Vor- und Nachteile von Speed-Reading zur Bewältigung der Informationsflut. Eine kritische Diskussion


Hausarbeit, 2014

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsdefinition
2.2 Die Entstehung von Speed-Reading

3 Der Prozess des Lesens

4 Vor- und Nachteile von Speed Reading
4.1 Nachteile von Speed-Reading
4.1.1 Hohe Zeitinvestition
4.1.2 Deplatzierung in der Wissenschaft
4.1.3 Fehlende Sinnlichkeit
4.2 Vorteile von Speed-Reading
4.2.1 Emotionale Hochstimmung
4.2.2 Steigerung der Konzentrationsfähigkeit
4.2.3 Steigerung des Textverständnisses
4.2.4 Steigerung der Leseeffektivität
4.2.5 Zeitersparnis am Arbeitsplatz
4.2.6 Zeitersparnis im Studium

5 Fazit

Literaturverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: How Speed-Reading Works

Abbildung 2: How the physical activity of reading really works

1 Einleitung

„Ist die Zeit das Kostbarste unter allem, so ist Zeitverschwendung die allergrößte Verschwendung.“1 Schon Benjamin Franklin war sich der Wichtigkeit eines strukturierten Zeitmanagements zur Entgegenwirkung der Informationswellen, die einen Menschen tagtäglich überfluten, bewusst. Denn gerade im menschlichen Alltag stellt Zeit ein wertvolles und nicht ersetzbares Gut dar.

Die rasant angestiegene Flut an schriftlichen Informationen durch Internet und E-Mails erfordert unabdingbar die Fähigkeit zum besseren Auswählen und schnelleren Bewältigen der Texte, die für den Leser relevant sind.2 Heutzutage übernimmt zwar die Technologie einen großen Teil der zu bewältigenden Aufgaben, jedoch können Entscheidungen nur durch die menschlichen Fähigkeiten, sich ganzheitliches Wissen anzueignen, getroffen werden.3 Hierbei stellt die Lesekompetenz die wesentliche Erfolgskomponente dar.4

Speziell beschäftigt sich diese Hausarbeit mit dem Speed-Reading und der Frage, wie dieses theoretisch aufgebaut ist und angewendet werden kann. Hierbei liegt der Fokus vor allem auf dem Leseprozess und den jeweiligen Vor- und Nachteilen von Speed-Reading. Ziel ist es die Notwendigkeit von Speed-Reading herauszufiltern und deutlich zu machen, welchen essentiellen Nutzen diese Lesetechnik bietet. Für die Bearbeitung des Themas wurde Literatur über das Speed-Reading recherchiert, die die kritische Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglicht.

Um sich der Thematik zunächst theoretisch zu nähern, wird die Arbeit mit der allgemeinen Definition und des Zustandekommens des Lesens, begonnen. Darauf folgt eine Betrachtung der unterschiedlichen Vor- und Nachteile von Speed-Reading. Die Hausarbeit schließt mit einem Fazit ab.

2 Theoretische Grundlagen

Die anschließenden Unterkapitel geben einen ersten Überblick über die theoretische Fundierung zu dem Thema Speed-Reading. Dazu werden vorerst die allgemeine Definition und die Entwicklung des Lesens erläutert.

2.1 Begriffsdefinition

Die häufigste Antwort auf die Frage, wie der allgemeine Begriff des Lesens definiert werden kann, liegt in der Aufnahme von Informationen. Allerdings sind einige Wissenschaftler und Psychologen der Ansicht, dass hier eine entscheidende Komponente fehlt. Schmitz definiert das Lesen beispielsweise als „die Interpretation von Symbolen zur Erfassung von Bedeutung“5. Dabei betont die Definition die Bedeutung. Denn ohne explizites Vorwissen und die entsprechende Verarbeitungsfähigkeit des Gehirns ist das menschliche Lesen nur eine inhaltsleere Aneinanderreihung von Symbolen oder Wörtern. Diese gilt es durch Erfahrungen und Basiswissen zu kompensieren, um die Symbole und Wörter, die gesehen werden, überhaupt zu begreifen. Erst danach können Informationen aufgenommen werden6 Peirick erweitert auf Basis wissenschaftlicher Untersuchungen diese Definition, indem er sagt, dass das Lesen ein vielschichtiger Prozess ist, der aus sieben einzelnen Teilbereichen besteht: Erkennen, Assimilierung, Innen-Integration, Außen-Integration, Festhalten, Ins Gedächtnis zurückrufen und Kommunikation. Er präzisiert, dass jeder einzelne Bereich zuerst entwickelt werden muss, um effektiv schnell lesen zu können.7 Verglichen mit dem allgemeinen Begriff des Lesens ist der Begriff des Speed-Readings somit nahezu identisch definiert, mit dem Unterschied, dass hier die Lesegeschwindigkeit die entscheidende Rolle spielt.

Zusammenfassend steht das Schnelllesen für die Fähigkeit, überdurchschnittlich schnell zu lesen und trotzdem die inhaltlichen Zusammenhänge zu verstehen.8

2.2 Die Entstehung von Speed-Reading

Der Ursprung des Speed-Reading liegt laut wissenschaftlichen Bekanntgaben im Beginn des letzten Jahrhunderts.9 Bereits im 1. Weltkrieg hatte die Royal Air Force herausgefunden, dass einige Piloten beim Fliegen nicht dazu fähig waren, ihre militärischen Ziele schnell und exakt zu lokalisieren und insbesondere von zivilen Objekten unterscheiden zu können. Somit machte es sich die Royal Air Force zur Aufgabe, herauszufinden, wie es Menschen ermöglicht werden kann, Informationen in kürzester Zeit aufzunehmen. Resultierend aus der Erkenntnis über diesen enormen Nachteil im Luftkampf, entwickelten die Taktiker eine Maschine mit dem Namen Tachistoskop, die für einen Sekundenbruchteil Informationen in Form von Buchstaben- und Zahlenkolonnen an die Wand projizierte. Hierbei wurde festgestellt, dass die Übung zwar kurzfristig gesehen zu einer schnelleren und größeren Aufnahme von Informationen führte, die Auffassungsbeschleunigung langfristig gesehen jedoch einige Wochen nach dem Trainingsende auf dem gleichen Stand war wie vor dem Trainingsbeginn. Dennoch waren diese Versuche hilfreich, da Erkenntnisse über die Zeit erzielt wurden, die zur Aufnahme von Informationen erforderlich sind. Durch das Tachistoskop konnte letztendlich anhand von verschiedenen Einstellungsänderungen nachgewiesen werden, dass entsprechend trainierte Menschen Informationen wesentlich schneller erkennen und verarbeiten können.10

3 Der Prozess des Lesens

Wie bereits in Kapitel 2.2 erläutert, sind für einen effizienten Leseprozess nicht die Symbole als Buchstaben und Wörter selbst entscheidend, sondern der Inhalt, der ihnen entnommen wird.11 Dass der Mensch lernen kann, schneller zu lesen, ist bereits seit vielen Jahren durch Psychologen und Gehirnforschern wissenschaftlich belegt worden. Hierbei wurde entdeckt, dass die neuronale Leistung des Gehirns in 3 Abschnitte unterteilt werden kann. Zuerst erfasst das menschliche Auge ein Wort oder Satzteil, aus denen es dann ein vorbewusstes Schriftbild erfasst. In einem zweiten Schritt wird dieses erstellte Schriftbild in der linken Gehirnhälfte in der Nähe der für die Sprachverarbeitung zuständigen Areale vertont. Hierbei prüft das Gehirn, ob es die Wörter kennt. Ist dies der Fall, so wird letztendlich alles, was der Leser über diese Wörter weiß, in das Bewusstsein gerufen: Gefühle, Erfahrungen und Vorurteile.12 Die nachfolgende Abbildung veranschaulicht diesen Prozess.

Abbildung aus urheberrechtlichen Gründen für die Veröffentlichen entfernt

Abbildung 1: How Speed-Reading Works

„Lesen ist immer ein Prozess von Fixierungen.“13 Hierbei wird die Fixierung als der Ort definiert, an dem das Auge stoppt, um Informationen aufzunehmen.14 Naturwissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge bewegt sich das Auge nicht fließend über eine Buchseite, sondern macht vielmehr kleine und regelmäßige Sprünge. Das Auge pausiert somit nach der Aufnahme von ein oder zwei Wörtern, um dann wieder seine Tätigkeit aufzunehmen und den Vorgang zu wiederholen. Nach diesem Mechanismus wird die Information nur in den Pausen aufgenommen, wodurch eine gezielte Verbesserung der Lesegeschwindigkeit durch eine Zeitverringerung ebendieser Pausen möglich ist.15

In der nachfolgenden Abbildung werden die Augenbewegungen unterschiedlicher Lesetypen angezeigt.

Abbildung aus urheberrechtlichen Gründen für die Veröffentlichung entfernt

Abbildung 2 : How the physical activity of reading really works

Hierbei ist auffällig, dass der langsame Leser ungefähr zweimal so viele Pausen macht, wie er für das Verstehen eigentlich benötigt. Dies begründet sich darin, dass er oft zurückspringt, um die Wörter nochmal zu lesen und manchmal sogar zurückgeht, um sicherzugehen, dass er alles richtig verstanden hat. Diese Gewohnheiten, zurückzuspringen und die Regression, machen die große Anzahl der Fixierungen aus. Der schnelle Leser hingegen leistet sich nur sehr selten diese Wiederholungen und macht stattdessen längere Lesesprünge, wodurch eine essentielle Zeitersparnis eintritt.16

4 Vor- und Nachteile von Speed Reading

Basierend auf den theoretischen Grundlagen werden in den nachfolgenden Unterkapiteln die jeweiligen Vor- und Nachteile von Speed-Reading aufgezeigt.

4.1 Nachteile von Speed-Reading

4.1.1 Hohe Zeitinvestition

Ausgehend von dem geringen Bekanntheitsgrad und der Ausbreitung des Speed-Reading, gibt es in der Wissenschaft einige vorherrschende kritische Meinungen zu diesem Thema. Der Grund hierfür liegt in der Tatsache, dass das Erlernen dieser Lesetechnik mit viel Übung verbunden ist und die Voraussetzung einer hohen Zeitinvestition aufweist, um die Fähigkeit des Speed-Reading erlernen zu können. Die Disziplin, die hierfür notwendig ist, kann heutzutage im Beruf- und Familienstress kaum aufgebracht werden.17

4.1.2 Deplatzierung in der Wissenschaft

Zudem gibt es laut Schwedler einige Vorurteile, die besagen, dass das Speed-Reading ungeeignet für den wissenschaftlichen Bereich ist, da gerade in wissenschaftlichen Themengebieten komplexe und schwierige Zusammenhänge verstanden werden müssen, die durch zu schnelles Lesen nicht richtig erfasst- und verarbeitet werden können.18

4.1.3 Fehlende Sinnlichkeit

Hinsichtlich des menschlichen Alltags herrscht in einigen Fällen die Meinung, dass die Technik des Speed-Readings in der Freizeit, zum Entspannen und zum Vergnügen nicht anwendbar ist. Zum einen können Bücher, die beispielsweise Detektivgeschichten beinhalten, nicht überblicksweise gelesen werden und zum anderen sei die Technik aufgrund der fehlenden Sinnlichkeit für Bücher aus den Themengebieten der Poesie und Literatur ungeeignet.19

Diejenigen, die das Speed-Reading gelernt haben und beherrschen, behaupten jedoch das Gegenteil und können eigenen Angaben zufolge durch Fakten den Glauben an diese Lesetechnik aufrechterhalten.20 Einige Vorteile, die diesen Fakten entsprechen, werden in den nachfolgenden Unterkapiteln aufgezeigt.

4.2 Vorteile von Speed-Reading

4.2.1 Emotionale Hochstimmung

Ein essentieller Vorteil des schnellen Lesens beruht auf der Erkenntnis, dass überdurchschnittlich schnelles Lesen maßgeblich dazu beiträgt, eine für den Denkprozess förderliche emotionale Hochstimmung zu erzeugen. Dies belegt eine im Jahr 2006 experimentell durchgeführte Studie der Wissenschaftler Daniel Wegener der Harvard Universität und Emily Pronin der Princeton Universität. Hierbei stellte sich heraus, dass die Höhe der maximal erreichbaren Lesegeschwindigkeit im Wesentlichen von sieben Faktoren abhängt: Konzentration, Kognitionsgeschwindigkeit, Kognitionsqualität, Emotion, Vorwissen, Wortschatz und IQ. Resultierend daraus gilt: Je höher die Geschwindigkeit beim Lesen, desto mehr Glück kann ein Individuum empfinden.sup21

[...]


1 Merg und Knödler 2007, S. 130

2 vgl. Peirick 2013

3 vgl. Buzan 2007, S. 47

4 vgl. Schmitz 2010, S. 19

5 Schmitz 2010, S. 19–20

6 vgl. Schmitz 2010, S. 19–20

7 vgl. Peirick 2013, S. 36–37

8 vgl. Buzan 2007, S. 57–61

9 vgl. Buzan 2007, S. 49

10 vgl. Peirick 2013, S. 38

11 vgl. Buzan 2007, S. 20

12 vgl. Matthes 2007, S. 1–3

13 Schmitz 2010, S. 20

14 vgl. Schmitz 2010, S. 20

15 vgl. Buzan 2007, S. 66–67

16 vgl. Buzan 2007, S. 66–70

17 vgl. Schwedler 2013

18 vgl. Schwedler 2013

19 vgl. Schwedler 2013

20 vgl. Schwedler 2013

21 vgl. Pronin und Wegener 2005, S. 807–811

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Vor- und Nachteile von Speed-Reading zur Bewältigung der Informationsflut. Eine kritische Diskussion
Hochschule
International School Of Management, Standort Frankfurt
Note
1,3
Autor
Jahr
2014
Seiten
12
Katalognummer
V455344
ISBN (eBook)
9783668882065
ISBN (Buch)
9783668882072
Sprache
Deutsch
Schlagworte
vor-, nachteile, speed-reading, bewältigung, informationsflut, eine, diskussion
Arbeit zitieren
Dalina Borsch (Autor), 2014, Vor- und Nachteile von Speed-Reading zur Bewältigung der Informationsflut. Eine kritische Diskussion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455344

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