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John Rawls' Bürgerkonzept in "Political Liberalism"

Welche Verantwortungen hat ein Bürger in der Gesellschaft?

Titel: John Rawls' Bürgerkonzept in "Political Liberalism"

Hausarbeit , 2011 , 17 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: David Steinort (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 20. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Was macht eine Person zu einem Bürger? Welche Verantwortung bringt das Bürgersein mit sich? Stimmen Rawls Konzept der Verantwortung des Bürgers und sein Verständnis überein? Diese Hausarbeit beschäftigt sich im Rahmen von Rawls' politischer Philosophie mit diesen Fragestellungen.

Jegliche Art des Zusammenlebens von Menschen, jede Gemeinschaft, Gesellschaft, Vereinigung beginnt beim Individuum. Die einzelne Person ist es, die in eine Gesellschaft hineingeboren wird, im Laufe ihres Lebens mit anderen Gemeinschaften gründet oder diesen beitritt. Sei es eine Familie, ein Verein, ein Staat – jeder Zusammenschluss von Menschen entsteht aus der Vereinigung einzelner zu einem Bündnis, das jedem Teilhabenden Vorteile verschaffen soll, aber auch mit Rechten, Pflichten und moralischen Wertesystemen verbunden ist.

John Rawls, einer der bedeutendsten politischen Philosophen des 20. und voraussichtlich des 21. Jahrhunderts, beschreibt eine solche Gesellschaft in seinem Buch Political Liberalism von 1993. Rawls spricht von einer Gesellschaft als fairem System sozialer Zusammenarbeit. Die Teilnehmer sind freie und gleiche Personen, die als vollständig kooperierende Mitglieder der Gesellschaft angesehen werden. Sie haben eigene, persönliche Ziele die sie mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln auf bestmögliche Art und Weise verfolgen.

Dabei fügen diese Ziele sich aber in das faire System der Gegenseitigkeit und Zusammenarbeit ein. Rawls nennt diese Personen „citizens“ [Bürger]. Sie leben in einer liberalen Demokratie, die es den einzelnen Personen ermöglicht, neben ihren individuellen Lebensplänen und -zielen auch unterschiedliche überpolitische, sog. umfassende Weltanschauungen zu vertreten und ihr Leben in einem vernünftigen Rahmen danach zu richten. Neben dieser Kapazität über eine Idee oder Lehre des Guten zu verfügen, haben Personen die Fähigkeit, einen Sinn für das Richtige und Gerechte zu entwickeln.

Mit diesen Werkzeugen ausgestattet bildet der vollwertige Bürger die Grundlage der Gesellschaft, da die ihr zugrunde liegenden Prinzipien einerseits von ihm erarbeitet, akzeptiert und befolgt werden können, sie andererseits eben jenem Bürger ein Leben in fairer Kooperation ermöglichen und sich bis zu seinem Tod auf ihn und seinen Charakter auswirken.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Von der Person zum Bürger

2.1 Das Konzept der Person in Political Liberalism

2.2 Das Konzept des Bürgers in Political Liberalism

3. Welche Verantwortung haben Bürger?

3.1 Die faire Gesellschaft

3.2 Die Verantwortung des Bürgers der fairen Gesellschaft

4. Kann die Grundstruktur dem Bürger die Verantwortung für sein Handeln abnehmen?

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das Konzept des Bürgers und dessen Verantwortung innerhalb der von John Rawls in Political Liberalism entworfenen Theorie einer gerechten Gesellschaft. Dabei steht insbesondere die kritische Auseinandersetzung mit der Frage im Mittelpunkt, ob die institutionelle Entlastung des Bürgers in alltäglichen moralischen Fragen mit der geforderten Eigenverantwortung des Bürgers vereinbar ist.

  • Konzeptualisierung von Person und Bürger bei John Rawls
  • Die moralischen Fähigkeiten und Anforderungen an Bürger
  • Die Bedeutung der fairen Grundstruktur und Gerechtigkeitsprinzipien
  • Spannungsfeld zwischen institutioneller Verantwortungsteilung und individueller moralischer Urteilskraft

Auszug aus dem Buch

Die Verantwortung des Bürgers der fairen Gesellschaft

Nun zur konkreten Verantwortung des Bürgers. Der erste Begriff den ich hier anbringen möchte, ist der des „reflective equilibrium“ [Überlegungsgleichgewicht]. Jeder Bürger hat die Fähigkeit Dinge zu reflektieren und verfügt über einen mehr oder weniger ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Das ermöglicht ihm das Fällen von sog. „wohlüberlegten Urteilen“, also Urteile, bei denen der Gerechtigkeitssinn zur Geltung kommt und die unter günstigen Bedingungen gefällt werden, d.h. nicht im Zorn, unter Zeitdruck etc. Dadurch sind sie nur schwer anzuzweifeln und eher unverrückbar als zögerlich oder spontan gefällte Urteile. Diese wohlüberlegten Urteile kann er dann mit den aus dem Urzustand entwickelten Prinzipien, der politischen Konzeption der Gerechtigkeit und auch der Verwirklichung dieser in der Grundstruktur der Gesellschaft vergleichen. D.h. im Rückschluss, jeder Bürger hat dadurch, dass er einen Gerechtigkeitssinn besitzt und diesen weiterentwickeln und ausüben will, die Verantwortung, seine eigenen Urteile sowie die gesamte politische Konzeption und auch das aktuelle Handeln und Wirken der grundlegenden, gesellschaftlichen Institutionen anhand seines Sinnes für Gerechtigkeit zu prüfen.

Ein weiterer interessanter Punkt ist, dass Bürger die soziale Ordnung nicht als festgelegte, von Natur aus gegebene Ordnung oder als institutionelle Hierarchie ansehen. Kein Bürger hat von vorneherein festgelegte Ziele oder eine fixe Konzeption des Guten. Es herrscht faire Chancengleichheit was den Zugang zu öffentlichen Positionen und Ämtern angeht, die mit größeren Vorteilen und Pflichten verbunden sind. D.h. einerseits, dass Bürger frei sind 1.) ihre Konzeption des Guten selbst zu wählen und zu entwickeln, 2.) Forderungen an die Institutionen zu stellen, die der Verfolgung ihrer Konzeption des Guten behilflich sind, solange diese innerhalb der Grenzen der öffentlichen Konzeption der Gerechtigkeit bleiben, 3.) ihre Ziele so zu wählen, dass sie durch die von ihnen gewählten und zur Verfügung stehenden Mittel erreichbar sind. Diese Freiheiten bringen aber auch Verantwortung mit sich.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Das Kapitel führt in das Thema der liberalen Gesellschaft bei John Rawls ein und stellt die leitenden Forschungsfragen zur Definition und Verantwortung des Bürgers.

2. Von der Person zum Bürger: Hier werden die philosophischen Konzepte der Person und des Bürgers bei Rawls analysiert, wobei besonders die "moral powers" und die Rolle des Individuums als kooperatives Mitglied beleuchtet werden.

3. Welche Verantwortung haben Bürger?: Dieses Kapitel erläutert die Grundstruktur einer fairen Gesellschaft und die spezifischen moralischen Anforderungen an den Bürger, inklusive der Rolle des Überlegungsgleichgewichts.

4. Kann die Grundstruktur dem Bürger die Verantwortung für sein Handeln abnehmen?: Der Autor kritisiert die Vorstellung einer institutionellen Entlastung des Bürgers und argumentiert, dass diese mit dem Anspruch an individuelles ethisches Handeln kollidieren kann.

Schlüsselwörter

John Rawls, Political Liberalism, Bürgerkonzept, Person, soziale Zusammenarbeit, Gerechtigkeitssinn, Grundstruktur, Verantwortung, moral powers, Überlegungsgleichgewicht, faire Gesellschaft, politische Philosophie, ethisches Handeln, Institutionen, Freiheit

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der politischen Philosophie von John Rawls, spezifisch mit der Definition des Bürgers und dessen moralischer Verantwortung in einer liberalen, gerechten Gesellschaft.

Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?

Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Person und Bürger, die Bedeutung der fairen institutionellen Grundstruktur und die Frage nach der individuellen Verantwortung im Alltag.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es zu klären, wie Rawls den Bürger definiert, welche Verantwortung diesem zukommt und ob das Konzept der institutionellen Verantwortungsabwälzung bei Rawls widerspruchsfrei ist.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor führt eine textanalytische Untersuchung der Primärliteratur von John Rawls durch, ergänzt durch eine kritische philosophische Auseinandersetzung und den Rückgriff auf klassische Konzepte wie den Habitus nach Aristoteles.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden zunächst die Begriffe Person und Bürger differenziert, gefolgt von einer Analyse der Prinzipien einer fairen Gesellschaft und einer kritischen Reflexion über das Verhältnis von staatlicher Ordnung und individueller moralischer Pflicht.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie "Political Liberalism", "Gerechtigkeitssinn", "Grundstruktur" und "Kooperation" charakterisiert.

Wie unterscheidet Rawls zwischen Person und Bürger?

Während die Person allgemein als Individuum mit einer Vorstellung des Guten definiert ist, ist der Bürger ein politisches Konzept: ein vollständig kooperierendes Mitglied der Gesellschaft, das spezifische moralische Fähigkeiten besitzt und ausübt.

Welchen Widerspruch sieht der Autor im Rawls'schen Modell?

Der Autor argumentiert, dass die Entlastung des Bürgers durch die Grundstruktur der Gesellschaft dazu führen kann, dass Individuen sich auf geltendes Recht berufen, anstatt ihr eigenes moralisches Urteilsvermögen aktiv einzusetzen, was der Idee des "Bürgers" widerspricht.

Was bedeutet das "Überlegungsgleichgewicht" in diesem Kontext?

Es bezeichnet die Fähigkeit eines Bürgers, eigene Urteile und gesellschaftliche Prinzipien reflektiert abzugleichen, um ein gerechtes Handeln sicherzustellen, das nicht nur auf Gesetzen, sondern auf innerer Überzeugung beruht.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten  - nach oben

Details

Titel
John Rawls' Bürgerkonzept in "Political Liberalism"
Untertitel
Welche Verantwortungen hat ein Bürger in der Gesellschaft?
Hochschule
Eberhard-Karls-Universität Tübingen
Note
1,0
Autor
David Steinort (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2011
Seiten
17
Katalognummer
V455412
ISBN (eBook)
9783668877795
ISBN (Buch)
9783668877801
Sprache
Deutsch
Schlagworte
John Rawls Rawls Politische Philosophie Political Liberalism Bürger Bürgerkonzept Verantwortung Gesellschaft
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
David Steinort (Autor:in), 2011, John Rawls' Bürgerkonzept in "Political Liberalism", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455412
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  17  Seiten
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