Der sogenannte Schmetterlingseffekt wurde durch den Titel eines Vortrags des Meteorologen Edward Lorenz (1972) unvermittelt berühmt und zugleich zum Paradigma der Chaosforschung. Naturwissenschaftlich betrachtet werden hierbei u.a. Kausalitäten von Wetterphänomen subsumiert, die Quintessenz dieser Frage lässt sich aber dennoch auch auf pädagogische Kernfragen übertragen: Können kleine Ursachen große Wirkungen verursachen? Welchen Einfluss hat mein Handeln auf meine Umwelt und die Lebenswelt anderer? Diachron betrachtet ist die Frage nach Ursache und Wirkung keine Neue. Bereits Cicero erkannte das
Potential des scheinbar Nichtigen: „Der Ursprung aller Dinge ist klein“ und präsentiert somit bereits eine Antwort: Unser Handeln, unser Konsum hat Auswirkungen. Diese Folgen betreffen hierbei oftmals den Globalen Süden, allerdings sind diese (aus eurozentrischer Perspektive) selten ad hoc erfahrbar. In der Auseinandersetzung mit der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) werden sich die Akteure – pädagogisch Handelnde sowie die Adressat*Innen – sich diesen Fragen stellen müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Theoretische Auseinandersetzung
2.1. Bildung für nachhaltige Entwicklung – der Versuch einer Begriffsklärung
2.2. Die globale Dimension der BNE
2.3. Die Oxfam-Studie im Blickwinkel der globalen Dimension
3. Methodisch-didaktischer Zugang
3.1. Methodische Überlegungen aus Perspektive der Erwachsenenbildung
3.2. Didaktisches Konzept für junge Erwachsenen (Zielgruppe 18-23 Jahre)
4. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bedeutung der globalen Dimension innerhalb des Bildungskonzepts "Bildung für nachhaltige Entwicklung" (BNE) und hinterfragt kritisch die Auswirkungen des Konsums im Globalen Norden auf den Globalen Süden.
- Grundlagen und theoretische Einordnung des BNE-Konzepts
- Analyse der globalen Verflechtungen und Verantwortung
- Fallbeispiel: Kritische Betrachtung der Bananenproduktion (Oxfam-Studie)
- Erwachsenenpädagogische Ansätze zur Vermittlung globaler Zusammenhänge
- Gestaltungskompetenz als zentrales Ziel der BNE
Auszug aus dem Buch
2.3. Die Oxfam-Studie im Blickwinkel der globalen Dimension
Oxfam, eine internationale Nothilfe- und Entwicklungsorganisation, deren Leitziele einer nachhaltigen Entwicklung entsprechen, konnten in ihrer Studie Make fruit fair (2016) aufdecken unter welchen Bedingungen u.a. Bananen nach Deutschland gelangen und welche Rolle deutsche Supermarktketten (Aldi, Lidl, Edeka und Rewe) in der ausbeuterischen Produktion spielen. Hierzu wurden stichprobenartig Plantagen untersucht, die die Supermärkte in Deutschland beliefern (u.a. Palmar, ein nationales Unternehmen, welches nach eigenen Angaben wöchentlich ca. 80.000 Kisten Bananen an Aldi- und Rewe-Lieferanten verschickt). (vgl. Oxfam, 2016 S.6). Die globale Dimension der BNE wird am Exportschlager Banane – über ein Viertel der gesamten Produktion wird in alle Teile der Welt exportiert (vgl. Fairtrade, 2012, S.4) – für Adressat*Innen deutlich. Die Folgen des immensen Preisdrucks seitens der Supermärkte, die ihre monetäre Marktmacht ausspielen, tragen zu menschenunwürdigen Produktionsbedingungen und prekären Arbeitsverhältnissen bei. Zwar herrschen in den Supermarktketten penible Auswahlkriterien bezüglich des Aussehens der begehrten Früchte, die soziale und ökologische Komponente spielt hingegen kaum eine Rolle. Die Untersuchungen von Oxfam deckten viel mehr deutliche Verstöße gegen Menschen- und Arbeitsrechte auf. Die Liste der Verstöße ist lang und zeigen deutlich die Folgen des hiesigen (Bananen-) Konsums.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Das Kapitel führt in die Thematik der globalen Zusammenhänge ein und zieht eine Parallele zwischen dem sogenannten Schmetterlingseffekt und den Auswirkungen unseres Konsums auf den Globalen Süden.
2. Theoretische Auseinandersetzung: Hier werden der Begriff der Bildung für nachhaltige Entwicklung (BNE) definiert, die globale Dimension sowie die Oxfam-Studie als empirisches Beispiel für globale Ungerechtigkeiten erörtert.
3. Methodisch-didaktischer Zugang: Dieser Abschnitt beleuchtet die Herausforderungen der Erwachsenenbildung bei der Vermittlung komplexer globaler Themen und stellt ein konkretes didaktisches Konzept für junge Erwachsene vor.
4. Fazit und Ausblick: Das Fazit resümiert den Handlungsbedarf bei der Implementierung von BNE in der Erwachsenenbildung und betont die Notwendigkeit einer kritischen Reflexion des eigenen Konsumverhaltens.
Schlüsselwörter
Bildung für nachhaltige Entwicklung, BNE, globale Dimension, Globaler Norden, Globaler Süden, Konsumkritik, Oxfam-Studie, Erwachsenenbildung, Gestaltungskompetenz, Nachhaltigkeit, Bananenproduktion, globale Gerechtigkeit, soziale Verantwortung, Umweltbildung, Partizipation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Rolle der "globalen Dimension" innerhalb des Bildungskonzepts "Bildung für nachhaltige Entwicklung" und untersucht die Verantwortung von Konsumenten im Globalen Norden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder sind die Definition von BNE, die Auswirkungen globaler Lieferketten am Beispiel der Bananenproduktion sowie die didaktische Vermittlung dieser Themen in der Erwachsenenbildung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Verknüpfung zwischen individuellem Konsumverhalten und globalen sozialen sowie ökologischen Folgen aufzuzeigen und Ansätze zu finden, wie BNE in der Erwachsenenbildung verankert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine Literaturanalyse, um den aktuellen Forschungsstand zu BNE aufzuarbeiten und didaktische Zugänge theoretisch zu begründen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert theoretische Hintergründe der BNE, beleuchtet durch die Oxfam-Studie die Problematik der Bananenproduktion und entwickelt ein didaktisches Konzept für die Zielgruppe der 18- bis 23-Jährigen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind BNE, globale Dimension, Konsumkritik, soziale Gerechtigkeit, Erwachsenenbildung und globale Lieferketten.
Welche Rolle spielt die Oxfam-Studie in dieser Analyse?
Sie dient als exemplarisches Fallbeispiel, um die negativen Auswirkungen des Preisdrucks durch Supermarktketten und die prekären Arbeitsbedingungen im Globalen Süden konkret zu verdeutlichen.
Warum wird speziell die Zielgruppe 18-23 Jahre gewählt?
Diese Gruppe befindet sich in einer Lebensphase, in der sie als junge Erwachsene zunehmend eigenständig konsumieren und somit eine direkte Zielgruppe für eine kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Handeln darstellt.
Welche Schlussfolgerung zieht der Autor zur "Gestaltungskompetenz"?
Die Gestaltungskompetenz wird als das Richtziel der BNE definiert, um Menschen zu befähigen, reflektiert, kooperativ und kritisch mit globalen Herausforderungen umzugehen.
Gibt es eine einfache Lösung für das globale Problem?
Nein, die Arbeit stellt dar, dass es keine einfachen Lösungen gibt, sondern betont die Notwendigkeit, sich der Komplexität zu stellen und durch Bildung einen "Mentalitätswandel" einzuleiten.
- Arbeit zitieren
- Florian Rauschert (Autor:in), 2018, Bildung für nachhaltige Entwicklung. Die globale Dimension, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455471