Unabhängig vom Bildungsgang heißt es in allen Lehrplänen Sport, dass "[…] der Schulsport einen eigenständigen und nicht ersetzbaren Beitrag zur Einlösung des ganzheitlichen Bildungs- und Erziehungsauftrags der Schule" leistet. Zentrales Merkmal ist dabei eine pädagogisch orientierte Förderung von Körper und Bewegung mit dem Ziel, die Schülerinnen und Schüler gemäß dem Doppelauftrag des Sportunterrichts, bewegungs- und handlungsorientiert zu erziehen. Doch wie (womit) erhalte ich objektive, vergleichbare Ergebnisse, um die Lernausgangslagen meiner SuS zu unterscheiden und zu verbessern und wie können diese Informationen helfen, Unterricht so zu gestalten, dass dieses Ziel erreicht werden kann?
Es wird auf das Problem der motorischen Leistungsvoraussetzungen, der unterschiedlichen Lernausgangslagen sowie das Problem der objektiven Leistungserfassung aufgrund einer fehlenden Vergleichbarkeit eingegangen. Anschließend werden notwendige diagnostische Voraussetzungen von Sportlehrkräften angesprochen und ein Testverfahren (Deutscher Motorik-Test 6-18) vorgestellt, das eine standardisierte Leistungserfassung von motorischen Grundfähigkeiten für SuS im Alter von 6 bis 18 Jahren (also über die gesamte Schullaufbahn hinweg) ermöglicht. Die konkrete Umsetzung und (langfristige) Einsatzmöglichkeiten des DMT 6-18 als Diagnoseinstrument werden anhand von zwei möglichen Durchführungsvarianten konzeptionell dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Problem der (unterschiedlichen) motorischen Leistungsfähigkeit
3. Was sind motorische Leistungen und motorische Fähigkeiten und wie können diese beobachtet werden?
4. Wie wichtig ist Diagnostik im Sportunterricht?
5. Welche Kompetenzen benötigen Sportlehrer, um die „Motorische Leistungsfähigkeit“ diagnostizieren zu können?
6. Was ist ein motorischer Test?
7. Was ist der Deutsche Motorik-Test 6-18 und was kann er leisten?
8. Darstellung der institutionell-räumlichen Bedingungen
9. Einsatzmöglichkeiten des DMT 6-18 im Sportunterricht einer Schule
10. Wie lässt sich der DMT 6-18 praktisch im Schulalltag umsetzen?
10.1 Welche Schritte und Anträge sind dafür nötig?
10.2 Voraussetzungen räumlicher und materialer Art
10.3 Zusammenarbeit mit anderen Fächern zur Herstellung der Testmaterialien
10.4 Durchführung von zwei ausgewählten Testvarianten für die Schule
10.4.1 Testdurchführung im Rahmen eines Sporttages
10.4.2 Testdurchführung im Rahmen des normalen Sportunterrichts
11. Testauswertung und Weitergabe der Ergebnisse
12. Anmerkungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Relevanz einer objektiven und vergleichbaren motorischen Leistungsdiagnostik im Schulsport. Dabei wird der "Deutsche Motorik-Test 6-18" (DMT 6-18) als wissenschaftlich fundiertes Diagnoseinstrument vorgestellt, um individuelle Lernausgangslagen zu erfassen, Stärken und Schwächen von Schülern zu identifizieren und den Sportunterricht sowie individuelle Förderung zielgerichtet zu steuern.
- Bedeutung der motorischen Leistungsfähigkeit und Diagnose im Sportunterricht
- Methodische Grundlagen und Kompetenzanforderungen an Lehrkräfte
- Praktische Umsetzung des DMT 6-18 im Schulalltag
- Konzeptionelle Durchführungsvarianten (Sporttag vs. Sportunterricht)
- Datensicherung, Auswertung und didaktische Konsequenzen
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Wie war ich damals im Sportunterricht? Soweit ich mich erinnere, war Sport in der Grundschule mein Lieblingsfach. Ich war sportbegeistert und verbrachte jede freie Minute mit Freunden, um alles Mögliche auszuprobieren. Doch wie waren meine Leistungen einzuschätzen und wie wurden diese ermittelt? Im Vergleich mit meinen Freunden war dies möglich. Einmal im Jahr bekam ich in der Schule (neben den Zeugnisnoten) ein vermeintlich objektives Feedback über meine erzielten Leistungen. Die Bundesjugendspiele - eine Ehrenurkunde - das musste gut sein. Rückblickend kann ich das aber gar nicht sagen, da ich damals nicht wusste, welches Verfahren von der/dem Sportlehrer/in zur Urkundenvergabe angewendet wurde und ob der angelegte Maßstab mein Jahrgang, die Schule oder meine Klasse war. Was passierte danach mit meinen Daten? Wurde aus den gezeigten Leistungen auf meine motorische Leistungsfähigkeit und die meiner Mitschüler-/innen geschlossen und der Sportunterricht dann so gestaltet, um gezielt an den Stärken und Schwächen in den einzelnen Disziplinen zu arbeiten?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die persönliche Motivation der Lehrkraft und die Problematik einer fehlenden objektiven Leistungserfassung im traditionellen Sportunterricht.
2. Zum Problem der (unterschiedlichen) motorischen Leistungsfähigkeit: Dieses Kapitel erörtert den Rückgang der motorischen Leistungsfähigkeit bei Kindern und Jugendlichen sowie die negativen gesundheitlichen Folgen des Bewegungsmangels.
3. Was sind motorische Leistungen und motorische Fähigkeiten und wie können diese beobachtet werden?: Hier werden die theoretischen Grundlagen motorischer Fähigkeiten (konditionell/koordinativ) und deren Differenzierung definiert.
4. Wie wichtig ist Diagnostik im Sportunterricht?: Das Kapitel beschreibt Diagnose als notwendige Bestandsaufnahme und Basis für zielgerichtete Förderung im Schulsport.
5. Welche Kompetenzen benötigen Sportlehrer, um die „Motorische Leistungsfähigkeit“ diagnostizieren zu können?: Es wird erläutert, welche fachlichen Anforderungen an Lehrkräfte gestellt werden, um standardisierte Tests korrekt anzuwenden und auszuwerten.
6. Was ist ein motorischer Test?: Definition und Anforderungen an wissenschaftliche Testverfahren sowie ein Überblick über den Status quo der Testlandschaft.
7. Was ist der Deutsche Motorik-Test 6-18 und was kann er leisten?: Detaillierte Vorstellung des DMT 6-18 als wissenschaftlich anerkanntes Instrument zur Erfassung motorischer Grundfähigkeiten.
8. Darstellung der institutionell-räumlichen Bedingungen: Beschreibung der schulischen Rahmenbedingungen und der vorhandenen Sportanlagen.
9. Einsatzmöglichkeiten des DMT 6-18 im Sportunterricht einer Schule: Erörterung der Vorteile objektiver Leistungsdaten zur differenzierten Förderung ohne Stigmatisierung der Schüler.
10. Wie lässt sich der DMT 6-18 praktisch im Schulalltag umsetzen?: Anleitung zur formalen Antragsstellung sowie detaillierte Planung für verschiedene Durchführungsmodi.
11. Testauswertung und Weitergabe der Ergebnisse: Erläuterung der datenschutzkonformen Datenbanknutzung und des Feedbacks an Schüler.
12. Anmerkungen und Ausblick: Kritische Reflexion der Testpraxis und Überlegungen zur langfristigen Verankerung im Fachcurriculum.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, motorische Leistungsfähigkeit, Diagnostik, DMT 6-18, Schulsport, Bewegungsförderung, Leistungsdiagnose, Sportmotorik, individuelle Förderung, motorische Fähigkeiten, Testverfahren, Schulentwicklung, Leistungsbewertung, Sporttag, Kompetenzerwerb
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Notwendigkeit und der praktischen Umsetzung einer objektiven motorischen Leistungsdiagnostik im schulischen Sportunterricht, um Schülern eine fundierte Rückmeldung zu geben und den Unterrichtsaufbau zu optimieren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die gesundheitliche Bedeutung motorischer Fitness, die wissenschaftliche Validität sportmotorischer Tests, die Rolle der Sportlehrkraft in der Diagnostik sowie die organisatorische Einbettung in den Schulalltag.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Hauptziel ist die konzeptionelle Darstellung der Implementierung des Deutschen Motorik-Tests (DMT 6-18) an einer Schule, um durch objektive Daten eine individuell abgestimmte Förderung der Schüler zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird auf standardisierte Testverfahren der Sportmotorik zurückgegriffen, insbesondere auf den DMT 6-18, dessen theoretische Fundierung und praktische Testgütekriterien die Basis bilden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Herleitung der Diagnostik, die detaillierte Vorstellung des DMT 6-18 sowie die konkrete, organisatorische Planung der Testdurchführung im Rahmen von Sporttagen und im regulären Sportunterricht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter wie motorische Leistungsfähigkeit, Diagnostik, DMT 6-18, individuelle Förderung und Sportunterricht stehen im Zentrum der Arbeit.
Wie unterscheidet sich die Testdurchführung im Sporttag vom normalen Sportunterricht?
Der Sporttag ist als groß angelegtes Event konzipiert, das mehrere Klassen parallel testet, während die Durchführung im normalen Sportunterricht eine in den regulären Doppelstunden integrierte Testung vorsieht, die sich über mehrere Unterrichtseinheiten erstrecken kann.
Warum sollte auf eine Benotung der Testergebnisse verzichtet werden?
Der Autor argumentiert, dass die Diagnose der motorischen Leistungsfähigkeit dazu dienen soll, Stärken und Schwächen zu erkennen und Förderbedarf aufzuzeigen, nicht aber dazu, schwächere Schüler durch schlechte Noten zusätzlich zu sanktionieren.
Welche Rolle spielen die Schüler bei der Testdurchführung?
Die Schüler werden aktiv in den Prozess eingebunden, indem sie als Paten oder Testhelfer fungieren und ihre eigene Leistungsentwicklung durch das Feedback besser verstehen und steuern lernen.
Wie wird mit den erhobenen Leistungsdaten umgegangen?
Die Daten werden in einer datenschutzkonformen, verschlüsselten Datenbank gespeichert, wobei der Zugriff exklusiv den Sportlehrkräften obliegt, um eine schriftliche Auswertung und Profilbildung für jeden Schüler zu ermöglichen.
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- Alexander Sturm (Author), 2013, Der Deutsche Motorik-Test 6-18 (DMT 6-18) als Diagnoseinstrument? Umsetzbarkeit und Einsatzmöglichkeiten im Sportunterricht einer Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455455