Kuba nach Castro. Fallbeispiel einer Transformationsgesellschaft


Bachelorarbeit, 2018
84 Seiten, Note: 1,5

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1.Vorwort

2. Definitionen verschiedener Ordnungen
2.1 Demokratie und Kapitalismus
2.2 Sozialismus und Kommunismus

3. Geschichte Kubas
3.1 Die „präkolumbianische“ Epoche
3.2 Kuba während der spanischen Kolonialzeit
3.3 Die Kolonialgesellschaft
3.4 José Martí und die Unabhängigkeitskriege
3.5 Kuba nach dem Ende der Kolonialzeit - in die Arme der USA
3.6 Das Platt-Amendment
3.7 Die erste undemokratische Republik auf der Insel
3.8 Die Diktatur nicht nur unter Batista
3.9 La Revolucíon al final?

4. Kuba nach Castro
4.1 Die sozialistische Umwandlung
4.2 Die Raketenkrise
4.3 „Periodo especial en tiempo de paz“
4.4 Menschenrechtsverletzungen im Sozialismus

5. Das heutige Kuba
5.1 Empirische Untersuchung
5.1.1. Methodisches Vorgehen
5.1.2. Datenerhebung
5.1.3. Aufbau des Interviewleifadens
5.1.4 Auswertungsweise der Empirie
5.1.5 Ergebnisse aus der Sozialforschung
5.2 Musiker vs. Reiseleiter
5.3 Die Öffnung des castristischen Kubas
5.3.1 eine weitere Transformation für die Gesellschaft?
5.3.2 Der Sonderling in der Wirtschaft Kubas: der Tourismus

6. Umsetzung in der Schule/Unterrichtsentwurf
6.1 Didaktische Analyse
6.2 Didaktische Reduktion
6.3 Lernziele/Kompetenzen
6.4 Strukturskizze im Fach Gemeinschaftskunde für die 10. Klassenstufe
6.5 Methodische Analyse in tabellarischer Form
6.6 Arbeitsmaterialien

7. Schlussfolgerung

8. Literaturverzeichnis
8.1 Internetquellen
8.2 Quellen der Abbildungen
8.3 Bildquellen der Arbeitsmaterialien

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Die neun ersten Städte Kubas

Abb. 2: Blick aus dem Sklaventurm auf das Herrenhaus

Abb. 3: Blick aus dem Sklaventurm auf das Tal der Zuckermühlen

Abb. 4: José Martí

Abb. 5: „Victime de la Reconcentracíon"

Abb.6: Ausstellung des Revolutionssieges

Abb. 7: Schaubild aus dem Museum Gíron

Abb. 8: Fidel Castros Worte nach dem Sieg in der Schweinebucht

Abb. 9: Das Heftchen „libreta“

Abb. 10: Ausschnitt der EDIs und seine Komponenten für das Jahr

Ab b. 11: Fidel Castro und Nikita Chruschtschow

Abb. 12: „agua y jabón“ (Shop für Wasser und Seife in Havanna)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

1.Vorwort

Während meines Studiums an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg hatte ich das Glück, an der „Großexkursion Kuba“ im Fach Geographie teilnehmen zu können. Da ich die Gelegenheit bekommen hatte, ein anderes politisches System zu entdecken, entschied ich mich, für eine längere Zeit in Kuba zu bleiben, um meine wissenschaftliche Hausarbeit im Fach Politikwissenschaft mit den vor Ort gewonnenen Kenntnissen zu verfassen. Die Karibikinsel Kuba faszinierte mich durch ihre tropische, endemische Landschaft sowie durch ihre politische Natur – diese Elemente haben mich davon überzeugt, sie als Thematik meiner wissenschaftlichen Hausarbeit zu wählen.

Der Nationalheld Kubas, José Martí, sagte einmal: „Ein Volk ist nicht unabhängig, wenn es die Ketten seiner Herren gesprengt hat; es beginnt, unabhängig zu werden, nachdem es aus seinem Inneren die Übel der besiegten Sklaverei herausgerissen hat und neue Auffassungen zum Leben zu vertreten beginnt und verkündet, dass die Auffassungen, die zu der gewohnten Unterwürfigkeit der Vergangenheit, der Willensschwäche, Ohnmacht und Schmeichelei, die von den despotischen Herrschaftsformen als Machtinstrumente über die versklavten Völker benutzt werden, im krassen Gegensatz stehen“(Vichot, 2015, S.6).

Mein Ziel ist es, die nach Castro stark veränderte kubanische Gesellschaft aufzuzeigen und die Gründe dafür zu erforschen, dass das kubanische Territorium so empfänglich für den Sozialismus war. Dafür werde ich Schritt für Schritt die Geschichte Kubas aufarbeiten, um den Weg eines unterworfenen, willensschwachen, ohnmächtigen Volkes, wie es José Martí beschrieben hat, hin zu einem sozialistischen Staat zu veranschaulichen.

Um die Arbeitsgrundlage zu optimieren, werde ich die für die wissenschaftliche Hausarbeit wichtigen Wirtschafts- und Gesellschaftsordnungen zu Beginn definieren, damit eine adäquate Vergleichbarkeit gewährleistet werden kann. Des Weiteren werde ich zwei kubanische Literaturquellen für meine Arbeit heranziehen.

Zudem spielt das heutige Kuba eine wichtige Rolle. Freilich konnte ich nur eine bestimmte Zeit in Kuba verbringen, dennoch habe ich einen großen Einblick in das Leben vieler Kubanerinnen und Kubaner gewonnen. Ich werde zwei verschiedene Persönlichkeiten gegenüberstellen, um die Differenzen in der heutigen kubanischen, sozialistischen Gesellschaft zu verdeutlichen. Darüber hinaus habe ich Kubanerinnen und Kubaner in Havanna darum gebeten, ihre Meinung zum Sozialismus zu äußern, und war in manchen Situationen sehr überrascht von den Antworten. Diese werden ihren Platz in der Empirie und deren Auswertung finden.

Zuletzt stelle ich einen schulischen Bezug zum Sozialismus in Kuba her, indem ich einen möglichen Unterrichtsentwurf für die Sekundarstufe I erstelle, in welchem ich meine didaktisch-methodische Vorgehensweise erläutere. Für eine bessere Vorstellung der geplanten Stunde über den Sozialismus werde ich die benötigten Arbeitsmaterialen mit einbeziehen.

2. Definitionen verschiedener Ordnungen

2.1 Demokratie und Kapitalismus

Das Wort „Demokratie“ kommt aus dem Griechischen und bezeichnet eine Herrschaftsform, die sich zugleich von anderen Herrschaftsformen, wie z.B. von der Monarchie oder Oligarchie abgrenzt. „Demos“ steht für das Volk und „kratía“ für die Herrschaft. Folglich bedeutet „Demokratie“ nichts anderes als die direkte Herrschaft des Volkes. Das heißt, das Volk regiert über sich selbst durch sich selbst. Für eine weitere Spezifizierung des Begriffs „Demokratie“ sorgte der US-amerikanische Präsident Abraham Lincoln. Diese ist heutzutage bekannt als die „Lincoln-Formel”: „Government of the people, by the people, for the people”. Im engeren Sinn bedeutet dies, dass das Objekt und das Subjekt der Regierung das Volk sei, sowie dass alle Handlung für das Volk durchgeführt wird. Ob die Form der Demokratiebeteiligung direkt oder repräsentativ erfolgen soll, ist offengelegt (Marschall, 2014, S.15f.).

Seit der Antike veränderte sich der Demokratiebegriff signifikant, sodass es schwierig ist, diesen komplexen Begriff auf eine einzige Definition zu beschränken. Angesichts dieser Komplexität werde ich nur auf die moderne Demokratieauffassung, wie sie in den liberal repräsentativen Verfassungsstaaten vorherrscht z.B. in der Bundesrepublik Deutschland, Bezug nehmen.

Nach Sartori verschmilzt die Demokratie mit dem Liberalismus und bildet den „liberalen Verfassungsstaat“, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, die individuelle Freiheit des Einzelnen selbst vor dem Staate zu schützen. Folglich etabliert sich die Rechtsstaatlichkeit durch die Bindung an die Verfassung, die ebenfalls die Gewaltenteilung in sich aufnimmt. Montesquieu stellte die Gewaltenteilungslehre mit diesen Worten auf: „Sobald in ein- und derselben Person oder derselben Beamtenschaft die legislative Befugnis mit der exekutiven verbunden ist, gibt es keine Freiheit. […] Freiheit gibt es auch nicht, wenn die richterliche Befugnis nicht von der legislativen und von der exekutiven Befugnis geschieden wird.“ Das bedeutet, dass die Legislative, Exekutive und Judikative voneinander getrennt sein müssen, um den Missbrauch der Macht in einer Demokratie zu verhindern. Schließlich gibt es in der modernen Demokratie eine weitere, eine vierte Gewalt, nämlich die Medien aufgrund ihrer starken Kontrolle hinsichtlich aller drei Gewalten (Marschall, 2014, S.46f.).

Auch die Menschenrechte sind in einer modernen Demokratie unabdingbar geworden und werden dargestellt in einem Menschenrechtskatalog, der zum Schutze aller dient und an den jeder Bürger rechtlich gebunden ist. Zudem besitzt das Volk ein Wahlrecht, welches dem Mehrheitsprinzip folgt. Mit diesem Wahlrecht kann das Volk Parteien dazu ermächtigen, im Parlament zu erscheinen, um die weiteren Instanzen des Verfassungsstaates zu bestimmen (ebd., S.47f.).

In dieser modernen, politischen Herrschaftsform des Volkes wandert nach Max Weber und anderen Gelehrten ein besonderes Phänomen umher, nämlich der „Geist des Kapitalismus“ in der okzidentalen Moderne. In seinem Oeuvre untersuchte Weber die Wirtschaftsethik der Weltreligionen. Aus seiner Sicht interagierte der Protestantismus mit dem Geist des Kapitalismus erstmalig auf dem US-amerikanischen Terrain (Müller, 2007, S.12). Nach dem Fall der Kirche kam es zur methodisch-rationalen Lebensführung der Puritaner, in welcher die Berufspflicht im Mittelpunkt stand, weil dem Mystisch-Magischen keinerlei Bedeutung mehr zugeschrieben wurde. Nun widmeten sich die Puritaner diszipliniert ihren Berufen. Freilich brauchte die rationale Lebensführung nach Weber sowohl die rationale Technik und das rationale Recht, welches in einer Verfassung verankert sein musste, als auch den ökonomischen Rationalismus (RS I, 12).

Der Begriff „Kapitalismus“ findet seine erste Anwendung im 19. Jahrhundert. Man assoziiert damit das Privateigentum, Mechanismen des Marktes sowie die Profitmaximierung, jedoch ist der Gewinn bei einem „ungleichen Tausch“ erzielbar. Während der Industrialisierung war das Kapital von der Produktion abhängig. Folglich bestimmte der Arbeitsmarkt die gesellschaftliche Lage eines Landes. Durch den Untergang des Feudalsystems wurde die Gier der Menschen nach Profit geweckt, der es ihnen erlaubte, ihr eigenes Leben zu gestalten. Zugleich entstand durch das Angebot der Unternehmen und die daraus folgende Nachfrage der Bevölkerung ein Gleichgewicht der Märkte. Des Weiteren erlaubte die Freihandelspolitik die Öffnung der nationalen Wirtschaft nach außen. Die Globalisierung beschleunigte sich durch die neuen Transport- und Kommunikationsmittel. Freilich wurde der Massenkonsum durch die Produktionssteigerung und durch die geschaffene Warenvielfalt gefördert (Leidinger, 2008, S.81f.).

Aufgrund der misslichen Lage der Arbeiter und deren Familien entstanden verschiedene Gewerkschaften und sozialistische Parteien, deren Ziel es war, Reformen durchzusetzen, um bessere allgemeine Lebensbedingungen zu schaffen. In diesem Kontext wurde der Kapitalismus durch die Sozialdemokratie gemildert. Mithilfe des Protektionismus erfuhren Großbetriebe wirtschaftliche Vorteile, die sie sich in ihren Protektoraten zu Nutze machten. Man spricht vom Zeitalter des „Imperialismus“, in welchem Rivalität zwischen allen Großmächten herrschte. Als Konsequenz machten diese sich auf die Suche nach neuen Einflussgebieten: Kolonien. Der Industriestaat Großbritannien stand an erster Stelle und wurde im späteren 19.Jahrhundert von den USA abgelöst (ebd., S.82).

Das Kapital konzentrierte sich. Es führte zur Bildung von Konzernen, Kartellen usw.. Monopolstellungen beeinflussten die Marktfähigkeit von kleineren Betrieben. Gegen diese Tendenz wurden internationale Organisationen gegründet, wie z.B. die Weltbank, der Internationale Währungsfonds (IWF) und die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Diese sollten es schaffen, die globale Wirtschaft in ein Gleichgewicht der Machtverhältnisse zu bringen. Es folgte die Entwicklung, dass „Geld zur Ware“ wird, d.h. Aktien und Finanzderivate verursachten die Loslösung des Kapitals von der „Realwirtschaft“, die bisher die Produktion von Waren gekennzeichnet hatte. Nun waren die internationalen Geldströme unkontrollierbar geworden. In Betrachtung all dieser Entwicklungen des Kapitalismus profitierten nur die ersten führenden Industriestaaten der Welt. Postkoloniale Gesellschaften waren die Verlierer des Phänomens „Kapitalismus“. Dies ist anhand der ungleichen Güterverteilung und der globalen Massenmigration erkennbar (ebd., S.82ff.).

2.2 Sozialismus und Kommunismus

Der „Bund der Gerechten“, der sich 1837 zusammenfand, sah es nicht nur als Ziel an, eine Republik ohne Monarchen zu erschaffen, sondern wollte die Gleichheit aller Menschen in einem völlig neuen System etablieren, das eine neue Gesellschaft schaffen sollte. Die „Egalität“ inspirierte Karl Marx und Friedrich Engels. Sie unterteilten den Begriff des Sozialismus in „reaktionäre Sozialisten“, in „Bourgeoissozialisten“ und in „demokratische Sozialisten“ – sich selbst nannten sie jedoch „Kommunisten“. Ursprünglich stammt dieser Begriff aus dem Lateinischen: „communis“, bedeutet „gemeinsam“. In den damaligen Arbeiterbewegungen wurden Sozialismus und Kommunismus als Synonyme verwendet. Die Trennung dieser Begriffe vollzog sich im Jahre 1917 während der Russischen Revolution. Der Sturz der bestehenden Regierung durch die Revolution des Proletariats und dessen spätere Diktatur über die Gesellschaft beschreibt die erste Phase in der Umgestaltung der gesellschaftlichen Ordnung. Diese Zwischensituation wurde dem Sozialismus zugeschrieben, weil es Zeit in Anspruch nehmen würde, den vollkommenen Kommunismus, der als Endziel dieses Vorhabens galt, zu etablieren (Leidinger, Moritz, 2008, S.9f.).

In Großbritannien, dem Geburtsland des „modernen Kapitalismus“, zeigten sich die Schattenseiten der Industrialisierung im 19.Jahrhundert. Die Fabrikarbeiter litten unter unzumutbaren; arbeitsintensiven Bedingungen, die den Fabrikanten als Profiteinnahmen dienten. Der britische Unternehmer Robert Owen versuchte mit seinen ersten Vorschlägen, eine Verbesserung des Zusammenlebens zu erzielen. Dieselben Absichten fanden sich auch in Frankreich, dem Land der Bourgeoisie, wieder. Infolgedessen wurden Owen und andere Persönlichkeiten, die die sozialen Ungerechtigkeiten minimieren wollten, als „moderne Sozialisten“ betitelt. Somit galt der Begriff „Sozialismus“ als antikapitalistisches Phänomen (ebd., S.12f.). Diese Frühsozialisten galten insofern als modern, da der Ursprung des Sozialismusbegriffs bis in die Antike zurückreicht. Aristoteles verwendete damals den Terminus „animal sociale“ und beschrieb den Menschen als ein Wesen, welches seine eigenen Mängel nur in der Gemeinschaft ausgleichen könne (ebd., S.18).

Marx/Engels: „Der Fortschritt der Industrie, dessen willenloser und widerstandsloser Träger die Bourgeoisie ist, setzt an die Stelle der Isolierung der Arbeiter durch die Konkurrenz ihre revolutionäre Vereinigung durch die Assoziation. Mit der Entwicklung der großen Industrie wird also unter den Füßen der Bourgeoisie die Grundlage selbst hinweggezogen, worauf sie produziert und die Produkte sich aneignet. Sie produziert vor allem ihren eigenen Totengräber. Ihr Untergang und der Sieg des Proletariats sind gleich unvermeidlich“ (Manifest der Kommunistischen Partei 37).

Mit der Veröffentlichung des „Kommunistischen Manifest“ im Jahre 1848 wurde der „Bund der Gerechten“ in den „Bund der Kommunisten“ umgewandelt. Sie vertraten radikale internationale Interessen der Arbeiterschaften, jedoch konnten sie keine Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Folglich löste sich der Bund der Kommunisten auf. Karl Marx, der stark von Friedrich Engels unterstützt wurde, schrieb weitere drei Werke des „Kapitals“, die nun die Thesen des Kommunistischen Manifest beweisen sollten (ebd., S.66f.).

Karl Marx schildert in seinen Werken die zu erwartende Endsituation des Kapitalismus, indem er von einigen wenigen sehr wohlhabenden Kapitalisten ausgeht, welchen eine breite Masse von sehr armen Arbeitern gegenübersteht. Die für ihn geltende letzte Folge dieser Katastrophe müsse die Enteignung allen Privateigentums und die Vergesellschaftung aller Produktionsmittel sein. Die bisherige wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung solle durch die Einführung der sozialen Planwirtschaft und durch die Verwirklichung des Kommunismus abgelöst werden (ebd. 67 ff.).

Im Gegensatz zu den Sozialisten gelten die Kommunisten als radikalere Idealisten, die eine gemeinsame „Gütergemeinschaft“ anstreben. Die neu zu erschaffende Gesellschaft im Kommunismus solle eine „herrschafts- und klassenlosen Gesellschaft“ werden, die dem Egalitätsprinzip folgend eine gerechte Verteilung von Gütern vornimmt. Im Kommunismus bestünde kein Herrschaftssystem oder Personen mit höheren Positionen als andere. Jeder sei gleich (ebd., S.17).

Außerdem kritisierte Marx im 19.Jahrhundert die Religion als ein „frein“ (Bremse), da sie das „Proletariat“ daran hindere, den notwendigen Protest und Rebellion gegenüber den großen Unternehmern auszuüben. Dies veranlasste ihn zu folgenden sehr bekannten Worten: „Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes“ (Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie, S.11).

3. Geschichte Kubas

3.1 Die „präkolumbianische“ Epoche

Der ursprüngliche Name Kubas lautete „Colba“. Zum ersten Mal wurde diese Bezeichnung durch das Volk der Taíno verwendet, welches im äußersten Osten der größten Antilleninsel lebte. Nach der Entdeckung durch Kolumbus verbreitete sich der ursprüngliche Name und veränderte sich zum „klingenderen Cuba“ (Zeuske, 2016, S.9).

Die Taínos, die Subtaínos und die Ciboney waren die drei einzigen Völker, die sich vor der Entdeckung durch Kolumbus auf Kuba angesiedelt hatten. Die Siedlungsgeschichte der Ciboney kann vor etwa 10.000 Jahren belegt werden. Sie sammelten und jagten im Westen Kubas.

Im weiteren Verlauf der Geschichte erschien das Volk der Subtaínos, welches die Böden landwirtschaftlich nutzte und z.B. durch Brandrodungsfeldbau markant war.

Zuletzt kam die Völkergruppe der Taíno auf die Insel. Sie betrieben dieselbe Form der Landwirtschaft, jeoch zeichneten sie sich auch durch ihre Jagdkunst sowie durch ihre Bauwerke aus (z.B. die Hängematte).

Diese drei Urvölker und weitere Stämme auf den Antilleninseln sowie die Völker auf dem amerikanischen Festland wurden aufgrund der Entdeckung durch Kolumbus als „Indíos“ bezeichnet. Dies ist auf die Annahme, Indien über den Westweg erreicht zu haben, zurückzuführen (ebd., S.9).

3.2 Kuba während der spanischen Kolonialzeit

Am 27. Oktober 1492 stieß Christoph Kolumbus auf die Insel Kuba. Dennoch begann die spanische „Pacificación“(Befriedigung) erst im Jahre 1510. In dieser Zeit der verherrlichten Eroberung, die friedvoll und im Sinne der Christianisierung verlaufen sollte, fand die Mehrheit der „Indíos“ ihren Tod durch die aus Europa eingeführten Krankheiten und Gewalttaten.

Für die Kontrollsicherung des neu eroberten Landes wurden von den Spaniern neun Städte gegründet. Baracoa, Bayamo, Trinidad, Santi Spíritus, Havanna, Puerto Principe, Camagüey und Santiago de Cuba befanden sich unter den ersten Städten Kubas. Von diesen Standorten aus vollzogen die spanischen Konquistadoren die Ausbeutung der Insel (Vichot, 2015, S.13).

Abb. 1: Die neun ersten Städte Kubas

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Zeuske, 2016, S.259

Die spanische Krone vergab an die Eroberer die „Encomienda“(Anvertrauen), welche sinngemäß die Übergabe der wirtschaftlichen Tätigkeit der indigenen Bevölkerung bedeutete. Nun waren die Konquistadoren dazu verpflichtet, sich um die Eingeborenen zu kümmern, d.h. ihnen Kleidung und Ernährung zu beschaffen sowie die entsprechende Christianisierung zu organisieren (Vichot, 2015, S.4).

Nun zwang die Nahrungsmittelknappheit die Spanier dazu, die traditionelle Landwirtschaft der indigenen Bevölkerung zu nutzen. Somit etablierte sich Kuba zu einem strategisch wichtigen Standort in der Karibik. Von dort aus waren weitere Expeditionen mit ausreichend Proviant möglich. Die Stadt Havanna, die im Westen Kubas am atlantischen Ozean liegt, war der wichtigste maritime Stützpunkt Spaniens, „vor allem durch den Schiffs- und Festigungsbau sowie die Versorgung der Flotten […]“ (Zeuske, 2016, S.28).

Die Hauptstadt Kubas und ihre Region wurden später zum Zucker- und Tabakanbau genutzt. In Europa stiegen die Preise stark an. Trotz dessen war der Handel von Zucker und Tabak stark eingeschränkt und löste den Schmuggel auf der Insel aus.

Dies ist auf die merkantilistischen Prinzipien der spanischen Monarchie zurückzuführen. Der Handel wurde mithilfe der „Casa de Contratación de Sevilla“(Sevillaner Handelskammer) als geschlossenes Monopol geführt. Des Weiteren wurden viele europäische Nationen auf die ressourcenreiche Insel aufmerksam, wodurch es zu Piraterie und Plünderungen kam (Vichot, 2015, S.14-15).

Nicht nur der Schleichhandel von Rohstoffen blühte, sondern auch der von Sklaven. Kaum eine andere Insel war so lange von der Sklaverei geplagt wie Kuba. Die Entdeckung durch Kolumbus löste eine fast komplette Elimination der indigenen Bevölkerung aus. Folglich mussten Sklaven aus Afrika ihren Platz einnehmen. Ein weiterer Grund des atlantischen Sklavenhandels war die körperliche Resistenz der Sklaven aus Afrika, d.h. 14-16 Arbeitsstunden wurden täglich von ihnen geleistet (Vilaboy, Vega, 2014, S.7).

Die „esclavitud“(Sklaverei) in Kuba begann im Jahre 1534 und fand ihre endgültige Abolition im Jahre 1886 (Meissner, Mücke, Weber, 2008, S.208). „Sklave und Herr wurden als Angehörige unterschiedlicher Rassen imaginiert, so dass Sklaverei und Rassismus hier fast immer Hand in Hand gingen“ (ebd., S. 31). So verursachte der atlantische Sklavenhandel die unmenschlichsten Bedingungen auf dem amerikanischen Kontinent. Die Zwangsprostitution der Sklaven war eines dieser Übel.

Im 18.Jahrhundert kam es mit der Dynastie der Bourbonen zu einem Herrschaftswechsel. Deshalb modernisierte sich die Wirtschaft Kubas, zugleich wurde die königliche Handelsgesellschaft „Real Compania de Comercio de la Habana“ gegründet, welche die wirtschaftlichen Aktivitäten auf der Insel dirigierte (Vichot, 2015, S.17).

Doch der Siebenjährige Krieg, der von 1756 bis 1763 andauerte, sollte sich auch in Kuba bemerkbar machen. Deshalb geriet die Insel von 1762 bis 1763 in die Hand Großbritanniens, aber überraschte durch ihren wirtschaftlichen Aufschwung, welcher das Scheitern des spanischen Kolonialsystems signalisierte. Nach der Okkupation traf König Karl III verschiedene Maßnahmen, um Kuba eine bessere wirtschaftliche Zukunft zu ermöglichen. Zum einen wurde die militärische Verteidigung nach außen durch die Festung San Carlos de la Cabana in Havanna gestärkt. Hinzu kamen verschiedene Regierungspaläste und Kathedralen, die bis heute das Landschaftsbild Kubas prägen, sowie auch die Expansion des Handels mit ausländischen Partnern. Zum anderen wurden die Intendantur und eine Art Meldebehörde gegründet. Eine Volkszählung im Jahre 1774 ergab 171.620 Einwohner (ebd., S18 f.).

Weitere Ereignisse in der Geschichte veränderten die Bedingungen auf der Insel. Dazu gehören die Unabhängigkeitskriege der englischen Kolonien in Nordamerika sowie die haitianische Sklavenrevolution. Aufgrund der spanischen Beteiligung am nordamerikanischem Konflikt wurde die Handelsbeziehung zu den Vereinigten Staaten gestattet. Zum anderen erlebten die Preise von Nahrungsmitteln wie Kaffee und Zucker eine Konjunktur. Dies war der haitianischen Sklavenrevolution zu verdanken (ebd., S. 19).

Die Nachkommen der Europäer, genannt Kreolen, waren in Kuba sehr mächtig. Sie waren in der „Sociedad Económica de Amigos del País“(Wirtschaftsgesellschaft) und im „Real Consulado“(Handelsgericht) vertreten. Aus der damaligen politisch instabilen Lage Kubas zogen sie ihren Nutzen. Für ihr strategisches Verhalten erhielten sie seitens der Bourbonendynastie Handelsfreiheit und Anerkennung von Landeigentum (ebd., S.20).

Durch die Sprengung der politischen Einschränkungen wurde der Geist des Kapitalismus auf der Insel freigelassen. Somit erreichte die Sklaverei aufgrund der kreolischen Erwerbs- und Produktivitätsgier ihren Höhepunkt. Im Jahre 1841 umfasste die Population 1,5 Mio. Einwohner in Kuba, darunter einige wenige Kreolen, spanische Handelshäuser und eine Menge von Sklaven (ebd., S.20). Diese ungeheure Kluft zwischen arm und reich, weiß und schwarz, frei und leibeigen würde sich im späteren Verlauf der Geschichte rächen.

Nach und nach entwickelte sich die kubanische Nationalität und zeigte sich in Form von Literatur und Kunst. Ende des 19.Jahrhunderts waren zwei entgegengesetzte Interessen innerhalb der kubanischen Bevölkerung zu erkennen. Die einen, beispielsweise die Plantagenbesitzer, sahen die Annexion an die Vereinigten Staaten als die beste Lösung für die Insel. Die andere Seite hatte Sehnsucht nach etwas Bestimmten, nämlich nach Unabhängigkeit.

In Anbetracht der spanischen Kolonialzeit stellt man folgende Charakteristika der kubanischen Bevölkerung fest. Erstens: Das gesellschaftliche Leben wurde sehr stark von der katholischen Kirche beeinflusst und eingeschränkt. Sie unterdrückte die mitgebrachten ursprünglichen Religionen der Sklaven. Zweitens: Die Institutionen der spanischen Krone übten Kontrolle über die gesamte Bevölkerung Kubas aus. In Sancti Spiritus konnte ich einen Sklaventurm im „Valle de los Ingenios“(Tal der Zuckermühlen) besichtigen. Mithilfe dieses Bauwerkes war es den Plantagenbesitzern möglich, ihre Sklaven zu beaufsichtigen und in gewissen Situationen, beispielsweise bei Arbeitsbeginn, Flucht; Unproduktivität etc., die Glocke im Sklaventurm zu läuten.

Abb. 2: Blick aus dem Sklaventurm auf das Herrenhaus

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Aufnahme

Abb. 3: Blick aus dem Sklaventurm auf das Tal der Zuckermühlen

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Eigene Aufnahme

Die immense Entwurzelung der Sklaven aus ihrem Heimatland sowie eine anschließende Entfremdung durch die spanische Kultur, Sprache und Glauben ist eine unbestreitbare Tatsache. Letztlich ist die maßlose Ausbeutung der Ressourcen und der Menschen auf Kuba unübersehbar.

3.3 Die Kolonialgesellschaft

1774 wurde die Bevölkerung nach ethnisch-sozialen und ideologischen Kriterien eingestuft: 96.440 „Weiße“, 30.847 „freie Farbige“ und 44.333 „Sklaven“. Man unterschied zusätzlich zwischen „Negros“(Schwarze) und „Pardos“(Mulatten). Des Weiteren war die kubanische Gesellschaft in fünf Stände unterteilt. Dies bedeutet, dass der Klerus an oberster Stelle der Gesellschaft stand, die Kolonialverwaltung und das Militär an zweiter Stelle, an dritter Stelle folgte die Oligarchie der kreolischen Wohlhabenden, darauf der Stand der Kaufleute und an letzter Stelle das arme Volk (Zeuske, 2016, S.42).

Die Gesellschaftsstrukturen veränderten sich immer mehr in extreme Disparitäten. Der Anteil der freien Sklaven sank bis 1817 um 11% und die Anzahl der Sklaven stieg auf 37% der Bevölkerung an (ebd., S.43).

In Kuba erstreckte sich die Macht des Klerus auf die soziale und institutionelle Kontrolle von Bildung und Erziehung. Zusätzlich standen das Hospital und die entsprechende Fürsorge für die Menschen auf Kuba unter der Verantwortung der Kirche. Sogar die Kolonialverwaltung stand unter dem Einfluss des Klerus. Mit dem aufgeklärten Absolutismus wuchs jedoch die Kontrolle der „Hacendados“(Grundherren) über die Religiosität ihrer Sklaven (ebd., S.45).

Zum anderen gab es die ländliche Bevölkerung, deren Wurzeln indianisch oder mulattisch waren. Sie hatten nicht die optimalen flachen fruchtbaren Böden zur Verfügung wie die Grundbesitzer, dennoch konnten sie auf den Bergen und in Sumpfgebieten ihren Bedarf an Nahrungsmitteln decken. In ihrer Einsamkeit sammelten sie Holz und fingen Fische, Krokodile und Krustentiere und sicherten ihre Lebensgrundlage (ebd., S.45).

Die Königssklaven und Minenarbeiter in Santiago del Prado, auch El Cobre genannt, stellten eine Besonderheit in der kubanischen Gesellschaft während der spanischen Kolonialzeit dar. Ihre Hauptbeschäftigung war die Beschaffung von Holzkohle und Kupfer in den Minen. Die Königssklaven der spanischen Krone arbeiteten mit den Indios zusammen und zeugten Nachkommen mit freien Indias, die dazu führte ihre Freiheit als Sklaven zu bekommen. So entstand eine ganz neue Bevölkerungsgruppe. Zudem waren die königlichen Minen von immer größerer Wichtigkeit, weil das Kupfer für die Zuckerproduktion unerlässlich geworden war und auch für weitere Zwecke genutzt wurde. Aufgrund der hohen Nachfrage und Nützlichkeit wurde das Kupfer zum wichtigsten Schmuggelgut in der Karibik.

Die Arbeiter in El Cobre kreolisierten sich mit der Zeit und waren nun sehr durchmischt, so dass sie zu einer Gemeinschaft wuchsen und als Cobreros bekannt waren. Sie wahrten ihre besondere Stellung „als Vasallen, die nur dem König untergeordnet“ waren (Zeuske, 2016, S.47). In der Gesellschaft hoben sie sich stark von anderen Sklaven ab. Zusätzlich erhielten sie im Jahre 1800 die Freiheit und das Recht auf Landbesitz. Im Verlaufe der Zeit verkauften die Cobreros ihre Rechte und lösten sich als besondere Gemeinschaft auf (ebd., S.47 ff.).

Freie und Sklaven bildeten den Rest der Unterschicht, beispielsweise Seeleute, Handwerker und städtische Sklaven, die im Vergleich zu den Cobreros unter schlechten Bedingungen arbeiteten und lebten. Die sogenannten „Libertos“ (Freien) wurden entweder freigelassen oder waren die Folgen von der Vermischung zwischen Schwarzen und Weißen, die ihnen das Recht der Freiheit gab. Dies war aufgrund der Zwangsprostitution von farbigen Frauen möglich, welche mehrfach von der spanischen Krone verboten, aber dennoch durchgeführt wurde. Diese Prostituierten schlossen sich später zu einer Gemeinschaft zusammen und entwickelten sich entsprechend ihren eigenen Werten. Dies ging so weit, dass sie im 18.Jahrhundert 45% der Bevölkerung stellten und somit die spanische Oligarchie bedrohten (ebd., S. 49).

Zudem gab es die „Negros horros“, die sich dank harter Arbeit selbst freikaufen und frei leben konnten, und so gesellschaftlichen Aufstieg erfuhren. Erstaunlicherweise zeigten damals die freien Mulatten eine andere Gruppenmentalität und hoben sich stark von den freien Schwarzen sowie von den neuen afrikanischen Sklaven ab.

Des Weiteren ist die Schicht der Arbeitslosen zu erkennen, die im Hafen Havannas lebte. Zu dieser Schicht gehörten geflüchtete Sklaven und anderen. Auch diese Personen organisierten sich in einer Subkultur und lebte von Mordanschlägen, Glücksspiel, Kriminalität und Prostitution. Am Ende des 18.Jahrhunderts wurde die Mestizisierung von der spanischen Krone verboten. Der Anteil der freien Farbigen ging durch die starke Rekrutierung der Massensklaverei aus Afrika im 19.Jahrhundert zurück und brachte die Insel Kuba in ein neues Ungleichgewicht (ebd., S.50).

Ein weiterer Grund für den atlantischen Sklavenhandel waren die zahlreichen Krankheiten auf Kuba, beispielsweise das Gelbfieber, welches durch Insektenstiche übertragen wird und in 80% der Fälle bei Erwachsenen tödlich endete. Kuba wurde zwischen 1731 und 1762 von sechs Gelbfieberwellen geplagt. Meistens waren Weiße und ausländische Kaufleute betroffen, da die Menschen aus Westafrika gegen die Krankheit immun waren. Das Gelbfieber sei ursprünglich durch die Massensklaverei eingeschleppt worden (ebd., S.51).

3.4 José Martí und die Unabhängigkeitskriege

Am 10.Oktober 1868 wurde durch Carlos Manuel de Céspedes del Castillo von Bayamo, der zugleich Anwalt und ein Zuckerrohrplantagenbesitzer war, der Unabhängigkeitskampf Kubas ausgelöst, indem er seine eigenen Sklaven freiließ. Mit dieser Handlung proklamierte er die Freiheit aller Kubaner und Kubanerinnen. Dabei erhielt der Widerstand Unterstützung aus Camagüey und Las Villas. Doch die Kolonialarmee stieß immer wieder vor (Vichot, 2015, S.25).

In Guáimaro sammelte sich die gesamte Unabhängigkeitsbewegung und stellte das kubanische Befreiungsheer auf. Ihr Ziel war es, in die reichen Regionen des Westteils Kubas einzumarschieren. Es gab jedoch interne Differenzen in der Unabhängigkeitsbewegung, die dazu führten, dass Carlos Manuel de Céspedes del Castillo von Bayamo aus dem Amt des Präsidenten der Republik entlassen wurde. Dies führte zum Wegfall der Versorgung mit Waffen, Hilfsmitteln und Lebensmitteln (ebd., S.26).

Zum anderen positionierten die Vereinigten Staaten sich gegen den Unabhängigkeitskampf Kubas und beeinflussten den Willen des Unabhängigkeitskrieges in negativer Weise.

Einen weiteren Rückschlag erlitt die Unabhängigkeitsbewegung durch die Verstärkung der militärpolitischen Fähigkeiten der Kolonialarmee. Diese schlug im Jahre 1876 alles nieder und beendete den zehnjährigen Unabhängigkeitskrieg mit dem „Frieden ohne Unabhängigkeit“, welcher 1878 in Zanjón von beiden Parteien unterschrieben wurde (ebd., S.27).

In dieser Zeit waren wirtschaftliche und politische Veränderungen in Kuba zu verzeichnen, denn 200.000 Kubaner und 80.000 Spanier waren in den Schlachten ums Leben gekommen (Sainsburry, McCarthy, 2018, S.505). Diese Verluste waren kompensierbar, aber der Beginn der Industrialisierung sollte es der Insel nicht leicht machen. Die wirtschaftliche Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten wurde immer größer (Vichot, 2015, S.28).

Nun war die politische Meinung der spanischen Bourgeoisie auf der Insel zweigeteilt. Auf der einen Seite gab es die Liberalen, auch Autonomisten genannt, die die Reformen bezüglich des Kolonialsystems als einzige Lösung für eine mögliche Selbstverwaltung Kubas sahen.

Ihnen gegenüber stand die Partei „Uníon Constitucional“, welche die vollkommene Einverleibung Kubas durch Spanien als die angemessenere Variante betrachtete. Des Weiteren konnten weitere kleinere Ausbrüche des kubanischen Volkes zur Durchsetzung seines Willens und zum Ausdruck seines Protests gegen das bestehende Kolonialsystem verzeichnet werden, die jedoch unterdrückt werden konnten (ebd., S.29).

In all diesen Unstimmigkeiten gab es eine besondere Persönlichkeit, die nach dem Unabhängigkeitsideal gestrebt hatte und die kubanische Masse zu bewegen vermochte. Die Rede ist von José Martí, geboren in Havanna im Jahre 1853. Er war nicht nur ein Poet, sondern ein genauso guter politischer Denker, welcher in mehreren lateinamerikanischen Ländern sowie in Spanien und den Vereinigten Staaten seine Observationen machen konnte. Er war stets darum bemüht, die kubanischen Emigrantengruppen zu vereinigen und auch aufzuklären. Sein Streben nach Unabhängigkeit führte zur Gründung des „Partido Revolucionario Cubano“(revolutionäre Partei Kubas). Die Unabhängigkeitsanhänger sahen den „notwendigen Krieg“ mit Spanien als oberste Priorität (Vichot, 2015, S.30). So setzten sie alles daran, materielle Mittel und Kämpfer zu besorgen, um für ihren bevorstehenden Kampf bereit zu sein.

Im „Manifest von Montecristi“ beschrieb José Martí sein Vorhaben, das einen „kurzen und gerechten Krieg“ zum Ziel hatte. Martí sah in seinem Programm die Führung eines zivilen Rates vor. Das bedeutet eine Verbindung der zivilistischen Wünsche mit denen des kubanischen Militärs. Seine weitsichtige und demokratische Sichtweise machte ihn als Politiker zu einem ewigen Symbol seiner Nation (Zeuske, 2016, S.137).

Abb. 4: José Martí

[ABBILDUNG WURDE AUS URHEBERRECHTLICHEN GRÜNDEN ENTFERNT]

Quelle: leedor.com

Die Oberkommandierenden wurden die Patrioten von Camagüey, Salvador Cisneros Betancourt und Máximo Gomez, und Antonio Maceo wurde zu seinem Stellvertreter ernannt (Vichot, 2015, S.30). Gomez und der farbige General Maceo galten als charismatische Führer, die das kubanische Volk bezauberten. Dennoch vertaten sie nicht das Ideal Martís. Es ist von vielen Unstimmigkeiten und Auseinandersetzungen zwischen den Dreien die Rede. Im Gegensatz zu Martí vertraten sie die Position einer zentralisierten Macht des Militärs auf der Insel. So blieb der Platz des strategischen Denkers und Außenpolitikers für José Martí übrig (Zeuske, 2016, S.136).

Am 24.Februar 1895 begann der erneute Krieg mit der spanischen Kolonialmacht. In der Anwesenheit von Maximo Gomez fiel José Martí in „Dos Ríos“. Nach Martís Tod erfolgte die „Revolucíon“ mit dem Sieg in der Provinz „Oriente“. Die Befreiungsarmee beschloss das Schicksal der Insel Kuba mit der Verfassung. Die „República en Armas“, d.h. die „Republik in Waffen“, wurde mit 20 Vertretern in der Versammlung von Jimaguayú gegründet. Die neue Verfassung mit ihrer vorgeschriebenen zweijährigen Gültigkeit sollte bis zum Sieg der Republik gelten. In dieser Verfassung wurde die zivile Vorherrschaft gegenüber dem Militär festgehalten. In der Realität ging der oberste Befehl vom Militär aus. Ebenfalls wurde ein Regierungsrat gegründet, der zugleich die Legislative und die Exekutive bilden sollte. Infolge dieser Entwicklung übernahm Salvador Cisneros Betancourt das Amt des Präsidenten der Republik (ebd., S.138).

Auf der anderen Seite schickte Spanien den Generalgouverneur Valeriano Weyler mit 50.000 Soldaten in den kubanischen Unabhängigkeitskrieg, um die Macht über Kuba zurückzugewinnen. Er errichtete die ersten Konzentrationslager („Reconcentracíon“) der Welt, um die Landbevölkerung auf der Insel zusammenzutrommeln, damit der Rückhalt für die kubanische Seite fehlt. Die Folgen waren gravierend und führten zu Leid sowie zum Zerfall der Landwirtschaft Kubas (ebd., S.139).

Abb. 5: „Victime de la Reconcentracíon“

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Quelle: Vichot, 2015, S.32

Der Sieg der Unabhängigkeit wurde auch durch den Regierungsrat erschwert, da dieser dem nicht weißen Maceo den Erfolg Kubas gegenüber Spanien nicht erlauben wollte. Dies führt zu internen Konflikten im Lager des Separatismus während des Krieges gegen die Kolonialmacht Spanien und schwächte Kuba enorm (ebd., S.139 f.).

1896 stirbt der charismatische Maceo im Kampf bei San Pedro und somit wird sein Nachfolger Calixto García zum Oberkommandierenden des Befreiungsheeres. Kuba hatte einen seiner größten und bedeutendsten Militärs verloren, was eine große Verzweiflung auslöste. Viele entschieden sich nun für die spanische Seite, die Zahl der kubanischen Soldaten erreichte ihren Tiefpunkt (ebd., S.140).

Doch das kubanische Heer beschloss, eine neue militärische Strategie anzuwenden. Gómez sollte die Kolonialtruppen in Zentralkuba angreifen und García sollte gleichzeitig einen Angriff im Oriente beginnen, und in Westkuba sollten verschiedene kleine bis mittelgroße Angriffe ausgeführt werden (Vichot, 2015, S.32).

Nun war das Schicksal der Kolonialarmee fast besiegelt, da die spanische Armee sich in einer tiefen Krise befand. Als Konsequenz wurde im September 1897 die „Verfassung von Yaya“ konzipiert, welche die Regierungsübernahme seitens Kuba festlegte und das allgemeine Wahlrecht für Männer einführte. Des Weiteren ermöglichte die neue Verfassung die Stärkung des Regierungsrates gegenüber dem Militär und verordnete Kontrollen, die zur Schwächung des Militärs führte. Die Autonomie der Karibikinsel wurde von Spanien anerkannt. Exilanten und Gefangene kamen zurück. Der neue Präsident wurde Bartolomé Masó (Zeuske, 2016, S.140).

Trotz des Autonomiezugeständnisses seitens Spanien währte der Frieden nicht lange. Der spanische Gouverneur Ramón Blanco hatte die Regierungsgewalt über Kuba und erlaubte keine Selbstverwaltung. So geriet die neue Unabhängigkeit ins Wanken und löste Spannungen aus. Infolgedessen kam es zum Scheitern des Autonomismus und zur Wiedererstarkung des separatistischen Gedankenguts. Maximo Gomez‘ Antwort auf den spanischen Gouverneur Blanco lautete: „Sie präsentieren eine alte und diskreditierte Monarchie […] ich kenne nur eine Rasse, die Menschheit, und für mich existieren nur gute und schlechte Nationen. Spanien hat hier Schlechtes getan […]“ (Zeuske, 2016, S.141).

Im Hintergrund beobachteten die Vereinigten Staaten den Kampf um Kuba von Beginn an. Für sie war klar, dass die amerikanischen Interessen vertreten werden mussten, und dies konnte nur durch einen Sieg Spaniens in der Karibik ermöglicht werden. Die USA blieben in ihrer Beobachterposition und sahen die politische und auch militärische Niederlage Spaniens kommen. Sie warteten auf die nächste Regenzeit auf Kuba, damit ein endgültiger Beschluss getroffen werden konnte. Denn in der Regenzeit herrschen sehr hohe Temperaturen und eine hohe Luftfeuchtigkeit, die den Unabhängigkeitskampf in die Endphase drängen konnte.

3.5 Kuba nach dem Ende der Kolonialzeit - in die Arme der USA

Am 19.April 1898 beschloss der US-amerikanische Kongress die „Joint Resolution“, welche die Freiheit und Unabhängigkeit Kubas sichern sollte und zunächst den Rückzug der US-amerikanischen Truppen nach dem Sieg garantierte. Mit anderen Worten fand so das politische Einmischen der USA in den Konflikt Kubas statt. Die Vereinigten Staaten planten, in den spanisch-kubanischen Konflikt militärisch einzugreifen, weil die Chancen der Spanier auf die Wiedererlangung der Kontrolle über Kuba auf ein Minimum gesunken waren. Als Konsequenz erklärten die USA Spanien den Krieg. In Kooperation besiegten die Vereinigten Staaten und das Befreiungsheer Kubas die spanische Macht in Santiago de Cuba. Dort wurden die spanischen Flotten durch die nordamerikanische Kriegsmarine blockiert, wodurch Spanien zur endgültigen Kapitulation getrieben wurde (Vichot, 2015, S.34).

Dies hätte eigentlich der von der kubanischen Bevölkerung ersehnte Ausgang der Situation sein können, aber im Friedensvertrag von Paris wurden die Rechte an Kuba an die Vereinigten Staaten übergeben, und Spanien erhielt zuzüglich 20 Millionen Dollar. Ein besonderes détail des Pariser Vertrages war, dass im Artikel XVI die Rede von spanischen Untertanen und Bürgern war, die Kubanerinnen und Kubaner jedoch nicht als Volk benannt wurden (Zeuske, 2017, S.39). Auch der Kapitulationsakt Spaniens geschah ohne die kubanischen Oberkommandierenden. Das heißt, das kubanische Volk wurde über Nacht von einer neuen Macht bevormundet; die spanische Kolonialzeit war Vergangenheit geworden.

Stück für Stück bildeten sich neue politische Strukturen auf Kuba. Eine sozial-wirtschaftliche Änderungswelle traf die Insel. Die ehemalige Kolonialgesellschaft verwandelte sich unter der amerikanischen Führung in die spätere „abhängige neokoloniale Republik“ (Zeuske, 2016, S.144). Doch wie konnte dies mit dem neuen, willensstarken, unabhängigkeitssuchenden kubanischen Volk, das es fast geschafft hatte, die spanische Kolonialmacht alleine zu durchbrechen, möglich werden?

Die erste amerikanische Besetzung Kubas erfolgte durch circa 50.000 Soldaten und hielt ein Jahr an, unter der Führung des Generals John R. Brooke. Für ihn war die Unabhängigkeit Kubas, wie es in der „Joint Resolution“ stand, wichtig. Deshalb wurde er von General Leonard Wood abgelöst, welcher von 1899 bis 1902 leitete die Besatzungsmacht auf Kuba leitete (ebd., S.145). Wood vertrat die entgegengesetzte Richtung der Unabhängigkeit, nämlich den Annexionismus1 und Neokolonialismus2 .

Doch um das kubanische Volk im Zaum zu halten, präferierte Wood die neokolonialistische Lösung, damit die puritanisch veranlagten Vereinigten Staaten langfristig ihren rein wirtschaftlichen Profit aus der Insel ziehen konnten. Der Begriff „spezielle Intimität“ etablierte sich speziell für die kubanisch-amerikanische Beziehung, die es zum Ziel hatte, diese Abhängigkeit zu kaschieren (ebd., S.146).

Die politische Umstrukturierung Kubas im 20.Jahrhundert fand durch viele Maßnahmen statt, die der amerikanische Präsident William McKinley zu verantworten hatte. Eine sehr wichtige Maßnahme der US-amerikanischen Politik bezüglich des kubanischen Transformationsprozesses stellte der paktierte Übergang dar. Die Amerikaner führten die Demokratie unter dem modernen Stichwort „Republik“ auf Kuba ein. Darüber hinaus wurden die Lebensbedingungen auf der Insel deutlich verbessert, Hygienemaßnahmen, Bildungsreformen und der Ausbau der Infrastruktur waren einige Beispiele. Zweifellos wurde die Modernisierung angekurbelt, die amerikanische Marktpolitik eingeführt, das Englische als Pflichtsprache durchgesetzt und der „American Way of Life“ in einen „Cuban Way of Life“ transformiert (Zeuske, 2017, S.40).

Die Umsetzung der politischen Umstrukturierung erfolgte durch die komplette Entwaffnung und Auflösung des kubanischen Befreiungsheeres sowie durch die Eliminierung dessen stärkster Köpfe, bis auf Máximo Gómez. Zudem wurde der spanisch-autonomistische Regierungsapparat erhalten und erweitert. Ebenfalls wurde der amerikanischen Militärregierung eine kubanische Zivilregierung zugewiesen. Des Weiteren hatten die US-Generäle ihren Einfluss in den kubanischen Provinzen. Die „Alcades“ (lokale Funktionäre) behielten ihre Plätze in der Verwaltung und konnten bei Neuwahlen Veränderungen erfahren, da das Wahlsystem von 1900 eingeführt wurde. All diejenigen in der kubanischen Gesellschaft, die von den Unabhängigkeitsbefürwortern politisch entfernt waren, bekamen „wichtige Regierungsfunktionen“ (Zeuske, 2016, S.147). Die kubanischen Militärs waren die wichtigsten Independentisten, darum musste dafür gesorgt werden, sie so schnell wie möglich loszuwerden. Im Gegensatz dazu vertrat die weiße Zivilbevölkerung die annexionistische Sichtweise und sah die USA als eine große Imperialmacht, die der Karibikinsel viel Fortschritt, Wohlstand und Modernisierung bringen könnte.

Es ist wichtig, dass „demokratische Wahlrecht“ eines damaligen Kubaners näher zu betrachten, denn so wurden die Abgeordneten für die „Asamblea de Representantes“ (Versammlung der Volksvertreter) zusammengestellt. Wood hatte das Wahlrecht am 18.April 1900 eingeführt. Um das Wahlrecht ausüben zu können, mussten die männlichen Kubaner, die das 21.Lebensjahr vollendet hatten, entweder des Lesens und Schreibens mächtig sein, ein Einkommen von 250 Pesos nachweisen oder vor dem 18.Juli 1898 ehrenhaften Dienst im Befreiungsheer geleistet haben. In Anbetracht der Zusammensetzung der kubanischen Gesellschaft waren die Weißen klar im Vorteil, denn sie konnten größtenteils lesen und schreiben und waren wohlhabender als die farbige Bevölkerung, die ursprünglich von der Sklaverei geprägt war. Zudem hatte der farbige Anteil der Bevölkerung stark unter den Kämpfen mit der ehemaligen Kolonialmacht Spanien gelitten, weswegen seine Zahl unter der der Weißen lag. Nur 8,3% der gesamten kubanischen Bevölkerung gaben ihre Stimme ab, wovon nur ein geringer Anteil farbige Kubaner waren (ebd., S.155). Falls Personen eines dieser Kriterien nicht erfüllen konnten, wurden sie von Wood als „ein soziales Element, das nicht würdig ist, für kollektive Zwecke in Rechnung gezogen zu werden“ angesehen (Zeuske, 2017, S.70).

Die amerikanische Okkupation erlitt jedoch einen Rückschlag, denn das Gelbfieber, jetzt „Yellow Jack“ genannt, kostete viele der neuen Besetzer Kubas das Leben. Man dachte, dass es am Schmutz läge, und bereinigte deshalb die komplette Karibikinsel. Schließlich wurde bekannt, dass Gelbfieber es sich durch weibliche Mücken übertragen wird, sodass Maßnahmen gegen diese Tiere ergriffen wurden. (ebd., S.41).

Es ist wichtig, hervorzuheben, dass die spanische Kolonialzeit durch den siegreichen Krieg durch die Kubaner beendet wurde, obwohl die Vereinigten Staaten versucht hatten, Kuba die erste Position im Krieg zu nehmen. Trotz des Sieges war es keine gewonnene absolute Unabhängigkeit, wie eine wahre Revolution sie herbeigeführt hätte. Dies wurde zu einem späteren Zeitpunkt durch Fidel Castro aufgegriffen: „Dieses Mal ist es eine wirkliche Revolution“ (ebd., S.49).

[...]


1 Annexionismus bestrebt eine gewaltsame Aneignung fremden Staatsgebiets an das eigene Territorium (vgl. Duden)

2 Der Neokolonialismus bemüht sich darum, ehemalige Kolonien und Entwicklungsländer möglichst wirtschaftlich und politisch abhängig von den Industrienationen zu halten (vgl. Duden)

Ende der Leseprobe aus 84 Seiten

Details

Titel
Kuba nach Castro. Fallbeispiel einer Transformationsgesellschaft
Hochschule
Pädagogische Hochschule Heidelberg
Note
1,5
Autor
Jahr
2018
Seiten
84
Katalognummer
V455366
ISBN (eBook)
9783668952997
ISBN (Buch)
9783668953000
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Kuba, Castro, Sozialismus, Ost-West Konflikt, USA, Kapitalismus, Castrismus, cuba socialista
Arbeit zitieren
Fatma Gülkopan (Autor), 2018, Kuba nach Castro. Fallbeispiel einer Transformationsgesellschaft, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455366

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