Wie kann die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Schulen mit Hilfe der Schulsozialarbeit gefördert werden?


Hausarbeit, 2018

18 Seiten, Note: 1,3

Anonym


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung und Relevanz

2. Begriffsbestimmungen
2.1 Migration
2.2 Integration

3. Zum Verhältnis zwischen Schule und Migration

4. Schulsozialarbeit- eine Definition
4.1. Methoden und Arbeitsweise

5. Grundsätze und Methoden der interkulturellen Pädagogik

6. Wie kann die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Schulen mit Hilfe der Schulsozialarbeit gefördert werden?

7. Fazit

8. Literaturverzeichnis

1. Einleitung und Relevanz

Die Institution Schule existiert schon seit mehreren Jahrhunderten und hat einen langen Weg zurückgelegt bis sie ihre heutige Form erreicht hat. Eine lange Zeit war der Besuch der Schule ausschließlich für Bürger männlichen Geschlechts gestattet, während die Mädchen in der klassischen Rollenverteilung erzogen wurden, damit sie später auf das Leben der Hausfrau und Mutter vorbereitet sind. Heutzutage ist das Recht auf Bildung ein hoch geschätztes Menschenrecht, nichtdestotrotz existieren weiterhin Deskriminierungsmechanismen an Schulen, die aufgrund der Vielzahl von gesellschaftlichen Veränderungen in den letzten Jahren entstanden sind und eine große Rolle für Kinder und Jugendliche spielen. Die steigende Anzahl von Scheidungen, Alleinerziehenden, sowie die Berufstätigkeit von beiden Elternteilen sind Beispiele, die die Bildungsinstitutionen vor große Herausforderung stellen. Vor dem Hintergrund einer durch Globalisierung und Migration geprägten Gesellschaft und der wachsenden sozio-kulturellen Vielfalt entsteht die Notwendigkeit das deutsche Bildungssystem an diese neuen Anforderungen anzupassen, damit ein erfolgreicher Integrationsprozess im Bereich Bildung stattfinden kann und ein demokratisches Zusammenleben als natürliche Folge zustande kommen kann. Als Nebenwirkung des Globalisierugsprozesses ergibt sich das Problem des Umgangs mit kultureller Differenz, was zu der Entstehung von Bezeichnungen wie ,,das Fremde” oder „das Andere” prädisponiert, die unvermeidlich mit einer negativen Konnotation verbunden sind. Die Schwierigkeiten, die den kontinuierlichen Integrationsprozess begleiten, sind längst bekannt und erforscht, leider fehlen noch Beschlüsse über die praktische Gestaltung und Umsetzung von Integration- und Inklusionspraktiken von Schüler*innen mit Migrationshintergrund auf schulische Ebene. Dabei wird der Schulsozialarbeit einerseits die Rolle des Menschenrechtsvertreters und andererseits des Vermittlers zwischen Jugendhilfe und Schule eine wichtige Rolle zugeschrieben. Das Potenzial der Schulsozialarbeit als soziales Stützsystem wird leider unterschätzt und die Kooperation zwischen allen Beteiligten an dem Schulalltag, nämlich Lehrkräfte, Pädagogen1, Eltern und Schüler, ist durch unrealistische Erwartungen und Misstrauen gekennzeichnet. Dazu kommen auch starre Rollenzuweisungen, die die Lehrkräfte als Zuständigkeitspersonen für die Wissensvermittlung positionieren, während Schulsozialarbeiter alleine die Beziehungsarbeit leisten und nur problematische oder benachteiligte Schüler im Fokus haben.2

Ziel dieser Arbeit ist herauszufinden, wie Schulsozialarbeiter zu einem besser gelungenen Integrationsprozess an Schulen beitragen können, wo Kinder mit Migrationshintergrund Schwierigkeiten erfahren sich anzupassen und sich an dem Schulalltag gerecht zu beteiligen. Im ersten Teil werden wichtige Begriffe erläutert, die zu einem besseren Verständnis der angeführten Fragestellung dienen. Danach konzentriere ich mich auf die spannende Beziehung zwischen Schule und Migration und versuche herauszufinden welche Auswirkungen diese Beziehung auf die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund an der Schule haben kann. Im nächsten Kapitel stelle ich die Schulsozialarbeit mit ihren Aufgaben und Methoden vor, wobei der Fokus auf die Rolle der Schulsozialarbeiter als Unterstützungskraft liegt, die Handlungsansätze für die Schaffung einer interkulturellen Verständnis am Standort Schule entwickelt. Als nächstes wird auf die interkulturelle Pädagogik eingegangen mit dem Ziel, neue Impulse und Strategien zu entdecken, die für die Weiterentwicklung und Verankerung interkultureller Bildung hilfreich sein können und somit neue Wege für die Schulsozialarbeit eröffnen, Schülern mit Migrationshintergrund eine gleichberechtigte Teilhabe an dem Bildungssystem zu ermöglichen. Zum Schluss werden die wichtigsten Aussagen zusammengefasst und auf neue Perspektiven für Praxis und Forschung hingewiesen.

2. Begriffsbestimmungen

2.1 Migration

Die aktuelle Statistik von Schuljahr 2017/2018 berichtet, dass von rund 11,0 Millionen Schülern 10,7% Ausländer sind, was eine Zunahme von ca. 5,4% im Vergleich zum letzten Schuljahr entspricht.3 Im allgemeinen Sprachgebrauch verwendet man oft willkürlich die Begriffe „Ausländer” und „Migrant”, obwohl tatsächlich einen Unterschied vorliegt. Diese Differenz basiert auf die Unterscheidung von Kindern, die in Deutschland geboren wurden und diejenigen, die in jungen Jahren nach Deutschland eingewandert sind. Diese Differenzierung ist zwar relevant, wenn statistische Daten erhoben werden, für die vorliegende Arbeit spielt sie dagegen keine wesentliche Rolle. Es wird die folgende Definition von Treibel als Verständnisgrundlage übernommen, die beide Zielgruppen umfasst:

Unter Migration versteht man „der auf Dauer angelegte bzw. Dauerhaft werdende Wechsel in eine andere Gesellschaft bzw. in eine andere Region von einzelnen oder mehreren Menschen”.4

Wenn von Schüler mit Migrationshintergrund die Rede ist, dann werden Kinder und Jugendliche die entweder eine nicht- deutsche Staatsangehörigkeit besitzen oder mindestens ein Elternteil haben, das zugewandert ist, gemeint.

Der Begriff der Migration wird oft in Verbindung mit dem der Kultur gesetzt und das ist nicht ohne vernünftigen Grund. Die zweispaltige Unterscheidung zwischen ‚.Kultur der Migranten‘‘ und ,,Kultur der Aufnahmegesellschaft‘‘ beinhaltet in sich schon Konfliktpotenzial, weil dabei von zwei gegeneinander positionierten Traditionsformen ausgegangen wird, die isoliert voneinander existieren. Dieses Denkmuster setzt dem Integrationsgedanken Grenzen indem die ,,Aufmerksamkeit von strukturellen Problemen der Organisation abzieht und auf externe, kulturelle Determinanten lenkt‘‘.5 Ein rein kulturorientiertes Verständnis von Migration hat in diesem Sinne Konsequenzen für den Integrationsprozess, da es auf Defizitkonstruktionen basiert und die verschiedenen Migrationsformen nicht beachtet. Der Soziologe Hoffmann- Nowotny vertritt dagegen die interessante Theorie, dass es „nicht so sehr darum geht, ob die aufnehmende Gesellschaft die kulturellen Unterschiede akzeptiert, sondern ob sie die zentralen Statuslinien für die Einwanderer öffnet oder sie weitgehend geschlossen hält”.6

2.2 Integration

Genauso vielfältig wie die Migrationsformen sind auch die Arten von Integration, die sich in letzter Zeit etabliert haben.7 In den Sozialwissenschaften spricht man von Prozessen der Assimilation, Eingliederung und Inklusion, was es wiederum schwierig macht, eine konzeptuelle Differenzierung stattfinden zu lassen. Der Begriff der Integration wird auch als ein mehrdeutiger Begriff bezeichnet, da man diesen aus verschiedenen Perspektiven definieren kann und man kein allgemeines Integrationsverständnis durchsetzen kann.8

Integration als soziologisches Konzept beschreibt einen Zustand in dem Stabilität von Beziehungen in einem bestimmten sozialen System angestrebt wird.9 Integration bezeichnet immer ein Prozess und keinen Zustand. Nach dieser Definition existiert ein System von sozioökonomischen, kulturellen und rechtlichen Beziehungen die die neuen „Mitglieder” aufnehmen und somit ein Teil des Ganzen werden.10 Dieses Verständnis von Integration kann man als Sozial-Integration zusammenfassen. Es wird bei der Sozial-Integration auf vier Dimensionen verwiesen- der Erwerb von Wissen und Kompetenzen (Kulturation), die Aufnahme von sozialen Beziehungen (Interaktion), die emotionale Zugehörigkeit (Identifikation) und die strukturelle Integration.11

Da der Schwerpunkt der vorliegenden Arbeit die Institution Schule ist, wird dem Begriff der strukturellen Integration12 große Bedeutung zugemessen. Die zwei meist diskutierten kontroversen Theorieströmungen präsentieren einerseits die assimilationistischen Ansätze und andererseits die pluralistischen Ansätze, beide bezogen vor allem auf die strukturelle Integration von Migranten. Bei dem ersten Modell handelt es sich um Theorien, die die Übernahme und den Erwerb von aufnahmelandspezifische Kompetenzen und Orientierungen als Voraussetzung für eine erfolgreiche Integration definieren, während pluralistische Modelle die Beibehaltung von ethnischen Kompetenzen und Beziehungen der Migranten als entscheidend bezeichnen.13 Diese theoretischen Überlegungen zeigen deutlich die vielschichtige Natur von Integration und bilden somit die Grundlage für die weitere Bearbeitung der Fragestellung.

3. Zum Verhältnis zwischen Schule und Migration

Wie bereits erwähnt, kann man von einer homogenen Gruppe der Migrantenkinder und Jugendlichen nicht ausgehen, da es viele Migrationsformen gibt, die auf eine emotionale und strukturelle Ebene den individuellen Lebenslauf bedingen. Was aber ohne Zweifel festgestellt werden kann ist die nachteilige Positionierung beim Zugang zu Bildung von Kindern aus Migrantenfamilien gegenüber einheimischen Kindern. Obwohl eine Verbesserung in den Partizipationschancen vorliegt, hat sich die Problematik in den letzten vier Jahren durch die Flüchtlingskrise wieder verschärft. Es erscheint an diese Stelle sinnvoll statistische Daten zu präsentieren, die einen Überblick über die aktuelle Situation skizzieren. Danach werden wichtige Aspekte der Wechselwirkung zwischen Schule und Migration aufgegriffen.

[...]


1 Im folgenden Text werden bei Personenbezeichnungen wegen der besseren Lesbarkeit grundsätzlich nur die männlichen Personen genannt; sie werden als Gattungsbegriffe verstanden, die stets auch die entsprechenden weiblichen Personen einschließen.

2 Vrgl. Hocke/Kleff: 2017, S.13.

3 Statistisches Bundesamt, Pressemitteilung Nr. 089 vom 13.03.2018, www.destatis.de

4 Treibel 2013, S.21 in: Polat,A.(Hrsg).: Migration und Soziale Arbeit, Wissen,Handlung,Haltung, 1.Auflage 2017,S.18.

5 Acerenza,O.: Ausländer im Bildungssystem, Integriert oder ausgegrenzt, 2007, S.6.

6 Hoffmann-Nowotny 1973, S.172 in: Acerenza,O.: Ausländer im Bildungssystem, Integriert oder ausgegrenzt, 2007,S.9.

7 Vrgl.Heckmann, F.: Integration von Migranten, Einwanderung und neue Nationenbildung,2015.

8 Vrgl.Polat, A.:Migration und Soziale Arbeit, Wissen, Haltung, Handlung, 1.Auflage 2017,S.21.

9 Vrgl.Heckmann,2015,S.70.

10 Ebd.

11 Esser,H.:Pluralisierung oder Assimilation,Effekte der multiplen Inklusion auf die Integration von Migtanten, Zeitschrift für Soziologie, Jg. 38, Heft 5, Oktober 2009, S. 358–378.

12 Unter struktureller Integration wird den Erwerb der Mitgliedschaft in den Kerninstitutionen (Bildungssystem, Wirtschaft und Arbeitsmarkt) der Aufnahmegesellschaft durch die Migranten und ihre Nachkommen verstanden: ebd., S.72.

13 Esser,H.:Pluralisierung oder Assimilation,Effekte der multiplen Inklusion auf die Integration von Migtanten, Zeitschrift für Soziologie, Jg. 38, Heft 5, Oktober 2009, S. 358–378.

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Details

Titel
Wie kann die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Schulen mit Hilfe der Schulsozialarbeit gefördert werden?
Note
1,3
Jahr
2018
Seiten
18
Katalognummer
V455467
ISBN (eBook)
9783668878099
ISBN (Buch)
9783668878105
Sprache
Deutsch
Schlagworte
integration, kindern, jugendlichen, migrationshintergrund, schulen, hilfe, schulsozialarbeit
Arbeit zitieren
Anonym, 2018, Wie kann die Integration von Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund an Schulen mit Hilfe der Schulsozialarbeit gefördert werden?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455467

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