Gefahren und Nutzen des menschlichen Multitasking


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Begriffsdefinition

3 Selektive Aufmerksamkeit
3.1 Theorien der selektiven Aufmerksamkeit
3.1.1 Die Filtertheorie von Broadbent
3.1.2 Die Attenuationstheorie von Treismann
3.1.3 Theorie der späten Selektion von Deutsch und Deutsch
3.2 Limitation der selektiven Aufmerksamkeit

4 Multiple Aufgaben und Aufmerksamkeit
4.1 Aufmerksamkeitskapazität und -Ressourcen
4.1.1 Das Kapazitätsmodell von Kahnemann
4.1.2 Modelle multipler Aufmerksamkeitsressourcen
4.2 Aufmerksamkeitsverteilung auf multiple Aufgaben

5 Gefahren und Nutzen von Multitasking

6 Die Risiken des menschlichen Multitasking
6.1 Risiken
6.1.1 Risiken für Leistung und Produktivität
6.1.2 Gesundheitliche Risiken
6.2 Zusammenfassung und Fazit

7 Literaturverzeichnis

8 Abbildungsverzeichnis

1 Einleitung

Multitasking ist ein gängiger Begriff in der heutigen Gesellschaft. Er wird häufig hinterfragt oder in Zusammenhang mit Gegebenheiten gebracht, ohne überhaupt dessen Hintergrund und Bedeutung verstanden zu haben. Durchforstet man das Netz danach, findet man des Öfteren Artikel hinsichtlich der Fragestellung, ob es Multitasking überhaupt tatsächlich gibt, oder ob dies nur ein Märchen oder eine Illusion sei. Andere Artikel beschreiben die Gefahren des Multitaskings im Alltag und im Büro. Wie wirkt es sich auf den Menschen aus, wie kann es beherrscht und wie am besten genutzt werden? Kann man es trainieren oder ist es angeboren? Und ist es tatsächlich geschlechtsspezifisch und wenn nicht, woraus resultierte dieser Irrglaube? In dieser Recherche geht es um das Multitasking und dessen Gefahren und Nutzen für den Menschen.

Multitasking lässt sich aus der psychologischen Sicht betrachtet in den Bereich der Aufmerksamkeit einordnen. Aufmerksamkeit wiederum stellt einen Teil der Wahrnehmung des Menschen dar. Sie dient dazu, alle nützlichen Informationen für zielgerichtetes Handeln aus der Fülle der sensorischen Eingangssignale auszulesen. Der Wahrnehmungsapparat wird also auf die entsprechenden Signale aus der Umwelt eingestellt, die wir mit unseren Sinnenrezeptoren aufnehmen und im Gehirn weiterverarbeiten. Auf was wir letztendlich aufmerksam werden, wird durch unsere Absichten und Ziele, also durch unser Motiv, bestimmt. Dagegen können wir auch unbeabsichtigt durch externe Reize abgelenkt werden. Die Auslese der relevanten Informationen, die wir wahrnehmen und auf die wir aufmerksam werden, funktioniert durch die selektive Aufmerksamkeit. Sie ist eine zentrale Funktion der Aufmerksamkeit und bezieht sich auf die Auswahl von bestimmten Inhalten oder Informationen mit dem Ziel bestimmte Informationen dem Bewusstsein, also der Steuerung von Denken und Handeln, zugänglich zu machen. Die selektive Aufmerksamkeit dient hauptsächlich der Handlungssteuerung, das heißt, Wahrnehmung und motorische Reaktionen müssen so eingestellt werden, dass dadurch Handlungsziele möglichst effizient erreicht werden können. Die menschliche Performanz ist dahingehend allerdings limitiert, sie gestattet also nur die Ausführung einer begrenzten Anzahl Handlungen zur selben Zeit. Gleichzeitige Handlungen auszuführen sind also auf irgendeine Art beschränkt. Worin diese Beschränkung besteht wird klarer, wenn man verschiedene Theorien der selektiven Aufmerksamkeit betrachtet und diese in Zusammenhang mit der zu erbringenden Performanz eines Individuums bringt. (Krummenacher & Müller, 2016)

Es werden in der folgenden Recherche diverse Ansätze aus der Psychologie und der Neurokognition aufgezeigt, die sich mit den Themen der Limitation der selektiven Aufmerksamkeit beschäftigen, sowie mit der Verteilung von Kapazitäten auf multiplen Handlungen und die Verarbeitung im Gehirn. Der Kernpunkt dieser Ausarbeitung stellen die Gefahren und Nutzen des menschlichen Multitaskings dar. Dieser wird anhand der recherchierten Ergebnisse diskutiert.

2 Begriffsdefinition

Der Begriff Multitasking stammt aus dem Englischen und setzt sich zusammen aus „Multi“ für viel und „Task“ für Aufgabe. Es bezeichnet also die Fähigkeit zum Verrichten mehrerer Arbeiten. Die Psychologie beschreibt den Begriff auch als Mehrfachaufgabenperformanz, eine zwar exakter und fachlicher beschriebene Bezeichnung, jedoch nicht im alltäglichen Sprachgebrauch verwendet. Um dem Begriff gerecht zu werden, sind die zu verrichtenden Aufgaben voneinander unabhängig, bauen also auch nicht aufeinander auf. (Krummenacher & Müller, 2016)

Der Begriff tauchte erst spät im allgemeinen deutschen Sprachgebrauch im psychologischen, bzw. auf den Menschen bezogenen Zusammenhang, auf. Zuvor wurde für Multitasking ausschließlich die technische Eigenschaft eines Rechnerbetriebssystems zum Mehrprozessbetrieb bezeichnet. Diese Kombination voneinander unabhängiger Aufgaben wird im englischen nicht etwa genauso bezeichnet. Dort wird Multitasking eigentlich als multiple / dual tasking „übersetzt“. Im Hinblick auf den Menschen wird mit dem Begriff des Multitaskings die simultane Ausführung mehrerer Aufgaben beschrieben. (Weißbecker-Klaus, 2014) Dabei geht es im Detail nicht nur darum, diese Aufgaben gleichzeitig auszuführen, sondern sie zusätzlich auch abwechselnd in kurzen aufeinanderfolgenden Zeitintervallen zu verrichten (Barshi, Loukopoulos, & Dismukes, 2012). Des Weiteren wird unter Multitasking eines der wesentlichen Merkmale der modernen, beschleunigten Arbeitswelt verstanden. Dahingehend richtet sich die Gestaltung der Arbeitsplätze auf die zunehmende Komplexität der Arbeitsumwelt mit ihren Mehrfachaufgaben aus. Insbesondere in der modernen Medien-, Informations- und Kommunikationswelt wird das gleichzeitige Ausführen mehrerer Aufgaben zum Normalfall. Auch die Unterbrechung dieser Aufgaben stellt ein wesentliches Merkmal dar und wird im Folgenden ebenfalls zuzüglich zum Multitasking betrachtet. (Freude & Ullsperger, 2014)

Multitasking kann allerdings auf primäre und sekundäre Tasks aufgebrochen werden, das sogenannte Dualtasking. Darunter versteht man beispielsweise das Sprechen während des Autofahrens oder während dem Gehen und einen Song zu summen. Bei dem gleichzeitigen Ausführen oder bei einem Wechsel der Aufmerksamkeit zwischen verschiedenen Aufgaben spielen bestimmte Faktoren der verschiedenen Modalitäten, wie auditive oder visuelle Modalitäten, eine Rolle. Diese Aufgaben können problemlos ausgeführt werden, sobald eine davon automatisch ausgeführt wird, wie etwa Autofahren während dem Sprechen.

Eine weitere Definition beschreibt das Multitasking als die Fähigkeit, mehrere Aufgaben oder Unteraufgaben-Komponenten einer größeren, komplexeren Aufgabe zu vereinen (Salvucci & Taatgen, 2011).

3 Selektive Aufmerksamkeit

Die Forschung der selektiven Aufmerksamkeit stützt sich auf drei wesentliche Paradigmen:

1. Paradigma des dichotischen Hörens nach Cherry
2. Split-Span-Paradigma nach Broadbent
3. Paradigma zur Untersuchung der psychologischen Refraktärperiode nach Welford

Das Paradigma des dichotischen Hörens spielt im Zusammenhang mit dem Cocktailpartyphänomen eine Rolle. Dieses beschreibt das Folgen eines Gespräches trotz vieler weiterer Hintergrundgesprächen und -beschallungen im Raum. Dem linken und rechten Ohr eines Probanden werden beim dichotischen Hören gleichzeitig jeweils eine andere Nachricht zugespielt, wobei der Proband eine der beiden Nachrichten wiedergeben soll. Diese Methode bezeichnet Cherry als „shadowing“. Diese primäre Nachricht rückte bei dem Probanden in den Fokus und die sekundäre Nachricht blieb außen vor. Dies bewirkte, dass der Inhalt, die Sprache und die Bedeutung der sekundären Nachricht kaum wiedergegeben werden konnte. Bei unterschiedlichen Stimmen war dabei die Wiedergabe der Nachricht deutlich einfacher als bei gleichen Stimmen ein und desselben Sprechers.

Im Split-Span-Paradigma von Broadbent werden dem Probanden Ziffernsequenzen vorgespielt. Abwechselnd werden dabei die Ziffern auf dem linken und rechten Ohr dargeboten und der Proband soll daraufhin die Ziffern möglichst vollständig wiedergeben. Als Ergebnis zeigte sich, dass die Probanden bevorzugt die Ziffernfolgen nach Ohr und nicht nach tatsächlicher Wiedergabe aufsagen konnten. Folglich dienen physikalische Merkmale der Informationen als effektive Hinweisreize, um die unterschiedlichen Nachrichten auseinanderzuhalten. Physikalische Merkmale der unbeachteten Nachricht können dabei eher entdeckt werden als der Inhalt der Nachricht und die Selektion der primären Nachricht aufgrund dieser Reizmerkmale erfolgt.

Bei der Untersuchung zur psychologischen Refraktärperiode von Welford werden dem Probanden zwei Reize in kurzen Intervallen hintereinander gegeben, worauf dieser so schnell er kann auf diese Reize reagieren soll. Die Reaktionszeit des zweiten Reizes hängt dabei von der Zeit zwischen dem ersten Eintreffen des ersten Reizes und dem des zweiten Reizes ab. Je kürzer die Zeit dazwischen ist, desto länger dauert die Reaktion auf den zweiten Reiz. Die Verarbeitung des ersten Reizes muss also abgeschlossen sein, bevor die Verarbeitung des zweiten Reizes beginnen kann. Dies interpretierte Welford als einen sogenannten Flaschenhals. (Krummenacher & Müller, 2016)

3.1 Theorien der selektiven Aufmerksamkeit

Aus der Forschung der selektiven Aufmerksamkeit gingen drei Theorien hervor, die im Folgenden näher beschrieben werden.

3.1.1 Die Filtertheorie von Broadbent

Nach dieser Theorie werden mehrere gleichzeitig dargebotene Reize parallel sensorisch abgespeichert. Diese Reize erfolgen nach dem Paradigma des dichotischen Hörens, also gleichzeitig auf dem linken und rechten Ohr. Einer dieser Reize gelangt letztendlich aufgrund seiner physikalischen Merkmale durch einen Filter hindurch. Die anderen Reize werden dabei abgeblockt, bleiben aber im Speicher erhalten. Dieser Filter schützt das Verarbeitungssystem des Menschen vor Überlastung, da es auf eine bestimmte Kapazität limitiert ist. Dieses System verarbeitet Information auf semantischer Ebene und schickt sie weiter an das Bewusstsein und eventuell auch an das Langzeitgedächtnis. Die Selektion erfolgt also relativ früh auf der Grundlage der physikalischen Reizmerkmale. Für die Teilung der Aufmerksamkeit bei mehreren Reizen gleichzeitig ist folglich ein schnelles Umschalten des Filters zwischen verschiedenen Eingangskanälen. (Krummenacher & Müller, 2016)

3.1.2 Die Attenuationstheorie von Treismann

Aufbauend auf der Filtertheorie von Broadbent entwickelte Treismann eine weitere Theorie der Aufmerksamkeit. Diese Theorie wiederlegt die Idee von Broadbent, der Filter würde der Alles-oder-nichts-Regel folgen und beschreibt stattdessen eine Mehr-oder-weniger-Funktion. Diese besagt also, dass die Möglichkeit besteht, nichtbeachtete Information abgeschwächt weiterzuleiten und zu verarbeiten. Die Selektion findet dabei ebenfalls relativ früh statt, ist jedoch des Weiteren flexibel. Die Information durchläuft während ihrer Analyse eine Hierarchie von Verarbeitungsstufen. Dabei ist das erreichte Analyseniveau abhängig von der verfügbaren Verarbeitungskapazität. Sobald eine Schwelle während der Analyse überschritten wird, wird die Information in das Bewusstsein getragen. Diese Schwelle trägt der Worterkennung und semantischen Verarbeitung der Nachricht bei. (Krummenacher & Müller, 2016)

3.1.3 Theorie der späten Selektion von Deutsch und Deutsch

Im Gegensatz zu den vorangegangenen Theorien von Broadbent und Treismann beschreibt diese Theorie die relativ späte Selektion der Information während dem Verarbeitungsprozess. Diese Selektion findet laut Deutsch und Deutsch näher am Ausgabeende, also der Reaktion, des Systems statt. Das bedeutet, dass alle Eingangsreize vollständig analysiert werden, ob sie beachtet werden oder nicht. Anschließend werden die Informationen gruppiert oder geteilt. Eine Weiterverarbeitung erfolgt anschließend nur für die momentan relevantesten Reize. Der Prozess muss daher effizient alle Eingangsreize nach ihrer Relevanz gewichten. (Krummenacher & Müller, 2016)

3.2 Limitation der selektiven Aufmerksamkeit

Während alltäglicher Situationen findet eine Limitation der Verarbeitung statt, wenn menschliche Reize mit der räumlichen oder zeitlichen Aufmerksamkeit überlastet werden. Diese Limitation wird durch Unaufmerksamkeit verursacht und führen zu sogenannten Unaufmerksamkeitsblindheit, Veränderungsblindheit und Aufmerksamkeitsblinzeln, die in diesem Abschnitt näher beleuchtet werden sollen.

Bei der Unaufmerksamkeitsblindheit geht es darum, dass plötzliche unerwartete Reize vom Menschen gar nicht erst wahrgenommen werden. Dabei ist es von Bedeutung, dass die gerade ausgeführte Aufgabe einen erhöhten Schwierigkeitsgrad besitzt, unter Zeitdruck ausgeführt wird und eine hohe räumliche Aufmerksamkeit erfordert. Währenddessen sind sie nicht in der Lage, ein unerwartetes Objekt wahrzunehmen und von dessen Merkmalen zu berichten. Die Bedingung, unter welcher die Probanden diese Aufgabe ausführen, nennt sich Unaufmerksamkeitsbedingung. Anders ist es bei der Erwartung eines zusätzlichen Reizes. Dabei können die Probanden dem auftauchenden Objekt volle Aufmerksamkeit schenken und seine Merkmale wiedergeben. Diejenigen Objekte, die nicht erwartet wurden, können nur durch Prozesse verarbeitet werden, die keine Aufmerksamkeit erfordern, was als Unaufmerksamkeitsblindheit bezeichnet wird.

Eine überdauernde Unaufmerksamkeitsblindheit beschreibt dabei das Ignorieren einer irrelevanten Information während des Monitorings einer dynamischen Situation. Wichtig dabei ist die Ähnlichkeit, bzw. Unähnlichkeit der visuellen Merkmale der Objekte, die beobachtet werden sollen, und der Objekte, die unerwartet auftauchen. Je unähnlicher die Merkmale sind und je schwieriger die Aufgabe ist, desto wahrscheinlicher ist das Auftreten der Unaufmerksamkeitsblindheit. Die räumliche Nähe zwischen den relevanten zu den irrelevanten Informationen spielen dabei keine entscheidende Rolle. Die Selektion der Information ist folglich objekt-, bzw. ereignisbasiert.

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Ende der Leseprobe aus 18 Seiten

Details

Titel
Gefahren und Nutzen des menschlichen Multitasking
Hochschule
Fachhochschule Lübeck
Veranstaltung
Wahrnehmungs- und Medienpsychologie
Note
2,0
Autor
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V455400
ISBN (eBook)
9783668860018
ISBN (Buch)
9783668860025
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Multitasking
Arbeit zitieren
Christine Mitsch (Autor), 2018, Gefahren und Nutzen des menschlichen Multitasking, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455400

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