Niccolò Machiavelli. Vorläufer eines neuen Theorietyps

Ein Protokoll zu Niccolò Machiavelli im Rahmen der Geschichte der Soziologie


Zusammenfassung, 2011

8 Seiten, Note: 2.3


Leseprobe

Inhalte

Niccolò Machiavelli
1 Die Renaissance und ihre Auswirkungen
2 Das Leben des Machiavelli
3 Il Principe: die Technologie der Macht
4 Die Diskurse um Titus Livius
5 Rezeption

Bibliografie

Niccolò Machiavelli

Niccolò Machiavelli kann als Vorläufer eines neuen Theorietyps gesehen werden. Unsere heutige Gesellschaft wird im Wesentlichen von zwei Merkmalen charakterisiert: vom Kapitalismus als Wirtschaftssystem sowie vom modernen Zentralstaat als politisches System. Machiavelli nun gehört zu den Autoren, die konkrete Vorstellungen und Gedanken zur Idee eines zentral verwalteten, auf der Idee der Nation gegründeten Staats geäußert haben. In diesem Sinne ist die Machiavelli'sche Theorie (auch) für Soziologen interessant und soll im Folgenden in ihrem Entstehungskontext betrachtet werden.

Neben Machiavellis Wunsch nach einem Italien als Einheitsstaat findet sich noch ein zweites wiederkehrendes Motiv: Machiavelli sieht Geschichte als einen sich stets wiederholenden Kreislauf und orientiert sich damit stark an antiken Autoren, welche er als Gegenwartsliteratur rezipierte.

1 Die Renaissance und ihre Auswirkungen

Im Laufe des 13. bis 15. Jahrhunderts gab es zahlreiche Veränderungen in Italien. Diese lassen sich am treffendsten mit dem im 19. Jahrhundert dafür gefundenen Begriff der Renaissance beschreiben. Die Betrachtung dieser Epoche ist eng mit der Vorstellung davon verbunden, dass etwas vollkommen Neues im Entstehen begriffen war; auch in Abgrenzung des sich seinem Ende zuneigendem Mittelalter. Eine der Neueren im Italien dieser Zeit war die Entstehung des Kapitalismus: es entstanden Banken und damit verbundene Bankgeschäfte, Geldtransfers, Wechsel, Kontoführung, Überweisungen, das Schecksystem etc. – Innovationen, welche das globale Finanzsystem bis in die Gegenwart hinein prägen.

Eine Rolle dabei spielte auch der Vatikanstaat, dessen Geldströme in dem neu entstandenen Bankensystem transferiert wurden. Schon zu dieser Zeit war das Geld- und Bankenwesen gesellschafts- bzw. grenzüberschreitend. Angeregt durch Fernhandelsbeziehungen nach Vorderasien oder Indien entstanden außerdem die Vorläufer heutiger Produktionsformen, beispielsweise Aktiengesellschaften (AG) oder Offene Handelsgesellschaften (OHG). Machiavelli selbst thematisierte in seinen Werken allerdings – trotz seines Wirkens in Florenz als einer der blühendsten Handelsmetropolen Italiens – vor allem politische Prozesse.

Bereits seit dem Mittelalter – in Italien, aber auch in anderen Teilen Europas – nahmen die Städte immer weiter an Bedeutung zu; gleichzeitig verlor der feudale Landadel vor allem in Italien allmählich seine Bedeutung. Auch der in den Städten lebende Adel verlor merklich an Einfluss. Mit dem Machtverlust dieser Adelsfamilien wurde der sogenannte Handelsneuadel, eine neu entstehende Schicht bürgerlicher Aristokraten, die vor allem in Florenz wirkten, wichtig.

Gleichzeitig stieg eine neue Elitegruppe auf: die Kriegsunternehmer. Diese Kriegereliten stellten Truppen zusammen und betrieben den Krieg gleichsam als lohnende Wirtschaftsunternehmung. Das Italien des 13. und 14. Jahrhunderts war ein gespaltenes Land: es existierten drei große Teile sowie mehrere kleinere Zentren, bestehend aus Fürstentümern und (z. T. autonomen) Städten; daneben existierte außerdem noch der Vatikanstaat. Durch diese Zersplitterung war Italien nicht nur uneinig und Spielball damaliger Großmächte wie Spanien oder Frankreich, sondern sie bot auch viele Chancen für die aufsteigenden Kriegsunternehmer. Ebendiese lösten alte dynastische Familien ab, wurden aristokratisiert und bekamen entsprechende Titel (Herzog, Graf etc.). Diese Neumächtigen nutzten zwar ebenso das Feudalsystem, allerdings diente ein neues Legitimationsprinzip als Basis: das des politischen und militärischen Erfolgs und nicht mehr der Verwandtschaft.

2 Das Leben des Machiavelli

Niccolò Pietro Michele Machiavelli wurde als Sohn des Juristen Bernardo Machiavelli (1427–1500) am 4. Mai 1469 in Florenz geboren. In diesem Jahr begann Lorenzo De’Medici (1449–1492) über die Stadt Florenz zu herrschen und seine Macht immer weiter zu konsolidieren. Im Alter von sieben Jahren besuchte Machiavelli die Lateinschule; später ging er auf die Schule des Klosters San Benedetto. Anschließend begann er an der Hochschule von Florenz ein Jurastudium (vgl. Gil 1994). Schon in seiner Kindheit und Jugend musste Machiavelli immer wieder erleben, wie das ungeeinte Italien von geeinten Großmächten wie Spanien oder Frankreich mit Kriegszügen überzogen wurde. Italien hätte sich nur dagegen wehren können, indem aus den Splitterstaaten ein Zentralstaat hervorgegangen wäre. Dafür hätte es drei Alternativen gegeben: der Papst hätte zentraler Herrscher Italiens werden können; die Macht des Papstes – welcher mit seinem Territorium wesentlich zur Splitterung Italiens beitrug – hätte gebrochen werden müssen oder, ausgehend von der päpstlichen Macht, hätte eine weltliche Herrschaft errichtet werden können, eine Variante, die Machiavelli später favorisierte.

Als Machiavelli gerade 21 Jahre alt war, wurde der Dominikanermönch Girolamo Savonarola (1452–1498) Prior des florentinischen Klosters San Marco. Dieser hielt aufwieglerische Predigten, in denen er unter anderem die Prunksucht der Päpste, den um sich greifenden Amtsmissbrauch sowie generell die unerhörte Luxuriösität des weltlichen Herrschaftssystems anprangerte. Als Folge solcher Zustände prophezeite er den apokalyptischen Niedergang von Florenz.

Im Jahr 1492 bestieg Alexander VI (1431–1503) aus der Borgia-Familie den Papstthron. Mit seinem Sohn, Cesare di Borgia (1475–1507), verband Niccolò Machiavelli lange die Hoffnung, dieser könnte – als Kriegsunternehmer im Auftrag des Vatikans – als Einiger Italiens fungieren. Im gleichen Jahr starb Lorenzo de'Medici und hinterließ einen schwachen Nachfolger, Piero II De’Medici (1472–1503), welcher aufgrund der Folgen der Kapitulation der durch Italien marschierenden Franzosen unter Karl VIII. (1470–1498) schließlich zwei Jahre später aus Florenz floh. Damit war die langjährige Herrschaft der Medici in Florenz erst einmal beendet. Übrig blieb ein Machtvakuum, welches der eben erwähnte Dominikanermönch nutzte, um eine Republik in der Stadt zu errichten – es handelte sich dabei allerdings nicht um ein freiheitliches, gerechtes Herrschaftssystem, sondern vielmehr um ein Terrorregime. Kurze Zeit später, im Jahr 1498, wurde Savonarola exkommuniziert und schließlich hingerichtet. Das Gerüst der republikanischen Herrschaft allerdings wurde beibehalten, allerdings wurden alle Ebenen von ehemaligen Anhängern Savonarolas gesäubert. Auch für die Medici bot sich keine Möglichkeit, in den republikanischen Staat zurückzukehren und erneut Fuß zu fassen.

Hier tat sich nun eine Chance für den jungen Niccolò Machiavelli auf: mit 29 Jahren besetzte er das nicht unbedeutende Amt eines Sekretärs, der für die Korrespondenz der Republik zuständig war. Er begann als Sekretär für innere Angelegenheiten, übernahm schließlich die diplomatische Korrespondenz und kümmerte sich anschließend sogar noch um die Angelegenheiten des Rats der Zehn (vgl. Gil 1994). Im Jahr 1512 allerdings, nach der Niederlage Frankreichs unter Ludwig XII. (1462–1515), sollte die Republik Florenz wieder unter die Herrschaft der Medici gebracht werden. Während das spanische Heer auf Florenz zumarschierte, wurde Machiavelli verantwortlich für die Verteidigung der Stadt Florenz. Als die Verteidigung misslang, kam es zum Machtwechsel: das vorherige Oberhaupt der Republik, Piero Soderini (1450–1522), wurde abgesetzt und die Medici zogen wieder in Florenz ein. Die Situation in Florenz war nun erst einmal unklar, da verschiedene Parteien und Interessen miteinander verhandelten. Machiavelli, der geglaubt hatte, auch unter einer Medici-Herrschaft seinen Sekretärsposten ausüben zu können, wurde im September 1512 jedoch verhaftet, eingekerkert und gefoltert.

Rund ein Jahr später wurde er zwar wieder freigelassen, bekam jedoch keine Anstellung mehr in Florenz, sondern zog sich auf sein Landhaus zurück. Hier fand sich Gelegenheit, seine heute bekanntesten Werke zu verfassen. Schließlich gelang es ihm, durch seine Schriften eine gewisse Aufmerksamkeit zu erregen, und bekam zumindest Aufträge für historische Werke und Bücher. Machiavelli war es nicht gelungen, in die Politik zurückzukehren, dafür aber war er offizieller Geschichtsschreiber von Florenz geworden. Später wurde Machiavelli rehabilitiert und erhielt seine Bürgerrechte zurück, womit er wieder als Stratege, Politiker und Diplomat tätig werden konnte (vgl. Gil 1994). 1527 zerfiel die Macht der Medici und Machiavelli machte sich Hoffnungen, einen Posten in der neuen Republik zu bekommen – allerdings wurde seine Bewerbung abgelehnt. Niccolò Machiavelli starb noch im gleichen Jahr, am 22. Juni 1527.

[...]

Ende der Leseprobe aus 8 Seiten

Details

Titel
Niccolò Machiavelli. Vorläufer eines neuen Theorietyps
Untertitel
Ein Protokoll zu Niccolò Machiavelli im Rahmen der Geschichte der Soziologie
Hochschule
Technische Universität Dresden  (Institut für Soziologie)
Veranstaltung
Geschichte der Soziologie
Note
2.3
Autor
Jahr
2011
Seiten
8
Katalognummer
V455660
ISBN (eBook)
9783668906167
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Machiavelli, Niccolo Machiavelli, Italien, Soziologie, Florenz, Herrschaft, Geschichte der Soziologie
Arbeit zitieren
Sabine Stoll Oettrich (Autor), 2011, Niccolò Machiavelli. Vorläufer eines neuen Theorietyps, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/455660

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