"Auswärtige Kulturpolitik [...] gehört zum Fundament der Außenpolitik" - Aussagen wie die des ehemaligen Generalsekretärs des Instituts für Auslandsbeziehungen (ifa), Kurt-Jürgen Maaß (1998-2008), spiegeln den Wandel wider, den das Politikfeld der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik in den letzten vierzig Jahren durchlaufen hat.
Diese Arbeit wird zunächst einen Überblick über die deutsche Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik geben. Dazu gehören ihre Definition und Aufgaben, ihre historische Entwicklung und ihre Organisation in Deutschland. Im nächsten Kapitel werden die Theorien ausgeführt. Das sind zum einen die Verständnisse der „Public Diplomacy“ und die damit verbundene „Dachtheorie“ der „soft power“ nach Joseph Nye, die Begrifflichkeit des Nationenimages und die Strategien für eine erfolgreiche „Public Diplomacy“. Das nachfolgende Kapitel setzt sich mit der Analyse verschiedener auseinander. Ein Fazit fasst die zentralen Ergebnisse zusammen und formuliert weiterführende Forschungsfragen.
Die Auswahl der Quellen wurde auf drei Dokumente beschränkt: Die „Leitsätze für die auswärtige Kulturpolitik“ von 1970, die die erste konzeptionelle Grundlage der Bundesregierung bilden. Einen weiteren Meilenstein bildet die „Konzeption 2000“ durch ihre inhaltliche Neuausrichtung der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik. Als letztes und aktuellstes Dokument veranschaulicht der „18. Bericht der Bundesregierung zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik 2013/14“ das „neue Gewicht“ dieses Politikfeldes. Die „Konzeption 2011“, die an die „Konzeption 2000“ anknüpft, ist - trotz ihres konzeptionellen Charakters - aufgrund ihrer fehlenden praktischen Auswirkungen nicht Bestandteil dieser Analyse.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die deutsche Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik
2.1 Definition und Aufgaben
2.2 Entstehung und Entwicklung der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
2.2.1 Von der Entstehung bis 1945
2.2.2 Neubeginn nach 1945
2.2.2.1 Erste Phase: Nach dem zweiten Weltkrieg
2.2.2.2 Zweite Phase: Reformen in der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik
2.2.2.3 Dritte Phase: Nach der deutschen Einheit
2.2.2.4 Gegenwart: Konzeption 2000 und danach
2.2.3 Zwischenfazit
2.3 Organisation der deutschen Auswärtigen Kultur-und Bildungspolitik
2.3.1 Das Auswärtige Amt
2.3.2 Die Mittlerorganisationen und weitere beteiligte Akteure
3. Theorie
3.1 Einführung
3.2 „Soft power“ – „hard power“
3.3 „Public Diplomacy“
3.4 Image
3.5 Nationenimages
3.6 „Public Diplomacy“ Strategien
3.6.1 Glaubwürdigkeit
3.6.2 Ganzheitliche Ausrichtung
3.6.3 Netzwerk & Dialog
3.6.4 Langfristigkeit und Nachhaltigkeit
3.6.5 „Side attacks“
3.6.6 Staatsferne
4. Analyse
4.1 Einführung und Vorgehen
4.2 Analyse: „Leitsätze für die auswärtige Kulturpolitik“ von 1970
4.3 Analyse: „Konzeption 2000“
4.4 Analyse: „18. Bericht der Bundesregierung zur Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik 2013/14. Grenzen überbrücken – Werte teilen – Wissen schaffen – die Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik in globaler Verantwortung“
4.5 Zwischenfazit
5. Fazit
Zielsetzung & Themen der Bachelorarbeit
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht, inwiefern sich das Konzept der „Public Diplomacy“ als Charakteristikum der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik seit 1970 in den offiziellen Regierungsdokumenten identifizieren lässt. Dabei wird analysiert, welche spezifischen „Public Diplomacy“-Verständnisse und Strategien zu den Zeitpunkten 1970, 2000 sowie 2013/14 maßgeblich waren.
- Wandel der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik von 1970 bis heute.
- Theoretische Fundierung durch „Soft Power“ und verschiedene „Public Diplomacy“-Ansätze.
- Analyse zentraler Regierungsdokumente (Leitsätze 1970, Konzeption 2000, Bericht 2013/14).
- Identifikation von Strategien wie Glaubwürdigkeit, Netzwerk & Dialog und Staatsferne.
- Überprüfung der Bedeutung dieses Politikfeldes als Instrument der Außenpolitik.
Auszug aus dem Buch
3.6.1 Glaubwürdigkeit
Das Prinzip der Glaubwürdigkeit ist für die „Public Diplomacy“ essentiell. Glaubwürdigkeit kann von Staaten nur bei einer Konvergenz zwischen innerpolitischen Werten und nach außen getragenen Repräsentationen erzeugt werden. Das begründet sich aus der Annahme, dass eine erfolgreiche Kommunikation und Darstellung im Ausland nur glaubwürdig ist, wenn sie der Realität entspricht. (Vgl. Karten 2008, S. 186)
Somit ist Glaubwürdigkeit erreicht, wenn „die Selbstdarstellung mit der Realität übereinstimmt und Werte und Identitäten abbildet, die im öffentlichen Leben tatsächlich akzeptiert werden.“ (Schwan 2011, S. 187) Das bedeutet, dass das Vertreten von bestimmten Werten nach außen möglicherweise zunächst mit einer innenpolitischen Wende einhergehen muss. „Eine grundlegende Imageänderung kann nur aus einer Verhaltensänderung resultieren.“ (Karten 2008, S. 169)
Regierungen haben allerdings in der Praxis oftmals Schwierigkeiten mit dem Aufbau von Glaubwürdigkeit, „weil ihrer Kommunikation aus historischen und strukturellen Gründen schnell eine Propaganda-Konnotation anhaftet.“ (Schwan 2011, S. 188)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das wachsende Politikfeld der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik ein und definiert das Ziel, die Veränderungen dieses Feldes seit 1970 anhand des „Public Diplomacy“-Konzepts zu charakterisieren.
2. Die deutsche Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik: Dieses Kapitel gibt einen historischen Überblick über die Entwicklung und die institutionelle Organisation der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, von den Anfängen bis zur Gegenwart.
3. Theorie: Hier werden theoretische Grundlagen wie „Soft Power“, „Public Diplomacy“, Nationenimages und spezifische Strategien zur Imagesteuerung dargelegt, die für die Analyse unerlässlich sind.
4. Analyse: In diesem Hauptteil werden drei zentrale Regierungsdokumente aus den Jahren 1970, 2000 und 2013/14 anhand eines Kategoriensystems qualitativ inhaltsanalytisch untersucht, um die Anwendung von „Public Diplomacy“-Strategien nachzuweisen.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse der Analyse zusammen, bestätigt die Forschungsfrage hinsichtlich der Präsenz von „Public Diplomacy“-Strategien und ordnet die Bedeutung der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik als Fundament der Außenpolitik ein.
Schlüsselwörter
Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, Public Diplomacy, Soft Power, Nationenimage, Auswärtiges Amt, Mittlerorganisationen, Kulturpolitik, Außenpolitik, Glaubwürdigkeit, Internationale Beziehungen, Strategische Kommunikation, Deutschlandbild, Wertevermittlung, Netzwerke, Politische Kultur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie sich die deutsche Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik seit 1970 entwickelt hat und ob dabei Strategien der „Public Diplomacy“ angewendet wurden, um Deutschland international zu positionieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Arbeit fokussiert sich auf die Entwicklung der Kulturpolitik, die theoretischen Ansätze der staatlichen Außenkommunikation sowie die konkrete Untersuchung offizieller Regierungsdokumente auf Strategien zur Imagepflege und Einflussnahme.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, welches der drei „Public Diplomacy“-Verständnisse der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik zu den Zeitpunkten 1970, 2000 und 2013/14 jeweils zugrunde lag und ob sich „Public Diplomacy“-Strategien in diesen Dokumenten nachweisen lassen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Für die Analyse wird die Methode der qualitativen Inhaltsanalyse nach Philipp Mayring verwendet, um die Primärquellen strukturiert hinsichtlich des Kategoriensystems auszuwerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil findet die systematische Analyse der „Leitsätze für die auswärtige Kulturpolitik“ (1970), der „Konzeption 2000“ und des „18. Berichts der Bundesregierung“ (2013/14) statt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Auswärtige Kultur- und Bildungspolitik, Public Diplomacy, Soft Power, Nationenimage und Auswärtiges Amt.
Wie unterscheidet sich die Konzeption 2000 von den früheren Leitsätzen?
Während die Leitsätze von 1970 primär der Wiedereingliederung in die internationale Gemeinschaft dienten, zielte die „Konzeption 2000“ stärker auf die Verbreitung demokratischer Werte und die Ausübung politischen Einflusses ab.
Welche Rolle spielen die sogenannten „Mittlerorganisationen“?
Die Mittlerorganisationen sind essenziell für die deutsche Kulturpolitik, da sie durch ihre relative Staatsferne eine höhere Glaubwürdigkeit genießen und als operative Akteure die staatlichen Ziele im Ausland umsetzen.
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- Stella Scheld (Author), 2018, Public Diplomacy. Ein Charakteristikum der deutschen Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik ab 1970?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455365