichtweise verwendet.13 Diese Betrachtungsweise der Refinanzierung fokussiert sich hauptsächlich auf die Passivseite der Bilanz, wobei bei einer Liquidierung von Vermögensgegenständen in liquide Mittel wie Barreser- ven der Begriff der Refinanzierung ebenfalls Anwendung findet.14

Zur weiteren Betrachtung der Risiken, die bei der Refinanzierung entstehen kön- nen, ist eine Abgrenzung des Begriffs „Risiko“ bedeutend. Dieser lässt sich als Unsicherheit zukünftiger Umweltzustände innerhalb verschiedener Entschei- dungssituationen, oder als Abweichen des effektiven Ergebnisses vom Planziel definieren.15 Das Refinanzierungsrisiko, auch Anspannungsrisiko genannt, kann somit als Umstand verstanden werden, bei dem sich ein Kreditinstitut nicht refinan- zieren kann, bzw. nur zu einem überhöhten Zinsaufwand eine entsprechende Re- finanzierungsposition erhält. Dies tritt in besonderem Maße dann ein, wenn Kredit- institute nicht in der Lage sind, für eingegangene Fristentransformationen dement- sprechende Refinanzierungsmittel zu beschaffen. Ein Beispiel für solch ein Risiko kann die Befristung der Aktivseite auf fünf Jahre mit einer Refinanzierung der Pas- sivseite auf einem Jahr sein. Liegt hierbei nun eine positive Fristentransformation vor, muss sich das Kreditinstitut nach Ablauf der Passivseite neu finanzieren und trägt damit das Risiko, keine Mittel erhalten zu können.

2.1.2 Terminrisiko

Das aktive Terminrisiko betrachtet in einem größeren Maße die Aktivseite der Bi- lanz und somit die Kapitalbindungsdauer der Einzelpositionen.16 Dabei beschreibt diese Risikoart die Gefahr, dass Aktivgeschäfte unplanmäßig verlängert werden müssen. Gründe für solche Ungewissheiten können bspw. ausstehende Zins- und Tilgungsleistungen der Gegenparteien, oder auch andere Markthemmnisse, die besonders durch Auslandsaktivitäten begründet werden, sein.1718 Im Gegensatz dazu beschreibt das passivische Terminrisiko die unplanmäßige Verkürzung der Kapitalbindungsdauer bei Passivgeschäften, die durch die vorzeitige Verfügung

der Einleger und die Duldung der Kreditinstitute über diese Verfügung entstehen kann.19 Ein Beispiel für ein Terminrisiko kann folgendes Szenario sein:

Die in Tabelle 1 abgebildete Bilanz dient zur Veranschaulichung des Szenarios und ist deshalb stark vereinfacht dargestellt. Des Weiteren wird eine Fristentrans- formation der Aktiv- und Passivseite vernachlässigt. Ausgangslage für dieses Sze- nario ist die Aufnahme von Fremdkapital in Höhe von 200 Tsd. EUR zu einem Zinssatz von 2 %, welches befristet dem Unternehmen zur Verfügung steht. Gleichzeitig wird dieses aufgenommene Kapital Kunden in Form von Darlehen mit gleicher Fristigkeit zur Verfügung gestellt. Sobald die ausgegebenen Darlehen nicht vom Kunden zurückgezahlt werden können, oder nur verspätet gezahlt wer- den, ist das Kreditinstitut nicht mehr in der Lage, den Verbindlichkeiten nachzu- kommen, die es eingegangen ist. Somit entsteht eine ungeplante Verlängerung der Kapitalbindungsdauer (Forderung an Kunden) und das Kreditinstitut geht dabei Terminrisiken ein.

Quelle: eigene Darstellung

Tab. 1: Beispielbilanz Terminrisiko (vereinfacht)

2.1.3 Abrufrisiko

Ähnlich wie beim Terminrisiko wird auch bei dem Abrufrisiko zwischen einer akti- vischen und passivischen Betrachtungsweise unterschieden, jedoch können auch außerbilanzielle Geschäfte dieses Risiko bestärken.20 Werden beispielsweise die aktiven Kundengeschäfte herangezogen, können unerwartete Inanspruchnahmen von Kreditlinien, die zwar vereinbart, jedoch nicht zeitlich terminiert wurden, ein solches Risiko sein.21 Ein Abruf von Mitteln durch den Kunden des Kreditinstitutes

findet folglich statt und lässt die Option zu, dass dem Kreditinstitut (KI) diese Mittel nicht zur Verfügung stehen. Auf der anderen Seite der Bilanz entstehen Abrufrisi- ken, wenn Kundeneinlagen unerwartet abgerufen oder ausgezahlt werden, die die Mittel des Kreditinstituts maßgeblich repräsentieren, obwohl die Fristigkeit der Ein- lage noch nicht erreicht ist.22 Hauptsächlich tritt diese Art des Risikos im Großkredit und -einlagengeschäft auf.23 Abrufrisiken können als Gegenparteirisiken tituliert werden, da sie in Abhängigkeit zum Einleger bzw. Kreditnehmer stehen. Die Kre- ditinstitute können dieses Risiko nicht aktiv steuern, da sie keinen Einfluss auf die o. g. exogenen Faktoren nehmen können. Dennoch ist es ihnen möglich, präven- tive Maßnahmen zu ergreifen, die zur Minderung des Risikos führen.

2.2 Derivative Liquiditätsrisiken

Derivative Liquiditätsrisiken, auch abgeleitete Liquiditätsrisiken genannt, werden als separate Risikogruppe innerhalb der Liquiditätsbetrachtung gekennzeichnet. Sie stellen dabei originäre Risiken in ihrer jeweiligen Risikokategorie dar, die Ein- fluss auf die Liquiditätslage der Kreditinstitute nehmen können.24 Die folgenden derivativen Liquiditätsrisiken stammen dabei aus verschiedensten Bereichen des Risikomanagements, fügen sich jedoch in dem Bereich der originären Erfolgsrisi- ken ein.

2.2.1 Kreditrisiko

Das Kreditrisiko wird in der Literatur auch als Synonym für Ausfall- und Bonitätsri- siko verwendet und ist somit das klassischste Bankrisiko.25 Im Mittelpunkt dieser Risikobetrachtung stehen die Kreditvergabe und die daraus für den Kreditgeber resultierende Gefahr, dass der Kreditnehmer sich in Hinblick auf seine Bonität ver- schlechtert, oder, im akutesten Fall, mit seinen Tilgungen ausfällt.26 Aus diesem Grund sind die Auswirkungen solcher Ausfälle für die Zahlungsunfähigkeit der Kre- ditinstitute von hoher Bedeutung. Diese Unterteilung in Bonitäts- und Ausfallrisiko ist in Abbildung 2 dargestellt und wird im Folgenden weiter erläutert.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Wagner, E. (2008)

Abb. 2: Kreditrisiko (Bonität und Ausfall)

Als Risiko der Bonitätsverschlechterung wird der Umstand bezeichnet, bei dem sich die Kreditqualität während der Laufzeit verschlechtert, jedoch nicht in einen Kreditausfall endet.27 Das Risiko wird hierbei dahingehend definiert, dass eine Ver- schlechterung der Bonität folglich zu einer Wertminderung des Kredites führt, da eine Bonitätsverschlechterung eine Erhöhung der Ausfallwahrscheinlichkeit be- deutet und ihren Niederschlag in einer Rating-Abstufung wiederfindet.28 Im Gegen- satz zur Bonitätsverschlechterung beschreibt das Ausfallrisiko die Gefahr, dass ein Kreditnehmer seinen Zahlungsverpflichtungen überhaupt nicht, nicht fristgerecht, oder nur im eingeschränkten Umfang nachkommt.29 Das Ausfallrisiko führt zu dem tatsächlichen Eintreten eines Ausfallszenarios und schließlich zu einer Realisie- rung eines Verlustes. Absicherungen der Kreditinstitute durch Sicherheiten ver- schiedenster Art können diese Verlusterwartungen eingrenzen und sich positiv auf abgeleitete Liquiditätsrisiken auswirken. Denn eine negative Auswirkung, die bspw. durch einen Kreditausfall hervorgerufen werden könnte, führt dazu, dass Zahlungsmittel genutzt werden müssen, um dem erwarteten Verlust entgegenwir-ken zu können. Dieser Abfluss der Zahlungsmittel nimmt dann Einfluss auf die

Zahlungsfähigkeit des Kreditinstituts, welches einen wesentlichen Faktor zur Be- wältigung der o.g. originären Liquiditätsrisiken darstellt.30

2.2.2 Zinsänderungsrisiko

Der Hauptertrag der Finanzbranche wird in idealtypischen Konjunkturzyklen haupt- sächlich durch das zinstragende Geschäft erwirtschaftet, weshalb das Zinsände- rungsrisiko für die Banken eine übergeordnete Rolle bei der Adjustierung der Risi- ken spielt.31 Eine Unterteilung des Zinsänderungsrisikos kann grundsätzlich in bo- nitäts- und zinsinduzierten Bereiche erfolgen. Ersteres wurde im vorhergegange- nen Kapitel bereits erläutert, weshalb eine Betrachtungsweise auf das zinsindu- zierte Zinsänderungsrisiko erfolgt.

Im Allgemeinen lässt sich das Zinsänderungsrisiko als negative Entwicklung des periodisierten Zinsergebnisses oder barwertiger Zinspositionen verstehen, die durch veränderte Marktzinsen hervorgerufen werden können.32 Unter Berücksich- tigung aller bilanziellen und außerbilanziellen Geschäfte werden alle potenziellen Marktwertveränderungen ermittelt, indem eine Bewertung der diskontierten Cash- flows erfolgt.33 Daraus folgt, dass Phasen, in denen das Zinsniveau steigt, zu Ge- winnen, und Phasen, in denen dieses sinkt, zu Verlusten führen, wenn eine absolut stärkere Reagibilität des Marktwertes der Passiva (Verbindlichkeiten) im Vergleich zum Marktwert der Aktiva herrscht (Tab. 2).34

Quelle: eigene Darstellung

Tab. 2: Reagibilität Marktwert (Bilanzstruktur)

Im Wesentlichen lassen sich zwei Faktoren in dieser Risikoart bestimmen. Dabei ist der erste Faktor die eigentliche Zinssensibilität, also die Veränderung des Marktwertes bei Veränderung der Zinsen um einen bestimmten Faktor.35 Der zweite Faktor ist die anzunehmende Zinsveränderung an sich. Durch die Gesamt- wirkung dieser Faktoren ist es vorstellbar, dass verschiedene Zinsstrukturkurven sich unterschiedlich verändern, da sich bspw. langfristige Zahlungsströme trotz ih- rer höheren Sensibilität schwächer verändern, als kurzfristige Zahlungsströme.36Das Marktwertrisiko wird zum Zinsspannenrisiko abgegrenzt, da letzteres die Wertminderung der periodisierten Bruttozinsspanne beschreibt. Somit bezieht sich dieses Risiko auf alle Geschäftsarten, die Zinszahlungsströme enthalten. Auch in dieser Betrachtungsweise ist die unterschiedliche Reagibilität der durchschnittli- chen aktivischen und passivischen Zinsen zu berücksichtigen.

Grundlage für die Risikoanalyse ist eine Systematik, die die Eintrittswahrschein- lichkeiten und möglichen negativen Abweichungen analysiert. So werden moderne Messkonzepte dazu genutzt, die Wahrscheinlichkeit bestimmter Zinsszenarien zu bestimmen, um daraufhin Aussagen über das Markwert- und Zinsspannenrisiko zu treffen.

2.2.3 Marktpreisrisiko

Das Marktpreisrisiko beschreibt den Umweltzustand eines Werteverlustes, der durch Marktpreisänderungen und andere preisbeeinflussende Parameter, wie bspw. Veröffentlichungen unternehmensinterner oder volkswirtschaftlicher Daten, entstehen kann.37 Auch Zinsentscheidungen der Zentralbanken können eine Än- derung der Marktpreise hervorrufen und sind ebenfalls exogene Faktoren dieser Risikoart. Prinzipiell kann sich dieses Risiko in die Bereiche der Zinsänderungs-, Aktienkurs-, Währungs- und Volatilitätsrisiken unterscheiden. Das Zinsänderungs- risiko wurde bereits vorab thematisiert und entfällt bei der Betrachtung des Markt- preisrisikos.

Das Aktienkursrisiko stellt im Allgemeinen die Gefahr dar, dass Wertverluste aus Aktien oder Derivaten aufgrund von Veränderungen der Kurse im Portfolio entste- hen können. Es ist eng mit dem o.g. Kreditrisiko verbunden, da die Ursachen für

das Auftreten beider Risiken identisch sein können.38 So kann eine Bonitätsver- schlechterung einer Unternehmung den gleichen Einfluss auf die Wertentwicklung der Forderung aus einem Kredit, als auch auf den Aktienkurs des Unternehmens haben. Dieser Teil wird jedoch bereits in der Betrachtung des Kreditrisikos darge- legt, weshalb auf eine ausschließlich bonitätsorientierte Sichtweise verzichtet wird. Das Kurswertrisiko festverzinslicher Wertpapiere wird weitestgehend durch das Zinsänderungsrisiko abgedeckt, Überschneidungen beider Risikokategorien fin- den jedoch in gewissem Maße statt, da das Zinsniveau bspw. den Aktienkurs be- einflusst.39

Als Währungsrisiko wird die Gefahr bezeichnet, bei dem das erzielte Ergebnis durch Geschäfte, die den Wechsel von Währungen betreffen, geringer ist, als das geplante Soll-Ergebnis.40 Egal, ob die Anschauung der Währungsrisiken kalkula- torisch oder effektiv erfolgt, so liegt die Unsicherheit in der Entwicklung der zu- grunde liegenden Wechselkurse. Auftretende Währungsrisiken im Devisen- und Devisenkassageschäft können sowohl den Gewinn, als auch die Liquidität des Un- ternehmens belasten.41 Aus dieser Tatsache entsteht ebenfalls das Bedürfnis, diese Risiken zu erfassen und mit geeigneten Instrumenten zu steuern.

Das o.g. Volatilitätsrisiko wird allgemein als Risiko der Preisänderung durch exo- gene Einflussfaktoren verstanden und kann sich somit nicht auf spezielle Themen- bereiche der Finanzrisiken festlegen. Es wird als Wertschwankung bei entspre- chenden Marktsituationen definiert und kann durch den großen Einfluss auf die Gewinne des Unternehmens, ebenfalls durch Einschränkung des Unternehmens- erfolgs, auf die Liquidität Einfluss nehmen.

2.2.4 Operationelles Risiko

Wie die bereits erörterten Risiken sind auch die operationellen Risiken wesentli- cher Bestandteil der Risikomanagementfunktion der Kreditinstitute und determinie- ren den Erfolg dieser maßgeblich. Unter den operationellen Risiken wird die Ge- fahr definiert, dass Verluste eintreten, die aufgrund von externen Einflüssen, feh-lerhaften oder unangemessenen Verfahren, Mitarbeitern oder System auftreten.42

Strategische Risiken und Reputationsrisiken werden dabei außer Acht gelassen. Wie bereits in der Einleitung geschildert, dienen die regulatorischen Kontrollmaß- nahmen der Bundesaufsicht zur Stabilisierung des Finanzmarktes, die die opera- tionellen Risiken einschränken sollen. Zur weiteren Definition dieser Risiken wird der Begriff in die beiden Bereiche der direkten und indirekten Betrachtung geteilt. Der indirekte Aspekt beinhaltet sämtliche Risiken, die sich weder den Markt- oder Kreditrisiken zuordnen lassen und ist aus diesem Grund zur Begriffserläuterung weniger geeignet. Die direkte Ansicht fokussiert sich auf eine ursachenbezogene Sichtweise und ist ebenfalls Bestandteil der Definition des Baseler Ausschusses, die grundlegend als Basisindikator zur Risikobetrachtung herangezogen wird.43Schlussfolgernd sind Faktoren, die zu Operationellen Risiken führen, die Unange- messenheit oder das Versagen folgender Determinanten:

- Interne Verfahren
- Mitarbeiter
- Systeme/Maschinen
- Externe Ereignisse

Durch diese ursachenbezogene Sichtweise sind die operationellen Risiken klar von den Finanzrisiken und Geschäftsrisiken, die politischen und strategischen Ur- sprungs sind, zu trennen. Dennoch können all diese Risiken zu Reputationsschä- den führen und haben aus diesem Grund ein gemeinsames Folgerisiko.44

Aufgrund der hohen Bedeutsamkeit und breiten Fächerung dieser Risikoart ist es besonders in der Risikoidentifizierung wichtig, diese spezifischen Risikostrukturen vollständig und differenziert aufzufassen. Es wird deshalb in qualitative und quan- titative Risikoidentifizierung unterteilt.45 Die qualitative Risikoidentifizierung unter- scheidet zwischen einem ereignisorientierten und prozessorientierten Ansatz.

Bei der ereignisorientierten Darstellung werden zum einen einzelereignisorien- tierte Analysetechniken verwendet, die unstandardisierte Verfahren und Techni- ken auf Basis standardisierter Fragebögen nutzen.46 Zu diesen Techniken gehören bspw. das Brainwriting und Brainstorming Verfahren, bei denen durch ein kollekti-ves Zusammenarbeiten Einzelrisiken ermittelt werden sollen. Im Gegensatz dazu

beinhalten standardisierte Fragebögen strukturierte Fragestellungen, die mög- lichst allgemein formuliert sind und sich auf viele organisatorische Bereiche an- wenden lassen.47 Ein weiterer Aspekt der ereignisbasierten Risikoidentifikation ist die Analyse von Ereignisketten, die wiederum in die Szenarioanalyse und Ursa- chenanalyse untereilt werden können.

Die Szenarioanalyse stellt die Synergien zwischen Risikoursache und –wirkung in einem bestimmten Risikobereich dar.48 Dies lässt sich sowohl auf Gesamtbanke- bene, als auch auf einzelne Strukturbereiche anwenden. Das Know-How der ein- zelnen Mitarbeiter limitiert dabei stark die Qualität der Analyse.49 Gegensätzlich agiert hierbei die Ursachenanalyse in Bezug auf die Szenarioanalyse, denn hierbei werden Risikowirkungen gesucht, die potenzielle Ursachen darstellen können. In- haltlich und personell ist diese Art der Risikoidentifizierung frei wählbar und bindet sich nicht an Standards.50

Die prozessorientierte Betrachtungsweise unterscheidet sich ebenfalls in zwei Ka- tegorien. Bei dem Top-Down Ansatz ist der Ausgangspunkt der Analyse ein ge- störter Prozess, von dem ausgehend prozessorientiert die Ursache des fehlerhaf- ten Ergebnisses ermittelt wird.51 Daraus resultierend wird dann die Ursache ge- sucht, die das gewünschte Ergebnis zu verantworten hätte. Somit sollte sich der Kreis der Teilnehmer aus den einzelnen Fachverantwortlichen der jeweiligen Teil- prozesse zusammensetzen, damit gewährleistet wird, dass alle Ursachen, die den Prozess stören können, identifiziert werden. Gegenläufig zu dieser Methode ver- läuft die Bottom-Up-Prozessrisikoanalyse, bei der ein störungsfreier Prozess ge- wählt und in weitere Teilprozesse geteilt wird.52 Auf Basis dieses Teilungsschrittes lassen sich potenzielle Störfaktoren einfacher identifizieren und isoliert betrachten. Jedoch wird auf eine kumulierte Sichtweise mit Hinblick auf den gesamten Prozess nicht verzichtet. Der Rahmen des organisatorischen Aufwands beider Verfahren kann als identisch angesehen werden.

Neben den qualitativen Ansätzen zur Erkennung operationeller Risiken gliedert sich der quantitative Ansatz in die Analyse bankinterner und –externer Daten auf.

Dabei lassen sich bankinterne Daten zur Identifikation aus den Bereichen des fi- nanziellen Rechnungswesens, der Managementprozesse, der internen Prüfungen und anderen bankinternen Informationsquellen entziehen.53 Das Benchmarking ist für die Analyse bankexterner Daten relevant, da Expertenteams genutzt werden, um andere Kreditinstitute zu analysieren und deren Risiken ebenfalls auf das ei- gene Institut ableiten zu können. Wichtigste Informationsquellen sind hierbei die Geschäftsberichte der anderen Institute, öffentliche Medien/Bekanntmachungen oder Operational-Risk-Data-Pooling-Initiativen.54

Dabei ist letzteres Instrument nur eingeschränkt zugänglich, da es den Teilnehmer ebenso verpflichtet, die eigenen operationellen Risiken dem Konsortium uneinge- schränkt zur Verfügung zu stellen.

In Bezug auf die Risikobetrachtung der Banken stellen die operationalen Risiken wesentliche Faktoren dar, welche in allen Teilbereichen der Unternehmen auftre- ten können. Aufgrund dieser Tatsache und dass diese Risiken sich wesentlich auf den Erfolg auswirken können, sind operationelle Risiken mit den anderen o. g. de- rivativen Risiken wesentliche Determinanten in Bezug auf die Liquidität der Kredit-institute.

3 Aufsichtsrechtliche Kennzahlen

3.1 Liquiditätsverordnung (LiqV)

3.1.1 Aufbau und Struktur

Wie im ersten Kapitel bereits geschildert, hatte die Subprime-Krise deutliche Aus- wirkungen auf die Liquiditätslage des Finanzsektors. Durch die im Dezember 2006 eingeführte Liquiditätsverordnung (LiqV) wurden wesentliche Kontrollinstrumente eingeführt, die eine ausreichende Zahlungsbereitschaft der Kreditinstitute gewähr- leisten soll.55 Dabei wird eine kurzfristige Darstellung angenommen, die sich über vier verschiedene Laufzeitbänder auf bis zu 12 Monate bezieht. Zahlungsmittel werden hierbei ihren Zahlungsverpflichtungen entsprechend ihrer Restlaufzeit ge- genübergestellt, wodurch ein Liquiditätsüberschuss bzw. –fehlbetrag ermittelt wer-den kann.56 Die Laufzeitbänder weisen folgende Struktur auf:

- 1. Laufzeitband: Täglich fällig bis 1 Monat
- 2. Laufzeitband: > 1 Monat bis 3 Monate
- 3. Laufzeitband: > 3 Monate bis 6 Monate
- 4. Laufzeitband: > 6 Monate bis 12 Monate57

Durch verschiedene Anrechnungsgrade werden die Aktiva und Passiva der Lauf- zeitbänder aufgrund ihrer unterschiedlichen Abrufwahrscheinlichkeit gewichtet und gewertet. Grundsätzlich werden alle Zahlungsmittel und Zahlungsverpflichtungen zu 100 % angerechnet, wobei folgende Ausnahmen dieser Berechnungsmethode beim Laufzeitband 1 festgehalten werden können. So werden Geldmarkt- und Wertpapierfonds den Zahlungsmitteln zu 90 % angerechnet. Auf Seiten der Zah- lungsmittelverpflichtungen werden die Verbindlichkeiten gegenüber Kunden zu 10% und gegenüber Kreditinstituten zu 40 % berücksichtigt, wenn diese täglich fällig sind.58 Im Gegensatz dazu werden Spareinlagen zu 10 % angerechnet. Eventual-verbindlichkeiten und unwiderruflich zugesagte Kreditzusagen, welche noch nicht

abgerufen wurden, fließen mit 5 % und 20 % ein.59 Die Unterscheidung der einzel- nen Laufzeitbänder lässt sich durch die Unterteilung der Liquidität 1. und 2. Klasse unterstützen. Dabei werden Positionen entweder obligatorisch, oder gemäß ihrer Laufzeit den Laufzeitbändern zugeordnet. Liquidität 1. Klasse sind hierbei Kompo- nenten, die entweder Zentralbankgeld darstellen, oder zu jeder Zeit ohne weiteres liquidierbar sind. Dies umfasst insbesondere unwiderrufliche Kreditzusagen, die das Kreditinstitut erhalten hat und börsennotierte Wertpapiere, welche nicht als Anlagewerte behandelt werden.60 Liquidität 2. Klasse sind Komponenten, die in den nächsten 12 Monaten fällig werden und einen Zufluss zu den Zahlungsmitteln darstellen. Nicht zu diesen Komponenten zählen Forderungen, die bereits wertbe- richtigt wurden, oder Leistungsstörungen aufweisen. Des Weiteren werden Anteile an verbundenen Unternehmen bei der Berücksichtigung der Liquiditätsklassen ebenfalls vernachlässigt. Durch diese verschiedenen Anrechnungsfaktoren lässt sich für die kurzfristige Zahlungsstrombetrachtung die Liquiditätskennzahl wie folgtberechnen:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Die Liquiditätskennzahl dient der BAFin zur Beurteilung der Liquidität der Institute und muss am Bewertungsstichtag mindestens eins betragen.61 Die Kennzahl gibt somit das Verhältnis zwischen den verfügbaren Zahlungsmitteln und den Zah- lungsverpflichtungen des Laufzeitbands 1 an. Die Meldung der Kennzahl erfolgt über standardisierte Meldebögen und müssen grundsätzlich monatlich zum 15. Geschäftstag nach Monatsultimo der Deutschen Bundesbank gemeldet werden.62Obwohl eine Einhaltung nur zum Monatsultimo erforderlich ist, wird es von der Bundesaufsicht erwartet, dass ein Kreditinstitut auch zwischen diesen Zeitpunkten über genügend Liquidität verfügt.63 Ein Unterschreiten dieses Schwellenwertes be- deutet ein Verstoß gegen § 11 KWG und führt zu Sanktionen und Beschränkungen in den Managementhandlungen des Instituts. Zuzüglich zur Liquiditätskennzahl müssen Beobachtungskennzahlen gemeldet werden, die dem gleichen Berech-nungsmuster der Liquiditätskennzahl folgen und sich aus den Laufzeitbändern 2

bis 4 zusammensetzen. Bei diesen Beobachtungskennzahlen ist keine Mindest- quote einzuhalten, weshalb sie lediglich einem nachrichtlichen Zweck dienen. Dar- über hinaus sollen diese Kennzahlen einen Eindruck über die Fristentransforma- tion im kurzfristigen Bereich der Institute vermitteln. Zusätzlich zu den eigentlichen Zahlungsmitteln und -verbindlichkeiten eines Laufzeitbands dürfen Zahlungsmit- telüberschüsse aus dem vorherigen Laufzeitband übernommen werden. Dies soll folgendes Beispiel veranschaulichen:

Quelle: Eigene Darstellung.

Tab. 3: Liquiditätskennzahl (verschiedene Laufzeitbänder)

In der obenstehenden Tabelle lässt sich erkennen, dass im Laufzeitband 1 eine positive Fristenkongruenz aufgrund des Zahlungsmittelüberschusses vorhanden ist. Dieser Überhang kann genutzt werden, um ihn bei der Berechnung der Be- obachtungskennzahl in Laufzeitband 2 zu berücksichtigen. Hierbei werden die dor- tigen Zahlungsmittel mit der positiven Kongruenz verrechnet und in Verhältnis zu den Zahlungsverpflichtungen gesetzt. Dies hat zur Folge, dass die Beobachtungs- kennzahl über 1 steigt, obwohl sie bei einer isolierten Betrachtung des Laufzeit- bandes deutlich unter 1 liegen würde. Eine Zurechnung zu den Zahlungsmitteln des Laufzeitbands 3 erfolgt nicht, da im 2. Laufzeitband keine positive Fristenkon- gruenz zum Tragen kommt. Die Beobachtungskennzahl bleibt deshalb unverän- dert. Es bleibt also festzuhalten, dass mit Hilfe der Liquiditätskennzahl die BAFin eine Kontrollgröße geschaffen hat, mit der sie die kurzfristigen Zahlungsströme der Kreditinstitute wertet und in Relation zueinander setzt, um mögliche Liquiditäts- probleme aufdecken zu können.

3.1.2 Angemessenheit und Berücksichtigung der Liquiditätsrisiken

Die LiqV stellt grundsätzlich keinen hohen mathematischen Aufwand dar, denn die standardisierten Formulare können grundsätzlich vereinfacht berechnet werden.64Lediglich die Gewichtung und Anrechenbarkeit der einzelnen Formularpositionen innerhalb der Meldungen stellen komplexere Rechenmethoden dar, welche unter anderem in der Literatur und Praxis einiger Kritiken ausgesetzt sind. Als Beispiel kann hierbei die Limitierung der Zahlungsmittel durch die Einstufung in die, in Ka- pitel 3.1.1 genannten, einzelnen Laufzeitbänder und darüber hinaus die qualitative Einstufung in Klassen genannt werden. Durch diese Klassifizierungen erfolgt eine Anerkennung der originären Liquiditätsrisiken, welche sich bspw. durch die Limi- tierung der Geldmarktpapiere und Fonds in Höhe von 90 % darstellt.65 Besonders das Refinanzierungsrisiko wird hiermit berücksichtigt, da eine indirekte Wertmin- derung dieser Zahlungsmittel zur stärkeren Gewichtung der zugehörigen Refinan- zierungsmittel führt. Ebenso erfolgt bei der Berechnung der Liquiditätskennzahl eine Berücksichtigung des Terminrisikos in Form der verschiedenen Laufzeitbän- der. Da diese durch ihre vier Laufzeiten in der Fristigkeit unterteilt sind, wird dieses Risiko dahingehend in Betracht gezogen, dass Gefahren, die bei der Fristentrans- formation entstehen können, in der LiqV kategorisiert werden. Einen unerwarteten Abruf von Einlagen durch Bankkunden, welches das Abrufrisiko darstellt, wird ebenfalls in der Liquiditätsverordnung berücksichtigt. Aufgrund der Anrechnungs- faktoren von 10 % bei den Spareinlagen und täglich fälligen Einlagen der Retail- kunden wird die Annahme getroffen, dass lediglich ein geringer Teil der Kunden die Einlagen abziehen und der Bank somit Liquidität entzogen wird.66 Retailkunden können im Wesentlichen als Privatkunden verstanden werden, die private Vermö- gensziele verfolgen und weniger komplexe Finanzberatungen benötigen.67 Ein Ab- zug der täglich fälligen Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten erscheint auf- grund der erhöhten Teilnahme am Geld- und Kapitalmarkt gegenüber den anderen Kunden der Bank wahrscheinlicher, weshalb die LiqV dieses mit einem Anrech- nungsfaktor von 40 % ebenfalls berücksichtigt.68 Bei der Gewichtung unerwarteter Inanspruchnahmen von Krediten, die bereits zugesagt wurden, findet ein weiterer

[...]


1 Vgl. Kumar, N. / Singh J. P. (2013): S. 23 f.

2 Vgl. Breidenbach, S. (2011): S. 7.

3 Vgl. http://www.bundesfinanzministerium.de/ (Stand 09.03.2017).

4 Vgl. Hartmann-Wendels, T. (2008): S. 691.

5 Vgl. König, P. / Pothier, D. (2016): S. 255 ff.

6 Vgl. Bitz, M. / Matzke, D. (2011): S. 321.

7 Seel, G. (2013): S. 15.

8 Vgl. http://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Rundschreiben/(...) (Stand 06.01.2018).

9 Vgl. Wachs, A. (2010): S. 4.

10 Vgl. Hofmann, M. (2009): S. 5.

11 Vgl. Gramlich, L. / Gluchowski, P. / Horsch, A. / Schäfer, K. / Waschbusch, G. (2013): S. 1112.

12 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 577.

13 Vgl. Hofmann, M. (2009): S. 5.

14 Vgl. Wagner, R. / Schmeling, M. / Mayer, M. / Kremp, S. (2002): S. 15 ff.

15 Vgl. Šotić, A. / Rajić, R. (2015): S. 23.

16 Vgl. Wachs, A. (2010): S. 4.

17 Vgl. Stuchly O. (2009): S. 38.

18 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 578.

19 Vgl. Zeranski, S. (2010): S. 228.

20 Vgl. Seel, G. (2013): S. 18.

21 Vgl. ebenda.

22 Vgl. Thomas, C. (2015): S. 9.

23 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 375.

24 Vgl. Ebenda. S. 579.

25 Vgl. Wagner, E. (2008): S. 6 f.

26 Vgl. Ebenda, S. 7.

27 Vgl. Wenz, J. (2014): S. 73.

28 Vgl. Loos, P. / Krcmar, H. (2007) S. 244 f.

29 Vgl. Wolke, T. (2015): S. 176 f.

30 Vgl. http://www.bafin.de (Stand 09.03.2017).

31 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 475.

32 Vgl. Kruse S. (2014): S. 53.

33 Vgl. Schierenbeck, H / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 475.

34 Vgl. Ebenda.

35 Vgl. Fischer, O. (2014): S. 223 f.

36 Vgl. Ebenda. S. 224 ff.

37 Vgl. Glaser, C. (2015): S. 27.

38 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 556.

39 Vgl. Ebenda.

40 Vgl. De Filippis, F. (2011): S. 111.

41 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 556.

42 Vgl. Ebenda. S. 563.

43 Vgl. Wengert, H. / Schittenhelm, F. A. (2013): S. 31 ff.

44 Vgl. Schäl, I. (2011): S. 34 ff.

45 Vgl. Ebenda.

46 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 564.

47 Vgl. Borghesi, A. / Gaudenzi, B. (2013): S. 43 f.

48 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 564.

49 Vgl. Borghesi, A. / Gaudenzi, B. (2013): S. 51 f.

50 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 564 f.

51 Vgl. Ebenda. S. 566.

52 Vgl. Borghesi, A. / Gaudenzi, B. (2013): S. 60.

53 Vgl. Ebenda. S. 67.

54 Vgl. Schierenbeck, H. / Lister, M. / Kirmße, S. (2014): S. 567.

55 Vgl. Deutsche Bundesbank (2014): S. 1.

56 Vgl. Fischer, O. (2014): S. 51.

57 Vgl. Ebenda. S. 52.

58 Vgl. Deutsche Bundesbank (2014): S. 6.

59 Vgl. Ebenda.

60 Vgl. Ebenda. S. 3 ff.

61 Vgl. Ebenda. S. 2.

62 Vgl. Seel, G. (2013): S. 61.

63 Vgl. Loos, P. / Krcmar, H. (Hrsg.) (2007): S. 248.

64 Vgl. Loos, P. / Krcmar, H. (Hrsg.) (2007): S. 245.

65 Vgl. Deutsche Bundesbank (2014): S. 6.

66 Vgl. Ludwig, B. (2010): S. 350.

67 Vgl. Bernet, B. / Schmid, P. (2013): S. 34 f.

68 Vgl. Deutsche Bundesbank (2014): S. 6.

Excerpt out of 84 pages

Details

Title
Liquiditätscontrolling und Risikomanagement in Banken
Subtitle
Parametrisierung zur Risikofrüherkennung und Notfallmaßnahmenmodellierung
College
Akademie Deutscher Genossenschaften ADG e.V.
Grade
2,1
Author
Year
2018
Pages
84
Catalog Number
V455342
ISBN (eBook)
9783668871335
ISBN (Book)
9783668871342
Language
German
Tags
LCR, NFSR, Liquidität, Liquiditätscontrolling, Notfallmaßnahmen, Risikofrüherkennung, Banken, Kontrollmaßnahmen
Quote paper
Peter Schmunkamp (Author), 2018, Liquiditätscontrolling und Risikomanagement in Banken, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455342

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